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Diese 25 deutschen Fußballer wurden im Ausland zu Ikonen – oder auch nicht

Günter Netzer (BR Deutschland / Real Madrid)

Eigentlich war alles im Eimer. Durchgefallen, in Deutschland nicht mehr vermittelbar, letzte Chance für die Fußballkarriere: Das Ausland. Es gibt viele Spieler im deutschen Fußball, die diesen Rettungs-Anker nutzten. Keine Chance mehr zu haben, diese aber dafür zu nutzen, verlieh vielen deutschen Fußballern im Ausland Flügel.

Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Für viele gestandene deutsche Profis oder Spieler, die sich in der Bundesliga längst Legenden-Status erworben hatten, sollte das Ausland die Krönung ihrer Laufbahn werden. Das ging nicht immer gut… Diese 25 deutschen Fußballer im Ausland wurden zu Ikonen.

Oder sie scheiterten krachend. Weil sie zur falschen Zeit beim falschen Klub waren, auf diktatorische Trainer trafen oder von den eigenen Fans gemobbt wurden. In diesem Beitrag sind 25 Schicksale von deutschen Profis, die im Ausland zu Ikonen wurden, zusammengefasst. Es sind Geschichten, die nach Fußballmärchen klingen.

Oft mit einem „Mister Cinderella“, wie die Frankfurter Rundschau einen der vielen deutschen Torwart-Helden in England nannte, oft aber auch getrieben vom schnöden Mammon. Die Wechsel von Bundesliga-Granden ins Ausland waren mal Höhe- oder Schlusspunkt von großartig verlaufenden Karrieren, mal letzte Chance, mal millionenschweres Missverständnis, mal „Vom Sandplatz-Kicker zum Fußball-Millionär“-Stories.Los geht es mit der Kategorie der Spieler, die in Deutschland weitgehend unbekannt waren oder in unteren Ligen spielten – und im Ausland zu Stars wurden.

Es folgen die deutschen Profis, die man in jeder Bundesliga-Chronik in der Rubrik „guter Durchschnitt“ findet – und die im Ausland noch einen draufsetzten und zum Idol wurden. Die Kategorie der Spieler, die nie oder erst nach dem Gang ins Ausland in Deutschland erstklassig gespielt haben und dann woanders Legendenstatus erlangten, führt uns zurück bis in die Zeit, in der der Fußball laufen lernte.

Den Spielern aus der Schwarzweiß-Zeit des Fußballs folgt die Kategorie mit den Arrivierten, die im Ausland nicht nur den nächsten Schritt machen wollten, sondern dabei von der Legende zur Über-Legende wurden.

Und über eine Kategorie an deutschen Spielern lachen die meisten Fans heute noch, wenn sie an ihre ungeschickten oder erfolglosen Engagements im Ausland denken. Bundesliga-Superstars, die in die Auslands-Wechselfalle tappten – und dann reumütig zurückkehrten.„Mein Name in Deutschland war kaputt“. So erklärt Rainer Rauffmann 1997 seinen erstaunlichen Wechsel zu Omonia Nikosia. Auf Zypern will der in der Bundesliga gescheiterte Sturm-Riese noch einmal neu starten. Er kam als Fremder – und ging als Legende.

Als Rainer Rauffmann 1997 auf Zypern landet, wird er dort wie ein Heilsbringer empfangen. Balsam auf die Wunden eines abgehalfterten Bundesliga-Profis, der nur noch eines ist: Nicht mehr vermittelbar. Blau-Weiß 90 Berlin in der 2. Liga Nord, der SV Meppen. Rauffmanns Vereine gelten als Synonym der fußballerischen grauen Maus. Seine maue Bilanz: Vier Tore in 26 Erstliga-Spielen für Frankfurt, zwei Abstiege mit der Eintracht und Arminia Bielefeld, eine erfolglose Leihe nach Österreich zum Linzer ASK. Bei der Arminia hatte sich der 1,89 m große Sturmtank zuvor mit dem exzentrischen Trainer Ernst Middendorp überworfen. Wegbegleiter berichten von einem dreistündigen Straftraining für den angeblich lauffaulen Stürmer. Nun also Zypern.

Rainer Rauffmann schafft bei Omonia Nikosia unverhofft den Sprung in den Fußball-Olymp. 181 Tore in 152 Liga-Spielen machen ihn zum unumstrittenen Fan-Liebling – und zum politischen Hoffnungsträger.

„Wenn er wollte, könnte er Präsident unseres Landes werden“,

jubelt Zyperns damaliger Honorar-Konsul Nicos Attas. 1998 blieb ihm der „Goldene Schuh“ als bester Torjäger in Europa nur aufgrund des niedrigen UEFA-Koeffizienten Zyperns verwehrt.

2002 eingebürgert, macht Zyperns neuer Fußballgott bis 2003 auch vier Länderspiele für den Inselstaat. „Trellos Germanos“ – verrückter Deutscher – skandierten die Fans in Nikosia 2004 bei seinem Abschiedsspiel. Oder anders: Alles richtig gemacht. Als Anorthosis Famagusta 2008 in die Champions League einzieht, reißen sich die deutschen TV-Sender um den „Fußballgott“ aus Zypern. Rauffmann schwärmt am Mikrofon von der neuen Qualität des zyprischen Fußballs. Und er ist überraschend selbstkritisch:

„Ein Blinder wie ich würde dort heute keine 40 Tore mehr schießen.“

Wer das Siegerfoto der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach dem WM-Finale vom 13. Juli 2014 gegen Argentinien (1:0 n. V.) anschaut, wird immer an einem Spieler hängen bleiben: Shkodran Mustafi.

Der Abwehrspieler aus Bad Hersfeld, Sohn albanischer Einwanderer, darf sich seit der WM 2014 zu dem exklusiven Kreis der Spieler zählen, die nie in der höchsten deutschen Fußball-Liga spielten – und dennoch Weltmeister wurden. Der Defensiv-Allrounder wechselt schon 2009 vom Jugend-Leistungszentrum des Hamburger SV auf die Insel. Mehr als ein paar Trainingseinheiten bei den Profis mit Coach Martin Jol sind nicht drin. Beim FC Everton wird es wieder nichts. Bis 2012 kommt Mustafi bei den „Toffees“ ausschließlich in der Reserve zum Einsatz. Die Wende bringt ein Angebot von Sampdoria Genua, 2012.

Der Europapokalsieger von 1990 spielt zu diesem Zeitpunkt in der italienischen Serie B. Mustafi gibt erst am 42. Spieltag gegen Varese sein Debüt, steigt aber mit „Samp“ dennoch in die Serie A auf. 2013/2014 absolviert Mustafi 30 von 38 Liga-Spielen in Italien über die volle Distanz, 33-mal kam er in dieser Spielzeit insgesamt zum Einsatz.

Dass Mustafi auf den erfolgreichen WM-Zug aufspringen kann, verdankt der Defensivspieler, der zuvor alle DFB-Junioren-Nationalmannschaften durchlaufen hat, der Verletzung von Dortmund-Star Marco Reus im letzten Testspiel gegen Armenien in Mainz. Mustafi, der erst am 13. Mai 2014 gegen Polen (0:0) sein Länderspiel-Debüt gegeben hat, rückt nach und stand im Achtelfinale gegen Algerien sogar in der Startelf. Nach der Weltmeisterschaft zieht es ihn zum FC Valencia, ehe er 2016 für die spektakuläre Ablösesumme von 41 Millionen Euro zum FC Arsenal nach England zurückkehrt.Ronald Rengs Der Traumhüter von 2002 gilt als das Buch in Deutschland, das dem Fußball letztlich literarisch salonfähig machte. Es wurde 2004 zum Sportbuch des Jahres gekürt – und erzählt die unglaubliche Geschichte des Torhüters Lars Leese.

