Akte Arminia Bielefeld – Synonym für den größten Bundesligaskandal


VEREINSPROFIL

Akte Arminia Bielefled- Ein Skandal belastet den Verein
Akte Arminia Bielefled - Ein Skandal belastet den Verein

Der DSC Arminia Bielefeld e. V., der Deutsche Sport-Club Arminia, auch DSC genannt, wurde am 3. Mai 1905 gegründet. Er trägt seine Heimspiele in der Schüco Arena (bis 2004 „Alm“) aus. Das Stadion fasst 26.515 Zuschauer und wurde zuletzt 2008 renoviert.

Arminia Bielefeld spielt 2020/2021 und erstmals seit 2008/2009 wieder in der ersten Bundesliga. In der ewigen Tabelle belegt man Platz 25. 2014/2015 war der Verein zuletzt in der 3. Liga. Der DSC Arminia setzt auf 190 Fanklubs mit ca. 3.700 Mitgliedern. Fan-Freundschaften pflegt man partiell zum Hamburger SV und zu Hannover 96. Größte Rivalen sind aufgrund der langjährigen Zugehörigkeit zur 2. und 3. Liga eher Preußen Münster und der VfL Osnabrück als die großen Nachbarn, Borussia Dortmund und Schalke 04.

Der Vereinsnamen von Arminia Bielefeld wird vom Cheruskerfürsten Arminius abgeleitet. Er brachte im Teutoburger Wald im Jahre 9 nach Christus den Römern eine vernichtende Niederlage bei. Die Spieler werden von ihren Fans auch „Die Blauen“ genannt.

Arminia Bielefeld gilt als Synonym für den Begriff „Fahrstuhl-Mannschaft“. Ebenso wie der MSV Duisburg oder der 1. FC Nürnberg konnte sich der Verein aus Ostwestfalen nie konstant in der Bundesliga halten. Mehrfach musste man seit 1988 auch den Gang in die Drittklassigkeit antreten. 8-mal (Stand: 2020) stieg Arminia Bielefeld bislang in die 1. Bundesliga auf, das ist, gemeinsam mit dem „Club“ aus Nürnberg, Rekord im deutschen Fußball-„Oberhaus“.

Neben den Aufstiegen machten die größten Erfolge, 3-mal stand man zwischen 2005 und 2015 im DFB-Pokal-Halbfinale, den Verein bekannt. Erstmals stieg Bielefeld 1970 in die Fußball-Bundesliga auf.

GOOD TO KNOW

Jörg Berger (l.) konnte auf seiner letzten Trainer-Mission Arminia Bielefeld 2009 nicht retten. Foto: Imago Images.
Jörg Berger (l.) konnte auf seiner letzten Trainer-Mission Arminia Bielefeld 2009 nicht retten. Foto: Imago Images.

Arminia Bielefeld ist in der Bundesliga ein Synonym für das ewige Auf und Ab, das dieser Sport zu bieten hat.

Der Verein aus dem beschaulichen Ostwestfalen blieb dabei aber nicht skandalfrei. In der Saison 1971/72 wurden alle Spiele von Arminia Bielefeld für den Gegner gewertet. Ein bis heute einmaliger Vorgang in der Bundesliga. Bei diesem und bei den Abstiegen von 1998 und 2009 belegte Bielefeld aus sportlichen Gründen jeweils den 18. und letzten Tabellenplatz.

Nach der verpatzten Erstliga-Premiere dauerte es bis zum Jahr 1978, ehe die Arminia wieder erstklassig war. Als 16. musste sie jedoch direkt wieder absteigen. Ab 1980 erlebte der oft unterschätzte Klub die erfolgreichste Phase seiner Bundesliga-Zugehörigkeit. In den Spielzeiten 1982/83 und 1983/84 holte man 2-mal Platz 8. Dafür zeichneten die Trainerlegenden Horst Köppel und Karl-Heinz „Kalli“ Feldkamp verantwortlich. Bis 1985 blieben die Arminen durchgehend erstklassig, um dann regelrecht in der fußballerischen Versenkung zu verschwinden. Schon 1988 spielte man in der drittklassigen Oberliga Westfalen, ab 1994 auch eine Saison in der neu gegründeten Regionalliga West-Südwest, drittklassig. Hier waren u. a. Dorfklubs wie der SC Hauenstein, die SV Edenkoben (beide Pfalz) und die 2. Mannschaft der SG Wattenscheid 09 die Gegner. Der Tiefpunkt!

Nach der Rückkehr in die 2. Liga gelang unter dem schillernden Trainer Ernst Middendorp 1996 der „Durchmarsch“ in die Bundesliga. Der 1994 hauptamtlich verpflichtete Manager Rüdiger Lamm konnte so viele Stars wie noch nie nach Bielefeld holen. Die Granden Thomas von Heesen, Armin Eck, Stefan Kuntz, Fritz Walter und Uli Stein spielten in dieser Zeit für bzw. wieder für die Arminia. Ex-Nationaltorhüter Stein hatte seine großartige Bundesliga-Karriere in Bielefeld begonnen. Eine Ära wie Anfang der 1980er-Jahre konnte Arminia Bielefeld aber nicht prägen. 1997/98 ging es wieder in die 2. Liga. Ebenso war man auch 1999 und 2002 nicht gekommen, um zu bleiben.

Kontinuität schien sich erst ab 2004 unter Trainer Uwe Rapolder einzustellen. In den 2000er-Jahren gelang es den Bielefeldern mit 5 Spielzeiten in Folge in der Bundesliga zumindest für eine Zeitlang, das Image der „Fahrstuhl-Mannschaft“ abzuschütteln. Länger blieb man nie am Stück in der Bundesliga. Unglückliche Trainer-Entscheidungen, u. a. die Trennung von Rapolder am Saisonende 2004/2005 (trotz Platz 13) oder die Rückkehr von Erfolgscoach Middendorp, führten aber ab Dezember 2007 erneut in den Lift nach unten. 2009 stieg die Arminia ab, um 2011 in die 3. Liga zu stürzen. Der 2. Abstieg in die 3. Liga 2014 stellt eine eigene, dramatische Geschichte in den Bielefeld-Chroniken dar.

