Das sind Sensationsmeister Europas von 1970 – 2019. Keiner hatte sie auf dem Zettel


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Sensationsmeister 26 - 21: Ihr Name war Nobody. Vom Provinzklub bis zum Protestklub

Bei den Bayern entlassen, in Wolfsburg „King Quälix“: Meistertrainer Felix Magath.
Wolfsburgs Meistertrainer Felix Magath. Foto: Imago Images / Sven Simon

In der Bundesliga gewinnt seit Jahren immer Bayern München die Meisterschaft. In Spanien sind es entweder „Barca“ oder Real und in Italien und Frankreich dominieren Juventus Turin und Paris St. Germain seit Jahren die Titelvergabe. In England haben sich die „Reichen-Klubs“ FC Chelsea und Manchester City als erste Anwärter auf die Meisterschaft positioniert, seit 2018 meldet auch der Klopp-Klub FC Liverpool, gestählt durch die Millionen eines US-amerikanischen Investors, neue und alte Ansprüche an. In Schottland gilt Celtic Glasgow seit dem zwischenzeitlichen Zwangsabstieg seines einzigen Titel-Rivalen Rangers FC als gesetzt. Langweilig, oder?

Dass es mit nicht immer so und ist auch nicht immer so ist, zeigen gerne auch mal diejenigen Klubs die Meisterschaft, die nur zum erweiterten Favoritenkreis gehören. Und dann gibt es ab und an auch die großen Sensationen. Die Nobodys, die eher als Abstiegskandidaten gelten und plötzlich und ganz überraschend Meister werden. Das kommt nicht so häufig vor. Aber das hat es schon gegeben. Und nicht nur in den zweitklassigen Ligen Europas.

Deshalb haben wir die Geschichte von 26 Sensationsmeistern in den europäischen Ligen seit 1970 einmal zusammengefasst. Eine Meister-Zeitreise durch fünf Jahrzehnte. Alle großen Ligen sind dabei – die Bundesliga, die Premier League, die Primera Division, die Serie A und die französische Ligue 1. Dazu einige kleinere Ligen.

Trainer, die gerade vom FC Bayern entlassen wurden

England war und ist ein Land der Meister-Sensationen. 1981 triumphiert Aston Villa und holt sich 1982 in Rotterdam auch den Europapokal der Landesmeister.
England war und ist ein Land der Meister-Sensationen. 1981 triumphiert Aston Villa und holt sich 1982 in Rotterdam auch den Europapokal der Landesmeister. Foto: Imago Images / Kicker / Liedel

Die Bundesliga ist gleich vier Mal vertreten. Zweimal sind es Trainer, die gerade vom FC Bayern entlassen worden sind und die den Südmännern zeigen, dass das mit der Entlassung nun keine so gute Idee war. Aber auch der dritte Sensations-Meistercoach hat lange vor seinem Triumph Stress mit dem FC Bayern – in Form eines abgelehnten Praktikums.

Vielleicht hätte man wenigstens zurückschreiben sollen! Der Vierte im Bunde ist einer, der zwar nicht zu 100 Prozent Sensations- aber doch Überraschungsmeister wird. Zuvor ist er aber beim „deutschen Real Madrid“ als Trainer im Unfrieden geschieden.

Wir gestalten unsere Zeitreise chronologisch und starten im Jahr 1970. Das bedeutet: Mit der Überraschung des Klubs, den sie am Rhein „Die Bauern“ nannten und mit dessen Titelgewinn ein neuer Dualismus im deutschen Fußball beginnt. Ein Trainer, der mit seiner Unberechenbarkeit der Albtraum jedes Vereinschefs ist, führt in einer anderen Top-Liga gleich zwei No-Name-Klubs ganz nach oben. Dafür, so denkt er sich, kann man schon mal den Urlaub unterbrechen…

