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Diese 11 Fußball-Stars endeten tragisch

Diese 11 Fußball-Stars endeten tragisch. Im Suff, in der Gosse, in Armut oder sie starben viel zu früh. Garrincha, Gascoigne, Müller, Fashanu, Libuda, Best, Zebec, Enke

Trainer Branko Zebec (Frankfurt) zu betrunken, um seine Brille aufzusetzen…

Wenn man ganz oben im nationalen oder internationalen Fußballgeschäft ist, ganz oben, sollte das bis Mitte 30 verdiente Geld eigentlich ausreichen, um mit Hilfe einiger fortgesetzter Werbeeinnahmen ein einigermaßen auskömmliches Leben zu führen.

Doch es gibt eine ganze Reihe von Fällen, da hat das Geld aus der Fußballkarriere nicht gereicht. Und diese Superstars verarmen nach der Karriere und sterben letztlich in Armut. Oder sie endeten im Suff, in der Gosse oder bringen sich gar um. Einige sterben auch durch einen tragischen Unfall viel zu früh. Oder sie haben einfach psychische Probleme. Wir beschreiben die 11 tragischsten Fälle der Fußballgeschichte. Die Teilnahme am RTL-Dschungelcamp reicht übrigens nicht zur Aufnahme in diese Liste. Genauso wenig wie einige dämliche ruinöse Immobiliengeschäfte.

Denn es geht uns um wirklich tragische Fälle. Um die Lebensdramen von einigen der größten Fußballer und Trainer aller Zeiten. Und es sind diverse Nationalitäten und Fußballer aus verschiedenen Fußball-Epochen in unserem Dossier. Aus den Anfängen des professionellen Fußballs, dem goldenen Zeitalter der fußballerischen Spielfreude von 1945 bis 1970 und der globalisierten Fußballszene der letzten 50 Jahre.

Und es sind alle vertreten. Überragende Stürmer, geniale Trainer, filigrane Mittelfeldspieler, Torhüter mit dem gewissen Etwas. Abwehrkanten, die im richtigen Leben versagen oder einfach nicht zurechtkamen. Vielleicht fehlt ihnen der Ruhm auf dem Platz, die Tatsache nicht mehr in der Öffentlichkeit zu stehen, die Bewunderung der Fans. Vielleicht hatten sie aber auch einfach nicht gelernt, wie man im richtigen Leben außerhalb der Arena zu Recht kommt.Das Ende ist jedenfalls in allen Fällen tragisch. Denn so hoch sie in ihrer Fußball-Karriere fliegen, so tief fallen sie. (Keine) Ausnahme sind natürlich die Trainer. Zum Teil ebenfalls hervorragende Fußballer, halten diese den Druck an der Seitenlinie nicht aus.

Und hier ist auch die Bundesliga vertreten. Wobei unsere Auswahl mit Sicherheit nicht die einzigen Trainer (und Spieler umfasst), die gesoffen haben. Nur hatten und haben sie sich unsere Beispiele eben nicht so im Griff wie einige andere, die nach den Spielen soffen und eben nicht offensichtlich an den Folgen des Alkoholkonsums gestorben sind.

Das tragischste Beispiel für uns ist ein Volksheld, der zu den besten Spielern aller Zeiten gehörte. Wenn er zusammen mit dem anderen Genius auf dem Platz steht, verliert sein Team kein einziges Spiel.

Überhaupt verliert er mit der Nationalmannschaft nur ein Spiel. Eine Leistung, die bis heute unerreicht ist und wohl auch für lange Zeit bleiben wird. Diese Geschichte erzählen wir zum Schluss des Beitrags.Paul Gascoigne ist einmal der großartigste Fußballer Englands gewesen. Heute ist er eher ein Wrack – nach diversen gespenstischen Auftritten in der Öffentlichkeit und diversen fehlgeschlagenen Alkohol-Entzugskuren.

Wirklich losgeworden ist Gascoigne die Rolle des Klassenclowns im Lauf seines Lebens eigentlich nie. Schon als begnadeter Fußballer ist er die notorische Spaßmaschine in allen Mannschaftskabinen. Bis heute lieben die Leute die humorig- bizarren Gascoigne-Klassiker, fast jeder Fan auf der Insel kennt eine derbe Episode von und mit „Gazza.“

Etwa wenn er erzählt, wie er damals die Schuhe seines kompletten Teams vertauscht hat. Oder wie er eigenhändig einen Bus voller Touristen um den Piccadilly Circus herum steuert bzw. die zu pflegenden Edel-Fußballschuhe von Newcastles Superstar Kevin Keegan in der U-Bahn liegen lässt… Wohl dem glücklichen Finder!

Dafür lieben sie ihn in England. „Boozing“ ist auf der Insel immer noch gesellschaftsfähig. Doch in Wahrheit gibt es über ihn schon kurz nach Ende der Karriere als aktiver Fußballer nichts mehr zu lachen.2015 ist der bis dato absolute Tiefpunkt im Leben des Mannes, der einmal der großartigste Fußballer Englands war, die Hoffnung einer Sportnation. Aber die nach oben offene „Gazza“-Skala für Auftritte zum Fremdschämen könnte noch weiter ausschlagen. Tatsächlich bringt der junge Paul Gascoigne alles mit, was man für eine gute Sportlerstory braucht.

Er stammt aus ärmlichen Verhältnissen, kicken lernt er mit einem Tennisball, weil sich seine Eltern keinen Fußball leisten können. Bald wird er als großes Talent entdeckt und unterschreibt einen Vertrag bei Tottenham Hotspur. 1988 wählt man ihn zum „Nachwuchsfußballer des Jahres“. Seinen Durchbruch aber schafft „Gazza“ bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien, als herausragender Akteur führt er die englische Auswahl bis ins Halbfinale.

Unvergessen ist die Szene, in der Gascoigne im Duell gegen Deutschland die zweite Gelbe Karte sieht – und hemmungslos in sein Trikot heult, weil er nun für ein mögliches Finale gesperrt gewesen wäre. Doch so weit kommt es nicht: Gegen Deutschland ist im Elfmeterschießen Endstation, England scheidet aus. Gascoigne und Co. sind dennoch bis 2018 als Vierter Englands erfolgreichste Mannschaft bei einer Weltmeisterschafts-Endrunde.

Vielleicht ist „Gazza“ nie besser als während dieser WM – dribbel- und kampfstark, ein Antreiber mit unkonventionellen Ideen. Und doch gibt es bereits damals die selbstzerstörerische Seite des Engländers. In seiner Autobiographie (Gazza. Mein verrücktes Leben. Verlag: Bobus, 2005) beschreibt er später, wie er in der Nacht vor dem Deutschland-Spiel keinen Schlaf findet. Ruhelos wandert er durchs Hotel und tritt schließlich zur Zerstreuung auf der hauseigenen Anlage zum Tennismatch gegen zwei Amerikaner an. Und das in der Nacht vor dem wichtigsten Spiel seiner Karriere.Noch. Später greift Gascoigne gegen seine Schlaflosigkeit immer häufiger zu Alkohol und Tabletten. Ständige Verletzungen und Undiszipliniertheiten werfen ihn sportlich zurück, in den Pausen vom Fußball entdeckt er den Suff als Mittel gegen Einsamkeit und Langeweile.

1992 wechselt Gascoigne zu Lazio Rom, nach ein paar enttäuschenden Jahren in Italien zieht er weiter zu den Glasgow Rangers. Dort klappt es sportlich wieder besser, doch immer wieder geriet er mit privaten Eskapaden in die Schlagzeilen. Seine Frau Sheryl prügelt er 14 Wochen nach der Hochzeit krankenhausreif; nach der kostspieligen Scheidung und diversen Sauf-Exzessen macht „Gazza“ 1998 Bekanntschaft mit einer Entzugsklinik. „So wird Gascoigne nicht mal 40“, fürchtet das Kicker-Sportmagazin damals schon… Im gleichen Jahr endet sein Vertrag  bei den Glasgow Rangers. „Ich bereue bis heute den Tag, an dem ich die Rangers verlassen habe“, sagt Gascoigne Jahre später nicht ohne Wehmut dem Klubmagazin des schottischen Traditionsklubs. Binge Drinking und Boozing sind in England sowohl in der Arbeiterschicht als auch in der bürgerlichen Mittelschicht und der Oberschicht immer noch ein ausgeprägter Teil der Alltagskultur.

„Betrunken wie ein Lord“ ist heute noch genauso eine typische Redewendung wie die alten Rituale des Zutrinkens und Wettsaufens gerade im Arbeitermilieu nach wie vor eine Bedeutung haben. Umso verblüffender ist es, welche Leistungen Gascoigne auch in seiner späten Karrierephase noch zeigt. 2002, als er beim FC Everton unter Vertrag steht, betankt er sich – so schildert er es später in einem Interview – vor dem Match gegen den AFC Sunderland mit dreieinhalb Flaschen Wein, zwei dreifachen Brandys und 13 Schlaftabletten.

Gascoigne spielt, fährt nach Hause und schläft ein. Als er am nächsten Morgen aufwacht, sagte er später, habe er sich an nichts erinnert. Aber neben seinem Bett steht eine leere Champagnerflasche. Man hatte ihn zum „Man of the Match“ gewählt. Doch solche Lichtblicke können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nun mit der sportlichen Karriere steil bergab geht. Zum Schluss tingelt er von Klub zu Klub, probiert es nacheinander mit Engagements in der englischen zweiten Liga, in China, Portugal und schließlich im Jahr 2005 als Trainer beim Sechstligisten Kettering Town. Dort wird er nach nur 39 Tagen entlassen – Gascoigne sei „vor, während und nach Spielen der ersten Mannschaft alkoholisiert“ gewesen, heißt es von der Klubführung. Währenddessen wird die Liste seiner Alkohol- und Drogeneskapaden immer eindrucksvoller.„Vier Flaschen Whiskey und 16 Linien Koks“ gönnt sich Gascoigne nach eigener Aussage in dieser Zeit – und zwar täglich. 2008 landet er insgesamt dreimal in der Psychiatrie, einmal, nachdem man ihn betrunken und verwirrt in einem Londoner Friseursalon aufgegriffen hat. Ein halbes Jahr verbringt der gefallenen Fußballer damals in einer Reha-Einrichtung und zieht danach in eine Wohnung am Meer, nach Bournemouth.

