Diese 20 Spieler wechselten zu Bayern München und ruinierten ihre Karriere


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Entweder Du schaffst es beim FC Bayern und wirst ein Großer. Oder Du gehst unter!

Pablo, wieso Bayern? Die Stuttgarter Anhänger in der Cannstatter Kurve konnten den Wechsel von Pablo Thiam zum FC Bayern nicht nachvollziehen.
Pablo, wieso Bayern? Die Stuttgarter Anhänger in der Cannstatter Kurve konnten den Wechsel von Pablo Thiam zum FC Bayern nicht nachvollziehen. Foto: Imago Images
Entweder Du schaffst es beim FC Bayern und wirst ein Großer. Oder Du gehst unter! Ein falscher Wechsel - und schon war die hoffnungsvolle Karriere beschädigt. Das ist schon einigen Starkickern und High Potentials passiert.

Manche von ihnen konnten durch einen weiteren Transfer der Marke „Bloß schnell weg von hier“ die Karriere retten. Andere, wie ein deutscher Weltmeister, begaben sich nach dem Abschied aus München auf die Suche nach der verlorenen Zeit – und fanden nie wieder zum Fußballerglück zurück. Für andere war es das aber mit der angestrebten Weltkarriere. Von (gedacht, gefühlt, erlebt) ganz oben nach ziemlich weit unten. Bei einigen könnte man es das Kaka-Syndrom nennen oder das One-Hit Wonder Phänomen.

Ein Problem, das eine ganze Menge Spieler in Europa betrifft. Sie spielen eine, zwei oder noch mehr Saisons auf Top-Niveau – manchmal bei einem guten, manchmal bei einem mittelmäßigen Verein – und folgen dann auf der Suche nach dem finalen Schritt dem Ruf der ganz großen Vereine. Dort schaffen sie es dann nicht und versauern auf der Bank. Nach zwei bis drei Jahren, ziemlich viel Geld und ziemlich wenig Spielpraxis finden sie anschließend nie mehr zur Form früherer Tage zurück.

 

Non-Performer haben bei den ganz Großen keine Chance

In Europa stach im Verbrauch von Top-Spielern ein Verein bisher besonders hervor. Sowohl was seine Anziehungskraft und seine Fähigkeit anbetrifft, ganz große Spieler herauszubringen als auch aufgrund seines Vermögens, Spielerkarrieren zu verkürzen oder sogar zu ruinieren. Real Madrid – „Die Königlichen“. Für den Spieler die ultimative Kombination aus Geld, Ruhm und Aussicht, ein Gigant des Fußballs zu werden. Und was für die „Königlichen“ in Spanien – dort werden Non-Performer, aber auch verdiente Spieler gern auch mal durch die kalte Küche verabschiedet – schon länger gilt, das trifft mittlerweile genauso auf zwei, drei andere Klubs in Europa zu.

Darunter – immer wichtiger werdend – und kurz davor zu ,,Barca" und Real aufzuschließen – der FC Bayern München. Denn die „Bestia Negra“ von der Isar ist mittlerweile fast genauso verlockend, gefährlich und verführerisch für einen jungen Spieler wie die beiden spanischen Giganten.

Wenn man sich mit dem deutschen Winter abfindet, auf Bierduschen nach erzielten Titeln „steht“, eine eher langweilige Spielzeit ohne richtige Konkurrenten nicht abschreckend findet und immer wieder gegen spanische Teams zum Ende der Saison ausscheidet, ist man in München genau richtig.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Wildern bei der Konkurrenz –Gut für Bayern, schlecht für manchen Spieler

Selbst ein Welttorjäger hat es in München schwer… Ali Daei.
Selbst ein Welttorjäger hat es in München schwer… Ali Daei. Foto: Imago Images

Die Bayern sind der Karriere-Katalysator der Bundesliga schlechthin. Nach einem Wechsel an die Säbener Straße geht es entweder flott nach oben oder eben runter. Der ostentative Lackmus-Test für die Karriere. Der FC Bayern hat sich mittlerweile die Reputation erworben, auch große Spielerkarrieren oder Karrieren, die hätten groß werden können, zu beschädigen. Manchmal nur für eine gewisse Zeit, manchmal für immer.

