Thomas Meunier – ,,Die Maschine” und die Belgien-Connection des BVB



Sie sind die Belgien-Connection des BVB: Thorgan Hazard, Axel Witsel und seit dem 1. Juli 2020 Thomas Meunier.

Die 3 belgischen Nationalspieler, 2018 allesamt WM-Dritter mit den ,,Roten Teufeln”, wurden in Dortmund binnen von 2 Transfer-Sommern verpflichtet. Bei Paris St.-Germain schied der Defensivspieler im Unfrieden. Mit PSG-Coach Thomas Tuchel, einem alten, aber keineswegs guten Bekannten der Dortmunder Verantwortlichen, soll er am Ende nur noch das Nötigste gesprochen haben. Nachdem sein Vertrag nicht mehr verlängert wurde, galt Meunier in Paris als Persona Non Grata.

Thomas Meunier definiert sein Spiel über Athletik, Dynamik und Technik . Er ist der geborene Flügelspieler. Ob auf der rechten Außenverteidigerposition oder im rechten Mittelfeld, der Belgier beackert diese Seite regelrecht.

Dabei ist Thomas Meunier, dieser so kantig wirkende Typ, mehr als nur ein Dauerrenner auf dem Platz. Meunier gilt schon allein wegen seiner akademischen Ausbildung als Feingeist. Ligalive.net stellt den belgischen Nationalspieler vor.

Thomas Meunier - Steckbrief

Thomas Meunier Borussia Dortmund Borussia Mönchengladbach 3:0
Thomas Meunier oder die Frage: Kann der Belgier die Abwehr von Borussia Dortmund endlich stabilisieren? Foto: Imago Images / Sven Simon
Thomas Meunier Borussia Dortmund Borussia Mönchengladbach 3:0
Thomas Meunier bei seinem Bundesliga-Debüt für Borussia Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach (3:0) am 19. September 2020. Foto: Imago Images / Laci Perenyi

Thomas Meunier wurde am 12. September 1991 in Sainte-Ode in Belgien geboren. Meunier ist 1,90 m groß und wiegt 82 kg. Er hat bis September 2020 insgesamt 40 Länderspiele für Belgien absolviert.

Meunier ist ein gelernter Mittelfeldspieler. Der Belgier kann auch als rechter Verteidiger eingesetzt werden. Er wurde für diese Position vom BVB verpflichtet, kam ablösefrei von Paris St.-Germain. Am 1. Juli 2020 unterschrieb Thomas Meunier einen bis zum 30. Juni 2024 gültigen Vertrag bei Borussia Dortmund.

Das Gehalt von Thomas Meunier bei beim BVB 09 soll bei kolportierten 10 Mio. Euro pro Jahr liegen. Dazu kommt ein Handgeld von 10 Mio. Euro, das Meunier bei seinem Wechsel ohne Ablöse von Paris zum westfälischen Bundesligaklub kassiert haben soll. Das ist allerdings branchenüblich.

Thomas Meunier hat in Bastogne Kunst- und Geisteswissenschaften studiert. Während des Studiums lernte er seine Lebensgefährtin Deborah kennen. Das Paar hat (Stand: 2020) 3 Kinder.

Thomas Meunier – Good to Know

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Im Frühjahr 2020 war Thomas Meunier, hier im Duell mit Erling Braut Haaland (l.), noch Gegner des BVB... Copyright: imago images / Kirchner-Media

Thomas Meunier ist ablösefrei zu Borussia Dortmund gewechselt. Als ,,Schnapper” ging der Belgier von PSG dennoch nicht durch.

Der TV-Sender ESPN nannte Details zum Meunier-Deal, der im Sommer 2020 über die Bühne ging. Die Dortmunder zahlen insgesamt – ohne Ablöse – 50 Mio. Euro für den vergleichsweise betagten Rechtsverteidiger.

Dieser Betrag setzt sich aus kolportierten 10 Millionen Euro Handgeld (Quellen:  BILD / 90min.de) und 40 Mio. Euro Gehalt für 4 Jahre Vertragslaufzeit zusammen. Ein Verbleib von Meunier in Paris, so berichtete 90min.de zudem, wäre exakt an diesem Punkt gescheitert.

Die hohen Gehaltsforderungen des zu diesem Zeitpunkt 28 Jahre alten Belgiers waren dem französischen Hauptstadtklub zu üppig.

