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Neun Deutsche, zwei Österreicher und zwei Schweizer schafften es zum FC Barcelona


DIE STORY IN KURZEN VIDEOS

DIE STORY IN KURZEN ESSAYS

Die Deutschen 3– 6: Ein erfolgreicher Mittelfeldstar, ein wenig erfolgreicher Prinz und zwei (fast) erfolglose Startrainer

3. Kevin-Prince Boateng: Der Prince kütt… aber nur als Leihspieler

Surreales aus Camp Nou: Am 22. Januar 2019 präsentiert der FC Barcelona Kevin-Prince Boateng als Winter-Neuzugang.
Surreales aus Camp Nou: Am 22. Januar 2019 präsentiert der FC Barcelona Kevin-Prince Boateng als Winter-Neuzugang. Foto: Imago Images / Jan Huebner.

Am 21. Januar 2019 wechselt Kevin-Prince Boateng auf Leihbasis und bis zum Saisonende vom italienischen Klub US Sassuolo zum FC Barcelona.

Unter uns, wir haben damals bei Ligalive die Meldung drei Mal lesen müssen, doch geglaubt haben wir sie danach immer noch nicht! Kein anderer Transfer eines deutschen Spielers zu „Barca“ kam überraschender, wirkte bizarrer, war sportlich so fragwürdig, als der des 15-fachen ghanaischen Nationalspielers.

Aus Sicht von Boateng war es eine unglaubliche Wendung in der bereits im Zenit stehenden, stets bewegten Karriere des gebürtigen Berliners, der am 22. Januar 2019 um 12.26 Uhr in Camp Nou aufschlug. Er erfüllte sich nach eigener Aussage einen Jugendtraum: „Ich wäre auch zu Fuß hergekommen, ich wollte unbedingt mit Lionel Messi zusammenspielen.“

Als neunter deutscher Profi, als Spieler oder Trainer bei „Barca“, unterschrieb Boateng unmittelbar vor seiner Vorstellung im Stadion unter großem Medieninteresse einen Leih-Vertrag bis zum Saisonende. Sein bisheriger Klub, Serie-A-Vertreter US Sassuolo, erhielt zunächst zwei Millionen Euro Leihgebühr. Wäre Boateng über den 30. Juni 2019 hinaus bei den Katalanen geblieben, wären noch einmal 8 Mio. Euro für die Italiener drin gewesen. Es blieb beim Konjunktiv. Boateng machte für „Barca“ nur vier Pflichtspiele, alle als Einwechselspieler. Drei Mal lief er in La Liga auf, ein Mal in der Copa del Rey. In der Champions League stand er in allen sechs Spielen 2019 nicht im Kader, auch im geschichtsträchtigen Halbfinal-Duell in Anfield beim FC Liverpool und Boatengs ehemaligem Dortmunder Mentor Jürgen Klopp – 0:4 nach 3:0 im Hinspiel – nicht. Im Kalenderjahr 2019 spielte nach „Barca“ noch für zwei weitere Klubs, AC Florenz und Besiktas Istanbul und dort ebenfalls als Leih-Profi.

4. Bernd Schuster – Es war perfekt. Doch dann ging der „blonde Engel“...

Bernd Schuster spielte acht Jahre für den FC Barcelona. Nach seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte Köln schritt er im März 1988 wortlos neben Bayer Leverkusens Falko Götz vom Platz. Das UEFA-Cup-Duell gegen die Bayer-Elf sollte Schusters Ende bei „Barca“ einläuten.
Bernd Schuster spielte acht Jahre für den FC Barcelona. Nach seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte Köln schritt er im März 1988 wortlos neben Bayer Leverkusens Falko Götz vom Platz. Das UEFA-Cup-Duell gegen die Bayer-Elf sollte Schusters Ende bei „Barca“ einläuten. Foto: Imago Images / Ferdi Hartung

Bernd Schuster ist eine deutsche Fußball-Legende. Der „blonde Engel“ war der erste und einzige Superstar aus der Bundesliga, der es in Spanien schaffte.

