Personae non gratae: Diese Typen sind beim FC Bayern unbeliebt


PNGs: Personae Non Gratae – Diese Typen sind beim FC Bayern mehr als unbeliebt zurzeit.

Christoph Daum – Der „Verschnupfte“: Christoph Daum hat Trainer-Ikone Jupp Heynckes in den 80-er Jahren in einer Weise „angemacht“, die Uli Hoeneß bis heute nicht verzeihen kann. Kostprobe: „Die Wetterkarte ist interessanter als ein Gespräch mit ihm.“ Oder: „Ich werde immer häufiger angerufen von Leuten, die wissen wollen, was der Unterschied zwischen Heynckes und einem großen Trainer sei.“ Daum tut das, um die Bayern im Titelkampf zu verunsichern. Legendär ist das Aufeinandertreffen der Protagonisten im Aktuellen Sportstudio vor dem entscheidenden Match des 1. FC Köln gegen die Bayern im Mai 1989, als sich Daum und Hoeneß vor einem Millionenpublikum fetzen. Das TV-Duell gewinnt gemäß einer Leserumfrage der BILD Daum (47% Zustimmung) weit vor seinem Sportdirektor Udo Lattek (30%), Heynckes (15%) und Hoeneß (8%). Meister aber werden die Bayern, die fortan einen neuen Lieblingsfeind haben. Hoeneß: „Leute wie Daum müssen wir in Zukunft schon im Keim ersticken.“ Oder verhindern. Der Streit lebt knapp zwölf Jahre später wieder auf und erreicht eine neue Eskalationsstufe, als Hoeneß die Verhinderung Daums als Nachfolger von Erich Ribbeck als Trainer der deutschen Nationalmannschaft betreibt. Mit seiner Interviewaussage in der AZ München – ,,Wenn unwidersprochen über den verschnupften Daum geschrieben werden kann, darf er nicht Bundestrainer werden“ – löst er eine Lawine aus. Hoeneß bekommt Morddrohungen, Daum ist in der Öffentlichkeit der Gute – bis er sich mit seiner Haarprobe, die exorbitanten Kokaingenuss nachweist, selbst überführt.  Trotzdem hat er Hoeneß „die schlimmste Zeit meines Lebens“ (vor der Inhaftierung) eingebrockt und ist auch nach Daums Geständnis nicht besänftigt: „Bei all dem fehlt mir die Reue.“ Daum bringt es zwar im In- und Ausland zum Meisertrainer, aber für den FC Bayern kommt er aus gutem Grund nie in Frage.

Jens Lehmann – Der Rivale: Der Torwart nimmt Oliver Kahn vor der WM 2006 den Platz als deutsche Nummer 1 weg und wird von Bundestrainer Jürgen Klinsmann protegiert. Auch wegen einiger spezieller Aussagen über „King“ Kahn („Was soll ich mit ihm reden? Ich habe keine 17-jährige Freundin.“) wird er zum Buhmann der Bayern-Fans, die ihn bei einem Länderspiel in München gnadenlos ausbuhen.

Louis van Gaal – Der Tulpengeneral: Der Niederländer trainiert die Bayern von Juli 2009 bis April 2011 und gewinnt auf Anhieb das Double. Mit seiner spröden, empathielosen Art verprellt er Spieler wie Luca Toni, Miro Klose, den er beim ersten Training nach seinem Namen fragt, Mark van Bommel, Lucio und Franck Ribéry. Auch Präsident Uli Hoeneß hat mit dem „Tulpengeneral“ seine Probleme und greift LvG in der Sendung Sky 90 am 30. Oktober 2010 öffentlich an: „Es ist schwierig mit ihm zu reden, weil er anderer Leute Meinung nicht akzeptiert. Aber ein Verein ist heute keine One-Man-Show mehr.“ Es folgt ein Burgfrieden beim Rotwein im rumänischen Cluj am Rande eines Spiels in der Champions League, aber als van Gaal im Frühjahr den nächsten Konflikt heraufbeschwört und Ersatztorwart Thomas Kraft zur neuen Nummer 1 aufbauen will, obwohl Manuel Neuer im Sommer kommen soll, und die Meisterschaft in weite Ferne gerät, muss der Holländer gehen. Hoeneß hat sich bis heute mit einigen Widersachern ausgesöhnt, mit van Gaal (wohl noch) nicht.

