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Diese 25 deutschen Fußballer wurden im Ausland zu Ikonen – oder auch nicht

Author: Carsten Germann
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Bemerkenswerte Schicksale außerhalb von Deutschland

Eigentlich war alles im Eimer. Durchgefallen, in Deutschland nicht mehr vermittelbar, letzte Chance für die Fußballkarriere: Das Ausland. Es gibt viele Spieler im deutschen Fußball, die diesen Rettungs-Anker nutzten. Keine Chance mehr zu haben, diese aber dafür zu nutzen, verlieh vielen deutschen Fußballern im Ausland Flügel. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Für viele gestandene deutsche Profis oder Spieler, die sich in der Bundesliga längst Legenden-Status erworben hatten, sollte das Ausland die Krönung ihrer Laufbahn werden. Das ging nicht immer gut… Diese 25 deutschen Fußballer im Ausland wurden zu Ikonen.

Reif für das Kino - Heldenepos, Drama, Trauerspiel

Marko Marin suchte im Ausland sein Glück
Marko Marin suchte im Ausland sein Glück. Foto: Imago

Oder sie scheiterten krachend. Weil sie zur falschen Zeit beim falschen Klub waren, auf diktatorische Trainer trafen oder von den eigenen Fans gemobbt wurden.

In diesem Beitrag sind 25 Schicksale von deutschen Profis, die im Ausland zu Ikonen wurden, zusammengefasst. Es sind Geschichten, die nach Fußballmärchen klingen.

Oft mit einem „Mister Cinderella“, wie die Frankfurter Rundschau einen der vielen deutschen Torwart-Helden in England nannte, oft aber auch getrieben vom schnöden Mammon.

Die Wechsel von Bundesliga-Granden ins Ausland waren mal Höhe- oder Schlusspunkt von großartig verlaufenden Karrieren, mal letzte Chance, mal millionenschweres Missverständnis, mal „Vom Sandplatz-Kicker zum Fußball-Millionär“-Stories.

Mailand oder Madrid – Hauptsache, Star im Ausland!

Schalke, Dortmund, Mailand und London - die Stationen von Jens Lehmann.
Schalke, Dortmund, Mailand und London - die Stationen von Jens Lehmann. Foto: Imago
Los geht es mit der Kategorie der Spieler, die in Deutschland weitgehend unbekannt waren oder in unteren Ligen spielten – und im Ausland zu Stars wurden.

Es folgen die deutschen Profis, die man in jeder Bundesliga-Chronik in der Rubrik „guter Durchschnitt“ findet – und die im Ausland noch einen draufsetzten und zum Idol wurden. Die Kategorie der Spieler, die nie oder erst nach dem Gang ins Ausland in Deutschland erstklassig gespielt haben und dann woanders Legendenstatus erlangten, führt uns zurück bis in die Zeit, in der der Fußball laufen lernte.

Den Spielern aus der Schwarzweiß-Zeit des Fußballs folgt die Kategorie mit den Arrivierten, die im Ausland nicht nur den nächsten Schritt machen wollten, sondern dabei von der Legende zur Über-Legende wurden.

Und über eine Kategorie an deutschen Spielern lachen die meisten Fans heute noch, wenn sie an ihre ungeschickten oder erfolglosen Engagements im Ausland denken. Bundesliga-Superstars, die in die Auslands-Wechselfalle tappten – und dann reumütig zurückkehrten.

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25. Rainer Rauffmann: Ein „Blinder“ im Fußball-Olymp

Rainer Rauffmann (Blau Weiß 90 Berlin) wurde zum zypriotischen Volkshelden.
Rainer Rauffmann (Blau Weiß 90 Berlin) wurde zum zypriotischen Volkshelden. Foto: Imago

„Mein Name in Deutschland war kaputt“. So erklärt Rainer Rauffmann 1997 seinen erstaunlichen Wechsel zu Omonia Nikosia. Auf Zypern will der in der Bundesliga gescheiterte Sturm-Riese noch einmal neu starten. Er kam als Fremder – und ging als Legende.

