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Borussia Dortmund: Lucien Favre will ein besseres Team

Borussia Dortmund hat sich 2018/2019 nach einer längeren Auszeit wieder zum Bayern-Jäger Nummer 1 aufgeschwungen. Kein anderes Team hat dem Branchenriesen aus München seit 2012 in der Bundesliga länger die Stirn geboten als die seit Sommer vom Schweizer Lucien Favre trainierte Borussia. Am Ende reichte es doch nur zum Vize-Titel. Lucien Favre – der Nearly Man und Zauderkönig? Der BVB als ewiger Zweiter in der Bundesliga?

Dass es nach der enttäuschenden Saison 2017/2018 überhaupt so weit und die Borussia in der Hinrunde die Bundesliga 20181/19 dominierte, gelingt nur  aufgrund der gelungenen Investitionen im Sommer 2018. Für 90 Mio. € hat Borussia Dortmund den Kader rundum erneuert – und dank des seit Januar 2019 feststehenden Transfers von Außenstürmer Christian Pulisic zum FC Chelsea für 64 Mio. € sogar noch ein Plus von 23 Mio. € erwirtschaftet.

Die fehlende Balance zwischen Offensiv- und Defensivspiel – augenfällig bei 40 Liga-Gegentoren 2016/2017 in der letzten Saison unter Thomas Tuchel und 47 Gegentreffern in der Spielzeit 2017/18 – hat man durch die Verpflichtungen von Abwehrspieler Abdou Diallo (28 Mio. €, Mainz 05) und die je 20 Mio. € teuren Mittelfeld-Abräumer Thomas Delaney (Werder Bremen) und Axel Witsel (Tianhai / China) versucht auszugleichen. Die Transfers von Delaney, Witsel und Stoßstürmer Paco Alcácer (FC Barcelona) sind, so sieht es auch der Kicker, ,,noch fehlende Puzzleteile der ersten Phase der auf zwei Sommer ausgelegten Umbruchpläne” beim BVB.

Müssen sie auch sein! Denn das Gesamtkunstwerk Borussia Dortmund mit seiner dynamisch-offensiven Spielweise ist so, wie sich das der Schweizer “Miraculix” Lucien Favre vorstellt, noch längst nicht vollendet. Das gegenwärtige Team entspricht nur in Ansätzen dem, was sich Lucien Favre unter einem optimalen Team mit optimalen Fähigkeiten vorstellt. Die 0:5 Niederlage in München zeigte die Defizite des gegenwärtigen Kaders auf. Für die Saison 2019/20 will der Schweizer ein besseres Team. Borussia Reloaded 2.0. Damit die Meisterschaft im Jahr 2012 nicht die vorerst letzte in der Vereinshistorie bleibt. ,,Die zurückliegende Saison ist für uns Motivation und Verpflichtung zugleich”, sagt BVB-Spordirektor Michael Zorc. Na, dann…Die Zwischenbilanz des BVB-Umbaus ist positiv! Lucien Favre hat seine Spielidee umsetzen können und die Schwarzgelben mit viel Akribie zu einem ernsthaften Bayern-Herausforderer gemacht. Wer den “neuen” BVB verstehen will, der muss wissen, wer Lucien Favre ist – und wie er Fußball lebt und lehrt!  Wir gehen deshalb ,,inside the mind of Lucien Favre” und versetzen uns in die taktischen Planspiele des Schweizer Taktik-Maestro!

Favre wechselt auf seinen bisherigen Trainerstationen in der Bundesliga und der Ligue 1 bei Hertha BSC, Gladbach und OGC Nizza zwischen einem 4-4-2-System mit Doppel-Sechs und einem 4-2-3-1 mit drei offensiven Mittelfeldspielern bzw. Halbstürmern und 2 Sechsern. Die Haupt-Charakterzüge seines Spiels sind speziell. Es gibt 6 goldene ,,Favre-Regeln” – da bleibt der Schweizer stur.

Regel 1: ,,Dominanz beginnt beim Torhüter”, so lautet ein Mantra des Schweizers. In Mönchengladbach setzt er mit dem deutschen Nationalkeeper Marc-André ter Stegen und später mit seinem Landsmann Yann Sommer auf Keeper, die fußballerisch gut ausgebildet sind und die in der Lage sind, das Spiel schnell zu machen und es intelligent zu eröffnen. Favre bevorzugt den Typus des “Playmaker Goalie”. Diesen Typus Torhüter hatte er in Berlin in der erfolgreichen Saison 2008/2009, als Hertha lange von der ersten Meisterschaft in der Bundesliga-Ära träumen darf, mit dem Hünen Jaroslav Drobny und in Nizza mit dem Argentinier Walter Benitez ebenso wenig wie jetzt in Dortmund. Roman Bürki ist ein Keeper, der dem BVB mit seinen Paraden viele Punkte rettet, der aber im Spielaufbau eher schwach ist und bei hochstehender eigener Formation nicht viel für den Spielaufbau tut. Bürki ist weder ein “Sweeper Keeper” wie Manuel Neuer, der als eine Art Ersatzlibero spielen kann, noch und schon gar nicht ein Playmaker Goalie wie Marc-Andre ter Stegen, der mit genauen Pässen ins Mittelfeld das eigene Spiel von hinten heraus eröffnet.

Regel 2: Bitte mit Vierer-Kette!  Die Formation mit 4 Abwehrspielern und 2 gelernten, groß gewachsenen Innenverteidigern findet sich auf allen Favre-Stationen. Mit dem Brasilianer Dante finden wir bei Borussia Mönchengladbach und in Nizza vielleicht den Defensivspieler, der die Favre'schen Vorstellungen in der Abwehr am besten umsetzt. Der Linksfuß ist kopfballstark und gefällig in der Spieleröffnung, allerdings in diesem Punkt nicht gut genug für Pep Guardiola. Die beiden BVB-Bullen Manuel Akanji und Abdou Diallo werden diesen Anforderungen gerecht – wenn auch mit Abstrichen. Sie stehen aber noch für ein anderes, typisches Favre-Detail. Der linke Innenverteidiger ist – wie in Gladbach mit Dante und in Dortmund mit Diallo – ein Linksfuß, der rechte in der Viererkette hat auch einen starken rechten Fuß. Gesehen bei Martin Stranzl in Gladbach und bei Akanji beim BVB. Dazu kommen offensive Außenverteidiger, die das Spiel schnell nach vorne tragen.

Regel 3: Unverzichtbare Doppel 6 – Die beiden zentralen Mittelfeldspieler – im Fußball-Neudeutsch ,,Doppel-Sechs” –  gehören zu den Essentials des Monsieur Favre. Exakt diese zentrale Stelle im taktischen Gefüge hat beim BVB seit dem Abgang von Ilkay Gündogan (Manchester City) brach gelegen oder sie wurde im Hurra-Stil des Peter Bosz vernachlässigt.

