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Diese 20 Fußballer kamen aus dem Nichts

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20 bemerkenswerte Schicksale von Spielern, die aus der Versenkung kamen

Sie waren weg. Durchgefallen, verbannt, abgetaucht, eingesperrt. Oder: Sie kickten irgendwo, wo sie niemandem auffielen. Auf staubigen Amateurplätzen, in leeren Traditionsstadien oder anderswo. Es geht um märchenhafte Fußballer-Karrieren, die alles andere als hoffnungsvoll begannen – und dann doch noch ein Happy End haben. Diese Geschichten sind fast schon filmreif.

Socrates - Brasiliens vergessener Fußball-Held.
Socrates - Brasiliens vergessener Fußball-Held. Copyright: imago/WEREK

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Die Quereinsteiger: Von der Idylle in die große Fußball-Welt

Es sind die Stories, die irgendwann in der Jugendmannschaft beginnen, wenn unter den Postern der Stars Fußballträume reifen – und es dann irgendwie nichts wird.

Die Schule, der Job, das Studium liegen plötzlich zwischen sich und der großen Karriere. Ein anderes Talent, schon in der Jugend von der Statur eines Boxers, beginnt, Blödsinn zu machen, landet hinter Gittern. Mehr kaputt kann ein Fußballertraum eigentlich nicht sein. Dann die wundersame Wende – über Oberliga oder Regionalliga zurück ins Profigeschäft und über Nacht doch noch ganz oben. Das ist ein Weg, den unsere Nobodys nehmen.

Dann gibt es die, die nach eigenem Bekunden „nie Profi werden wollten“, die sich mit einem gut dotierten „anständigen“ Beruf genügsam geben. Die netten Jungs von nebenan, die Oberliga-Kicker, die vor der Abfahrt zum Auswärtsspiel noch in die Kirche gehen und denen Nestwärme und ein geregeltes Auskommen mehr wert ist als die Glamour-Welt des schrillen Profigeschäfts.

Polizei-Ausbilder, Auto-Verkäufer, angehende Juristen – für sie scheint der Profi-Fußball nur ein Traum zu sein, über den man beiläufig beim Umziehen in der Kabine bei der Amateur- oder Freizeitmannschaft spricht. „Hast du gestern Abend die Bayern im TV gesehen?“, heißt es dann.

Oder: „So wie 1860 derzeit spielt, da könnte auch ich noch mitmischen“. Und dann ergibt sich für einige wirklich die Gelegenheit. Sie stehen plötzlich bei den ganz Großen im Team.

Der Fußball und seine Kritiker können einen Spieler zerreißen…

ISPO München 1974, Werner Liebrich (li.) und Helmut Rahn, Weltmeister von 1954. ,,Boss" Rahn wurde mit dem Rummel um das ,,dritte Tor" nie wirklich fertig..
ISPO München 1974, Werner Liebrich (li.) und Helmut Rahn, Weltmeister von 1954. ,,Boss" Rahn wurde mit dem Rummel um das ,,dritte Tor" nie wirklich fertig...Bildnachweis: Imago Sportfoto.
Das Gefühl, es geschafft zu haben, stellt sich oft bei Jungprofis ein. Sie stehen häufig in jungen Jahren ihrer Karriere schon ganz oben – und ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus, wechseln danach die Klubs wie die Hemden.

Andere werden als Profi gnadenlos von den Kritikern zerrissen – und schaffen es dann irgendwie doch, alle von ihren großartigen fußballerischen Fähigkeiten zu überzeugen.

Einer der profiliertesten deutschen Spieler der letzten 20 Jahre muss aus der Bundesliga regelrecht flüchten, um das mit dem Profi-Fußball doch noch hinzubekommen. Er nimmt dabei gleich 3 Ligen als Umweg, um an die Spitze zu kommen.

Problematisch wird es dann, wenn einer schon ganz oben ist – und dann aus irgendwelchen, nicht immer erfindlichen Gründen durchknallt.

