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Diese 11 Fußball-Stars endeten tragisch


DIE STORY IN KURZEN VIDEOS

DIE STORY IN KURZEN ESSAYS

Lebensdramen einiger der größten Fußballer und Trainer aller Zeiten

Sócrates im Trikot des AC Florenz. Für die Fiorentina spielte die tragische Figur des brasilianischen Fußballs nur eine Saison, 1984/85.
Sócrates im Trikot des AC Florenz. Für die Fiorentina spielte die tragische Figur des brasilianischen Fußballs nur eine Saison, 1984/85. Foto: Imago Images / Aflosport
Wenn man ganz oben im nationalen oder internationalen Fußballgeschäft ist, ganz oben, sollte das bis Mitte 30 verdiente Geld eigentlich ausreichen, um mit Hilfe einiger fortgesetzter Werbeeinnahmen ein einigermaßen auskömmliches Leben zu führen.

Doch es gibt eine ganze Reihe von Fällen, da hat das Geld aus der Fußballkarriere nicht gereicht. Und diese Superstars verarmen nach der Karriere und sterben letztlich in Armut. Oder sie endeten im Suff, in der Gosse oder bringen sich gar um. Einige sterben auch durch einen tragischen Unfall viel zu früh. Oder sie haben einfach psychische Probleme. Wir beschreiben die 11 tragischsten Fälle der Fußballgeschichte. Die Teilnahme am RTL-Dschungelcamp reicht übrigens nicht zur Aufnahme in diese Liste. Genauso wenig wie einige dämliche ruinöse Immobiliengeschäfte.

Denn es geht uns um wirklich tragische Fälle. Um die Lebensdramen von einigen der größten Fußballer und Trainer aller Zeiten. Und es sind diverse Nationalitäten und Fußballer aus verschiedenen Fußball-Epochen in unserem Dossier. Aus den Anfängen des professionellen Fußballs, dem goldenen Zeitalter der fußballerischen Spielfreude von 1945 bis 1970 und der globalisierten Fußballszene der letzten 50 Jahre.

Und es sind alle vertreten. Überragende Stürmer, geniale Trainer, filigrane Mittelfeldspieler, Torhüter mit dem gewissen Etwas. Abwehrkanten, die im richtigen Leben versagen oder einfach nicht zurechtkamen. Vielleicht fehlt ihnen der Ruhm auf dem Platz, die Tatsache nicht mehr in der Öffentlichkeit zu stehen, die Bewunderung der Fans. Vielleicht hatten sie aber auch einfach nicht gelernt, wie man im richtigen Leben außerhalb der Arena zu Recht kommt.

Auch Trainer sind betroffen

Trainer Branko Zebec (Frankfurt) zu betrunken, um seine Brille aufzusetzen…
Trainer Branko Zebec (Frankfurt) zu betrunken, um seine Brille aufzusetzen… Foto: Imago Images / WEREK

Das Ende ist jedenfalls in allen Fällen tragisch. Denn so hoch sie in ihrer Fußball-Karriere fliegen, so tief fallen sie. (Keine) Ausnahme sind natürlich die Trainer. Zum Teil ebenfalls hervorragende Fußballer, halten diese den Druck an der Seitenlinie nicht aus.

Und hier ist auch die Bundesliga vertreten. Wobei unsere Auswahl mit Sicherheit nicht die einzigen Trainer (und Spieler umfasst), die gesoffen haben. Nur hatten und haben sie sich unsere Beispiele eben nicht so im Griff wie einige andere, die nach den Spielen soffen und eben nicht offensichtlich an den Folgen des Alkoholkonsums gestorben sind.

Das tragischste Beispiel für uns ist ein Volksheld, der zu den besten Spielern aller Zeiten gehörte. Wenn er zusammen mit dem anderen Genius auf dem Platz steht, verliert sein Team kein einziges Spiel.