5 Jahren 2. Bundesliga folgte im Corona-Jahr 2020 der etwas überraschende Meistertitel im „Unterhaus“ mit Trainer Uwe Neuhaus. Die Arminia hängte in dieser Saison die Aufstiegsfavoriten aus Stuttgart und Hamburg klar ab.

GRÖßTE ERFOLGE, GRÖßTE PEINLEICHKEITEN

Uli Stein (r.) war beim 4:0 der Arminia bei Bayern München am 10. März 1979 nicht nur in Top-Form, sondern auch modisch ganz weit vorn. Foto: Imago Images / Kicker / Liedel
Uli Stein (r.) war beim 4:0 der Arminia bei Bayern München am 10. März 1979 nicht nur in Top-Form, sondern auch modisch ganz weit vorn. Foto: Imago Images / Kicker / Liedel

Bestes Beispiel für die beständige Unbeständigkeit auf der „Alm“: 1979 erlebte Arminia Bielefeld einen kurzen Rausch. In die Zeit zwischen dem 10. März und dem 21. April dieses Jahres fielen die beiden höchsten Siege der Bielefelder Bundesliga-Historie. Trotz dieses Zwischenspurts stieg die Arminia am Ende wieder ab…

Platz 8 bedeutete in den Jahren 1982/83 und 1983/84 die jeweils beste Bundesliga-Platzierung für „Die Blauen“. 4-mal wurde Arminia Bielefeld Meister der 2. Bundesliga. 1978 und 1980 in der damals zweigleisigen Liga, Gruppe Nord, und 1999 bzw. 2020 in der eingleisigen 2. Liga. Den vereinsinternen Punkte-Rekord holte man in der Zweitliga-Spielzeit 1979/80 mit 96 Zählern (umgerechnet auf 3-Punkte-Regelung), 120:31 Toren und einer Tordifferenz von plus 89. 2 Niederlagen bedeuteten den Bestwert neben 2019/2020.

Die Arminia, das wissen nur wenige, spielte auch international. Im 1967 eingeführten UEFA Intertoto Cup, von 1995 bis 2009 UI-Cup, waren die Ostwestfalen ab 1982 insgesamt 3-mal dabei. Bei allen 3 Teilnahmen belegte man jeweils Rang 2 in der Gruppe, hinter dem FC St. Gallen (1982), Hammarby IF aus Schweden (1983) und dem israelischen Klub Maccabi Haifa (1985).

Auf nationaler Pokal-Ebene bedeutete der Einzug ins Halbfinale in den Jahren 2005, 2006 und 2015 den größten Erfolg der Klubgeschichte. In allen drei Spielen erwiesen sich Bayern München (0:2), Eintracht Frankfurt auswärts (0:1) und der VfL Wolfsburg (0:4) als zu stark. Ein nationales Finale blieb der Arminia verwehrt.

WAS NUR WENIGE WISSEN

Drama in der Relegation 2014. Felix Burmeister von Arminia Bielefeld ist nach dem 2:4 in der Verlängerung gegen Drittligist Darmstadt 98 untröstlich. Foto: Imago Images / Dünhölter SportPresseFoto
Drama in der Relegation 2014. Felix Burmeister von Arminia Bielefeld ist nach dem 2:4 in der Verlängerung gegen Drittligist Darmstadt 98 untröstlich. Foto: Imago Images / Dünhölter SportPresseFoto

Für die DSC-Hater (5 Bielefeld-Tragödien)

Pokal-,,Aus“ gegen vierte Liga! Kaum zurück in der Bundesliga, musste Arminia Bielefeld am 14. September 2020 eine herbe Niederlage hinnehmen. Mit 0:1 verlor man in der 1. DFB-Pokalrunde beim viertklassigen Team von Rot-Weiß Essen. Der Regionalligist siegte vor nach der Corona-Pandemie zugelassenen 300 Fans durch ein Tor von Simon Engelmann (33.) mit 1:0 und verdarb Arminia den Saisonauftakt. „Für die erst Halbzeit habe ich mich geschämt“, gestand DSC-Coach Uwe Neuhaus anschließend im ARD-Interview.

11 Gegentore in einer Halbzeit – Rekord! Borussia Dortmund 11 – Arminia Bielefeld 1. Dieses Bundesliga-Spiel vom 6. November 1982 schrieb in mehrfacher Hinsicht Geschichte. Es ist die bis heute höchste Niederlage von Arminia Bielefeld in der Bundesliga. Als einziger Klub in der Liga-Historie kassierte der DSC in einer Halbzeit 10 Gegentore. Manfred „Manni“ Burgsmüller (5), Bernd Klotz (3), Rüdiger „Abi“ Abramczik, Marcel Raducanu und Lothar Huber schossen die Arminia nach der 1:0-Führung durch Frank Pagelsdorf regelrecht ab. Olli Isoaho, der Bielefelder Keeper wird uns das Wortspiel gestattet, wirkte völlig isoliert… „Beim legendären 1:11 in Dortmund zählte ich zu jenen 11 Spielern, die sich in der 2. Hälfte 10 Stück haben einschenken lassen“, schrieb Frank Pagelsdorf dazu im Jahr 2003, „das war die größte Enttäuschung meiner Karriere.“

Der unnötigste Abstieg: In der Saison 2002/2003 schien nichts auf einen Sturz der Arminia in die 2. Liga hinzudeuten. Am 28. Spieltag hatte die Mannschaft unter der Regie von Trainer bereits 34 Punkte auf ihrem Konto. Zur „magischen“ 40 fehlten nur noch 6 Zähler. Aus den letzten 6 Partien konnte man jedoch keinen Sieg mehr holen und Ansgar Brinkmann, „der weiße Brasilianer“, sorgte während der Saison für zusätzliche Unruhe, als er sich auf einer Eisbahn zu einer Schlägerei mit einem Wachmann hinreißen ließ. Auch mit Brinkmann gab es ein 0:1 gegen Hannover 96 am letzten Spieltag – Abstieg!