Dortmund hat es Meunier jedoch vom ersten Anpfiff in der Bundesliga weg angetan. Zu seiner Premiere im deutschen Fußball-Oberhaus waren am 19. September 2020 gegen Borussia Mönchengladbach (3:0) nach Corona-Auflagen 10.000 Zuschauer zugelassen. Zwar füllen üblicherweise 80.000 stimmgewaltige BVB-Fans den Signal Iduna Park zum Borussen-Derby, doch Meunier war dennoch voll des Lobes. ,,10.000 Zuschauer”, so sein erster Eindruck beim neuen Klub, ,,machen mehr Stimmung als 30.000 in manch anderem Stadion.” Meunier bei tribuna.com: ,,Das erste Spiel für einen neuen Klub ist in jeder Hinsicht immer etwas Besonderes.”

Was nur wenige wissen: 

  • ,,Offizieller” Spitzname von Thomas Meunier in Belgien ist ,,La Machine”, die Maschine. Diesen hat er sich laut seines ehemaligen Brügge- und Nationalmannschaftskollegen Timmy Simons deswegen abgeholt, weil er ,,direkt durch dich durchläuft.”
  • Thomas Meunier verließ den FC Brügge im Jahr 2016 mittels einer in seinem Arbeitspapier verankerten Ausstiegsklausel in Höhe von 6 Mio. Euro. Damit ging er exakt zum Marktwert weg. Er schloss sich Paris St.-Germain an.
  • Bis zu seinem Abschied 2016 hatte der Club Brugge nur 2 Spieler teurer verkauft als den Außenverteidiger: Maxime Lestienne (Al-Arabi / Katar) für 7,3 Mio. Euro im Jahr 2014 und den australischen Torhüter Mathew Ryan ein Jahr später (FC  Valencia, 7 Mio. Euro).
  • Sein Wechsel zum Bundesligisten B0russia Dortmund zum 1. Juli 2020 kostete Meunier die Teilnahme am ,,Final 8″-Turnier in der Champions League in Lissabon.
  • In Meuniers Heimatort Lavacherie in der Provinz Luxemburg gab es keinen Fußballplatz. Seine ersten Schritte als Jugendspieler machte er daher ab 1996 bei RUS Saint-Ode.
  • Ein Wachstumsschub von 20 Zentimetern, die damit verbundenen Schmerzen und die Trennung seiner Eltern hätte 2004 beinahe zum vorzeitigen Ende seiner Karriere geführt. In der Jugend von Standard Lüttich konnte sich Meunier – anders als sein um 2 Jahre älterer Weggefährte Axel Witsel – nicht durchsetzen.

Thomas Meunier – Schwachstellen, Stärken

Borussia Dortmund Borussia Mönchengladbach 3:0 Thomas Meunier
Das Belgien-Duo Axel Witsel (r.) und Thomas Meunier (2. v. r.) bejubelt den 3:0-Auftakt-Erfolg mit Borussia Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach am 19. September 2020. Foto: Imago Images / Laci Perenyi

Die große Stärke von Thomas Meunier ist seine internationale Erfahrung. 52-mal lief der Belgier vor seinem Wechsel zu Borussia Dortmund in der Champions League für PSG auf. 

Meunier sollte die nach dem Abgang von Leihspieler Achraf Hakimi (zurück zu Real Madrid und dann zu Inter Mailand…) verwaiste rechte Außenverteidigerposition mit Leben füllen. Groß, kopfballstark, routiniert in der Ballbehauptung und mit präzisen Schlüsselbällen in die Spitze, hat sich Thomas Meunier den Ruf des gestrengen Lucien Favre als ,,polyvalenter Spieler” hart erarbeitet. Neben hoher Qualität in der Zweikampfführung kann Meunier auch in de Spieleröffnung Akzente setzen.

,,Thomas ist ein Spieler, der niemals aufgibt”, charakterisiert ihn sein ehemaliger Mitspieler, der frühere Nürnberg-Profi Timmy Simons. Er sieht klar: ,,Er hat alles, um die Bundesliga zu bereichern: Ein enormes Laufvermögen, er hat ein gutes Auge, lässt niemanden an sich vorbei.”

Schwächen

Als ein der wenigen fußballerischen Schwachstellen ist Meuniers Flankenspiel zu nennen.

Das wurde bei Borussia Dortmund schon am 2. Spieltag – 0:2 beim FC Augsburg – offensichtlich. Unpräzise, ohne Inspiration habe er nicht mal eine billige Kopie von Flankengott David Beckham abgegeben.

Der Belgier zog im Netz den Frust der Fans zu. ,,Meunier sollte man hohe Flanken”, war nach der enttäuschenden Auswärts-Premiere noch noch einer der harmloseren Kommentare. Zudem ist er mit fast 30 Jahren auch nicht mehr der Jüngste.