Überhaupt verliert er mit der Nationalmannschaft nur ein Spiel. Eine Leistung, die bis heute unerreicht ist und wohl auch für lange Zeit bleiben wird. Diese Geschichte erzählen wir zum Schluss des Beitrags.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Tragik 11 – Tragik 9: Vom Klassenschelm bis zur Ruhrpottlegende

11. Paul Gascoigne und die Boozing-Kultur der englischen Arbeiterklasse

Paul Gascoigne spielte drei Jahre für die Glasgow Rangers.
Paul Gascoigne spielte drei Jahre für die Glasgow Rangers. Foto: Imago Images / Colorsport

Paul Gascoigne ist einmal der großartigste Fußballer Englands gewesen. Heute ist er eher ein Wrack – nach diversen gespenstischen Auftritten in der Öffentlichkeit und diversen fehlgeschlagenen Alkohol-Entzugskuren.

Wirklich losgeworden ist Gascoigne die Rolle des Klassenclowns im Lauf seines Lebens eigentlich nie. Schon als begnadeter Fußballer ist er die notorische Spaßmaschine in allen Mannschaftskabinen. Bis heute lieben die Leute die humorig- bizarren Gascoigne-Klassiker, fast jeder Fan auf der Insel kennt eine derbe Episode von und mit „Gazza.“

Etwa wenn er erzählt, wie er damals die Schuhe seines kompletten Teams vertauscht hat. Oder wie er eigenhändig einen Bus voller Touristen um den Piccadilly Circus herum steuert bzw. die zu pflegenden Edel-Fußballschuhe von Newcastles Superstar Kevin Keegan in der U-Bahn liegen lässt… Wohl dem glücklichen Finder!

Dafür lieben sie ihn in England. „Boozing“ ist auf der Insel immer noch gesellschaftsfähig. Doch in Wahrheit gibt es über ihn schon kurz nach Ende der Karriere als aktiver Fußballer nichts mehr zu lachen.

Tiefpunkt im Jahr 2015

Paul Gascoigne im Fußballtempel von Wembley: „Gazza“ zeigt sich nach dem formidablen 4:1 mit England gegen Holland bei der EURO 1996 als Triumphator. Foto: Imago Images / Sven Simon

2015 ist der bis dato absolute Tiefpunkt im Leben des Mannes, der einmal der großartigste Fußballer Englands war, die Hoffnung einer Sportnation. Aber die nach oben offene „Gazza“-Skala für Auftritte zum Fremdschämen könnte noch weiter ausschlagen. Tatsächlich bringt der junge Paul Gascoigne alles mit, was man für eine gute Sportlerstory braucht.

Er stammt aus ärmlichen Verhältnissen, kicken lernt er mit einem Tennisball, weil sich seine Eltern keinen Fußball leisten können. Bald wird er als großes Talent entdeckt und unterschreibt einen Vertrag bei Tottenham Hotspur. 1988 wählt man ihn zum „Nachwuchsfußballer des Jahres“. Seinen Durchbruch aber schafft „Gazza“ bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien, als herausragender Akteur führt er die englische Auswahl bis ins Halbfinale.

Unvergessen ist die Szene, in der Gascoigne im Duell gegen Deutschland die zweite Gelbe Karte sieht – und hemmungslos in sein Trikot heult, weil er nun für ein mögliches Finale gesperrt gewesen wäre. Doch so weit kommt es nicht: Gegen Deutschland ist im Elfmeterschießen Endstation, England scheidet aus. Gascoigne und Co. sind dennoch bis 2018 als Vierter Englands erfolgreichste Mannschaft bei einer Weltmeisterschafts-Endrunde.

Vielleicht ist „Gazza“ nie besser als während dieser WM – dribbel- und kampfstark, ein Antreiber mit unkonventionellen Ideen. Und doch gibt es bereits damals die selbstzerstörerische Seite des Engländers. In seiner Autobiographie (Gazza. Mein verrücktes Leben. Verlag: Bobus, 2005) beschreibt er später, wie er in der Nacht vor dem Deutschland-Spiel keinen Schlaf findet. Ruhelos wandert er durchs Hotel und tritt schließlich zur Zerstreuung auf der hauseigenen Anlage zum Tennismatch gegen zwei Amerikaner an. Und das in der Nacht vor dem wichtigsten Spiel seiner Karriere.

Binge Drinking und Boozing

Paul Gascoigne ist in Tottenham, hier 2019, immer noch ein Publikumsliebling.
Paul Gascoigne ist in Tottenham, hier 2019, immer noch ein Publikumsliebling. Foto: Imago Images / Colorsport
Noch. Später greift Gascoigne gegen seine Schlaflosigkeit immer häufiger zu Alkohol und Tabletten. Ständige Verletzungen und Undiszipliniertheiten werfen ihn sportlich zurück, in den Pausen vom Fußball entdeckt er den Suff als Mittel gegen Einsamkeit und Langeweile.

