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Diese Transfers bedauert Bayern München bis heute – und über diese lachen sie Tränen

Diese Transfers bedauert Bayern München heute noch. Und über diese lachen sie Tränen. 30 FC Bayern-Transfers der besonderen Art.

Auf dem Festgeldkonto des FC Bayern München befinden sich aktuell ca. 250 Millionen Euro. Auf dieses Kapital sind die Verantwortlichen zu Recht stolz. Der Branchenriese des deutschen Fußballs hat stets solide gewirtschaftet, hat große Namen in die Bundesliga geholt, sich aber nie dem modernen Transfer-Irrsinn unterworfen. Jedenfalls nicht ganz.

Sicher, so prall gefüllt war die Kriegskasse der Münchner nicht immer. Es gab diese Zeiten, in denen auch die Bayern hohe Schulden hatten und in denen nur ein spektakulärer Transfer des besten deutschen Spielers seiner Zeit für Entspannung sorgte. Die Bayern – Sie sind seit 1987, seit ihrem zehnten Titelgewinn nicht nur alleiniger deutscher Fußball-Rekordmeister, sondern sie sind auch der Transfer-Meister.

Das Portal Transfermarkt.de weist den Wechsel des französischen Weltmeisters Lucas Hernández 2019 mit 80 Mio. Euro aus – der teuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte – trotzdem bleiben die Münchner damit (noch) weit unter der ominösen 100 Mio. Euro-Schallmauer, die vor allem in der Premier League und in Spaniens La Liga in schöner Regelmäßigkeit durchbrochen wird. Das „Stupid English Transfer Money“, das die Premier-League-Klubs respektive ihre meist nicht-britischen Eigentümer und Investoren in den Markt pumpen, wird auch für den FC Bayern ein immer wichtigerer Faktor. In einem Umfeld, in dem geschicktes Taktieren, Handlungsschnelligkeit, aber auch Instinkt immer wichtiger werden.

 

„BorExit“ für einen Mega-Transfer-Flop der Bayern

Dieses „Händchen“ für Transfers hatten die Bayern eigentlich fast immer. Wer ganz oben stehen will, muss der Konkurrenz immer einen Schritt voraus sein, das wusste schon Macher Uli Hoeneß. Deshalb: Einen Superstar holen sie sogar ablösefrei vom Konkurrenten Borussia Dortmund – bei einem Marktwert des treffsichersten Spielers seiner Zeit in der Bundesliga ein Transfer, bei dem man in München anschließend herzlich gelacht haben dürfte. Umgekehrt schlägt der bis heute (Stand: Juli 2020) zweitteuerste Transfer der Bayern-Historie beim Rekordmeister mal so gar nicht ein – und nimmt alsbald den „BorExit“, also den Weg zurück zu Borussia Dortmund, den außer ihm noch ein weiterer Weltmeister von 2014 geht.

Solche „Ausreißer“ nach oben und unten – Transfer-Tops und Flops – liefern die Bayern in ihrer ruhmreichen Bundesliga-Geschichte immer wieder. Klar, dank ihrer prall gefüllten Kassen sind sie der Konkurrenz seit gut 40 Jahren immer überlegen. Entsprechend konnte der FC Bayern München bei Transfers ordentlich hinlangen. Und das gelang meistens ziemlich gut aber nicht immer. Anders gesagt: In der Regel setzten die Bayern den vorhandenen Bimbes geschickt ein. Jedenfalls deutlich geschickter als die Management-Kollegen in den anderen deutschen Millionenstädten – man denke an moderne Geldverbrennung in Berlin, Hamburg oder Köln. Dass man gerade in der Hansestadt auch den Bayern das Geld nachwirft, wird in unserer Story ein Thema sein. Doch einige Transfers in den letzten 40 Jahren bedauern die Bayern noch heute. Auf der Kaufseite und auf der Verkaufsseite. Weil sie stattfanden oder weil sie entweder gar nicht oder nicht rechtzeitig stattfanden.

In unserem Beitrag haben wir Transfers zusammengestellt, die der FC Bayern heute noch bedauert. Und wir erzählen die Geschichten von Transfers, über die man an der Säbener Straße heute noch Tränen lacht. Weil sie „passierten“, wie sie „passierten“, oder weil sie eben zum Glück (für die Bayern) doch nicht „passierten.“ Wobei sich vor allem bei einem Spieler und ehemaligen „Ultra“ die Frage stellte: Was passiert, wenn es passiert? Hier sind die Hintergründe der besten, burleskesten, schlechtesten und drolligsten 30 Bayern-Transfers in den letzten 30 Jahren. Geschichten von Weitblick, Finesse, Scharaden, fiesen Tricks und Inkompetenz, die man so im Umfeld des FC Bayern gar nicht vermutet hätte. Ist aber so geschehen.Wir starten mit der dieses Essay überspannenden Frage „Was bedauert Bayern?“ und widmen uns in “Regret 1” zunächst den spektakulärsten Nicht-Transfers, also den Spielern, an denen Bayern wohl dran war, aber möglicherweise doch nie so richtig. Also denen, die die Bayern verpassten und die dann woanders zu Superstars wurden. „Mal verliert man und mal gewinnen die Anderen“, sagte der bei Bayern vergräzte Meistercoach Otto Rehhagel mal. In diesen beschriebenen Fällen galt: „Dieses Mal lachen die Anderen.“

„Regret 2“ ist die Rubrik „Spieler, die zu früh oder zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkauft wurden“ – und hinterher, als die Ex-Bayernstars woanders die Trophäen abräumten, wollte von den Granden keiner mehr die Idee für diese Transfers gehabt haben. Diese Liste ist länger, als man auf den ersten Blick glauben mag.

Die härteste Kategorie für jeden Bayern-Fan und ein Fest für die Hater-Fraktion der Großkopferten ist die Rubrik „Regret 3“, mit Spielern, deren Verkauf nicht nur ungünstig sondern “dämlich” war. Zum Tränenlachen für die Konkurrenz!

Fast genauso hart sind die Rubriken “Regret 4” und “Regret 5”. Hier zählen wir die HIntegründe von verfehlten Bayern-Käufen auf. Spielern, in denen die Bayern-Oberen neue Superstars gesehen haben, doch sich ordentlich verguckten.

Aber: Auch die Bayern durften bei vielen Transfers lachen. Und zwar bei den Spielerwechseln, die wir in Rubrik 6 unter die Frage „Was freut Bayern?“ gestellt haben. Profis, die Skepsis, manchmal sogar mit Häme bedacht wurden, als sie das Trikot des Rekordmeisters überstreiften, die dann aber die investierten Summen bis auf den letzten Heller zurückzahlten oder Bayern beim Abschied richtig Geld brachten. Über diese Transfers der Marke „Super gemacht“ lachen und freuen sich die Bayern-Oberen heute noch.

Entweder weil sie einen Spieler teuer verkaufen konnten (teurer jedenfalls als er es wert war) oder weil sie einen Angestellten zum Schnäppchenpreis verpflichten konnten. In einigen Fällen aber auch, weil der Transfer dann doch nicht zu Stande kam, obwohl die Bayern wirklich baggerten und den Spieler „unbedingt haben“ wollten. Glück gehabt. Bayern-Dusel eben.Bayern-Macher Uli Hoeneß hat den Verein in 40 Jahren als Manager und Präsident geprägt wie kaum ein anderer Funktionär.

Das Cleverle aus Ulm, Metzgerssohn, Wurstfabrikant, Business-Profi durch und durch, hat dem FC Bayern mit Sicherheit die absoluten Top-Transfers beschert – Spieler und Trainer.

Seine Coups mit Pep Guardiola (2013) als Coach oder Lothar Matthäus (1984) als Spieler, den man von einem direkten Konkurrenten weg lotste, muss man als absolut genial bezeichnen.

Doch der gute Uli hatte auch mal Pech. Es ist mehr als eine Legende, dass er den vielleicht besten offensiven deutschen Mittelfeldspieler seiner Zeit verpasste. Gemeint war ein junger Frankfurter, gemeint war Andreas „Andy“ Möller.

 

Die „Herren Experten“ und das Supertalent aus der Frankfurter Vorstadt…

Werner Schilling sieht ihn im Kicker – Jahrbuch des Fußballs 1986 als „das Supertalent“. Keine Anleihe bei Dieter Bohlen: Möller war der „Player to watch“ aus dem Jahrgang 1967. Aber zugreifen wollte zunächst keiner. „Der Junge aus der Frankfurter Vorstadtszene“, schrieb Schilling über Möller, „erschien den Herren Experten, die über seine Förderung zu entscheiden hatten, als zu schwächlich.“

Zu diesen „Herren Experten“ gehört natürlich auch Uli Hoeneß, der – auf einem ersten sportlichen Höhepunkt als Manager des FC Bayern mit 3 Meistertiteln in Folge zwischen 1985 und 1987 – den jungen Möller einfach verpasste. Der pfeilschnelle offensive Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt landet nie beim FC Bayern. Möller war ab Mitte der 1980er-Jahre, als die SGE endlich in den Jugendfußball investierte und 1985 Deutscher A-Jugendmeister wurde, das Jahrhunderttalent der Hessen. Schon ab 1981 trug er das Eintracht-Trikot, 1985 wurde er Profi bei den „Adlern“.

Und das kam so. ,,Bei Andy Möller kam ich zu spät”, erzählte Hoeneß 1993 in einem Kicker-Rückblick auf 30 Jahre Bundesliga, „ich weilte in Duisburg bei einem Jugendturnier. Es war Sonntag. Dort bekam ich den Tipp, die Frankfurter Eintracht hätte einen großartigen Jugendspieler, den ich sofort verpflichten müsste. Am Montagabend erreichte ich Möller, ein paar Stunden vorher hatte er bei Eintracht Frankfurt unterschrieben.” Auch 1994, als Giovanni Trapattoni neuer Trainer in München wurde, war Möller, der mit dem italienischen Erfolgscoach bei Juventus Turin 1993 gegen seinen Ex-Klub Borussia Dortmund den UEFA-Cup gewonnen hatte, kein Thema in München. Möllers Rückkehr aus Italien und zum BVB war dem spendierfreudigen Dortmunder Präsidenten Dr. Gerd Niebaum („Dr. Gott“) umgerechnet 4,6 Mio. Euro wert. Mit „Turbo“ Möller als Antreiber wurde die Borussia 2-mal Deutscher Meister und grüßte im Mai 1997 im Bayern-Wohnzimmer, dem Münchner Olympiastadion, als erster deutscher Champions-League-Sieger. Dumm gelaufen.Naby Keita spielt seit der Saison 2018/2019 für den FC Liverpool. Er hätte auch zum FC Bayern oder zum FC Barcelona wechseln können.

Dass es so kam, lag vor allem daran, dass der vom deutschen Trainer Jürgen Klopp betreute LFC bereit war, für den Nationalspieler Guineas richtig Geld in die Hand zu nehmen.

Die „Reds“ riefen für den zentralen Mittelfeldspieler eine Ablöse von 60 Mio. Euro ab. Damit wurde Keita zum bis dahin teuersten Export der 2016 in die Bundesliga gestürmten „Roten Bullen“ aus Leipzig.

Ein ernsthafter Konkurrent im Rennen um Keita, der in seiner ersten Saison mit dem FC Liverpool in Madrid die Champions League gewann, war der FCB dabei wohl nie. Nur im April 2017 gab es im Daily Mirror einen Hinweis darauf, dass Bayern an Keita dran sei. Gleichzeitig nannte das Boulevardblatt aber auch Liverpool als bevorzugtes Ziel des Afrikaners, zumal er mit Sadio Mané einen ehemaligen Teamkollegen von RB Salzburg dort wusste. Die Folge: Keita machte im August 2017 frühzeitig klar Schiff. Er unterschrieb einen Vertrag bis 2023 in Liverpool und gab im Leipziger Dress noch einmal richtig Gas: 11 Tor-Beteiligungen (6 Treffer) in 27 BL-Spielen.