Zunächst scheint es, als hätte er sein Leben gerade noch in den Griff bekommen. Doch dann folgt jener erschütternde Auftritt bei der Charity-Gala in Northampton. Etwas, so scheint es, hatte Gascoigne erneut aus der Spur gebracht. Es folgte der nächste Entzug. Radio-Moderator Chris Evans, Kricketspieler Ronnie Irani, Ex-Fußballstar Gary Lineker und TV-Moderator Piers Morgan setzten ihn laut dem Boulevardblatt The Sun in ein Flugzeug nach Phoenix, Arizona. Weil Gascoigne pleite ist, die Scheidung, die Suff- und Drogenexzesse haben sein Geld aufgezehrt, sollen sie auch die Kosten für die dortige Entzugsklinik übernommen haben. Natürlich bleiben ihm die Boulevardmedien auch in Amerika auf der Spur. Es gibt wenig später ein Foto, das Gascoigne gleich nach der Ankunft in Phoenix zeigte. Die Sun hat es gedruckt. Man sieht Gascoigne, wie er in einer Flughafen-Bar kauerte. Er hat sich ein großes Glas Bier bestellt. Ob Gascoigne die Kurve kriegt oder endet wie George Best? Ob er überhaupt dessen Alter erreicht? All das ist ungewiss. Viel Glück.

 

Erfolge

Englische Nationalmannschaft

Teilnehmer an der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 (6 Spiele, kein Treffer; 4. Platz)

Teilnehmer an der Fußball-Europameisterschaft 1996 (5 Spiele, ein Treffer; Aus im Halbfinale)

Im Verein

Gewinner des FA Cups: 1991 mit Tottenham Hotspur

Gewinner der schottischen Meisterschaft: 1996, 1997 mit Glasgow Rangers

Gewinner des schottischen Pokals: 1996

Gewinner des schottischen Ligapokals: 1996, 1998

Individuelle Ehrungen

Schottlands Fußballer des Jahres: 1996Sócrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira, auch bekannt als „Dr. Sócrates“ – Brasilianischer Fußballspieler. Kinderarzt – und Inbegriff des tragischen Helden im Land des Rekord-Weltmeisters.

Es ist August 2011. Sócrates ist auf dem Weg zur Endstation. Er wird mit Magenblutungen und entzündeter Leber in ein Krankenhaus eingeliefert, muss mehrere Tage auf der Intensivstation verbringen. In diesem Zusammenhang macht er seine Alkoholprobleme öffentlich. Wenige Monate später, am 4. Dezember 2011, stirbt er im Alter von 57 Jahren in São Paulo an einer durch eine Darminfektion verursachten Sepsis. Socrates debütiert in der „Selecao“ am 17. Mai 1979 gegen Paraguay und spielt insgesamt 60 Mal für die brasilianische Fußballnationalmannschaft. Dabei erzielt der Mittelfeldregisseur 22 Tore. Sócrates ist Brasiliens Kapitän bei den Fußballweltmeisterschaften 1982 in Spanien und 1986 in Mexiko.

Der Mann mit dem längsten Namen unter allen offiziell registrierten WM-Teilnehmern ist ein Leistungsträger der brasilianischen Nationalmannschaft der 1980er Jahre. Zusammen mit Zico („Der weiße Pelé“), Falcão und Toninho Cerezo bildet der 1,92 m große Hüne das „magische Mittelfeld-Quartett“ Brasiliens, das auch die „Fantastischen Vier“ genannt wird.

Dieses Team kann, obwohl besonders vor der WM 1982 in Spanien favorisiert, nie den Weltmeistertitel gewinnen. Es gilt in Brasilien zusammen mit der 1970er Weltmeistermannschaft um Fußball-Genie Pelé dennoch als die beste „Seleção“ aller Zeiten. Besonders unglücklich ist dabei das Ausscheiden bei der WM 1986. Denn dort scheitert das so ambitionierte Star-Ensemble unglücklich knapp vor dem Halbfinale. Und Sócrates, der Elfmeter immer aus dem Stand schießt, vergibt. Platini und Júlio César treffen ebenfalls nicht, aber Frankreich gewinnt das Elfmeterschießen mit 4:3. Nach der WM tritt Sócrates aus der Nationalmannschaft zurück.Falcão und Zico folgen ebenfalls, so dass eine der großen Ären der brasilianischen Nationalelf zu Ende geht. Allerdings auch eine der erfolglosesten. Denn zu einem Weltmeistertitel reicht es eben nicht.

Nach eigener Aussage raucht Socrates täglich 20 Zigaretten, trainiert eher wenig, feiert dafür aber umso mehr. Bei Corinthians São Paulo setzt er basisdemokratische Strukturen durch (die sogenannte Democracia Corinthiana), sodass die Spieler fortan alles bestimmen. Von den Trainingszeiten bis hin zum Speiseplan. Sócrates, der 192 cm groß war, aber nur Schuhgröße 41 hat und berühmt für seine Absatzkicks und Steilpässe mit der Hacke ist, gilt als Enfant terrible des brasilianischen Fußballs.

Er ruft die Fans dazu auf, sich gegen die damalige Militärdiktatur und für die Demokratie zu engagieren. Zu seinen fußballerischen und politischen Mitstreitern gehören der Kommunist und linke Verteidiger Wladimir sowie der damals noch junge Walter Casagrande. Während der zwei Meisterschafts-Spielzeiten 1982 und 1983 nutzen Casagrande und die Democracia Corintiana immer wieder den Fußballplatz zur Demonstration ihrer politischen Einstellung, um beispielsweise in Trikots aufzulaufen, die den Slogan „Demokratie jetzt“ tragen.

Sócrates ist studierter Arzt und wird daher von Fans und Median auch Dr. Sócrates genannt. Da er parallel zu seiner Laufbahn als Fußballprofi sein Studium absolviert, verpasst er die Teilnahme an der WM 1978 in Argentinien. Im Jahr 1983 antwortet er in einem Interview auf die Frage, wie er sterben wolle mit: „Ich möchte an einem Sonntag sterben und Corinthians (São Paulo) soll Meister werden“. Und Sócrates stirbt an einem Sonntag. Und wenige Stunden danach gewann Corinthians die Meisterschaft.

 

Erfolge

Südamerikas Fußballer des Jahres: 1983

Mit Botafogo-SP

Gewinn des Vicente Feola Turniers: 1976
Gewinn des Taça Cidade de São Paulo: 1977

Mit Corinthians

Gewinn der Campeonato Paulista: 1979, 1982 & 1984

Mit Flamengo

Gewinn der Campeonato Carioca: 1986
Campeonato Carioca Finalteilnehmer: 1987
Gewinn der Copa União: 1987

Mit Brasilien

Dritter der Copa América 1979
Vize-Meister der Mini-WM 1980/81[6]
Vize-Meister der Copa América 1983
FIFA Fair Play Trophy der FIFA 1982Reinhard „Stan“ Libuda ist bis heute eine Legende im Ruhrpott geblieben. Auf beiden Seiten des großen Grabens, bei Schalke 04 und bei Borussia Dortmund, hat der „deutsche Garrincha“ seine Spuren hinterlassen. Sein Spitzname „Stan“ geht auf den englischen Super-Dribbler Sir Stanley Mathews zurück.

Die Karriere des Reinhard Libuda, eines begnadeten Rechtsaußen, beginnt der Jugend von Gelsenkirchen, ehe er 1961 in den Profikader aufsteigt und zum Schalker Publikumsliebling avanciert. 1965 wechselt Libuda dann zum Erzrivalen nach Dortmund. Dort schießt er mit der berühmtesten Bogenlampe der deutschen Fußballgeschichte den BVB 1966 im Finale gegen den FC Liverpool (2:1 n. V.) in Glasgow zum Europapokal der Pokalsieger. Zwei Jahre später geht er wieder zurück zu seinem Herzensverein Schalke 04 und führt „die Knappen“ als Kapitän 1972 zum DFB-Pokalsieg. Libuda ist der einzige Spieler der zwischen den rivalisierenden Klubs hin- und herwechselt und beide Fangruppen lieben ihn trotzdem.

Die Zeit nach dem Fußball ist für Libuda weniger glücklich. Lange Zeit, vor allem nach der Trennung von seiner Ehefrau, lebt er zurückgezogen in Gelsenkirchen-Haverkamp.

Da er am Anfang seiner Karriere seine Lehre zum Maschinenschlosser abgebrochen hat, findet er lange Zeit keine Arbeit, bevor er mit Hilfe seines ehemaligen Schalker Teamkollegen Rolf Rüssmann († 2009) einen Job bei der Thomas-Gruppe, einer Papierveredlungsfirma im Haverkamp, bekommt. Später betreibt er den von Schalke-Idol Ernst Kuzorra übernommenen Tabakladen auf der Kurt-Schumacher-Straße in Schalke, er übergibt diesen später an Heinz van Haaren. Wegen seiner schweren Erkrankung an Kehlkopfkrebs lässt sich Libuda 1992 operieren. Er stirbt 1996 mit 63 Jahren an einem Schlaganfall – viel zu früh. Er ist der erste Spieler der Mannschaft aus dem Jahrhundertspiel von 1970, der verstarb. Die Beisetzung findet auf dem Ostfriedhof von Gelsenkirchen statt.Die Dribbelstärke Libudas gilt bis heute als legendär. Als in den 1960er Jahren der Prediger Werner Heukelbach im Ruhrgebiet eine Veranstaltungsreihe durch Plakate mit der Aufschrift „An Jesus kommt keiner vorbei“ bewarb, schreiben Fans unter jedes Plakat den Zusatz „… außer ‚Stan‘ Libuda.“

Im Laufe der Jahre entwickelte sich daraus der Spruch „Keiner kommt an Gott vorbei – außer Stan Libuda“, was einer Frühform der Chuck-Norris-Facts gleichkommt. Der Spruch ist auch Untertitel eines Musicals über den FC Schalke 04. Ob das Plakat allerdings für Heukelbach, die Zeugen Jehovas oder den US-amerikanischen Prediger Billy Graham („Das Maschinengewehr Gottes“) wirbt, darüber sind die Darstellungen heute sehr unterschiedlich.