1992 wechselt Gascoigne zu Lazio Rom, nach ein paar enttäuschenden Jahren in Italien zieht er weiter zu den Glasgow Rangers. Dort klappt es sportlich wieder besser, doch immer wieder geriet er mit privaten Eskapaden in die Schlagzeilen. Seine Frau Sheryl prügelt er 14 Wochen nach der Hochzeit krankenhausreif; nach der kostspieligen Scheidung und diversen Sauf-Exzessen macht „Gazza“ 1998 Bekanntschaft mit einer Entzugsklinik. „So wird Gascoigne nicht mal 40“, fürchtet das Kicker-Sportmagazin damals schon… Im gleichen Jahr endet sein Vertrag  bei den Glasgow Rangers. „Ich bereue bis heute den Tag, an dem ich die Rangers verlassen habe“, sagt Gascoigne Jahre später nicht ohne Wehmut dem Klubmagazin des schottischen Traditionsklubs. Binge Drinking und Boozing sind in England sowohl in der Arbeiterschicht als auch in der bürgerlichen Mittelschicht und der Oberschicht immer noch ein ausgeprägter Teil der Alltagskultur.

„Betrunken wie ein Lord“ ist heute noch genauso eine typische Redewendung wie die alten Rituale des Zutrinkens und Wettsaufens gerade im Arbeitermilieu nach wie vor eine Bedeutung haben. Umso verblüffender ist es, welche Leistungen Gascoigne auch in seiner späten Karrierephase noch zeigt. 2002, als er beim FC Everton unter Vertrag steht, betankt er sich – so schildert er es später in einem Interview – vor dem Match gegen den AFC Sunderland mit dreieinhalb Flaschen Wein, zwei dreifachen Brandys und 13 Schlaftabletten.

Gascoigne spielt, fährt nach Hause und schläft ein. Als er am nächsten Morgen aufwacht, sagte er später, habe er sich an nichts erinnert. Aber neben seinem Bett steht eine leere Champagnerflasche. Man hatte ihn zum „Man of the Match“ gewählt. Doch solche Lichtblicke können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nun mit der sportlichen Karriere steil bergab geht. Zum Schluss tingelt er von Klub zu Klub, probiert es nacheinander mit Engagements in der englischen zweiten Liga, in China, Portugal und schließlich im Jahr 2005 als Trainer beim Sechstligisten Kettering Town. Dort wird er nach nur 39 Tagen entlassen – Gascoigne sei „vor, während und nach Spielen der ersten Mannschaft alkoholisiert“ gewesen, heißt es von der Klubführung. Währenddessen wird die Liste seiner Alkohol- und Drogeneskapaden immer eindrucksvoller.

Vier Flaschen Whiskey und 16 Linien Koks

Paul Gascoigne, hier 2013 mal wieder in Begleitung von Polizisten, gab sich zeitweise laut eigener Aussage vier Flaschen Whiskey und 16 Linien Koks am Tag.
Paul Gascoigne, hier 2013 mal wieder in Begleitung von Polizisten, gab sich zeitweise laut eigener Aussage vier Flaschen Whiskey und 16 Linien Koks am Tag. Foto: Imago Images / i Images

„Vier Flaschen Whiskey und 16 Linien Koks“ gönnt sich Gascoigne nach eigener Aussage in dieser Zeit – und zwar täglich. 2008 landet er insgesamt dreimal in der Psychiatrie, einmal, nachdem man ihn betrunken und verwirrt in einem Londoner Friseursalon aufgegriffen hat. Ein halbes Jahr verbringt der gefallenen Fußballer damals in einer Reha-Einrichtung und zieht danach in eine Wohnung am Meer, nach Bournemouth.