Als Rainer Rauffmann 1997 auf Zypern landet, wird er dort wie ein Heilsbringer empfangen. Balsam auf die Wunden eines abgehalfterten Bundesliga-Profis, der nur noch eines ist: Nicht mehr vermittelbar. Blau-Weiß 90 Berlin in der 2. Liga Nord, der SV Meppen. Rauffmanns Vereine gelten als Synonym der fußballerischen grauen Maus. Seine maue Bilanz: Vier Tore in 26 Erstliga-Spielen für Frankfurt, zwei Abstiege mit der Eintracht und Arminia Bielefeld, eine erfolglose Leihe nach Österreich zum Linzer ASK. Bei der Arminia hatte sich der 1,89 m große Sturmtank zuvor mit dem exzentrischen Trainer Ernst Middendorp überworfen. Wegbegleiter berichten von einem dreistündigen Straftraining für den angeblich lauffaulen Stürmer. Nun also Zypern.

Rainer Rauffmann schafft bei Omonia Nikosia unverhofft den Sprung in den Fußball-Olymp. 181 Tore in 152 Liga-Spielen machen ihn zum unumstrittenen Fan-Liebling – und zum politischen Hoffnungsträger.

„Wenn er wollte, könnte er Präsident unseres Landes werden“,

jubelt Zyperns damaliger Honorar-Konsul Nicos Attas. 1998 blieb ihm der „Goldene Schuh“ als bester Torjäger in Europa nur aufgrund des niedrigen UEFA-Koeffizienten Zyperns verwehrt.

2002 eingebürgert, macht Zyperns neuer Fußballgott bis 2003 auch vier Länderspiele für den Inselstaat. „Trellos Germanos“ – verrückter Deutscher – skandierten die Fans in Nikosia 2004 bei seinem Abschiedsspiel. Oder anders: Alles richtig gemacht. Als Anorthosis Famagusta 2008 in die Champions League einzieht, reißen sich die deutschen TV-Sender um den „Fußballgott“ aus Zypern. Rauffmann schwärmt am Mikrofon von der neuen Qualität des zyprischen Fußballs. Und er ist überraschend selbstkritisch:

„Ein Blinder wie ich würde dort heute keine 40 Tore mehr schießen.“

24. Shkodran Mustafi: Der unbekannte Weltmeister

Shkodran Mustafi ging von Hamburg nach Italien und dann nach England.
Shkodran Mustafi ging von Hamburg nach Italien und dann nach England. Foto: Imago

Wer das Siegerfoto der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach dem WM-Finale vom 13. Juli 2014 gegen Argentinien (1:0 n. V.) anschaut, wird immer an einem Spieler hängen bleiben: Shkodran Mustafi.

Der Abwehrspieler aus Bad Hersfeld, Sohn albanischer Einwanderer, darf sich seit der WM 2014 zu dem exklusiven Kreis der Spieler zählen, die nie in der höchsten deutschen Fußball-Liga spielten – und dennoch Weltmeister wurden. Der Defensiv-Allrounder wechselt schon 2009 vom Jugend-Leistungszentrum des Hamburger SV auf die Insel. Mehr als ein paar Trainingseinheiten bei den Profis mit Coach Martin Jol sind nicht drin. Beim FC Everton wird es wieder nichts. Bis 2012 kommt Mustafi bei den „Toffees“ ausschließlich in der Reserve zum Einsatz. Die Wende bringt ein Angebot von Sampdoria Genua, 2012.

Der Europapokalsieger von 1990 spielt zu diesem Zeitpunkt in der italienischen Serie B. Mustafi gibt erst am 42. Spieltag gegen Varese sein Debüt, steigt aber mit „Samp“ dennoch in die Serie A auf. 2013/2014 absolviert Mustafi 30 von 38 Liga-Spielen in Italien über die volle Distanz, 33-mal kam er in dieser Spielzeit insgesamt zum Einsatz.

Dass Mustafi auf den erfolgreichen WM-Zug aufspringen kann, verdankt der Defensivspieler, der zuvor alle DFB-Junioren-Nationalmannschaften durchlaufen hat, der Verletzung von Dortmund-Star Marco Reus im letzten Testspiel gegen Armenien in Mainz. Mustafi, der erst am 13. Mai 2014 gegen Polen (0:0) sein Länderspiel-Debüt gegeben hat, rückt nach und stand im Achtelfinale gegen Algerien sogar in der Startelf. Nach der Weltmeisterschaft zieht es ihn zum FC Valencia, ehe er 2016 für die spektakuläre Ablösesumme von 41 Millionen Euro zum FC Arsenal nach England zurückkehrt.