Fest steht: 1970, während der Weltmeisterschaft in Mexiko, sagt Bulgariens Trainer, nachdem seine Verteidiger an dem hakenschlagenden Libuda gescheitert sind: „Diesen Mann kann man nur mit einer Flinte erlegen.“

2003 entdeckt ein Fan einen Schreibfehler auf dem Grabstein von Reinhard Libuda. Reinhard steht dort mit „ai“ statt mit „ei“ geschrieben. Der königsblaue Anhänger meldet sich beim FC Schalke 04; der damalige Manager Rudi Assauer († 2019) verspricht, einen neuen Grabstein in Auftrag zu geben. Aber erst 2004 wird der Grabstein auf Initiative und nach Protestaktionen eines weiteren Libuda-Fans geändert.

Stan Libudas Tor im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger 1966 gegen den FC Liverpool wird von den Fans im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen von Borussia Dortmund bei der Wahl zum „BVB-Tor des Jahrhunderts“ im Dezember 2009 auf den zweiten Platz gewählt. Die Zufahrtsstraße westlich der Veltins-Arena in Gelsenkirchen trägt den Namen „Stan-Libuda-Weg“.

 

Erfolge

Mit Borussia Dortmund:

Europapokal der Pokalsieger: 1966

DFB-Pokal: 1972 (mit Schalke 04)

Deutscher Vizemeister: 1966, 1972 (mit dem BVB und Schalke 04)

Nationalmannschaft:

Weltmeisterschafts-Dritter: 1970

Persönliche Auszeichnungen:

Ehrenspielführer des FC Schalke 04

Mitglied der „Jahrhundertelf“ des FC Schalke 04
Der Waliser Gary Andrew Speed war als Mittelfeldspieler fast 2 Jahrzehnte lang Profi.

Seine 85 Einsätze für Wales sind bis zum 20. November 2018 und bis zum 93. Länderspiel von Chris Gunter Rekord für einen walisischen Feldspieler. Sein größter Erfolg ist 1992 der Gewinn der englischen Meisterschaft mit Leeds United, u. a. mit Stars wie Gary McAllister und Erich Cantona. Sein letzter Job: Trainer der walisischen Nationalmannschaft.

Die Profispielerlaufbahn des Gary Speed beginnt am 6. Mai 1989 mit dem Spiel Leeds United gegen Oldham Athletic (0:0) in der zweiten englischen Liga. An der Seite des routinierten schottischen Nationalspielers Gordon Strachan lernt Speed im jungen Alter, wie ein Leben als Profispieler auszusehen hat.

Er nimmt sich neben den sportlichen Fertigkeiten auch die Ernährungsgewohnheiten von Strachan, von Toni Schumacher während der WM 1986 liebevoll „Strätchän“ genannt, zum Vorbild, was er später als wesentlichen Faktor für seine auch im fortgeschrittenen Sportleralter wenig nachlassende Leistungsfähigkeit angibt. Gary Speed wirkt irgendwie zeitlos und unkaputtbar.

Schnelligkeit, Ballsicherheit, Spielintelligenz, Athletik und Fitness zeichnen den variabel im zentralen oder linken Mittelfeld einsetzbaren Gary Speed aus. 1990 gelingt ihm mit Leeds United der Aufstieg in die höchste englische Spielklasse und dort bereits im zweiten Jahr der Gewinn der englischen Meisterschaft.Speed gehört zu einer Mittelfeldreihe, die ihn neben Strachan mit McAllister, David Batty und Steve Hodge zusammenführt. Hinter den Stürmern Lee Chapman und Rod Wallace beweist Speed Torgefährlichkeit und ist 1991/92 mit sieben Ligatreffern gemeinsam mit Hodge die vereinsinterne Nummer 3.

Anschließend kommt er in fünf Partien der Champions League zum Zuge und schießt das 1:0 beim 4:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart – das Spiel wird berühmt wegen des Wechselfehlers von VfB-Trainer Christoph Daum, der vier ausländische Spieler aufs Feld schickt. Weitere Erfolge mit Leeds bleiben nach dem Playoff-Erfolg gegen Stuttgart in der Folgezeit jedoch aus. In den ersten vier Jahren der 1992 beginnenden Premier League qualifiziert er sich mit dem Klub nur noch einmal in der Saison 1995/96 für den UEFA-Pokal. Dazu steht er am 24. März 1996 im Ligapokalfinale, das jedoch mit 0:3 gegen Aston Villa verloren geht.

Kurz darauf verabschiedet er sich von Leeds United, für das er über 300 Pflichtspiele absolviert hat und wechselt im Juli 1996 für 3,5 Millionen Pfund zum FC Everton nach Liverpool. Speed unterzeichnet in Everton bei dem Klub, dessen Fan er nach eigenen Angaben bereits in der Kindheit war. Umstellungsprobleme gibt es nicht. Beim 7:1-Sieg trifft er gegen den FC Southampton erstmals in seiner Karriere dreimal in einem Spiel der Premier League und am Ende der Saison 1996/97 hat er gemeinsam mit Torjäger Duncan Ferguson die meisten Liga-Treffer für die „Toffees“ gesammelt (9 Tore).

Schnell wendet sich jedoch das Blatt. Der FC Everton schließt mit Rang 15 nicht besonders erfolgreich in der Premier League ab und als die „Blauen“ auch im Herbst 1997 den direkten Weg in Richtung Tabellenende gehen, nimmt die Unzufriedenheit von Speed zu. Rasch machte die Gerüchte die Runde, dass Speed zu Newcastle United wechseln will, das zuvor die Vizemeisterschaft gewonnen hat. Der Wechsel nach Newcastle geht im Februar 1998 für eine Ablösesumme von 5,5 Millionen Pfund über die Bühne, nachdem Speed angeblich zuvor am 31. Januar 1998 seine Mannschaft nicht zum Auswärtsspiel gegen West Ham United begleitet hat. Das bringt ihm den Unmut der Everton-Fans ein. Kurz vor Beginn der Saison 1997/98 befördert ihn Trainer Howard Kendall dann in Newcastle zum Mannschaftskapitän.Als Trainer Mark Hughes 2004 sein Engagement beendet und eine dauerhafte Tätigkeit im Vereinsfußball annahm, empfiehlt dieser Speed als seinen Nachfolger.

Auch die Mannschaft, allen voran Wortführer Robbie Savage, spricht sich für den langjährigen Mannschaftsführer als walisischen Trainer aus. Zunächst fällt die Wahl aber auf den alten Waliser Haudegen John Toshack („Eher fliegt ein Schwein übers Bernabeu, als dass ich mich ändere!“)

Nach Toshacks Rücktritt im Jahr 2010 wird Speed am 14. Dezember 2010 als neuer Nationaltrainer der Waliser vorgestellt und betreut die Mannschaft erstmals beim Länderspiel gegen Irland am 8. Februar 2011. Von den insgesamt 10 Länderspielen unter der Regie von Gary Speed kann Wales fünf gewinnen. Dabei gibt es in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 drei Siege, jedoch auch zwei Niederlagen (beide gegen England), so dass sich Wales nicht für die EURO 2012 qualifiziert.

Am 27. November 2011 begeht Speed Selbstmord. Er erhängt sich. Am Abend vorher ist er noch im BBC TV-Programm „Football Focus“ als Gast interviewt worden und hat sich im Old Trafford ein Spiel von ManU angeschaut. Zusammen mit seinem Kumpel Alan Shearer. Die Gründe für den Suizid bleiben mysteriös.

 

Erfolge

Englischer Meister 1992 (mit Leeds United)Am Tag, als Justin Fashanu stirbt, spaziert er noch ein letztes Mal durch London East End. In Shoreditch, so wird später ermittelt, biegt er in die Fairchild Street ein. Dort besucht er gutgelaunt die Gay-Sauna „Chariots“. Das berichten jedenfalls Zeugen.

Am nächsten Morgen findet die Polizei Fashanu in einer Nebenstraße der Fairchild Street. Um seinen Hals ist ein Elektrokabel gewickelt. Er baumelt leblos von einem Holzbalken einer Garage. Am 3. Mai 1998 enden eine große Fußballerkarriere und ein tragisches Leben mit Höhen und Tiefen, die für mehr als zwei wirklich lange Leben ausgereicht hätten.

18 Jahre vor seinem Tod wird Justin Fashanu plötzlich nicht nur zum Star – er wird zum Superstar. Da ist er gerade 19 Jahre alt. Und der Grund dafür ist ein einziges Tor. Der Mittelstürmer von Norwich City schießt es in der Saison 1979/80 gegen den FC Liverpool. Und es ist ein phänomenal gutes Tor.

Fashanu steht in halbrechter Position etwas außerhalb des Strafraums vor dem gegnerischen Tor. Er erhält den Ball von einem Mitspieler und mit dem rechten Außenrist lässt er diesen zunächst auf Hüfthöhe abtropfen, dann dreht er sich und schießt den Ball volley mit links in den Winkel.Die Kult-Sendung „Match of the Day“ (BBC) wählt den Treffer zum Tor der Saison, und Fashanu wechselt für mehr als eine Million Pfund zu Europapokalsieger Nottingham Forest. Doch das ist im Rückblick gesehen wohl die schlechteste Entscheidung in seinem Leben.