Regel 4: Ballbesitz ist nicht alles aber viel – Hatte Lucien Favre in Mönchengladbach aufgrund der hohen Ballbesitzquoten noch den Ruf, eine ,,Borussia Barcelona als Mini Tiki-Taka” geschaffen zu haben, die mit viel Ballbesitz den Gegner mürbe spielt, so hat er sich von diesem Trend partiell verabschiedet. ,,Ballbesitz nur um des Ballbesitzes wegen interessiert mich nicht”, sagt er. Viel wichtiger für ihn: Intelligent die Lücke finden. Mit wuchtigem Spiel über die Außenpositionen hinter die gegnerischen Ketten kommen oder mit Doppelpässen in der Spitze den Gegner am Strafraum aushebeln – ein Spielsystem wie gemalt für die Kumpelfraktion um Mario Götze und Marco Reus.

Regel 5: Die Polyvalenz der Spieler – Es gibt böse Zungen, die behaupten, vor Lucien Favre hätte es das Wort Polyvalenz in Berlin gar nicht gegeben. Andere sagen, seit Favres Aus in der Hauptstadt sei es als Unwort aus dem Klub-Vokabular der Hertha gestrichen worden… wie auch immer. Polyvalenz heißt nicht: ,,Alle machen alles” oder, wie man in Berlin nach dem Absturz ans Tabellenende vermuten musste, ,,Die Spieler können vieles, aber nichts richtig.” Das ist Quatsch. Bei Polyvalenz nach Favre'scher Art geht es nicht darum, dass ein Spieler alles kann. ,,Er muss nur in der Lage sein, seine Position in unterschiedlichen Systemen unterschiedlich zu interpretieren”, so der Schweizer über seinen Lieblingsbegriff und das Kernstück seines Systems. Bei Borussia Dortmund verfügt Favre schon mit Manuel Akanji und Dan-Axel Zagadou über polyvalente Spieler. Der französische U21-Nationalspieler Diallo gilt als Musterbeispiel für die Favre'schen Anforderungen. ,,Abdou hat schon mehrere Positionen gespielt. Mal als linker Verteidiger, mal als rechter Innenverteidiger oder auch als linker Verteidiger, das ist ein Vorteil”, sagt der Borussen-Coach, ,,und weil sie noch sehr, sehr jung sind, lernen die Spieler dadurch viel, durch diese Positionswechsel.”

Regel 6: Halbe Neun (9 1/2) statt Kante im Sturmzentrum – Die ,,falsche Neun”, ein technisch starker, mitspielender Halbstürmer findet sich auf allen Favre-Stationen. In Mönchengladbach waren dies der junge Marco Reus oder Mike Hanke. In Berlin setzte Favre auf den ukrainischen Halbstürmer Andrij Woronin. Beim OGC Nizza hatte er mit dem italienischen Enfant Terrible Mario Balotelli zwar einen bulligen Mittelstürmer als Top-Torschützen, die meisten Einsätze aber machte der wesentlich variablere Alassane Plea, jetzt in Diensten von Borussia Mönchengladbach. Im Kader des BVB können Paco Alcácer, Mario Götze, Marco Reus, aber auch Maximilian Philipp und CHristian Pulisic diese Rolle spielen. Nimmt man den als Abgang feststehenden Pulisic weg, können Götze, Reus, so sie verletzungsfrei bleiben, auch zentral offensiv als ,,so eine Art Zehner” agieren.Lucien Favre hat Borussia Dortmund im Rekord-Tempo seine Philosophie eingeimpft. Es gibt Positionen im BVB-Gefüge, die den Anforderungen auf Anhieb gerecht werden. Auf den Außenverteidiger-Positionen hat Favre Marcel Schmelzer durch Hakimi und Lukasz Piszczek durch den ,,polyvalenten” Marius Wolf ersetzt. Auch der laufstarke Raphael Guerreiro kann links hinten in der Kette agieren.

Die Offensive ist das Prunkstück von Borussia Dortmund. Hier hat der schwarz-gelbe Express seine schnellsten Spieler, hier findet sich die Mehrheit der Torschützen. Jadon Sancho kann rechts oder links außen agieren und jeden Gegner durch geschickte Positionswechsel verwirren. Gleichzeitig versteht es der England-Wusel, mit seinen Power-Dribblings Alcácer oder Reus einzusetzen. Ein Tor-Vorarbeiter vor dem Herrn! Die größte Baustelle vor Saisonbeginn war die Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld. Spieler, die Autorität ausstrahlen und durch ihre Zweikampfstärke Ballbesitz und Überzahlsituationen schaffen, hatte der BVB quasi mit dem Fernglas gesucht und in Thomas Delaney und Axel Witsel gefunden. Der Belgier Witsel scheint dabei noch einen Tick mehr nach Favre-Gusto zu sein, weil er zentral und defensiv eingesetzt werden kann.

Doch nicht alles ist auf einen Schlag fertig und vieles muss noch verbessert werden. Selbst in Hochphasen gibt Favre den Mahner. ,,Wir müssen noch sehr, sehr viel verbessern”, sinniert er. Doch was meint er? Zum Beispiel, dass sein Team nach einem Jahr nicht auf allen Positionen seinen Ansprüchen entspricht. Auf der Torhüterposition ist Roman Bürki sicher nicht der ,,Playmaker Goalie”, den die Konkurrenz aus München mit Manuel Neuer während dessen langer Verletzungspause regelrecht herbeigebetet hat. Dass er in dieser Personalie von seinen Wunschvorstellungen abgeht bzw. abgehen muss, liegt daran, dass Bürki im Rahmen seiner fußballerischen Möglichkeiten einen guten Job macht und – noch wichtiger – ein anderer Torhüter mit diesen Qualitäten, etwa ein Marc-André ter Stegen, zu teuer käme. In der Abwehr wird es beim BVB schnell eng, wenn Akanji und / oder Diallo verletzt und gesperrt fehlen. Einen gelernten Mittelfeldspieler wie Weigl zurück in die Vierer-Kette zu nehmen, ist keine Dauerlösung. Dortmund braucht mehr Innenverteidiger der Marke ,,Kann das Spiel eröffnen und schnell machen.”

Die linke Außenverteidigerposition ist und bleibt der X-Faktor. Hakimi hat noch nicht die internationale Erfahrung und wirkt oft zu ungestüm. Schmelzer und Piszczek sind bei allen ihren Verdiensten um den Verein Auslaufmodelle Einen zweikampfstarken Flügelflitzer, möglichst für beide Außenbahnen einsetzbar, der kraftvoll im Sprint und gefährlich im Flankenspiel ist, suchen sie in Dortmund noch. Die Rechtsaußenposition muss trotz Sancho bzw. wegen des feststehenden Abgangs von Pulisic doppelt besetzt werden. Vor diesem Hintergrund  ergibt sich eine Liste von Spielern, die diesen Anforderungen nicht gerecht werden und potenzielle Abgänge sind.
Marcel Schmelzer (Vertrag bis 2021) gehört zu den letzten Recken der Klopp-Ära. Doch ,,Schmelle” ist in die Jahre gekommen. 

