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Als es keinen Deutschen Meister gab…

Ein Jahr ohne deutschen Fußballmeister, was nicht den beiden Weltkriegen geschuldet ist? Das gibt es 1922 und beteiligt sind zwei Klubs, die heute als Skandalnudeln im deutschen Fußball firmieren…

1. FC Nürnberg Hamburger SV 1922

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke (60) sieht den deutschen Profifußball im MÄrz 2020 angesichts des sich immer weiter ausbreitenden Corona-Virus ,,in der schlimmsten Krise aller Zeiten.”

Das stimmt. Die Fußball-Bundesliga erlebte seit dem ,,Shutdown” im März 2020 ihre schwärzesten Stunden und blieb bis in den Mai ausgesetzt.

Eines von vielen denkbaren Szenarien damals war der komplette Abbruch der Saison. Damit hätte es erstmals seit 1947 keinen deutschen Fußballmeister geben. Dass es zwischen 1915 und 1920 bzw. von 1945 bis 1947 keinen Spielbetrieb in Deutschland gibt, ist jeweils dem Inferno der beiden Weltkriege geschuldet.Doch es gibt noch ein zweites Jahr ohne Meister in der deutschen Fußballgeschichte.

Blättern wir in den Chroniken, so finden wir zwischen dem Hamburger SV 1923 und dem 1. FC Nürnberg 1921 (noch) eine Leerstelle, die nicht kriegsbedingt ist.

1922 wird offiziell kein deutscher Meister geführt. Warum? Weil der 1. FC Nürnberg, neben der SpVgg Greuther Fürth das größte Team seiner Zeit, und der Hamburger SV es in 304 Minuten und 2 Endspielen nicht schaffen, einen Sieger zu ermitteln!

Der ,,Club” muss den Verlust des Titels hinnehmen – und zuvor noch eine 2. Demütigung verkraften. Nach fast 4 Jahren und 104 Verbandsspielen ohne Niederlage – bei gigantischen 480:47 Toren verliert die Mannschaft um den legendären Keeper Heinrich ,,Heiner” Stuhlfauth († 1966) ein Ausscheidungsspiel für die Endrunde 1922 gegen den fränkischen Erzrivalen SpVgg Fürth – 2:3. Auch das Rückspiel geht mit 2:1 an das ,,Kleeblatt.”

Der ,,Club” muss dem FC Wacker München, der u. a. Spieler wie Weltmeister Hans Bauer oder Vize-Weltmeister Dietmar Hamann geprägt hat, den Vortritt lassen. Die Münchner verlieren im Halbfinale mit 0:4 gegen den Hamburger SV. Glück für die Nürnberger: Dadurch, dass der Titelverteidiger automatisch für die Endrunde qualifiziert ist, kämpfen sie sich über die Stationen SpVgg Leipzig (3:0), Norden-Nordwest Berlin (1:0) mehr schlecht als recht ins Finale.Am 18. Juni 1922 beginnt dann im Grunewald-Stadion in Berlin ein schier unendliches Fußball-Drama.

Die Hamburger haben sich im Halbfinale mit 4:0 gegen Wacker München durchgesetzt und liegen vor 30.000 Zuschauern bis in in die 86 Minute mit 1:2 zurück. Erst ein Tor von Hans Flohr rettet den HSV in die Verlängerung.  Diese ist zeitlich nicht begrenzt und die Entscheidung per Elfmeterschießen gibt es noch lange nicht. So muss einfach weitergespielt werden. Bis zum Einbruch der Dunkelheit, denn auch Flutlicht gibt es noch nicht! Nach 189 Minuten sind alle Akteure und auch Schiedsrichter Peco Bauwens aus Köln, später ab 1950 DFB-Präsident, erschöpft zu Boden. ,,Das Spiel wurde immer hässlicher”, berichtet der renommierte Sportjournalist Richard Kirn. ,,Das ofte Hinlegen und Reklamieren der Hamburger hat einen widerlichen Eindruck gemacht”, sagt ,,Heiner” Stuhlfauth nach dem Spiel. Nicht die feine hanseatische Art!

Also trifft man sich am 6. August 1922 im VfB-Stadion in Leipzig zur Neuauflage. Die Tribünen in Leipzig biegen sich vor Menschenmassen.  50.000 Zuschauer wollen das Spiel sehen – und sie sehen trotz des 2. Anlaufs keinen Meister! Die nach einem Platzverweis von Willy Böß (18.) dezimierten Nürnberger sind nicht zu bezwingen. 1:1 steht es am Ende der regulären 90 Minuten. Heinrich Träg (100.) wird auf FCN-Seite ebenfalls vom Platz gestellt. Mit 11 gegen 9 kann der Hamburger SV nicht siegen. Als sich der Nürnberger Luitpold Popp verletzt und nicht mehr weitermachen kann, wird nach 115 Minuten wieder abgebrochen. Nürnberg hätte nicht mehr mindestens 8 Spieler auf dem Rasen gehabt. Anton Kugler hat zuvor verletzt abgewunken.

,,Satzungsgemäß” erklärt der DFB den HSV zum Meister. Der ,,Club” protestiert, weil die Partie in der Pause der Verlängerung abgebrochen wird. Diese gehört nicht zum Spiel. Der erste Beschluss wird aufgehoben und dem Hamburger SV wird nahegelegt, auf den Titel zu verzichten. Wenig begeistert, kommen die Hanseaten dieser Forderung beim DFB-Bundestag im November 1922 in Jena nach. So wird 1922 das Jahr ohne Meister. Nun auch 2020?[svc_carousel_layout car_autoplay=”yes” loadmore=”yes” grid_link_target=”nw” dexcerpt=”yes” dmeta_data=”yes” dsocial=”yes” query_loop=”size:16|order_by:date|order:DESC|post_type:post” grid_thumb_size=”200X172″ svc_class=”bigger-slider” title=”Mehr Stories von Ligalivenet”]


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