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Dieter Hecking und sein größter Erfolg als Trainer: DFB-Pokalsieger 2015 mit dem VfL Wolfsburg. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

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Trainerwechsel: Hecking wird beim HSV nie der ,,King” werden

,,Ich freue mich auf die Zusammenarbeit im Team”, dieser Satz kommt von HSV-Sportvorstand Bernd Hoffmann und er entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Wahlweise hätte dieser Spruch auch von Öl-Ekel ,,J. R. Ewing” alias Larry Hagman stammen können. ,,J. R. Ewing”, für die jüngeren Leser zur Info: Das ist sozusagen der ,,Bernd Stromberg” der frühen 1980er-Jahre, ein wunderbar-schmieriger Fiesling mit einem fiesen Lachen und einem Cowboyhut und ein absoluter Quotenbringer.

J. R. Ewing residiert in einem Bürotur in der texanischen Stadt Dallas, B. H., Bernd Hoffmann, hat sein Büro im ersten Stock des Hamburger Volksparkstadions. Seine Bilanz in Sachen Hire-and-Fire steht der von Ewing nicht wirklich nach. Der in der vergangenen Woche für Ralf Becker aus dem Hut gezauberte Sportmanager Jonas Boldt ist schon der 5. Mann auf dieser Position unter Hoffmann. Vor ihm haben Dietmar Beiersdorfer, Bastian Reinhardt, Jens Todt und eben Becker diesen Schleudersessel ausprobiert.

Noch schneller geht es bei Hoffmann auf der Trainerbank. Dieter Hecking ist der 12. Trainer unter der Regie von Bernd Hoffmann und – man möchte ja nichts Böses denken – er ist möglicherweise nicht der Letzte.

Vor Hecking stehen alle paar Monate Trainer wie Kurt Jara, Klaus Toppmöller, Thomas Doll, Huub Stevens, Martin Jol oder Bruno Labbadia im Blitzlichtgewitter der Fotografen, wenn ein neuer Trainer präsentiert wird.

Den Trainer feuern – Nirgendwo in den Bundesliga-Metropolen, nicht in Berlin, Frankfurt, Köln, München, läuft diese Kettenreaktion so reibungslos ab wie in Hamburg. ,,Der nächste Trainer kann einem jetzt schon leid tun”, heißt es bei Ligalive.net bei der Entlassung von Hannes Wolf.

Dabei bleiben wir auch! Und das ungeachtet der mutigen Entscheidung von Dieter Hecking, sich ins Haifischbecken Hamburg zu begeben. Das verlangt Mut und das verdient Respekt.

Aber auch in diesem ,,Neuanfang” steckt schon wieder eine Pikanterie. Wenn Hecking, wie das Hamburger Abendblatt zu berichten weiß, ,,Wunschkandidat” beim HSV war, warum treffen sich dann die Vereinsbosse mit Bruno Labbadia (53), um den Ex-Hamburg-Profi zum 3. Engagement als Coach zu bewegen?,,Ich freue mich auf die 2. Liga, das ist genau das, was ich jetzt brauche”, sagt Hecking, nachdem er gerade mit Gladbach den Europa-League-Einzug verpasst hat.

Sein Abschied am Niederrhein steht jedoch schon länger fest. Dieter Hecking hat beim HSV einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben. Bei einem Bundesliga-Aufstieg verlängert sich sein Kontrakt um ein weiteres Jahr.

Dafür muss der Mann, der seinen Triumph als DFB-Pokalsieger 2015 mit einer ,,King”-Baseballkappe feiert, eine neue HSV-Mannschaft aufstellen. Mit Jann-Fiete Arp, Lewis Holtby, Pierre-Michel Lasogga, Orel Mangala, Hee-chan Hwang und Leo Lacroix verlässt ein halbes Dutzend Spieler den ,,Dino”. Innenverteidiger Rick van Drongelen, der bei der PSV Eindhoven im Fokus steht, könnte der nächste sein.

Dieter Hecking hat sich bei seiner Präsentation in Hamburg auch als Fan von HSV-Legende Kevin Keegan (68) geoutet. Das bringt Sympathiepunkte. Aber wie auch immer: Hecking wird beim HSV mit Sicherheit nicht der ,,King” werden. Bei allem Respekt. Die ,,Mighty Mouse”, 1977 einer der größten Transfer-Coups der Bundesliga-Geschichte, hat sich die Zeile ,,Keegan war beim HSV der King” für alle Zeiten gesichert.


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