 

Klopp gab den Ausschlag

„Ich habe schon als Kind auf der Straße im Liverpool-Trikot gespielt”, sagte er später dem Guardian, „weil ich ein Mittelfeldspieler bin und Steven Gerrard immer der Boss der Mannschaft war, konnte ich gar kein anderer sein als Gerrard, wenn wir gespielt haben.“

Entsprechend trug er seitdem in Liverpool auch die legendäre Rückennummer 8. Das Trikot überreichte ihm Gerrard persönlich. Ein weiterer Grund? Der Trainer. „Aber ein großer Teil meiner Entscheidung war die Rolle des Trainers. Wir hatten gute Gespräche miteinander. Was er mir über das Projekt gesagt hat, hat mich wirklich überzeugt.” Der Mann, der da so überzeugend für das „Projekt“ geworben hatte, war Jürgen Norbert Klopp, seit Oktober 2015 Coach in Anfield. Auch Sadio Mané habe ihm sehr weitergeholfen. Der Senegalese im Dress des FC Liverpool sei „fast wie ein Bruder”, berichtete Keita. Der Ex-Leipziger weiter: „Er erzählte mir, was für ein großartiger Klub Liverpool ist, wie sich das Team weiterentwickelt und was für ein großartiges Potenzial der Klub hat.” So falsch lag er mit dieser Einschätzung nicht.

Mehr noch: Keita tat den Bayern im Dress des FC Liverpool richtig weh: Im Achtelfinale der Champions League 2018/2019 (0:0 / 3:1) räumte er mit den „Reds“ die Münchner aus dem Weg.Leon Bailey als Nachfolger des legendären Arjen Robben auf der Linksaußenposition beim FC Bayern? Im August 2019 gab es diese Gerüchte um den jamaikanischen Außenstürmer von Bayer Leverkusen.

Nach Informationen des US-Sportsenders “ESPN” gab der FC Bayern München zuvor bereits im Sommer 2018 ein offizielles Angebot in Höhe von 60 Millionen Euro für Leon Bailey ab. Beim bärbeißigen Leverkusener Macher Rudolf „Rudi“ Völler blitzten die Münchner damit ab.

Denn: Bayer Leverkusen war nicht bereit, den Jamaikaner für eine solch „geringe“ Summe ziehen zu lassen. Für den Linksaußen, der vertraglich noch bis 2022 an die „Werkself“ gebunden war, forderte Leverkusen mindestens 100 Millionen Euro Ablöse. Ein stolzer Preis, zumal Bailey Marktwert laut Transfermarkt.de im August 2018 auf maximal 45 Mio. Euro geschätzt wurde.

100 Mio. Euro Ablöseforderung – Eine Summe, bei der auch der FC Bayern in bisher unbekannte Dimensionen vorgestoßen wäre. Das Bedauern ob der Ablöseforderungen von Leverkusen war groß, ob es noch größer geworden wäre, hätten die Münchener den verlangten Betrag gezahlt, darüber lässt sich spekulieren. Fakt ist: Bailey verlängerte im August 2018 seinen Vertrag unterm Bayer-Kreuz und hat bis 2023 gezeichnet.Ende 2018 begann nach dem Spiel FC Bayern München – RB Leipzig (1:0) eine scheinbar unendliche Transfer-Geschichte.

Timo Werner, Transfer-Hotspot und Nationalspieler von RB Leipzig, äußerte sich in einem Sky-Interview im Anschluss an die Partie zum Thema „Vertragspoker“ so viel sagend, dass man von einem bevorstehenden Wechsel zum FC Bayern München ausgehen musste.

Der Vertrag des gebürtigen Stuttgarters lief zum 30. Juni 2020 aus, sodass ein ablösefreier Wechsel an die Isar ein mögliches Szenario war. Die Leipziger ließen jedoch nicht locker. Unmittelbar vor dem Pokalfinale am 26. Mai 2019 gegen den FC Bayern (0:3) bekräftigte RBL-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff auch gegenüber Ligalive, dass man in Sachen Werner „noch einmal einen neuen Anlauf starten“ würde.

Im Sommer 2019 dann tatsächlich die Wende. Auf Anraten von Bundestrainer Joachim Löw, den Werner wohl ins Vertrauen gezogen hatte, blieb der Nationalstürmer in Leipzig – und verlängerte in der Bachstadt bis 2023. „Leipzig war für mich der perfekte Schritt, jetzt bin ich immer noch Spieler von Leipzig, das war für mich auch der richtige Schritt, dort zu bleiben, was die Zukunft bringt, das steht in den Sternen”, musste Werner im November 2019 während einer Pressekonferenz bei der deutschen Nationalmannschaft seinen Verbleib bei RBL sogar noch verteidigen.

 

Timo Werner war offenbar „nicht Bayern-like“

Bei den Münchnern war der Transfers des „drittbesten Stürmer der Welt“, wie ihn Lyon-Coach Rudi Garcia bezeichnete, offenbar im Frühsommer 2019 verpennt worden. Angeblich lag ein unterschriftsreifes Arbeitspapier für Werner vor. Ein Transfer-Gebaren, das so gar nicht Bayern-like war.

Die zögerliche Haltung der Bayern und das „Wenn Sie wüssten, wen wir schon alles sicher haben für die neue Saison“ vom scheidenden Macher Uli Hoeneß erwiesen sich als Bumerang. Leipzig wurde auch dank der starken Performance von Timo Werner mit 18 Toren erstmals „Herbstmeister“ in der Bundesliga. „Der Nicht-Transfer von Timo Werner hat Bayern geschadet“, rügte Ex-Bayern-Coach und Transfer-Experte Felix Magath die Münchner im Dezember 2019 in einem BILD-Interview, „hätte man ihn auch noch verpflichtet, wären man wahrscheinlich mit großem Abstand Erster.”

Dass der in Sachen Transfers nicht immer glücklich agierende Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic im Januar 2020 noch einmal in Sachen Werner nachlegte, machte die Sache nicht besser. „Werner ist ein guter Spieler, der eine hervorragende Hinrunde gespielt hat. Allerdings haben wir Robert Lewandowski. Robert ist ein Stürmer, der zu unserer Spielweise ideal passt”, sagte der Bosnier der SPORT BILD.

Der Schlussakt im Werner-Hickhack könnte im Sommer 2020 erfolgen. Wie BILD am 1. Mai 2020 berichtete, würde „Werner auf keinen Fall nach München“ gehen, sondern sich für eine festgeschriebene Ablöse von 60 Mio. Euro wohl dem FC Liverpool anschließen wollen.Das Thema „DDR-Stars“ galt bei den Münchnern anfangs als heikel. Sicher, rund 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer und der Deutschen Einheit wissen wir, dass Profis aus der ehemaligen DDR beim Rekordmeister zu den Säulen des Erfolgs gehören.

Aber: Die Bayern brauchten Zeit, um den Markt „Ost-Fußball“ zu sondieren. Alexander „Zico“ Zickler von Dynamo Dresden machte erst im Jahr 1993 den Anfang. Mit einer Ablöse von umgerechnet 1,15 Mio. Euro machte man die Dynamos nicht wirklich zum Transfer-Krösus… Es folgten u. a. der Thüringer Thomas Linke und die Sachsen Michael Ballack und Jens Jeremies sowie der Mecklenburger Stürmer Carsten Jancker (Rapid Wien), die aber allesamt schon in der deutschen und in der österreichischen Bundesliga Erfahrungen gesammelt hatten und zu diesem Zeitpunkt nicht mehr für einen Ost-Verein spielten. Wirklich geplündert – noch so ein Stammtisch-Märchen – hat Bayern München den DDR-Fußball nie!

Für diese Strategie zeichnete unmittelbar nach der „Wende“ ein anderer Klub verantwortlich. Es waren Bayer Leverkusen mit seinem XXL-Manager Reiner „Calli“ Calmund und dessen nicht minder gewieftem Adjutanten Wolfgang „Karni“ Karnath. Sie holten mit Andreas Thom und Ulf Kirsten zwei der begehrtesten DDR-Spieler an den Rhein – und beinahe auch den dritten Hochkaräter. Der Dresdner Matthias Sammer galt als das Ausnahmetalent des DDR-Fußballs. Aber: Ein „Veto“ von Einheitskanzler Dr. Helmut Kohl und ein Geistesblitz von VfB-Patriarch Gerhard Mayer-Vorfelder („MV“) verhinderten, dass Sammer zu Bayer 04 ging, wie Karnath einmal Ligalive verriet. Stattdessen ging Sammer zum VfB Stuttgart und wurde mit den Schwaben 1992 – ein Krisenjahr für den FC Bayern mit Rang 10 in der Liga – Deutscher Meister.

Als er ein gutes halbes Jahr später sich bei Inter Mailand mit Trainer Osvaldo Bagnoli überworfen hatte, kehrte Sammer nach Deutschland zurück. Aber nicht zum FC Bayern, wo man im Herbst 1992 erst die Rückhol-Aktion mit Lothar Matthäus (ebenfalls Inter) durchgezogen hatte. Borussia Dortmund griff zu und Sammer wurde mit dem BVB nicht nur Deutscher Meister und Champions-League-Sieger, sondern auch „Europas Fußballer des Jahres“ 1996. Dortmund – und das musste sich Bayern Mitte der 90er-Jahre nicht nur in diesem Fall ankreiden – war einfach handlungsschneller. Es ist versöhnlich, dass Sammer später doch noch zu den Bayern kam. Als Sportdirektor.
Robert Kovac spielte zwischen 2001 und 2005 knapp 100-mal für den FC Bayern München. In der Regel tat er das gut und solide.

2018 kehrte er als Assistenztrainer an der Seite seines Bruders Niko in die bayerische Metropole zurück.

Kovacs unaufgeregte Art auf dem Platz, seine niedrige Verletzungsanfälligkeit, das weckte regelmäßig Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen. Diese Angebote blockte der FC Bayern so lange ab, bis Kovac ablösefrei „gehen konnte“.

Zur Saison 2005/2006 wechselte der Kroate ablösefrei zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin, für den er regelmäßig zum Einsatz kam, aber mit Fabio Cannavaro und Lilian Thuram starke Konkurrenz auf seiner Position in der Innenverteidigung hatte.

 

Auch bei Juventus Turin Stammspieler

Als der Verein im Sommer 2006 infolge des Manipulationsskandales in die Serie B zwangsabstieg und viele Spieler den Klub verließen, entschied sich Kovac, zu bleiben und wurde unter Coach Didier Deschamps in der Hinrunde Stammspieler in der Abwehr.

Nach der Winterpause wurde er aufgrund einer langwierigen Fußverletzung jedoch nur noch einmal eingesetzt. Dennoch hatte er seinen Anteil am direkten Wiederaufstieg von Juventus.

Was bedauert Bayern München daran? In der titellosen Saison 2006/2007 wäre Kovac in der Bayern-Abwehr, die 40 Gegentore (Top-Wert unter den besten vier Teams gemeinsam mit Werder Bremen) hinnehmen musste, sicher mehr als nur eine Alternative gewesen. Dazu kommt, dass der Verein Robert Kovac letztlich ablösefrei zu Juventus Turin ziehen ließ.Mit 15 kam Emre Can aus Frankfurt in die Jugend des FC Bayern München.

