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Bundesliga: Joker-Tore – Das sind die Einwechselkönige der Liga!

Paco Alcacer und Borussia Dortmund stürmten mit einem 5:1 gegen den FC Augsburg wie im Vorjahr zum Saisonstart an die Tabellenspitze.

Es geht um die, die von der Bank kommen – und sofort einschlagen. Die ,,Joker” der Fußball-Bundesliga, die eingewechselten Tor-Könige, die oft kurz vor knapp so manche Partie noch aus dem Feuer reißen.

Seit der Fußball-Weltverband (FIFA) 1967 das Ein- und Auswechseln von Spielern, zunächst ist es ein, später 2, seit 1995 gar 3 Profis, erlaubt hat, gibt es den ,,Berufstand” des Jokers.

Die Joker der Liga – Es sind die Einwechselspieler, die von der Ersatzbank oft mit Wut im Bauch, weil sie eben vom Anpfiff an draußen sitzen müssen, ins Spiel kommen und auf spektakuläre Weise eingreifen.

Am 2. Spieltag vor 52 Jahren ist es soweit. In der Bundesliga-Saison 1967/68 erlaubt der DFB erstmals die Einwechslung eines Spielers in der deutschen Fußball-Eliteliga. Es wird der Beginn einer Story, die fast in jeder Saison zur Legendenbildung taugt.Schon am 1. Spieltag ziehen 8 der 18 Bundesliga-Klubs die Option ,,Einwechslung” (,,Schiri, wir wechseln..”). Doch noch zieht kein Trainer einen ,,Joker” aus dem Ärmel, noch trifft keiner der neu ins Spiel genommenen Akteure.

Das ändert sich schnell. Am 27. August 1967 empfängt der Hamburger SV im Volksparkstadion den 1. FC Kaiserslautern. Die Hanseaten führen lange mit 1:0. In der 75. Minute bahnt sich die Wende an. Lautern muss Heinz-Dieter Hasebrink auswechseln, ,,weil er plötzlich lahmte”, wie sich Gerd Kentschke im Kicker-Sportmagazin (Ausgabe: 26. August 2019) erinnert. ,,Ömmes” Kentschke, einer von vielen FCK-Profis aus Nordrhein-Westfalen, kommt in die Partie und trifft 20 Sekunden vor Spielende zum 1:1-Endstand. Damit darf sich der Profi, der in 222 Spielen für den Karlsruher SC, den FCK und den MSV Duisburg 38 Tore erzielt, völlig zu Recht als erster ,,Joker” der Bundesliga-Geschichte rühmen.

Den Begriff ,,Joker” selbst gibt es im deutschen Fußball erst seit 1984. Es ist der Gladbacher Hans-Jörg Criens (damals 23), der als erster Spieler so getauft wird – allerdings im Anschluss an ein Pokalspiel. Es ist keine geringere Partie als das denkwürdige DFB-Pokal-Halbfinale am 1. Mai 1984 zwischen Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen (5:4 n. V.). Gladbach-Coach Jupp Heynckes bringt Criens für den Routinier Winfried Schäfer ins Spiel. ,,Ich habe in diesem Jahr 4 Tore nach Einwechslungen gemacht”, erzählt Hans-Jörg Criens dem WDR, ,,der Trainer hat mir dann das Vertrauen geschenkt und mich beim Stand von 3:3 eingewechselt. 30 Sekunden schießt der Uwe Reinders das 3:4.” In der 5. Minute der Nachspielzeit sorgt Criens mit einem Hecht-Kopfball nach einer Ecke für das 4:4 – und bringt ARD-Reporter Heribert Faßbender in der ersten Halbfinal-Live-Übertragung im DFB-Pokal im deutschen TV in Wallung: ,,So, meine Damen und Herren, jetzt steh ich auch mal auf, das ist ja nicht zu glauben!” Hans-Jörg Criens bringt Gladbach in der 117. Minute mit dem 5:4 ins Finale.

,,Gladbach hat den besseren Joker”, titelt BILD Düsseldorf anschließend – und greift dabei den Ausdruck auf, den TV-Reporter Faßbender für Criens wählt. ,,Zu dieser Zeit wurde dieser Begriff Joker geprägt”, sagt Criens, der nach dem Halbfinal-Drama sogar ins ZDF-,,Sport-Studio” eingeladen wird – damals noch ein Ritterschlag, heute eher ein OMG für jeden Fußballprofi -, ,,ich hätte mir diesen Begriff wahrscheinlich schützen lassen müssen.” In 303 Bundesliga-Spielen für Mönchengladbach und Nürnberg erzielt der ,,Vater aller Joker”, Hans-Jörg Criens, 14 Tore nach Einwechslungen.Bayern Münchens Torjäger Robert Lewandowski (31) jagt seit Saisonbeginn 2019/2020 die Uralt-Rekorde von ,,Bomber” Gerd Müller.

Der Pole peilt aber auch noch einen anderen Bestwert an: Bester Joker der Liga-Historie! In Diensten von Borussia Dortmund und des FC Bayern hat ,,Lewy” seit 2010 bei 36 Einwechslungen 16 Tore erzielt. Ein echter ,,Joker” ist Lewandowski jedoch nicht, er gilt im Team von Niko Kovac als gesetzt. Trotzdem fehlen ihm nur 5 Tore, um zum All-Time-Joker der Liga aufzuschließen.

Es ist dies kein anderer Spieler als Claudio Pizarro (40), der erfolgreichste ausländische Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Der Peruaner steht zum 5. Mal seit 1999 bei Werder Bremen unter Vertrag. Für die Hanseaten, den FC Bayern und den 1. FC Köln erzielt er als Einwechsler in 153 Partien, in denen er von der Bank kommt, 21 Tore.

Die wenigsten Minuten als Tor braucht – bei 7 Treffern als Einwechselspieler – der Leverkusener Joel Pohjanpalo. Der Finne knipst bei 17 Einwechslungen 7-mal – und das in nur 249 Minuten, Bundesliga-Rekord! Bleibt nur noch ,,Mister Effektivität” unter den Joker-Torjägern, Paco Alcácer. Der 25-jährige Spanier, seit 2018 bei Borussia Dortmund unter Vertrag, kommt bei 12 Toren in 15 Spielen auf eine Tor-Quote von 0,80 und liegt damit vor dem zu West Ham United gewechselten Ex-Frankfurter Sébastien Haller (0,55 / 6 Tore in 11 Joker-Einsätzen) und Robert Lewandowski (0,44).


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