Zunächst scheint es, als hätte er sein Leben gerade noch in den Griff bekommen. Doch dann folgt jener erschütternde Auftritt bei der Charity-Gala in Northampton. Etwas, so scheint es, hatte Gascoigne erneut aus der Spur gebracht. Es folgte der nächste Entzug. Radio-Moderator Chris Evans, Kricketspieler Ronnie Irani, Ex-Fußballstar Gary Lineker und TV-Moderator Piers Morgan setzten ihn laut dem Boulevardblatt The Sun in ein Flugzeug nach Phoenix, Arizona. Weil Gascoigne pleite ist, die Scheidung, die Suff- und Drogenexzesse haben sein Geld aufgezehrt, sollen sie auch die Kosten für die dortige Entzugsklinik übernommen haben. Natürlich bleiben ihm die Boulevardmedien auch in Amerika auf der Spur. Es gibt wenig später ein Foto, das Gascoigne gleich nach der Ankunft in Phoenix zeigte. Die Sun hat es gedruckt. Man sieht Gascoigne, wie er in einer Flughafen-Bar kauerte. Er hat sich ein großes Glas Bier bestellt. Ob Gascoigne die Kurve kriegt oder endet wie George Best? Ob er überhaupt dessen Alter erreicht? All das ist ungewiss. Viel Glück.

 

Erfolge

Englische Nationalmannschaft

Teilnehmer an der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 (6 Spiele, kein Treffer; 4. Platz)

Teilnehmer an der Fußball-Europameisterschaft 1996 (5 Spiele, ein Treffer; Aus im Halbfinale)

Im Verein

Gewinner des FA Cups: 1991 mit Tottenham Hotspur

Gewinner der schottischen Meisterschaft: 1996, 1997 mit Glasgow Rangers

Gewinner des schottischen Pokals: 1996

Gewinner des schottischen Ligapokals: 1996, 1998

Individuelle Ehrungen

Schottlands Fußballer des Jahres: 1996

10. Socrates und der Suff

Socrates war ein brasilianischer Nationalspieler. Elegant, aber nie unumstritten.
Socrates war ein brasilianischer Nationalspieler. Elegant, aber nie unumstritten. Foto: Imago Images / Colorsport
Sócrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira, auch bekannt als „Dr. Sócrates“ – Brasilianischer Fußballspieler. Kinderarzt – und Inbegriff des tragischen Helden im Land des Rekord-Weltmeisters.

Es ist August 2011. Sócrates ist auf dem Weg zur Endstation. Er wird mit Magenblutungen und entzündeter Leber in ein Krankenhaus eingeliefert, muss mehrere Tage auf der Intensivstation verbringen. In diesem Zusammenhang macht er seine Alkoholprobleme öffentlich. Wenige Monate später, am 4. Dezember 2011, stirbt er im Alter von 57 Jahren in São Paulo an einer durch eine Darminfektion verursachten Sepsis. Socrates debütiert in der „Selecao“ am 17. Mai 1979 gegen Paraguay und spielt insgesamt 60 Mal für die brasilianische Fußballnationalmannschaft. Dabei erzielt der Mittelfeldregisseur 22 Tore. Sócrates ist Brasiliens Kapitän bei den Fußballweltmeisterschaften 1982 in Spanien und 1986 in Mexiko.

Der Mann mit dem längsten Namen unter allen offiziell registrierten WM-Teilnehmern ist ein Leistungsträger der brasilianischen Nationalmannschaft der 1980er Jahre. Zusammen mit Zico („Der weiße Pelé“), Falcão und Toninho Cerezo bildet der 1,92 m große Hüne das „magische Mittelfeld-Quartett“ Brasiliens, das auch die „Fantastischen Vier“ genannt wird.

Dieses Team kann, obwohl besonders vor der WM 1982 in Spanien favorisiert, nie den Weltmeistertitel gewinnen. Es gilt in Brasilien zusammen mit der 1970er Weltmeistermannschaft um Fußball-Genie Pelé dennoch als die beste „Seleção“ aller Zeiten. Besonders unglücklich ist dabei das Ausscheiden bei der WM 1986. Denn dort scheitert das so ambitionierte Star-Ensemble unglücklich knapp vor dem Halbfinale. Und Sócrates, der Elfmeter immer aus dem Stand schießt, vergibt. Platini und Júlio César treffen ebenfalls nicht, aber Frankreich gewinnt das Elfmeterschießen mit 4:3. Nach der WM tritt Sócrates aus der Nationalmannschaft zurück.