In zwei Spielzeiten reifte er ab 2009 bei den Bayern-Amateuren zum Profi, ehe er 2012/2013 unter Jupp Heynckes aufrückte. Seinen ersten Pflichtspieleinsatz für die Profimannschaft des FC Bayern hatte er am 12. August 2012 beim 2:1-Sieg im DFL-Supercup gegen Borussia Dortmund, wobei er in der 70. Minute durch Holger Badstuber ersetzt wurde. Seinen ersten Bundesligaeinsatz machte er am 13. April 2013 beim 4:0-Sieg im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Das erste Can-Tor in der Bundesliga notierte die DFL hingegen am 28. April 2013 beim 1:0-Heimsieg gegen den SC Freiburg.

Aber: Insgesamt machte Can in der historischen „Triple“-Saison 2012/2013 mit der bis dahin frühesten Meisterschaft der Bundesliga-Geschichte, DFB-Pokal und Champions-League-Sieg nur vier Liga-Spiele.

 

Nationalspieler wurde Can erst unter Klopp

Für fünf Millionen Euro ließen die Bayern Can 2013 zu Leverkusen ziehen. Dort blieb er lediglich eine Saison ehe er sich dem FC Liverpool anschloss. Bei den „Reds“ spielte er unter Trainer Jürgen Klopp eine wichtige Rolle im Mittelfeld und schaffte es sogar in die Nationalmannschaft. In seine Zeit beim FC Liverpool fiel sein Länderspiel-Debüt am 4. September 2015 in seiner Heimatstadt Frankfurt im EM-Qualifikationsspiel gegen Polen (3:1).

Nachdem ihn der FC Liverpool 2018 ablösefrei an Juventus Turin abgegeben hatte, stand im Januar 2020 noch einmal eine Rückkehr zum FC Bayern im Raum. Am 27. Januar 2020 entschieden sich die Münchner laut SPORT BILD allerdings gegen einen Transfer des Nationalspielers. Danach ging alles ganz schnell und am 31. Januar 2020 wechselte Can zunächst auf Leihbasis und dann zum 1. Juli 2020 fest für eine Ablöse von 25 Mio. Euro zu Borussia Dortmund.

Vielseitig in der Defensive einsetzbar, erwies sich Can bereits in den ersten Spielen beim BVB als Stabilisator und Antreiber. Wieder hatte der FC Bayern letztlich ein in der eigenen Jugend groß gezogenes Talent an einen Liga-Konkurrenten abgegeben und wieder hatte, wie im Fall Hummels, Jürgen Klopp diesen zum Klassespieler und Nationalspieler geformt.„Als van Gaal kam“, ist Martin Demichelis auch nach Jahren sicher, „fing es an zu stinken.“

Der argentinische Abwehrspieler steht mit meiner Meinung über den unnahbaren niederländischen Coach („Der General“) nicht allein. Selten hat ein Trainer beim FC Bayern trotz „Double“-Erfolg im ersten Jahr 2009/2010 so viel verbrannte Erde hinterlassen wie „LvG“.

Der argentinische Innenverteidiger spielte von 2003 bis 2011 beim deutschen Rekordmeister und gewann vier deutsche Meisterschaften und vier Mal den DFB-Pokal. Zwar hatte Demichelis zeitweise Schwierigkeiten, sich im Kader durchzusetzen, aber kam trotzdem auf 174 Einsätze und bildete abwechselnd mit Lúcio oder Daniel Van Buyten das eingespielte Abwehrduo. Aufgrund seiner wenigen Einsatzzeiten wechselte Demichelis am 1. Januar 2011 zum FC Málaga und 2013 zu Manchester City. Schuld daran war der Trainer, der während der Saison 2010/2011 alle Saisonziele in Gefahr brachte. Louis van Gaal – Seine Mannschaft erlebte „LvG“ selten gelassen. Der stellvertretende Kapitän Martin Demichelis enthüllte Ende 2018 in der argentinischen Zeitung La Nacion Details aus der für die Bayern nur auf den ersten Blick erfolgreichen Zeit mit van Gaal.

„Einmal lagen wir zur Halbzeit mit 3:0 in Führung. Van Gaal kam in die Kabine, knallte die Tür zu und hörte nicht auf, uns anzuschreien: ‚Ihr seid ein Desaster!‘“, erzählte Demichelis dem Blatt. Demichelis fiel seinem Trainer ins Wort und blieb die Antwort nicht schuldig: „Hör auf, uns zu beleidigen, ein bisschen Respekt bitte!“

Van Gaal ging im nächsten Training in die Offensive. Er schnappte sich Demichelis in einem Vier-Augen-Gespräch und zischt ihn an: „Misch dich nie wieder so ein.“ Den in dem ominösen Spiel tatsächlich erfolgten Leistungsabfall seiner Mannschaft, den van Gaal offensichtlich vorausgesehen hat, begründete er hinterher mit „emotionaler Unausgeglichenheit.“ Ah ja…

„Ich habe in 20 Jahren viele Trainer erlebt“, sagt Demichelis, „aber keinen wie Louis van Gaal. Er war komplett verrückt.“ Martin Demichelies, ein weiteres Opfer von „LvG“, neben dem Brasilianer Lucio.Wenn es ruhig ist in München und der Wind günstig steht, dann kann man es seit dem Sommer 2007 jedes Jahr aufs Neue hören, wenn sich der Tag der Vertragsunterschrift unter den Transfer von Owen Hargreaves von Bayern München zu Manchester United jährt.

Hören Sie es auch? Was, werden Sie sich jetzt lesend fragen! Na, das Lachen der Bayern-Oberen über einen Spielerverkauf, der den Münchenern 25 Millionen Euro einbrachte und Manchester United einen Spieler, der zwischen 2007 und 2011 nur 28 Spiele für den englischen Rekordmeister absolvierte und dabei genau 2 Tore schoss.

Hochgerechnet also so ziemlich 12,5 Millionen Euro pro Tor und knapp 0,9 Millionen Euro pro Spiel. Die Amis zahlten es ja! Die bei Manchester United allmächtige US-amerikanische Eigentümerfamilie Glazer stimmte am 1. Juli 2007 dem Transfer zu.

Und das, obwohl Owen Hargeaves schon beim FC Bayern München regelmäßig verletzt war. Bei Manchester United und anschließend beim Stadtrivalen City nahmen seine Verletzungssorgen überhand. Probleme mit der Patellasehne kosteten ihn in der Saison 2008/2009 insgesamt 60 Pflichtspiele (!) bei United. 2010/2011 war er mehr als 220 Tage verletzt und konnte in 40 Partien nicht eingesetzt werden.

 

Warum Hargreaves‘ Wechsel doch kein Glücksfall war

Damit wäre der Spieler, der aus der U19 des FC Bayern kam und 2000/2001 im Premieren-Jahr bei den Profis unter Ottmar Hitzfeld auf Anhieb das „Double“ mit Meisterschaft und Champions League gewann, doch eigentlich ein Fall für die Rubrik „Was freut Bayern?“

Schon! Denn dank dem Umstand, dass man in der englischen Premier League mit Stupid Transfer Money nur so um sich wirft, hat der FC Bayern mit Hargreaves richtig Gewinn gemacht. Sportlich aber war sein Abgang 2007 ein Verlust!

In den letzten zwei Spielzeiten vor seinem Wechsel auf die Insel – da spielte Hargreaves richtig gut. Und er liebäugelte schon zuvor mehrfach mit einem Transfer nach England. Immer hielten ihn die Bayern-Bosse – und ließen ihn dann zu einem vergleichsweise ungünstigen Zeitpunkt gehen. Die Lücke, die Hargreaves im defensiven Mittelfeld hinterließ, konnte der FCB lange nicht schließen…Zé Roberto – Der scheinbar unkaputtbare Brasilianer hat im Januar 2019, im Alter von fast 45, seine Profikarriere beendet. Nirgendwo war in 24 Profijahren erfolgreicher als beim FC Bayern. Und doch verließ er den Verein überraschend.

Zé Roberto kam gemeinsam mit Michael Ballack im Sommer 2002 von Bayer Leverkusen zum FC Bayern München. Seine enorme Präsenz im defensiven Mittelfeld gab den Münchnern nach einer titellosen Saison neue Stabilität und mit dem Konditionswunder gelang auf Anhieb das „Double“.

Insgesamt ging Zé Roberto aus der Bayern-Nummer mit vier deutschen Meistertiteln und vier Trophäen im DFB-Pokal raus. Die Champions League gewann er allerdings nur mit Real Madrid (1998). Nach zunächst vier Spielzeiten und 110 Bundesligaspielen für die Bayern der Knackpunkt: Die Vereinsführung konnte sich mit Zé Roberto nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen. Daraufhin wurde der Brasilianer im Sommer 2006 offiziell an den uruguayischen Erstligisten Nacional Montevideo transferiert, der die Transferrechte am Spieler erhielt und ihn in seine Heimat zurückkehren ließ.

 

Kein gutes Ausleih-Geschäft

In Brasilien spielte „Zé“ ab dem 1. September 2006 für den Pelé-Klub FC Santos und in 48 Ligaspielen zwölf Tore. Er gewann 2007 die Staatsmeisterschaft von São Paulo.

Zur Saison 2007/2008 kehrte Zé Roberto zum FC Bayern München zurück, ebenfalls ein Leihgeschäft mit Nacional, das eine Million Euro teuer war. Erneut scheiterte der Versuch einer Vertragsverlängerung, weil Zé Roberto auf weiteren zwei Jahren bestand, der Verein ihn aber nur für ein Jahr an sich binden wollte.

Zé Roberto wechselte zum Hamburger SV, wo er nach einigem Verletzungspeche ebenfalls im Unfrieden schied. 2011 scheiterten auch die Hamburger mit einer Vertragsverlängerung.
„Ich bin sicher, wir brauchen neben Elber und Pizarro für die lange Saison einen dritten Top-Stürmer. Wenn man dieser Überzeugung ist, muss man das Poker erfolgreich beenden. Eine Million mehr oder weniger ist dann fast wurscht. Solch ein Spieler ist eine Bereicherung für Bayern und die ganze Bundesliga“, so trommelte Franz Anton Beckenbauer 2003 in seiner Kolumne in BILD für die Verpflichtung von Roy Makaay.

Der niederländische Stürmer von Deportivo La Coruna, Torschützenkönig in La Liga, war vor dem Start der vorerst letzten Saison mit Trainer Ottmar Hitzfeld der erklärte Wunschspieler an der Säbener Straße.

Am 4. August 2003 meldeten die Münchner Vollzug, Makaay wechselte für die damalige, vereinsinterne Rekordsumme von 18,7 Mio. Euro in die Bundesliga. „Wir haben ihn“, feixte Uli Hoeneß bei der Rückkehr nach München. „Ich will in Deutschland so bekannt werden wie Rudi Carrell“, kündigte der Niederländer einen Angriff auf die (ewige) Popularitätskrone des Showmasters an.

 

Makaay schrieb im Bayern-Dress Geschichte

Das gelang zwar nicht, aber Makaay schoss sich in Diensten von Bayern München am 7. März 2007 in die Fußball-Geschichtsbüche, als er gegen Real Madrid das schnellste Tor der Champions-League-Geschichte erzielte. Er traf nach genau 10,02 Sekunden, obwohl Real Madrid Anstoß hatte…

Makaay amortisierte die 18,7 Mio. Euro Ablöse schon in seiner ersten Saison. Er verdrängte Bayern-Legende Giovane Elber – den Brasilianer zog es zu Olympique Lyon – und erzielte in der Bundesliga 23 Tore. Nur in der La Liga-Saison 2002/2003, als er sich die Torjägerkrone holte, war er mit 29 Treffern noch besser.

