Torhüterlegende Canizares über Meisterkampf in La Liga: ,,Keiner hat es verdient”


Er weiß, wie Meisterschaft in Spanien geht: Torhüterlegende Santiago Canizares (50) hat mit Real Madrid und mit dem FC Valencia den Titel in La Liga insgesamt 3-mal geholt. Der nach dem 27. Spieltag von der weltweiten Corona-Pandemie gestoppten Primera Division stellt Canizares kein gutes Zeugnis aus.

An diesem Samstag, 21. März 2020, hätten sich Canizares’ ehemalige Klubs Real Madrid und der FC Valenica im Estadio Santiago Bernabeu gegenüber gestanden. Seit dem 13. März 2020 geht jedoch nichts mehr im Weltfußball und der FC Valencia, der noch in der Woche vor dem ,,Shutdown” in der Champions League gegen Atalanta Bergamo angetreten war, meldet 35 Prozent seines Teams als infiziert an.

Das ist mehr als trist. Bis zur Aussetzung von La Liga” liefern sich der FC Barcelona und Real Madrid ein Kopf-an-Kopf-Rennen, ohne dabei zu glänzen. ,,Barca” führt die Tabelle in Spanien, das neben Italien und Deutschland die meisten Corona-Infizierten in Europa aufweist, an.

Seine Kritik an den beiden Großmächten des spanischen Fußballs hat Canizares aber schon vor der Saison-Aussetzung geäußert. In einem Interview mit dem Kicker-Sportmagazin vom 12. März 2020 stellt er ,,Barca” und ,,Los Blancos” kein gutes Zeugnis aus.

Santiago Canizares FC Valencia
Torhüterlegende Santiago Canizares feiert mit dem FC Valencia den Gewinn der spanischen Meisterschaft 2004. Foto: Imago Images / Miguelez Sports Foto

Canizares: Das läuft falsch bei ,,Barca" und Real

Real Madrids Toni Kroos gegen seinen deutschen Nationalmannschafts-Kollegen Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona. Foto: Imago Images / AFLOSPORT
Seine Kritik macht Canizares im Kicker-Interview vor allem an der Transferpolitik der beiden ,,Clasico”-Klubs Real und ,,Barca” fest.

,,Real und Barca schwächeln permanent, weil sich ihre Kader in weiten Teilen überholt haben”, kritisiert der 46-fache Nationalspieler Spaniens, ,,es wäre im Sommer eine Generalüberholung notwendig gewesen, aber sie blieb aus. Die Teams von heute gleichen fast denen von vor 5 oder mehr Jahren.”

Dass Real Madrid im Sommer 2019 mehr als 300 Mio. Euro in die Hand genommen hat und u. a. Eden Hazard vom FC Chelsea oder Luka Jovic von Eintracht Frankfurt geholt hat, ist für Canizares kein Pluspunkt. ,,Bei Real waren außer Eden Hazard, der meist verletzt ist, keine Spieler in Schlüsselpositionen unter diesen Transfers”, glaubt der ehemalige Weltklasse-Keeper, der 2001 im Elfmeter-Shootout mit dem FC Valencia im Champions-League-Finale in Mailand gegen den FC Bayern München und Oliver Kahn unterlegen ist, ,,es wurde kein Wettbewerbsgeist entfacht.” Barcelona ist dabei keine Ausnahme, findet Canizares.

,,Bei Barca fehlt es der Sportdirektion an Kompetenz”, ätzt er, ,,lange schon. Luis Suárez, Ivan Rakitic und Marc-André ter Stegen kamen. Antoine Griezmann fehlen für sein Spiel die Räume, ein Frenkie de Jong ist falsch eingesetzt. Es geht nicht darum, nur gute Spieler zu kaufen, sondern die adäquaten.” Bei Real Madrid hat der 2008 nach fast 20 Profi-Jahren zurückgetretene Ex-Keeper noch ein anderes, gravierende Manko ausgemacht: ,,Ronaldo hat die strukturellen Fehler übertüncht. Auf seinen Abgang hat der Klub immer noch nicht reagiert.” Real Madrid hat aus 27 Spielen (bis zum Shutdown) nur 49 Tore eingebracht, präsentiert sich aber mit 19 Gegentreffern defensiv wesentlich stabiler als Tabellenführer FC Barcelona, der 31 Gegentore hinnehmen musste.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Auch Ousmane Dembélé zog bei Borussia Dortmund die Streik-Option und spielt seit 2017 für den FC Barcelona...
Keine Chance mehr für das ehemalige Enfant terrible des BVB
FC Barcelona FC Getafe
,,El Gigante" denkt an Ex-BVB-Star
Spanien Supercup
FC Barcelona, Real Madrid und Co in der Wüste
UD Ibzia - FC Barcelona
FC Barcelona mit Beinahe-Blamage

Kein spanischer Meister? Kein Problem, verdient hat es nämlich keiner!

Ein Riesen-Jubelsprung von Kevin de Bruyne nach dem verwandelten Foul-Elfmeter für Manchester City zum 2:1 bei Real Madrid in Bernabeu. Foto: Imago Images / VI Images

Der FC Barcelona und auch Real Madrid haben sich in der Copa del Rey noch weit vor dem Corona-Shutdown Mitte März verabschiedet.

Während es unsicher ist, ob ,,Barca” das Rückspiel gegen den SSC Neapel im Champions-League-Achtelfinale (1:1) überhaupt noch absolvieren wird, hat Real Madrid sein Achtelfinale vor heimischer Kulisse in der Champions League gegen Manchester City und Pep Guardiola (49) verloren. Kommt es aufgrund der Corona-Krise zu einem Saisonabbruch in ,,La Liga” und auch in der Champions League, wäre es für Real ein Jahr ohne Titel.

Das mag man angesichts der weltweiten Pandemie verkraftbar nennen, ein Ruhmesblatt ist es für die Macher um Coach Zinedine Zidane (47) perspektivisch gesehen jedoch nicht. ,,Man muss abwarten, was wäre, wenn Zidane am Ende ohne Titel dasteht”, sagt Canizares, ,,aber ein Jahr ohne Titel droht auch Barca.”

Selbst schuld, findet Santiago Canizares. ,,Es lag nicht an Valverde, seine Entlassung machte keinen Sinn, Barca wollte Neymar, wollte den Trainer Xavi, dann den Trainer Pochettino  (,,The Poch” / im November 2019 bei Tottenham Hotspur entlassen, d. Red.), alles wurde öffentlich. Ganz so, als sei Barca ein Streamingdienst”, kritisiert der legendäre Torhüter, ,,es ist fast egal, wer Meister wird. Sieht man Barca, denkt man: Real. Sieht man Real, denkt man: Barca. Eigentlich hat keiner den Titel verdient. (…) Es ist die schlechteste Meisterschaft seit Jahrzehnten.”

Ligalivenet Premium-Dienste

CLOSELOOKNET

The dossier site. Global content for global people. Top content for top subjects.

LIGALIVEPLUS

Ich lade Sie ein Ligaliveplus Mitglied zu werden. Schlauer werden, Spass haben, Schnapper klemmen. Coming soon.

AKTE BUNDESLIGA

Dossiers für Lover und Hater. Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten der Bundesliga-Vereine