Ach, du lieber Harry – 3-mal gegen 1860 München! Rang 2 in der 2. Liga Nord führte die Bielefelder unter Trainerlegende Karl-Heinz Feldkamp 1977 in die Entscheidungsspiele gegen 1860 München. Diese Spiele wurden zu einem der absoluten Dramen in der Arminia-Geschichte. Auf Seiten der „Löwen“ sind sie als „Die Bielefeld-Spiele“ ins kollektive Gedächtnis des Vereins eingegangen. Kein Witz: Das 4:0 auf der „Alm“ reichte Christian Sackewitz und Co. nicht zur Bundesliga-Rückkehr. Nach Toren von Hans-Werner Moors, Ewald Lienen, Wolfgang Schilling und Norbert Eilenfeldt schien doch schon alles klar! Nur DSC-Trainer Karl-Heinz Feldkamp gab den Mahner: „Dieser Sieg ist noch lange kein Freibrief für den Bundesliga-Aufstieg. Am 4. Juni steht uns in München noch eine heiße Schlacht bevor.“ Der Trainerfuchs sollte Recht behalten. Im Rückspiel im Münchner Olympiastadion schafften die Sechziger das schier Unmögliche. Sie egalisierten das Hinspiel-Ergebnis s und erzwangen durch Tore von Anton Nachreiner, Hans Haunstein, Georg „Schorsch“ Metzger und einem gewissen William „Jimmy“ Hartwig ein 3. Spiel. Am 11. Juni 1977 folgte im Frankfurter Waldstadion der Showdown – und die „Löwen“ hatten im Schlussspurt die besseren Nerven. Hartwig (77.) und Metzger (88.) sorgten für den endgültigen Knock-out der Bielefelder. Auf den Rängen im Waldstadion jubelte neben den „Löwen“ noch eine 2. Fan-Fraktion. Viele Anhänger des abstiegsbedrohten Süd-Zweitligisten FK Pirmasens waren zur Unterstützung der Münchner angereist. Nur mit der Hilfe von 1860 würde ihr Team in der 2. Liga bleiben. Das gelang. Auch, weil der ehemalige Pirmasenser Harry Erhart auf Bielefelder Seite 2 riesige Tor-Chancen ausließ. Ach, du lieber Harry!

Das „Weltwunder“: Drama gegen Darmstadt. Die größte Tragödie um Arminia Bielefeld in der jüngeren Vergangenheit spielte sich am 19. Mai 2014 in der Schüco Arena ab. In der Relegation zur 2. Bundesliga empfing die Arminia den Drittliga-Dritten aus Darmstadt. Die „Lilien“ waren ein Jahr zuvor nur durch den Lizenzentzug von Kickers Offenbach in der 3. deutschen Profiliga geblieben. Und es schien dabei zu bleiben. Nach einem 3:1-Erfolg am Böllenfalltor durch Tore von Christian Müller, Ben Sahar und Sebastian Hille schien für Bielefeld alles klar zu sein. Dann aber folgte das Spiel, das als „Wunder vom Bölle“ zu einem modernen Fußballmärchen wurde – nicht nur in Hessen! „Es ist bereits ein Wunder, dass wir überhaupt diese Relegationsspiele bestreiten können und nun ist ein Weltwunder möglich“, sagte SVD-Präsident Rüdiger Fritsch, der wohl hellseherische Qualitäten hatte, im Halbzeit-Talk mit HR3. Darmstadt 98 egalisierte das 3:1 durch Treffer von Dominik Stroh-Engel, Hanno Behrens und Jerome Gondorf und versetzte Bielefeld und seine Fans in eine regelrechte Schockstarre. Das 2:3 in der Verlängerung von Kacper Przybyłko (110.) brachte die Gastgeber wieder in den Fahrersitz, doch Elton da Costa (120. + 2) stürzte Arminia mit einer Direktabnahme aus 18 Metern zum 2:4 ins Tal der Tränen. Während die mitgereisten Darmstädter Fans „Nie mehr 3. Liga“ anstimmten, musste man in Bielefeld wieder mal bei null anfangen. 

Klammert man die Skandal-Saison 1971/72, in der alle Spiele gegen die Arminia gewertet wurden, so war die Spielzeit 1987/88 ein Fest für alle, die Bielefeld nicht abkönnen.

Die schlechteste Platzierung. Rang 20 – schlechter war Bielefeld noch nie in seiner Vereinshistorie.

Die meisten Niederlagen: 22 Spiele verloren die Arminen 1987/88 – das gab es auch in der Zweitliga-Saison 2010/2011, die man mit Platz 18 und logischerweise mit dem Abstieg abschloss.

Die schlechteste Tordifferenz: Minus 38 standen zu Buche, dabei gab es gegen Darmstadt und Union Solingen jeweils ein 0:5.

Schlechtestes Heimteam: Nur 5 Siege holte Arminia Bielefeld in der Zweitliga-Saison 1987/88, das bedeutete den 20. und letzten Platz in der Heim-Tabelle.

Schlechteste Auswärtsmannschaft: In fremden Stadien war die Mannschaft von Trainer Ernst Middendorp noch harmloser: Nur ein einziger Sieg – 2:1 am 25. Spieltag beim BVL Remscheid – und das machte in der Summe natürlich auch Rang 20.

Letzter in der Hin- und Rückrundentabelle: Sowohl in der Hin- als auch in der Rückserie 1987/88 lag Bielefeld auf dem letzten Platz.

Weitere Negativ-Rekorde sind unter anderem…

Die meisten Bundesliga-Pleiten – 18 – kassierte Arminia Bielefeld in der Saison 1999/2000. Am 33. Spieltag war der Abstieg perfekt.