Nach der titellosen Saison 2006/2007 war Makaay das erste Opfer des personellen Umbruchs. Mit der Ankunft von Luca Toni und Miroslav Klose kehrte Makaay in die Niederlande zurück. Ein Verlustgeschäft für den FC Bayern: Feyenoord Rotterdam zahlte – bei Marktwert 11,5 Mio. Euro – nur 5 Mio. Euro Ablöse.Am 16. Juli 2009 endete die Karriere von Lucimar da Silva Ferreira, genannt Lucio, beim FC Bayern München.

Der bullige brasilianische Innenverteidiger, der bei seinen Vorstößen in den gegnerischen Strafraum selbst Weltklasse-Leuten wie Sami Hyypiä Angstschweiß auf die Stirn trieb, war mit den Münchnern drei Mal Deutscher Meister und drei Mal DFB-Pokalsieger geworden.

Nun musste er gehen! Warum nur? „Er wollte einen langfristigen Vertrag unterschreiben, aber wir wollten ihm keinen Dreijahresvertrag geben. Er ist nach dem Confed-Cup auf uns zugekommen. Sein Wunsch war eindeutig: Er wollte den Verein verlassen”, sagte Uli Hoeneß lapidar, als er im Juli 2009 den Wechsel des brasilianischen Publikumslieblings Lucio zu Inter Mailand bekannt gab.

Danach erwähnte Hoeneß noch etwas von Traurigkeit über den Abschied, denn Lucio habe in München hervorragende Arbeit geleistet. Auf der anderen Seite sei der FC Bayern „gerade auf der Innenverteidiger-Position gut bestückt und habe für zwei Positionen fünf Kandidaten”, so der Manager zuversichtlich.

Andere Stimmen sagten, dass Lucio vom neuen Bayern-Coach, dem eigenwilligen Louis van Gaal („Tod oder Gladiolen“) regelrecht vertrieben wurde.

 

„Dieser Abschied war respektlos“

War die Traurigkeit des Uli H. im Juli 2009 eher gespielt oder sagen wir branchenüblich geheuchelt, war sie weniger als ein Jahr später real – und mündete in eine krasse Transfer-Fehleinschätzung! Bayern München hatte Lucio, 2004 aus Leverkusen geholt, für sieben Mio. Euro und zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt abgegeben.

Denn: Am 22. Mai 2010 verlor der FC Bayern München das Finale der Champions League ausgerechnet gegen Inter Mailand, den neuen Klub von Lucio. Und dieser sorgte mit einer bärenstarken Leistung dafür, dass die Bayern zwar feldüberlegen waren, aber eben kein Tor schossen.

Da hatte er die nötige Wertschätzung wieder, die ihm beim FC Bayern unter van Gaal nicht mehr entgegengebracht worden war. „Es ist normal, dass jeder Trainer seine eigenen Vorstellungen hat. Aber dieser Abschied war respektlos. Ich denke einfach, ein bisschen mehr Respekt hätte ich verdient gehabt. Ich hätte mir gewünscht, dass der Trainer erst mal mit mir spricht, bevor er sich festlegt“, sagte Lucio wenige Tage nach seinem Abschied aus München in einem Kicker-Interview.Zu früh ist nie gut. Im Job, in der Liebe, beim Sex und beim Verkaufen von eigenen Talenten. Vor allem wenn es sich um ein solch offensichtliches Talent wie dereinst bei Mats Hummels handelt.

Er fing im Alter von sieben Jahren in der Jugend des FC Bayern mit dem Fußballspielen an und durchlief fortan alle Nachwuchsteams beim deutschen Rekordmeister. Zwischen 2005 und 2008 spielte er in der zweiten Mannschaft der Bayern.

Entdeckt wurde er von Bayern-Coach Felix Magath, der ihn seine sicherlich anspruchsvolle Saison-Vorbereitung einband und ihm zum 1. Januar 2007 einen Profivertrag gab. Am 19. Mai 2007, dem letzten Saisonspieltag, gab er beim 5:2-Heimsieg über den 1. FSV Mainz 05 – in der 52. Minute für Martín Demichelis eingewechselt – sein Debüt in der Bundesliga. Unter Ottmar Hitzfeld kam er jedoch kaum zum Einsatz.

In der Winterpause 2007/2008 wechselte Hummels auf Leihbasis vom FCB zu Borussia Dortmund. Im Februar 2009 einigten sich die Münchner und der BVB darauf, dass Hummels im Ruhrpott bleiben könnte Eine Transfersumme von etwas mehr als 4 Millionen Euro wurde vereinbart. Viel zu wenig für das Bayern-Juwel! Damals war der BVB noch ein aufstrebender Mittelfeldverein unter dem Trainer-Junior Jürgen Klopp, aber kein ernstzunehmender Gegner des FCB.

 

Mats Hummels: Vom Bayern-Spieler zum Bayern-Jäger

Das änderte sich innerhalb von nur einem Jahr. In den Spielzeiten 2010/2011 und 2011/2012 wurden die Dortmunder jeweils Meister. Und sie gewannen 2012 auch den DFB Pokal im Finale gegen die Bayern und mit einem für die Großkopferten vernichtenden 5:2. Wichtigster Spieler in der Abwehr: Mats Hummels, der auch ein Tor erzielte.

In Dortmund stieg Hummels zum Nationalspieler, Weltmeister und unumstrittenen Führungsspieler auf. Im Mai 2016, sieben Jahre später und 34 Millionen Euro teurer, sahen die Bayern ihren Fehler ein und überwiesen geschätzte 38 Millionen Euro Ablöse an die Dortmunder, um den verlorenen Sohn zurückzuholen.

Seit 2019 spielte Hummels wieder in Dortmund. Ergänzungsspieler hinter Niklas Süle und Hernandez wollte er zum Ende der Karriere nicht werden. Den zweiten Hummels-Abschied ließen sich die Bayern mit 30,5 Mio. Euro versilbern. Nur Douglas Costa (für 40 Mio. Euro zu Juventus Turin, 2018) gaben sie (Stand: Mai 2020) noch teurer ab. Mats Hummels hat mit den Bayern drei deutsche Meisterschaften und den DFB-Pokal gewonnen. Aber „echte Liebe“ war es für ihn nur bei Borussia Dortmund…Am 15. Mai 2006 war alles vorbei. Nach wochenlangem Hin- und Her, angeheizt durch die Boulevardmedien, trennten sich die Wege von Bayern München und Michael Ballack.

Der offensive Mittelfeldspieler und Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wechselte ausgerechnet im Jahr der Heim-WM ablösefrei zum FC Chelsea.

Ein weiterer Nackenschlag für den FC Bayern, der im April 2006 tatenlos mit ansehen musste, wie der in Münchner Kreisen nie unumstrittene Bundestrainer Jürgen Klinsmann Stamm-Torhüter Oliver Kahn abgesägt und Jens Lehmann vom FC Arsenal zur deutschen Nummer 1 für die WM erklärt hatte.

 

Der „Capitano“ vermutete Stimmungsmache

Einen Seitenhieb auf die schwierigen, mitunter bizarr rübergebrachten Vertragsverhandlungen („Sie feilschten bei Rinderfilet“ / BILD) mit den Bayern-Bossen mochte sich Ballack anschließend nicht verkneifen. „Die Tatsache, dass es im Lauf der Monate von Seiten der Bayern immer mehr populistische Aussagen zu meiner Vertragssituation gab, dass man am Ende sogar versucht hat, die Fans gegen mich aufzuwiegeln, kann ich ganz gut einordnen“, sagte Ballack – und griff den Vorstandschef direkt an.

„Karl-Heinz Rummenigge hat sich hier besonders hervorgetan“, sagte der Nationalspieler. Das ist schade, gilt „Kalle“ Rummenigge doch in München auch als der „Mann für das offene Wort“.

Wie auch immer: Der Worte waren genug gewechselt. Michael Ballack, 2002 zusammen mit Zé Roberto von Bayer Leverkusen an die Isar geholt, hatte sich mit den Bayern nicht auf einen neuen Vertrag einigen können. Bei den „Blues“ verdiente er in der Folgezeit kolportierte 6,75 Mio. Euro Jahresgehalt.

 

Ballack war bei Bayern ein Tor- und Titelgarant

Mit Ballack verlor Bayern München den zu diesem Zeitpunkt einzigen deutschen Weltklassespieler an die Premier League. In seiner ersten Saison hatte Ballack in 26 Bundesliga-Spielen 17 Tor-Beteiligungen (10 Treffer) geliefert – und mit der Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld das „Double“ aus Deutscher Meisterschaft und DFB-Pokalsieg geholt. Dies gelang ihm auch 2005 und 2006, inzwischen mit Coach Felix Magath. Die Ankunft des Schach-Großmeisters schien Ballack zu beflügeln: 2005 und 2006 spielte er mit 14 bzw. 13 Saisontreffern seine beiden besten Bayern-Jahre.

Wie wertvoll der „Capitano“ – vermutlich nannte ihn nur Klinsmann so – für den FC Bayern wirklich war, zeigte sich nur ein Jahr später. 2006/2007 blieben die Münchner ohne Titel.Regret-Alarm pur! Keinen anderen Transfer der letzten 20 Jahre dürfte der FC Bayern aus sportlicher Sicht so sehr bereut haben wie den von Toni Kroos.

Nach der für Deutschland so erfolgreichen WM 2014 in Brasilien schloss sich der frisch gebackene Weltmeister Kroos Real Madrid an.

Ein Jahr vor Vertragsende beim FC Bayern München sorgte Toni Kroos im Sommer 2014 für klare Verhältnisse und wechselte trotz der starken WM für gerade mal 25 Mio. Euro zu den „Königlichen“.

„Du bist kein Weltklasse-Spieler“, dilettierte Bayerns Boss Karl-Heinz Rummenigge („In der Bundesliga wird zu viel gedealt“) dem Ostdeutschen hinterher und setzte auf den Durchbruch von Mario Götze. Verwunderlich, denn vom „Mann des offenen Wortes“ beim FC Bayern sind wir ganz andere, wesentlich einfühlsamere Sprüche gewohnt.

Aber wenn es um harte Ablöse-Dollars geht, kommt auch schon mal der „Killer-Kalle“ zum Zug. Bayern-Coach Pep Guardiola war ob der Einschätzung des Vorstandschefs richtig gehend verzweifelt und versuchte mit allen Mitteln, Kroos an der Isar zu halten.

Es gab sogar fortgeschrittene Verhandlungen über einen neuen Kontrakt, doch eine Einigung kam nicht zustande. Warum? Das Verhalten von FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vertrieb Kroos endgültig. Dabei ging es sowohl um Bimbes als auch um Wertschätzung.

Rummenigge bot Kroos einen neuen Vertrag an, dieser wusste aber, was Mario Götze bei den Bayern verdiente. Bayern München wollte Kroos nicht mehr als kolportierte 10 Millionen Euro pro Saison zahlen, Götze verdiente aber mindestens 50 Prozent mehr.

Die einfühlsame Begründung von Rummenigge: „Wir werden dir nicht mehr als zehn Millionen Euro im Jahr zahlen, weil du kein Weltklasse-Spieler bist.“ Auch Guardiola konnte Rummenigge nicht umstimmen. „Wegen Rummenigges Haltung war das nicht möglich“, sagte später Ex-Nationalspieler Stefan Reinartz in einem Interview. Die Folgen dieser Fehleinschätzung sind bekannt.