Und das in absolut jungen Jahren. Schuster genügten zwei Spielzeiten, er unterschrieb 1978 beim amtierenden Deutschen Meister 1. FC Köln, um sich ins Blickfeld der Katalanen zu spielen. Der offensive Mittelfeldspieler wechselte 1980 zum FC Barcelona und blieb dort acht Jahre. Das inspirierte den Koralle-Verlag in Hamburg, eine Springer-Tochter übrigens, zur Comic-Reihe „Kai Falke“. Der darin agierende Fußballstar konnte seine Ähnlichkeit zu Bernd Schuster schon allein deshalb nicht verleugnen, weil er im Trikot des FC Barcelona auftrat. Welche Diskussion dies heute um die Vermarktungs- und Verwertungsrechte auslösen würde, mag man sich ausmalen. Viel Spaß mit den Anwälten von Bernd Schuster…

Insgesamt 14 Jahre verbrachte Schuster bei den drei spanischen Spitzenklubs „Barca“, Real und Atlético Madrid, ehe ihn Bayer Leverkusen unter dem Motto „A Country for Old Men“ 1994 zusammen mit Rudolf Völler in die Bundesliga zurückholte. Ähnlich wie in Barcelona verlief Schusters Abschied aber auch unterm Bayer-Kreuz: Kontrovers und würdelos. Vom später entlassenen Coach „Sir“ Erich Ribbeck aus dem Kader gestrichen, klagte Schuster seinen Platz einfach ein. In Barcelona leistete er sich neben einer Klage gegen „Mes que un Club“ ein Sakrileg. Einen Tabubruch.

Schuster wechselte 1988 auf direktem Weg und ohne Zwischenstation zu „Barca“-Erzrivale Real Madrid. Mit seinem Transfer zu Atlético Madrid gelang ihm 1990 etwas, was bisher nur der Spanier Miguel Solér vorweisen konnte. Der Augsburger wurde zum erst zweiten Profi, der jemals für alle drei Großen in Spanien spielte.

Die größten Erfolge Schusters fielen in seine Zeit beim FC Barcelona, wo er mit gerade mal 20 Jahren auftauchte. Bei nur 61 absolvierten Bundesliga-Spielen und zehn Treffern in der deutschen Fußball-Eliteliga. So was konnte eben auch nur ein Bernd Schuster. In Barcelona wurde er Spanischer Meister und drei Mal Pokalsieger (Copa del Rey). Zudem errang er 1982 mit den Katalanen im Pokalsieger-Wettbewerb (2:1 gegen Standard Lüttich im eigenen Stadion Camp Nou) seinen größten Erfolg auf Vereinsebene. Mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, für die Schuster nie bei einer WM spielte, war er 1980 in Italien Europameister geworden. In Wettbewerb übergreifend 295 Spielen für „Barca“ traf Schuster 106-mal. Was Schuster zugutekam, war die Verpflichtung des englischen Trainers Terry Venables. Der später auch als englischer Nationalcoach erfolgreiche Venables machte den deutschen Spielmacher in einem britisch wirkenden 4-4-2-System zur zentralen Figur. Die Folge: „Barca“ wurde direkt spanischer Meister und erreichte 1986 das Europapokalfinale der Landesmeister. Dieses wurde trotz „Heimvorteil“ im spanischen Sevilla gegen den rumänischen Außenseiter Steaua Bukarest zum Langweiler (0:0 nach Verlängerung). Und zur Blamage für die Katalanen, die im Elfmeterschießen gegen den deutschstämmigen Torhüter Helmuth Duckadam den Kürzeren zogen.