Die Presse berichtet fortan ausführlich über ihn, denn so viel Geld ist in England bis dahin noch nie an Ablösesumme für einen schwarzen Fußballer gezahlt worden. Fashanu tritt in Talkshows auf, schreibt fleißig Autogramme und glaubt, er sei ganz oben angekommen. Er kauft sich flotte Sportwagen und lässt sich für den Boulevard in roten Lederanzügen fotografieren. Auf dem Pitch gelingt ihm bei Nottingham Forest hingegen wenig bis nichts.

Für den Klub schießt er in 35 Spielen ganze drei Tore. Verzeiht man ihm in Norwich Fehlschüsse, tobten sie bei Forest bei jedem Ballverlust. Insbesondere Brian Clough, der knorrige Trainer der „Tricky Trees“, hat so seine Schwierigkeiten mit Fashanu.

Eines Tages findet Clough heraus, dass Fashanu in Schwulenbars verkehrt. Vor versammelter Mannschaft beschimpft er seinen Stürmer als „Schwuchtel“ und wirft ihn später aus dem Kader. Als Fashanu trotzdem beim Training erscheint, holt Clough die Polizei. In seiner Biografie („Walking on Water“) räumt er hinterher eine Mitschuld am Tod Fashanus ein.Fashanus Leben gerät in der Folge komplett aus der Bahn. Er verletzt sich am Knie und verbringt Monate in der Reha. Er wechselt den Klub und versuchte Neuanfänge in den USA, eröffnet eine Schwulenbar in Los Angeles. Als ein Freund ihm sagt, dass nur Jesus ihm helfen könne, schließt er sich einer protestantischen Fundamentalisten-Gruppe an.

Er predigt fortan gegen die sexuelle Lust, hält sich aber weiterhin in der Schwulenszene auf, geplagt vom Glauben, dass eine gleichgeschlechtliche Beziehung eine schwere Sünde sei. Dann kommt der 22. Oktober 1990. Ein Tag, der England in Wallung versetzt. Das Massenblatt The Sun, schon ein Jahr zuvor bei der Stadion-Katastrophe von Hillsborough gegenüber den Fans des FC Liverpool nicht eben zimperlich, veröffentlicht ein Foto von Fashanu mit der Schlagzeile: „Eine Million Pfund teurer Fußballstar: ‚Ich bin schwul!“

Fashanu ist somit der erste englische Fußballprofi mit Superstar-Status, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt. Er erhält 80.000 Pfund für das Outing und zusätzliches Geld von der Sun für die folgenden Stories. Eine Summe, die ihm sein Bruder John zuvor ebenfalls angeboten hat, wenn er sich nicht outen würde.

Es folgt eine reißerische Serie in der Sun, die wohl eine Mischung aus Facts, Fiction und gezieltem Mobbing bzw. Fehlinformationen ist. Fashanu berichtet von Sex mit Popstars, Mitspielern und Abgeordneten des britischen Parlaments. Er verdient gut, denn für jede neue Story gibt es neues Geld. Der einstige Fußball-Held ist zurück im Rampenlicht, und es gefällt ihm. Er vermutet, dass ihn die Leute als Pionier sehen. Tatsächlich geht vielen sein Öffentlichkeitsdrang auf den Nerv. Sogar die schwarze Community kritisiert ihn für sein Auftreten, und einige ehemalige Mitspieler sagen, dass Homosexualität nicht zum Teamsport passen würde. Die letzten Freunde wenden sich ab, als Justin Fashanu öffentlich zugeben muss, dass er den Abgeordneten Stephen Milligan, mit dem er ein Verhältnis gehabt haben will, gar nicht kennt…Danach lässt das Interesse an seiner Person nach. Fashanu wechselt wieder die Wohnsitze und die Vereine. Er spielt in Neuseeland, Schweden und Schottland. Nirgendwo bleibt er lang. 1998 heuert er als Trainer bei Maryland Mania in einer US-amerikanischen Amateurliga an.

Bekannten erzählt er, dass er Besitzer eines Clubs sei. Einer davon ist Donald H., ein 17-jähriger Junge, der eines Abends zu einer kleinen Party in Justins Wohnung erscheint. Sie trinken offenbar Bier, rauchen wohl auch Marihuana. Zwei Tage später steht ein Polizist vor Fashanus Tür und fragt, ob er homosexuell sei und in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1998 sexuellen Kontakt zu Donald H. gehabt hat. Fashanu verneint beide Fragen.

Wenige Tage später verlässt er die USA in Richtung London. Danach verliert sich seine Spur zunächst. Monate nach seinem Tod veröffentlicht eine Zeitung einen Abschiedsbrief: „Wenn irgendjemand diese Notiz findet, bin ich hoffentlich nicht mehr da. Schwul und eine Person des öffentlichen Lebens zu sein, ist hart. Ich will sagen, dass ich den Jungen nicht vergewaltigt habe.“

Was ist geschehen? Fashanu ist in London unter dem Mädchennamen seiner Mutter untergetaucht, weil er über die Presse erfahren hat, dass Scotland Yard nach ihm fahndet. Ironie des Schicksals: Am Tag, als sich Justin Fashanu das Leben nimmt, stellt sich heraus, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. Man kann über Fashanu urteilen, wie man will. Aber er ist der erste Profi der Premier League, der sich traut, sein Schwulsein öffentlich zu machen. Dafür zahlt er einen sehr hohen Preis. Er bezahlt mit dem Leben…Branko Zebec hat seine Mannschaften autoritär geführt. Er gilt in der Trainerbranche bis heute als „harter Hund“ und feiert vor allem im Norden der Republik mit dem Hamburger SV und Eintracht Braunschweig Erfolge. Seine Alkoholkrankheit wird der jugoslawische Fußball-Trainer jedoch nie unter Kontrolle haben.

Erst umjubelter Meistertrainer, später alkoholkranker, hilfsbedürftiger Mensch – Branko Zebec erlebt die Höhen und Tiefen im Fußballgeschäft ziemlich drastisch. Sein Ende ist tragisch. Der aus dem ehemaligen Königreich Jugoslawien stammende Ex-Profi von Roter Stern Belgrad hat als Trainer den Ruf, im Umgang mit den Spielern als hart, kompromisslos, fast schon diktatorisch daher zu kommen. Ein Trainer der alten Schule. Taktisch ist er das genaue Gegenteil – ein Fußball-Erneuerer mit einem feinen Händchen für Spieler und den Aufbau einer funktionierenden Mannschaft.

Und so bleiben die Erfolge nicht aus. Zebec wird Meister mit dem FC Bayern München und dem Hamburger SV und verhilft auch kleinen Vereinen wie Eintracht Braunschweig zu sportlichen Höhenflügen. Zu seiner persönlichen Tragödie wird eine schwere Operation an der Bauchspeicheldrüse im Jahr 1970, von der er sich nie mehr erholt. Im Gegenteil: Der Alkohol, den er aufgrund der Erkrankung eigentlich meiden soll, zerstört sein Leben. Es heißt bis heute, er trank gegen den Schmerz. Dabei ruiniert er sein Leben. Die Bundesliga-Karriere von Branko Zebec beginnt 1968 in München. In der vorangegangenen Saison ist der WM-Teilnehmer von 1954 mit seinem Stammklub Dinamo Zagreb Messepokalsieger geworden und der aufstrebende FC Bayern, 1965 in die Bundesliga aufgestiegen, holt Zebec in die Bundesliga. Der Emporkömmling aus München will endlich Titel gewinnen.

Das gelingt auf Anhieb: Der 40 Jahre alte Trainer wird mit der jungen Mannschaft um Sepp Maier, Franz Anton Beckenbauer und Gerhard „Gerd“ Müller Deutscher Meister und krönt die Saison zudem mit dem Pokalsieg – das erste „Double“ der Bundesligahistorie. Nur ein Jahr später ist diese Erfolgsgeschichte für ihn bereits wieder vorbei: Frühes „Aus“ im Europacup, in der Liga nur Platz drei. Zebec erklärt, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Der Verein reagiert und ersetzt den Meistercoach bereits nach dem 27. Spieltag durch den Liga-Newcomer Udo Lattek ersetzt, der eigentlich erst zur neuen Saison und auf Empfehlung von Beckenbauer kommen sollte.Nach Zwischenstationen beim VfB Stuttgart und Hajduk Split heuert Zebec 1974 beim damaligen Bundesliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig an und bleibt vier volle Spielzeiten bis 1978 bei den Niedersachsen.

Es wird eine erfolgreiche Ära. Schon in den ersten Wochen sorgt seine als Außenseiter gestartete Mannschaft für Aufsehen. Sie entwickelt sich zum Favoritenschreck, besiegt eine Spitzenmannschaft nach der anderen und liegt zeitweise auf Platz zwei. Am Ende der Saison springt ein respektabler neunter Platz heraus. In den beiden folgenden Jahren spielt Braunschweig sogar um die Meisterschaft mit und ist wiederholt Tabellenführer. Die Bilanz: 1976 werden die Blau-Gelben und 1977 sogar Dritter – mit nur einem einzigen Punkt Rückstand auf Meister Borussia Mönchengladbach.

Zum Erfolgsmodell Zebec tragen zwei Landsleute bei: Flügelstürmer Danilo Popivoda, der noch heute Kultstatus bei den Braunschweiger Fans hat, und Mittelfeldspieler Aleksandar Ristic, der ihm später als Assistenztrainer zum Hamburger SV folgen und dort sein Nachfolger als Cheftrainer werden sollte. 1977/78 bringt die Verpflichtung von Weltstar Paul Breitner nicht den erhofften Schub. Nach einem enttäuschenden 13. Platz in der Bundesliga verlässt Zebec die Braunschweiger Eintracht und wechselt zum Hamburger SV.