Die wenigsten Punkte in der Bundesliga: Verbuchte der DSC Arminia in seiner bis 2020 letzten Bundesliga-Spielzeit, 2008/2009. Nur 28 Zähler. Dennoch hatte man am letzten Spieltag noch die Chance auf die Rettung.

Die höchste Heim-Niederlage in der Bundesliga war ein 1:7 gegen Eintracht Braunschweig am 29. Juni 1972. Zu diesem Zeitpunkt stand der Skandal-Abstieg allerdings bereits fest.

Die höchste Niederlage außerhalb der Bundesliga: Das 1:11 bei Borussia Dortmund wird wohl auf ewig unerreicht bleiben. Vor dem Aufstieg in die deutsche Fußball-Eliteliga bedeutete ein 0:8 bei Alemannia Aachen in der Regionalliga West am 26. April 1964 die höchste Arminen-Pleite in einem Pflichtspiel.

Die wenigsten Zuschauer: 14.206 Fans passierten im Schnitt pro Spiel die Stadiontore auf der „Alm“ in der Bundesliga-Saison 1984/85. Kein Wunder: Platz 16 war jetzt auch keine Werbekampagne. Bielefeld stieg über die Relegation ab…

Wenigste Fans bei einem Spiel: 20. So wenige Zuschauer wollten im berühmt-berüchtigten UI-Cup 1985 das Spiel Beitar Jerusalem gegen Arminia Bielefeld (1:1) sehen. Es gibt in der Tat bessere Freizeitmöglichkeiten in der israelischen Metropole… 

 

Für die Arminia-Fans…

Das legendäre 4:0 bei Bayern München. Anfang 1979 landete die Mannschaft von Trainerlegende Otto Rehhagel mit Klublegenden wie Uli Stein, Frank Pagelsdorf und Lorenz-Günther Köstner einen sensationellen 4:0-Erfolg beim FC Bayern München. Im Olympiastadion trafen zwei Mal Norbert Eilenfeldt, Volker Graul und Helmut Schröder für die Arminia. Wenig später folgte der bis dahin höchste Heimsieg in der Bundesliga: 5:0 deklassierte man den späteren Absteiger SV Darmstadt 98. Harry Ellbracht, Eilenfeldt (2), Graul und Edwin Westenberger per Eigentor waren die Schützen.

Die Corona-Champions: Einen Titel in der Corona-Saison 2019/2020 verdiente sich im deutschen Profifußball neben dem FC Bayern München nur Arminia Bielefeld. Während die Münchener Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger und mit ihrer 2. Mannschaft auch Meister der 3. Liga wurden, sicherte sich Arminia die „Felge“, die Meisterschale der 2. Bundesliga. Eine Saison der Rekorde, die leider ohne Fans zu Ende gespielt werden musste. Diese Mannschaftsleistung mit 65 Punkten – bester Wert für Bielefeld in der eingleisigen 2. Liga – mit der besten Offensive der Liga (65 Treffer) und nur 2 Niederlagen hätte in der leeren Schüco Arena den rauschenden Applaus der Fans und eine Mega-Party mehr als verdient gehabt.

Arminia Bielefeld kann auch Pokal. In der Saison 2014/2015 musste man als Drittligist an den Start gehen. Doch die Elf von Trainer Norbert Meier kegelte mit Hertha BSC (4:2 n. E.), Werder Bremen (3:1) und Borussia Mönchengladbach (6:5 n. E.) gleich drei Bundesligisten raus. Der Hit war das Elfmeter-Drama im Viertelfinale gegen Gladbach, als Bielefelds Torhüter Alexander Schwolow den 6. Mönchengladbacher Elfmeter von Ibrahima Traoré abwehrte. 6:5, zuvor hatten auf Gladbacher Seite Raffael und bei den Gastgebern Marc Lorenz verschossen.

Das Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg war erreicht, doch die „Wölfe“ ließen dem Gegner von der „Alm“ keine Chance – 4:0. Die Wolfsburger gewannen wenig später in Berlin gegen Borussia Dortmund (3:1) auch den Pokal.

Ein Star-Club der Weimarer Republik. Durch das stete bzw. unstete Auf und Ab von Arminia Bielefeld in der Bundesliga geraten die Erfolge des Vereins zwischen den beiden Weltkriegen oft in Vergessenheit. 1922 und 1923, in der Weimarer Republik, schickte sich Bielefeld an, Deutscher Meister zu werden. 2-mal in Folge standen „Die Blauen“ im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft. Lange vor den großen westfälischen Nachbarn FC Schalke 04 und Borussia Dortmund oder gar den rheinischen Klubs Fortuna Düsseldorf, 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach, die teilweise erst Jahrzehnte später um die Meisterschaft spielten. Mit dem ersten Bielefelder Nationalspieler Walter Claus-Oehler und dem ebenfalls einmal für die DFB-Auswahl nominierten Willi Pohl scheiterte die Arminia 1922 klar am FC Wacker München – 0:5 hieß es im „Stadion an der Telegrafenkaserne“ in Karlsruhe.

Ein Jahr später zwang man den Berliner Verein Union Oberschöneweide in Bochum nach 0:0 in der Verlängerung in ein 2. Spiel. Dieses wurde am 20. Mai 1923 im Grunewaldstadion in Berlin ausgetragen – und erneut musste die Verlängerung her. Union gewann letztlich mit 2:1. 

Der erste Bundesliga-Aufstieg: Die Aufstiegsrunde 1970 sah die Bielefelder in einer Gruppe mit dem Karlsruher SC, Tennis Borussia Berlin, dem pfälzischen „Dorfklub“ SV Alsenborn und dem VfL Osnabrück. Die Arminen gewannen zum Start bei Alsenborn, das seine Aufstiegs-Heimspiele in Ludwigshafen austrug, mit 1:0. Auch das Rückspiel gegen „Kaiserslautern Land“ ging mit 3:0 an die Ost-Westfalen. Die einzige Niederlage – 0:1 beim KSC – brachte das Unternehmen Aufstieg nicht mehr in Gefahr. Am 27. Juni 1970 bejubelte Arminia Bielefeld nach 2:0 bei TeBe Berlin erstmals den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. 