Und der deutsche Rekordmeister ist natürlich genauso bekannt für seine cleveren Transfermethoden. Besonders, wenn es darum geht, das eigene Team gezielt zu verstärken und die Bundesligakonkurrenz gezielt und strategisch geschickt zu schwächen.

Da ist gar nichts Verwerfliches dran. Aber Gladbach-Fans (die Älteren), Leverkusen-Anhänger (vor ein paar Jahren) und BVB-Supporter wissen, was gemeint ist. In jedem Sommer präsentiert der Verein einen neuen Superstar, der dann gerne auch mal aus der Bundesliga kommen kann. Und dann muss ein anderer Star, der nicht so super ist, eben gehen. Das führt zu einem immensen Druck auf die Spieler. Und wer das nicht aushält und nicht performt, der wird von den strengen Münchner Boulevardmedien schnell als Flop abgestempelt und findet sich auf der Ersatzbank oder auf der Tribüne wieder. Zum Teil mit ruinösen Folgen für die Karriere. Das kann ganz schnell gehen. Für einen Spieler endete es im Burn-out und im totalen Rückzug vom Profifußball. Die Fallhöhe ist enorm.

 

Transferflops – Es gibt verschiedene Kategorien von „Ruin“

Wir unterscheiden in diesem Dossier bei den Bayern-Flops, die sich in München ihre Karriere ruiniert haben, zwischen vier Kategorien von „Ruin“.

Kategorie 1 sind Spieler, die ihre Karriere durch einen Wechsel zu den Profis der Bayern permanent „versauten“ und nachher nie wieder so gut spielten wie vor ihrer Bayern-Zeit.

Kategorie 2 sind Spieler, für die der FC Bayern einfach eine Nummer zu groß war. Sie ruinierten mit dem (zu frühen Move) zunächst zwar ihre Karriere in München, aber eben nur zeitweise. Denn dann schafften sie es doch noch bei anderen Vereinen zu reüssieren, wenn auch manche nur ein klein wenig. Mal besser, mal schlechter.

Kategorie 3: Die Problematischen! Talente, die auf Teufel komm raus zum FC Bayern geholt wurden und sich nicht durchsetzen konnten – und danach fußballerisch nur noch wenig zusammenbrachten.

Kategorie 4: Hier gehen wir in den Bereich „viel Geld für vermeintliche Stars“. Hier stellen wir Superstar-Transfers aus dem In- und Ausland vor, die in München grandios floppten. Ruinöses aus München.

Ruin 1: Für sie war Bayern eine Nummer zu groß – Diese Spieler fanden danach nie wieder zur alten Form

20. Ali Karimi – Magaths Liebling

Ali Karimi war einer der Lieblinge von Felix Magath.
Ali Karimi und Trainer Felix Magath. Foto: Imago Images / MiS
Tore, spektakuläre Vorlagen – Das lieferte Ali Karimi. Leider nur bei Al-Ahli, dem Klub aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, für den er vor seiner Zeit beim FC Bayern München spielte.

Felix Magath holte den iranischen Mittelfeldspieler 2005 als „Asiens Fußballer des Jahres“ nach München. Zunächst konnte Karimi durchaus überzeugen, doch dann spielte er nach einer schweren Verletzung keine Rolle mehr. Eine hartnäckige Fußverletzung bremste ihn in der zweiten Saison bei den Bayern aus.

Hatte Karimi im ersten Jahr noch 20 Bundesliga-Spiele (2 Tore) absolviert, so waren es 2006/2007 nur noch 13, bei einem Tor. Mit dem „Aus“ für Felix Magath im Januar 2007 als Bayern-Coach waren Karimis Tage in München eigentlich gezählt.