„Aus“ gegen Leverkusen leitete Schusters Skandal-Wechsel ein

Wiedersehen mit dem 1. FC Köln und Weltmeister Bernd Cullmann (r.): Bernd Schuster im Dress des FC Barcelona, 1981.
Wiedersehen mit dem 1. FC Köln und Weltmeister Bernd Cullmann (r.): Bernd Schuster im Dress des FC Barcelona, 1981. Foto: Imago Images / Sven Simon

Auch 1988 scheiterte der FC Barcelona auf europäischen Parkett an einem Underdog: 0:0 und 0:1 im UEFA-Cup-Viertelfinale gegen Bayer 04 Leverkusen. Das Hinspiel fand in Köln, Schusters ehemaliger Wirkungsstätte, statt – und wurde für den Rückkehrer nicht angenehm. Bei jedem Ballkontakt wurde der ehemalige FC-Regisseur ausgepfiffen. „Ich glaube, dass es für die Leverkusener Spieler eine Riesen-Umstellung ist, vor 100.000 Zuschauern zu spielen“, glaubte Schuster im anschließenden Interview, „das müssen wir ausnutzen.“ Eine Fehleinschätzung. Nur 20.000 Fans verloren sich gegen den Werksklub im riesigen Estadio Camp Nou – und „Barca“ flog raus.

Wenig später wurde Schuster für viele in Katalonien zum Verräter. Zum Judas. Und das, obwohl er zuerst geschmäht wurde. Nach dem 30. April 1988, nach dem 2:0 im „Clasico“ gegen Real Madrid, stand er nicht mehr im „Barca“-Kader. Er schlug pikiert zurück. So viel Ignoranz veranlasste den schweigsamen Mittelfeldspieler 1988, ausgerechnet zum Erzrivalen Real Madrid zu wechseln. Wie? Er klagte gegen den Verein auf Vertragsauflösung.

Viel schlimmer als der Wechsel des „blonden Engels“ nach Madrid war jedoch die Tatsache, dass im Verlauf des Prozesses herauskam, dass viele „Barca“-Spieler zwei Verträge besaßen: Einen offiziellen für die Steuerbehörde und den „eigentlichen“ Arbeitsvertrag. Schuster erlebte indes bei Real Madrid zwei erfolgreiche Spielzeiten, wurde spanischer Meister und Pokalsieger und schloss sich 1990 Atlético Madrid an. Der nächste Tabubruch.

Bernd Schuster und Barcelona konnten auch Jahre später keine Versöhnung mehr feiern. Der gebürtige Augsburger wechselte 2007 noch einmal, als Trainer, zu Real Madrid und holte mit „Los Blanco“ 2008 die spanische Meisterschaft. Trotz seiner Entlassung in Madrid am 9. Dezember 2008. Chuzpe hatte Schuster im Laufe seiner schillernden Karriere immer und die Meinung der Öffentlichkeit hat ihn selten interessiert. Doch Kult bei „Barca“? Das hat er sich durch seine Wechsel selbst verdorben.

Was die Fans und die Medien dachten, interessierte Bernd Schuster, wie dieses Foto deutlich zeigt, wirklich nie…
Was die Fans und die Medien dachten, interessierte Bernd Schuster, wie dieses Foto deutlich zeigt, wirklich nie… Foto: Imago Images / Sven Simon

5. Udo Lattek – Er konnte nicht mit Maradona

Udo Lattek mit dem Europapokal der Pokalsieger, den er mit dem FC Barcelona 1982 im eigenen Stadion Camp Nou gewinnen konnte.
Udo Lattek mit dem Europapokal der Pokalsieger, den er mit dem FC Barcelona 1982 im eigenen Stadion Camp Nou gewinnen konnte. Foto: Imago Images / Sven Simon

Udo Lattek – Der Erfolgstrainer durchlebte vor dem Wechsel zu „Barca“ 1981 die schlimmste Zeit seines Lebens.

Sein Sohn Dirk starb mit 15 Jahren an Leukämie. Am 10. Mai 1981 bat Lattek, zu diesem Zeitpunkt bei Borussia Dortmund unter Vertrag und mit 33 Siegen aus 73 Pflichtspielen bei weitem nicht so erfolgreich wie zuvor in Gladbach oder in München, BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball um die vorzeitige Vertragsauflösung.