„Ich genieße alle Vorteile eines C-Promi“, sagt Lars Leese, inzwischen 49 Jahre alt, heute über sich. Diesen Umstand verdankt er einem der ungewöhnlichsten Vereinswechsel der deutschen Fußballgeschichte. In der Jugend des 1. FC Köln und des SC Fortuna groß geworden, tingelt der 1,98 m-Torwarthüne ab Mitte der Neunziger durch die unteren Ligen. Sportfreunde Neitersen, VfB Wissen im Westerwald, Preußen Köln – bei allem Respekt: Keine fußballerischen Top-Adressen für einen ambitionierten Keeper. Die Saison 1996/97 scheint den Durchbruch zu bringen. Lars Leese wechselt zu Bayer 04 Leverkusen in die Bundesliga. Mit dem neuen Coach Christoph Daum, so scheint es, hat er nun einen echten Star-Trainer. Aber: Daum setzt nicht auf Leese. Die Konkurrenten Dirk Heinen und Rüdiger Vollborn sind beim Vizemeister zu stark. Beim „Ansturm der jungen Wilden“, wie der Kicker in einem Special die Saison der Leverkusener überschreibt, war Leese nur auf dem Mannschaftsfoto dabei…

Der Überraschungscoup dann im Sommer 1997. Lars Leese wechselt zum Aufsteiger FC Barnsley in die englische Premier League. Im Oakwell Stadium wird der Deutsche schnell zum Publikumsliebling. „Lars Leese – tall as Trees“, „Lars Leese, so mächtig wie Bäume“, reimt ein lokaler Dichter etwas ungelenkig auf ihn. Erst recht, als er beim großen FC Liverpool an der Anfield Road den 1:0-Sieg festhält. In neun Premier-League-Spielen kommt Lesse zum Einsatz – dass er dabei zwei Mal ohne Gegentor bleibt, ist nur wenig tröstlich. Barnsley steigt am Saisonende 1997/98 ab – und für Lars Leese heißt es „Zurück auf los.“

Der „Traumhüter“, wenig später wunderbar literarisiert, ist zurück in der rauen deutschen Fußball-Realität. Die Erinnerung an den gelebten Fußballtraum nimmt ihm niemand mehr. „Als wir zwei Spieltage vor Schluss in Leicester City mit 0:1 verloren und damit der Abstieg besiegelt war“, erzählt Leese 2007 der Zeitschrift 11 FREUNDE, „standen 4.000 Fans auf der Tribüne, haben ,We love you Barnsley‘ gesungen und dabei geweint. Das war ein bewegendes Bild.“Mit 16 Jahren wechselt Moritz Volz 1999 aus der Jugend des FC Schalke 04 zum FC Arsenal. Ein „unmoralisches Angebot“, über das die S04-Jugenddirektoren alles andere als amused sind. Der Wechsel eines deutschen Jugendspielers ins Ausland war bis dahin die Ausnahme. In elf Jahren England wird Volz zum Gegenentwurf des protzigen Jung-Profis aus der Premier League.

Den „lustigen Deutschen“ nennen sie Moritz Volz im noblen Londoner Südwesten. Wenn der Jungprofi anstatt mit teurer Karosse mit dem Fahrrad zum Trainingsgelände seines Klubs FC Fulham fuhr, betrieb er ungewöhnliche, aber effektive Image-Werbung. Ein Junge, der als Premier-League-Profi nicht eben hungern muss trotz allen Klischees der Branche– ganz der Humor der Briten. „In der Welt der Range Rover fährt er mit dem Klapprad zu den Heimspielen“, wundert sich die noble Times.

Auch sonst scheinen britischer Humor und Moritz Volz irgendwie zu passen. Er gibt den Fans Tipps für den Friseurbesuch oder tritt als David-Hasselhoff-Double mit roter Baywatch-Badehose und Brusthaar-Toupet auf. Ein Spaßvogel, an dem die Komiker-Truppe von Monty Python sicher ihre helle Freude gehabt hätte. „Er ist ein Deutscher mit Sinn für Humor“, freut sich auch The Guardian, „mehr noch, er ist ein deutscher Fußballer mit Sinn für Humor.“

Und nun zu etwas völlig Anderem. Moritz Volz setzt auch auf dem englischen Rasen Meilensteine. Am 30. Dezember 2006 erzielt er für Fulham gegen den Lokalrivalen FC Chelsea (2:2) das 15.000. Tor der Premier-League-Geschichte. Für die „Cottagers“ lief er zwischen 2004 und 2009 insgesamt 108-mal in der englischen Fußball-Eliteliga auf. Ein Wechsel zu seinem Jugendverein FC Schalke 04 scheitert 2010 am Veto des auf Schalke allmächtigen Felix Magath.Los geht  es mit den Höhnern. Bei seiner Ankunft bei Preston North End trällert Thorsten Stuckmann – so will es ein alter Brauch unter britischen Fußballspielern – in der Kabine ein Liedchen zum Einstand. Der deutsche Torhüter hat sich „Schenk mir Dein Herz“ von der Kölner Stimmungsband ausgesucht – und voll ins Schwarze getroffen.

Thorsten Stuckmann erhält im November 2011 nach wenig spektakulär klingenden Stationen bei Preußen Münster, Eintracht Braunschweig und Alemannia Aachen die Chance seines Lebens: Ein Wochen-Vertrag bei Preston North End. Eigentlich soll er nur Stammkeeper Iain Turner vertreten. Aber wie das so ist mit bezahlten Praktika oder Zeitverträgen. Manchmal führen sie zum Erfolg. In neun Spielen kassiert Stuckmann er nur fünf Gegentore. Im Januar 2012 gibt ihm der in der drittklassigen Football League One firmierende Klub Preston North End einen 18-Monats-Vertrag, den Stuckmann nicht ausschlägt.

Er wird zum Helden im Stadion Deepdale. „Es sind einige Spiele, an die ich oft denken muss“, verriet Stuckmann in einem Interview Anfang 2015 mit Transfermarkt.de, „einmal ein Pokalspiel gegen Oldham Athletic im Dezember 2014 (10:9 n. E., Johnstone’s Paint Trophy, d. Red.), das ebenfalls ins Elfmeterschießen ging. Damals mussten beide Torhüter im Elfmeterschießen antreten, wobei ich meinen Elfer verwandeln und den Schuss des gegnerischen Keepers halten konnte. Ich glaube, das war das erste Tor in meiner Karriere. In meinem ersten Jahr bei Preston North End haben die Fans in Oldham einen „Thorsten-Stuckmann-Day“ gemacht.“ Und der sah so aus: Viele Anhänger von PNE haben Gesichtsmasken mit Stuckmanns Konterfei und Deutschlandflaggen in den Boundary Park mitgebracht und so den Gästeblock in Schwarz-Rot-Gold getaucht.

Das größte Spiel des deutschen Keepers auf der Insel ist FA Cup-Achtelfinale am 16. Februar 2015 – gegen Manchester United. „Diese Partie“, erinnert sich Stuckmann, „wurde im Vorfeld als Jahrhundertspiel für Preston bezeichnet. Die Atmosphäre im Stadion war sensationell. So, wie wir uns verkauft haben, war es eine rundum gute Werbung für den Verein und für jeden einzelnen Spieler.“ Doch gegen die Nonchalance eines Wayne Rooney ist der Deutsche machtlos. Der englische Nationalspieler fällt gegen Stuckmann im Strafraum – und verwandelt den herausgeholten Elfmeter höchst selbst. 1:3, Prestons Pokal-Traum ist zu Ende. „In solchen Spielen merkt man, was für ein Privileg es ist, Fußballer zu sein. Man sollte wirklich jeden Tag alles geben, um diesen Sport ausüben zu können. Für solche Spiele wie gegen Manchester ist man Profi.“


Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen, so heißt der 135-minütige Streifen. Mit diesem Film geht der Bonner Autor Aljoscha Pause 2011 beim 8. Internationalen Fußballfestival 11 mm in Berlin an den Start. Von 2003 bis 2011 hat er eine Langzeit-Dokumentation über den Fußballprofi Thomas Broich gedreht – und auf mehr als 100 Stunden Rohmaterial eine unglaubliche Karriere nachgezeichnet.