Nach Ali Daei war Ali Karimi der zweite Iraner, dem die Atmosphäre beim deutschen Rekordmeister nicht gut tat. Karimi wechselte 2007 in die katarische „Stars League“ zum Katar SC, wo er mit 27 Spielen und sechs Treffern wieder halbwegs gewohnte Zahlen schrieb.

 

Was wollte Karimi auf Schalke?

Felix Magath verpflichtete ihn später auch noch für Schalke 04, am 31. Januar 2011 kurz vor Ende der Transferperiode und stattete ihn mit einem Vertrag bis Saisonende aus. Auf Schalke war Karimi ein Totalausfall.

Warum? Nachdem er über mehrere Monate ohne Spielpraxis war, reichte es nur zu einem einzigen Kurzeinsatz, der allerdings denkwürdig war. Am 5. April im Champions-League-Spiel bei Inter Mailand (5:2, „Das Wunder von Mailand“) wurde Karimi eingewechselt. In der Bundesliga spielte er ebenfalls nur einmal, am 23. April 2011 gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Dabei ist die Karriere von Karimi eigentlich so richtig bemerkenswert. Denn der Iraner begann seine Profikarriere in der Saison 1998/99 bei Persepolis Teheran, nachdem Ali Parvin, der damalige Trainer des Teams, bei einem Hallenturnier auf ihn aufmerksam wurde. Für eine Ablösesumme von umgerechnet 15.000 US-Dollar verpflichtete Parvin den noch jungen Karimi vom damaligen Zweitligisten Fath Teheran. Schon nach wenigen Spielen avancierte er zum Publikumsliebling. Er wurde in zwei aufeinanderfolgenden Spielzeiten (1998/99 und 1999/2000) mit dem iranischen Spitzenclub Meister. In der Saison 1999/2000 gewann er mit seinem Verein auch den Iranischen Pokal. Er erzielte dabei in 68 Ligaspielen für Persepolis Teheran 13 Tore.

19. Niko Kovac – Überall solide, nur bei Bayern nicht

Niko Kovac (l., mit Oliver Kahn) blieb in Diensten des FC Bayern meist die Reservistenrolle.
Niko Kovac (l., mit Oliver Kahn) blieb in Diensten des FC Bayern meist die Reservistenrolle. Foto: Imago Images / Kicker / Liedel
Niko Kovac und der FC Bayern – keine unproblematische Beziehung! 2001 holten die Münchner den gebürtigen Berliner zusammen mit seinem jüngeren Bruder Robert, der von Bayer Leverkusen kam, vom HSV an die Isar.

Für die Dienste des Mittelfeld-Allrounders zahlten die Bayern den Hanseaten umgerechnet 5,5 Mio. Euro. Keine schlechte Summe, denn Kovac hatte mit den Hamburgern eines der letzten Glanzlichter in ihrer spätestens seit 2010 selbstzerstörerisch anmutenden Bundesliga-Geschichte gesorgt. Er erreichte mit dem HSV 2000 die Gruppenphase der Champions League und erzielte im legendären Heimspiel gegen Juventus Turin (4:4) das zwischenzeitliche 4:3 für den Hamburger SV. Ein Abend, von dem sie in der norddeutschen Metropole bis heute zehren. Acht Tore aus 30 Spielen bedeuteten zuvor Kovacs persönlich beste Bilanz in der ersten Bundesliga.

In Hamburg, Leverkusen und Berlin gesetzt, aber eben auch nur da

Vor seiner Hamburg-Zeit hatte Kovac schon in Leverkusen solide Leistungen gezeigt und war mit Bayer 1999 Vizemeister geworden – hinter den in dieser Saison alles überragenden Münchnern.

In der titellosen Saison 2001/2002 gehörte Niko Kovac bei den Bayern nicht zum Stammpersonal. Das änderte sich auch in der Double-Saison 2002/2003 nicht. Kovac verließ den Verein daraufhin und kehrte nach Berlin zurück. Einen weiteren nationalen Meistertitel konnte er 2007 in Diensten von RB Salzburg in Österreich verbuchen.