In der 1., der 2. und auch in der 3. Liga gelangen Arminia Bielefeld einige Bestmarken. Unter anderem sind zu nennen…

An Klos kam keiner vorbei. Oldie but Goldie. Mit dem bereits 32-jährigen Fabian Klos stellte Arminia sowohl den besten Torjäger als auch den besten Scorer dieser Zweitliga-Saison. Der Arminia-Stürmer erzielte 21 Treffer und lieferte 11 Assists. „Klos gelingt einfach alles“, hieß es dazu im Kicker-Sonderheft Bundesliga 2020/2021, der deutschen Fußball-Bibel.

Zwei Mal 5:0 – Das ist das höchste Heim-Resultat in einem Bundesliga-Spiel auf der „Alm“. Am 8. Mai 1982 und am 21. April 1979 gewannen „Die Blauen“ mit jeweils 5:0 gegen Borussia Mönchengladbach und Darmstadt 98.

Die längste Siegesserie: Gelang den Arminen auch in der Saison 1981/82 – zwischen dem 13. März und dem 3. April 1982 blieb man in 4 Spielen in Folge ungeschlagen. Das gelang auch zwischen dem 21. April und dem 12. Mai 2007 noch einmal.

Die meisten Saisontore erzielte Arminia Bielefeld ebenfalls in der Saison 2006/2007, an deren Ende man Platz 12 belegte: 47 Tore erzielten Artur Wichniarek (10 Treffer), Jonas Kamper (6) und Co.

Der sicherste Elfmeterschütze: Ist ein Mann mit norddeutscher Bierruhe. Es ist der in Hannover geborene Frank Pagelsdorf. „Pagel“ spielte zwischen 1978 und 1984 für die Arminia und traf 10-mal vom Elfmeterpunkt.

Der Rekord-Torjäger: Keiner war besser als „König Artur“ Wichniarek. Der polnische Stürmer traf 45-mal in der Fußball-Bundesliga für Arminia Bielefeld. Er liegt damit vor Frank Pagelsdorf (28 Tore) und Stefan Kuntz (25).

Der Rekord-Spieler der Arminen in der Fußball-Bundesliga ist Rüdiger „Rübe“ Kauf mit 170 Einsätzen. Der Dauerrenner aus Schwaben („Den musst du schon abknallen, sonst hört er nie auf, zu laufen“, Arminia-Keeper Matthias Hain) spielte eine ganze Dekade für Arminia Bielefeld, von 2001 bis 2011. Seine größten Erfolge waren der Bundesliga-Aufstieg 2002 und die zweimalige Nominierung zum „Arminen des Jahres“.

Die Alm-Könige: Nach dem Pokal-Coup am 4. März 2015 gegen Werder Bremen feiert Arminia Bielefeld mit seinen Fans. Foto: Imago Images / Dünhölter SportPresseFoto
Die Alm-Könige: Nach dem Pokal-Coup am 4. März 2015 gegen Werder Bremen feiert Arminia Bielefeld mit seinen Fans. Foto: Imago Images / Dünhölter SportPresseFoto

OMG - OH MY GOD

Ewald Lienen brauchte nach dem schlimmen Foul von Norbert Siegmann (nicht im Bild) Wochen, um sich zu erholen. Foto: Imago Images / Sven Simon
Ewald Lienen brauchte nach dem schlimmen Foul von Norbert Siegmann (nicht im Bild) Wochen, um sich zu erholen. Foto: Imago Images / Sven Simon

Das schlimmste Foul der Bundesliga-Geschichte. 14. August 1981 im Bremer Weserstadion. Die Arminia trat beim Bundesliga-Rückkehrer Werder Bremen an. Nicht das 0:1 ist aus diesem Spiel in Erinnerung geblieben, sondern das Foul des Bremers Norbert Siegmann an Bielefelds Irrwirsch Ewald Lienen. Der rechte Oberschenkel von Lienen war aufgeschlitzt, die Wunde 23 cm lang und musste im Krankenhaus mit 23 Stichen genäht werden. Erst 4 Wochen später konnte Ewald Lienen wieder spielen. Dass die Muskelhülle bei Lienen frei lag, schockierte den für Bielefeld und Bremen aktiven Trainerveteran Otto Rehhagel noch Jahre später. „Es sah einfach schrecklich aus. Keiner mochte länger auf die Wunde gucken“, schrieb Rehhagel 2003 im Buch 40 Jahre Bundeliga von BILD. Er erwähnt aber auch: „Ich weiß noch, wie Lienen auf mich zu humpelte, mich am Kragen packte und mir Vorwürfe machte: Ich hätte Siegmann scharf gemacht.“ Der Medien-Rummel war groß, Rehhagel wurde verklagt – und freigesprochen. Ausgestanden war die Sache noch nicht. Im Rückspiel auf der „Alm“ erlebte Rehhagel keine schöne Rückkehr. Er musste das Stadion unter Personenschutz betreten und trug zum ersten und einzigen Mal in seiner langen und erfolgreichen Trainer-Karriere eine kugelsichere Weste auf der Bank.