Doch der Reihe nach. Der Karriereweg des gebürtigen Münchners verläuft lange Zeit linear, aber wenig spektakulär. Die Aufstiege in die Bundesliga mit dem 1. FC Köln (2008) und mit Wacker Burghausen in die 2. Liga sechs Jahre zuvor dürfen als Highlights gewertet werden. Zwei Spiele absolviert der defensive Mittelfeldspieler Broich auch im „Team 2006“, der Mannschaft der Zu-kurz-Gekommenen beim DFB.

Ein Wechsel zum 1. FC Nürnberg und eine hartnäckige Verletzung werfen Broich 2009 zurück. Am Ende der Saison 2009/2010 trennt sich der „Club“ von Thomas Broich. Der tut danach das, was alle vereinslose Profis tun: Er sondierte die Angebote, auch aus dem Ausland – und unterschreibt in Australien.

Dass der in der Bundesliga ausgemusterte Broich in der oft belächelten A-League in Down Under zur Legende werden würde, konnten weder er selbst noch Filmemacher Pause erahnen. Brisbane Roar gab Broich einen Drei-Jahres-Vertrag – und holt mit ihm auf Anhieb die australische Meisterschaft. Mit dem 36. Liga-Spiel ohne Niederlage durchbrechen Broich und Brisbane am 26. November 2011 einen 74 Jahre alten Rekord im australischen Fußball, ehe der Deutsche am 10. April 2012 zu „Australiens Fußballer des Jahres“ gewählt wurde. Dazu erhält er die Johnny-Warren-Medaille als bester Sportler der Saison 2011/2012 in Australien. Bis 2017 bleibt Thomas Broich in Brisbane – und gewinnt mit dem Team noch zwei weitere Meisterschaften. In der Tat: Filmreifer Stoff.Die britische Insel als Wohlfühl-Oase für deutsche Torhüter – auch Gerhard Tremmel steht in dieser exklusiven Reihe der Handschuhträger. Der heute 39-jährige Münchner glaubte, in 125 Bundesliga-Spielen in Unterhaching, bei Hannover 96, Hertha BSC und Energie Cottbus alles gesehen zu haben. Bis er zu Swansea City kam.

Die Rituale beim Premier-League-Aufsteiger muteten selbst für den hartgesottenen Keeper, der mit seinen irren Paraden für Haching 2000 Bayer Leverkusen als Deutschen Meister verhinderte, befremdlich an. „Auch bei Hertha hatten wir eine super Truppe, aber sowas habe ich noch nie erlebt. Wenn wir ausgehen, laufen wir mit 25 Mann in die Bar ein, da bleibt keiner zu Hause“, erzählte Tremmel 2012 der SPORT BILD, „ im Winter waren wir mitten in der Saison auf Teneriffa. Ich habe den Torwarttrainer gefragt, wie und was wir trainieren werden. Da hat der mich verdutzt angeschaut: ‘Wie, trainieren?' Wir haben dann in fünf Tagen drei Mal trainiert und uns ansonsten erholt. Da ist bei einigen auch der eine oder andere Drink über den Tresen gewandert.”

Fußball wird bei den „Swans“ auch noch gespielt. Unter Coach Brendan Rodgers kommt „The Big G“, wie die Fans den 1,90 m großen Rotschopf im Tor nennen, zunächst nur in den Pokal-Wettbewerben zum Einsatz. Seine Bilanz: 11 Spiele im englischen Liga-Pokal, davon sechs ohne Gegentor, und sechs Partien im FA Cup. In der Premier League kommt Tremmel bis zu seinem Abschied 2016 insgesamt 40-mal zum Einsatz und hält seine Bude ebenfalls sechs Mal sauber.

Meilenstein für den Keeper ist die Saison 2012/2013. Mit Swansea holte „Gerry“ Tremmel den größten Titel seiner Karriere, den englischen Liga-Cup. Tremmel stand in allen sieben Spielen zwischen den Pfosten und durfte nach dem 5:0-Kantersieg gegen Bradford City am 24. Februar 2013 im englischen Fußballtempel von Wembley endlich eine Trophäe in Händen halten.Jörg Albertz bringt es auf den Punkt. „Schottland ist meine zweite Heimat geworden, die Typen im Team waren sensationell“, sagt der ehemalige Bundesliga-Profi, der auf der Insel mit den Glasgow Rangers und an der Seite von Legenden wie Paul Gascoigne oder Brian Laudrup Geschichte schrieb.

Ein Bundesliga-Profi von vollem Schrot und Korn ist der gebürtige Mönchengladbacher schon vor seinem Schottland-Abenteuer. Der schussgewaltige Mittelfeldspieler, mit drei Länderspielen für Deutschland weit unter Wert weg gekommen, netzt in 99 Bundesliga-Spielen für den Hamburger SV 22-mal ein – und führt die Hanseaten am letzten Spieltag der Saison 1995/96 bei Absteiger Frankfurt (4:1) in den UEFA-Pokal. In Hamburg herrschte bei der Rückkehr der Magath-Elf eine Euphorie wie nach einem Titelgewinn.

Alis Abschied steht zu diesem Zeitpunkt bereits fest. Albertz wechselt für umgerechnet 4,2 Mio. € zu den Glasgow Rangers. In der schottischen Premier League wird er im linken Mittelfeld an der Seite von Superstars wie Brian Laudrup oder Paul Gascoigne schnell zum Publikumsliebling. Seine Dynamik und seine Weitschuss-Tore machen aus Albertz „Ali, The Hammer“. Mit den Rangers schreibt er 1997 Geschichte. Die neunte Meisterschaft in Folge („Nine in a Row“) wird zum Fest für alle Rangers-Fans. Eine solche Meister-Serie hat zuletzt der Stadt- und Erzrivale Celtic in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren hingelegt.

Die Saison 1997/98 bedeutet für die erfolgsverwöhnten Schotten einen Bruch. Die Meisterschaft geht wieder an Celtic. Coach Walter Smith, Macher der „Nine in a Row“-Ära, verlässt den Verein ebenso wie die verdienten Spieler Laudrup, Richard Gough oder Ally McCoist. Albertz‘ Tage sind nach der Saison 1999/2000 und dem dritten Meistertitel in Schottland gezählt. Rangers-Coach Dick Advocaat, der kleine General mit dem großen Drang zur Geldverbrennung, teilt ihm unverblümt mit, dass er sportlich auf den mittlerweile 30-Jährigen keinen großen Wert mehr legt. Satte 3,5 Mio. Pfund will der Niederländer für Albertz, der in 226 Spielen für die Rangers 83 Tore erzielte, sehen. Der Hamburger SV tut Advocaat den Gefallen – und holt Albertz 2001 in die Bundesliga zurück.Marc-Andrè ter Stegen galt bei Borussia Mönchengladbach als „high potential Player“, als ein Spieler mit hohem Entwicklungspotenzial. Aus der Fohlen-Jugend holte ihn Coach Lucien Favre ausgerechnet in der Saison 2010/2011 ins Profiteam – Gladbach stand zu diesem Zeit vor dem Abstieg aus der Bundesliga.

Sein Profi-Debüt gibt ter Stegen am 10. April 2011 im rheinischen Duell gegen den 1. FC Köln. Gladbach hielt die Liga und spielt in der folgenden Saison, die ter Stegen komplett bestreitet (15 Spiele ohne Gegentor) um die Champions-League-Ränge mit. In den folgenden beiden Jahren kommt Marc-André ter Stegen auf ähnlich gute Werte – und rückt ins Blickfeld der Großklubs. Für 12 Mio. Euro Ablöse wechselt er am 1. Juli 2014 zum großen FC Barcelona.