Der Linksverteidiger ist verletzungsanfällig und hat seinen Stammplatz an den 10 Jahre jüngeren Achraf Hakimi verloren.

Dass der nominelle Kapitän deshalb immer wieder aus dem Kader gestrichen wird, ist für BVB-Manager Michael Zorc ein normaler Vorgang. „Er ist für uns ein ganz wichtiger Spieler und wird diese Nicht-Nominierungen professionell aufnehmen“, sagt Zorc.

Die Frage ist, wie lange er dies tun wird. Schmelzer ist in der Torvorbereitung Lichtjahre von seinen besten Leistungsdaten entfernt. Dazu kommen läuferische Defizite. “Local Player” hin, Publikumsliebling her, Schmelzer steht beim BVB sicher für vieles, aber nicht für die geplante Verjüngung und Verbesserung des Kaders.Ömer Toprak (Vertrag bis 2021) hat Borussia Dortmund 2017 insgesamt 12 Mio. € Ablöse gekostet, die an Bayer Leverkusen überwiesen wurden. Mit dem Brasilianer Evanilson war bis dahin nur ein Abwehrspieler der BVB-Geschichte teurer als Toprak. 

Mit seiner Verpflichtung wollte man die Lücke füllen, die der griechische Koloss Sokratis (jetzt FC Arsenal) in der Dortmunder Defensive hinterlassen hatte.

Der ehemalige türkische Nationalspieler hat sich jedoch nicht als Abwehrchef und Stabilitätsfaktor erwiesen. Er leistet sich zu viele Stellungsfehler, ist – enorm wichtig in der Favre-Welt – wirkungslos und unsicher im Spielaufbau und ungefährlich in der Tor-Vorbereitung.

Lucien Favre hat mit den Einsatzzeiten von Toprak in der Spielzeit 2018/19 klargestellt, dass Toprak für ihn nicht erste Wahl ist. Als mögliche Interessenten werden immer wieder die Istanbuler Klubs Galatasaray und Fenerbahce genannt.Oldie but Goldie! Lukasz Pisczek (Vertrag bis 2020) ist das letzte verbliebene Mitglied des polnischen BVB Erfolgstrios mit Robert Lewandowski und Jakub ,,Kuba” Blaszczykowski. 

Der Außenverteidiger ist Publikumsliebling und besticht durch hohe Laufbereitschaft, unbedingten Einsatz und Stärken in der Tor-Vorbereitung.

Mit einer Vielzahl von Assists ist ,,Piszczu” immer noch der effektivste Abwehrspieler im Kader. Das Alter macht jedoch auch vor dem auf allen defensiven Positionen einsetzbaren Polen nicht halt.

Tendenz: Der BVB wird dem verdienten, zweifachen Meisterspieler einen ,,weichen” Abschied in Form von Zurücknahme in die zweite Reihe bereiten.Borussia Dortmund hat den Schweizer Marwin Hitz (Vertrag bis 2021) als Nummer 2 und Back-up für seinen Landsmann Roman Bürki geholt.

Der ablösefrei vom FC Augsburg geholte Keeper hatte in dieser Saison selten Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Als Bürki wie vor dem Pokalspiel gegen Werder Bremen (5:7 n. E.) krankheitsbedingt ausfällt, erwischt es auch Hitz…

Hitz steckt im Dilemma: Unter Favre, der gern mit seinen Schweizer Landsleuten im Team arbeitet, wird er die Nummer 2 bleiben.

Trotz seiner unbestrittenen Loyalität und Integrität: Kein Spieler will auf der Bank sitzen. Will es Hitz noch einmal irgendwo als Stammkeeper wissen, muss er den BVB wohl verlassen.Julian Weigl (Vertrag bis 2021) war im Sommer 2018 eigentlich schon weg. Unmittelbar vor Schließung des Transferfensters ist es nur eine Frage der Ablöse, die Paris St.-Germain für den Mittelfeldspieler abrufen wird. 

Dortmund hält Weigl.  Und das auch beim 2. Versuch. Im Januar 2019 wird wieder nichts aus dem Wechsel in die französische Hauptstadt – trotz lediglich 4 Bundesliga-Einsätzen von Weigl in der Hinrunde. Sein ehemaliger Trainer und Mentor beim BVB, Thomas Tuchel, hat ihn sogar persönlich angerufen, um ihn nach Paris zu locken. Doch Michael Zorc und Lucien Favre bleiben stur. Weigl muss bleiben.

Thomas Tuchel wird spätestens nach dem blamablen Champions-League-Aus für PSG im Achtelfinale gegen Manchester United (2:0 / 1:3) wieder in ein Ferngespräch investieren. Dass Weigl seit Ende Dezember 2018 und auf der ungewohnten Position des Innenverteidigers viele Bundesliga-Spiele über die komplette Distanz gemacht hat, wird im Sommer 2019 kein Argument mehr sein.

Der Nationalspieler ist mehr als nur eine Notlösung und dass Tuchel und PSG auf seiner Position handeln müssen, hat das Rückspiel gegen Manchester gezeigt…
Mo Dahoud (Vertrag bis 2022) hat schon bei Borussia Mönchengladbach mit Lucien Favre gearbeitet. Noch vor seinem Ex-Trainer wechselt der Deutsch-Syrer 2017 zum BVB. 

Wirklich zurückgezahlt hat Dahoud die in seine Fußballkunst investierten 12 Mio. € Ablöse noch nicht. ,,Ich wusste, dass ich Geduld aufbringen muss, ich würde mich aber nicht als Bankdrücker bezeichnen”, sagt Dahoud, der unter Favre alles andere als gesetzt ist.

Geduld ist das eine, Einsatzzeiten und Tor-Beteiligungen sind das andere, die harte Währung für jeden Spieler.

Und hier hat Dahoud zu wenig zu bieten für einen Techniker mit dem hohen Spielverständnis, den die Zeitung Express mal als ,,Mittelfeld-Granate” hochgejubelt hat. Beim BVB ist Mo Dahoud jedenfalls den Ruf des ,,ewigen Talents” noch nicht losgeworden.Marius Wolf (Vertrag bis 2023) ist dank einer Ausstiegsklausel in seinem Kontrakt bei Eintracht Frankfurt mit einer Ablöse von 5 Mio. € zum vermeintlichen Schnapper geworden.

Der Rechtsaußen hatte in Frankfurt mit 14 Tor-Beteiligungen in 28 BL-Spielen nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. In Dortmund ist er von diesen Werten meilenweit entfernt.