„Ich möchte an einem Sonntag sterben und Corinthians (São Paulo) soll Meister werden“

Socrates hatte sich über Jahrzehnte vom Profifußball zurückgezogen.
Socrates hatte sich über Jahrzehnte vom Profifußball zurückgezogen. Sein Ende war tragisch. Foto: Imago

Falcão und Zico folgen ebenfalls, so dass eine der großen Ären der brasilianischen Nationalelf zu Ende geht. Allerdings auch eine der erfolglosesten. Denn zu einem Weltmeistertitel reicht es eben nicht.

Nach eigener Aussage raucht Socrates täglich 20 Zigaretten, trainiert eher wenig, feiert dafür aber umso mehr. Bei Corinthians São Paulo setzt er basisdemokratische Strukturen durch (die sogenannte Democracia Corinthiana), sodass die Spieler fortan alles bestimmen. Von den Trainingszeiten bis hin zum Speiseplan. Sócrates, der 192 cm groß war, aber nur Schuhgröße 41 hat und berühmt für seine Absatzkicks und Steilpässe mit der Hacke ist, gilt als Enfant terrible des brasilianischen Fußballs.

Er ruft die Fans dazu auf, sich gegen die damalige Militärdiktatur und für die Demokratie zu engagieren. Zu seinen fußballerischen und politischen Mitstreitern gehören der Kommunist und linke Verteidiger Wladimir sowie der damals noch junge Walter Casagrande. Während der zwei Meisterschafts-Spielzeiten 1982 und 1983 nutzen Casagrande und die Democracia Corintiana immer wieder den Fußballplatz zur Demonstration ihrer politischen Einstellung, um beispielsweise in Trikots aufzulaufen, die den Slogan „Demokratie jetzt“ tragen.

Sócrates ist studierter Arzt und wird daher von Fans und Median auch Dr. Sócrates genannt. Da er parallel zu seiner Laufbahn als Fußballprofi sein Studium absolviert, verpasst er die Teilnahme an der WM 1978 in Argentinien. Im Jahr 1983 antwortet er in einem Interview auf die Frage, wie er sterben wolle mit: „Ich möchte an einem Sonntag sterben und Corinthians (São Paulo) soll Meister werden“. Und Sócrates stirbt an einem Sonntag. Und wenige Stunden danach gewann Corinthians die Meisterschaft.

 

Erfolge

Südamerikas Fußballer des Jahres: 1983

Mit Botafogo-SP

Gewinn des Vicente Feola Turniers: 1976
Gewinn des Taça Cidade de São Paulo: 1977

Mit Corinthians

Gewinn der Campeonato Paulista: 1979, 1982 & 1984

Mit Flamengo

Gewinn der Campeonato Carioca: 1986
Campeonato Carioca Finalteilnehmer: 1987
Gewinn der Copa União: 1987

Mit Brasilien

Dritter der Copa América 1979
Vize-Meister der Mini-WM 1980/81[6]
Vize-Meister der Copa América 1983
FIFA Fair Play Trophy der FIFA 1982

9. Reinhard „Stan“ Libuda (Von Schalke zu Dortmund nach Schalke)

Reinhard Libuda (links) war - genauso wie Franz Beckenbauer - eine prägende fußballerische Figur seiner Zeit. Foto: Imago
Reinhard Libuda (links) war - genauso wie Franz Beckenbauer - eine prägende fußballerische Figur seiner Zeit. Foto: Imago
Reinhard „Stan“ Libuda ist bis heute eine Legende im Ruhrpott geblieben. Auf beiden Seiten des großen Grabens, bei Schalke 04 und bei Borussia Dortmund, hat der „deutsche Garrincha“ seine Spuren hinterlassen. Sein Spitzname „Stan“ geht auf den englischen Super-Dribbler Sir Stanley Mathews zurück.

Die Karriere des Reinhard Libuda, eines begnadeten Rechtsaußen, beginnt der Jugend von Gelsenkirchen, ehe er 1961 in den Profikader aufsteigt und zum Schalker Publikumsliebling avanciert. 1965 wechselt Libuda dann zum Erzrivalen nach Dortmund. Dort schießt er mit der berühmtesten Bogenlampe der deutschen Fußballgeschichte den BVB 1966 im Finale gegen den FC Liverpool (2:1 n. V.) in Glasgow zum Europapokal der Pokalsieger. Zwei Jahre später geht er wieder zurück zu seinem Herzensverein Schalke 04 und führt „die Knappen“ als Kapitän 1972 zum DFB-Pokalsieg. Libuda ist der einzige Spieler der zwischen den rivalisierenden Klubs hin- und herwechselt und beide Fangruppen lieben ihn trotzdem.