Profi-Fußball – das große Geld, der Promi-Bonus, die schönen Frauen – das verführt so manchen. Und es führt oft auch in die Sackgasse. Ein englisches Fußball-Denkmal landet durch seine Trunksucht im Gefängnis – und kehrt märchenhaft zurück. Selbst ein deutscher Weltmeister hat erlebt, wie schal der Ruhm schmecken kann. Ein anderer, späterer Weltmeister, hat sich bequatschen lassen. Von denen, für die der Fußball nur Mittel zur wundersamen Geldvermehrung ist, von den dubiosen Geschäftemachern, den Männern aus den Hinterzimmern.

Wir unterscheiden bei diesen Spielern somit vier Kategorien

  1. Spieler, deren Talent verkannt wurde – und die es über Umwege an die Spitze schafften
  2. Fußballer, die erst im Amateurbereich kickten oder als Quereinsteiger ganz nach oben kamen
  3. Profis, die als gescheitert galten und es allen Kritikern zeigten
  4. Spieler, die als Profi schon einen großen Namen hatten, von ganz oben nach unten stürzten und zurückkamen 

Kategorie 1: Als Talent nicht beachtet – und doch ganz nach oben gekommen

20. Lars Leese: Erst Autohaus, dann Anfield Road

„Irgendwoher kenne ich Sie!“ – Gladbach-Trainer Jupp Heynckes (l.) und „Traumhüter“ Lars Leese, 2006. (Photo by Bongarts/Getty Images)
Lars Leese – Die Geschichte des Torhüters aus dem Rheinland, der in England über Nacht zum „Mister Cinderella“ wird, hat Ronald Reng in Der Traumhüter 2002 wunderschön literarisiert. Das Buch wird ein Bestseller, weil es eine wahre Geschichte erzählt, die man sich eigentlich nicht schöner ausdenken kann und die insgeheim wohl jeder Amateurfußballer träumt.

Und die beginnt so: Lars Leese, der bei Bayer Leverkusen nie ein Bundesliga-Spiel macht und nur als 3. Torhüter auf dem Mannschaftsfoto zur Saison 1996/97 zu sehen ist, wechselt 1997 völlig überraschend zu Premier-League-Aufsteiger FC Barnsley. Auf der Insel wird der 1,97 m-Hüne mit nur 18 Liga-Einsätzen zum Helden der Fans. Ein lokaler Schriftsteller in Barnsley widmet ihm sogar ein Gedicht.

Dichtung und Wahrheit liegen bei Lars Leese, heute 48 Jahre alt, gar nicht so weit auseinander. Er hat als Autoverkäufer im Westerwald, wo er in Neitersen seine ersten Karriere-Schritte macht, gearbeitet. Sein größtes Ding liefert „Der Traumhüter“ in der Saison 1997/98 an der Anfield Road in Liverpool ab. Gegen die Reds treibt der deutsche Torwart-Riese die Star-Stürmer zur Verzweiflung. Leese kann es selbst nicht fassen: „Ich bin wie Phönix aus der Asche aufgestiegen, aus der Kreisliga in die Premier League. Da mache ich dann ein paar Begegnungen und habe dann entscheidenden Anteil daran, dass wir an so einer Kultstätte gewinnen.“

Das Premier-League-Abenteuer geht für den Traumhüter mit dem Abstieg 1999 zu Ende. „Später bin ich dann wieder – um es krass zu formulieren – in der Versenkung verschwunden“, erzählt er Jahre danach. Preußen Köln, Borussia Mönchengladbach II und 1. FC Köln II. Aus der Traum. „Aber“, sagt Leese, „Liverpool kann mir keiner mehr nehmen.“

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

19. Carsten Linke: Der ,,Fußballgott”, der aus der Kreisklasse kam

Hannovers Publikumsliebling Carsten Linke. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Es gibt Spieler, die könnten ein Leben lang spielen, ohne beachtet zu werden. Carsten Linke, heute 53, wäre fast so einer geworden.

Bis 1988, bis zu seinem 22. Lebensjahr, spielt der Defensiv-Allrounder beim – bei allem Respekt – nicht für fußballerische Heldentaten bekannten VfL Bad Zwischenahn im Ammerland. Mehr Fußballprovinz geht fast nicht. Über den VfB Oldenburg gelingt ihm 1988 relativ spät doch noch der Sprung in die 2. Liga. Nächste Station ist der FC Homburg, der zweimalige Erstligist aus dem Saarland spielt aber 1993 keine Geige mehr im deutschen Profifußball.