Warum? Weil Wolf nach diversen Verletzungen beim BVB nur schwer in Tritt kam und auf seiner Position auf der rechten Außenbahn mit Jadon Sancho einen Konkurrenten hat, an dem er nicht vorbeikommt.

Dass Dortmund eine Nummer zu groß sein könnte für den Ex-Frankfurter, zeigt sich im internationalen Vergleich mit Tottenham Hotspur, als ihn Favre im Rückspiel (0:1) wirkungslos auf die die rechte Außenverteidigerposition beordert.André Schürrle (Vertrag bis 2021) hat bei Borussia Dortmund die hohe Ablöse von 30 Mio. €, die man unter Tuchel 2016 an den VfL Wolfsburg zahlte, nie rechtfertigen können.

Selbst in der Rückrunde der Saison 2017/18, als mit Pierre-Emerick Aubameyang (zum FC Arsenal) und Michy Batshuayi (Verletzung) sämtliche Stürmer weg waren, konnte der Weltmeister nicht glänzen.

Mit der Ankunft von Lucien Favre verleiht ihn der BVB an den Premier-League-Klub FC Fulham. Das Problem: Die bis 2020 vereinbarte Leihe gilt nur für die Premier League, wo Fulham am Saisonende als Absteiger dasteht.

Das dieser Fall nun eingetreten ist, muss Dortmund die Personalie Schürrle neu erörtern, wobei es eigentlich nur eine Lösung geben kann: Mit dem nächsten Angebot ist Schürrle weg. Er hat beim BVB keine Zukunft mehr. Lazio Rom und Everton sind schon im Sommer 2018 als Interessenten genannt worden.Maximilian Philipp (Vertrag bis 2022) kommt im Mannschaftsgefüge von Borussia Dortmund eine komplizierte bzw. unglückliche Rolle zu. Er gehört zu den Spielern, die zwischen Stammelf und Bank pendeln. Als Back-up für Marco Reus ist der 20 Mio. € teure Ex-Freiburger verschenkt!

Ob als hängende Spitze, Mittelstürmer oder Rechtsaußen. Philipp ist ein variabler Offensivspieler, der für diese Positionen zu wenig Torgefahr ausstrahlt.

Dass man nicht auf ihn setzt, hat sich im Januar 2019 angedeutet, als der BVB laut BILD ein Tauschgeschäft – Philipp + Bimbes für Timo Werner – mit RB Leipzig anregte.

Newcastle United, ebenfalls als Interessent genannt, wäre sicher keine schlechte Adresse für den gebürtigen Berliner, um sich anderswo in einer Top-Liga zu präsentieren. Prognose: Philipp spielt nächstes Jahr nicht mehr für den BVB.Mario Götze (Vertrag bis 2020) hat sich unter der Regie von Lucien Favre aus seinem Dauer-Formtief herausgekämpft.

Der Mann, der Deutschland 2014 zum WM-Titel schoss, kommt allmählich an die Spieldaten heran, die ihn 2013 nicht nur auf den Wunschzettel des FC Bayern brachten, sondern den Münchnern auch 37 Mio. Euro Ablöse wert waren.

Seit 2016 ist Götze zurück. Zunächst stagnierend in seiner Form, dann nach Erkrankung fast raus und nun wieder obenauf. Die Frage: Reicht das, um den 2020 endenden Vertrag zu verlängern – oder folgt Götze doch dem Ruf seines ehemaligen Mentors Jürgen Klopp nach Liverpool?

Götze würde bei einem Verkauf im Sommer 2019 nochmals Geld bringen – und die Gelegenheit wäre günstig. Denn noch könnte Dortmund 2019 mit einer Ablöse von mindestens 20 – 30 Mio. € für das einstige Wunderkind des deutschen Fußballs aufrufen.
Lucien Favre vereint in seiner Philosophie, Fußball spielen zu lassen, viele Komponenten. Er kombiniert intelligenten Dominanzfußball mit Powerspiel über die Außenpositionen. Das i-Tüpfelchen ist die Kunst zu kontern.

,,Eine Mannschaft, die nicht kontern kann, ist keine große Mannschaft”, legt der BVB-Coach die eigenen Ansprüche sehr hoch auf, ,,wenn du kontern kannst, haben die anderen Angst.”

Den Willen zu lernen und aus den blutleeren Auftritten der letzten Spielzeit unter Peter Bosz und Peter Stöger die richtigen Lehren zu ziehen, hat Borussia Dortmund unter Favre gezeigt. Die Mannschaft eroberte mit taktischer Reife, variablem Spiel über die außen und blitzsauberen Kontern die Bundesliga-Tabellenspitze und ihre Champions-League-Gruppe gewonnen.

Gegen die ersten 6 Klubs der Tabelle hat die westfälische Borussia bis Mitte März 2019 kein einziges Spiel verloren. RB Leipzig bezwang man sogar 2-mal (4:1 / 1:0). Der Favre-Plan geht gegen die ,,Großen” scheinbar auf, das war auch in der Champions League beim 4:0 gegen Verfolger Atlético Madrid so zu beobachten.

Die hohe Belastung hat aber gezeigt, dass der BVB personell noch nicht in der Lage ist, die Forderung von Favre, alle Positionen doppelt besetzen zu können, zu erfüllen.Die Saison 2018/19 hat gezeigt, dass Borussia Dortmund mit dem aktuellen Kader wieder zur Bundesliga-Spitze gehört. Andererseits: Internationalen Ansprüchen – und das wird vor allem in den Spielen gegen Tottenham Hotspur im Achtelfinale der Champions League (0:4 in der Addition) deutlich – genügt die bei ihrem Finaleinzug 2013 selbst von ausländischen Medien wie dem englischen Fußballmagazin 4-4-2 wie Popstars gefeierte Borussen-Elf nicht.

Dortmunds Kader ist gut, aber in der Breite nicht gut genug aufgestellt. Verletzungsengpässe aufgrund der Mehrfachbelastung in 3 Wettbewerben haben die Hochbegabtentruppe schon Ende 2018 ins Schleudern gebracht. Komplett aus der Kurve zu fliegen droht Dortmund immer dann, wenn Führungsspieler wie Kapitän Marco Reus oder Axel Witsel fehlen. Die Schwachstelle der letzten Jahre, die Abwehr, bleibt unabhängig vom Saison-Ausgang erhalten.

Das größte Manko gegenüber früheren Stationen bei Favre zeigt sich vor allem in den Spielen gegen Klubs aus dem unteren Tabellendrittel. Hatte der Taktikfuchs in Berlin zwischen 4-4-2 oder 4-2-3-1 variiert, so hat er sich in Dortmund beinahe stur auf das in der Hinrunde erfolgreiche 4-2-3-1 festgelegt. Diesen Code scheinen vor allem die ,,kleinen” Mannschaften entschlüsselt zu haben, indem sie durch knallharte Defensivtaktik mit bis zu 10 Spielern in der eigenen Hälfte Dortmund die nötigen Freiräume nehmen und die bei Standards anfällige Borussia immer wieder übertölpeln.