 

Doppeltes Bedauern beim FC Bayern

Kroos wurde ein Weltklassespieler bei Real Madrid, er spielte dort sowohl bei Carlo Ancelotti als auch bei Rafael Benítez und Zinedine Zidane und brachte es auf einige Rekordmarken.

Kroos gewann mit „Los Blancos“ drei Mal (2016, 2017, 2018) in Folge den Champions-League-Titel. Mit vier Erfolgen in diesem Wettbewerb – 2013 hatte er mit dem Sieg gegen den BVB in Wembley auch seine Bayern-Zeit gekrönt – ist er der erfolgreichste deutsche Spieler in diesem Wettbewerb. Auch ist er der einzige Deutsche, dem es gelang, den Henkelpott mit zwei verschiedenen Vereinen zu gewinnen. Das konnten zuvor nur die Trainer Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes vorweisen. 2017 kehrte er mit Real triumphal nach München zurück: Im Viertelfinale bezwangen die Madrilenen die Mannschaft von Ancelotti letztlich klar – 2:1 und 4:2 nach Verlängerung.

Heute wissen wir: Mario Götze wurde bei den Bayern kein zweiter Toni Kroos und für 25 Millionen Euro – bei einem damaligen Marktwert von 42 Mio. Euro – hatten die Münchner ihn fast verschenkt. Insbesondere bedauern sie in München aber den dummen Spruch von Karl-Heinz Rummenigge.
Was für ein Theater! Selten haben die Boulevardmedien ein größeres Aufheben um einen Bayern-Transfer gemacht als um die Rekord-Leihgabe Philippe Coutinho.

Der Brasilianer, als teuerster Leih-Spieler aller Zeiten am 19. August 2018 vom FC Barcelona nach München gekommen, wurde bereits nach 33 absolvierten Bundesliga-Minuten beim 3:0 auf Schalke am zweiten Spieltag in den Himmel geschrieben. Der Boulevard machte ihn in aller gebotenen Voreiligkeit zum „Nachfolger“ von Bayern-Publikumsliebling und Urviech Thomas Müller.

Keine Frage, Coutinho hat mit 8 Treffern und 6 Vorlagen (Stand: Mai 2020) geliefert. Aber wirklich angekommen ist er in München nie. Gesetzt war er weder bei Bayern-Coach Hans-Dieter Flick noch bei dessen Vorgänger Niko Kovac. Der Double-Coach von 2019 brachte Coutinho bis zu seiner Entlassung am 3. November 2019 drei Mal in Folge über die vollen 90 Minuten. Das gab es unter Flick noch nie.

 

Coutinho war bei Bayern nur ein Edel-Joker

In den letzten acht Liga-Spielen vor dem Corona-Shutdown sahen die Bayern-Fans Coutinho, einst für 145 Mio. Euro vom FC Liverpool nach Barcelona gewechselt, nur ein Mal über die volle Distanz – beim 6:0-Kantersieg in Sinsheim gegen die TSG 1899 Hoffenheim.

Dass die Bayern die im Leih-Vertrag von Coutinho vereinbarte Kauf-Option von astronomischen 120 Mio. Euro ziehen und damit die von ihnen selbst gesetzte Bestmarke für einen Bundesliga-Transfer – 80 Mio. Euro zahlte man 2019 für den französischen Weltmeister Lucas Hernández – knacken würden, erschien von Anfang an unwahrscheinlich.

Laut der spanischen Sportzeitung Marca hat Coutinho in München keine Zukunft mehr. Wie das Blatt im April 2020 berichtete, plante der FC Barcelona nach der Coutinho-Rückkehr im Sommer 2020 mit einem direkten Weiterverkauf des Brasilianers. Das ist irgendwo beruhigend, denn nach 33 Coutinho-Minuten musste man schon Angst haben, dass die Boulevardblätter die Bundesliga-Historie künftig in eine Zeit vor und in eine Ära nach Coutinho einteilen würden…Bis 2024 hat der FC Bayern München den Franzosen Michael Cuisance vertraglich gebunden. Das könnte eine lange Durststrecke werden.

Stand Mai 2020 droht der defensive Mittelfeldspieler, für den man 12 Mio. Euro an Borussia Mönchengladbach bezahlt hat, zum Mega-Flop zu werden. In der Saison 2019/2020 kam er nur drei Mal in der Bundesliga zum Einsatz.

In der 3. Liga, in der von Sebastian Hoeneß, Sohn von Bayern-Legende Dieter Hoeneß, betreuten zweiten Mannschaft des FC Bayern München, war der defensive Mittelfeldspieler fünf Mal zu sehen (Stand: 1. Mai 2020).

Bei den Gladbachern dürften sie Tränen lachen, dass sie Cuisance nach nur zwei Spielzeiten für diesen hohen Betrag an die Münchner abgegeben haben.

 

Ist Cuisance übermotiviert?

Wirklich Mitleid mit dem in München mit der Gesamtsaison unzufriedenen Franzosen haben sie in Mönchengladbach nicht. „Das haben wir ihm drei Monate gesagt, dass er besser hier geblieben wäre, da er in Gladbach einen Verein gefunden hatte, wo er sich entwickeln kann“, sagte Max Eberl, Manager der rheinischen Borussia, im November 2019 in einem SPORT1-Interview.

Vor seinem Abgang hatte sich Cuisance mit der Gladbacher Führung verkracht, weil er einen Stammplatz eingefordert hatte, diesen aber von Trainer Marco Rose selbstredend nicht zugesichert bekam. Aus Wut also zu den Bayern? Das macht wenig Sinn.

„Michael hat zwar in der Summe weniger Einsätze gehabt, was aber in diesem Alter völlig normal ist, trotzdem kam er insgesamt auf 50 Spiele als 19-Jähriger, was außergewöhnlich ist in der Bundesliga“, sagte Eberl weiter, er kritisierte aber auch Cuisances übertriebenen Ehrgeiz. „Er hat sich damit aber nicht zufrieden geben wollen und für sich andere Ziele im Kopf gehabt. Diese hat er jetzt verfolgt. Er besaß großes Potenzial“, so der ehemalige Bayern-Profi Eberl, der das harte Geschäft in der Weltstadt mit Herz kennt, „für uns war es dann eben ein Punkt, wo wir gesagt haben: Dann lieber einen sauberen Kader haben – und deswegen haben wir die Entscheidung gefällt.“Zwei Mal spielte der Schweizer Ciriaco Sforza für den FC Bayern München, zwei Mal blieb er den Beweis der internationalen Klasse, die er nur in der Schweizer „Nati“ und phasenweise bei Inter Mailand unter Beweis gestellt hatte, schuldig.

„Ciri“ Sforza wurde, wenn man es genau nimmt, nur beim 1. FC Kaiserslautern glücklich. Die Pfälzer holten ihn 1993 vom Grasshopper Club Zürich in die Bundesliga, wo er den nächsten Karriereschritt machen sollte. Unter FCK-Trainer Friedel Rausch († 2017), der zuvor in der Schweiz als Coach aktiv gewesen war, gelang dies auch. Mit Sforza wurde Lautern auf Anhieb hinter dem FC Bayern München Vizemeister.

Die Münchner verpflichteten Sforza im Sommer 1995 zum ersten Mal und zahlten den Kaiserslauterern eine stattliche Ablöse von umgerechnet 3,3 Mio. Euro. Ohne den Schweizer Spielgestalter stieg der FCK allerdings am Saisonende 1995/96 ab – und in München begann die Ära „FC Hollywood“. Neben Sforza hatten die Bayern nämlich nach der an Dortmund verlorenen Meisterschaft personell wieder einmal geklotzt. Neben Star-Trainer Otto Rehhagel, der die Saison in München nicht beenden sollte, verpflichtete man den deutschen Weltmeister Jürgen Klinsmann von Tottenham Hotspur, Andreas Herzog von Werder Bremen, Thomas Strunz vom VfB Stuttgart und den Bulgaren Emil Kostadinov von Deportivo La Coruna.

 

Beim „FC Hollywood“ kam der smarte Schweizer nicht zurecht

Allesamt, sagen wir mal, keine leichte zu führenden Charaktere. Bayern wurde auch mit diesem immensen Kader-Upgrade nicht Deutscher Meister, weil die Spannungen im Team zu groß waren und immer größer wurden. Viele Stars, keine Mannschaft! Den Gewinn des UEFA-Pokals betrachtete man in München am Saisonende allenfalls als Trostpflaster. Die Erfolge in diesem Wettbewerb beim FC Barcelona (2:1, Halbfinale) oder im Finale gegen Girondins Bordeaux gehörten zu den wenigen Spielen, in denen das Star-Ensemble wirklich als Einheit auftrat. Sforza verließ die Bayern nach nur einer Saison wieder – und wechselte zu Inter Mailand. Immerhin für umgerechnet 3,1 Mio. Euro, sodass sich die Verluste für die Münchner Macher in Grenzen hielten.

Der im Schweizer Kanton Aargau geborene Fußballprofi besitzt auch die italienische Staatsbürgerschaft. Mit Inter blieb er ohne Titel und verlor zudem den Konkurrenzkampf mit dem englischen Nationalspieler Paul „The Guv’nor“ Ince um die ihm angestammte Position im Mittelfeld. Die Folge: Lautern holte Sforza 1997 nach dem Bundesliga-Wiederaufstieg zurück. Mit 12 Tor-Beteiligungen (9 Assists) führte Sforza den 1. FC Kaiserslautern 1998 zur sensationellen deutschen Meisterschaft als Aufsteiger und anschließend bis ins Champions-League-Viertelfinale. Selbst eine Machtprobe mit dem inzwischen in der Pfalz regierenden „König Otto“ Rehhagel („Ich spiele für den FCK und nicht für den FC Rehhagel“) überstand der Schweizer im Herbst 1999. Dennoch gaben die Pfälzer ihn im Sommer 2000 erneut an Bayern München ab, dieses Mal für 2,3 Mio. Euro. Lautern hat also an Sforza nicht so schlecht verdient…

In seiner zweiten und letzten Vertragszeit in München kam Ciriaco Sforza nicht über die Rolle eines Ergänzungsspielers hinaus. Bei 77 Liga-Spielen für die Münchner stehen 55 Einsätzen in der Startelf 11 Einwechslungen und 11 Nicht-Berücksichtigungen entgegen. Das ist gemessen an dem Geld, das Bayern für ihn hingelegt hat, zu wenig, Champions-League-Sieg 2001 (9 Einsätze) hin oder hier. 2002 wechselte Sforza nach einer titellosen Saison bei den Bayern ein drittes Mal zum 1. FC Kaiserslautern.Zu einem Transfer-Flop wird ein Einkauf erst, wenn du den Spieler anschließend zum Nulltarif oder weit unter Wert abgibst.

Das ist dem FC Bayern München im Fall Marcell Jansen nicht passiert. Die Münchner konnten – mit gewohntem Weitblick bei Transfers – den Verlust dieses Transfergeschäfts mit Borussia Mönchengladbach gering halten. Wirklich verstehen musste man diesen Deal trotzdem nicht.

Als Marcell Jansen am 1. Juli 2007 zu den Bayern wechselte, zahlte man für einen der größten Perspektivspieler des deutschen Fußballs 14 Mio. Euro. Gerechtfertigt war dieser hohe Betrag nicht. Die Gladbacher, die ja nun auch nichts zu verschenken hatten, verkauften „Cello“, wie der Linksverteidiger genannt wurde, deutlich über Marktwert – und der lag bei 10 Mio. Euro.

