5 Jahre nach Rio: Deutschlands Weltmeister am Scheideweg


Mario Götze schoss Deutschland am 13. Juli 2014 im Finale gegen Argentinien (1:0 n. V.) zum 4. Weltmeisterschaftstitel.
Mario Götze schoss Deutschland am 13. Juli 2014 im Finale gegen Argentinien (1:0 n. V.) zum 4. Weltmeisterschaftstitel.

Rio de Janeiro, Estadio Maracana, 13. Juli 2014. Deutschland gewinnt durch ein Tor von Mario Götze (heute 27) mit 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien zum 4. Mal die Fußball-Weltmeisterschaft.

5 Jahre nach One Night in Rio, so der Titel eines faszinierenden, offiziellen DFB-Bildbandes zu ,,unserer Nacht vom 4. Stern”, stehen längst nicht mehr alle Weltmeister von 2014 im Rampenlicht. Um einige ist es still geworden, ein anderer ist in der 3. Liga gelandet.

Einen höchst wechselvollen Karriere-Weg hat seitdem Mario Götze, dessen Stern exakt 5 Jahr vor dem Triumph von Rio bei der U17-Heim-EM 2009 aufgeht, genommen. Damals in Diensten des FC Bayern München, hat sich der Siegtor-Schütze lange auf die Suche nach der verlorenen Zeit gemacht.

So unbekümmert wie in seiner Rekord-Saison 2012/2013 bei Borussia Dortmund, ein Jahr vor der WM und vor seinem ominösen Wechsel nach München, hat man den begnadeten Halbstürmer nie wieder gesehen. Sein kongenialer Passgeber sucht im 5. Jahr nach dem WM-Titelgewinn sogar händeringend nach einem neuen Klub.

Die Nacht von Rio: André Schürrle und Freundin Montana feiern den WM-Titelgewinn für Deutschland am 13. Juli 2014 in Rio de Janeiro.
Die Nacht von Rio: André Schürrle und Freundin Montana feiern den WM-Titelgewinn für Deutschland am 13. Juli 2014 in Rio de Janeiro. (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Deutschlands Weltmeister von 2014: Soviel Glamour war nie

Manuel Neuer war 2014 mit dem Gewinn des Weltmeistertitels mit Deutschland und der Auszeichnung zum besten Torhüter des Turniers auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Für Lionel Messi (r.) war die Auszeichnung zum ,,besten Spieler des Turniers" eher eine Farce...
Manuel Neuer war 2014 mit dem Gewinn des Weltmeistertitels mit Deutschland und der Auszeichnung zum besten Torhüter des Turniers auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Für Lionel Messi (r.) war die Auszeichnung zum ,,besten Spieler des Turniers" eher eine Farce...

Es ist André Schürrle (28), der bei Borussia Dortmund als Millionen teurer Flop nach 3 erfolglosen Jahren und einer Leihe zum FC Fulham inklusive Premier-League-Abstieg (2019) keine Zukunft mehr hat.

Der Linksaußen hat in der zähen Partie gegen die ,,Gauchos”, die auf dem Weg ins Finale nur wenige überzeugende Momente haben, in der 113. Minute endlich einmal auf seiner Seite durchgesetzt.

Er sieht seinen Freund Mario Götze, den Joachim Löw 2 Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit für WM-Rekord-Torjäger Miroslav Klose (16 Treffer) der Legende nach mit den prophetischen Worten ,,Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi” eingewechselt hat. Das gelingt dem ,,deutschen Messi” und hört sich in der unvergessenen ARD-Reportage von Tom Bartels so an: ,,Schürrle… der kommt an… mach ihn, mach iiiihn… Maaaario Götze”. Gemeint ist dieser entscheidende, ja epische Moment, auf den Fußball-Deutschland 24 Jahre lang gewartet hat: Götze nimmt den Ball an und jagt ihn fast in der selben Bewegung vorbei an Argentiniens Keeper Sergio Romero ins lange Eck. Als die Partie zu Ende ist und sich die deutschen Sieger zum Mannschaftsfoto stellen, holt Götze das Trikot mit der Rückennummer 21 heraus. Es gehört seinem Freund Marco Reus (damals 25) von Borussia Dortmund, der sich im letzten WM-Test gegen Armenien so schwer verletzt hat, dass er die Endrunde verpasst.