Kovac ging ablösefrei aus München weg und hielt sich 2018/2019 auch nur etwas mehr als eine Saison lang als Trainer des FC Bayern im Sattel. Auch das „Double“ mit Meisterschaft und Pokalsieg 2019 konnte seine Position nicht stärken, sodass der Beziehungsstatus zwischen Kovac und den Bayern auch weiterhin mit „Es ist kompliziert“ gut beschrieben ist.

18. Sebastian Rode – Er kam schon verletzt nach München…

Sebastian Rode bleibt in Diensten von Bayern München wieder einmal verletzt liegen.
Sebastian Rode bleibt in Diensten von Bayern München wieder einmal verletzt liegen. Foto: Imago Images / MiS
Der Wechsel von Sebastian Rode, dem Sonnyboy von Eintracht Frankfurt, der in seiner letzten Saison für die Hessen nach einem Knorpelschaden im Knie nur 17 Bundesliga-Spiele absolvieren konnte, zum FC Bayern war im März 2014 beschlossene Sache.

Die Frage blieb nur: Warum? Was wollte Bayern mit einem Spieler, dessen Karriere durch diese für jeden Profi-Sportler höchst gefährliche Verletzung schon zu diesem Zeitpunkt auf der Kippe stand? Eine uralte Transfer-Regel lehrt: Verpflichte nie einen Spieler, der zuvor lange verletzt war. Keine Spielpraxis, dementsprechend fehlendes Selbstvertrauen, Reha statt Vorbereitungstraining und so weiter.

Für Sebastian Rode wurden es in München zwei verlorene Jahre, das war (fast) vorhersehbar. Die Zeit in München brachte ihm den Karriere-Knick. Dabei hätte eine im März 2014 geplante Rück-Leihe nach Frankfurt vieles aus Sicht von Rode besser gestalten können. „Wenn der FC Bayern ihn tatsächlich noch einmal ausleihen möchte und auf uns zukommt, sind wir gesprächsbereit. Das Ansinnen muss aber aus München und nicht von uns kommen“, hoffte SGE-Sportdirektor Heribert Bruchhagen vergeblich auf diese Variante.

Sebastian Rode wechselte dann ablösefrei von Eintracht Frankfurt zu den Bayern und wurde zum Paradebeispiel für einen Spieler, der woanders ein Star war und sich in München nie durchsetzen konnte. Anders: Sebastian Rode hat einfach nicht zum FC Bayern gepasst.

 

Rode blieb bei den Bayern Dauergast im Reha-Zentrum

23 Einsätze in seiner ersten Bundesliga-Saison bei den Bayern bedeuteten für „Sebbl“ Rode die höchste Frequenz im Dress der Rot-Blauen. Eine langwierige Sehnenverletzung kostete ihn 2015/2016, in der letzen Saison unter Guardiola, 11 Pflichtspiele.

Die Bayern kamen aus der Nummer jedoch besser raus als Rode selbst. 2016/2017 gaben sie ihn für 12 Millionen Euro an den BVB ab. Dort machte er – auch verletzungsbedingt – in zwei Jahren nur 14 Spiele. Eine Leistenoperation setzte ihn Anfang 2017 für 13 Pflichtspiele außer Gefecht.

Erst die Rückkehr nach Frankfurt im Januar 2019 wirkte auf den Mittelfeldspieler wie eine Befreiung. Rode fand zu alter Stärke zurück und führte die „Adler“ mit hoher Laufbereitschaft, Toren und viel Einsatz bis ins Europa-League-Halbfinale.