12 Tor-Beteiligungen aus 75 Pflichtspielen für die „Fohlen“ waren auf Münchner Seite jetzt auch nicht unbedingt ein Grund, die Schatulle so weit aufzumachen. Aber: Jansen war Nationalspieler und er stand im WM-Kader 2006 von Jürgen Klinsmann.

 

Jansen-Transfer: Bayern überrumpelte Gladbach

Da der FC Bayern sich immer auch als „FC Deutschland“ sieht und möglichst viele der besten deutschen Spieler unter Vertrag nehmen will, spielte wohl auch diese Überlegung beim Transfer eine Rolle.

Ein Wechsel, der aus Sicht der Gladbacher Verantwortlichen relativ überraschend kam. „Wir hatten nicht vor, Marcell Jansen zu verkaufen, er war fester Bestandteil unserer Planungen für die kommende Saison“, erklärte VfL-Präsident Rolf Königs am 24. Mai 2007 der Zeitung Rheinische Post, „am Rande des Auswärtsspiels in Mainz informierte Jansen Sportdirektor Christian Ziege aber darüber, dass er Borussia verlassen wolle. Bei einem Gespräch mit der Vereinsführung bat er dann noch einmal ausdrücklich darum, ihn aus seinem Vertrag bei Borussia zu entlassen.“

Der 21-Jährige war nicht zu halten und war bei den Bayern nur ein Mosaikstein ihrer Sommer-Transfer-Offensive 2007, als der Branchenriese mit den Scheinchen wedelte und für 92 Mio. Euro neue Stars holte, u. a. Franck Ribéry (Olympique Marseille / 30 Mio. Euro) und Jansens Nationalmannschaftskollegen Miroslav Klose von Werder Bremen (15 Mio. Euro). Aber: Anders als Ribéry, der in mehr als 10 Jahren bei den Bayern zur Legende wurde, konnte sich Jansen in München nicht behaupten. 17 Liga-Spiele machte er nur für den FCB und dann kam die nicht minder überraschende Wende. Am 27. August 2008 verpflichtete der Hamburger SV Marcell Jansen – für acht Millionen Euro. Bis zu seinem ad hoc verkündeten Karriere-Ende 2015 spielte Jansen für die Hanseaten, ehe er, müde von vielen Verletzungen und zwei nervenaufreibenden Relegationsduellen seine Karriere mit nur 29 Jahren beendete.„Eine Verpflichtung für die Zukunft.” So pries der FC Bayern im Dezember 2007 den Transfer des damals 18 Jahre alten Innenverteidigers an, den die Münchener vom damaligen brasilianischen Meister FC Sao Paulo unter beträchtlichen Mühen los eisten.

Die Ablösesumme für Brasiliens „Entdeckung der Saison“, für das angeblich größte Abwehrtalent im Land des Rekord-Weltmeisters, lag bei ca. 12 Millionen Euro.

Es war schlecht angelegtes Geld. Denn Breno in München – das war eine Tragödie. Gefängnis, eine Straftat, Alkohol – ein Beispiel für nicht gelungene Integration, auf das der FC Bayern nicht stolz sein kann. Am Ende stand die Villa Brenos im noblen Grünwald im Kreis München in Flammen und Breno wurde wegen schwerer Brandstiftung im Juli 2012 zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Vom 19. August 2013 bis zu seiner Haftentlassung im Dezember gleichen Jahres war Breno bereits Tagesfreigänger, arbeitete im Büro der Jugendleitung der Bayern und im Trainerstab der zweiten Mannschaft.

Dabei sah 2007 alles wie ein perfekter Deal aus. Zum Zeitpunkt der Verpflichtung war Breno nach Franck Ribéry (25 Millionen Euro) und Miroslav Klose (15 Mio.) der drittteuerste Saison-Einkauf der Bayern, noch vor Luca Toni und Marcell Jansen, die jeweils 11 Millionen Euro kosteten. Der brasilianische U-20-Nationalspieler und Kapitän der Olympia- Auswahl bestritt in der dem Transfer vorangehenden Saison 22 Spiele für Sao Paulo, erzielte zwei Tore und wurde mit dem Traditionsklub Meister. Brasiliens Nationaltrainer Dunga plante fest mit ihm für das Olympische Turnier im August 2008 in Peking. Von den brasilianischen Sportjournalisten war Breno zur „Entdeckung der Saison 2007” gewählt worden.

 

Breno allein in München – Ein Desaster

Der frühere Bayern-Profi Giovane Elber bezeichnete Breno gar als „eine absolute Granate“. Er sei für sein Alter schon absolute Weltklasse. „Er ist kopfballstark, robust, schnell, beidfüßig“, beschrieb ihn Elber. An Breno war lange Zeit auch der spanische Rekordmeister Real Madrid interessiert gewesen.

So kann man sich irren. Breno, bürgerlich Breno Vinícius Rodrigues Borges, absolvierte in München in vier Jahren nur 21 Liga-Spiele und musste sich drei Knie-Operationen unterziehen. Am schlimmsten wurde er durch den Kreuzbandriss zurückgeworfen, den er sich als Leih-Spieler des 1. FC Nürnberg am 7. März 2010 gegen Bayer 04 Leverkusen im Duell mit Stefan Reinartz zuzog. Diese Knie-OP zwang ihn bis November 2010 zum Zuschauen.

Im Anschluss an den dritten operativen Eingriff am Knie fackelte Breno mutmaßlich seine Villa ab – unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss. Er kam in Untersuchungshaft, ein Wechsel zu Lazio Rom im Sommer 2012 kam nicht zustande. Erst im Juli 2012 wurde Bayern München den Brasilianer los – über ein Leihgeschäft mit dem FC Sao Paulo und mit einem Verlust von 12 Mio. Euro, denn Breno spielte danach nie wieder einen Cent Ablöse ein. Mittlerweile spielt Breno wieder in Brasilien und das sogar ausgesprochen gut. Mitte 2017 traf der Brasilianer eine richtige Transferentscheidung. Denn er wechselte von Sao Paulo zu Vasco da Gama. Auf Anhieb spielte sich Breno in den Kader, am Ende der Saison standen mehr als 25 Pflichtspiele in der Statistik, fünfmal so viel wie in seinen zwei Jahren zuvor beim FC Sao Paulo.
Renato Sanches kam im Sommer 2016 nach der Europameisterschaft von Benfica Lissabon zum FC Bayern. Als 18-jähriges Wunderkind, welches mit den Portugiesen sensationell den EM-Titel gewonnen hatte. Es gibt niedrigere Erwartungen an einen jungen Profi…

Der FCB zahlte für das Talent massiv Bimbes – 35 Millionen Euro als Ablöse und bis zu weitere 45 Millionen Euro an etwaigen Erfolgsprämien. Das wäre dann mit erheblichem Abstand Bundesliga-Rekord. Allein: Damit wurde es nichts. In München absolvierte Sanches nur 35 Bundesliga-Spiele (ein Tor), in der englischen Premier League beim walisischen Vertreter Swansea City kam er als Leihgabe 2017/2018 nur auf 15 Einsätze.

Aber: Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge glaubte (öffentlich zumindest) weiter an den Portugiesen und drückte es im Sommer 2018 so aus: „Niko Kovac wird versuchen, ihn zu früherer Stärke zurückzuführen. Das ist eine spannende Aufgabe.“

Bedauernd fügte Rummenigge gegenüber dem Münchner Merkur hinzu: „Renato hat zwei schwierige Jahre hinter sich, die meines Erachtens mit seinem Aufstieg zum Golden Boy der EM 2016 zusammenhingen.“ Das sei für ihn psychologisch nicht so einfach zu verarbeiten gewesen. „Wir waren vor zwei Jahren total überzeugt von ihm und werden jetzt nicht den Stab über ihn brechen“, so Rummenigge weiter.

Das taten sie sicherlich nicht, nein. Dennoch machte Sanches, der bei den Bayern einen Vertrag bis zum Sommer 2021 hatte, in der Saison 2019/2020 nur ein einziges Bundesliga-Spiel. Er wurde mit einem fetten Minus nach Frankreich transferiert. 20 Mio. Euro zahlte der OSC Lille an den FC Bayern München. Das macht 15 Mio. Euro Miese. Einen Lerneffekt gab es für den portugiesischen Nationalspieler gratis dazu: „Ich habe in München viel gelernt und bin erwachsener geworden.“Danijel Pranjic hielt sich immerhin drei Jahre in München. Warum das so war, wusste im Bayern-Lager irgendwie keiner.

Auch warum ihn der streitbare Coach Louis van Gaal für satte 7,7 Millionen Euro an die Isar lotste, war dem Otto Normalverbraucher unter den FCB-Fans nie so ganz klar. Freuen durfte sich nur der SC Heerenveen. Die Niederländer haben nämlich insgesamt nur sechs Spieler noch teurer veräußert als den Kroaten. 55 Bundesliga-Spiele hat Pranjic gemacht und dabei nur ein einziges Tor erzielt. Schon im September 2009, beim 5:1-Kantersieg in Dortmund, sah man Pranjic nicht mehr im Bayern-Kader. Bei Van Gaal wurde er zum On-Off-Profi. Mal spielte er durch, mal stand er nicht im Kader.

Der Tiefpunkt: Unter Jupp Heynckes landete er im Oktober 2011 bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern. Ab März und bis zum Saisonende 2011/2012 wurde er nur noch fünf Mal eingesetzt, so lesen sich die Daten eines ausgemachten Transfer-Flops. Noch dazu, wo Danijel Pranjic den FCB ablösefrei verließ…

Spanien, Portugal, Griechenland, das waren dann auch die nächsten Stationen des Kroaten nach seinem Abschied vom FC Bayern im Jahr 2012. Nach drei Spielzeiten verließ Pranjic den FC Bayern München in Richtung Portugal und unterschrieb am 13. Juli beim Erstligisten Sporting Lissabon einen bis 30. Juni 2015 datierten Vertrag. Für diesen debütierte er in der Liga am 16. September 2012 (3. Spieltag) beim 1:1-Unentschieden im Auswärtsspiel gegen CS Maritimo. Im Januar 2013 wurde er dann bis zum Saisonende 2012/2013 an den spanischen Erstligisten Celta Vigo verliehen, der sich zudem eine Kaufoption sicherte.

Am 30. August 2013 wurde bekannt, dass Pranjić und Sporting Lissabon in beiderseitigem Einvernehmen den noch bis zum 30. Juni 2015 laufenden Vertrag auflösten. Zur Saison 2013/14 wechselte er zum griechischen Erstligisten Panathinaikos Athen. Für diesen stand er am 15. September 2013 (4. Spieltag) beim 1:1-Unentschieden im Auswärtsspiel gegen Platanias Chanion erstmals auf dem Platz. Ein weiterer Abstieg, gemessen an den ursprünglichen Ambitionen zu Beginn der Karriere.Egal, wie man die Saison 2019/2020 aus Bayern-Sicht beurteilen mag: Der größte Verlierer hieß Jann-Fiete Arp.

Mit vielen Vorschusslorbeeren an die Isar gewechselt, trat der Youngster beim Rekordmeister auf der Stelle. Im Sommer vom HSV nach München gewechselt, kam der jüngste Bundesliga-Torschütze in der Geschichte des Hamburger SV in der bayerischen Metropole nie zum Zuge.

Arp blieb (Stand: Mai 2020) ohne Bundesliga-Einsatz und wurde bereits im August 2019 an den Drittliga-Kader des FC Bayern weitergereicht, wo er mit zwei Toren aus sieben Spielen sein Potenzial allenfalls aufblitzen ließ. Für höhere Weihen war das (noch) zu wenig, aber der Bursche war da ja auch erst 20.