Unser absoluter Favorit ist natürlich der Klub des Nearly Man, der es im Jahr 2016 schafft, alle Fat Cats der größten Liga der Welt zu besiegen – und das dank der Leichtigkeit eines Torjägers, der einmal mit einem Bein im Knast gestanden hat. Sagen Sie uns, wo es solche Geschichten sonst noch gibt außer im Fußball? Hier sind Europas Sensationsmeister…

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

26. Borussia Mönchengladbach 1969/70 – Beginn einer neuen Ära

Endlich am Ziel: Hennes Weisweiler und seine „Fohlen-Elf“ von Borussia Mönchengladbach holen 1970 die Deutsche Meisterschaft. Vorn Mitte: Günter Netzer und Berti Vogts.
Endlich am Ziel: Hennes Weisweiler und seine „Fohlen-Elf“ von Borussia Mönchengladbach holen 1970 die Deutsche Meisterschaft. Vorn Mitte: Günter Netzer und Berti Vogts. Foto: Imago Images / Sven Simon

Hennes Weisweiler ist im Sommer 1969 ungehalten. „Wenn wir wieder nicht Meister werden, gehe ich“, sagt der knorrige Rheinländer, der Borussia Mönchengladbach 1965 entgegen aller Widerstände in die Fußball-Bundesliga geführt hat.

Mit seinem offensiven Fußball und jungen, hungrigen Spielern aus der Region, unter anderem dem blonden Spielmacher Günter Theodor Netzer, Hans-Hubert („Berti“) Vogts und Herbert „Hacki“ Wimmer, hat er in den vorangegangenen Jahren zwei Mal Platz drei belegt. Das reicht dem strengen Taktikfuchs nicht.

Er holt mit Ludwig „Luggi“ Müller vom gerade aus der Bundesliga abgestiegenen Meister 1. FC Nürnberg und den Stuttgarter Klaus-Dieter Sieloff († 2011) zwei Defensivspieler, die die Abwehr stabilisieren sollen.

Besser werden die Dinge nach dem ersten Spieltag trotzdem nicht. Borussia Mönchengladbach verliert mit 0:2 beim FC Schalke 04. Die Wende folgt nur eine Woche später: Im achten Versuch schlagen die Gladbacher endlich ihren damaligen Mit-Aufsteiger FC Bayern München (2:1) und am elften Spieltag sichert man sich durch ein 5:1 gegen Alemannia Aachen erstmals die Pole Position. An Weihnachten 1969 stehen Weisweilers Jungs mit satten fünf Punkten Vorsprung vor dem Titelverteidiger von der Isar an der Tabellenspitze.

 

Die Bundesliga erlebt ein Novum

„General Winter“ hat die Bundesliga 1970 fest im Griff. Am 10. Januar 1970 muss erstmals in der Liga-Historie ein kompletter Spieltag abgesagt werden. Schnee und Eis auf den Spielfeldern – damals gibt es noch keine Rasenheizung – lassen die Rasenfläche zum Morast werden. „Wer taut die Bundesliga auf?“, fragt die Sport-Illustrierte verzweifelt. Das fragen sich wohl auch die Gladbacher, die in der Folge des entstandenen Termin-Chaos zwischen dem 15. und dem 21. April 1970 drei Mal als Verlierer vom Platz gehen.

Das Unternehmen „Meisterschafts-Premiere“ gerät noch einmal in Schieflage. Am 30. April 1970 ist die Überraschung perfekt: Zwar geben sich „die Fohlen“, wie die ungestüme Mannschaft von den Fans genannt wird, beim 4:3 nach 4:0-Führung gegen den Hamburger SV wankelmütig, doch es reicht. Borussia Mönchengladbach wird zum ersten Mal Deutscher Meister und leitet eine neue Ära im deutschen Fußball ein. In den folgenden sieben Jahren werden nur die Vereinsnamen der Gladbacher und des FC Bayern in die DFB-Meisterschale eingraviert. Mit Müller und Sieloff, die beide je 33-mal zum Einsatz kommen, stellt Mönchengladbach bei nur 29 Gegentreffern die stärkste Abwehr der Liga.