Erfolge / Misserfolge

WM-Dritter 2018 (Mit Belgiens Nationalmannschaft)

Belgischer Pokalsieger 2015, Belgischer Meister 2016 (mit dem FC Brügge)

Französischer Supercupsieger 2016, 2017, 2018, 2019, Pokalsieger (Coupe de France) 2017, 2018, Ligapokalsieger (Coupe de la Ligue) 2017, 2018 sowie frz. Meister: 2018, 2019, 2020 (alle mit Paris St.-Germain)

Als Misserfolge gelten Niederlagen in entscheidenden Spielen mit Borussia Dortmund, dem FC Brügge und Paris St.-Germain sowie in wichtigen Turnieren mit der belgischen Nationalmannschaft. Unter anderem sind dies: 

Das 0:1 im WM-Halbfinale gegen Frankreich 2018

1:3 im EURO-Halbfinale 2016 gegen Wales

3-mal in Folge ,,Aus” im Champions-League-Achtelfinale mit PSG. Legendär dabei: 2017 mit 1:6 gegen den FC Barcelona nach 4:0 im Pariser Hinspiel.

Viertelfinal-Blamage im französischen Ligapokal gegen den Dorfklub EA Guingamp (1:2), 2019

Die verlorene Meisterschaft 2017 in der Ligue 1 gegen AS Monaco

,,Aus” in der Europa League (Runde der letzten 32) mit dem FC Brügge gegen Hannover 96 in der Saison 2011/2012 – 0:1 und 1:2

Thomas Meunier – OMG

Thomas Meunier Belgien WM 2018
Am Ende war es nur Bronze: FIFA-Präsident Gianni Infantino beglückwünscht Thomas Meunier am 14. Juli 2018 nach Belgiens 2:0 gegen England im Spiel um Platz 3 bei der WM in Russland. Links: Der frühere Dortmunder Adnan Januzaj. Foto: Imago Images / Imagechina

Enttäuschung mit der ,,goldenen Generation” und eine ,,feige” Mail von Tuchel…

Eine ,,goldene Generation”. Das sollte die Spielergruppe sein, die Belgien 2014 erstmals seit 2002 wieder zu einer WM-Endrunde führte. Ungeschlagen marschierte die von Ex-Schalke-Profi Marc Wilmots trainierte belgische Nationalmannschaft durch die WM-Qualifikation. Der hoch dotierte Kader, u. a. mit Weltklasse-Torhüter Thibaut Courtois (damals Atlético Madrid), Ex- Bundesliga-Profis wie Daniel van Buyten oder Kevin de Bruyne scheiterte jedoch im Viertelfinale an Argentinien (0:1). Damals noch ohne Meunier. Er war nicht in den endgültigen WM-Kader aufgenommen worden.

2016 war der zu diesem Zeitpunkt für den FC Brügge spielende Verteidiger dann mit dabei. Die Hochbegabten-Truppe umfasste u. a. Meunier, Toby Alderweireld (Tottenham), Thomas Vermaelen (FC Barcelona), Axel Witsel (damals St. Petersburg), de Bruyne (Manchester City), Romelu Lukaku (FC Everton) oder Eden Hazard (FC Chelsea). Kein Zweifel: Belgien wollte sich nun im Nachbarland Frankreich zum Europameister krönen. Auch dieses Mal ging’s schief. Die ,,Roten Teufel” verloren am 1. Juli 2016 völlig überraschend im grenznahen Lille mit 1:3 gegen Wales.

Nächstes Turnier, nächster Versuch. 2018 galt Belgien vor der WM in Russland einmal mehr als Mitfavorit auf den Titel. Das 2:1 im Viertelfinale gegen Brasilien schürte diese Erwartung. Im Halbfinale konnte der französische Assistenztrainer Thierry Henry jedoch offenbar nicht den entscheidenden Tipp liefern. Thomas Meunier und Co. verloren gegen Frankreich mit 0:1. Im ,,kleinen Finale” in St. Petersburg gegen England schossen Thomas Meunier und Eden Hazard Belgien auf Rang 3. Es war die beste Platzierung in Belgiens WM-Historie. Das ist groß. Auch ohne Titel.

,,Einfach nur feige” – Abschied aus Paris durch die kalte Küche. 

Dass der eigenwillige deutsche Trainer Meunier um die Teilnahme am Champions-League-Finalturnier im August 2020 in Lissabon brachte, wird ihm der BVB-Neuzugang wohl nie verzeihen. Paris erreichte über die Stationen Atalanta Bergamo (2:1) und RB Leipzig (3:0) erstmals in seiner Vereinshistorie ein Champions-League-Finale bzw. ein Endspiel im Meisterwettbewerb. Da war Meunier aber schon in Dortmund bzw. zusammen mit den übrigen Borussen vorm TV. Die Tuchel-Elf hatte im Achtelfinale und unmittelbar vor dem Corona-Lockdown im März 2020 für das ,,Aus” der Schwarzgelben gesorgt. 2:0 nach 1:2 im Dortmunder Hinspiel. Zu diesem Zeitpunkt spielte Meunier noch mit.

