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Borussia Dortmund: Lucien Favre will ein besseres Team

Diese 10 Spier können gehen, diese 10 Spieler können kommen

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DIE STORY IN KURZEN TEXTEN

So will der BVB den FC Bayern vom Thron stoßen

Axel Witsel (l.) und Marco Reus bejubeln das richtungweisende 3:2 gegen den FC Bayern München. Beide BVB-Spieler wurden jetzt ,,internationale Klasse" bescheinigt. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Borussia Dortmund hat sich 2018/2019 nach einer längeren Auszeit wieder zum Bayern-Jäger Nummer 1 aufgeschwungen. Kein anderes Team hat dem Branchenriesen aus München seit 2012 in der Bundesliga länger die Stirn geboten als die seit Sommer vom Schweizer Lucien Favre trainierte Borussia.

Das ging nur dank der nach der enttäuschenden Saison 2017/2018 getätigten Investitionen. Für 90 Mio. € hat Borussia Dortmund den Kader rundum erneuert – und dank des seit Januar 2019 feststehenden Transfers von Außenstürmer Christian Pulisic zum FC Chelsea für 64 Mio. € sogar noch ein Plus von 23 Mio. € erwirtschaftet.

Die fehlende Balance zwischen Offensiv- und Defensivspiel – augenfällig bei 40 Liga-Gegentoren 2016/2017 in der letzten Saison unter Thomas Tuchel und 47 Gegentreffern in der Spielzeit 2017/18 – hat man durch die Verpflichtungen von Abwehrspieler Abdou Diallo (28 Mio. €, Mainz 05) und die je 20 Mio. € teuren Mittelfeld-Abräumer Thomas Delaney (Werder Bremen) und Axel Witsel (Tianhai / China) versucht auszugleichen. Die Transfers von Delaney, Witsel und Stoßstürmer Paco Alcácer (FC Barcelona) sind, so sieht es auch der Kicker, ,,noch fehlende Puzzleteile der ersten Phase der auf zwei Sommer ausgelegten Umbruchpläne“ beim BVB.

Müssen sie auch sein! Denn das Gesamtkunstwerk Borussia Dortmund mit seiner dynamisch-offensiven Spielweise ist so, wie sich das der Schweizer „Miraculix“ Lucien Favre vorstellt, noch längst nicht vollendet. Das gegenwärtige Team entspricht nur in Ansätzen dem, was sich Favre unter einem optimalen Team mit optimalen Fähigkeiten vorstellt. Die 0:5 Niederlage in München zeigte die Defizite des gegenwärtigen Kaders auf. Für die Saison 2019/20 will der Schweizer ein besseres Team. Borussia Reloaded 2.0. Damit die Meisterschaft im Jahr 2012 nicht die vorerst letzte in der Vereinshistorie bleibt.

Ligalive-Infografik: Action Zones bei Favres taktischem Desaster, Bayern München (5:0) Borussia Dortmund, Bundesliga-Saison 2018/2019

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

So funktioniert das System Favre: Die 6 Spielregeln des Schweizer Hirnlis

Was nun, Monsieur? Lucien Favre in seiner letzten Spieltags-Pressekonferenz bei Hertha BSC am 27. September 2009 bei 1899 Hoffenheim (1:5) in der Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Die Zwischenbilanz des BVB-Umbaus ist positiv! Lucien Favre hat seine Spielidee umsetzen können und die Schwarzgelben mit viel Akribie zu einem ernsthaften Bayern-Herausforderer gemacht. Wer den „neuen“ BVB verstehen will, der muss wissen, wer Lucien Favre ist – und wie er Fußball lebt und lehrt!  Wir gehen deshalb ,,inside the mind of Lucien Favre“ und versetzen uns in die taktischen Planspiele des Schweizer Taktik-Maestro!

Favre wechselt auf seinen bisherigen Trainerstationen in der Bundesliga und der Ligue 1 bei Hertha BSC, Gladbach und OGC Nizza zwischen einem 4-4-2-System mit Doppel-Sechs und einem 4-2-3-1 mit drei offensiven Mittelfeldspielern bzw. Halbstürmern und 2 Sechsern. Die Haupt-Charakterzüge seines Spiels sind speziell. Es gibt 6 goldene ,,Favre-Regeln“ – da bleibt der Schweizer stur.