Ganz Mönchengladbach feiert die Titel-Premiere – und auch der Klerus ist euphorisiert. Nach dem 4:3 gegen den HSV läuten im Stadtteil Eicken, wo die Borussia einst gegründet worden ist, die Kirchenglocken.

25. Derby County 1971/72 – Der Armenklub, der Meister wurde

Derby County und Roger Davies (r.) wussten sich auch im Meistercup 1972/73 zu wehren, auch wenn es in dieser Szene einen Platzverweis gegen Davies im Spiel gegen Juventus Turin (0:0) gab.
Derby County und Roger Davies (r.) wussten sich auch im Meistercup 1972/73 zu wehren, auch wenn es in dieser Szene einen Platzverweis gegen Davies im Spiel gegen Juventus Turin (0:0) gab. Foto: Imago Images / Colorsport

Derby County führt in den beschaulichen East Midlands bis 1967 ein Schattendasein in der Zweitklassigkeit des englischen Fußballs.

Das ändert sich, als er kommt. Brian Howard Clough (1935 – 2004), der Trainer, dessen Wirken Jahre später ein Skandalbuch (The Damned United von David Peace, 2006) und der gleichnamigen Kinofilm mit Michael Christopher Sheen als Clough aus dem Jahr 2009 aufgreifen werden.

Clough bringt seinen Assistenten Peter Taylor mit nach Derby. Das Erfolgsgespann wird Derby zu einem der größten Überraschungsmeister im englischen Fußball machen. Immerhin: Der letzte große Erfolg der „Rams“, der Widder, ist schon ein paar Tage her: FA Cup-Sieger 1946.

Die Erwartungen an den erst 41 Jahre alten Coach sind gering. Erst im zweiten Jahr seines Wirkens in Derby gelingt „Cloughie“, wie sie den schrullig-eigensinnigen Coach auf der Insel liebevoll nennen, der Aufstieg in die First Division. Als Glücksgriff auf dem Weg in Liga 1 wird sich dabei die Verpflichtung von Mittelfeldspieler Dave Mackay von Tottenham Hotspur erweisen. Der Regisseur führt Derby 1969 in die First Division und wird FWA Footballer of the Year. Ein typischer Clough-Transfer, ist Mackay bei seinem Wechsel doch bereits 33 Jahre alt…

 

Urlaub vorm Saisonfinale: Clough wäre heute wohl der „King of Cool“

Die Mannschaft landet in Mackays letztem Jahr 1970/71 vor dem Abschied auf Rang vier. Aber: Der Klub darf aufgrund „finanzieller Unregelmäßigkeiten“ nicht im Europapokal antreten. Ein Faktum, dass Clough und seine Truppe nur noch mehr anstachelt.

Es wird eine Saison mit vielen Eigenheiten. Clough setzt mit 16 Spielern die wenigsten Akteure aller 22 Klubs ein. Seine Profis geben sich knauserig in Sachen Tore: Nur 69-mal netzen John O‘ Hare (13 Saisontreffer) in 42 Liga-Spielen ein. Am letzten Spieltag ist die Sensation perfekt. Mit einem 1:0 gegen den FC Liverpool springen die „Rams“ von Rang drei auf eins – und sind Meister. Clough hat vorher einen Schachzug parat, der ihm heute wahrscheinlich den Titel „King of Cool“ einbringen würde. Kurz vor Saisonschluss fährt er mit seiner Familie in Urlaub und schickt seine Mannschaft – schon damals populär – zur Fußball-Sauftour nach Mallorca. Zu Hause auf der Insel patzen die Titel-Konkurrenten Leeds United und der FC Liverpool entscheidend, sodass Derby es am letzten Spieltag, dem 8. Mai 1972, im direkten Duell mit den „Reds“ in der eigenen Hand hat.