Wenig später war er ,,nicht mehr willkommen” bei PSG. Sein auslaufender Vertrag wurde nicht verlängert und Tuchel machte zu. ,,Ich musste meine Koffer packen und bekam einen Brief vom Anwalt des Vereins”, erzählte Meunier im August 2020, ,,darin stand, dass ich nicht mehr willkommen war und nicht mehr zum Training kommen durfte. Auch nicht in der letzten Woche.” Danach gab es laut Meunier keine persönlichen Kontakte mehr mit den PSG-Verantwortlichen Thomas Tuchel und Sportdirektor Leonardo.

,,Mein Berater rief mich an und erzählte mir, dass er eine E-Mail aus Paris erhalten hat. Ziemlich feige…“, kritisierte Meunier anschließend. Dem Brasilianer Leonardo unterstellte der Belgier, dass er sich ,,nicht um die Freigabe” für das Champions-League-Endturnier in Portugal gekümmert hätte. Für Meunier ein bitteres Adieu: ,,Ich mag es nicht gern, wenn gelogen wird.” Abschied durch die kalte Küche nach 4 Jahren PSG – Mon Dieu!

Thomas Meunier: ,,Ich bin in Dortmund zusammen mit meinem Berater fast auf die Knie gegangen, um die Zustimmung zu bekommen, die Saison in der Champions League mit PSG zu beenden."

Thomas Meunier – FUN FACTS

Thomas Meunier Thomas Tuchel PSG
Wie dieses Bild vermuten lässt: Das Verhältnis zwischen Thomas Meunier und dem deutschen Coach Thomas Tuchel war bei PSG nicht wirklich herzlich... Foto: Imago Images / PanoramiC

Mit Thomas Meunier verpflichtete die Borussia einen Titelsammler. Das ist bekannt. Weitaus weniger bekannt sind diese Fakten über den Belgier.

Spiel um Platz 3. Das ,,kleine Finale” bei einer WM ist eher Katerfrühstück statt Party.  Belgien ging es am 14. Juli 2018 trotz der Enttäuschung im Halbfinale gegen Frankreich (0:1) mit Engagement und Professionalität an. Der entzauberte Mit-Favorit setzte sich mit 2:0 gegen England durch. Thomas Meunier traf für die Mannschaft von Nationaltrainer Roberto Martinez (4.) zum 1:0-Pausenstand. Der letzte Belgier, der in einem Spiel um den 3. Platz bei einer WM getroffen hatte, war der legendäre Nico Claesen 1986 in Mexiko gegen Frankreich (2:2 n. V.).

Schwiegersohn: Thomas Meunier hat auch einen Ex-Profi als Schwiegervater. Es ist der ehemalige Abwehrspieler Didier Panzokou, der u. a. für Bastogne in Belgien spielte und zum 1. Juli 2008 seine Karriere beendete.

Lieblingsgegner: Von Standard Lüttich einst geschmäht, konnte Thomas Meunier gegen den großen belgischen Rivalen insgesamt 10 von 13 Pflichtspielen gewinnen. Eine bessere Bilanz kann er gegen keinen Gegner vorweisen.

Die meisten Niederlagen als Profi kassierte Meunier gegen ein anderes Schwergewicht des belgischen Fußballs, den RSC Anderlecht. 9 Pleiten in Wettbewerb übergreifend 15 Spielen.

Die meisten Tore: Der KRC Genk und der FC Dijon sind die beiden Klubs, gegen die Meunier bislang am häufigsten jubeln durfte: Gegen das Team aus der belgischen Jupiler Pro League und die Mannschaft aus der Ligue 1 gelangen ihm jeweils 3 Treffer.

Kein Elfmeterspezialist: Thomas Meunier ist in seiner bisherigen Profi-Karriere (Stand: September 2020) noch nie zu einem Elfmeter angetreten.

Vorsicht mit der 24: Diese Rückennummer hatten vor Meunier bei Borussia Dortmund viele Spieler, die in ihrer BVB-Zeit kaum Ausrufezeichen setzen konnten. Dazu gehören u. a. Mikel Merino, Daniel Gordon, Harry Decheiver, David Odonkor und Viktor Ikpeba, einer der größten Dortmund-Transferflops aller Zeiten.

PLAYER PROFILE MIT PERFORMANCE-STATISTIKEN


VEREINSPROFILE UND SPIELERPROFILE