Linke wechselt 1995 nach Zwischenstation beim 1. FC Saarbrücken zu Hannover 96 und erlebt mit dem leck geschlagenen Traditionsklub so ziemlich alles mit. Abstieg in die Regionalliga, Rückkehr in die 2. Liga und schließlich – die Krönung – 2002 Aufstieg in die Bundesliga unter einem gewissen Ralf Rangnick.

Nach insgesamt 314 Spielen im „Unterhaus“ für Oldenburg, Homburg und Hannover macht der zumeist als Innenverteidiger eingesetzte Linke im zarten Alter von 36 Jahren sein erstes Bundesliga-Spiel. Am 11. August 2002 wird er beim 1:2 in Hamburg zum fünftältesten Debütanten der Liga-Geschichte. Die Fans von Hannover 96 rufen zu Linkes Namen bei der Aufstellung stets den magischen Zusatz „Fußballgott“ – und der verabschiedet sich 2003 nach 15 Erstliga-Einsätzen und einem Treffer beim 2:2 gegen den VfL Bochum in den wohl verdienten Ruhestand.

18. Nicolas Feldhahn: Auch bei den Bayern gibt es noch Märchen

Nicolas Feldhahn im Dress von Kickers Offenbach.
Nicolas Feldhahn im Dress von Kickers Offenbach. Copyright: imago/Jan Huebner
Der FC Bayern als eiskalte Fußball-Maschinerie mit dickem Festgeldkonto? Dieses Klischee können wir glatt vergessen! Der Jurastudent Nicolas Feldhahn, 32, zeigt, dass es auch beim Rekordmeister und Branchenriesen noch wundersame Spieler-Geschichten gibt.

Feldhahn studiert an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Jura. Nebenbei spielt er Fußball. Beim Ex-Bundesligisten SpVgg Unterhaching erhält er 2004 einen Profi-Vertrag. Nach dem Abstieg der Hachinger aus der 2. Liga ist dieser Kontrakt hinfällig.

Auch am Ende seiner 2. Profistation, bei Erzgebirge Aue, steht für den Jura-Studenten der Abstieg aus dem Fußball-Unterhaus. Der defensive Mittelfeldspieler wechselt in die 3. Liga, zu Werder Bremen II, später zum VfL Osnabrück.

Eine überraschende Wende bietet sich dem Ex-Juniorenspieler von 1860 München im Sommer 2015. Feldhahn hat die Chance, seinen Vertrag in Osnabrück aufzulösen – und in seine Münchner Heimat zurück zu kehren. Er erhält einen Amateurvertrag beim FC Bayern München – und steht nach der EURO 2016 plötzlich im Rampenlicht.

Im Supercup-Finale gegen Borussia Dortmund wird er vom neuen Bayern-Coach Carlo Ancelotti in den Kader geholt – und er darf nach dem Spiel den Pokal in Empfang nehmen. „Ein gigantisches Gefühl“, sagt er später der BILD-Zeitung. Im April 2017 nimmt ihn Ancelotti noch einmal mit – zum Champions-League-Viertelfinale nach Madrid. „Wenn ich gebraucht werde, bin ich bereit“, sagt Feldhahn. Doch zum Einsatz kommt er nicht.

17. Hendrik Weydandt: Ein Wunder im Weserstadion

Das Wunder vom Weserstadion Hendrik Weydandt (l.) von Hannover 96 bejubelt seinen Treffer in Bremen mit Waldemar Anton und Kevin Wimmer. Bildnachweis: Imago Sportfoto.
Mit 23 bist du als Fußballer eigentlich raus. Kein Scout hat dich mehr auf der Liste, kein großer Trainer fasst dich noch mit der Kneifzange an.

Das gilt auch für Hendrik Weydandt (23). Der Torschützenkönig der Herrenmannschaft des TSV Groß Munzel (Niedersachsen) hätte mit seinen 23 Treffern in mindestens 25 Einsätzen in der Kreisliga Hannover-Land (Staffel 3) durchaus eine Mehrfachnennung verdient.