Dass Clough („Meine Herren, das ist ein Fußball – kommen Sie damit klar?“) es mit der Derby-Nummer durchaus ernst meint, zeigt die folgende Saison. Zwar landet Derby County in der englischen Liga nur auf Rang sieben, doch im Europapokal der Landesmeister schafft man es bis ins Halbfinale. Dort ist Juventus Turin eine Nummer zu groß, doch Clough zeigt wieder ein Mal seine Unberechenbarkeit. Er wirft dem italienischen Rekordmeister Bestechung vor und beschimpft die „Juve“-Stars um Helmut Haller als „cheating bastards“, als betrügerische Bastarde. Die Wortwahl in der wenig später folgenden und nur wenige Minuten dauernden Unterredung mit dem Präsidium könnte im Zweifelsfall ähnlich deftig gewesen sein, denn Clough verlässt Derby County 1973 zum Entsetzen der Fans – und wechselt zum Erzrivalen Leeds United. Alle Versuche, den Sturkopf noch umzustimmen, scheitern. Schon 1976 steigt Derby County ab. Clough selbst hält sich bei Leeds United nur 44 Tage im Sattel, nachdem er sich mit seinem alten Rivalen, Leeds-Boss Don Revie („The Gaffer“) und den Stars um den Schotten Billy Bremner († 1997) und den englischen Weltmeister Norman „Bites yer legs“ Hunter heillos zerstritten hat. Filmreifer Stoff.

24. Nottingham Forrest (1977/78) – der perfekte Durchmarsch

Nottingham-Coach Brian Clough (l.) und Kenny Burns feiern den Meistertitel in England 1978.
Nottingham-Coach Brian Clough (l.) und Kenny Burns feiern den Meistertitel in England 1978. Foto: Imago Images / Colorsport
Nottingham Forest schafft in der Saison 1977/78 eine echte Sensation in England.

In dieser Spielzeit feiert das Team unter Trainer Brian Clough als Aufsteiger in die First Division Das ist gleichzeitig der erste Titel der Vereinshistorie. Besonders kurios ist, dass Nottingham nur 16 Spieler in der Saison einsetzt, die wenigsten in der gesamten Liga. Exakt dieses Kunststück hat Clough fünf Jahre vorher auch bei Derby County gebracht. Mit Mini-Kader zum Titel. Es ist nur eine Episode rund um den eigenwilligen Meistertrainer. Nottingham Forest und Kult-Trainer Brian Clough verblüffen Fußball-Europa mit modernem Kurzpass-Spiel.

Vor der Meistersaison herrschen im Sommerurlaub der „Tricky Trees“, der trickreichen Bäume aus Nottingham, im Badeort Cala Millor auf der spanischen Baleareninsel Mallorca ersthafte Zweifel. Die Spieler versuchen sich, die Abstiegsangst weg zu saufen. „Wir haben uns während dieser Reise ernsthaft gefragt, ob wir in der Lage sind, überhaupt ein Jahr in der ersten Liga zu überstehen“, erzählt Forest-Mittelfeldspieler Martin O‘ Neill Jahre später. Was der gutmütige Nordire O‘ Neill und seine Kollegen nicht wissen: Der kauzige Trainer Brian Clough hat mit unkonventionellen Methoden schon längst für Verstärkung gesorgt. Er schickt seinen Assistenten und Schattenmann Peter Taylor mit Schlapphut und Brille verkleidet auf eine Hunde-Rennbahn, um mit dem Stürmer Kenny Burns von Birmingham City zu verhandeln. Burns hat keinen guten Ruf. Er gilt als Trinker und Zocker. Doch Clough holt ihn für umgerechnet 175.000 Euro – und schult den Schotten zum Verteidiger um.

