Premier League: Tottenham Hotspur holt den 18-Millionen-Mann


Jose Mourinho
Seit seiner Entlassung bei Manchester United hatte José Mourinho viel Zeit, unter anderem für das Spiel der Frauen-WM, Frankreich gegen USA in Paris. (Photo by Richard Heathcote/Getty Images)

Es sind 12 turbulente Stunden an der White Hart Lane. Nach der Trennung von Mauricio Pochettino (46) geht es bei Tottenham Hotspur ganz schnell. Am Mittwoch Vormittag präsentiert der Premier-League-Klub José Mourinho (56) als Nachfolger.

Am Nachmittag leitet ,,The Special One“, wie sich Mourinho vollkommen unbescheiden bei seiner Ankunft in England 2004 genannt hat, schon das Training der ,,Spurs“, die unter Pochettino auf Rang 14 in der Premier-League-Tabelle abgestürzt sind.

Vermutlich haben diese unschönen Zahlen – Tottenham holt aus 12 Spielen in Englands Fußball-Eliteklasse nur 14 Punkten – die Verantwortlichen im Londoner Norden zum Handeln gezwungen, auch mit diesem Tempo.

„Ich mag Mauricio Pochettino, aber er hat im Schnitt nur einen Punkt aus den letzten 25 Spielen geholt“, erklärt der frühere Tottenham-Coach Harry Redknapp (72) am Mittwoch bei BBC Radio 5 Live , „die Tottenham-Verantwortlichen sind knallharte Geschäftsleute und sie dürften realisiert haben, dass diese Quote nicht reicht, um es noch in die Top 4 zu schaffen.“

Für José Mourinho (hinten) war das 1:3 gegen den FC Liverpool und Jürgen Klopp das letzte Spiel als Trainer von Manchester United. (Photo: Brunskill/Getty Images)

Tottenhams Sparfüchse und Mourinho - Kann das gut gehen?

Ohne Transfers ins Finale: Tottenhams verletzter Superstar Harry Kane (l., mit Kyle Walker-Peters) feiert mit Tottenham Hotspur in der Johan-Cruyff-Arena. (Photo by Dan Mullan/Getty Images )
Tottenhams Fans nehmen die Ernennung von José Mourinho zum neuen Trainer des Champions-League-Finalisten aus dem Vorjahr mit britischer Zurückhaltung. 

Der Fanklubverband Tottenham Hotspur Trust hat am Mittwochmittag in einer Mitteilung mit Skepsis auf die Verpflichtung des Portugiesen reagiert, der im Dezember 2018 von Manchester United entlassen worden war. „José Mourinho ist nun Trainer von Tottenham Hotspur“ und wir hoffen, dass dies uns den Erfolg bringt, den wir alle wollen“, heißt es darin, „aber es gibt offensichtliche Bedenken darüber, wie José und das Präsidium miteinander arbeiten werden. Als Fans wünschen wir uns größere Klarheit darüber, wie der Verein diese Zusammenarbeit sieht.“

Diese Frage dürfte offen bleiben. Bei Manchester United hat sich weder José Mourinho noch das Klub-Präsidium um Transparenz geschert. Bekommt er trotz meist üppiger Transfers nicht ,,die richtigen Spieler“, legt sich Mourinho in Manchester gern auch mal öffentlich mit dem Präsidium und der US-amerikanischen Eigentümerfamilie Glazer an.

Dass er beim sparsamen Tottenham-Boss Daniel Levy (57) – Tottenham tätigt 2018 und vor dem Erreichen des Champions-League-Finales keinen einzigen Transfer – mehr herausschlagen kann für seine ehrgeizigen Pläne als in Manchester, ist fraglich.

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Tottenham Pochettino

Mourinho wird sich in London umstellen müssen...

Gestatten, The Special One! José Mourinho beim FC Chelsea... (Photo by Ian Walton/Getty Images)

Eine andere Frage: Wie geht Mourinho in London mit den Medien um?

In der Schlussphase seines Schaffens bei Man. United liefert er sich zu oft peinliche verbale Scharmützel mit den Journalisten. Ganz anders als sein Vorgänger, ,,The Poch“, der mit seinem putzigen Englisch und bärbeißigem Charme (,,Ist jemand müde?“) bei den strengen britischen Medienvertretern gut angekommen ist, zieht ,,The Special One“ in Manchester alle Register. An das ,,Vorrechnen“ der von ihm gewonnenen Premier-League-Titel sei an dieser Stelle erinnert…

Was dem Exzentriker nicht gefallen dürfte: Die Zeitung Daily Mail berichtet am Mittwoch, dass Mourinho wohl nur 2. Wahl bei den Londonern war. Wunschkandidat von Daniel Levy soll der Nordire Brendan Rodgers gewesen sein, der aber beim Tabellenzweiten Leicester City wohl kaum eine Freigabe erhalten hätte.

José Mourinhos soll bei den Londonern kolportierte  18 Mio. Euro pro Jahr an Gehalt kassieren Viel Geld, aber Mourinho gilt als Titel-Garant. 23 große Titel, darunter 8 Meistschaften in 4 Ländern hat er mit 5 Klubs gewonnen. Das macht einen Schnitt von 4,6 Titeln pro Verein. Tottenham dagegen wartet seit dem Erfolg im englischen Liga-Pokal von 2008 auf einen Titel. Was der ,,Special One“ noch wert ist, kann er direkt am Wochenende im London-Derby bei West Ham United zeigen.

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