Mahnendes Beispiel bei Barca: Mit dem 2009 durch Suizid aus dem Leben geschiedenen Robert Enke hat sich bei den Katalanen schon einmal ein deutscher Keeper erfolglos bei „El Gigante“ versucht. Für ter Stegen ist es ein holpriger Start in Barcelona. Der 25-Jährige kommt in seinen ersten beiden Spielzeiten ausschließlich in der Champions League und im spanischen Pokal zum Zug. Die Rolle als „Pokal-Keeper“ schadet ihm nicht. Am 6. Juni 2015 war Marc-André ter Stegen in Berlin am (vorläufigen) Ziel seiner Fußball-Träume: Mit dem FC Barcelona wird er nach 3:1 im Finale gegen Juventus Turin Champions-League-Sieger. Zuvor hat ter Stegen alle 13 CL-Spiele bestritten und wird dabei nur sechs Mal bezwungen.

Die spanische Zeitung Marca spricht ihm einmal das größte Lob aus, dass ein Torwart beim FC Barcelona wohl jemals bekommen hat: Ter Stegen sei wie „Messi mit Handschuhen“ schrieb das Blatt. Auch aus den eigenen Reihen erhält der 21-fache deutsche Nationaltorhüter Lobes-Hymnen. „Er ist der beste Torhüter der Welt und er spielt auf einem sehr hohen Level“, adelte ihn Linksverteidiger Lucas Digne. „Wer es bei Barca schafft, der schafft es überall“, diese internationale Fußball-Weisheit belegt Marc-André ter Stegen in Barcelona wie vor ihm kaum ein anderer Spieler.Die Leistungsdaten von Oliver Bierhoff in der Fußball-Bundesliga lesen sich ab Ende der 1980er-Jahre wie die eines ausgemachten Flops. Vier Treffer in 31 Spielen für Bayer 05 Uerdingen, sechs Tore in 34 Einsätzen zwischen 1988 und 1990 beim HSV. Dritter Versuch. Gladbach, 1990. Doch bei den Fohlen blieb der kopfballstarke Stürmer aus Essen in acht Spielen ohne Torerfolg.

Bierhoff muss reagieren. Er wechselt zu Casino Salzburg nach Österreich. Die Luftveränderung im Salzburger Land schien dem 1,91 m großen Angreifer zu bekommen. In 32 Bundesliga-Spielen in Österreich kommt er auf 23 Treffer, wird Torschützenkönig. Die Scouts aus der italienischen Serie A, regelmäßig auf den Tribünen der österreichischen Liga, schlugen zu. Inter Mailand verpflichtet den bereits 23-Jährigen, leiht ihn aber direkt an Ascoli Calcio aus.

Für Bierhoff ist die Stadt in Mittelitalien die nächste Oase der fußballerischen Glückseligkeit. In vier Jahren in der Serie B macht Bierhoff mit 48 Buden in 117 Spielen noch einmal nachhaltig auf sich aufmerksam. Udinese Calcio greift zu und holte ihn in die Serie A. Spät, aber nicht zu spät, wird Bierhoff ein weiterer Star in der Riege der deutschen Italien-Legionäre.

In Diensten von Udinese geling Bierhoff der größte Erfolg seiner Karriere. In seinem erst achten Länderspiel macht er Deutschland am 30. Juni 1996 mit zwei Treffern im Finale gegen Tschechien (2:1 n. V.) zum Europameister. Als Joker für Mehmet Scholl eingewechselt, wird Bierhoff durch sein historisches „Golden Goal“ über Nacht zum neuen Superstar des deutschen Fußballs. Monika Vogts, die Ehefrau des Bundestrainers, soll Berti vorm Finale den entscheidenden Tipp gegeben haben, besagt eine Legende zur EURO 1996. Wie auch immer: Bierhoffs Fabel-Quote von 57 Toren in 86 Spielen führt 1998 zu seiner Verpflichtung durch den AC Mailand. 12,5 Mio. Euro für einen 29-Jährigen sind kein schlecht angelegtes Geld. Oliver Bierhoff zahlt bei Milan mit 21 Tor-Beteiligungen auf dem Weg zum Meistertitel 1998/99 zurück. Warum? Weil er es sich wert war!

Wohl kaum einem anderen deutschen Spieler bringt man in England mehr Respekt entgegen, als dem 2013 mit fast 90 Jahren verstorbene Klasse-Torhüter aus Bremen. Gegen Kriegsende von britischen Truppen aufgegriffen, lehnte der Fallschirmjäger und überzeugte NS-Anhänger 1948 eine Rückführung nach Deutschland ab. Trautmann, in Deutschland nie in einem Liga-Spiel zu sehen, bleibt in der Grafschaft Lancashire – und wurde zum ersten deutschen Nachkriegs-Star in England.

Trautmann, freiwillig in die Hitlerjugend eingetreten und während des Zweiten Weltkriegs u. a. Fallschirmjäger, kickt zunächst in einem Kriegsgefangenenlager, zusammen mit anderen deutschen Spielern wie dem späteren Schalker Außenläufer Karl Krause. Der heute 96-jährige Krause will seinen Kumpel 1952 auch nach Gelsenkirchen holen. Eine Verpflichtung Trautmanns scheitert an der für Fünfziger-Jahre-Verhältnisse astronomischen Ablösesumme von 25.000 Pfund. Die verlangt sein Klub Manchester City zu Recht. Gegen alle Fan-Proteste und mit der Unterstützung des Rabbiners Alexander Altmann hat Man.City 1949 die Verpflichtung des „Krauts“ durchgesetzt. City-Kapitän Eric Westwood schlägt als erster versöhnliche Töne gegenüber dem Kriegsgegner an. „Es gibt keinen Krieg in dieser Kabine“, soll er bei Trautmanns Ankunft gesagt haben.

Bernd Trautmann, von den Engländern der Einfachheit halber „Bert“ getauft, steht für einen der sagenumwobenen Erfolge im FA Cup 1956. Trotz Halswirbelbruch sichert er City in Wembley einen 3:1-Sieg gegen Birmingham City – und überlebt diese Verletzung wie durch ein Wunder. „Seine Mannschaftskameraden Dave Ewing und Bill Leivers stützen ihn auf dem Weg zur Siegerehrung“, schreibt die BBC-Journalistin Catrine Clay 2013 in ihrem bemerkenswerten Buch Trautmanns Weg. In dieser Biografie erzählt sie, wie der „geächtete Kraut zur britischen Sportlegende wird“.

Das ist keine Übertreibung. Mit 590 Pflichtspielen für die „Citizens“ ist Trautmann bis heute der deutsche England-Profi mit den meisten Einsätzen. Trautmann wird als erster Deutscher „Fußballer des Jahres“ (1956) in England. 2002 wird ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. Allein: Zu Länderspiel-Ehren kommt der beim Karriere-Ende von 47.000 Fans an der Maine Road gefeierte Torwart-Held nie. Einzig als Dolmetscher und „landeskundiger Helfer“ wird er von Bundestrainer Sepp Herberger 1954 beim ersten Länderspiel in England in Dezember 1954 eingesetzt. Schade.

Hans Gamper will einfach nur kicken. Der damals 22-jährige Buchhalter der Bank Credit Lyonnais inserierte 1899 in Barcelona, um ausländische Männer für den Fußballsport zu gewinnen. Schwierig! Katalanische Vereine wollen unter sich bleiben und spielten ohne ausländische Verstärkung. Mit der Gründung des Football Club Barcelona holt Gamper die ausländischen Fußballbegeisterten zu sich.

Gemeinsam mit Spielern wie dem Deutschen Otto Maier legte Gamper den Grundstein für „Mes que un Club“, mehr als ein Verein. 153.000 Menschen bekennen sich heute als Mitglieder zu „Barca“.

Herausragende Figuren in der Gründungszeit des FC Barcelona sind der Präsident Walter Wild und die deutschen Spieler Otto Maier und Udo Steinberg. Der Mittelstürmer Maier gehört zum illustren Kreis der zwölf Gründungsmitglieder, die 29. November 1899, im Gimnnas Soler, im Carrer Pintor Fortuny 17-19, den FC Barcelona formal ins Leben riefen.