Anders als zehn Jahre vorher in München hat Zebec mit den HSV-Stars relativ wenige Probleme, allerdings sind diese auch andere Persönlichkeiten. Kevin Keegan, Horst Hrubesch oder Manfred Kaltz sind vergleichsweise ruhige, unkomplizierte Typen, die zunächst gut mit Zebecs taktischen Vorgaben zurechtkommen. 1979 holt der HSV den ersten Meistertitel seit 1960, doch in der darauf folgenden Saison kündigen sich erste Schwierigkeiten an, trotz Platz zwei.Die Spieler rebellieren schließlich auch beim HSV, weil Zebec gegen Saisonende angeblich zu hart trainiert hat. Dadurch, so die Kritiker, seien innerhalb von vier Tagen Meisterschaft (1:2 bei Aufsteiger Leverkusen) und Europacup (0:1 im Endspiel gegen Nottingham) verloren gegangen. „Wir hätten den ein oder anderen Titel mehr holen können“, ist Manfred Kaltz Jahre später in einer DFL-Dokumentation sicher.

Am 16. Dezember 1980 ziehen die Hanseaten dennoch die Reißleine. Zebec ist seit Wochen nur noch bedingt einsatzbereit. So soll er unter anderem beim Auswärtsspiel in Dortmund mit 3,25 Promille auf der Trainerbank gesessen haben.

Zur Halbzeit wird er damals „ausgewechselt“ und in den Mannschaftsbus gesetzt. Die Rede ist auch von Mannschaftssitzungen, bei denen er nicht mehr fähig war, die Taktik zu erklären. „Spielt Fußball“, habe er dann nur noch sagen können. HSV-Manager Günter Netzer gibt später zu, von der Alkoholkrankheit des Meistertrainers schon bei der Verpflichtung gewusst zu haben: „Aber ich wusste nicht, was das bedeutete. Die Sache mit Branko hat mich persönlich so getroffen, wie nichts anderes im Fußball. Weil ich erleben musste, dass ich ihm nicht helfen kann. Er war ein Riesentyp, deshalb hat mir das so wehgetan. Irgendwann ging es nicht mehr. Er war ausgelaugt, am Ende. Das war sehr hart.“

Das sagt Netzer 2008 in einem Interview mit der Zeitung BILD am SONNTAG. Auch bei seiner nächsten Trainerstation steht sich Zebec mit seinen Alkoholproblemen selbst im Weg: Borussia Dortmund wird unter seiner Regie 1981/82 zwar ein taktisch reifes Team und feiert mit dem sechsten Rang nach 16 Jahren Abstinenz die Rückkehr auf die europäische Bühne. Trotz dieses Erfolges muss Zebec nach dem Saisonende gehen, da seine Alkoholprobleme nicht mehr zu kontrollieren sind. Unter anderem ist der Trainer während einer Partie von der Bank gekippt. Auch bei Eintracht Frankfurt (September 1982 bis Oktober 1983) und Dinamo Zagreb (April bis Oktober 1984) scheitert Zebec an seiner Alkoholsucht. Am 26. September 1988 stirbt Branko Zebec in Zagreb im Alter von nur 59 Jahren.

 

Erfolge

Als Spieler:

FK Partizan Belgrad: Jugoslawischer Pokal 1952, 1954, 1957

Roter Stern Belgrad: Jugoslawischer Meister 1960, 65        Alemannia Aachen

Als Trainer:

Dinamo Zagreb : Messe-Pokalsieger 1967

FC Bayern München: Deutscher Meister und Pokalsieger 1969

Hamburger SV: Deutscher Meister 1979, Europapokalfinalist der Meister 1980[svc_carousel_layout car_autoplay=”yes” dexcerpt=”yes” dmeta_data=”yes” dsocial=”yes” query_loop=”size:16|order_by:date|order:DESC|post_type:post|categories:17077″ grid_thumb_size=”200X172″ svc_class=”bigger-slider” title=”MEHR LIGALIVE – DIE GEHEIMNISSE DER BUNDESLIGA-KLUBS” pbgcolor=”#eaeaea” car_navigation_color=”#1fc132″]
Robert Enke spielt als Jugendlicher – zeitweise auch als Feldspieler – zunächst bei Jenapharm Jena, ab 1985 für den FC Carl Zeiss Jena. 1995 steht er im Kader des Zweitligisten und kommt als Ersatztorhüter unter Trainer Eberhard Vogel zu drei Einsätzen.

In seinem ersten Spiel als Profi im November 1995 steht er gegen seinen späteren Klub Hannover 96 zwischen den Pfosten. Zur Saison 1996/97 wechselt Enke zu Borussia Mönchengladbach in die Fußball-Bundesliga.

Dort wird er nach 2 Jahren in der Bank-Rolle erst 1998/99 unter Trainer Friedel Rausch Stammtorhüter wird. Diese Position behält er auch unter dessen Nachfolger Rainer Bonhof.

Enke bringt konstant gute Leistungen, kann aber den ersten Abstieg der Borussia in die 2. Bundesliga (1999) nicht verhindern. In der Abstiegssaison kassiert Gladbach 79 Gegentore. Im Sommer 1999 wechselt Enke nach Portugal – zu Benfica Lissabon. Unter Trainer Jupp Heynckes wird er zum Leistungsträger und Mannschaftskapitän. Lissabons Traditionsclub erzielt allerdings in den folgenden drei Spielzeiten nur mittelmäßige Ergebnisse.

Daher wechselt Enke 2002 in die Primera División zum FC Barcelona. Beim unberechenbaren niederländischen Trainer Louis van Gaal kommt es jedoch zum Karriereknick. Enke wird nur in einem Pokalspiel, in zwei Champions-League-Spielen und lediglich ein Mal in einem Ligaspiel eingesetzt.Ein Ausleihgeschäft im Sommer 2003 mit dem türkischen Verein Fenerbahçe Istanbul unter dem deutschen Trainer Christoph Daum gerät für Enke zu einem Desaster. Das erste Spiel mit Enke geht verloren, worauf ihn die eigenen Fans mit Gegenständen bewerfen. Daraufhin löst Enke seinen Vertrag auf und ist vorübergehend ohne Verein.

Obwohl er formal noch bei Barcelona unter Vertrag steht, lässt er sich im Januar 2004 in die spanische Zweite Liga ausleihen. Beim CD Teneriffa kann er wieder sportlich überzeugen. Im Sommer 2004 kehrt Enke in die Bundesliga zurück, er wechselt zu Hannover 96. Von Beginn an gehörte er zu den Eckpfeilern in der Mannschaft.

2006 und 2009 wird er von den Bundesligaspielern in Umfragen des Fachmagazins Kicker zum „Torhüter des Jahres“ gewählt. Ab 2007 ist Enke Kapitän der Mannschaft von Hannover 96. Erstmals in seiner Karriere verlängert er dort einen Profivertrag. Von 1997 bis 1999 absolviert Robert Enke 15 Spiele für die deutsche U-21-Nationalmannschaft. 1999 wird er von Trainer Erich Ribbeck erstmals in die A-Nationalmannschaft berufen und reist mit zum Konföderationen-Pokal in Mexiko, wo er jedoch nicht eingesetzt wird. Nach seinem Wechsel ins Ausland im selben Jahr gerät er aus dem Blickfeld der Nationalmannschaft.

Erst 2006, als er bereits zwei Jahre für Hannover 96 spielt, wird Enke vor der WM 2006 von Jürgen Klinsmann wieder in den erweiterten Kader der Nationalmannschaft geholt. Am Turnier nimmt er jedoch nicht teil. Klinsmann nimmt Jens Lehmann, Oliver Kahn und Timo Hildebrand als Torhüter für die Heim-WM in sein Aufgebot. Nach der WM kehrt Enke zunächst wieder in den Kader der Nationalmannschaft zurück, bleibt jedoch nur Ersatztorwart. Im März 2007 gibt er sein Länderspieldebüt in einem Freundschaftsspiel gegen Dänemark (0:1) unter Bundestrainer Joachim Löw.In der Hierarchie der Torhüter in der Nationalmannschaft steht Enke im folgenden Jahr hinter Jens Lehmann und gleichauf mit Timo Hildebrand. An der EM 2008 nimmt er als offizielle Nummer zwei teil, hinter Lehmann und vor René Adler.

Nach der EM und dem Rücktritt Jens Lehmanns ist Robert Enke einer der Anwärter für dessen Nachfolge als Stammtorhüter. Er wird allerdings nicht ausdrücklich als neue Nummer eins im Tor der Nationalmannschaft benannt, so dass er sich der Konkurrenz von René Adler, Tim Wiese und Manuel Neuer stellen muss. Sein erstes Pflichtspiel für Deutschland macht er am 6. September 2008 in der WM-Qualifikation gegen Liechtenstein. Das Qualifikationsspiel gegen die russische Fußballnationalmannschaft im Oktober 2008 muss er jedoch wegen einer Handverletzung absagen.

Erst Ende März 2009 kehrt er für das Rückspiel gegen Liechtenstein – nunmehr nach einer Verletzung René Adlers – zur Nationalmannschaft zurück. Insgesamt hütet er in fünf von elf Spielen der Nationalmannschaft in der Saison 2008/2009 das Tor. Sein letztes Länderspiel ist das WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan am 12. August 2009, das in Baku 2:0 gewonnen wird. Die Rückspiele gegen Aserbaidschan (9. September 2009) sowie gegen Russland und Finnland (10. und 14. Oktober 2009) kann Enke nicht bestreiten. Sein Ausfall wird damals mit einer bakteriellen Infektion begründet. Im Nachhinein gibt Enkes Vater jedoch bekannt, dass der tatsächliche Grund Depressionen gewesen seien.

Am 10. November 2009 nimmt sich Enke an einem Bahnübergang im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge-Eilvese, unweit seines Wohnorts Himmelreich, durch Schienensuizid das Leben. Noch zwei Tage zuvor hat er am 12. Bundesliga-Spieltag beim 2:2 vor heimischer Kulisse gegen den Hamburger SV für Hannover 96 das Tor gehütet. In einer Pressekonferenz wird bekanntgegeben, dass er seit 2003 mehrfach wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung gewesen war. In seinem Abschiedsbrief bittet er Angehörige und Ärzte um Verzeihung.

