Vor 10 Jahren: Das Tor der Tore gegen die Bayern


DAS Tor... Grafite düpiert Philipp Lahm per Hackentrick! (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

4. April 2009. Selten ist die Fußball-Bundesliga so spannend wie in diesen Frühlingstagen. Ein Hauch von Neuanfang liegt in der Luft. Nach einer unglaublich dominanten Saison des Branchen-Riesen FC Bayern München 2007/2008 mit der Meisterschaft und 10 Punkten Vorsprung auf Werder Bremen sowie dem Pokalsieg stehen die Zeichen auf Wachwechsel.

,,Eine faszinierende Saison: Zauber, Zittern, Zündstoff“, wird das Fazit von Rainer Holzschuh wenig später im Kicker Finale 2008/2009 zu dieser Spielzeit lauten.

Am 26. Spieltag gibt es eine eigentümliche Konstellation. 3 Mannschaften spielen in einem 3er-Fernduell um die Tabellenführung. Der FC Bayern München mit dem in die Kritik geratenen Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann als Coach tritt beim VfL Wolfsburg an. Der Hamburger SV empfängt den abgestürzten ,,Herbstmeister“ 1899 Hoffenheim und kann bei entsprechendem Verlauf die Tabellenspitze erklimmen. Gleiches gilt für Hertha BSC, das in Berlin Borussia Dortmund zu Gast hat.

Der große Sieger des Tages kommt jedoch aus der Autostadt: Der VfL Wolfsburg springt mit einem sagenhaften 5:1 (1:1)-Heimerfolg gegen die Bayern an die Tabellenspitze – und erzielt dabei ein Jahrhundert-Tor.

WOLFSBURG, GERMANY - MAY 23: Edin Dzeko and Grafite of Wolfsburg celebrate the German championship with the trophy after their Bundesliga match against SV Werder Bremen on May 23, 2009 in Wolfsburg, Germany. Wolfsburg won its first German championship ever at Volkswagen Arena on May 23, 2009 in Wolfsburg, Germany. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)
Das Wolfsburger Torjäger-Duo Edin Dzeko und Grafite (r.) am Ziel: Deutscher Meister 2009 nach einem 5:1 gegen Werder Bremen. Foto: Getty Images.

5:1 gegen die Bayern: Als Wolfsburg die Tabellenspitze stürmte...

4. April 2009: Mit 5:1 kommen Edin Dzeko und Grafite mit dem VfL Wolfsburg wie ein Tornado über den FC Bayern... (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)
Hertha BSC verliert mit 1:3 gegen den wieder erstarkten BVB, Hamburg muss die Wolfsburger trotz des 1:0-Heimsieges gegen Hoffenheim aufgrund der besseren Tordifferenz vorbeiziehen lassen.Es ist eine Demütigung für den großen FC Bayern, die sich in der Volkswagen Arena abspielt.

Christian Gentner und Wolfsburgs alles überragendes Angriffs-Duo Edin Dzeko und Grafite – der Bosnier und der Brasilianer stellen mit 54 Treffern einen bis heute für ein Sturm-Duo gültigen Tor-Rekord in der Bundesliga auf – schrauben bei einem Gegentor von Luca Toni zum zwischenzeitlichen 1:1 nach der Pause das Ergebnis auf 4:1 für die ,,Wölfe“ hoch.

Der Schlusspunkt bleibt dem Brasilianer Grafite vorbehalten, der sich mit 28 Buden in 25 Spielen die Torjäger-Kanone holen wird. In der 77. Minute dringt der bullige  VfL-Stürmer von links in den Bayern-Strafraum ein. 4 Münchner Spieler stehen ihm noch entgegen. Andreas Ottl ist der erste, den Grafite stehen lässt und der letzte Gästespieler, der den Ball noch von der Linie kratzen will.

Dazu aber ist es zu spät. Gegen die Erwartung von Torhüter Michael Rensung, Ottl und Philipp Lahm hat Grafite den Ball an der 5-Meter-Marke mit der Hacke und gegen die Laufrichtung ins Tor gelenkt.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Reporter-Legende: ,,Nur genießen, nicht sprechen!"

Nach dem 0:1 beim Hamburger SV am 4. April 2009 hatte 1899 Hoffenheim in der Bundesliga keine Meisterschafts-Chance mehr.
Nach dem 0:1 beim Hamburger SV am 4. April 2009 hatte 1899 Hoffenheim in der Bundesliga keine Meisterschafts-Chance mehr. (Photo by Joern Pollex/Bongarts/Getty Images)

Sky-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis zelebriert das Tor aller Gegentore für den FC Bayern wie ein Reporter aus Südamerika.

,,Was für ein Tor, was für ein Tooor“, ruft ,,TuT“ voller Euphorie, ,,Weltklasse-Tor, das hat Wolfsburg noch nicht erlebt in 12 Jahren in der Fußball-Bundesliga!“ Sein Rat an alle TV-Zuschauer: ,,Nur genießen, nicht sprechen!“

Andreas Ottl dazu im Kicker (Montag-Ausgabe): ,,Es wäre natürlich zu verhindern gewesen, aber ich hätte Grafite foulen müssen.“ Der Ex-Bayernprofi ist sicher: ,,Dieses Tor stand sinnbildlich für unsere und auch die Wolfsburger Saison.“  Eine Initialzündung? Das glaubt auch Edinaldo Batista Libânio genannt Grafite, der 2018 seine Fußballer-Laufbahn beendet: ,,Es war dieser 4. April, unser 5:1 gegen Bayern. Ich habe gespürt, dass wir es packen können.“

Für die Bayern-Verfolger hat er 10 Jahre nach dem VfL-Triumph im Interview mit dem Kicker-Sportmagazin einen Tipp: ,,Mann muss über sich hinauswachsen, über Grenzen gehen. Zu Magath (Meister-Trainer und Konditionspapst des VfL Wolfsburg, d. Red.) durfte man nicht sagen, dass man müde ist.“ Eben! Sonst trifft einem der Bannstrahl des unnahbaren Schach-Großmeisters (,,Qualität kommt von Qual“). Konditionsstark, dynamisch, mutig, so fahren die Wolfsburger mit 3 Siegen aus den letzten 3 Spielen schließlich die sensationelle Meisterschaft 2009 ein. ,,Für mich war der VfL das Größte“, spürt man bis heute die Freude bei Grafite, ,,ich bin Meister und Torschützenkönig geworden, habe in der Champions League gespielt und getroffen. Ich habe für die Selecao gespielt. Überall, wo ich hinkomme, mögen mich die Menschen. Das ist eine große Freude.“ Und das ist sicher auch dem Tor aller Tore gegen die Bayern zu verdanken…

Ligalive-Infografik: So lief die Bundesliga-Saison 2008/2009

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Ligalive-Infografik: Die Action Zones zu Wolfsburgs Meisterspiel gegen Werder Bremen (5:1), Bundesliga-Saison 2008/2009

Ligalive TV: Wolfsburgs Coach Bruno Labbadia nach dem Spiel in Dortmund (0:2)