Zwischen 1899 und 1901 geht Otto Maier für die Katalanen auf Torjagd, beim ersten Spiel der Vereinsgeschichte gegen eine Auswahl englischer Auswanderer ging er allerdings wie seine Kollegen leer aus. Barcelona verlor 0:1.Für Horst Szymaniak kommt die Bundesliga zu spät. Oder sie kommt ungelegen. Für den Außenläufer aus dem Ruhrgebiet, den es zwei Jahre vor Gründung der deutschen Eliteliga ins Lire-Paradies Italien zieht, bedeutet der Wechsel zu Tasmania Berlin 1965 eine enorme Fallhöhe.

„Schimmi“, wie sie Szymaniak in Erkenschwick rufen, erkennt früh die Zeichen der Zeit. Nach Ludwig Janda 1949, Horst Buhtz 1952, Karl-Heinz Spikofski und Kurt Zaro ist der für den Karlsruher SC in der Oberliga aktive Nationalspieler der fünfte deutsche Profi in Italien. Mit ihm gingen auch Erwin Waldner und Rudi Kölbl über die Alpen, Helmut Haller, Albert Brülls und Rolf Geiger (1962) sowie Karl-Heinz Schnellinger (1963) schlagen wenig später in Italien auf.

Nach zwei Jahren bei Catania Calcio schließt sich Szymaniak, dessen etwas unbeholfene Rechenkünste bei Gehalts-Verhandlungen („Wie, ein Drittel? Ich will mindestens ein Viertel!“) Eingang in die deutsche Fußballersprache finden, Inter Mailand an. Größter Erfolg im Team mit Weltstars wie Sandro Mazzola, Giacinto Facchetti oder Luis Suarez: Der Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1964. Im Finale von Wien gegen Real Madrid (3:1) kommt der Deutsche allerdings nicht zum Einsatz.

1965 wechselt Szymaniak zum Berliner Bundesliga-Aufsteiger Tasmania 1900. Der Klub ist als Dritter der Berliner Stadt-Liga in die erst zwei Jahre zuvor aus der Taufe gehobene Bundesliga gekommen. Nach einem furiosen Start mit zwei Siegen werden die Berliner zur größten Lachnummer der Bundesliga-Historie. 8:60 Punkte, die längste Sieglos-Serie (31 Spiele), die höchste Heimpleite (0:9 gegen den MSV Duisburg) – das sind nur einige von zahlreichen Rekorden des Grauens, die die Berliner mit dem 29-mal eingesetzten Szymaniak aufstellen und bis heute halten. „Diese Niederlagenserie“, so stellte der Autor Hardy Grüne fest, „konnte auch der elegante Ballkünstler nicht verhindern, der „in einer Mannschaft von Handwerkern völlig fehl am Platz war.“ Manchmal ist eben auch Schimmi ratlos…Udo Steinberg – genau! Der Udo Steinberg, der für den FC Barcelona die ersten beiden Tore im Clasico gegen den Erzrivalen Real Madrid erzielte. In der Historie von „Mes que un Club“ hat sich der gebürtige Berliner auf ewig einen Platz gesichert.

1904 gründet Udo Steinberg ein Ingenieurbüro in Barcelona, ab 1906 wirkt er am Straßenbahnbau mit, und 1916 entsteht unter seiner Leitung El Mundo Deportivo – die heute täglich erscheinende, große spanische Sportzeitung. Zusammen mit Hans Gamper, Ernesto Witty, Arthur Witty, John Parsons, Arturo Leask, Kendall Park und Tomas Morrison gründet Steinberg den Lawn-Tennis Club Barcelona, aus dem später der Real Club de Tennis Barcelona hervorging.

Steinberg kann zwar an der Gründungsversammlung im Gimnnás Soler, im Carrer Pintor Fortuny 17-19, noch nicht teilnehmen, spielt aber zwischen 1901 und 1910 für den FC Barcelona. Unsterblich macht sich Steinberg am 13. Mai 1902. An diesem schicksalhaften Tag trifft der FC Barcelona zum ersten Mal auf Real Madrid  – bei einem Show-Turnier zu Ehren des spanischen Königs Alfonso XIII., das später als die erste echte (wenn auch nicht anerkannte) Copa del Rey in die Geschichte eingehen sollte. Das erste Clasico war zwar „inoffiziell“ – und wird auf der Madrider Pferderennbahn ausgetragen.

Am Legendenstatus von Udo Steinberg ändert das wenig. Steinberg erzielt die ersten beiden Tore für die Katalanen, der Schweizer Gründervater Gamper das dritte, Real kann zwischenzeitlich den Anschlusstreffer zum 2:1 durch Johnson erzielen. Doch mit dem 3:1 ist der erste Sieg von Barca im ersten Spiel gegen Real Madrid perfekt. Durch den Sieg zieht der FC Barcelona ins Finale ein, in dem man allerdings Vizcaya de Bilbao mit 1:2 unterlegen ist. Neun Jahre spielt Udo Steinberg, vor seiner Emigration nach Spanien u. a. ab April 1893 beim Fußballverein Brandenburg tätig, für den FC Barcelona. Er stirbt 1919 an den Folgen der Spanischen Grippe – ausgerechnet in Madrid und mit nur 42 Jahren.Der Berliner Robert Huth hat das geschafft, was im modernen Zeitalter unwirklich anmutet. Er wurde drei Mal Meister in der englischen Premier League, ohne je ein Bundesliga-Spiel absolviert zu haben.

Die Erfolgsstory des robusten, 1,91 m großen Innenverteidigers, den sie in England ziemlich uncharmant „The Berlin Wall“, die Berliner Mauer, nennen, beginnt 2002 beim FC Chelsea. Der als Jugendspieler vom 1. FC Union zu den Blues gewechselte Abwehrspieler gibt mit 18 Jahren sein Premier-League-Debüt.

In der Ägide des russischen Klub-Eigentümers und Milliardärs Roman Abramowitsch und mit Star-Coach José Mourinho fallen die ersten, ganz großen Erfolge für Huth in London. Zwei Mal Meister in der Premier League mit Chelsea. Nach drei Jahren beim FC Middlesbrough und sechs weiteren Spielzeiten bei Stoke City – mit den Potters erreicht Huth 2011 das FA Cup-Finale – ist der Berliner, der nur ungern Interviews gibt, längst der ungekrönte deutsche Kaiser der Premier League.

323 Partien absolviert Robert Huth in der englischen Fußball-Eliteklasse – mehr als jeder andere der 63 deutschen Insel-Profis. Sein größtes Ding kommt aber noch. In der Saison 2015/2016 schreibt der WM-Dritte von 2006 mit dem Außenseiter Leicester City Fußballgeschichte. Die Foxes holen sensationell die Meisterschaft in der Premier League, Huth steuert in 35 Liga-Spielen drei Treffer zum größten Fußballmärchen auf der Insel bei. Wer braucht da noch ein Bundesliga-Spiel?

Alle dürfen mit aufs Bild. Die Familie mit Ehefrau Jessica und den Kindern Amelie und Leon, die Freunde, die Berater von Toni Kroos feiern mit ihrem Helden das historische Triple in der Champions League nach dem gewonnenen Finale von Kiew gegen den FC Liverpool (3:1) im Stadion-Innenraum.