 

Erfolge

Vize-Europameister 2008 (mit Deutschland)[svc_carousel_layout car_autoplay=”yes” dexcerpt=”yes” dmeta_data=”yes” dsocial=”yes” query_loop=”size:16|order_by:date|order:DESC|post_type:post|categories:17077″ grid_thumb_size=”200X172″ svc_class=”bigger-slider” title=”MEHR LIGALIVE – DIE GEHEIMNISSE DER BUNDESLIGA-KLUBS” pbgcolor=”#eaeaea” car_navigation_color=”#1fc132″]Maurice Banach gilt bis heute als eines der größten Talente im deutschen Fußball. 1990 wird er im Trikot von Wattenscheid Zweitligatorschützenkönig, beim 1. FC Köln erzielt er 24 Bundesliga-Tore in 49 Spielen. Am 17. November 1991 stirbt Maurice Banach bei einem Autounfall. Da ist er gerade 24 Jahre alt. Die Gründe sind bis heute ungeklärt.

Maurice Banach kommt bei einem Autounfall auf der A1 bei Remscheid in Höhe der Autobahnraststätte Remscheid ums Leben. Er ist gegen 8:27 Uhr mit seinem Opel Omega frontal gegen einen Brückenpfeiler gerast und im brennenden Autowrack gestorben. Seine Ehefrau wird gegen 11 Uhr per Telefon informiert. Vier Stunden zuvor hat sich Maurice Banach, den alle nur „Mucki“ nannten, bei seiner Frau mit den Worten verabschiedet: „Ich fahre allein zum Training, bleibt ihr ruhig hier. Ich bin gegen Mittag wieder hier.“

Maurice Banach ist im Sommer 1990 für 1,2 Millionen Mark zum 1. FC Köln gewechselt. Zuvor hat er für Wattenscheid 09 Tore am Fließband geschossen, in der Saison 1989/90 ist er allein 21-mal erfolgreich und damit nicht nur Torschützenkönig geworden, sondern auch eine der heißesten Personalien auf dem Bundesliga-Transfermarkt.

In Köln setzen sie ein Siegerlächeln auf, als sie den Zuschlag erhielten. Nicht Pierre Littbarski oder Frank Ordenewitz soll ihnen eine goldene Zukunft bescheren sondern Maurice Banach. Da sind sich die Domstädter sicher. Denn Banach gilt als Hotspot.Und in der Tat. Mucki Banach entwickelt sich zum erhofften Torjäger, der den 1. FC Köln wieder nach oben bringt. Bis zu seinem letzten Spiel auf Schalke am 16. November 1991 führt er die Torjägerliste der Bundesliga an.

Banach spielt dabei nicht Hacke, Spitze, etc., er macht auch keine Übersteiger. Er schoss einfach nur viele Tore. Sucht man nach gegenwärtigen Vergleichen, fallen einem Spieler wie Ruud van Nistelrooy oder Thomas Müller ein, die den Drang zum Tor und die Simplizität des Spiels vereinen. Seine letzten Tore erzielt Maurice Banach am 9. November beim 4:1-Heimspielsieg gegen Fortuna Düsseldorf. Der große Triumph gegen den Rivalen vom anderen Rheinufer.

Wenige Tage vor dem Unfall verlängert der 1. FC Köln seinen Vertrag für drei weitere Jahre. Und kurz vor seinem tragischen Tod sagt er in einem seiner letzten Interviews: „Eines Tages möchte ich nach Irland, das muss wunderbar sein, die Natur, die Luft. Da fahre ich dann nur Fahrrad.“ Danach legen sich Tragik und Pech über den Fußball und das Leben. Die genauen Umstände des Todes von Maurice Banach sind bis heute nicht geklärt.

Die Presse vermeldet im November 1991, Banach sei mit Restalkohol im Blut von Münster aus losgefahren. Am Abend zuvor sollen er und seine Frau eine Karnevalsparty besucht haben. Banachs Frau zweifelt die Blutwerte allerdings erfolgreich vor Gericht an. Andere Theorien besagen, dass der Spieler an jenem Morgen von der aufgehenden Sonne geblendet wird und die Kontrolle über das Auto verloren hat.Über diverse Kölner Zeitungen moniert Claudia Banach Jahre später, dass sich der 1. FC Köln nach dem Unglück nie um die Hinterbliebenen gekümmert habe.

„Sie waren sich damals schon zu fein, auf die Trauerfeier in einer Gaststätte zu kommen. Die FC-Delegation ging in ein Fünf-Sterne-Hotel“, sagt Banachs Witwe sie bei einem Treffen im FC-Stammtisch, später wird sie so auch in der BILD-Zeitung zitiert. Auch werden Details über eine Versicherung öffentlich, die der Klub für die Familie abgeschlossen hatte.

„Der Geschäftsführer Wolfgang Schänzler zahlte mir nur einen kleinen Teil. Die Begründung: Ich müsste mir ja keinen neuen Mann kaufen, der FC aber einen neuen Stürmer“, so formuliert es Claudia Banach anlässlich des 20. Todestages der BILD-Zeitung. Heute lebt sie mit ihren Kindern in Münster und ist wieder verheiratet.

An der Unfallstelle ist sie nie wieder vorbeigefahren. Wenn sie von Münster aus Richtung Köln unterwegs sind, nimmt sie immer die A 43 statt die A1, so wird erzählt. Ob „urban legend“ oder wahr, das ist unwichtig.

 

Erfolge

Torschützenkönig der 2. Bundesliga: 1989/90 (mit Wattenscheid 09)

DFB-Pokalfinalist 1990/91 (mit dem 1. FC Köln)Simply the Best – vielleicht der beste britische Fußballer aller Zeiten. In Old Trafford, Manchesters Theater der Fußball-Träume, steht seine Statue auf dem Vorplatz. Best gewinnt 1968 den Europapokal der Meister mit Manchester United, dazu den Ballon d’Or.

Das ewige Enfant terrible und der erste Popstar des britischen Fußballs bietet auch gut 15 Jahre nach seinem Tod genügend Stoff für Legenden und Mythen. Die 3. Halbzeit mit George Best, dieses technisch hochbegabten Außenstürmers von Manchester United (178 Tore in 466 Spielen) war so legendär wie seine Spielkunst. Freundinnen und Nobel-Karossen wechselt Best wie die Handtücher. Warum soll man nicht mal zeigen, dass es einem gut geht? In den Zeiten, in denen die Working Class noch den Großteil des britischen Stadion-Publikums bildete, eigentlich ein Sakrileg!

Sein Profi-Debüt gibt der Junge aus der Hafengegend von Belfast bei Manchester United gibt er bereits im Alter von 17 Jahren. Größte Erfolge mit den „Red Devils“: Englischer Meister 1967, Europapokalsieger der Landesmeister und „Fußballer des Jahres“ 1968. Das Londoner Wembley-Stadion erlebt im Finale gegen Benfica Lissabon (4:1 n. V.) 1968 das Stück: Der mit dem Ball tanzt! Mit seinem unnachahmlichen Hüftschwung lässt George Best Lissabons Torhüter Enrique aussteigen, schiebt den Ball ins leere Tor. „Eigentlich“, gesteht der Leichtfuß hinterher, „wollte ich den Ball noch einmal jonglieren und dann über die Linie köpfen, aber ich habe mich nicht getraut.“ Nicht getraut… britischer Best-Humor vom Besten!

Es gibt nämlich nur wenig, was sich George Best „nicht traut“. Seit den frühen Siebzigerjahren führt er das Leben eines Jet-Setters und Playboys. Die Klatschpresse füllt ihre Titelseiten mit seinen Extravaganzen. Motto: Sex sells – but Best sells, too! Seine Alkohol-Exzesse – Sternstunden des Boulevards!

Der Trauerzug für George Best. Foto: Imago Images / ZUMA Press

Was nur wenige wissen: Wenn Best seine Sauf-Orgien abhält, meist in Gesellschaft charmanter Damen, die schottisch-sparsam gekleidet sind, ist er eigentlich nicht er selbst. Warum das so ist, erklärt sein langjähriger Nationalmannschaftskollege Pat Jennings. „George war nicht anders, als wir alle, nur wurde er mit den Jahren immer populärer“, erklärt Jennings, „schließlich konnte er nicht einmal mehr die einfachsten Dinge unbeobachtet tun.“ Das sagt der nordirische Nationaltorhüter, der bei allen 37 Länderspielen des George Best mit ihm das Hotelzimmer teilt und als Musterprofi gilt.

Und George Best? Dessen Abstieg beginnt 1971. Manchester United suspendiert ihn erst, als es gar nicht mehr anders geht. Weil Best nach durchzechter Nacht den Zug zu einem Auswärtsspiel in London verpasst, fliegt er aus dem Team. Ein Jahr später wird George erneut aus dem Kader geworfen – diesmal hat er das Training verschlafen. Wir wissen allerdings nicht mehr, mit wem…

Die „Red Devils“, schon lange von ihm genervt, zwingen ihn, sein Haus in Cheshire zu verlassen und stattdessen in eine Mietwohnung in der Nähe des Old Trafford-Stadions zu ziehen. Im Sommer 1974 hat man in Manchester genug von seiner lange geduldeten Trunksucht und den ewigen Boulevardgeschichten. United-Trainer Tommy Docherty wirft ihn raus. Ein Fehler. Bis Manchester United wieder einen Spieler mit dem Glamour-Faktor eines George Best hat, dauert es bis 1995, bis zum Durchbruch eines gewissen David Robert Joseph Beckham. Nach seinem Abschied von Manchester United wechselt Best auch die Klubs im Jahres-Rhythmus und spielt bis 1984 bei 11 Teams, darunter u. a. Stockport County, FC Fulham, Fort Lauderdale Strikers und Hibernian Edinburgh.