Sebastian Kehl – Der Bayern-Verschmäher: Der Mann, der den Bayern-Scheck zurückgab. Der Transferstreit zwischen Borussia Dortmund und Bayern München um Nationalspieler Sebastian Kehl ist Anfang Januar 2002 vom Tisch. Dafür bedarf es eines Schlichtungsgespräch mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) in München. Der 21-Jährige entschuldigt sich öffentlich beim Champions-League-Gewinner aus München. „Ich habe mich davon überzeugt, dass Bayern München davon ausgehen konnte, dass eine Zusage zu einem Wechsel nach München besteht. Ich habe Verständnis, wenn der FC Bayern München über meine Entscheidung, zu Borussia Dortmund zu wechseln, enttäuscht ist“, wird Kehl in einer DFL-Presse-Erklärung zitiert. Laut DFL respektiert der FC Bayern die Erklärung Kehls „und wünscht ihm für seine sportliche Entwicklung beim BVB und in der Nationalmannschaft alles Gute“. „Für Bayern München ist damit die Angelegenheit abschließend erledigt“, so Wilfried Straub, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFL. Kehl hat noch als Spieler des SC Freiburg zunächst eine Vereinbarung mit dem Weltpokalsieger aus München getroffen. Kurz vor Weihnachten gibt er aber seinen Wechsel nach Dortmund bekannt. Die von den Bayern gezahlte Summe von 1,5 Millionen Mark überweist er zuzüglich Zinsen zurück. Der Fall Kehl ist der Beginn einer langandauernden Rivalität.

Uli Hoeneß und Paul Breitner im Look der 70-er Jahre
Uli Hoeneß und Paul Breitner im Look der 70-er Jahre. Foto: Imago Images

Noch mehr Personen, die beim FC Bayern unbeliebt sind

Klinsmann und der FC Bayern - das funktionierte nicht.
Klinsmann und der FC Bayern - das funktionierte nicht. Foto: Imago Images

Alan Sugar – Der Feind von der Insel: Der Inhaber von Tottenham gerät im Transfer-Tauziehen um Jürgen Klinsmann mit Uli Hoeneß und Jürgen Klinsmann aneinander.

Nach dem Wechsel des Deutschen nach München hält Sugar vor laufenden Fernsehkameras ein von Klinsmann signiertes Trikot in die Höhe und sagt: "Damit würde ich nicht einmal mehr mein Auto waschen." Einige Monate zuvor hat sich der Eigentümer der "Spurs" noch für den "besten Kauf aller Zeiten" feiern lassen. Jetzt verkündet er deprimiert das Ende einer Männerfreundschaft und kündigt rechtliche Schritte an. Zumindest einen Teil des Geldes wolle er zurückhaben von einem Mann, "dem ich in die Augen geschaut und vertraut hatte". Hoeneß verteidigt Klinsmann während der Fehde mit Sugar. Das gefällt dem englischen Geschäftsmann gar nicht. Später ändert sich die Meinung von Hoeneß über den Schwaben, aber wohl nicht über Alan Sugar. Zumindest ist hiervon nichts bekannt.