Drei Mal in Folge Champions-League-Sieger, davor 2013 mit dem FC Bayern erfolgreich in der Königsklasse – für den Weltmeister bedeutete der Titel-Hattrick in der Königsklasse den Sprung in den Fußball-Olymp. Kein deutscher Spieler ist im Landesmeister-Wettbewerb erfolgreicher als der Greifswalder. Zudem konnte bisher nie ein deutscher Spieler mit zwei verschiedenen Vereinen den höchsten Titel im europäischen Klubfußball gewinnen. „Normalerweise mache ich mir aus Zahlen nichts“, sagt Kroos nach dem Titel-Hattrick, „aber man weiß, wie schwer dieser Titel zu holen ist, wie viele Mannschaften mit hoher Qualität das jedes Jahr versuchen.“

30 Millionen Euro bezahlt Real Madrid im WM-Sommer für den bescheiden auftretenden Ballverteiler der deutschen Weltmeister-Mannschaft. Vom Start weg versteht sich der introvertierte Kroos, der anfangs mit allen Mitspielern in Madrid nur Englisch sprach, mit dem exzentrischen Superstar Cristiano Ronaldo. Der Portugiese gehört bis 2018 zu den größten Profiteuren von 39 Tor-Vorbereitungen von Toni Kroos in La Liga. „Als Real-Spieler bekomme ich größere Anerkennung“, erklärt Toni Kroos schon 2015 den entscheidenden Unterschied zu seiner Zeit beim FC Bayern, wo er wahrlich nicht erfolglos war, „das ist schön zu sehen.“

In Diensten der Münchner hat sich Kroos, 2006 aus der Jugend des FC Hansa Rostock zu den Bayern gekommen, abgesehen von einer Leihe zu Bayer Leverkusen (2009/2010) unsterblich gemacht. Er gehört zu der Bayern-Mannschaft, die 2013 das historische Triple mit Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League gewinnt. Mit dem FC Bayern holt Kroos, den die Hamburger Morgenpost etwas ungelenkig den „Toninator“ tauft, zwölf Titel, darunter drei Deutsche Meisterschaften und drei Mal den „Pott“. Halten können die Bayern den Spieler, der vom Münchner Boulevard immer etwas unterschätzt wird, dennoch nicht. „Der Weltmeister füllt bei Real die Rolle aus, die ihm bei Bayern keiner zugetraut hat“, heißt es in einem SPORT BILD-Buch von 2015. Da ist was dran.Mehr als 30 deutsche Profis und Nachwuchsspieler suchen allein ab 1992 und in den ersten 15 Jahren der Premier League ihr Fußball-Glück auf der Insel. Auch Welt- und Europameister Jürgen Klinsmann schaut vorbei.

„Klinsi“ führt 1994 zunächst auf der Yacht von Tottenham-Boss Alan Sugar Transfergespräche und will dann in London „ein bisschen gucken und ein bisschen kicken“, wie er in seiner schwäbisch-lockeren Art der SPORT BILD verrät. Zunächst muss der neue Superstar der Spurs jedoch gegen das Vorurteil ankämpfen, ein „Diver“, ein „Schwalbenkönig“, zu sein. Als er seine ersten Tore für Tottenham macht, segelt der Schwabe demonstrativ im Sturzflug über die Grasnarbe – ein neuer Jubelkult ist geboren.

Selbst die strengen Kommentatoren des noblen Guardian müssen ihre Urteile über Klinsmann innerhalb von nur zwei Monaten revidieren. Klinsmann rockt die Premier League. Er erzielt 30 Tore in 56 Pflichtspielen für Tottenham und wird zum „Eisbrecher und Wegbereiter für alle anderen deutschen England-Profis. Und zum Export-Schlager: Seit der offiziellen Einführung von Fan-Trikots mit Rückennummer und Spielername 1995 verkaufen die Spurs 150.000 Jerseys von Klinsmann.

Sein Sprachgefühl – Klinsmann ist mit einer US-Amerikanerin verheiratet – und seine spielerische Leichtigkeit, mit der er auch in 108 Länderspielen und ab 2004 bis zur Heim-WM als Bundestrainer eine Ausnahmeerscheinung ist, lassen die Engländer staunen. Nix mehr ist es mit dem „hässlichen Deutschen“ und die Weltkriegs-Klischees können in die berühmte Schublade. Klinsmann führt alle Klischees mit seinem verschmitzten Lächeln ad absurdum und wird – als erster Deutscher seit Bernd Trautmann 1956 – im Jahr 1995 „Fußballer des Jahres“ in England. Danach holen ihn die Bayern.Der Wechsel des Dortmunder Torhüters Stefan Klos zu den Glasgow Rangers nach 254 Bundesliga-Spielen, zwei Deutschen Meistertiteln und dem Champions-League-Triumph 1997 galt lange als nebulös.

„Ich habe nie geplant, den BVB zu verlassen“, sagt der gebürtige Dortmunder 2014 in einem 11 FREUNDE-Interview, „er nach dem Gewinn der Champions League veränderte sich im Klub einiges. Ich bekam mit, wie meine Mitspieler zu Vertragsgesprächen bestellt wurden, auch die, die noch zwei Jahre Vertrag hatten. Nur mich sprach niemand an.“ Als ihm BVB-Manager Michael Zorc im Vertragsgespräch die ketzerische Frage, ob er überhaupt einen Verein im Ausland finden würde, stellt, ist für den Ur-Dortmunder Schluss mit lustig. Klos wechselt am 1. Januar 1999 zum schottischen Rekordmeister.

Sein erster Eindruck beim Mittagessen: „Wo bin ich hier gelandet?“ Doch abgesehen von anfänglichen Sprachproblemen fügt sich der Deutsche schnell in Glasgow ein. Sein Teamkollege, der Ex-Hamburger Jörg Albertz, hilft dem introvertierten Torhüter, Anschluss zu finden. Glasgow wird für den Keeper, den sie in Dortmund 1993 beim Sprung ins UEFA-Cup-Finale als „Held von Auxerre“ besungen haben, zur zweiten und noch erfolgreicheren Karriere-Station. Zehn Titel holt Klos mit den Rangers, davon vier schottische Meisterschaften.

Die Titelpremiere ist ihm nachhaltig in Erinnerung geblieben. „Als wir 1999 an einem Samstag den Titel holten, gab es eine sensationelle Party“, erzählt Klos Jahre später, „der Coach gab uns bis Mittwoch frei, weil wir am darauffolgenden Wochenende noch das Pokalfinale spielen mussten. Doch unser Kapitän und ein Verteidiger kehrten erst am Freitag ins Training zurück. Die waren zeitweise verschollen und mussten dann noch zu Hause was klären.“ Nach einem Fahrradunfall und schweren Schulter-Verletzungen beendet Klos 2007 nach 298 Liga-Spielen für die „Gers“ seine Karriere.Dietmar Hamann schaut auf dem roten Bus, der die Sieger an diesem 26. Mai 2005 durch die Stadt fuhr, noch ein bisserl müde drein. Erst gegen 2.30 Uhr hat er das Mannschaftshotel Crown Plaza im asiatischen Teil Istanbuls erreicht und sich davor „ein bis zwei Bier genehmigt“.

Zuvor hat Hamann mit dem FC Liverpool ein Heldenstück hingelegt, bei dem selbst sein Münchner Lehrmeister und Meistercoach von 1994, Franz Beckenbauer, mit einem verlegenen „Ja, gut, sicherlich“ passen müsste. Mit den „Reds“ hat Hamann im Champions-League-Finale gegen den AC Mailand einen 0:3-Pausenrückstand noch in einen Erfolg im Elfmeterkrimi umgedreht – und damit das wohl fabulöseste Comeback der Fußballgeschichte mitgestaltet.

Hamann und seine Münchner Weggefährten Markus Babbel und Christian Ziege werden in Liverpool hofiert wie einst die Beatles. Wenn sie gemeinsam unterwegs ist, serviert man ihnen im Pub „White Horse“, wo auch die lebenslustigen Fab Four in den Sechzigerjahren einkehren, Original Münchner Spezialitäten. Weißwurst und Weißbier werden eigens für die Deutschen importiert. Der ehemalige Bayern-Spieler Hamann weiß um die riesige Tradition des Klubs von der Anfield Road: „Die Leute hier sehnen sich nach den Erfolgen der Siebziger und Achtziger Jahre zurück und für uns eine Verpflichtung, an diese Zeiten anzuknüpfen.“

2001 hat er mit Liverpool noch einen Europapokal gewonnen. In Dortmund sichern sich die „Reds“ gegen den spanischen Außenseiter CD Alavés und mit Hamann in der Startelf in einem 5:4-Drama in der Verlängerung den UEFA-Cup. Sieben Jahre spielt Hamann für den FC Liverpool (191 Spiele), danach schließt er sich noch Manchester City und den Milton Keynes Dons an. Aber nirgends genießt der Mittelfeldspieler eine derart hohe Wertschätzung wie in Liverpool. Bis heute können ihn die Fans im Legenden-Team der Roten bei Benefizspielen sehen.Es gibt nicht viel, was Lothar Matthäus vor seinem Abschied nach Italien in Deutschland und mit der Nationalmannschaft noch nicht gewonnen hat. Europameister ist der gebürtige Erlanger schon 1980, am Ende seines ersten Profi-Jahres bei Borussia Mönchengladbach. Ein Ausnahmefußballer, der seiner Zeit voraus ist.