Der Witz des Jahres. Bielefeld, 29. April 1998. Ganz Fußball-Deutschland blickte auf die „Alm“. Bundesliga-Tabellenführer 1. FC Kaiserslautern und der ehemalige Bielefelder Trainer Otto Rehhagel (59) konnten in der wegen der Castor-Transporte im Frühjahr 1998 durch ganz Deutschland verlegten Partie einen Riesen-Schritt in Richtung Titelgewinn machen. Gespannt verfolgten die Fans in Rheinland-Pfalz in den Sportsbars das packende 2:2 des FCK. Lautern lag nun bei 2 noch ausstehenden Spielen 2 Punkte vor Verfolger Bayern München und sollte nur 3 Tage später mit 4:0 gegen den VfL Wolfsburg die Sensation klar machen. Nach dem Spiel haute Rehhagel noch einen raus. Den FCK-Maestro störte es gewaltig, dass eine Delegation des Gegners aus Bielefeld nur einen Tag zuvor einen Lokaltermin in München wahrgenommen hatte. „Es handelte sich lediglich um einen Besuch des Trainingsgeländes“, versuchte Bielefelds Team-Manager Thomas von Heesen vorab zu beschwichtigen. Nicht mit „König“ Otto! Er und Bielefeld-Coach Ernst Middendorp lieferten nach dem Spiel im premiere-Studio ein legendäres Rede-Duell. „Jeder, der einigermaßen seinen Verstand zusammen hat und Fußball spielt, der ist da mehr als erstaunt“, sagte Rehhagel, ohne den Gegner eines Blickes zu würdigen, „das ist für mich ja der Witz des Jahres, dass die sagen, wir haben das Trainingsgelände besichtigt. Wem willst du das erzählen? Aber okay…“

Middendorp hatte dafür kein Verständnis: „Wir haben nicht gegen Bayern München gespielt! Ich glaube, man sollte sich jetzt nicht so infantil anstellen als dass man großartig nun behauptet, wir würden uns davon beeinflussen lassen. (…) Wir haben vor 10 Tagen gegen Bayern München Kaiserslautern halt in dem Spiel auf Platz 1 (4:4 am 18. April 1998, d. Red.) gebracht. Das vergisst man alles im Moment und ich glaube, da sollte man fair bleiben. Wir fragen nicht jedes Mal nach in Kaiserslautern, wo wir gegebenenfalls hinfahren, das ist einzig und allein unsere Sache.“

Rehhagel: „Sie können von mir aus hinfahren, wo Sie wollen, aber Sie werden doch wohl uns gestatten, dass wir sagen, das ist der Witz des Jahres! Da können Sie jeden Fußballer fragen, das steht doch wohl fest! Also, um ein Trainingsgelände zu besichtigen, da kannst du auch nächste Woche noch hinfahren…“

Middendorp: „Ich weiß jetzt nicht, was die Diskussion…“

Rehhagel: „Sie haben Ihre Meinung und wir haben unsere Meinung. (…) Wir freuen uns, dass wir im nächsten Jahr, wir haben ein wunderbares Hotel hier gehabt, wo wir wunderbar aufgenommen wurden und im nächsten Jahr freuen wir uns, dass wir wieder hierher fahren, aber nicht nach Bielefeld, sondern da spielen wir gegen Gütersloh.“ 

Arminia Bielefeld: Ein Kind des Skandals. Dass in einer Saison alle Bundesliga-Spiele gegen ein Team gewertet wurden, das gab es nur 1971/72. Als Folge der Verstrickung in den Bundesliga-Bestechungsskandal wertete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) alle Partien gegen Arminia Bielefeld. Die Ostwestfalen durften die Saison zwar noch zu Ende spielen, doch der Image-Schaden war riesig. In den letzten Partien gegen Borussia Dortmund (3:1) am 30. Spieltag waren nur noch 9.000 Zuschauer auf der „Alm“, am 32. Spieltag gegen Fortuna Düsseldorf (0:2) 7.000 und beim tristen 1:7 gegen Eintracht Braunschweig waren es gar nur 6.000 Fans.

Der DSC hatte seine Premieren-Saison 1970/71 mit dem 14. Tabellenplatz abgeschlossen – und verlor dann seine Unschuld. Horst-Gregorio Canellas, Präsident von Kickers Offenbach, enthüllte nach dem Saisonende 1971 die gezielten Spielmanipulationen aus der Endphase der Spielzeit. Er spielte auf seiner Geburtstagsparty ein Tonband mit mitgeschnittenen Telefonaten mit später bestochenen Spielern vor. Guter Stoff für die VIP-Gäste? Wohl kaum! Die deutsche Fußball-Öffentlichkeit im Wirtschaftswunder-Deutschland zeigte sich geschockt. Bei Arminia Bielefeld leugnete man westfälisch-stur jegliche Beteiligung.

Die Beweise waren jedoch erdrückend und zwangen das Präsidium um Klubchef Wilhelm Stute am 24. Oktober 1971 zu einem umfassenden Geständnis. Der Hit: Für umgerechnet 20.000 Euro hatte die Arminia am 28. Spieltag einen 1:0-Erfolg beim FC Schalke 04 „erkauft“ – „Boss, wir müssen Spiele kaufen“, war in diesen turbulenten Tagen der im deutschen Fußball am häufigsten zitierte Satz aus den Canellas-Enthüllungen. Wohl auch die Bielefelder mussten das. Sie „kauften“ das Spiel gegen den VfB Stuttgart am vorletzten und die Partie gegen die Mutter aller Skandalvereine, Hertha BSC, am letzten Spieltag. Für den 1:0-Sieg gegen die Berliner gab es immerhin 100.000 Euro für die Kicker aus der geteilten Stadt. Gleichzeitig bot der DSC Eintracht Braunschweig umgerechnet 20.000 Euro für einen Sieg gegen Rot-Weiß Oberhausen. Nur der MSV Duisburg wimmelte die Bielefelder ab. So viel nordrhein-westfälische Nachbarschaftshilfe war den „Zebras“ dann doch suspekt…

Der DFB verurteilte die Arminia wegen erwiesener Bestechung in 5 Fällen zum Zwangsabstieg in die höchste Amateurliga. Die Bundesligasaison 1971/72 durfte die Mannschaft noch beenden, jedoch wurden alle Spiele nur für die Gegner gewertet. Bielefeld ging in Berufung und erreichte, dass man „nur“ in die Regionalliga herabgestuft wurde – inklusive 10 Punkten Abzug. Der finanzielle Crash konnte lediglich durch die Transfers von Dieter Burdenski und Gerd Roggensack verhindert werden. Der Image-Schaden war riesig, von Bielefelder Unternehmen erhielt der Verein keine Unterstützung mehr, sodass es letztlich die Fans waren, die den DSC durch Spenden am Leben hielten.