„Ich musste was anderes erleben, ich musste raus aus der Enge in Deutschland, ich musst eine neue Herausforderung haben, bekanntermaßen sagt man, Barcelona wäre der schwierigste Klub auf der Welt, das hat mich gereizt“, erklärte Udo Lattek (1935 – 2015) Jahre später in einer SPORT1-Dokumentation über sein Lebenswerk. Für den als Deutsches Sport-Fernsehen 1993 an den Start gegangenen Münchner Sender hatte Lattek nach seiner Trainerlaufbahn und bis 2010 insgesamt 16 Jahre lang als Experte gearbeitet.

Als Trainer gewann Udo Lattek zuvor mit dem FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach insgesamt acht deutsche Meistertitel. Mit dieser Bilanz ist er der erfolgreichste Vereins-Fußballtrainer Deutschlands. Außerdem gewann er mit diesen beiden deutschen Topklubs und dem FC Barcelona alle drei Wettbewerbe im Europapokal. Mit den Bayern holte er 1974 den Landesmeisterpokal, mit „Barca“ gewann er 1982, am Ende seiner ersten Saison, den Pokalsieger-Cup, mit Gladbach triumphierte er 1979 im UEFA-Pokal.

Udo Lattek war bei „Barca“ in zwei Jahren Trainertätigkeit durchaus erfolgreich, aber richtig glücklich wurde er nicht. Nach Streitigkeiten mit dem 1982 für umgerechnet acht Millionen Euro verpflichteten argentinischen Superstar Diego Maradona – dem zu diesem Zeitpunkt teuersten Spieler der Fußballgeschichte – wurde Lattek aber entlassen. Zu einer Meisterschaft reichte es für Barcelona in der Ägide Lattek nicht.

Deutsche Disziplin und katalanischer Freigeist

Auch wenn es auf dem Foto harmonisch aussieht: Udo Lattek und Superstar Diego Armando Maradona – das ging gar nicht. Links: Argentiniens Nationalcoach Cesar Luis Menotti, der Lattek später ablöste.
Auch wenn es auf dem Foto harmonisch aussieht: Udo Lattek und Superstar Diego Armando Maradona – das ging gar nicht. Links: Argentiniens Nationalcoach Cesar Luis Menotti, der Lattek später ablöste. Foto: Imago Images / Sven Simon
Deutsche Disziplin und eine eher teutonische taktische Ausrichtung waren schon damals mit der Einstellung bei „Barca“ und der spielerischen Ausrichtung von „Mes que un Club“ nur schwer vereinbar. Dabei war der Start richtig verheißungsvoll. Bernd Schuster erinnerte sich: „Gleich bei seinem ersten Auftritt eroberte Udo Barcelona im Sturm. Vor 45.000 Fans in Nou Camp hielt er seine Antrittsrede beim Training auf Spanisch. Die Spieler hatten sofort Respekt vor ihm. Das war eine Riesen-Geschichte! Er punktete bei allen Spaniern, so wie Pep Guardiola, als er seine erste Pressekonferenz bei Bayern auf Deutsch hielt. Dabei hatte Udo nicht sechs Monate Zeit, die Sprache zu lernen, sondern nur drei…“

„Ich habe die Mannschafssitzungen und die Pressekonferenzen immer selbst geleitet, habe nie einen Dolmetscher gebraucht“, sagte Lattek bei der „Doppelpass“-Sendung zu seinem 75. Geburtstag im DSF im Januar 2010, „die Spieler haben mit mir Spanisch gesprochen, auch wenn sie Katalanen waren.“

Udo Lattek arbeitete in Barcelona mit Stars wie Allan Simonsen und Bernd Schuster zusammen. Doch mit der Ankunft von Diego Armando Maradona wurde es für ihn schwierig bis unmöglich.

 

„Noch ein Mal – und ich bringe Sie um!“

„Wir haben ein Trainingslager in Holland gemacht und dabei habe ich Medizinbälle eingesetzt“, erzählte Lattek einmal über den Start mit Barcelona in die Saison 1982/83, „nach dem ersten Training kam Maradona zu mir: Trainer, noch ein Mal – und ich bringe Sie um!“

Ein Alpha-Männchen und ein Welttrainer in einem Team – dass dies nicht lange gutgehen konnte, zeichnete sich also schon relativ früh ab.