Mit dem FC Bayern München hat er nach seinem 1984 mit viel medialem Getöse vollzogenen Wechsel aus Gladbach drei Mal die Deutsche Meisterschaft und einmal den DFB-Pokal gewonnen. Nun also Inter. Bei den „Nerazzurri“ beendet Matthäus an der Seite seines Münchner Mitspielers Andreas Brehme und Stars wie Giuseppe Bergomi oder Aldo Serena eine für die Fans scheinbar endlose Leidenszeit. 1989 holt Inter erstmals nach neun langen Jahren wieder den „Scudetto“ in die Mode-Metropole. Hier eignet er sich wertvolles Basiswissen an: „Die Schuhe müssen zum Gürtel passen.“ Matthäus steuert in 32 Meisterschaftsspielen neun Tore bei – und führt Deutschland in seiner Wahl-Heimat Italien ein Jahr später zum dritten Weltmeisterschafts-Titel.

Dieser Erfolg bringt den Defensiv-Allrounder 1991 auf den absoluten Gipfel. Als erster Spieler überhaupt wird der DFB-Ehrenspielführer „Weltfußballer des Jahres“ – und schnappt sich mit Inter im italienischen Finale gegen die AS Rom und die Weltmeisterkollegen Rudi Völler und Thomas Berthold noch den UEFA-Cup. Mit 6 Toren wird Matthäus hinter Völler und gemeinsam mit Juri Tischkow von Torpedo Moskau sowie Jorge Cadete vom im Viertelfinale eliminierten Sporting Lissabon bester Schütze des Wettbewerbs.

Verabschiedet wird Matthäus – Spieler des Jahres 1991 bei Inter – bei den Mailändern allerdings durch die kalte Küche. Nach einem Kreuzbandriss im April 1992 gegen Parma und dem EM-Aus für Deutschland bei der Endrunde in Schweden kehrt „Loddar“ für eine Ablöse von umgerechnet gerade mal 2,75 Mio. Euro zum FC Bayern zurück. Juventus Turin hatte wegen Matthäus‘ Verletzung ein Angebot zurückgezogen. Ein Fehler.
Nein, ein pflegeleichter Profi war Stefan Effenberg nie. Weder in Gladbach, noch ab 1990 beim FC Bayern. Nach der mit Platz zehn wahrscheinlich noch in vielen Jahren als schlechteste Bayern-Saison zu wertenden Spielzeit 1991/92 hatte „Effe“ erst mal genug vom Bundesliga-Zirkus. Mit seiner mondänen Ehefrau Martina zieht er weiter nach Italien.

3,75 Mio. Euro zahlt der AC Florenz im Sommer für den Vize-Europameister an den FC Bayern. Stefan Effenberg. In einer Mannschaft mit Stars wie dem dänischen Europameister Brian Laudrup oder dem argentinischen Knipser Gabriel Batistuta scheint unseren Effenbergs auch in Italien der Erfolg garantiert. Effenberg erzielt sein erstes von fünf Serie-A-Toren gleich beim Debüt gegen den FC Genua 1893 (1:1) – das war es dann aber auch schon.

Am Saisonende 1992/93 stieg die Fiorentina als Tabellensechzehnter ab – eine Blamage für den Europapokalsieger von 1961. „Effenberg floh 1992 nach Florenz, wollte in Italien Ruhm ernten“, schrieb DIE WELT später, „tatsächlich ging er als Kapitän jener Florentina-Mannschaft in die Geschichte ein, die nach 54 Jahren Erstklassigkeit in die Serie B abstieg.“

Die Fans sind so wütend, dass er bei Nacht und Nebel sein Haus verlassen und bei einem Mitspieler übernachten muss. Wütend war auch sein Präsident, Filmproduzent Vittorio Cecchi Gori, der ihm einen Wechsel verweigerte: „Erst wenn wir wieder aufgestiegen sind, darfst du weg.“ Gesagt, getan, nach dem direkten Wiederaufstieg 1993/94 und sieben Effenberg-Toren in 26 Serie-B-Einsätzen geht es zurück ins lieb gewonnene Gladbach. Nie wieder Florenz.2011 „nagelt der Kindergarten“ von Borussia Dortmund durch die Liga, wie es Coach Jürgen Klopp gewohnt lässig formuliert – und wird sensationell Deutscher Meister. Der Taktgeber im defensiven Mittelfeld heißt Nuri Sahin, ist 22 und wird von Klopp glücklicherweise nach Leihgeschäft von Feyenoord Rotterdam zurückgeholt.

Am 26. November 2005 wird Nuri Sahin im Alter von 17 Jahren und 82 Tagen jüngster Torschütze der Bundesliga-Geschichte. 27-mal steht Sahin in Dortmunds Meistersaison 2010/2011 in der Startelf, die Spielergewerkschaft VDV kürt ihn zum „Spieler der Saison.“

Erfolge, die Begehrlichkeiten weckten – und Real Madrid auf den Plan riefen. Als erster Spieler aus dem Dortmunder Bubi-Ensemble erliegt Nuri Sahin den Verlockungen der ganz großen Fußballwelt. Er unterschreibt einen Sechs-Jahres-Vertrag (!) bei den Königlichen und spült Dortmund rund 10 Mio. Euro Ablöse in die Kassen.

Das Spanien-Abenteuer wird für Sahin zum Albtraum. Verletzungsbedingt kommt er erst am 12. Spieltag beim 7:1 gegen Osasuna zum Debüt in La Liga. Bis man ihn dort wiedersieht, dauert es bis zum 30. Spieltag! Ganze vier Liga-Spiele macht Sahin für Real – und darf sich Spanischer Meister schimpfen. Am 25. August 2012 ist Schluss mit der Quälerei. Sahin wechselt auf Leihbasis zum FC Liverpool. In Anfield macht er nur sieben Premier-League-Spiele, diese allerdings zwischen Ende September und 11. November 2012 allesamt in der Startelf. Abendfüllend ist das jedoch nicht. Im Januar 2013 geht es zurück nach Madrid – und direkt per Leihe wieder nach Dortmund. Als Nuri Sahin am 1. Juli 2014 vom BVB zurückgekauft wird, macht der Verein bei sieben Millionen Euro Ablöse sogar noch drei Millionen gut.Spätsommer 2018. Ein Foto aus Kindertagen in Frankfurt an der Seite des serbischen Trainer-Unikums Dragoslav Stepanovic (70) erinnert Marko Marin an bessere Zeiten. Nach dem „Aus“ bei Olympiakos Piräus hat der Ex-Nationalspieler Marko Marin einen neuen Verein gefunden. Roter Stern Belgrad verpflichtet den inzwischen schwer vermittelbaren Wunderknaben der frühen Löw-Ära.

„Ihr werdet den Verein verlassen und alle in Urlaub gehen“, mit dieser Ankündigung zieht Evangelos Marinakis, der mächtige Präsident von Marins bisherigem Arbeitgeber Olympiakos Piräus Anfang April 2018 die Notbremse. Nach einer unbefriedigenden Saison mit verpasster griechischer Meisterschaft und CL-Qualifikation wirft der korpulente Reeder eine Reihe von Spielern aus dem Kader – darunter auch Marko Marin. Dass Marin 2017 mit der griechischen Meisterschaft seinen erstmals in seiner Karriere Landesmeister wird, gerät zur Fußnote.

