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11:0! Als Gladbach und Heynckes Schalke zweistellig zerlegte

Gladbach gegen Schalke 11:0 – Das war im Januar 1967 das erste zweistellige Ergebnis in der Fußball-Bundesliga. Jupp Heynckes, Günter Netzer und Co. spielten den Gegner aus Gelsenkirchen an die Wand.

Gladbach Schalke 11:0

Dreieinhalb Jahre gab es die Bundesliga schon, knapp 1.000 Spiele waren ausgetragen worden. In der Gründerzeit fielen weit mehr Tore als heute, doch selbst Prügelknabe Tasmania Berlin (108 Saison-Gegentore) hatte 1965/66 keine zweistellige Niederlage kassiert. Dann kam die Partie Gladbach gegen Schalke (11:0) am 7. Januar 1967. 

Die Schalker wurden am Gladbacher Bökelberg  Spielball der ,,Fohlen-Elf”. Als Fünfter waren die Borussen Favorit, Schalke (13.) spielte wieder mal gegen den Abstieg. Auswärts hatten die ,,Knappen” erst einen Punkt geholt. Trainer Fritz Langner hatte schon nach dem Vorbereitungsspiel gegen Lokomotive Moskau (0:3) eine Strafpredigt gehalten. „Zum Jahreswechsel knöpfte er sich jeden Spieler einzeln vor, ermahnte ihn im Hinblick auf die schwere zweite Serie zum sportlichen Lebenswandel“, schrieb das Sport Magazin.

Doch der beste Lebenswandel hätte nichts an den Umständen geändert, die dieses Spiel auf Schnee überschatteten. Als Schalke auflief, fehlte überraschend Mittelfeldspieler Manfred Kreuz. Denn seine 27jährige Frau war am Donnerstag vor dem Spiel an einem Virus verstorben. „Der Schock nach Rosemaries Tod war bei mir und der Mannschaft riesig, weil die Kameradschaft sehr groß war.“, erinnerte sich Kreuz. Und so standen elf deprimierte Schalker gegen 11, vor Spielfreude sprühende Borussen auf verlorenem Posten. Es war ein Kampf mit ungleichen Waffen.

Außerdem stand der lange verletzte  Josef Elting wieder mal im Tor statt des jungen Norbert Nigbur, Langner wollte „den erfahreneren Mann“ einsetzen. Nigbur war angefressen und knurrte einen Reporter an: „Ich möchte mich dazu nicht äußern.“

Im Nachhinein war es ein Glück für ihn, nicht im Tor gestanden zu haben. 11-Mal schlug der rote Ball hinter Elting ein und das Sport Magazin behauptete gar: „Sicher sind die Knappen mit dieser Niederlage noch sehr zufrieden, weil sie wissen dass es sogar 20 Tore hätten sein können.“ 17.000 Zuschauer waren auch mit elf mehr als zufrieden und feierten ihre Borussia euphorisch.

Gladbach – 2 11:0 – Bernd Rupp eröffnete nach einem Netzer-Freistoß den Torreigen (7.) und legte nach 21 Minuten nach. Ein Kopfball von Herbert Laumen (30.) und ein weiterer Rupp-Treffer (40.) nach Netzer-Vorarbeit sorgten schon zur Pause für die Entscheidung. Aber Borussia dachte nicht daran, Kräfte zu schonen. Laumen wusste noch 2014 zu berichten: „Ich weiß noch, wie der Friedel Rausch bettelte: ‚Nun hört doch endlich auf mit dem Toreschießen‘. Aber wir in unserem jugendlichen Elan und mit unserem sportlichen Ehrgeiz waren nicht bereit zurückzustecken.“

Gästetrainer Langner hatte den Ehrgeiz der Borussen zusätzlich angestachelt, er war vor der Bundesligaeinführung noch deren Trainer gewesen und hatte sie mit den Worten „Ich kann aus Ackergäulen keine Rennpferde machen“ verlassen. Nun rannten die „Fohlen“, wie die Gladbacher genannt wurden, sein Team über den Haufen.

Weiter ging die muntere Torjagd bei Gladbach – Schalke (11:0): 2 legte ein brillantes Solo aufs Schneeparkett und vollendete zum 5:0 (47.), schoss auch das 8:0 (68.). Dazwischen hatten sich erneut Laumen (57.) und Rupp (62.) gedrängelt. Laumen köpfte auch das 9:0 (71.) und dann, man schrieb die 85. Minute, wurde es erstmals zweistellig in der Bundesliga: Jupp Heynckes stellte per Kopf den historischen Spielstand her und legte in letzter Minute noch das 11:0 nach.

Hinterher hatten die Borussen doch Mitleid. Netzer: „Ich möchte nur wünschen, dass man bei Schalke diese hohe Niederlage so schnell wie möglich vergisst.“ So einfach ging das nicht. Auf der Schalker Geschäftsstelle stapelten sich die bösen Briefe, die wohl ausgeblieben wären, wäre die tragische Vorgeschichte bekannt gewesen. Doch im Fußball geht es  zuweilen schnell mit der Krisenbewältigung. Bereits eine Woche später wurde der königsblaue Anhang wieder versöhnt. Denn wie es der Fußballgott wollte, musste Borussia im Pokal in die Glückauf-Kampfbahn – und diesmal gewann Schalke mit 4:2. Manfred Kreuz war dabei und wurde von den Fans auf Schultern vom Platz getragen. Solche Geschichten schreibt nur der Fußball.


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