Dennoch: Wer auf die Transfer-Historie von Jann-Fiete Arp blickte – die Bayern zahlten dem HSV läppische drei Mio. Euro – dem fielen unweigerlich Parallelen zu anderen jungen Spielern auf, die es bei den Münchnern einfach nicht packten.

Aus welchen Gründen auch immer: Alexander Baumjohann, Jan Schlaudraff oder Sebastian Deisler seien mahnende Beispiele für den Norddeutschen.

 

Ehrgeiz allein reicht nicht

Dass er es packen will, hatte er von Anfang deutlich gemacht. Bereits im Sommer hatte der Stürmer seinen Urlaub verkürzt und freiwillig mit der U23 trainiert, auch in Länderspielwochen arbeitete er unermüdlich. Dieser Ehrgeiz imponiert den Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters. Von einem Einsatz für die Bayern in der Bundesliga ist Arp dennoch zu lange zu weit entfernt.

Auftritte wie beim prestigeträchtigen Audi Cup im Sommer 2019 blieben die Ausnahme. Selbst in der U23 stand er in keinem seiner absolvierten Spiele über die vollen 90 Minuten auf dem Rasen.

Die Misere des Hamburgers in München schien die Boulevardblätter in der bayerischen Metropole zu inspirieren. Man merkte förmlich, wie sie die Arp-Krise arpifiziell ausschlachteten… „Fiete einfach arpserviert“, schrieb etwa die Münchner Zeitung tz.Auf Dauer überzeugen konnte Lukas Podolski nur in der Nationalelf, beim 1. FC Köln und in Ansätzen in Istanbul.

Zwar hielt sich Poldi drei Jahre beim FC Bayern, einen Stammplatz hatte er aber nie. Auch bei anderen großen Klubs wie dem FC Arsenal oder Inter Mailand schaffte der Ex-Kölner den Durchbruch nicht. In Istanbul wurde es zum Schluss wieder besser. Aber nicht so gut wie damals in Köln…Und Japan ist natürlich eher ein Fun-Place als ein goldenes Karriere-Ende. Köln und die Nationalelf – das passte.

Bayern München und der abwehrschwache und eher etwas lauffaule Linksaußen – das passte hingegen nie. Dafür sorgten schon die Linksverteidiger, die hinter Podolski spielen mussten und regelmäßig schlecht aussahen.

Und sich natürlich intern beschwerten. Wenn der Stürmer seine Deckungsaufgaben wieder mal vernachlässigt hatte. Doppeldeckung mit Poldi oder Gegenpressing und schnelle Balleroberung nach Ballverlust – das ging mit dem „Prinzen“ nicht besonders gut.

 

Podolski bei den Bayern – Drei verlorene Jahre für den Stürmer

Wenn aber das Team für ihn lief und ihn in Stellung brachte, dann konnte der Kölner schon mal genialische Momente hervorzaubern. Zum Schluss der Karriere gelang ihm das aber immer seltener. Warum die Bayern dennoch warteten und den Ex-Kölner erst 2009 verkauften, weiß bis heute niemand so recht.

Immerhin: Bei der Ablösesumme ging es sich aus. 10 Millionen Euro zahlten die Bayern im WM-Sommer 2006 für „Poldi“, für 10 Mio. Euro gaben sie ihn 2009 wieder an den FC ab. Jeweils knapp unter Marktwert. Ein deutlich schlechteres Geschäft mit dem Publikumsliebling und Sprüche-Beauftragten der Nationalmannschaft („Es ist völlig normal, wenn man sich mal an den Eiern krault“) machten die Kölner, als sie ihn im Juli 2012 an den FC Arsenal verkauften. 15 Mio. Euro gingen nach Köln, Podolski war aber zu diesem Zeitpunkt 20 Mio. Euro wert, da hätte es durchaus ein bisschen mehr „Stupid English Transfer Money“ sein dürfen. Denn die Londoner investierten letztlich in nur 31 Tore, die Podolski Wettbewerb übergreifend in 82 Spielen lieferte.

Was bedeutet das für die Bayern? Nun, der FC Bayern München bedauert es, dass er Lukas Podolski erst im Jahr 2009 zurück nach Köln verkaufte und sich nicht schon viel früher vom Spieler trennte.„Es ist meine größte Hoffnung, dass Mario nicht zum FC Bayern geht.” Das sagte Willi Götze irgendwann im Jahr 2011. Weniger als zwei Jahre später war der Opa von Mario Götze ziemlich enttäuscht.

Ende April 2013 gab der FC Bayern München bekannt, dass er das damals größte deutsche Mittelfeldtalent von Borussia Dortmund zur Spielzeit 2013/3014 verpflichtet hätte. Wobei: Eine schlichte „Bekanntgabe“ irgendeines Transfers war das nicht. Nein, es war eine Bombe, die da bei Borussia Dortmund einen Tag vor dem Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid (4:1) einschlug. Der begehrteste, manche sagen sogar, der begnadetste deutsche Fußballer wechselte für 37,5 Mio. Euro zum größten Konkurrenten des Noch-Meisters BVB! Und dann wurde dieser Transfer auch scheinbar noch zur Unzeit publik! Ein Schelm, wer dabei an Zufall oder Dusseligkeit denkt.

Da war sie wieder – die hässliche Fratze des FC Bayern München, der die Gegner in der Bundesliga systematisch schwächte und sich den nächsten Superstar einverleibte. So dachte man. Entsprechend groß war der Ärger vor allem in Dortmund. Und die Freude in München. 22 Tor-Beteiligungen (10 Treffer) von Mario Götze 2012/2013 allein in der Bundesliga machten Lust auf mehr.

Doch die währte nicht lange. Das „deutsche“ Champions-League-Finale am 25. Mai 2013 in Wembley verfolgte Mario Götze verletzt von der Tribüne aus. Mit 10 Tor-Beteiligungen (8 Assists) hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass der BVB in diesem Finale stand.

Nein, Mario Götze, der Deutschland am 13. Juli 2014 in Rio de Janeiro gegen Argentinien zum vierten WM-Titel geschossen hatte, wurde weder ein „deutscher Messi“ noch ein Poster-Boy beim FC Bayern. Das, zu seiner Ehrenrettung, ist aber vorher schon ganz anderen Youngsters nicht geglückt. Ist auch nicht ehrenrührig.

Aber: In den folgenden drei Jahre herrschte großes Bedauern in München. Denn Götze war beim FC Bayern eine einzige Enttäuschung. Dass er zu seiner Vorstellung in München mit einem Nike-Shirt erschien, obwohl Adidas ein Anteilseigner beim FC Bayern ist, dürfte nicht jedem gefallen haben. Unglücklich. Wichtiger aber war: Statt vom deutschen Superstar zum Weltklassemann zu reifen, degenerierte der Dortmunder zum moppeligen Ergänzungsspieler. Zum größten Transferflop des FC Bayern seit dem Jahr 2000.

Die Bayern machten dem Trauerspiel – nur 2014/2015 performte Götze bei 32 BL-Spielen und 15 Tor-Beteiligungen wirklich gut – im Sommer 2016 ein Ende. Sie ließen Götze zurück nach Dortmund ziehen – für 22 Mio. Euro. Damit belief sich der finanzielle Verlust für den einstmals besten deutschen Spieler auf 15,5 Mio. Euro. Verbunden mit der heilsamen Erkenntnis, dass eben nicht jeder gute Spieler zu jedem guten Verein passt.

Bei der Einschätzung von fußballerischem Talent lag der FC Bayern nicht immer so daneben wie im Fall Toni Kroos.

Pierre-Emile Höjbjergs fußballerisches Potenzial schätzten die Bayern-Oberen richtig ein – und gaben den 2012 aus der Jugend von Bröndby IF geholten Kopenhagener zur Saison 2016/2017 an den FC Southampton ab.

Warum auch nicht? Das „Stupid English Transfer Money“, das fragwürdige Geschäftsgebaren der englischen Premier League mit Unsummen für oft nur durchschnittliche Spieler, ermöglichte den Münchenern ein mehr als ordentliches Geschäft.

Die „Saints“ zahlten für den Mittelfeldspieler im Juli 2016 insgesamt 15 Mio. Euro. Nicht schlecht für einen 20-Jährigen. Strippenzieher im Hintergrund: Höjbjergs Berater Pinhas Zahavi, auf den auch Bayern-Tormaschine Robert Lewandowski vertraut.

 

Eine Straße für den Super-Berater!

Anscheinend hat dieser Herr Zahavi ein Herz für den FC Bayern, denn zwei Jahre vor dem Höjberg-Coup lotste er den Münchnern den Bundesliga-Torschützenkönig Robert Lewandowski von Borussia Dortmund zu. Ablösefrei, versteht sich. Vielleicht sollte man in München über eine Zahavi-Straße nachdenken, oder ihn zumindest zum Ehrenmitglied machen, denn dieser Mann bringt bzw. sparte den Bayern bares Geld. Und über die „Ablösefrei“-Nummer mit „Lewy“ Lewandowski werden sie in München noch irgendwann in einer fernen Galaxis lachen.

Wie auch immer: Pierre-Emile Höjbjerg – vier Mal Meister mit dem FC Bayern – hat an der englischen Südküste ab der Saison 2017/2018 den Durchbruch geschafft. Seitdem stiegen seine Einsatzzahlen in der Premier League stetig an. Von 23 Liga-Partien 2017/2018 über 31 Begegnungen in der Spielzeit 2018/2019 bis zu 28 Spielen (Stand: Mai 2020) im unglückseligen Spieljahr 2019/2020. Unter dem österreichischen Trainer Ralph Hasenhüttl stand er in dieser Saison 27-mal über die vollen 90 Minuten auf dem Rasen.

Trotzdem: Die 15 Mio. Euro bleiben weise eingestrichenes Geld für den FC Bayern und mehr als ein Lächeln wert.Einen Spieler nach Italien zu verkaufen, dessen größter fußballerischer Feind der Ball ist und dafür mehr als 15 Millionen Euro zu kassieren, ist eine hervorragende Managementleistung.

Sie kam, wie könnte es anders sein, vom FC Bayern München und manifestierte sich im Verkauf von Mario Gomez zum AC Florenz im Jahr 2013. Dieser wechselte als Super-Stürmer nach Norditalien, floppte in der Serie A zunächst aber gewaltig.

Gomez ging als „Triple“-Sieger mit Deutscher Meisterschaft, DFB-Pokal – gegen seinen Stammverein VfB Stuttgart – und Champions League in die Saison 2013/2014. 11 Tore aus 21 Spielen hatte er in seiner letzten Bundesliga-Spielzeit für die Bayern erzielt. Das aber war unter „Don Jupp“ Heynckes. Nun war Pep Guardiola da und der Spanier rief Gomez nach seinem ersten Training in der Sommer-Vorbereitung in Trentino zu sich. Er teilte ihm mit, dass er nicht mit ihm plane und dass sich Gomez einen neuen Verein suchen könne.

113 Tore hatte der Schwabe in Wettbewerb übergreifend 174 Spielen für den FC Bayern München erzielt. Erfolgreicher war Gomez bei keinem anderen Klub. Am 16. Juli 2013 unterschrieb Gomez beim AC Florenz und die Bayern kassierten eine Ablösesumme von 15,5 Mio. Euro. Stand Mai 2020 haben nur zehn Spieler dem FC Bayern bei Abgang mehr Geld eingebracht als Mario Gomez.

