HSV-Präsident Marcell Jansen: Macht er Hamburg „great again“?


Der Hamburger SV hat seit Samstag den jüngsten Vereinspräsidenten im deutschen Fußball. Der 33-jährige Ex-Profi Marcell Jansen erhält bei der Abstimmung des Gesamt-Vereins 799 Stimmen. Konkurrent und HSV-Legende Jürgen Hunke (75) macht zuvor den Rückzieher.

„Wer so etwas tut, der hat den Fußball nie geliebt“, so geißelte Bayer Leverkusens Macher Rudi Völler (58) im Sommer 2015 den überraschenden Rückzug von Marcell Jansen aus dem Profifußball. Der Gescholtene bleibt den Konter nicht schuldig: „Herr Völler hatte Recht, das Fußball-Geschäft habe ich nie geliebt aber akzeptiert, denn das Fußball-Geschäft hat mir vieles ermöglicht und dafür bin ich sehr dankbar! Dennoch kann ich sagen, dass mein Leben schon vor meiner Karriere als Profi mindestens genau so lebenswert war!“

Mit 29 Jahren hat der WM-Dritte von 2006 genug vom Bundesliga-Zirkus und steigt aus. Dass „Cello“, wie der HSV-Spieler liebevoll von den Hamburger Fans genannt wird, „den Fußball nie geliebt hat“, müssen wir seit Samstag in die Rubrik „Fake News“ verbannen.

Im Gegenteil: Wer beim Hamburger SV für das Präsidentenamt kandidiert und dann auch noch gewinnt, hängt wirklich am Fußball respektive am in die 2. Liga abgestürzten Dino.

Jansen_3
Marcell Jansen ist heute erfolgreicher Unternehmer und Charity-Botschafter. (Photo by Florian Ebener/Getty Images)

HSV-Präsident Jansen: Schluss mit den Eitelkeiten!

Schon als Spieler aufmerksamer Zuhörer bei der HSV-Jahreshauptversammlung: Marcell Jansen (l.), hier in seinem letzten Profi-Jahr 2015, mit Nicolai Müller. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Die Probleme des Hamburger SV lagen vor seinem Abstieg im Mai 2018 nicht nur auf den Platz. Ständige Umbesetzungen in der Führungsetage, Eitelkeiten, Machtspielchen – natürlich immer über die mächtigen Hamburger Boulevardmedien ausgetragen – prägen das Bild.

Nun will Jansen mit diesem hanseatischen Spuk endlich Schluss machen. „Es muss endlich Schluss sein mit der Lagerbildung“, fordert er in seiner Antrittsrede.

Für den 45-fachen deutschen Nationalspieler reicht es nicht aus, einfach nur „Hamburg“ zu sein. Jansen: „Wir brauchen eine Leistungskultur in unserem Verein. Es reicht nicht, nur in unserer schönen Stadt zu leben, sondern wir müssen auch erfolgreich sein.“

Jansen hat sich in der Abstimmung vor dem ehemaligen Schatzmeister Ralph Hartmann (54) durchgesetzt.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Lasogga

HSV braucht Geld: Fan-Anleihe wird neu aufgelegt

Jansen_1
Marcell Jansen im Trikot des Hamburger SV. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Sein ärgster Konkurrent, Ex-HSV-Präsident und Klublegende Jürgen Hunke (75) zieht seine Kandidatur vorab zurück.

Unter Hunkes Regie bringt der Transfer von Nationalspieler Thomas Doll zu Lazio Rom 1991 einen riesigen finanziellen Befreiungsschlag für den HSV.

Marcell Jansens Wahl dürfte vor allem bei der ausgegliederten HSV Fußball-AG begrüßt werden. Immerhin galt der Ex-Profi, der nach dem nervenaufreibenden Relegationsspiel in Karlsruhe (2:1 n. V.) Schluss gemacht hat, als Wunschkandidat des Vorstandschefs Bernd Hoffmann. „Die operativen Entscheidungen trifft der Vorstand, aber der Präsident muss diese bewerten können“, hat HSV-Präsident Marcell Jansen keine Lust mehr auf Kompetenzgerangel, „denn dort wird die Grundlage gelegt, der wichtigste Hebel ist und bleibt der Profifußball.“

Größtes Problem. Der HSV ist derzeit mit rund 85 Millionen Euro verschuldet. Mit einem neuen Wertpapier soll die 2012 für 17,5 Mio. Euro aufgelegte „Fan-Anleihe“ nun neu aufgelegt werden.

Ligalive Infografik - Team Profile - Hamburger SV, 2. Bundesliga 2018/19

Ligalive Live-Ticker - Nationale und internationale Spiele mit Autorefresh, ohne lästiges Aktualisieren