 

Trainerlegende: „Holt Euch den Titel!“

Wenig später erlebt die Mannschaft die nächste Überraschung. Am 20. August 1977 taucht in der Halbzeitpause der ersten First-Division-Partie beim Titelfavoriten FC Everton (3:1) unvermutet ein Gast in der Kabine auf. Es ist Liverpools Trainerlegende Bill Shankly. Der in Ehren ergraute Meistercoach lässt mit einer spontanen Ansprache beim Berufs-Außenseiter aus Nottingham die Wände wackeln. „Spielt nicht nur in der ersten Liga“, brüllt Shankly die verdutzten Spieler an, „geht raus und holt euch den Titel.“

Als weiterer Top-Transfer von Clough erweist sich vor allem die Verpflichtung von Torhüter Peter Shilton von Stoke City. Der englische Nationalkeeper dirigiert in der Saison 1977/78 die beste Abwehr der Liga. Nottingham Forest kassiert in 42 Spielen nur 24 Gegentore – und holt als Aufsteiger sensationell die englische Meisterschaft. Viv Anderson, ein 21-jähriges Defensiv-Juwel mit exzellentem Stellungsspiel, wird der erste farbige Nationalspieler Englands. „Es war absolut unfassbar, die Meisterschaft zu gewinnen, wenn man bedenkt, wo wir noch ein Jahr zuvor standen“, sagt Martin O‘ Neill 2013 in einer TV-Dokumentation. Nur Clough bleibt cool: „Es ist nur ein erledigter Job.“

1979 stürmt Nottingham ins Europapokalfinale der Landesmeister. Ein Flugkopfballtor von Trevor Francis hievt Forest im Münchner Olympiastadion gegen die Schweden von Malmö FF (1:0) auf Europas Fußballthron. Ein Jahr später wiederholen die Engländer im Landesmeister-Wettbewerb mit einem 1:0 gegen den Hamburger SV in Madrid ihren Erfolg. Wird Nottingham 1979 in der englischen Liga noch Vizemeister, so steht man am Ende der zweiten Europapokalsaison nur noch auf Platz fünf. Clough holt in seiner zweiten Amtszeit 1989 und 1990 noch einmal mit Forest den englischen Ligapokal, formt mit Roy Keane und Teddy Sheringham zwei weitere Superstars. Aber den Abstieg aus der neu geschaffenen Premier League kann der Altmeister 1993 nicht verhindern. 2001 steigt der Verein sogar wieder ab. Seitdem feiert Nottingham nur mäßige Plätze und Erfolge. Rekordverdächtig: Ab November 1977 bleibt das Team Saison übergreifend in 42 Ligaspielen ungeschlagen. Erst der FC Arsenal stellt den Rekord 2004 ein.

23. Racing Straßburg 1978/79 – Einziger Titel für den Spieler Arsene Wenger

UEFA-Pokal-Achtelfinale 1978: Raymond Domenech (r.) von Racing Straßburg gegen Kees Bregman vom MSV Duisburg. Links: MSV-Legende Bernard Dietz.
UEFA-Pokal-Achtelfinale 1978: Raymond Domenech (r.) von Racing Straßburg gegen Kees Bregman vom MSV Duisburg. Links: MSV-Legende Bernard Dietz. Foto: Imago Images / Horstmüller

Der Klub aus dem Elsass ist erst 1977 wieder in die französische Eliteliga Division 1 zurückgekehrt.

Als die Liga am 28. Juli 1978 loslegt, rechnen Fans und Experten mit Titelverteidiger AS Monaco oder dem zuvor drei Mal in Folge erfolgreichen AS St. Etienne (ASSE). In der Mannschaft von Racing Straßburg, die von dem Schweizer Trainer-Hirnli und Ex-Stuttgart-Profi Gilbert Gress trainiert wird, stehen zwei Spieler, die es Jahre später selbst als Coach sehr weit bringen werden.

Es sind der 1949 in Straßburg geborene Arsene Wenger, der bereits im Zenit seiner Profikarriere steht, und der drei Jahre jüngere Raymond Domenech. Wenger, der ab 1980 als korrekt-perfekter Jugendtrainer von Racing Straßburg ins Trainergeschäft schnuppern wird, erlangt als Coach des FC Arsenal mit drei englischen Meisterschaften und sieben FA-Cup-Titeln in 22 Jahren in London Legendenstatus.

Domenech steht als französischer Nationalcoach einerseits für den Sprung ins WM-Finale 2006, andererseits wird sein Name aber auch auf ewig mit der Spieler-Meuterei bei der „Equipe Tricolore“ bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika in Verbindung gebracht.