Regel 1: ,,Dominanz beginnt beim Torhüter“, so lautet ein Mantra des Schweizers. In Mönchengladbach setzt er mit dem deutschen Nationalkeeper Marc-André ter Stegen und später mit seinem Landsmann Yann Sommer auf Keeper, die fußballerisch gut ausgebildet sind und die in der Lage sind, das Spiel schnell zu machen und es intelligent zu eröffnen. Favre bevorzugt den Typus des „Playmaker Goalie“. Diesen Typus Torhüter hatte er in Berlin in der erfolgreichen Saison 2008/2009, als Hertha lange von der ersten Meisterschaft in der Bundesliga-Ära träumen darf, mit dem Hünen Jaroslav Drobny und in Nizza mit dem Argentinier Walter Benitez ebenso wenig wie jetzt in Dortmund. Roman Bürki ist ein Keeper, der dem BVB mit seinen Paraden viele Punkte rettet, der aber im Spielaufbau eher schwach ist und bei hochstehender eigener Formation nicht viel für den Spielaufbau tut. Bürki ist weder ein „Sweeper Keeper“ wie Manuel Neuer, der als eine Art Ersatzlibero spielen kann, noch und schon gar nicht ein Playmaker Goalie wie Marc-Andre ter Stegen, der mit genauen Pässen ins Mittelfeld das eigene Spiel von hinten heraus eröffnet.

Regel 2: Bitte mit Vierer-Kette!  Die Formation mit 4 Abwehrspielern und 2 gelernten, groß gewachsenen Innenverteidigern findet sich auf allen Favre-Stationen. Mit dem Brasilianer Dante finden wir bei Borussia Mönchengladbach und in Nizza vielleicht den Defensivspieler, der die Favre’schen Vorstellungen in der Abwehr am besten umsetzt. Der Linksfuß ist kopfballstark und gefällig in der Spieleröffnung, allerdings in diesem Punkt nicht gut genug für Pep Guardiola. Die beiden BVB-Bullen Manuel Akanji und Abdou Diallo werden diesen Anforderungen gerecht – wenn auch mit Abstrichen. Sie stehen aber noch für ein anderes, typisches Favre-Detail. Der linke Innenverteidiger ist – wie in Gladbach mit Dante und in Dortmund mit Diallo – ein Linksfuß, der rechte in der Viererkette hat auch einen starken rechten Fuß. Gesehen bei Martin Stranzl in Gladbach und bei Akanji beim BVB. Dazu kommen offensive Außenverteidiger, die das Spiel schnell nach vorne tragen.

Regel 3: Unverzichtbare Doppel 6 – Die beiden zentralen Mittelfeldspieler – im Fußball-Neudeutsch ,,Doppel-Sechs“ –  gehören zu den Essentials des Monsieur Favre. Exakt diese zentrale Stelle im taktischen Gefüge hat beim BVB seit dem Abgang von Ilkay Gündogan (Manchester City) brach gelegen oder sie wurde im Hurra-Stil des Peter Bosz vernachlässigt.

Regel 4: Ballbesitz ist nicht alles aber viel – Hatte Lucien Favre in Mönchengladbach aufgrund der hohen Ballbesitzquoten noch den Ruf, eine ,,Borussia Barcelona als Mini Tiki-Taka“ geschaffen zu haben, die mit viel Ballbesitz den Gegner mürbe spielt, so hat er sich von diesem Trend partiell verabschiedet. ,,Ballbesitz nur um des Ballbesitzes wegen interessiert mich nicht“, sagt er. Viel wichtiger für ihn: Intelligent die Lücke finden. Mit wuchtigem Spiel über die Außenpositionen hinter die gegnerischen Ketten kommen oder mit Doppelpässen in der Spitze den Gegner am Strafraum aushebeln – ein Spielsystem wie gemalt für die Kumpelfraktion um Mario Götze und Marco Reus.

Regel 5: Die Polyvalenz der Spieler – Es gibt böse Zungen, die behaupten, vor Lucien Favre hätte es das Wort Polyvalenz in Berlin gar nicht gegeben. Andere sagen, seit Favres Aus in der Hauptstadt sei es als Unwort aus dem Klub-Vokabular der Hertha gestrichen worden… wie auch immer. Polyvalenz heißt nicht: ,,Alle machen alles“ oder, wie man in Berlin nach dem Absturz ans Tabellenende vermuten musste, ,,Die Spieler können vieles, aber nichts richtig.“ Das ist Quatsch. Bei Polyvalenz nach Favre’scher Art geht es nicht darum, dass ein Spieler alles kann. ,,Er muss nur in der Lage sein, seine Position in unterschiedlichen Systemen unterschiedlich zu interpretieren“, so der Schweizer über seinen Lieblingsbegriff und das Kernstück seines Systems. Bei Borussia Dortmund verfügt Favre schon mit Manuel Akanji und Dan-Axel Zagadou über polyvalente Spieler. Der französische U21-Nationalspieler Diallo gilt als Musterbeispiel für die Favre’schen Anforderungen. ,,Abdou hat schon mehrere Positionen gespielt. Mal als linker Verteidiger, mal als rechter Innenverteidiger oder auch als linker Verteidiger, das ist ein Vorteil“, sagt der Borussen-Coach, ,,und weil sie noch sehr, sehr jung sind, lernen die Spieler dadurch viel, durch diese Positionswechsel.“