Kuntz gegen Middendorp – Mobbing auf westfälisch. Arminia Bielefeld hatte sich 1996 mit Europameister Stefan Kuntz einen der profiliertesten deutschen Stürmer geholt. Der Ex-Lauterer kam nach nur einer Saison bei Besiktas Istanbul nach Deutschland zurück. Keine wirklich gute Liaison, wie sich weisen sollte. Der authentische Saarländer und die knorrigen Ostwestfalen, das wollte nicht passen. Und das trotz der erfolgreichen ersten Saison 1996/97, in der Kuntz mit 14 Treffern maßgeblich am Klassenerhalt der Arminia beteiligt war. Das nie wirklich gute Verhältnis zwischen Kuntz und Arminias „Jahrhunderttrainer“ Ernst Middendorp führte in der Rückserie 1997/98 zu einer ostwestfälischen Provinzposse erster Kajüte.

Im Kalenderjahr 1998 blieb Arminia Bielefeld bis zum 33. Spieltag (2:1 gegen Köln) ohne Sieg und steuerte als Tabellenletzter dem erneuten Abstieg entgegen. Der Dauer-Streit Kuntz – Middendorp – der Coach warf dem ehemaligen FCKler vor, das Tor absichtlich nicht zu treffen, nur um zu seinem Herzensverein nach Kaiserslautern zurückkehren zu können – vergiftete das Klima innerhalb der Mannschaft. Absolute Eskalationsstufe war die 0:2-Auswärtsniederlage beim Hamburger SV am 11. April 1998. Auf der Rückfahrt verfolgte Middendorp im Mannschaftsbus ein TV-Interview mit Stefan Kuntz. Dieses brachte ihn derart in Wut, dass er an einem Rastplatz ausstieg („Ich muss hier einfach raus“) und mit dem Taxi nach Bielefeld zurückfuhr. Im Vorfeld der Partie gegen den Titel-Anwärter aus Kaiserslautern (2:2) am 29. April 1998 sorgte ein Einspieler über Stefan Kuntz beim Pay-TV-Sender premiere noch einmal für Wirbel. „Ich habe in Kaiserslautern meine persönlichen größten Erfolge gehabt und auch mit dem Verein zusammen die größten Erfolge gehabt, deshalb ist die Sympathie natürlich eindeutig auf der Seite des 1. FC Kaiserslautern“, sagte Kunz süffisant. „De Stefan“ ließ noch einen saarpfälzischen Witz folgen: „Wir haben mal in humoristischer Anlehnung gesagt: Fußball macht Spaß und aus Spaß wurde Ernst und Ernst ist heute unser Trainer.“ Da lacht der Ostwestfale. Zumindest dann, wenn er nicht aus Bielefeld kommt… Abgemahnt wurde er nicht mehr. Mit dem Abstieg verließen sowohl Kuntz als auch Middendorp und Manager Rüdiger Lamm den Verein.

Der Cur-K.o.: 2000/2001. Arminia Bielefeld war im Sommer mal wieder aus der Bundesliga abgestiegen, hatte mit Jörg Böhme oder Silvio Meißner aus finanzieller Not einmal mehr Leistungsträger verkaufen müssen. Der serbische Keeper Goran Curko war von Kickers Offenbach verpflichtet worden. Er sorgte im Zweitliga-Spiel gegen den SV Waldhof Mannheim am 20. Oktober 2000 für einen beispiellosen Eklat. Schmährufe und Pfiffe der eigenen Fans – Mobbing auf ostwestfälische Art war seit der Saison 1997/98 in Mode – zermürbten den Torhüter. Nach 63 Minuten hatte Curko genug. Er warf die Handschuhe weg und verließ entnervt das Spielfeld. Bruno Labbadia und Dirk van der Ven konnten ihn nicht beruhigen. Dennis Eilhoff ging zwischen die Pfosten und rettete ein 0:0. Curko spielte nie wieder für Arminia. Er wurde fristlos gekündigt.

FUN FACTS

Stefan Kuntz machte in 65 Bundesliga-Spielen für Arminia Bielefeld 25 Tore, wie hier beim 2:0 gegen den späteren Meister FC Bayern München am 1. März 1997. Nur 2 Spieler trafen häufiger für den DSC. Foto: Imago Images / Teutopress
Stefan Kuntz machte in 65 Bundesliga-Spielen für Arminia Bielefeld 25 Tore, wie hier beim 2:0 gegen den späteren Meister FC Bayern München am 1. März 1997. Nur 2 Spieler trafen häufiger für den DSC. Foto: Imago Images / Teutopress

Dass Arminia Bielefeld ein „Fahrstuhlteam“ ist, ist ein No-Brainer. Nicht so bekannt sind diese Fakten.

Der Eckenkönig: 154 Eckbälle schlug Arminia Bielefelds Marcel Hartel in der erfolgreichen Zweitliga-Saison 2019/2020, mehr als jeder andere Spieler im „Unterhaus“.

Premiere für den Iran: Mit Ali Daei vom katarischen Klub Al-Sadd und Karim Bagheri von Persepolis Theran verpflichtete Arminia Bielefeld 1997 die ersten beiden iranischen Fußballprofis der Bundesliga-Geschichte. Daei wurde in nur einem Jahr auf der „Alm“ zum absoluten Publikumsliebling. „Hooray, Hooray, it’s a Ali, Ali Daei“, sangen die Bielefelder Fans auf den Rängen. Daei, der Welt-Torjäger von 1996, wechselte allerdings nach nur einer Saison 1998 zum FC Bayern München. Bagheri blieb bis 2000 in Bielefeld.