Die Nacht von Rio wird lang. Party-Fotos mit Sängerin Rihanna, eine eigene Dokumentation (,,Die Mannschaft”) und Social-Media-Rummel auf allen Kanälen. ,,Ab diesem Zeitpunkt ging es immer nur darum, an diese Legende anzuknüpfen“, sagt Schürrle später in der Dokumentation „Being Mario Götze“ des Streaminganbieters DAZN, „ich beneide Mario nicht um das Tor.“

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Manuel Neuer im EM-Quali-Spiel in Weißrussland: Er bringt den Ball gegen Juri Kowalew unter Kontrolle..

Götze: ,,Ich war ein Judas"

Philipp Lahm nimmt 2014 den Weltmeisterschafts-Pokal entgegen. Foto: Getty Images
Philipp Lahm nimmt 2014 den Weltmeisterschafts-Pokal entgegen. Foto: Getty Images

Im Siegestaumel geht unter, dass es trotz des entscheidenden Treffers gegen Argentinien und seinen enttäuschenden Superstar Lionel Messi nicht die WM des Mario Götze ist.

,,Die Leute vergessen, wie beschissen dieses Turnier für mich bis zum Schluss war“, schreibt der seit 2016 wieder für Borussia Dortmund aktive Offensivspieler zuletzt in einem Gastbeitrag der Internet-Plattform The Players Tribune, ,,ich gehörte nicht zur Stammformation und war daher deprimiert.” Götze fällt in München und später in Dortmund in ein Leistungstief, nach einer Stoffwechselerkrankung im Februar 2017 steht sogar die Karriere auf dem Spiel. Erst unter Coach Lucien Favre (61) gelingt 2018/2019 beim BVB die Wende. Mario spielt wieder Götze. Aber auch der Sonnyboy des deutschen Fußballs spürt den Fluch der guten Tat. „Einige der größten Momente, die ich im Fußball erlebt habe, sind direkt nach den dunkelsten gekommen. Umgekehrt ist es genauso. Ich war ein Judas, dann ein Held, dann eine Enttäuschung, dann war ich fast raus aus dem Fußball. Das alles in nur vier Jahren“, sagt Götze rückblickend.

Die deutschen WM-Siegtorschützen – vom Glück verfolgt sind sie allesamt nicht! Helmut Rahn (,,Helmut, erzähl mich dat Tor”) 1954 und Gerd Müller (1974) kommen mit der riesigen Popularität nicht zurecht, haben Alkoholprobleme. ,,Big Brehme”, wie der Boulevard den 1990er-Siegtorschützen nennt, gerät in finanzielle Schieflage. Seine Villa in Straßlach bei München muss 2014 zwangsversteigert werden.

So weit kommt es bei den deutschen Weltmeistern von 2014 nicht. Aber einige von ihnen sind heute – wie André Schürrle – auf der Suche nach der verlorenen Zeit. ,,Schü”, wie der Noch-Dortmunder genannt wird, sucht ebenso einen neuen Verein wie Jérome Boateng, der beim FC Bayern vor dem ,,Aus” steht. Ron-Robert Zieler, 3. Keeper und wie Kevin Großkreutz (damals BVB) ohne Einsatz Weltmeister, ist mit dem VfB Stuttgart aus der Bundesliga abgestiegen. Großkreutz macht 2016 den vorherigen Abstieg der Schwaben aus der 1. Liga mit und spielt inzwischen beim KFC Uerdingen in der 3. Liga. Benedikt Höwedes spielt bei Lokomotive Moskau seit 2018  abseits vom Rummel.  Ihre Karriere beendet haben Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Per Mertesacker und der als 2. Keeper nominierte Ex-Dortmunder Roman Weidenfeller.

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