Der freie Fall des „fünften Beatle“, wie George Best wegen seiner Riesen-Popularität genannt wird, beschleunigt sich mit einer gescheiterten Ehe und einer eine Reihe von geschäftlichen Fehlschlägen, wie den Pleiten seines Reisebüros und 2 seiner Lokale in Manchester. 1998 muss er sein mit Hypotheken überladenes Haus im noblen Londoner Stadtteil Chelsea verkaufen. Weihnachten 1984 verbringt George Best im Knast. Nach einer Trunkenheitsfahrt und einem Angriff auf einen Polizeibeamten landet der gefallene Superstar für 3 Monate im Gefängnis von Pentonville in Greater London.

1990 kaspert Best betrunken in einer Fernsehshow herum, doch ganz unten angekommen ist er noch nicht. Um überhaupt überleben zu können, braucht der Alkoholiker im Dezember 2002 eine Leber-Transplantation. Diese Operation und mehrere Entziehungskuren können George Best letztlich nicht mehr helfen. Am 25. November 2005 und nach fast vier Wochen Todeskampf stirbt er in einem Krankenhaus in London nach kollektivem Organversagen.Das tragische Leben des Fußballstars auf der Überholspur, George Best, lässt sich auch anhand seiner legendären Sprüche nachzeichnen.

 

George Best über

…seinen Lebensstil: „Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.“

…seine Popularität: „Ich könnte den anonymen Alkoholikern beitreten. Das Problem dabei ist nur, ich kann nicht anonym bleiben.“

…über Pelé: „Wäre ich hässlich auf die Welt gekommen, hätte die Welt Pelé nie gekannt.“

…über David Beckham: „Er hat keinen linken Fuß, kann nicht köpfen und erzielt keine Tore. Abgesehen davon ist er okay.“

..über Frauen: „Ich hatte schon immer eine Schwäche für junge, unverheiratete Frauen: Miss England, Miss Kanada, Miss World.“

…seinen Alkoholkonsum: „Ich habe mit dem Trinken aufgehört. Aber nur wenn ich schlafe.“

…seine Karriere: „Das einzige, was ich wirklich bereue ist, nicht noch zehn Jahre weitergespielt zu haben.“

…den Zusammenhang von Bluttransfusionen und seinen Trinkgewohnheiten: „Die haben innerhalb von 10 Stunden 40 Pints in mich geschüttet. Damit haben sie meinen Rekord um 20 Minuten verbessert.“

 

Andere über George Best

ManU-Trainer Alex Ferguson: „Er ist der größte britische Fußballer von allen.“

Sir Bobby Charlton: „Er ist auf einer Stufe mit den besten Spielern aller Zeiten“

Ex-Bayern-Profi Mark Hughes: „Ich werde ihn immer als besten Fußballer der Welt in Erinnerung behalten.“

Chefarzt Roger Williams: „Es ist unglaublich. Niemand von uns hat jemals miterlebt, dass ein Patient durch so viele Komplikationen kam wie er. Er muss eine ganz starke Person sein.“

Sohn Calum Best: „Ich habe nicht nur meinen Vater verloren, sondern wir alle haben einen wunderbaren Menschen verloren.“

 

Erfolge

Mit Manchester United.

Europapokalsieger der Landesmeister: 1968

Englischer Meister: 1965, 1967

Individuelle Auszeichnungen

Europas Fußballer des Jahres: 1968

Englands Fußballer des Jahres: 1968

Aufnahme in die englische Football Hall of Fame: 2002

Ehrendoktorwürde an der Queen’s University Belfast: 2001
Gerd Müller ist an Alzheimer erkrankt. Der „Bomber der Nation“, „kleines dickes Müller“, so nennt ihn sein erster Trainer im Profibereich, Zlatko „Tschik“ Cajkovski († 1998) – das sind seine Spitznamen, die bis heute jedem Fan geläufig sind. Gerd Müller ist physisch nicht der imposanteste Stürmer – auch nicht zu seinen Glanzzeiten. Aber für eine gewisse Zeit ist er der beste Mittelstürmer der Welt.

Gerd Müller erzielt insgesamt 398 Tore in 453 Ligaspielen für den FC Bayern. Dabei ist er mit 365 Toren aus 427 Einsätzen auf ewig Rekord-Torschütze der Bundesliga. Und er schafft 68 Länderspieltore für Deutschland in 62 Länderspielen, das macht einen Schnitt von mehr als einem Treffer pro DFB-Einsatz. Als er in einer Ad-hoc-Aktion zurücktritt, ist und bleibt er bis 2014 (Miroslav Klose) deutscher WM-Torschützenkönig mit 14 Toren. Mit 10 Treffern holt er sich 1970 bei der WM in Mexiko den Titel des besten Schützern. Was ihn besonders auszeichnet, ist seine Fähigkeit, sich auf engstem Raum zu bewegen, Gegner stehen zu lassen und aus den unmöglichsten Situationen heraus, Tore zu erzielen.

Das kann kein Stürmer auf der Welt so gut wie er. Warum? Weil Gerd Müller für einen bestimmten Typ Mittelstürmer steht. Statt durch Größe oder physische Präsenz glänzt er mit unglaublicher Wendigkeit, großem Reaktionsvermögen und blitzschneller Antizipation. Gerd Müller kann Tore vorausahnen. So gut sich Gerd Müller auf dem Platz zu Recht findet, so schlecht kommt er nach der Karriere im richtigen Leben zurecht. Auch ihn verschlägt es Ende der 1970er Jahre in die USA, wo es für Fußball-Altstars aus Europa wie Franz Anton Beckenbauer, George Best oder Johan Cruyff noch mal schnelle Dollars zu verdienen gibt. Aber Müller geht nicht nach New York, sondern nach Florida. Und dort beginnt wohl auch schon das Verhängnis mit dem Alkohol.

Tragisch wird Gerd Müllers Karriere ab 1979. Als er im Zorn über eine Auswechslung nach Florida auswandert, findet der „Bomber der Nation“ nach seinem letzten Spiel für die Weltmannschaft von den Orlando Smith Brothers in Fort Lauderdale keinen richtigen Platz mehr im Leben. Jedenfalls keinen, der ihn ausfüllt. Nach fünf Jahren in den USA bei drei Klubs kehrt er zehn Jahre, nachdem er Deutschland am 7. Juli 1974 zum Weltmeistertitel geschossen hat, nach München zurück und steht vor dem persönlichen (nicht dem finanziellen) Nichts.

Im September 1991 werden Müllers Probleme öffentlich. Als Kiebitz beim Bayern-Training ist er angetroffen gesichtet worden, seine Ehefrau will die Scheidung und auch die Steuerfahnder sind ihm auf der Spur – und wollen 2 Eigentums-Wohnungen pfänden. Müller steckt mit Mitte 40 in der Lebenskrise. Er hat nicht das Zeug zum autoritären Trainer, cleveren Manager oder eloquenten TV-Experten, das wissen alle, die den gelernten Weber kannten. „Du bist kein Mann der großen Worte. Du hast die Tore geschossen, ohne viel zu reden“, so charakterisiert ihn 2003 Franz Beckenbauer in seiner Laudatio, als Gerd Müller zum wertvollsten Bundesliga-Spieler aller Zeiten gekürt wird.

.Der Held einer Generation nur noch eine Lachnummer – das können die Bayern nicht mit ansehen. Und da reicht ihm der „Mia-san-Mia“-Klub, der sich selbst als große Familie sieht, die Hand. Gute Freunde kann eben niemand trennen. Es ist bitter nötig, denn Gerd Müller ist ganz unten. „Schlimmer hätte es gar nicht kommen können. Du bist oben, schwebst im Himmel. Und fällst und fällst. Plötzlich bist du in der Hölle“, sagt er in einem Interview, „ich habe sehr gelitten, und ohne die Hilfe meiner Freunde hätte ich es wohl nicht geschafft.“

Seine Freunde: allen voran „der Uli, der Franz und der Kalle“, wie er die Kameraden von einst nennt. Hoeneß, Beckenbauer, Rummenigge – alle haben sie mit ihm gespielt, gesiegt und gefeiert. Nun gilt es, zurückzugeben. Aber nach diesen Toren reißt sich eben 1984 niemand mehr um den „Bomber der Nation“. Jetzt gibt es die Rummenigges und die Völlers, denen die Fans zujubeln. „Nur nichts tun. Den ganzen Tag einfach nur rumsitzen und nichts Sinnvolles machen – das war das Verderben“, räsoniert er selbst über seine Flucht in den Alkohol.

Bei Prominenten-Spielen, erzürnt sich sein Weggefährte Uli Hoeneß, hätten sie ihn abgefüllt und sich dann über ihn lustig gemacht. Also überreden ihn die Bayern-Freunde, eine Entziehungskur zu machen, auch psychiatrische Hilfe nimmt er in Anspruch. Und seine Frau überlegt sich das noch mal mit der Scheidung. Die größte Hilfe aber ist der wohl am schlechtesten bezahlte Vertrag, den ihm der FC Bayern je gegeben hat: Seit 1992 ist er wieder angestellt bei dem Klub, für den sein Herz schlägt und er gibt wieder andere Interviews:„Ich bin vollkommen glücklich, und ich bin beschäftigt“, sagt er 1993, als er die A-Jugend trainieren darf.

Er ist auch schon Sponsorenbetreuer, Talentsucher, Stürmer- und Torwarttrainer, Co-Trainer bei den Profis und zuletzt bei den Amateuren. Doch dann schlägt die Alzheimer-Erkrankung zu. Das ist im Oktober 2015. Der letzte Abschnitt im traurigen Leben des Bombers.