Regel 6: Halbe Neun (9 1/2) statt Kante im Sturmzentrum – Die ,,falsche Neun“, ein technisch starker, mitspielender Halbstürmer findet sich auf allen Favre-Stationen. In Mönchengladbach waren dies der junge Marco Reus oder Mike Hanke. In Berlin setzte Favre auf den ukrainischen Halbstürmer Andrij Woronin. Beim OGC Nizza hatte er mit dem italienischen Enfant Terrible Mario Balotelli zwar einen bulligen Mittelstürmer als Top-Torschützen, die meisten Einsätze aber machte der wesentlich variablere Alassane Plea, jetzt in Diensten von Borussia Mönchengladbach. Im Kader des BVB können Paco Alcácer, Mario Götze, Marco Reus, aber auch Maximilian Philipp und CHristian Pulisic diese Rolle spielen. Nimmt man den als Abgang feststehenden Pulisic weg, können Götze, Reus, so sie verletzungsfrei bleiben, auch zentral offensiv als ,,so eine Art Zehner“ agieren.

Ligalive-Infografik: Action Zones bei Favres taktischem Meisterstück, Bor. Dortmund - Bayern München (3:2), Bundesliga-Saison 2018/2019

Wann ist der Kapitän zurück?
Marco Reus führte den BVB zum 3:2-Sieg im Schlüsselspiel gegen den FC Bayern München. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Auf diesen Position entspricht das Team bereits den Favre-Regeln. Und auf diesen nicht

Favre - Ein Bessermacher bei Borussia Dortmund? (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images,)

Lucien Favre hat Borussia Dortmund im Rekord-Tempo seine Philosophie eingeimpft. Es gibt Positionen im BVB-Gefüge, die den Anforderungen auf Anhieb gerecht werden. Auf den Außenverteidiger-Positionen hat Favre Marcel Schmelzer durch Hakimi und Lukasz Piszczek durch den ,,polyvalenten“ Marius Wolf ersetzt. Auch der laufstarke Raphael Guerreiro kann links hinten in der Kette agieren.

Die Offensive ist das Prunkstück von Borussia Dortmund. Hier hat der schwarz-gelbe Express seine schnellsten Spieler, hier findet sich die Mehrheit der Torschützen. Jadon Sancho kann rechts oder links außen agieren und jeden Gegner durch geschickte Positionswechsel verwirren. Gleichzeitig versteht es der England-Wusel, mit seinen Power-Dribblings Alcácer oder Reus einzusetzen. Ein Tor-Vorarbeiter vor dem Herrn! Die größte Baustelle vor Saisonbeginn war die Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld. Spieler, die Autorität ausstrahlen und durch ihre Zweikampfstärke Ballbesitz und Überzahlsituationen schaffen, hatte der BVB quasi mit dem Fernglas gesucht und in Thomas Delaney und Axel Witsel gefunden. Der Belgier Witsel scheint dabei noch einen Tick mehr nach Favre-Gusto zu sein, weil er zentral und defensiv eingesetzt werden kann.

Doch nicht alles ist auf einen Schlag fertig und vieles muss noch verbessert werden. Selbst in Hochphasen gibt Favre den Mahner. ,,Wir müssen noch sehr, sehr viel verbessern“, sinniert er. Doch was meint er? Zum Beispiel, dass sein Team nach einem Jahr nicht auf allen Positionen seinen Ansprüchen entspricht. Auf der Torhüterposition ist Roman Bürki sicher nicht der ,,Playmaker Goalie“, den die Konkurrenz aus München mit Manuel Neuer während dessen langer Verletzungspause regelrecht herbeigebetet hat. Dass er in dieser Personalie von seinen Wunschvorstellungen abgeht bzw. abgehen muss, liegt daran, dass Bürki im Rahmen seiner fußballerischen Möglichkeiten einen guten Job macht und – noch wichtiger – ein anderer Torhüter mit diesen Qualitäten, etwa ein Marc-André ter Stegen, zu teuer käme. In der Abwehr wird es beim BVB schnell eng, wenn Akanji und / oder Diallo verletzt und gesperrt fehlen. Einen gelernten Mittelfeldspieler wie Weigl zurück in die Vierer-Kette zu nehmen, ist keine Dauerlösung. Dortmund braucht mehr Innenverteidiger der Marke ,,Kann das Spiel eröffnen und schnell machen.“

Die linke Außenverteidigerposition ist und bleibt der X-Faktor. Hakimi hat noch nicht die internationale Erfahrung und wirkt oft zu ungestüm. Schmelzer und Piszczek sind bei allen ihren Verdiensten um den Verein Auslaufmodelle Einen zweikampfstarken Flügelflitzer, möglichst für beide Außenbahnen einsetzbar, der kraftvoll im Sprint und gefährlich im Flankenspiel ist, suchen sie in Dortmund noch. Die Rechtsaußenposition muss trotz Sancho bzw. wegen des feststehenden Abgangs von Pulisic doppelt besetzt werden. Vor diesem Hintergrund  ergibt sich eine Liste von Spielern, die diesen Anforderungen nicht gerecht werden und potenzielle Abgänge sind.

Ligalive-Infografik: Das System Favre

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