 

Domenech und Wenger glänzen in Straßburgs Abwehr

Wie auch immer: Sowohl für Wenger als auch für Domenech ist der Titelgewinn mit Straßburg die einzige französische Fußballmeisterschaft als Spieler. Domenech absolviert im Meisterjahr 37 Spiele, Wenger nur zwei. Aber: Im Abwehrverbund mit Léonard Specht und Jean-Jacques Marx lassen sie nur 28 Gegentore zu – beste Defensivleistung der Liga in der Saison.

Straßburg liefert sich 1978/79 ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem späteren Vizemeister FC Nantes und St. Etienne. Am fünften Spieltag steht Racing erstmals auf Rang eins und hat im November 1978 drei Punkte Vorsprung auf Titelverteidiger Monaco und fünf auf Saint-Étienne. Dann aber verlieren die Elsässer bei Paris SG, damals noch Tabellendreizehnter übrigens, leisten sich gegen Laval im heimischen Meinaustadion einen Punktverlust und verlieren in Nantes mit 0:3.

Am 38. und letzten Spieltag gelingt mit einem 3:0 bei Olympique Lyon das Meisterstück. In der „Festung“ Stade de la Meinau bleibt Racing Straßburg unbesiegt.

22. Hellas Verona (1984/85) – Ein Deutscher führt die Italiener zum Erfolg

28. Juli 1985: Ein großer Tag für Hans-Peter Briegel (m., mit Roberto Tricella, re.). Mit Hellas Verona kehrt er als italienischer Meister und als Deutschlands „Fußballer des Jahres“ im Freundschaftsspiel zum 1. FC Kaiserslautern zurück.
28. Juli 1985: Ein großer Tag für Hans-Peter Briegel (m., mit Roberto Tricella, re.). Mit Hellas Verona kehrt er als italienischer Meister und als Deutschlands „Fußballer des Jahres“ im Freundschaftsspiel zum 1. FC Kaiserslautern zurück. Foto: Imago Images / Ferdi Hartung.
Für das bis 2020 größte Fußballwunder in Italien sorgt Hellas Verona 1985.

Die Mannschaft aus dem Norden wird nur drei Jahre zuvor noch italienischer Zweitligameister, steigt dann in die Serie A auf und gewinnt kurze Zeit später prompt die Meisterschaft. Mit dabei der deutsche Europameister Hans-Peter Briegel.

Durch diesen Erfolg wird die „Walz aus der Pfalz“, wie der bullige, aber doch athletische Abwehrspieler genannt wird, sogar in Deutschland zum „Fußballer des Jahres“ gewählt. 1984 hat Briegel den 1. FC Kaiserslautern nach zehn Jahren in der Jugend und als Profi verlassen und mit 28 Jahren noch einmal im Ausland eine neue Herausforderung gesucht. Der Vize-Weltmeister der Jahre 1982 und 1986 wird der erste Spieler, dem außerhalb der Bundesliga diese Ehre zukommt, „Fußballer des Jahres“ zu werden. Überreicht wird ihm die Trophäe bei einem Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am Betzenberg im Sommer 1985. Viel besser kann man nicht heim kommen…

Bis heute ist die Meisterschaft 1985 allerdings der einzige Titel von Verona. Briegel kann 1988 in Diensten von Sampdoria Genua noch die Coppa Italia, den italienischen Pokal, gewinnen.

 

Hellas Verona blamiert Italiens Großklubs

Die Serie-A-Saison 1984/85 sieht am Ende zwei Außenseiter vorn. Hellas Verona sichert sich den Meistertitel vor dem AC Turin, der ebenfalls nicht zu den ausgemachten Spitzenklubs gehört. Die Big Spender aus dem Piemont und der Lombardei, Inter und AC Mailand sowie Juventus Turin, sind blamiert. Sie landen nur auf den Rängen drei, fünf und sechs. Hellas Verona hat mit Guiseppe Galderisi (11 Saisontreffer) nur einen echten Torjäger, ist aber beileibe keine Mannschaft der Namenlosen!