Die Zeit nach dem Fußball ist für Libuda weniger glücklich. Lange Zeit, vor allem nach der Trennung von seiner Ehefrau, lebt er zurückgezogen in Gelsenkirchen-Haverkamp.

Da er am Anfang seiner Karriere seine Lehre zum Maschinenschlosser abgebrochen hat, findet er lange Zeit keine Arbeit, bevor er mit Hilfe seines ehemaligen Schalker Teamkollegen Rolf Rüssmann († 2009) einen Job bei der Thomas-Gruppe, einer Papierveredlungsfirma im Haverkamp, bekommt. Später betreibt er den von Schalke-Idol Ernst Kuzorra übernommenen Tabakladen auf der Kurt-Schumacher-Straße in Schalke, er übergibt diesen später an Heinz van Haaren. Wegen seiner schweren Erkrankung an Kehlkopfkrebs lässt sich Libuda 1992 operieren. Er stirbt 1996 mit 63 Jahren an einem Schlaganfall – viel zu früh. Er ist der erste Spieler der Mannschaft aus dem Jahrhundertspiel von 1970, der verstarb. Die Beisetzung findet auf dem Ostfriedhof von Gelsenkirchen statt.

Übrigens: „An Jesus kommt keiner vorbei! Außer Stan Libuda.“

Reinhard Libuda wird auf Schalke noch heute verehrt. Foto: Imago
Reinhard Libuda wird auf Schalke noch heute verehrt. Foto: Imago
Die Dribbelstärke Libudas gilt bis heute als legendär. Als in den 1960er Jahren der Prediger Werner Heukelbach im Ruhrgebiet eine Veranstaltungsreihe durch Plakate mit der Aufschrift „An Jesus kommt keiner vorbei“ bewarb, schreiben Fans unter jedes Plakat den Zusatz „… außer ‚Stan‘ Libuda.“

Im Laufe der Jahre entwickelte sich daraus der Spruch „Keiner kommt an Gott vorbei – außer Stan Libuda“, was einer Frühform der Chuck-Norris-Facts gleichkommt. Der Spruch ist auch Untertitel eines Musicals über den FC Schalke 04. Ob das Plakat allerdings für Heukelbach, die Zeugen Jehovas oder den US-amerikanischen Prediger Billy Graham („Das Maschinengewehr Gottes“) wirbt, darüber sind die Darstellungen heute sehr unterschiedlich.

Fest steht: 1970, während der Weltmeisterschaft in Mexiko, sagt Bulgariens Trainer, nachdem seine Verteidiger an dem hakenschlagenden Libuda gescheitert sind: „Diesen Mann kann man nur mit einer Flinte erlegen.“

2003 entdeckt ein Fan einen Schreibfehler auf dem Grabstein von Reinhard Libuda. Reinhard steht dort mit „ai“ statt mit „ei“ geschrieben. Der königsblaue Anhänger meldet sich beim FC Schalke 04; der damalige Manager Rudi Assauer († 2019) verspricht, einen neuen Grabstein in Auftrag zu geben. Aber erst 2004 wird der Grabstein auf Initiative und nach Protestaktionen eines weiteren Libuda-Fans geändert.

Stan Libudas Tor im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger 1966 gegen den FC Liverpool wird von den Fans im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen von Borussia Dortmund bei der Wahl zum „BVB-Tor des Jahrhunderts“ im Dezember 2009 auf den zweiten Platz gewählt. Die Zufahrtsstraße westlich der Veltins-Arena in Gelsenkirchen trägt den Namen „Stan-Libuda-Weg“.

 

Erfolge

Mit Borussia Dortmund:

Europapokal der Pokalsieger: 1966

DFB-Pokal: 1972 (mit Schalke 04)

Deutscher Vizemeister: 1966, 1972 (mit dem BVB und Schalke 04)

Nationalmannschaft:

Weltmeisterschafts-Dritter: 1970

Persönliche Auszeichnungen:

Ehrenspielführer des FC Schalke 04

Mitglied der „Jahrhundertelf“ des FC Schalke 04

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