Favre ist es noch nicht gelungen, einen veritablen ,,Plan B” zu präsentieren und spielerisch schwache, aber in der Defensive zähe Gegner durch einen Systemwechsel doch noch zu schultern. Eine Hauptaufgabe des Schweizers, dem Sky-Chefkommentator Wolff-Christoph Fuss ,,eine Aura von Miraculix” bescheinigt, wird für die Saison 2019/20 vor allem das Einstudieren verschiedener Systeme sein. Das lässt sich mit dem vorhandenen Spielermaterial jedoch nicht gewährleisten. Der zeitintensive Prozess, der laut Favre ,,nicht in einer Woche oder in einem Monat” umgesetzt werden kann, muss und wird die Einkaufspolitik der Dortmunder im Sommer 2019 bestimmen. Die BVB-Verantwortlichen haben bereits 2 Tage nach der verlorenen Meisterschaft Fakten geschaffen.Um taktisch besser aufgestellt zu sein und besser reagieren zu können – im engen Spiel gegen den VfB Stuttgart (3:1) streifte der BVB sämtliche Favre-Vorgaben ab und packte erfolgreich die Brechstange aus – muss der Verein investieren. 5-6 neue Spieler müssen her. Mindestens.

Neben der Ablöse auf einem sich stetig verändernden Transfermarkt, auf dem für teilweise mittelmäßige Spieler Unsummen aufgerufen werden, ist vor allem der Konkurrenzkampf mit den Bayern ein wesentlicher Faktor beim Versuch, den Kader weiter aufzurüsten.

Die volle Kriegskasse zu plündern, um auf einen Schlag mit den Bayern auf Augenhöhe zu sein – das ist riskant. Den bisher eingeschlagenen Weg fortzusetzen und junge und talentierte Spielern, die sich in Dortmund entwickeln für teures Geld an die Großkopferten zu verkaufen, würde den Klub – wie nach der erfolgreichen Klopp-Ära – wieder in die sportliche Sackgasse führen.

Das im Januar 2019 intern ausgegebene ,,Wechselverbot” zu Bayern München ist ein erster Schritt, um das Image des ,,Feeder Club”, des Ausbildungsvereins für die Großen, loszuwerden. International erfahrene Spieler wie in diesem Jahr Axel Witsel oder Paco Alcácer zu holen, das ist Komponente 1 der zweiten Umbruchsphase. Junge, gerade auch deutsche Spieler, die beim BVB den nächsten Karriereschritt machen können, bilden Komponente 2. Im Fokus stehen Namen wie Timo Werner, Maximilian Eggestein oder Philipp Max, die rund um den Borsigplatz genauso gehandelt werden wie der Deutsch-Niederländer Robin Gosens (Atalanta Bergamo).

Eine gesunde Mischung zwischen international namhaften Spielern und deutschen bzw. deutschsprachigen Young Guns zu finden, ist das Ziel von Borussia Dortmund. Und das gingen Favre, Zorc und Co. direkt offensiv an. In der ersten Woche nach Bundesliga-Saisonende hat der BVB eine intensive Shopping-Tour hingelegt. An 3 aufeinanderfolgenden Tagen verpflichtete man die beiden deutschen Nationalspieler Nico Schulz von 1899 Hoffenheim und Julian Brandt von Bayer Leverkusen – für 25 Mio. bzw. 25,5 Mio. Euro. Beide wechseln dank einer Ausstiegsklausel deutlich unter Marktwert zur Borussia. Das gilt auch für Thorgan Hazard von Borussia Mönchengladbach. Der Belgier gilt als Wunschbesetzung für die nach dem Pulisic-Abgang zu Chelsea verwaiste Linksaußenposition und zieht als Rekord-Transfer des BVB mit André Schürrle (VfL Wolfsburg, 2016) gleich. Hazards Dienste lassen sich die Dortmunder inkl. Bonuszahlungen 30 Mio. Euro kosten. Inklusive des zur neuen Saison fest für 21 Mio. Euro vom FC Barcelona verpflichteten Angreifers Paco Alcacer nähern sich die Ausgaben für ,,Borussia Dortmund reloaded 2.0″ der 100-Millionen-Euro-Grenze. Zu Saisonbeginn 2018 hat man bereits 90,5 Mio. Euro in neue Stars investiert.
Timo Werner zum BVB? Ein Transfer, der angesichts der sich seit den Meldungen über einen angeblich fixen Wechsel des Nationalspielers zum FC Bayern München unwahrscheinlich ist, der aber für den BVB eine Menge Charme hätte!

Gerade die Auftritte des BVB im Jahr 2019 zeigen: Ein Paco Alcácer ist nicht genug, um in der Offensive dauerhaft Dampf zu machen. Der in der Spitze variabel einsetzbare, spielende Mittelstürmer Timo Werner würde ideal in das System des Favre-Fußballs ohne klassischen Brecher passen.

Bei Gladbachs Thorgan Hazard hat Borussia Dortmund wohl konkretere Pläne. Wie BILD schon im Februar 2019 berichtete, sollen die 64 Mio. €, die für den Pulisic-Deal mit dem FC Chelsea auf die BVB-Konten fließen, für die Verpflichtung des Außenstürmers von Borussia Mönchengladbach eingesetzt werden. Das hat man nun durchgezogen. Hazard kommt!

Hazards Marktwert liegt bei 45 Mio. €. Eist man ihn für diese Summe vom Niederrhein los, wäre das ein neuer, vereinsinterner Transfer-Rekord für einen Zugang. Hazard ist ein typischer Favre-Spieler: Offensiv fast auf jeder Position einsetzbar, technisch hoch versiert. In seinem letzten Jahr in Gladbach hat der Schweizer den belgischen WM-Dritten von 2018 in die Bundesliga geholt. Ein absoluter Wunschkandidat und ebenso sinnvoll!


Timo Werner

Zu zahlende Ablösesumme: Mehr als 65 Mio. €

Wahrscheinlichkeit: Der Transfer ist Wunschdenken! Wenn Bayern Werner will, ist Dortmund außen vor.   

Thorgan Hazard

Zu zahlende Ablösesumme: Mehr als 45 Mio. €

Wahrscheinlichkeit: Hoch! Hazard ist ein Spieler, der als Pulisic-Ersatz Kandidat Nr. 1 ist.  


Ilkay Gündogan würde bei einer Dortmund-Rückkehr in die Rubrik der Nostalgie-Transfers fallen.

Den Weg zurück zum BVB gingen auch die verdienten Spieler Nuri Sahin (jetzt Werder Bremen), Shinji Kagawa (jetzt Besiktas Istanbul) und Mario Götze. Nur Götze ist auf dem Weg zur alten Form. Inwieweit ein Comeback im Dress des 8-fachen deutschen Meisters positiv für Gündogan wäre, müsste man abwarten. Fakt ist: Manchester City will Gündogan unbedingt halten.