 

Nadelstiche von Mehmet Scholl schadeten Gomez im Nationalteam

Beim AC Florenz traf Gomez in 29 Serie-A-Spielen nur sieben Mal. Mehrfach verletzt, kam er unter Trainer Vincenzo Montella nicht richtig in Tritt und in den letzten fünf Spielen der Serie-A-Saison 2014/2015 wurde er nicht mehr eingesetzt.

Ein paar Sprüche von Mehmet Scholl später war auch die Karriere im DFB-Team für Gomez temporär vorbei. Zwischen März 2014 und November 2015 machte Gomez kein Länderspiel mehr über die vollen 90 Minuten. Jogi Löw kam dann aber auf die Idee kam, dass Gomez ein besserer Kandidat für eine erfolgreiche Titelverteidigung sei als Sandro „Air“ Wagner oder als der beste Einwechselspieler der Liga, Nils Petersen. Diese Einschätzung mündete am 27. Juni 2018 in Kasan beim 0:2 gegen Südkorea im historischen Vorrunden-Aus für Deutschland bei einer Weltmeisterschaft und in Gomez‘ Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

Das tat der Freude in München über den Verkauf an Florenz aber keinen Abbruch. Mario Mandzukic und Robert Lewandowski hießen die formidablen Nachfolger als Mittelstürmer. Well done.Die gute Nachricht zuerst: Sebastian Rode ist wieder zu Hause. Bei Eintracht Frankfurt, wo er im Frühjahr 2019 zunächst auf Leihbasis zurückkam, hat der Mittelfeldspieler wieder den Platz, auf dem er sich am wohlsten fühlt.

Die schlechte Nachricht: Bis zu seiner festen Verpflichtung durch die Eintracht im Sommer 2019 durchlebte der sympathische Hesse allerdings fünf schwierige Jahre, die ihm den Karriere-Knick brachten.

Denn: Neben Mario Götze ist Sebastian Rode ein weiteres Beispiel für einen Spieler, der woanders ein Star war und sich in München nie durchsetzen konnte, einfach nicht zum FC Bayern gepasst hat.

2014 ablösefrei von Eintracht Frankfurt an die Isar gewechselt, fiel Frankfurts Vorlagen-Gott aus der Zweitliga-Aufstiegssaison 2011/2012 (10 Assists) in der Mannschaft von Pep Guardiola doch krass ab.

 

Rode zum BVB? Ein guter Move des FC Bayern…

23 Einsätze in seiner ersten Bundesliga-Saison bei den Bayern bedeuteten für „Sebbl“ Rode die höchste Frequenz im Dress der Rot-Blauen. Eine langwierige Sehnenverletzung kostete ihn 2015/2016, in der letzen Saison unter Guardiola, 11 Pflichtspiele.

Was dann folgte, muss man als Transfer-Coup bezeichnen. Bayern München gab Sebastian Rode zur Saison 2016/2017 für 12 Millionen Euro an den BVB ab. Dort machte er – auch verletzungsbedingt in zwei Jahren nur 14 Spiele. Eine Leistenoperation setzte ihn Anfang 2017 für 13 Pflichtspiele außer Gefecht, die BVB-Fans kannten den Hessen eigentlich nur vom Mannschaftsfoto.

Rechnet man den Preis, den die Dortmunder für Rode bezahlt haben, auf die Anzahl der von ihm tatsächlich absolvierten Spiele hoch, sind es knapp eine Million Euro pro Spiel – ein teurer Spaß. Gerade beim BVB, wo Vorstandsboss Hans-Joachim („Aki“) Watzke immer so gern den Sparkommissar gibt.

Am 1. Januar 2019 hatte die Quälerei für Sebastian Rode in Dortmund ein Ende. Auf Leihbasis ging es für ihn zunächst zu Eintracht Frankfurt zurück. Mit den „Adlern“ stürmte er furios ins Europa-League-Halbfinale und schoss die Eintracht im Viertelfinale gegen Benfica Lissabon mit seinem Tor zum 2:0 persönlich weiter. Ein Happy End.„Ich schleppe meinen Kadaver noch ein bisschen rum“, das sagte Miroslav Klose kurz vor dem WM-Finale 2014 und meinte seinen Körper, der scheinbar irgendwann mal in einen Jungbrunnen gefallen war.

Denn: Zum Zeitpunkt dieses Ausspruchs  der Rekordtorschütze bei Fußball-Weltmeisterschaften bereits 36 Jahre alt und hatte den FC Bayern München bereits wieder verlassen. Mit dem WM-Titelgewinn am 13. Juli 2014 krönte er seine einzigartige Laufbahn.

Zwischen 2007 und 2011 spielte Klose 98 Mal für den FC Bayern und traf dabei 24-mal ins gegnerische Netz. Und das alles für nur 15 Millionen Euro, die der neben Borussia Dortmund einzige Global Player des deutschen Fußballs im Jahr 2007 an Werder Bremen überwiesen hatte. Ein gutes Geschäft mit hohem Spaßfaktor für die Bajuwaren. Sie hatten Klose ausgerechnet vom (damals noch) großen Nord-Rivalen weg gelotst und das mal wieder in einer ihrer berühmt-berüchtigten Top-Secret-Aktionen, wie einst 1984 bei Lothar Matthäus. Fand das Treffen mit dem Star von Borussia Mönchengladbach, der sich mit seinem Wechsel an die Isar am Niederrhein eine Menge neue „Freunde“ machte, in einem Hotel in Düsseldorf statt, so vollzog sich der Kontakt mit Miroslav Klose in der Tiefgarage eines Hotels in Hannover. Bayern-Macher Uli Hoeneß wollte den Nationalspieler und WM-Torschützenkönig von 2006 und der Bundesliga-Saison 2005/2006 – Kloses erfolgreichstes Bundesliga-Jahr – ohne viel Aufsehen verpflichten.

Das gelang. „Wir wissen davon nichts“, stocherte Bremens Boss Jürgen L. Born am 26. April 2007 vor dem UEFA-Pokal-Halbfinale bei Espanyol Barcelona (0:3) im Nebel – um sich wenig später vom süddeutschen Erzrivalen auch noch abzocken zu lassen. Die Bremer gaben Klose für 15 Mio. Euro ab. Deutlich unter Marktwert, denn dieser lag im Jahr nach der Heim-WM 2006 bei 23 Mio. Euro und auch ausländische Vereine wie Juventus Turin hatten mit einer Verpflichtung des DFB-Torjägers geliebäugelt.

Im hohen Stürmer-Alter von 29 Jahren unterschrieb Miroslav Klose am 1. Juli 2007 einen Vertrag beim FC Bayern München. Gemeinsam mit dem ebenfalls verpflichteten Italiener Luca Toni bildete er ein routiniertes Sturm-Duo beim FC Bayern. Meisterschaft und DFB-Pokal inklusive, versteht sich, bei 18 Tor-Beteiligungen (10 Treffer) in der Bundesliga für den in Polen geborenen Angreifer. Einen internationalen Titel konnte Klose aber auch in München nicht gewinnen. 2008 folgte das „Aus“ für die Bayern im UEFA-Cup-Halbfinale gegen den russischen Emporkömmling Zenit St. Petersburg, 2010 scheiterte man im Champions-League-Finale an Inter Mailand (0:2). Der als beratungsresistent geltende Bayern-Coach Louis van Gaal brachte Klose im Endspiel in Madrid erst nach 63 Minuten für Hamit Altintop.

In München waren sie am Ende nicht sauer, als der spät berufene Goalgetter im Jahr 2011 nach Italien wechselte und bis 2016 für Lazio Rom in 137 Spielen 71 Tore schoss. Ein sehr fitter Kadaver.Es gab eine Zeit, da mochte niemand Manuel Neuer so richtig. Weder die Fans des FC Bayern München und schon gar nicht die Anhänger von Schalke 04. Das war im Jahr 2011 und etwas später.

Wobei: Vielleicht war es gar nicht Manuel Neuer, wie er sich im Werbespot für einen Softdrink selbst auf die Schippe nahm… Sei es drum, der Grund für diese vergleichsweise niedrigen Popularitätswerte des Manuel Neuer aus Gelsenkirchen-Buer war in seinem Wechsel von Schalke 04 zum FC Bayern München zu suchen.

Der lebenslange Fan aus der Schalker Kurve, der aus seiner Antiphatie aus frühen Torwarttagen gegenüber dem FC Bayern in jungen Jahren keinen Hehl gemacht hatte, machte rüber zum „verhassten“ FC Bayern München. Und das führte zu Ärger. Sowohl bei den Schalke-Fans als auch bei den Bayern-Ultras. Gegen den FC St. Pauli entrollten die Ultras der „Schickeria München“ im Frühjahr 2011 zwei Spruchbänder mit der Aufschrift „Mia brauchan koan Neuer Torwart – mia ham scho Kraft!!!” und ließen dazu während des Spiels die Arena mit „Neuer raus!”-Rufe beschallen.

Einer der Capos der „Schickeria München“ fasste es damals so zusammen: „Manuel Neuer ist Mitglied beim FC Schalke seit er fünf Jahre alt ist und hat alle Jugendmannschaften durchlaufen. Das alleine ist nicht schlimm – aber was die Sache speziell macht, ist, dass Neuer auch ein Hardcore-Schalke-Fan ist, der früher in der Nordkurve stand – Stichwort: Buerschenschaft – und heute noch dem aktivsten Teil der Ultras Gelsenkirchen sehr nahe steht.“

 

Manuel Neuer: Er kam als Feind – und wird als Legende gehen…

Und dann malte er sich aus: „Er stand bestimmt oft genug in der Kurve und hat gegen die ‘Scheiß-Bayern’ gesungen. Dazu hat man die Bilder vor Augen, wie er als Profi im T-Shirt der Fans mit Megaphon vor der Schalker Kurve feiert und wie er einst in München Oliver Kahn mit seinem Eckfahnen-Jubel verhöhnte. Das war in den Augen vieler Bayern-Fans Majestätsbeleidigung. Damit hat er sich wirklich keine Freunde gemacht.”

Doch was stört einen gestandenen Bayern-Fan sein Geschwätz von gestern? Gegen die Bayern haben viele gejubelt – um am Ende des Tages dann doch ihr Trikot überzustreifen. Fragen Sie mal nach bei Lothar Matthäus, Michael Ballack oder Mats Hummels, die den Großkopferten spannende Duelle im Meisterkampf lieferten und dann doch zu ihnen wechselten.

Bei Manuel Neuer war es ähnlich. Und es wurde noch besser. Spätestens nachdem Neuer in den Folgejahren noch stärker wurde, als man es je bei der Verpflichtung des Schalkers erhofft hatte, war die königsblaue Vergangenheit vergessen.

 

Neuer prägte mit den Bayern eine Ära

Man kann sogar so weit gehen: Ohne Neuer wäre der historische „Triple“-Triumph von 2013 nicht möglich gewesen. Neuer im Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund (2:1)? Der Fels in der Brandung! In fünf der 13 CL-Spiele kassierte er kein Gegentor, in der Bundesliga blieb er in 18 von 31 absolvierten Partien unbezwungen.

„Der Schnapper“, wie sie ihn in Gelsenkirchen nannten, hat bei und mit den Bayern eine neue Erfolgsära geprägt. Sieben deutsche Meisterschaften (Stand: Mai 2020), vier Erfolge im DFB-Pokal, drei Mal das „Double“ und „oan Triple“, von wegen „Koan Neuer“!

Dazu kommt: Der FC Bayern zahlte 2011 nur 30 Millionen Euro für den weltbesten Torhüter – da kann man sich auch schon mal freuen. Falsche Kurve hin oder her.


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