,,Der Tiefpunkt des deutschen Fußballs”


Stefan Beinlich (vorn) und Bastian Reinhardt vom Hamburger SV nach dem unglaublichen Pokal-Aus beim SC Paderborn am 21. August 2004. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Der 15. Jahrestag von ,Hoyzergate”, dem Schiedsrichter-Manipulations-Skandal, der den deutschen Fußball in seinen Grundfesten erschüttert, ist erst am 21. August. 

Die beiden Mannschaften in der von Schiedsrichter Robert Hoyzer aus Berlin damals verschobenen Partie, der SC Paderborn und der Hamburger SV, spielen am Dienstag um den Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale.

Zwar hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sich inzwischen seit 2005 durch Sportradar und durch die Einsetzung eines Ombudsmannes (seit 2011) besser gegen mögliche Spiel-Manipulationen abgesichert, doch vergessen kann man die Sache nicht.

Besonders dann nicht, wenn es am Dienstag wieder um so viel geht.

Barbarez traf in 36 Spielen für Dortmund sechsmal. Foto: Getty Images
Barbarez traf in 36 Spielen für Dortmund sechsmal. Er wechselte 2000 vom BVB zum Hamburger SV. Foto: Getty Images

Toppmöller sicher: ,,Hoyzer hat mich den Job gekostet"

Nicht nur HSV-Trainer Klaus Toppmöller (r.) und sein Assistenzcoach Ralf Zumdick haben in Paderborn das Gefühl, dass irgendetwas schwer an ihnen vorbei läuft... (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)
Es ist keine Verbitterung. Dennoch ist Trainerlegende Klaus Toppmöller (67) überzeugt davon, dass die Dinge für ihn beim Hamburger SV einen anderen Lauf genommen hätten.

,,Der Schiedsrichter hat mich den Job gekostet”, sagt Toppmöller später über die von Robert Hoyzer offensichtlich falsch geleitete Pokal-Partie im August 2004 beim SC Paderborn.

,,Wir waren gut drauf bis zur Partie in Paderborn. Aber dann ging’s abwärts. Die Vorwürfe standen schon nach dem Spiel. Jede Kleinigkeit wurden gegen uns gepfiffen und es war offensichtlich, dass irgendwas im Busch ist. Die Spieler haben mir dann auch gesagt, nach dem Spiel sind Worte gefallen in der Paderborner Kabine: Die können spielen wie sie wollen, die haben hier keine Chance”, erinnert sich ,,Toppi.”

Was ist passiert? Der HSV führt im beschaulichen Paderborn bereits mit 2:0. Nichts deutet auf eine Pokal-Sensation in Ostwestfalen hin. Doch dann greift Schiedsrichter Robert Hoyzer ,,gewinnbringend” ein und leitet mit 2 unberechtigten Elfmetern für Paderborn und einer frühen Roten Karte für den HSV-Stürmer Emile Mpenza die Wende ein.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Barbarez: ,,Der deutsche Fußball war mit der Aufarbeitung überfordert"

,,Irgendetwas ist hier faul": Sergej Barbarez legt sich mit Schiedsrichter Robert Hoyzer an. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Auch Sergej Barbarez hat während der Partie ,,ein mulmiges Gefühl.”

Der bosnische Star des Hamburger SV berichtet vor der Neuauflage der Partie im Kicker-Sportmagazin: (Montag-Ausgabe): ,,Es gab im Spiel Momente, in denen ich dachte: Irgendetwas ist hier faul. Aber dieses Ausmaß war natürlich nicht in meinem Kopf. Niemand konnte sich in Deutschland vorstellen, dass ein Schiedsrichter ein Spiel verschiebt.”

Eben! Die stets ein wenig naiv daher kommende deutsche Fußball-Öffentlichkeit fällt aus allen Wolken. ,,Für den deutschen Fußball interessiert sich nur die kroatische Wett-Mafia”, lautet ein gängiger Spruch ein Jahr vor der Heim-WM. Im Januar 2005 fliegt der ganze Schwindel endgültig auf, mit ,,Hoyzergate” hat der deutsche Fußball einen Skandal, den er vor der WM im eigenen Land nun mal gar nicht gebrauchen kann.

,,Paderborn war nicht der Tiefpunkt meiner Karriere”, stellt Barbarez im Interview klar, ,,es war der Tiefpunkt für den deutschen Fußball! Das haben auch die Anfänge der Aufarbeitung gezeigt. Hamburg hat als Wiedergutmachung ein Freundschafts-Länderspiel bekommen, ich habe das als betroffener Spieler als lächerlich empfunden. Da hat gezeigt, wie überfordert der deutsche Fußball damit war.” Aufarbeitung und DFB, das ist ja immer so eine Sache… Robert Hoyzer ist vor dem Landgericht Berlin im November 2005 geständig und kassiert eine 2-jährige Gefängnisstrafe, aus der er 2008 wegen ,,guter Führung” vorzeitig entlassen wird. Seit seinem Abschied als technischer Direktor beim Berliner AK in der Regionalliga im Oktober 2017 ist es still um den Ex-Referee geworden.

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