„Die Mentalität der beiden war so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Lattek, der immer geradeaus war und sein Ding durchzog und Maradona, der alles sehr, sehr locker nahm. Diego konnte fünf Stunden mit Ball trainieren, aber ohne hatte er nach fünf Minuten keine Lust mehr“, schildete Bernd Schuster diese ungleiche Zusammenarbeit, „schon in der Saison-Vorbereitung war das Laufen nicht Diegos Sache, er war oft erst fünf Minuten vor Trainingsbeginn in der Kabine. Und während ich abends um 21 Uhr im Bett lag, genoss Diego das Nachtleben.“

 

Lattek und Maradona – Zwei Welten!

Schuster 2010 über Lattek und Maradona: „Dass Lattek von Maradona raus gemobbt wurde, kann man im Nachhinein so sehen. Das war so, da trafen natürlich zwei Welten aufeinander. Udo, so deutsch wie ein Profi sein konnte, und Diego, der bei allem, was ohne Ball war und länger als zehn Minuten gedauert hat, am liebsten nach Hause gegangen wäre.“

Maradona intrigierte gegen Lattek bei der Klubführung. „Ich möchte Menotti haben“, soll Maradona bei der „Barca“-Führung gefordert haben – und er wurde erhört. „El Flaco“, der Dürre, Argentiniens Weltmeistercoach von 1978, wurde 1983 Latteks Nachfolger. Der Maradona-Förderer der ersten Jahre und passionierte Kettenraucher hielt es in Barcelona allerdings auch nur eine Saison aus.

Lattek kehrte 1983 zu Bayern München zurück und prägte dort eine zweite, erfolgreiche Ära – mit drei Meistertiteln in Folge, zwei DFB-Pokal-Siegen und dem Erreichen des Europapokalfinales der Landesmeister 1987. Im „Barca“-Museum im Estadio Camp Nou ist bis heute eine eigene Ausstellung über Udo Lattek zu finden.

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6. Hennes Weisweiler – „Der Don“ passte nicht zu Barcelona

Hennes Weisweiler (m.) mit seinen niederländischen Superstars Johan Cruyff (l.) und Johan Neeskens.
Hennes Weisweiler (m.) mit seinen niederländischen Superstars Johan Cruyff (l.) und Johan Neeskens. Foto: Imago Images / WEREK

Als Hennes Weisweiler 1975 den Mönchengladbacher Bökelberg verließ und nach prägenden, erfolgreichen Jahren mit der Borussia eine neue Herausforderung im Ausland suchte, konnte man sicher sein, dass die Bundesliga einen ihrer profiliertesten Trainer verloren hatte.

Wenn auch nur vorübergehend. Denn das Gastspiel des „Don“ beim FC Barcelona war nur ein Intermezzo.

Auch und trotz der Vorgabe, die sich der Gladbacher Meistertrainer der Jahre 1970, 1971 und 1975 selbst gegeben hatte. „Ich habe meinen Stil in einer Mannschaft geprägt. Nun will ich versuchen, ihn in Spanien durchzusetzen“, erklärte Weisweiler vor seinem Wechsel nach Barcelona.

 

Der „Don“ gegen den „König“ – Epischer Machtkampf in Barcelona

Daraus wurde nichts. In der katalanischen Metropole war für einen „Don“ und einen „König“, also zwei Alpha-Tiere, zu gleicher Zeit am gleichen Ort kein Platz. Denn in Barcelona „residierte“ seit 1973 der geniale niederländische Spielmacher Johan Cruyff (1947 – 2016). „El Salvador“, der Erlöser, wie die heißblütigen katalanischen Fans den Kettenraucher aus Amsterdam auch nannten, hatte den FC Barcelona im Februar 1974 zu einem epischen Triumph geführt. An vier der fünf Tore des FCB war Cruyff beteiligt. Eine 5:0-Demütigung für den Erzrivalen Real Madrid im heimischen Estadio Santiago Bernabeu. In der politisch hochbrisanten Zeit der Franco-Diktatur geriet diese Partie zu einem Politikum. Ein Spiel, das die „Cruyff-Mania“ in Barcelona auslöste und die bis heute ungebrochene Popularität des Niederländers begründete.