 Nationalspieler nach 73 Jahren: Stefan Kuntz war nach seiner Ankunft 1996 als Europameister der erste DFB-Auswahlspieler in Diensten der Bielefelder nach mehr als 7 Jahrzehnten. Der letzte Armine, der vor ihm das Nationaltrikot getragen hatte, war Walter Claus-Oehler (1923).

 Rekord-Trainer. Die Bielefelder „Alm“ war nie ein ruhiger Platz für Trainer. Außer für einen. Ernst Middendorp. Der humorlose „Jahrhundert-Trainer“ von Arminia Bielefeld war mit 1.454 Tagen zwischen dem 24. Juni 1994 und dem 17. August 1998 am längsten im Amt. Er hält auch den Rekord an absolvierten Spielen, mit 143 Partien, aus denen er im Schnitt 1,47 Punkte holte.

Torjäger aus dem „Unterhaus“: 6-mal stellte Arminia Bielefeld zwischen 1974 und 2020 den besten Torschützen der 2. Bundesliga. Den Anfang machte Volker Graul mit 29 Treffern in der Premieren-Saison der 2. Liga Nord 1974/75. DSC-Idol Christian Sackewitz brachte es 1979/80 auf 34 Treffer. Der legendäre Fritz Walter, der sich 1992 auch in der ersten Liga die Torjäger-Kanone holte, schoss die Arminia als 35-jähriger Stürmer-Methusalix 1996 mit 21 Treffern in die 1. Liga. Bruno Labbadia war 1998/99 nur 2 Jahre jünger als Walter und traf 28-mal. „König Artur“ Wichniarek sicherte sich diese Auszeichnung 2-mal in Folge: 2001 und 2002. Der Pole blieb mit 18 bzw. 20 Buden aber unter der Tor-Anzahl von Fabian Klos (2019/2020), der 21 Mal einnetzte.

Erster Westfale: Dortmund, Schalke? Nein, Arminia! Der erste deutsche Nationalspieler aus Westfalen war Walter-Claus Oehler, Spielmacher von Arminia Bielefeld. Er gab am 10. Mai 1923 in Hamburg gegen die Niederlande sein Länderspiel-Debüt. Insgesamt spielte er 2-mal für Deutschland, er starb während des Zweiten Weltkriegs 1941, als Wehrmachts-Besatzungssoldat in Paris.

Der Ein-Spiel-Berger: Jörg Berger (1944 – 2010) hatte als Trainer den Ruf eines „Retters“. Der Coach aus Ostdeutschland rettete u. a. Eintracht Frankfurt (1989 und 1999) sowie den FC Schalke 04 (1994) vor dem sicheren Abstieg aus der Bundesliga. Diese Qualitäten wollte sich Arminia zunutze machen. Am 33. Spieltag der Saison 2008/2009 verlor man mit 0:6 bei Borussia Dortmund und trennte sich von Trainer Michael Frontzeck. Motto: Holt den Frontzeck von der Front weg! Berger kam für ein Spiel (!), vermochte aber den Hebel nicht mehr umzulegen. Ein 2:2 im Saisonfinale gegen Hannover 96 war zu wenig. Bielefeld stieg ab und blieb danach über mehr als eine Dekade unten. Für Jörg Berger war es der letzte Trainerjob. Er verstarb am 24. Juni 2010 an den Folgen einer langen Krebserkrankung. Tragisch.

Der Mann, der Hoeneß nicht kannte. Pasi Rautiainen war einer der beliebtesten Legionäre auf der „Alm“. Der nur 1,70 m große Finne kam 1980 unter kuriosen Umständen nach Deutschland. Bayern-Manager Uli Hoeneß rief ihn in Helsinki am heimischen Wand-Telefon an. „Wenn Sie Uli Hoeneß sind, bin ich der Präsident von Finnland“, hielt der junge Rautiainen den auf Englisch getätigten Anruf des Münchner Machers zunächst für einen Scherz. Am Flughafen in München staunte dann Hoeneß, als er den zierlichen Mittelfeldspieler zum ersten Mal sah: „Ich wollte eigentlich keinen Spieler für die B-Jugend verpflichten…“ Er tat es doch, Rautiainen wurde ein One-Match-Player beim FC Bayern und wechselte 1981 erst zu Werder Bremen und Mentor Otto Rehhagel, dann 1982 zu Arminia Bielefeld. Nur 2 ausländische Profis machten in der 1. Bundesliga mehr Spiele für den DSC Arminia als Rautiainen (89): Artur Wichniarek (152) und der Tscheche Radim Kucera (102). Der Grieche Thomas Stratos liegt (Stand: 2020) mit 89 BL-Spielen gleichauf mit dem Finnen.

 

Spruch: „Die Wahrsagereien überlasse ich Rüdiger Lamm. Mal gucken, vielleicht trifft er bei 18-mal raten auch den richtigen Verein.“ (Stefan Kuntz)

TEAM-STATS, INFOGRAFIKEN, EXTERNE QUELLEN

Die höchste Niederlage von Arminia Bielefeld in der Bundesliga: Borussia Dortmund mit Bernd Klotz, Marcel Raducanu und Manfred Burgsmüller (r.) nehmen den ostwestfälischen Nachbarn 1982 mit 11:1 auseinander. Foto: Imago Images / Kicker / Eissner
Die höchste Niederlage von Arminia Bielefeld in der Bundesliga: Borussia Dortmund mit Bernd Klotz, Marcel Raducanu und Manfred Burgsmüller (r.) nehmen den ostwestfälischen Nachbarn 1982 mit 11:1 auseinander. Foto: Imago Images / Kicker / Eissner

Offizielle Website von Arminia Bielefeld

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Wikipedia-Eintrag von Arminia Bielelfeld

https://de.wikipedia.org/wiki/Arminia_Bielefeld

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