 

Erfolge

Mit der deutschen Nationalmannschaft:

Weltmeister: 1974, Dritter 1970

Europameister: 1972

Mit dem FC Bayern München:

Regionalliga-Meister: 1965

Deutscher Meister: 1968/69, 1971/72, 1972/73, 1973/74

DFB-Pokal-Sieger: 1966, 1967, 1969, 1971

Europapokalsieger der Pokalsieger: 1967

Europapokalsieger der Landesmeister: 1974, 1975, 1976

Weltpokalsieger: 1976

 

Persönliche Auszeichnungen (Auswahl)

Bundesliga-Torschützenkönig (7-mal): 1966/67 (28 Tore), 1968/69 (30 Tore), 1969/70 (38 Tore), 1971/72 (40 Tore), 1972/73 (36 Tore), 1973/74 (30 Tore), 1977/78 (24 Tore)

DFB-Pokal-Torschützenkönig (3-mal): 1967 (9 Tore), 1969 (7 Tore), 1971 (11 Tore)

Torschützenkönig im Europapokal der Landesmeister (4-mal): 1973 (12 Tore), 1974 (9 Tore), 1975 (5 Tore), 1977 (8 Tore)

Bester Torschütze Europas (2-mal): 1970 (38 Tore), 1972 (40 Tore)

WM-Torschützenkönig: 1970 (10 Tore)

Deutschlands Fußballer des Jahres: 1967, 1969

Ballon d’Or: 1970 (Dritter 1969, Zweiter 1972, Dritter 1973)

Mitglied der FIFA 100 (Liste der besten lebenden 125 Spieler der Welt, erstellt von Pelé am 4. März 2004)

Berufungen in die offizielle FIFA-Auswahl: 1971, 1972, 1973

Nominierung in die UEFA-Auswahl: 1973

FIFA-Verdienstorden 1998„Dieux du Brésil – Brasilianische Fußballgötter“, so lautet der Titel einer der bekanntesten Film-Dokumentationen von Jean-Christophe Rosé aus dem Jahr 2002 über Pelé und Garrincha. Der eine: Der strahlende, ewig Tore erzielende Edson Arantes do Nascimento, genannt Pelé. Der andere: Manuel Francisco dos Santos, genannt Mané Garrincha.

Er hat stets eine Schräglage. Aufgrund zweier krummer Beine. Das eine Bein ist zudem noch sechs Zentimeter kürzer als das andere Bein. Dadurch scheint es ständig so, als würde er gleich sein Gleichgewicht verlieren. Doch Garrincha fällt nie, oder erst dann, wenn die Gegner ihm mehrfach in die Beine getreten haben.

Manuel Francisco dos Santos hat in seinem kurzen Leben viele Namen bekommen, Garrincha, auf Deutsch „kleiner Vogel“, wird er wegen der Leichtigkeit seines Spiels genannt. Weil er von Geburt an ein O- und ein X-Bein hat, nennen sie ihn „Engel der krummen Beine“. Und als er berühmt wird, ist er der „Alegria de Povo“, die Freude des Volkes. Der Schriftsteller Nelson Rodrigues hat ihn in seinen Chroniken den „Charlie Chaplin des Fußballs“ genannt. Ungefähr so Slapstick mäßig sieht es auch aus, wenn man sich den tanzenden Außenstürmer in den wenigen alten Filmaufnahmen anschaut, die es von Garrincha gibt.

Meistens ist es der gleiche Trick: Er täuscht an, einmal, zweimal, wippt mit dem Oberkörper, springt vor und zurück, wartet ab, und plötzlich zieht er am Gegner vorbei. Manchmal hält er dann inne, damit ihn der Verteidiger wieder einholen kann, um einmal mit dem Ball um ihn zu kreisen und erneut an ihm vorbei zu flitzen. Garrincha ist ein „Malandro“, ein Schlitzohr, ein Schlingel – eine Figur, die im brasilianischen Fußball bis heute kaum wegzudenken ist. Spieler wie Edmundo und Romário gelten ebenfalls als „Malandros“.

Auch Josimar ist einer. Jener Rechtsverteidiger, der bei der WM 1986 aus dem Nichts auftaucht, zwei unglaubliche Tore fast von der Eckfahne erzielt und dann wieder aus dem Rampenlicht verschwindet und im Drogensumpf endet. Der Godfather aller „Malandros“ aber war und ist Garrincha, 1958 und 1962 mit Brasilien zwei Mal in Folge Weltmeister, Rechtsaußen von Botafogo in Rio, ein „Malandro“ und ein „Mulherengo“, ein ausgemachter Frauenheld, aus dem kleinen Städtchen Pau Grande. In Brasilien sagt man, Pelé werde zwar geschätzt. Vergöttert werde aber primär „Mané“ Garrincha. Brasiliens so unterschiedliche Fußballgötter eben.

Als Garrincha aktiv spielt, gibt es noch keine Gelben Karten und er wird ständig getreten und gefoult, ohne dass es geahndet wurde. Ob er heute besser wäre und eine große Nummer im verdichteten Mittelfeld des modernen Fußballs und im Blitzlicht der elektronischen Medien? Fraglich! In dem Moment, in dem Garrinchas Stern 1958 während der Weltmeisterschaft in Schweden aufgeht, sind es zuerst die Zuschauer in den Stadien, die begriffen haben, dass hier ein außergewöhnlicher Fußballer sein internationales Debüt feiert.So etwas hat man bis dahin noch nicht gesehen, all die Tricks, die Finten, diese ursprüngliche, fast naiv anmutende Freude am Spiel. Er erfand Tricks, entwickelt andere weiter, macht intuitiv Dinge, die andere Spieler über Jahre einstudieren müssten.

Der Titelgewinn 1958, der das Trauma der im eigenen Land verlorenen WM von 1950 mildert, macht Garrincha fast über Nacht zur nationalen Identifikationsfigur. Er versammelt die Bevölkerung eines Landes hinter sich, das von einer politischen Krise in die nächste taumelt. Eine eigentlich stolze Nation, die sich aus eigener Kraft aus der portugiesischen Kolonialherrschaft befreit hatte. Die „Seleção“ eint das Volk. Und Garrincha wird verehrt, obwohl seine Schwierigkeiten mit dem Leben jenseits des Fußballplatzes offensichtlich sind. Früh schon beginnt er zu trinken, wohl auch, um die Schmerzen in seinen verkrüppelten Beinen zu ertragen. Er ist in mehrere Autounfälle verwickelt, kommt mit dem Geld nicht aus. Wenig erstaunlich also, dass Porträts Garrincha stets als genialen Fußballer, aber bescheidenen Geist darstellen.

Doch Garrincha ist anders – ein dem Alkohol verfallener empfindsamer Mensch, der sich auf dem Land wohlfühlt. Als er sich 1966 von seiner Frau und sechs Kindern trennt, um mit der skandalumwitterten Sängerin Elza Soares zusammenzuleben, die er bei der erfolgreichen WM 1962 in Chile kennengelernt hat. Die Liaison des Fußballkönigs mit einer Mulattin aus bitterarmen Verhältnissen, das entspricht im katholischen Brasilien nicht dem guten Ton. Das Volk auf den Straßen hingegen lässt nicht von seinem Idol. Und stürzt prompt in eine tiefe Depression, als Garrincha 1966 Abschied von der Nationalmannschaft nimmt. 1973 beendet er mit einem Abschiedsspiel im Maracanã seine Karriere. Und gerät bald in Vergessenheit.

Die schmale Rente reicht hinten und vorne nicht. Als er am 20. Januar 1983 als erst 49-Jähriger an einer Alkoholvergiftung, ohne einen Pfennig in der Tasche, stirbt, hinterlässt Garrincha mindestens 14 Kinder und ein Publikum, das sich nun wieder an ihn erinnert. Den Weg zum Grab säumen tausende Anhänger. Es ist kein Zufall, dass Garrinchas Tod zeitlich mit dem Ende jenes „futebol arte“ zusammenfällt, des klassischen brasilianischen Kunstfußballs, der den Fußball in spielerischer Vollkommenheit inszenierte.

Ein Jahr vor Garrinchas Tod, bei der WM 1982 in Spanien, ist die traumhaft aufspielende Nationalmannschaft Brasiliens um Zico, Sócrates und Falcão an den cleveren Italienern bereits im Achtelfinale gescheitert. Übrigens: Stehen Pele und Garrincha – die beiden außergewöhnlichsten Kicker Brasiliens – zusammen in der Nationalelf, geht kein einziges Spiel verloren. Garrincha muss in seiner Länderspielkarriere sowieso nur eine Niederlage hinnehmen – in seinem letzten Spiel für Brasilien (insgesamt 50 Einsätze, 12 Tore) beim WM-Vorrunden-Aus für den Titelverteidiger am 15. Juli 1966 in England gegen Ungarn (1:3).

Sein Grabstein auf dem Friedhof „Cemiterio Raiz da Serra“ von Rio de Janeiro trägt die Inschrift:

Descanse em paz, que era a alegria do povo – Mané Garrincha. (Dt.: Hier ruht in Frieden der, der die Freude des Volkes war – Mané Garrincha).

 

Erfolge

Nationalmannschaft Brasiliens:

Fußballweltmeister 1958, 1962

O'Higgins Cup: 1955, 1959, 1961

Oswaldo Cruz Cup: 1960

Botafogo:

Internationale Titel

World Champion Clubs (Paris Intercontinental Championship): 1963

International Quadrangular Turnier: 1954

Interclub Turnier Pentagonal Mexiko: 1958

International Turnier von Kolumbien: 1960

International Turnier in Costa Rica: 1961

Pentagonal (Mexiko): 1962

Goldenes Jubiläums Turnier des Fußballverbandes von La Paz: 1964

Ibero-Amerikanisches Turnier: 1964

Panamaribo Cup: 1964

Nationale Titel

Brasilianischer Meister: 1962 und 1964

Torneio Rio-São Paulo: 1962 und 1964

Interstate Cup Champions Club: 1962

Staatsmeisterschaft von Rio de Janeiro: 1957, 1961, 1962

Individuelle Titel (Auswahl)

WM Torschützenkönig: 1962

Bester Spieler der brasilianischen Meisterschaft: 1962

Bester Spieler Rio-São Paulo Turnier: 1962

Bester Spieler Interstate Club Champions Cup: 1962

Bester Spieler Staatsmeisterschaft von São Paulo: 1957, 1961, 1962

Brasilianische Ruhmeshalle des Fußballs


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