23. Lars Leese: Daum verkannte den „Traumhüter“

In Köln nur bei den Amateuren - Lars Leese.
In Köln nur bei den Amateuren - Lars Leese. Foto: Imago
Ronald Rengs Der Traumhüter von 2002 gilt als das Buch in Deutschland, das dem Fußball letztlich literarisch salonfähig machte. Es wurde 2004 zum Sportbuch des Jahres gekürt – und erzählt die unglaubliche Geschichte des Torhüters Lars Leese.

„Ich genieße alle Vorteile eines C-Promi“, sagt Lars Leese, inzwischen 49 Jahre alt, heute über sich. Diesen Umstand verdankt er einem der ungewöhnlichsten Vereinswechsel der deutschen Fußballgeschichte. In der Jugend des 1. FC Köln und des SC Fortuna groß geworden, tingelt der 1,98 m-Torwarthüne ab Mitte der Neunziger durch die unteren Ligen. Sportfreunde Neitersen, VfB Wissen im Westerwald, Preußen Köln – bei allem Respekt: Keine fußballerischen Top-Adressen für einen ambitionierten Keeper. Die Saison 1996/97 scheint den Durchbruch zu bringen. Lars Leese wechselt zu Bayer 04 Leverkusen in die Bundesliga. Mit dem neuen Coach Christoph Daum, so scheint es, hat er nun einen echten Star-Trainer. Aber: Daum setzt nicht auf Leese. Die Konkurrenten Dirk Heinen und Rüdiger Vollborn sind beim Vizemeister zu stark. Beim „Ansturm der jungen Wilden“, wie der Kicker in einem Special die Saison der Leverkusener überschreibt, war Leese nur auf dem Mannschaftsfoto dabei…

Der Überraschungscoup dann im Sommer 1997. Lars Leese wechselt zum Aufsteiger FC Barnsley in die englische Premier League. Im Oakwell Stadium wird der Deutsche schnell zum Publikumsliebling. „Lars Leese – tall as Trees“, „Lars Leese, so mächtig wie Bäume“, reimt ein lokaler Dichter etwas ungelenkig auf ihn. Erst recht, als er beim großen FC Liverpool an der Anfield Road den 1:0-Sieg festhält. In neun Premier-League-Spielen kommt Lesse zum Einsatz – dass er dabei zwei Mal ohne Gegentor bleibt, ist nur wenig tröstlich. Barnsley steigt am Saisonende 1997/98 ab – und für Lars Leese heißt es „Zurück auf los.“

Der „Traumhüter“, wenig später wunderbar literarisiert, ist zurück in der rauen deutschen Fußball-Realität. Die Erinnerung an den gelebten Fußballtraum nimmt ihm niemand mehr. „Als wir zwei Spieltage vor Schluss in Leicester City mit 0:1 verloren und damit der Abstieg besiegelt war“, erzählt Leese 2007 der Zeitschrift 11 FREUNDE, „standen 4.000 Fans auf der Tribüne, haben ,We love you Barnsley‘ gesungen und dabei geweint. Das war ein bewegendes Bild.“

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22. Moritz Volz: Der lustige Deutsche von London

England statt Deutschland - Moritz Volz
England statt Deutschland - Moritz Volz. Foto: Imago

Mit 16 Jahren wechselt Moritz Volz 1999 aus der Jugend des FC Schalke 04 zum FC Arsenal. Ein „unmoralisches Angebot“, über das die S04-Jugenddirektoren alles andere als amused sind. Der Wechsel eines deutschen Jugendspielers ins Ausland war bis dahin die Ausnahme. In elf Jahren England wird Volz zum Gegenentwurf des protzigen Jung-Profis aus der Premier League.

Den „lustigen Deutschen“ nennen sie Moritz Volz im noblen Londoner Südwesten. Wenn der Jungprofi anstatt mit teurer Karosse mit dem Fahrrad zum Trainingsgelände seines Klubs FC Fulham fuhr, betrieb er ungewöhnliche, aber effektive Image-Werbung. Ein Junge, der als Premier-League-Profi nicht eben hungern muss trotz allen Klischees der Branche– ganz der Humor der Briten. „In der Welt der Range Rover fährt er mit dem Klapprad zu den Heimspielen“, wundert sich die noble Times.

