Transfers: Der Umgang des FC Bayern mit Dembélé ist scheinheilig


Das Supercup-Finale am 5. August 2017 gegen den FC Bayern München war das letzte Spiel von Ousmane Dembélé für Borussia Dortmund. Rechts: Christian Seifert.
Das DFL Supercup-Finale am 5. August 2017 gegen den FC Bayern München war das letzte Spiel von Ousmane Dembélé für Borussia Dortmund. Rechts: Christian Seifert. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images )

Die Aussagen beim FC Bayern München erinnern in diesen heißen Sommertagen stark an Dr. Konrad Adenauer.

Dem ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland wird unter anderem der Ausspruch ,,Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“ nachgesagt.

Das kann man derzeit 1:1 auf Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge übertragen – zumindest, was die Personalie Ousmane Dembélé angeht. Ihre Meinung zum französischen Weltmeister und Streik-Profi scheint sich zum 180 Grad geändert zu haben.

Doch der Reihe nach…

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FC Barcelona: Wohin führt der Weg von Ousmane Dembélé? (Photo by Alex Caparros/Getty Images)

So streikte sich Dembélé von Borussia Dortmund weg...

Ousmane Dembélé spielte nur eine Saison für Borussia Dortmund.
Am 12. August 2017 steht Dortmunds neuer Coach Peter Bosz beim Pokal-Auftakt in Freiburg ohne seinen Superstar Ousmane Dembélé da.

Der Franzose fehlt unentschuldigt, ist seit Tagen nicht mehr zum Training erschienen. ,,Es gab keinen Kontakt“, verrät der Niederländer Bosz bei Sky vor dem 4:0-Pflichtsieg bei Rielasingen-Arlen, ,,heute Abend setzen wir uns zusammen und morgen wird der Verein verkünden, wie es weitergeht.“

Und zwar so: Borussia Dortmund suspendiert den erst 2016 von Stade Rennes verpflichteten Linksaußen. Der nach Pierre-Emerick Aubameyang – auch er wird sich im Januar 2018 aus Dortmund weg streiken – beste Scorer des BVB wechselt schließlich nach 13-tägigem Hickhack zum FC Barcelona – für 125 Millionen Euro. Je nach Einsatzzahl kann sich die Ablöse, die die Katalanen übernehmen, auf 148 Mio. Euro erhöhen.

Ein Top-Deal für den BVB, doch beim FC Bayern sieht man eher den Moral-Verfall unter den Spielern als den Geldregen. Komisch eigentlich.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Benahm sich Dembélé wirklich nicht wie ein Fußball-Gott?

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Ousmane Dembélé (m.): Vielleicht kein Fußball-Gott, aber doch immerhin Weltmeister... (Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Die Aussagen aus München zum ,,Fall Dembélé“ klingen jedenfalls so, wie man sie vom FC Bayern kennt, wenn es um moralische Fragen geht.

,,Für jeden Tag, an dem er nicht zum Training kommt, würde er von mir mindestens 100.000 Euro Geldstrafe bekommen“, erklärt Hoeneß. Und er fügt hinzu: ,,Man muss wieder dahin kommen, wo ein Vertrag noch ein Vertrag ist.“ Spieler, so die Überzeugung des Bayern-Machers, dürfe man nicht wie Götter behandeln, wenn sie sich nicht wie Götter benehmen. Wobei natürlich unter dem Strich die Frage bleibt, wie sich Götter respektive Fußballgötter generell benehmen. Wir wissen es nicht. Ein halbes Jahr später ledert Hoeneß nach: ,,Ousmane Dembelé hätte ich nicht gehen lassen, haben Sie schon mal gelesen, dass ein Spieler dem FC Bayern auf der Nase herumtanzt?“ Ähm… ja. Ist schon länger her, aber Hoeneß war damals auch schon dabei. Der Spieler heißt Thomas Berthold und gilt in seiner Zeit auf der Bayern-Tribüne als best bezahlter Golfprofi in Deutschland. Dann bringt Hoeneß die Festgeld-Nummer: ,,Der FC Bayern ist im Gegensatz zum BVB nicht börsennotiert, deshalb können wir auch einmal 100 Millionen Euro ablehnen.“ Tja, nun liegt die Ablöse von Dembélé, der im 1. Jahr bei Barca Weltmeister wird, bei etwa 145 Millionen Euro.

Karl-Heinz Rummenigge, beim FC Bayern für ,,das offene Wort“ zuständig, glaubt – anders als Hoeneß (,,Dann habe ich keine Achtung mehr vor diesem Verein“) nicht an einen von der Blaugrana befohlenen Streik. Dementsprechend bleibt ,,Killer-Kalle“ vorsichtig: ,,Ich glaube nicht, dass Barcelona Dembelé zum Streik aufgefordert hat. Vielleicht hat sich das selbst ausgedacht. Ich würde Barcelona nicht zu frühzeitig verurteilen.“

Soweit die Aussagen zu Dembélé – und dieser Spieler soll nun beim FC Bayern als ,,Plan B“ avisiert werden, falls der Transfer von Leroy Sané (23) von Manchester City scheitert. Viele Indizien sprechen dafür, dass dies so kommen wird. ,Karl-Heinz Rummenigge gilt intern bei Bayern als großer Befürworter der Personalie Dembélé“, heißt es dazu am Mittwoch bei SPORT BILD. Wie schön. Wir erinnern uns: Rummenigge outet sich im Frühjahr auch als angeblicher ,,Fan von James“ – doch der Kolumbianer hat beim FC Bayern seine Zukunft hinter sich. Der Umgang mit Dembélé und seiner Streik-Nummer wirkt, legt man die Aussagen von 2017/2018 daneben opportunistisch und scheinheilig. Dembélé hat in Barcelona noch einen Vertrag bis 2022. Er gilt nicht eben als pflegeleichter Profi und ist sehr verletzungsanfällig. Seit seinem Wechsel von Dortmund zur Blaugrana verpasst Dembélé nach Verletzungen und Blessuren 40 (!) Pflichtspiele.

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