Der Vertrag des Mittelfeldspielers läuft noch bis 2020. Gündogan zögert noch. ,,Diese Entscheidung will genau überlegt sein, zumal es mein letzter großer Vertrag als Fußballprofi sein könnte”, sagt er im März 2019 der SPORT BILD. Ungeachtet der vertraglichen Situation kann Gündogan mit seinem starken Passspiel auf allen Mittelfeldspositionen eine Bereicherung für das Favre-Spiel sein. Er kennt den Verein, er kennt die offensiven Schlüsselspieler Reus und Götze und offenbarte in der erfolgreichen Saison 2012/2013 mit beiden ein überragendes Spielverständnis. Gewagt, aber: Warum nicht? Und vor allem: Warum nicht 2020, wenn Gündogan nicht verlängert und dann ablösefrei ist?

Konkreter wird es bei Werder Bremens Maximilian Eggestein. Er ist ein ähnlich laufstarker Allrounder wie Gündogan, Stichwort ,,Polyvalenz”, und sicherlich leichter zu verpflichten als der Guardiola-Schützling. Die Zeitung Ruhr Nachrichten berichtete, dass es schon Kontakte und Gespräche zwischen Dortmund und dem Bremer gibt. BILD spricht Mitte März 2019 von einem ersten Angebot. Bei einer entsprechenden Ablöse könnte Werder weich werden.


Ilkay Gündogan:

Zu zahlende Ablösesumme: Mehr als 45 Mio. €

Wahrscheinlichkeit: Sportlich sinnvoll, aber kaum realistisch!  Man City. wird Gündogan nicht ohne Mega-Ablöse ziehen lässt. 

Maximilian Eggestein: 

Zu zahlende Ablösesumme: Mehr als 25 Millionen Euro.

Wahrscheinlichkeit: Gering. Ligalive-Prognose: Eggestein hat bei Werder verlängert und spielt in der nächsten Saison sicher nicht für den BVB.


Dodi Lukebakio – Der Belgier wäre ein echtes Schnäppchen.

Er spielt in dieser Saison auf Leihbasis bei Fortuna Düsseldorf, die Vereinbarung endet am 30. Juni 2019. Die Transfer-Rechte liegen bei Lukebakios Klub FC Watford. Mit einem Verbleib des Torjägers, der vorzugsweise auf der Rechtsaußenposition spielt und in Dortmund den abwandernden Pulisic ersetzen könnte, rechnet man am Rhein kaum.

„Wir müssen Watford verschiedene Modelle und Lösungen vorschlagen, Es wäre wirklich großartig, wenn wir das schaffen würden. Aber die Chancen sind minimal“, glaubt Fortuna-Sportdirektor Lutz Pfannenstiel. Passen würde der Bayern-Schreck auf jeden Fall. Lukebakio kann im offensiven Mittelfeld auf beiden Seiten oder in der Spitze agieren, erfüllt das Kriterium des schnell nach vorn rauschenden Außenspielers auf jeden Fall.

Allan Saint-Maxim ist ein variabler Offensivspieler, der sich bei Favres Ex-Klub OGC Nizza auf der Rechtsaußenposition am wohlsten fühlt. Trotz Vertrag an der Cote d' Azur bis 2020 könnte der französische U21-Nationalspieler dank einer Ausstiegsklausel sofort gehen. Favre kennt ihn aus seiner Zeit in Südfrankreich. Da klingelt es schon fast…


Dodo Lukebakio:

Zu zahlende Ablösesumme: Etwa 15 Mio. €

Wahrscheinlichkeit: Ein Transfer ist möglich und finanzierbar. 

Allan Saint-Maxim:

Forget it, bei einer Ausstiegklausel mit 60 Mio. € Ablöse werden die BVB-Bosse abwinken!  


Bei Achraf Hakimi muss der BVB trotz Leihfrist bis zum 30. Juni 2020 im Sommer 2019 klar Schiff machen.

Obwohl die Leistungen des Marokkaners zuletzt stagnierten, hat Hakimi dem altgedienten Marcel Schmelzer auf der Linksverteidigerposition längst den Rang abgelaufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er nach 2020 noch in Dortmund spielt, ist allerdings gering.

Denn: Real Madrid muss nach einer miserablen Saison ohne Titel im Sommer 2019 komplett neu aufbauen und in den Personalplanungen der ,,Königlichen” wird der Name Hakimi in jedem Fall gehandelt werden. ,,Stand jetzt – denn so wurde es ursprünglich vereinbart – müssen wir davon ausgehen, dass Achraf nach Beendigung des Leihgeschäfts zu Real Madrid zurück muss“, sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Damit wäre Hakimi wieder einer aus der Rubrik ,,für die großen Klubs ausgebildet”…

Ebenfalls für die Schwachstelle linke Verteidigung im Kandidatenkreis: Philipp Max vom Liga-Konkurrenten FC Augsburg. Max' Stärken in der Tor-Vorbereitung machen ihn auch – insbesondere vor dem Hintergrund, dass man wahrscheinlich ohne Hakimi planen muss – für den BVB interessant. Von der Spielanlage her würde Max, geboren in Nordrhein-Westfalen, gut ins BVB-Favre-System passen. Der Haken: Max hat in Augsburg noch einen Vertrag bis 2022 – und Dortmund müsste für ihn richtig tief in die Tasche greifen.


Hakimi:

Zu zahlende Ablösesumme: Mehr als 30 Mio. €

Wahrscheinlichkeit: Der Transfer ist schwierig und würde den BVB an die finanzielle Schmerzgrenze führen.

Max:

Zu zahlende Ablösesumme: Mindestens 20 Mio. €

Wahrscheinlichkeit: Niedrig, weil bei langer Vertragsbindung eine hohe Ablöse fällig ist, die dieser Spieler nicht rechtfertigt.  


Bei dem Ivorer verhält es sich ähnlich wie bei Dodi Lukebakio.

Offensiv ist Zaha eine Wundertüte. Er kann im rechten wie im linken Mittelfeld agieren und in der vordersten Reihe alle Positionen spielen.

Mehr ,,Favre-like” kann ein Offensivmann kaum sein. Einzig der Blick auf Zahas Vertragslaufzeit in London (bis 30. Juni 2023) drückt aufs Gemüt.

Als Nachfolger für Pulisic wäre er geeignet, aber sicher auch nicht für ein Handgeld zu haben. Laut SPORT BILD will ,,Palace” eine Ablöse von 50 Mio. € aufrufen.


Zu zahlende Ablösesumme: 50 Mio €

Wahrscheinlichkeit: Sportlich notwendig, falls man Hazard nicht kriegt, aber von der Ablöse her ein zu großes Risiko! 


 

Deutschsprachig bzw. mit deutschem Pass, auf allen Positionen der linken Seite einsetzbar, das klingt irgendwie nach … Favre-Profi.