Der knorrige Rheinländer und der Fußball-Revoluzzer aus Holland – das konnte von Anfang an nichts werden. Cruyff war bereits damals das, was er auch noch nach seiner Trainer-Tätigkeit in Barcelona war: Ein Meinungsmacher. Sein Wort hatte bei den „Barca“-Oberen immer Gewicht und so war es keine Überraschung, dass Cruyff vom Start weg einen Kleinkrieg gegen Weisweiler führte.

„Weisweiler ist nicht der Trainer meiner Wahl“, sagte Cruyff – und damit hatte er dem deutschen Coach bereits den Federhandschuh hingeworfen. Cryuffs Befürchtung: Der eigenwillige Weisweiler wollte ihm seiner Meinung nach die spielerischen Freiheiten, die er zuvor unter seinem Landsmann und Ex-Bondscoach Rinus Michels genossen hatte, entziehen.

Weisweiler, der Kontrollfreak

Hennes Weisweiler und Johan Cruyff - das ging gar nicht. Foto: Imago
Hennes Weisweiler und Johan Cruyff - das ging gar nicht. Foto: Imago
Ob Weisweiler dies wirklich vorhatte, darüber lässt sich trefflich spekulieren. Dass Cruyff als Spieler nicht einfach zu führen war, hätte er wissen müssen. 1973 erpresste Cruyff den niederländischen Fußballverband (KNVB), in dem er offen mit seinem Karriereende drohte, würde man ihn nicht nach Spanien ziehen lassen.

Weisweilers Biograf Hermann Josef Weskamp war in einem WELT-Interview (2014) allerdings sicher: „In Mönchengladbach war er ein kleiner König, der auf alles geachtet hat, sogar auf die Anschaffung von Schnürsenkeln. Er war ein Kontroll-Freak. Und dann kommt er nach Barcelona, zu einem Unternehmen mit einem unglaublichen Netzwerk und einem Potenzial an Intrigen.“ Dies, so Weskamp über Weisweiler, habe der Erfolgstrainer aus Deutschland „völlig falsch eingeschätzt und die Konfrontation mit Johan Cruyff einfach nicht auf die Reihe bekommen.“ Ihm sei nicht klar gewesen, „welche Möglichkeiten der Cruyff hatte, um gegen Weisweiler zu intrigieren.“ Aus der erst später entwickelten, sehr erfolgreichen schwedischen Reihe „Entdecke die Möglichkeiten“ machte Cruyff in den zehn Monaten der Dauer-Fehde mit Weisweiler vor allem von seinem guten Kontakten Gebrauch. Agostin Montal, der Präsident von Barcelona stellte sich schließlich auf seine Seite – und damit war der Machtkampf entschieden.

Sportlich spätestens am 8. Februar 1976. In Sevilla hatte Cruyff ein Gegentor der Katalanen verschuldet – und kassierte die Höchststrafe. Weisweiler holte den unumstrittenen Star vom Platz. „Auswärts ist er nie über die Mittellinie gekommen“, verteidigte der deutsche Coach diese Maßnahme auch Jahre später noch. „Ich mag es nicht, wenn man mich autoritär behandelt“, giftete hingegen der gekränkte Niederländer – und lehnte sich offen gegen Weisweiler auf, der mittlerweile auch die „Barca“-Fans gegen sich hatte.

Die „Barca“-Führung setzte mit der Vertragsverlängerung von Johan Cruyff bis 1978 ein klares Zeichen in diesem Streit, der die spanischen Sportmedien in Atem hielt. Weisweiler bat wenig später um die vorzeitige Auflösung seines Zwei-Jahres-Vertrages. Der „Don“ kehrte im Sommer 1976 nach Köln zurück und konnte beim FC mit dem „Double“ 1978 und einem weiteren DFB-Pokalsieg 1977 an die Erfolge vor dem Spanien-Exil anknüpfen. Er starb am 5. Juli 1983 an den Folgen eines Herzinfarkts.

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