WM: Vor 25 Jahren wurde Fußballstar Andrés Escobar erschossen


Andrés Escobar nach seinem Eigentor 1994. Foto: Getty Images
Andrés Escobar nach seinem Eigentor 1994. Foto: Getty Images

Kolumbien ist bei den in der Nacht zum Mittwoch steigenden Halbfinalspielen der Copa América in Brasilien nur Zuschauer.

Bevor die Semifinals steigen, jährt sich das wohl unrühmlichste Ereignis in der kolumbianischen Fußballgeschichte am Dienstag zum 25. Mal: Der Mord an Nationalspieler Andres Escobar.

Escobar ist 27, im besten Alter für einen Fußballprofi, als er am 2. Juli 1994 vor der Diskothek ,,El Indio” in seiner kolumbianischen Heimatstadt Medellin erschossen wird. Nein, Andres Escobar wird hingerichtet.

Von Humberto Munzo Castro, einem Bodyguard und Kurierfahrer der mächtigen Drogenbosse von Medellin. Zu 43 Jahren Haft wird der Täter verurteilt. Davon sitzt er nur 11 Jahre ab und wird ,,wegen guter Führung” vorzeitig entlassen.

22 JUN 1994:   ANDRES ESCOBAR #2 OF COLOMBIA IN ACTION SHIELDS THE BALL FROM ERIC WYNALDA OF THE USA DURING THE 1994 WORLD CUP MATCH AT THE ROSE BOWL IN PASADENA, CALIFORNIA.
Andres Escobar gegen Ex-Bundesligaprofi Eric Wynalda (hinten) in dem für ihn so verhängnisvollen WM-Spiel USA gegen Kolumbien (2:1) am 22. Juni 1994. Mandatory Credit: Shaun Botterill/ALLSPORT

Andres Escobar: Tod eines Eigentorschützen...

Andrés Escobar (links) mit Rudi Völler. Foto: Imago
Andrés Escobar (links) mit Rudi Völler. Foto: Imago

Kolumbien steht nach einer Auftaktniederlage (1:3) gegen Rumänien im ersten Spiel der Gruppe A bei der WM 1994 in den USA mächtig unter Zugzwang.

Einen weiteren Ausrutscher gegen die bunte Truppe des US-amerikanischen Gastgebers, die mit dem Rockmusiker Alexi Lalas und dem Reptilien-Freak Tony Meola eher an eine Kabarett-Combo denn an eine A-Nationalmannschaft erinnert, dürfen sich die hoch favorisierten Stars um Faustino Asprilla, Adolfo Valencia (,,El Tren”) und Carlos Valderrama nicht mehr erlauben.

Das 4:1 der Schweiz gegen Rumänien am Nachmittag hat die Kolumbianer schon vor dem Abschluss des 2. Gruppenspieltags zum Siegen verdammt. Im Glutofen des Rose Bowl-Stadions herrschen an diesem 22. Juni 1994 im 33 Grad Außentemperatur. Mehr als 93.000 Menschen sorgen für eine ohrenbetäubende Kulisse. In der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, beim Public Viewing, ist die Anspannung fast mit den Händen greifbar. Auf dem Rasen wird bei brütender Hitze jeder Schritt zur Qual. Valderrama und Co. bewegen sich wie in Zeitlupe. Und dann kommt die verhängnisvolle 35. Minute. Der US-amerikanische Mittelfeldspieler John Harkes vom englischen Klub Derby County schlägt eine harmlos daher kommende Flanke von der linken Seite in die Mitte, in Richtung Strafraum. In Höhe des Elfmeterpunkts landet der Ball beim kolumbianischen Abwehrchef Andrés Escobar. Der in der Mitte mitgelaufene US-Stürmer Ernie Stewart, später Torschütze zum 2:0, müsste schon Siebenmeilenstiefel tragen, um die Kugel zu erreichen. Escobar lenkt den Ball mit dem linken Fuß zum Entsetzen seines Torhüters Oscar Cordoba ins eigene Netz.

Während der Rose Bowl vor Jubel förmlich explodiert, wirkt Escobar wie paralysiert. Er vergräbt sein Gesicht unter seinem Trikot. Kolumbien hat nach der 1:2-Niederlage von Pasadena keine Chance mehr auf das Weiterkommen und fährt nach der Vorrunde nach Hause.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Bei Stefan Effenberg und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft lagen gegen Südkorea am 27. Juni 1994 in der Gluthitze von Dallas die Nerven blank..

Nach Escobars Tod: 20 Leibwächter schützen Stürmerstar Asprilla

Asprilla
1994: Die US-Amerikaner und Torhüter Tony Meola (l.) waren immer einen Schritt schneller als Kolumbien mit Stürmerstar Faustino Asprilla. Mandatory Credit: Allsport /Allsport

Die kolumbianischen Drogenbosse sind darüber alles andere als amused. 

Durch das frühe ,,Aus” für ,,Los Cafeteros”, wie das Team von den Fans genannt wird, machen sie Wettverluste in Millionenhöhe. Morddrohungen gegen die angespannten Fußballstars soll es schon vor dem entscheidenden USA-Spiel gegeben haben.

Zurück in Kolumbien, bittet Unglücksrabe Andres Escobar in einem Zeitungsartikel für El Tiempo, der größten Tageszeitung des Landes, um Vergebung. ,,Lasst uns respektvoll miteinander umgehen”, schreibt er, ,,das Leben ist noch nicht vorbei.” Rührende Worte, die jedoch ins Leere gehen.

Escobars Teamkollegen wissen, was das WM-Aus wirklich bedeutet. Sie verbarrikadieren sich in ihren Häusern oder flüchten ins Ausland. Escobar nicht. ,,Ich muss den Leuten mein Gesicht zeigen”, sagt der Abwehrspieler von Atlético Nacional, der 1989/90 auch für die Young Boys Bern gespielt hat – und geht auf die Piste. Um 3 Uhr nachts wird Andres Escobar erschossen.

Aus Angst vor weiteren Opfern stellt die kolumbianische Regierung ihren gescholtenen Fußballstars in der Folgezeit Leibwächter zur Seite. Faustino Asprilla, Stürmerstar beim AC Parma, wird sogar von 20 Mann bewacht. Der Mord an Andres Escobar bleibt neben dem Gewinn der Heim-Copa 2001 das prägende Ereignis der kolumbianischen Fußballgeschichte. Ein WM-Skandal von unglaublicher Dimension, der auch nach 25 Jahren nichts von seinem Schock-Effekt verloren hat. 120.000 Menschen nehmen an seiner Beerdigung teil.

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