Olympiakos Piräus war für den gebürtigen Bosnier die 6. Station als Fußballprofi seit seinem Weggang von Werder Bremen im Sommer 2012. Nun holte der serbische Rekordmeister Roter Stern Belgrad den Europa-Touristen, der in sechs Jahren für acht Klubs aus sieben verschiedenen Ländern spielte.

Wie serbische Medien berichten, soll Marin für einen Wechsel zum Europapokalsieger von 1991 bereit gewesen sein, Abstriche beim Gehalt zu machen. Von 600.000 bis 800.000 Euro soll Roter Stern Belgrad geboten haben. Wie weit ihnen Marin bei einer Verpflichtung entgegenkommt, ist nicht bekannt. Zuvor steht Marin auch beim FC Chelsea, wo er einst auch Stefan Effenberg krachend scheiterte, beim FC Sevilla, dem AC Florenz, RSC Anderlecht und Trabzonspor im Mittelpunkt von Leih-Geschäften und mehr oder weniger erfolglos unter Vertrag. Der Rauswurf in Piräus war – nach Trabzon – der zweite wegen „unzureichender Leistung.“ Armer Marko.Diese Szenen waren hässlich. Im Revierderby gegen den BVB am 5. Mai 1999 machen die Schalker Fans im Gelsenkirchener Parkstadion deutlich, was sie von Jens Lehmann halten: Gar nichts mehr! Mit Plakaten wie „Judas“, einer Galgenpuppe im Lehmann-Trikot und dem Spruchband „Wir grüßen den Ersatztorwart des AC Mailand.“

Dass der Keeper nach seinem mehr als unglücklichen Intermezzo beim AC Mailand am 24. Dezember 1998 beim Erzrivalen Borussia Dortmund unterschrieben hat, können und wollen die Anhänger von Königsblau Lehmann nicht verzeihen. Da nützt es auch nichts, dass er ihnen ausgerechnet im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion mit dem UEFA-Pokal-Sieg gegen Inter im Elferkrimi den größten Erfolg der Vereinsgeschichte beschert hat.

Mailand wird trotz dieses Jahrhundert-Coups der Schalker nie das Wohnzimmer des Jens Lehmann. 4,3 Mio. Euro zahlen die Italiener im Juli 1998 für den Torhüter. Nur fünf Mal wird Lehmann in der Serie A für den AC Mailand zwischen den Pfosten stehen.

Im Prinzip ist für Lehmann schon am fünften Spieltag Schluss. In der 27. Minute der Partie bei Cagliari Calcio (0:1) verletzt er sich – und wird von seinem Rivalen Sebastiano Rossi ersetzt. Rossi, den die einflussreichen Milan-Ultras stets als „uno di noi“, als einen von ihnen bezeichnen, hält zu Lehmanns Unglück auch noch einen Elfmeter. Nach überstandener Verletzung kann Lehmann den verlorenen Stammplatz nicht mehr zurückerobern. Ein Wechsel zum BVB macht schon Ende Oktober 1998 die Runde – und für Lehmann ist die Rückkehr ins Revier schließlich wie eine Erlösung. „Ich halte es nicht mehr aus“, resigniert er, „ich bin nicht bereit, ein Dasein als Ersatzmann von Rossi zu fristen.“Es gibt Dinge oder, um sein Lieblingswort „Konstellationen“ zu benutzen, auf die darfst Du Matthias Sammer auch in heiteren Momenten nicht ansprechen. Sein Gastspiel bei Inter Mailand gehört sicherlich dazu.

Bei Inter stimmt die Konstellation von Anfang an nicht. Sammer kommt 1992 vom Deutschen Meister VfB Stuttgart zu Inter Mailand. „Die Kohle war entscheidend“, gibt der neue Inter-Profi hinterher zu. Das ist wenigstens ehrlich. Bei den Nerazzurri macht der geborene Führungsspieler Sammer einen entscheidenden Fehler. Es ist eine Konstellation, bleiben wir bei Sammers Lieblingswort, die er zuvor und danach in seiner Karriere in Stuttgart und bei Borussia Dortmund nicht erlebt hat. Beim VfB mit Christoph Daum und später in Dortmund mit Ottmar Hitzfeld galt Sammer stets als „verlängerter Arm“ des Trainers auf dem Spielfeld.

Aber bei Inter ticken die Uhren anders. Der Mailänder Trainer Osvaldo Bagnioli braucht Sammers Ratschläge nicht. Bilder aus Italien, die Sammer wild gestikulierend und mit bösem Blick am Spielfeldrand neben Bagnioli zeigen, lassen nichts Gutes erahnen. Schon am 4. Oktober 1992 streicht der Coach Sammer beim 1:0-Heimerfolg gegen Bergamo aus dem Kader. Sammer kommt auf ganze elf Spiele in der Serie A. Vier Tore können trotzdem nicht verleugnen, dass sich der Feuerkopf in Mailand unglücklich fühlt.

Das Angebot von Borussia Dortmund im Winter kommt für Sammer zur richtigen Zeit. Zwar muss er beim Sturmlauf des BVB ins UEFA-Cup-Finale zuschauen, aber das ist für den Moment egal. Matthias Sammer kehrt mit einem Hammer und dem Siegtreffer zum 1:0 über den VfL Bochum in die Bundesliga zurück. In Dortmund stimmt die Konstellation.Günter Theodor Netzer  spielte 10 Jahre für Borussia Mönchengladbach und ab 1973 für 3 Jahre für Real Madrid. Mit der deutschen Fußballnationalmannschaft wurde er 1972 Europameister und 1974 bei der Endrunde im eigenen Land Weltmeister. Seine Karriere ließ er in der Schweiz ausklingen.

Günter Netzer war Kopf der “Fohlenelf”, die zusammen mit Bayern München in der ersten Hälfte der 70er jahre des 20. Jahrhunderts die Bundesliga dominierte.  Wichtige Spieler der Fohlenelf waren: Berti Vogts, Herbert Laumen, Jupp Heynckes , Rainer Bonhof und Wolfgang Kleff . Netzer führte Mönchengladbach 1970 zur ersten Meisterschaft. 1971 gelang dem Team als erstem Verein in der Geschichte der Bundesliga die Titelverteidigung.

Mit seinen langen Haaren und seiner Vorliebe für schnelle Autos und attraktiven Frauen hob er sich schon früh von den anderen Spielern seiner Zeit ab. Sein Motto:

Am Samstag stehen elf Geschäftsleute auf dem Platz, von denen jeder seine eigenen Interessen vertritt. Sie suchen zusammen den Erfolg.

Ende der Saison 1972/73 gab Netzer seinen Wechsel zu Real Madrid bekannt. Sein letztes Spiel für die Gladbacher war das DFB-Pokalfinale 1973 gegen den Lokalrivalen 1. FC Köln. Der Wechsel zu Real Madrid war der bis dahin spektakulärste Transfer eines Bundesligaspielers ins Ausland.  Für Netzers Vertragsauflösung bei Borussia Mönchengladbach erhielt der Verein eine Summe von 720.000 DM, zuzüglich der Deckung eines Kredits von 80.000 DM, den Netzer bei Borussia aufgenommen hatte. In Madrid erhielt Netzer ein Jahresgehalt von knapp 300.000 DM. Sehr viel Geld für die damalige Zeit.

Bei Real Madrid war Netzer der erste deutsche Spieler überhaupt. Netzer sich nach Anlaufschwierigkeiten durch, gewann mit Real 1974 den nationalen Pokal, 1975 das „Double“ aus Meisterschaft und Pokal sowie 1976 die spanische Meisterschaft. Danach wechselte er in die Schweiz zu Grasshoppers Zürich, wo er seine aktive Karriere beendete.

Der Transfer von Günter Netzer ins Ausland war die Initialzündung für alle weiteren Transfers, die folgten. Vorbild für alle, die im Ausland Ruhm, Ehre und Geld suchten. Nicht alle waren so erfolgreich wie der Gladbacher. Deshalb stellen wir ihn außerhalb der von uns vorgenommenen Kategorisierung dar. Als Honorable Mention und Addendum.


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