Beim 1. FC Germania Egestorf/Langreder versucht sich der Stürmer ab 2014. In 4 Jahren erzielt er dort 41 Tore in 97 Spielen. 2018 holt ihn Hannover in seine 2. Mannschaft. Diese spielt in der Regionalliga Nord. Weydandt erhält einen Amateurvertrag bis 2020. In der Vorbereitung holt ihn 96-Coach André Breitenreiter zu den Profis und setzt ihn auch in der 1. Pokalrunde, beim 6:0 beim Karlsruher SC ein. Der „Vertragsamateur“, der bis Mai noch 400 Euro pro Monat verdient hat, macht mit 2 Treffern mehr als nur auf sich aufmerksam.

Die Belohnung: Am 25. August 2018 steht Weydandt beim Bundesliga-Auftakt bei Werder Bremen (1:1) in Hannovers Profikader. Es wird ein neues Wunder im Weserstadion. Nur 81 Sekunden nach seiner Einwechslung für Takuma Asano trifft er zum 0:1 für „Die Roten“ – schneller sind nur wenige Spieler bei ihrem Bundesliga-Debüt. 2 Tore in 5 Bundesliga-Spielen bringen ihm im September 2018 einen Profivertrag. Geht doch!

16. Miroslav Klose: Es lebe die Fußball-Provinz!

Miroslav Klose stieg beim 1. FC Kaiserslautern zum Nationalspieler und Vize-Weltmeister auf. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)
Es soll keiner die Fußball-Pfalz schmähen! 5 deutsche Weltmeister von 1954, US-Legende und WM-Kapitän Tom Dooley (1994), aber auch 2 aus dem erfolgreichen deutschen WM-Kader von 2014 haben hier das Kicken gelernt. Neben dem gebürtigen Pirmasenser Erik Durm von Borussia Dortmund krönt der in der Pfalz aufgewachsene Miroslav Klose 2014 mit dem WM-Titel seine unglaubliche Laufbahn.

Kloses Aufstieg – für die Zeitung Fußball BILD ist er „die wohl bekannteste Märchen-Geschichte“ des deutschen Fußballs. Bezirksliga Westpfalz bei Blaubach-Diedelkopf, Regionalliga in Homburg – das ist bis 1999 scheinbar die Welt des in Polen geborenen Stürmers. Trainer-Grandseigneur Otto Rehhagel wird beim 1. FC Kaiserslautern erst spät auf den vom FC Homburg geholten Klose aufmerksam. Am 15. April 2000 wechselt „König Otto“ Klose im Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt erstmals ein. In 4 Jahren beim FCK wird es Klose auf 44 Tore in 120 Liga-Spielen bringen und mit seinem Tor-Salto beim Jubel die Fans am Betzenberg verzücken. Werder Bremen, Bayern München und Lazio Rom sind die weiteren Stationen einer Bilderbuchkarriere.

Was nur die wenigsten wissen: Am 24. März 2001 wird der stille Miro in Leverkusen im WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien sein Länderspiel-Debüt für Deutschland geben – und es mit dem 2:1-Siegtor und einem Salto beenden. Mit der Mannschaft, der der nicht an der WM 2002 teilnehmende Mehmet Scholl die Ausstrahlung abspricht, wird Klose ein Jahr später in Asien Vize-Weltmeister. Bis zu seinem Abschied nach der WM 2014 wird er neben Pelé und Uwe Seeler der Spieler sein, der bei 4 verschiedenen Weltmeisterschafts-Endrunden trifft.

Nach 2-mal Platz 3 bei der Heim-WM 2006 und 2010 in Südafrika sind Klose und „Die Mannschaft“ am 13. Juli 2014 am Ziel: 1:0 gegen Argentinien in der Verlängerung und Weltmeister! Klose holt sich im Halbfinale gegen Brasilien (7:1) am 8. Juli 2015 mit seinem 16. Tor bei einer WM einen Rekord für die Ewigkeit. Einer Nachwuchs-Nationalmannschaft des DFB hat der Spätentwickler übrigens nie angehört…

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