Jürgen Klinsmann – Der Gierige mit dem Lächeln: Sowohl als Spieler als auch als Trainer versucht sich der „ewig lächelnde“ Schwabe beim FC Bayern, beide Episoden enden unerfreulich. Der Spieler (1995-97) geht zwar als Meister, aber zermürbt vom Gebaren beim „FC Hollywood“ und im Zorn. Sinnbildlich dafür ist sein Tritt in eine Werbetonne nach einer Auswechslung durch Trainer Giovanni Trapattoni. Besonders mit Klubikone Lothar Matthäus, mit dem ihn seit gemeinsamen Mailänder Zeiten eine herzliche Abneigung verbindet, liegt Klinsmann über Kreuz. Matthäus macht Klinsmann dafür verantwortlich, dass ihn Bundestrainer Berti Vogts 1996 nicht mehr berücksichtigt und fordert ein TV-Duell mit seinem Mitspieler. Ehe es so weit kommt, sucht der das Weite („Es hat halt nicht gepasst mit dem Verein und mir.“). Trotz 31 Toren in 65 Bundesligaspielen überwiegt der negative Eindruck von einem Mann, der zuerst an sich denkt. Elf Jahre später scheint alles vergessen, aufgrund des starken deutschen Auftritts bei der Sommermärchen-WM 2006 holt der FC Bayern den dafür verantwortlichen Bundestrainer zurück – nun auf die Trainerbank. Er kommt mit großen Versprechungen, aber ohne Jogi Löw und will „ein Energiefeld aufbauen, das den Spielern viel Spaß machen wird“. Zusätzlich will er jeden Einzelnen „jeden Tag besser machen“. Der FC Bayern tut alles für den Sonnyboy mit Wohnsitz Kalifornien, baut das ganze Vereinsgelände um. Uli Hoeneß: „Klinsmann war der Trainer mit der größten Machtfülle in der Geschichte des FC Bayern. Seine Wünsche wurden nicht erfüllt, sondern überfüllt.“ Es folgt eine für Münchner Verhältnisse katastrophale Saison ohne Titel, darunter ein 1:5 in Wolfsburg, ein 2:5 zuhause gegen Bremen (Gegentorrekord in der Allianz Arena), ein 0:4 in Barcelona in der Champions League, kein Tag an der Tabellenspitze und die Entlassung am 29. Spieltag. Plötzlich haben es alle kommen sehen. Verteidiger Philipp Lahm schreibt in seiner Biographie: „Nach sechs Wochen wussten alle Spieler, dass es nicht gehen würde.“ Hoeneß tritt nach: „Für Klinsmanns Rauswurf waren am Ende nicht die Ergebnisse entscheidend, sondern das Verhältnis zur Mannschaft.“

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FC Bayern München - Die Liste der in Ungnade gefallenen geht weiter

Paul Breitnerdarf nicht mehr auf die Ehrentribüne des FC Bayern.
Paul Breitnerdarf nicht mehr auf die Ehrentribüne des FC Bayern. Foto: imago images Manfred Segerer

Paul Breitner – Persona Non Grata: Der Weltmeister von 1974 darf beim FC Bayern München nicht mehr auf die Ehrentribüne. „Es gab einen Anruf von Herrn Dreesen, mir werde von Uli Hoeneß nahegelegt, mich auf absehbare Zeit nicht im Ehrengast-Bereich blicken zu lassen“, so der frühere Münchner Profi zur „Bild“ im November 2018 über ein Telefonat mit Vorstandsmitglied Christian Dreesen.

„Ich habe ihm gesagt: Damit habe ich ohnehin gerechnet. Und ich möchte den einen oder anderen im Moment sowieso nicht sehen.“ Was ist geschehen?

Breitner hat im Oktober 2018 den verbalen Rundumschlag von Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei einer mehr als ungewöhnlichen Pressekonferenz in Sachen Medienschelte mit den Worten kritisiert: „Ich bin nach wie vor deprimiert, weil ich mir nie vorstellen konnte in 48 Jahren, die ich mit oder am Rande des FC Bayern lebe, dass sich dieser Verein diese Blöße gibt, dass er diese Schwäche zeigt. Was den Uli angeht: Ich verstehe vieles nicht, was dort passiert ist.“ Es ist mal wieder das Ende der On-off-Beziehung zweier Männer, die doch Freunde fürs Leben geworden zu sein schienen. Gemeinsam kommen sie 1970 in die Bundesliga, teilen sich eine WG, die Hotelzimmer und so manche lukrative Werbeeinnahme, feiern die großen Erfolge der Siebziger. Dann geht Breitner nach Madrid, doch noch als angehender Manager sorgt Hoeneß für Breitners Rückkehr.

Ein erstes Zerwürfnis 1983 bei einem Testspiel in Singapur wird notdürftig geflickt, noch vor einiger Zeit dient Breitner als Repräsentant des Vereins und Berater des Vorstands. Seine spitze Zunge hat er stets schlecht hüten können, schon 1973 wütet er: „Bei diesem Scheißverein können sie nicht mal richtig feiern.“ 2018 ist sein Kredit aufgebraucht.

Ole Gunnar Solskjaer – Der Torschütze: Der Norweger hat dem FC Bayern nichts Böses angetan. Außer, dass er in der 93. Minute das entscheidende Tor beim 2:1 für Manchester United im Champions League Finale 1999 geschossen hat.

Die Mutter aller Bayern-Niederlagen. Fällt irgendwo sein Name, bekommen echte Bayern-Fans Schmerzen an Leib und Seele.

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