Gosens ist torgefährlich und stark in der Vorbereitung, hat im 2. Jahr in der italienischen Serie A gezeigt, dass er sich in einer internationalen Top-Liga behaupten kann.

Gefährlich bei Kopfbällen stark im Tackling und in der defensiven Ausrichtung wäre der Deutsch-Niederländer genau der richtige Mann, um die linke Seite ,,dicht” zu machen.

Gosens ist bei der Scoutingabteilung des BVB kein Unbekannter. In seiner Zeit als Jugendlicher beim VfL Rhede absolvierte er ein Probetraining in Dortmund, das er selbst als ,,Fiasko” bezeichnet. Der Defensivspieler wechselte dann zu Vitesse Arnheim in die niederländische Eredivisie. Und aktuell? Nach Informationen der Online-Seite fussballtransfers.com beschäftigen sich die Schwarz-Gelben mit der Personalie Gosens. Da geht was.


Zu zahlende Ablösesumme: Nördlich von 10 Mio. €

Wahrscheinlichkeit: Ein Wechsel könnte durchaus zustande kommen, sonst sagt Gosen 2020 ablösefrei ,,Ciao Italia”…. 


 

Wenn wir über Wesley sprechen, reden wir über einen Spieler, der mit seiner Türsteher-Statur von 1,91 m und einer klassischen Rolle als Mittelstürmer nicht in die wunderbare Favre-Welt passen will…

Oder doch? Was ist, wenn Monsieur einen ,,Plan B” entwickelt, mit hohen Bällen bzw. über Standards operieren will, um den gegnerischen Beton zu knacken und dafür eine echte Sturm-Kante braucht?

Ein Paco Alcácer ist ein Knipser, aber keine Kante und kein ausgemachter Kopfballspezialist. Außerdem fühlt sich der Spanier dann am wohlsten, wenn er von der Bank kommt.

Somit wäre der Brasilianer, der anders als sein berühmter Landsmann Adriano seinen Körper viel eleganter einsetzen kann, sicher ein Top-Kandidat für den Angriff.


Zu zahlende Ablösesumme: ca. 20 Mio. €

Wahrscheinlichkeit: Gering! Favre lehnt einen klassischen Mittelstürmer konsequent ab. 


 

Der in den Niederlanden im Talentschuppen von Heerenveen ausgebildet und nun bei Ajax Amsterdam im Fokus, könnte beim BVB den nächsten Karriereschritt machen.

Ein Spielertyp, wie ihn Favre mag und wie er ihn nach Pulisics Abgang auch braucht! Der Linksfuß gilt als moderner Angriffsspieler, kommt bevorzugt über Rechtsaußen und wäre ein ganz heißer Kandidat auf die Nachfolge des US-Amerikaners.

Ziyechs Gala-Auftritte in der Champions League lassen allerdings das Preisschild an seinem Trikot immer größer erscheinen…

35 Mio. € soll Ziyech wert sein, Ajax-Sportchef Marc Overmars soll einen Winter-Wechsel energisch abgeblockt haben. Dortmund bereitet Medienberichten zufolge ein Angebot vor.


Zu zahlende Ablösesumme: Mehr als 35 Mio €

Wahrscheinlichkeit: Hoch! Von der spielerischen Qualität kann er Dortmund auf das nächste Level heben. 


Von der Ausbildung her – der Rechtsverteidiger ist beidfüßig – eigentlich ein Spieler nach Maß für die großen Favre-Pläne.

Bei einem Marktwert von 10 Mio. € könnte Dortmund diesen Perspektivspieler ähnlich günstig bekommen wie zuvor Jadon Sancho.

Stark in der Tor-Vorbereitung, im Dribbling und in der Balleroberung sowie bei langen Bällen, könnte Porro auf der verwaisten rechten Seite praktisch jede Position spielen.

Laut der Zeitung El Mundo Deportivo gehört Borussia Dortmund zu den Vereinen, die den Außenverteidiger in seiner ersten Profi-Saison in Girona beobachten.


Zu zahlende Ablösesumme: Mehr als 20 Mio €

Wahrscheinlichkeit: Möglich. Für die rechte Seite könnte Porro mehr als nur ein Geheimtipp sein. 


 

Der Brasilianer ist vom Noch-Boateng-Klub US Sassuolo bis Juni 2019 von Juventus Turin ausgeliehen.

Sein schwaches Kopfballspiel und sein mitunter zu leichtfüßiges Spiel machen ihn nicht zum dringend benötigten Stabilisator der linken Seite beim BVB.

Aber: Bei Juventus Turin wird er nach Rückkehr im Sommer Medienberichten zufolge keine Chance auf regelmäßige und hohe Einsatzzeiten haben.

Somit wäre er zumindest auf Leihbasis eine Option.


Zu zahlende Ablösesumme: Leihgeschäft mit Juventus denkbar.

Wahrscheinlichkeit: Hoch! Rogerio ist einer der Top-Kandidaten für die linke Abwehrseite. 


 

Es ist ganz einfach: Variabel einsetzbare – im Favre-Jargon: polyvalente – Spieler können Dortmund in der Saison 2019/20 unberechenbarer und flexibler machen.

Die Saison 2018/2019 hat gezeigt: Favre hat den BVB wieder zurück an die Spitze geführt und gegen die Top 5 der Tabelle hat der BVB (fast) immer gut ausgesehen. Komplizierter wird es gegen die ,,vermeintlich” kleinen Teams. Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel wie FC Augsburg, Fortuna Düsseldorf und der 1. FC Nürnberg haben den Dortmundern viele Punkte geklaut. ,,Das darf uns eigentlich gegen solche Gegner nicht passieren”, wiederholten Götze, Zorc und Co in dieser schwierigen Phase immer wieder. Passierte aber! Weil Dortmund auf Favres Plan A, dem 4-2-3-1-System festgenagelt ist. Parkt der Gegner den Mannschaftsbus mit bis zu 9 defensiv ausgerichteten Spielern vor dem eigenen Tor und macht der Kontrahent die Räume eng, fällt der Hochbegabten-Truppe nur noch wenig ein. Spieler wie Ziyech und Werner könnten dank ihrer taktischen Flexibilität mehr Überraschungspotenzial bringen. Es sind Spieler, die auch aus einer halben Chance ein Tor machen und sich weit ins Mittelfeld zurückfallen lassen können.

Zudem muss die anfällige Abwehr vor allem auf den Außenbahnen – Dortmund schläft bei Standards – stabilisiert und die vakante Rechtsaußenposition neu und besser besetzt werden. Die Wunschliste des BVB mit Namen wie Gosens, Rogerio oder Zaha orientiert sich an diesen Vorgaben und Schwachpunkten.