Auch sonst scheinen britischer Humor und Moritz Volz irgendwie zu passen. Er gibt den Fans Tipps für den Friseurbesuch oder tritt als David-Hasselhoff-Double mit roter Baywatch-Badehose und Brusthaar-Toupet auf. Ein Spaßvogel, an dem die Komiker-Truppe von Monty Python sicher ihre helle Freude gehabt hätte. „Er ist ein Deutscher mit Sinn für Humor“, freut sich auch The Guardian, „mehr noch, er ist ein deutscher Fußballer mit Sinn für Humor.“

Und nun zu etwas völlig Anderem. Moritz Volz setzt auch auf dem englischen Rasen Meilensteine. Am 30. Dezember 2006 erzielt er für Fulham gegen den Lokalrivalen FC Chelsea (2:2) das 15.000. Tor der Premier-League-Geschichte. Für die „Cottagers“ lief er zwischen 2004 und 2009 insgesamt 108-mal in der englischen Fußball-Eliteliga auf. Ein Wechsel zu seinem Jugendverein FC Schalke 04 scheitert 2010 am Veto des auf Schalke allmächtigen Felix Magath.

21. Thorsten Stuckmann: Unser Mann in Deepdale

Thorsten Stuckmann - Von Köln nach England.
Thorsten Stuckmann - Von Köln nach England. Foto: Imago

Los geht  es mit den Höhnern. Bei seiner Ankunft bei Preston North End trällert Thorsten Stuckmann – so will es ein alter Brauch unter britischen Fußballspielern – in der Kabine ein Liedchen zum Einstand. Der deutsche Torhüter hat sich „Schenk mir Dein Herz“ von der Kölner Stimmungsband ausgesucht – und voll ins Schwarze getroffen.

Thorsten Stuckmann erhält im November 2011 nach wenig spektakulär klingenden Stationen bei Preußen Münster, Eintracht Braunschweig und Alemannia Aachen die Chance seines Lebens: Ein Wochen-Vertrag bei Preston North End. Eigentlich soll er nur Stammkeeper Iain Turner vertreten. Aber wie das so ist mit bezahlten Praktika oder Zeitverträgen. Manchmal führen sie zum Erfolg. In neun Spielen kassiert Stuckmann er nur fünf Gegentore. Im Januar 2012 gibt ihm der in der drittklassigen Football League One firmierende Klub Preston North End einen 18-Monats-Vertrag, den Stuckmann nicht ausschlägt.

Er wird zum Helden im Stadion Deepdale. „Es sind einige Spiele, an die ich oft denken muss“, verriet Stuckmann in einem Interview Anfang 2015 mit Transfermarkt.de, „einmal ein Pokalspiel gegen Oldham Athletic im Dezember 2014 (10:9 n. E., Johnstone’s Paint Trophy, d. Red.), das ebenfalls ins Elfmeterschießen ging. Damals mussten beide Torhüter im Elfmeterschießen antreten, wobei ich meinen Elfer verwandeln und den Schuss des gegnerischen Keepers halten konnte. Ich glaube, das war das erste Tor in meiner Karriere. In meinem ersten Jahr bei Preston North End haben die Fans in Oldham einen „Thorsten-Stuckmann-Day“ gemacht.“ Und der sah so aus: Viele Anhänger von PNE haben Gesichtsmasken mit Stuckmanns Konterfei und Deutschlandflaggen in den Boundary Park mitgebracht und so den Gästeblock in Schwarz-Rot-Gold getaucht.

Das größte Spiel des deutschen Keepers auf der Insel ist FA Cup-Achtelfinale am 16. Februar 2015 – gegen Manchester United. „Diese Partie“, erinnert sich Stuckmann, „wurde im Vorfeld als Jahrhundertspiel für Preston bezeichnet. Die Atmosphäre im Stadion war sensationell. So, wie wir uns verkauft haben, war es eine rundum gute Werbung für den Verein und für jeden einzelnen Spieler.“ Doch gegen die Nonchalance eines Wayne Rooney ist der Deutsche machtlos. Der englische Nationalspieler fällt gegen Stuckmann im Strafraum – und verwandelt den herausgeholten Elfmeter höchst selbst. 1:3, Prestons Pokal-Traum ist zu Ende. „In solchen Spielen merkt man, was für ein Privileg es ist, Fußballer zu sein. Man sollte wirklich jeden Tag alles geben, um diesen Sport ausüben zu können. Für solche Spiele wie gegen Manchester ist man Profi.“

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