Neben Briegel und dem italienischen Nationalspieler Antonio di Gennaro blitzt im Kader von Trainer Osvaldo Bagnoli ein Name auf: Preben Elkjaer-Larsen. Der dänische Stürmer wird ein Jahr nach dem Meistercoup mit „Danish Dynamite“ bei der WM-Premiere der Skandinavier für Furore sorgen.

Vor heimischer Kulisse geizt Hellas Verona mit Toren. Von 15 Saison-Heimspielen enden drei 0:0. Drei Mal siegt man mit dem knappsten Vorsprung, 1:0. Für den Klub ist es seitdem ein ständiges Auf und Ab. 2010 spielen sie noch in der dritten Liga, ab 2013 dann wieder in der ersten. In der Saison 2015/2016 erreichen die Norditaliener nur den letzten Platz in der Serie A und spielen in der Saison 2016/2017 nur zweitklassig. Dort werden sie allerdings Zweiter. Und in der Saison 2019/2020 spielen sie wieder in der Serie A. Wenn auch nicht um den Titel.

21. AE Larisa 1987/1988 – Titelgewinn dank Regeländerung

Präsident Kostas Piladakis (li.) präsentierte bei AE Larissa so manchen hochkarätigen Neuzugang, wie hier im Bild Maciej Zurawski.
Präsident Kostas Piladakis (li.) präsentierte bei AE Larissa so manchen hochkarätigen Neuzugang, wie hier im Bild Maciej Zurawski. Foto: Imago Images / ANE Edition
AE Larisa wird erst 1964 im Rahmen einer Vereinigung von vier in Larisa ansässigen Fußballvereinen gegründet.

Der AE Larisa sorgt in seiner Meistersaison 1987/88 für viel Aufmerksamkeit und eine verrückte Geschichte. Das Team spielt sich zunächst an die Spitze der Tabelle. Kurz vor Ende der Saison werden dem Klub in aussichtsreicher Position vier Punkte abgezogen – aufgrund eines Dopingverdachtes gegen mehrere Spieler.

Der Klub und seine Fans protestieren daraufhin tagelang. Beispielweise wird die Autobahn von Athen nach Thessaloniki fünf Tage lang blockiert. Und tatsächlich: Die Regeln werden geändert. Statt des Punktabzuges gegen den Verein werden nur die einzelnen Spieler mit Strafen versehen.

So schafft es AE Larisa letztendlich doch noch, griechischer Meister zu werden. Die Götter müssen verrückt sein!

 

Beinahe in die 4. Liga abgestürzt

Einige der damals erfolgreichen Spieler sind: Giannis Galitsios, Georgios Mitsimponas, Michalis Ziogas, Ioannis Alexoulis und Vassilios Karapialis. Wappentier des Vereins ist das Pferd, das auch im Altertum Symbol der Stadt Larissa war, aufgrund der bedeutendsten Pferdezucht Griechenlands.

Zu diesem unglaublich anmutenden Erfolg kommen seitdem (Stand: April 2020) nur die griechischen Pokalsiege von 1985 und 2007. Im gleichen Jahr gelingt auch einem deutschen Team eine verrückte Episode in seiner nicht eben langweiligen Vereinshistorie: Der 1. FC Nürnberg schafft im UEFA-Pokal als amtierender DFB-Pokalsieger in Larisa im letzten Vorrundenmatch (3:1) unter der Regie von Kult-Coach Hans Meyer noch den Sprung in die K.o.-Runde.

Da hat Larisa das schwärzeste Kapitel der Vereinshistorie schon hinter sich: In der Saison 2002/2003 wird der Abstieg des Sensationsmeisters von 1988 in die 4. Liga gerade noch abgewendet. Vier Jahre später ist man wieder obenauf: Griechischer Pokalsieger durch ein 2:1 über den Branchenriesen Panathinaikos Athen. Übrigens: Larisa ist bis heute der einzige Verein aus einer Provinz, der Meister in Griechenland wurde.

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