Eine Grundausrichtung mit einem klassischen Stoßstürmer, den man auch mit Flanken und Freistößen aus dem Halbfeld in Szene setzen kann und mit defensiver agierenden Außenverteidigern, wäre ein möglicher ,,Plan B”.  Wenn der Monsieur aus der Ergebniskrise im Frühjahr 2019 gelernt hat, als in 4 Wochen 7 Punkte Vorsprung auf die Bayern flöten gingen – würde er  in der Saison 2019/20 eventuell mehr als nur eine marginale Änderung seines traditionellen Systems vornehmen. Doch dem scheint nicht so zu sein. Favre gilt bei aller Genialität auch als stur und lehnt die Verpflichtung eines klassischen Mittelstürmers wie Wesley, wie der Kicker Mitte März berichtete, mit der ihm eigenen Vehemenz ab. ,,Offenbar vom Tisch ist die Verpflichtung eines klassischen Mittelstürmers, der Dortmund je nach Spielstand und Gegner zusätzliche Optionen verschaffen würde. Doch auf diesem Ohr ist Lucien Favre taub: Er verweist auf die zweitmeisten Tore in der Liga und will partout keinen Angreifer, der sich vor allem über Wucht und Robustheit definiert”, so das Magazin. Das spricht klar gegen den ,,Plan B”. Typisch Favre.Damit ist die Nummer allerdings noch nicht gelaufen. Das Champions-League-Achtelfinale hat gezeigt, dass Borussia Dortmund selbst gegen international mittelmäßige Gegner wie Tottenham Hotspur nicht bzw. seit dem Klopp-Abschied nicht mehr konkurrenzfähig ist.

In Dortmund hat man den Champions-League-Erfolg 1997 und 2002 das Beinahe-Double mit Deutscher Meisterschaft und UEFA-Cup-Finale teuer bezahlt. Damals überschwemmte ,,Dr. Gott” Niebaum mit den Börsen-Milliönchen des BVB den Transfermarkt. Sündhaft teure Spieler wie der Brasilianer Marcio Amoroso wurden geholt. Sie brachten aber nur kurzfristigen Erfolg und vor allem keinerlei Rendite! Die hohen Gehaltskosten und die schon ab 2003 fehlenden Einnahmen aus der Champions League und den TV-Geldern führten den Verein 2004/2005 dicht vor den Finanz-Crash. Spar-Kommissaren wie Hans-Joachim Watzke war es zu verdanken, dass der BVB nur 6 Jahre nach der Fast-Insolvenz 2011 wieder Deutscher Meister wurde.

Der Transfermarkt hat sich seit 2011 radikal verändert, seit Paris St.-Germain oder Manchester City mitmischen und Unsummen investieren. Wenn es um Spieler der Güteklasse geht, die Borussia Dortmund in der Bundesliga zur Nummer 1 und international wieder fit machen sollen, hat man in Europa PSG, Barcelona und die mit Geld nur so um sich werfenden Premier-League-Klubs als Konkurrenten – und national den FC Bayern gegen sich. Andere Geldquellen als die Transfer-Einnahmen für Pulisic oder im letzten Jahr Aubameyang und Dembélé wird man kurzfristig nicht auftun können. Die Verteilung der TV-Gelder verhindert, dass die Spitzenvereine deutlich mehr Kapital erhalten als die so genannten ,,Kleinen”, Stichwort ,,Solidaritätsprinzip”. In Sachen Fernsehgelder scheint die Bundesliga ohnehin mit 1,16 Milliarde € am Limit angelangt zu sein. Mit diesem Betrag liegt man knapp vor La Liga (1,14 Milliarden €). Von den Dukaten, die über die Premier League ausgeschüttet werden – 2,3 Milliarden sind es pro Saison – kann man hierzulande allerdings nur träumen. Nicht nur das. Die Märkte in Asien und Südamerika sind durch die englischen bzw. spanischen Spitzenteams längst besetzt. Auch in Sachen Merchandising ist das Ding ausgereizt. Der FC Barcelona (Quelle: Manager-Magazin) verkaufte 2017 rund 2 Mio. € Trikots weltweit und nahm dabei 150 Mio. € ein. Damit könnte Dortmund den Umbau des Kaders fast eigenständig finanzieren! Die Bayern kommen in diesem Ranking immerhin auf 1,5 Mio. verkaufte Jerseys (70 Mio. € Umsatz). Der BVB steht hier nicht in den Top 10.

Schließen die Münchner nach ihrem CL-Aus gegen Liverpool die Saison mit nur einem Titel oder auch mit dem Double ab, wird man im bayerischen Festgeld-Land 250 Mio. € plus X in die Hand nehmen, um den Kader neu auszurichten – und die Bundesliga spannungstechnisch wieder betonieren. Egal, was die Bosse öffentlich bekunden. Für Borussia Dortmund heißt das, dass man über seinen Schatten springen und zwischen 170 und 200 Mio. € investieren. Dass BVB-Boss Hans-Joachim Watzke und Co. das verstanden haben, signalisierten sie bereits nach dem bitteren 2:0-Erfolg am 34. Spieltag in Gladbach, als man aus der Ferne zuschauen musste, wie Bayern München nach 5:1 gegen Eintracht Frankfurt zum 7. Mal in Folge doch noch mit der Meisterschale grüßt. Nur ein Rechenbeispiel: Allein für Thorgan Hazard auf der vakanten Linksaußenposition, die geplante Fest-Verpflichtung von Achraf Hakimi als Linksverteidiger und für einen international erfahrenen Mann wie Ilkay Gündogan fürs zentrale Mittelfeld würden etwa 120 – 140 Mio. € für 3 Spieler fällig werden. Legt man die Entscheidung über den Hakimi-Transfer in den Sommer 2020 und buhlt stattdessen um Timo Werner, sind wir bereits bei 160 Mio. € für 3 Neue. Hier bewegt sich der Verein auf einem schmalen Grat – und dennoch ist es realistisch, dass neben Thorgan Hazard noch andere, viel versprechende und das Team besser machende Spieler wie Rogério, Robin Gosens oder Hakan Ziyech nächstes Jahr in Schwarz-Gelb auflaufen.

Das geht! Die ,,Nummer 1 im Pott” sind sie – aber das ist regionale Folklore. Dortmund ist der einzige deutsche Top-Player auf internationalem Parkett neben den Bayern. Unter diesen Gesichtspunkten muss man den Kader weiter umbauen. Das geht sicher nicht mit dem Aktionismus des ,,Dr. Gott” Niebaum Anfang der 2000er-Jahre, als man den Klub kaum wiedererkannte. ,,Motivation und Verpflichtung zugleich”, sagt Zorc – aber alles mit westfälischem Realismus.

Die letzte Entscheidung, wer den BVB verlässt und wer kommt, liegt bei Lucien Favre. Um wie der es formuliert ,,die Balance zu halten”, muss man Mut zum Risiko haben – und ein bisschen tricksen. Wie ,,Miraculix”.



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