17. Sebastian Deisler – Der zerbrochene Held einer ganzen Generation

Das bittere Ende einer hoffnungsvollen Karriere. Sebastian Deisler (m.) verkündete am 16. Januar 2007 seinen Rücktritt vom Profifußball. Bayern-Manager Uli Hoeneß und Pressesprecher Markus Hörwick waren geschockt.
Das bittere Ende einer hoffnungsvollen Karriere. Sebastian Deisler (m.) verkündete am 16. Januar 2007 seinen Rücktritt vom Profifußball. Bayern-Manager Uli Hoeneß und Pressesprecher Markus Hörwick waren geschockt. Foto: Imago Images / Plusphoto
Am 16. Januar 2007 stockte den Journalisten im Presseraum des FC Bayern München der Atem. Der 36-fache deutsche Nationalspieler Sebastian Deisler verkündigte sein vorzeitiges – und wie wir längst wissen endgültiges – Karriere-Ende.

Fußball-Deutschland unter Schock. Aus „Basti Fantasti“, dem Wunderkind der „Generation Sommermärchen“, war ein Sorgenkind und schließlich ein Aussteiger geworden. Zermürbt von Verletzungen, ausgebrannt, müde vom Fußball-Zirkus, für den in der bayerischen Metropole noch mal andere Gesetze als in anderen deutschen Bundesliga-Großstädten gelten, warf Deisler das Handtuch. „Ich habe die Freude und den Spaß verloren. Es war zuletzt für mich eine Qual. Ich kann nicht mehr“, erklärte er gefasst seinen Rückzug vom Profifußball. Mit 27.

Moralisch unterstützt vom damaligen Bayern-Manager Uli Hoeneß, der von einem „Albtraum“ sprach, erläuterte Deisler seine Entscheidung. Fünf Knie-OPs hatte der begnadete Rechtsfuß in den Jahren zuvor über sich ergehen lassen müssen. Hinzu kamen stetig wachsende Sorgen und Selbstzweifel, die schließlich in Depressionen mündeten.

 

Man kann nur erahnen, wie „Basti Fantasti“ gelitten hat

Das größte Versprechen der „Sommermärchen“-Zeit unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann, vor der Heim-WM 2006 der Hoffnungsträger einer ganzen Fußball-Nation neben Michael Ballack, stand neben einem sichtlich betroffenen Bayern-Macher Uli Hoeneß. Zerbrochen. „Ich habe das Vertrauen in mein Knie verloren“, bekannte der Badener, der in seiner Zeit bei Bayern München und zuvor bei Hertha BSC nach Knorpelschaden im Knie 91 Pflichtspiele (!) verpasste und sich 2004 für fast 180 Tage nach Depression und Burnout-Syndrom abmeldete.

„Sebastian Deisler reißt sich ein tiefes Loch ins Herz, um sich wieder selbst zu gehören. Es ist, als öffne sich für ihn ein neuer Horizont. Ein Horizont ohne die alten Ängste, Qualen, ohne Seelenschmerz“, lieferte der Berliner Tagesspiegel einen Tag später eine Hommage an den gefallenen Fußball-Helden.

Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Vor seinem letzten Spiel mit Hertha BSC am 34. Spieltag der Saison 2001/2002 begrüßten ihn Fans in der BayArena, wo die Berliner zum Saisonfinale antraten, mit dem Plakat „Deisler, wir freuen uns auf dich.“

 

Schon vor dem Start bei Bayern ein halbes Jahr verletzt!

Diese Freude war kurz, denn Deisler, der mit der Erfahrung aus mehr als 70 Bundesliga-Spielen für Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach nach München kam, sollte die anschließende Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea hatte Deisler verpassen – und monatelang ausfallen! Nachdem er sich ausgerechnet im letzten Test gegen Österreich (6:2) in Leverkusen vor der Abreise schwer am rechten Knie verletzt hatte, dauerte es bis zum 9. Februar 2003, ehe er sein Bundesliga-Debüt im Bayern-Dress geben konnte.

Die Hertha-Fans nahmen ihm den Wechsel in die Fußball-Hauptstadt übel. „Ich hätte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass es so viele Pfiffe sind“, gab der Mittelfeldmann einmal nach einem Heimspiel im Olympiastadion zu. Das mutete doch etwas naiv an. Vielleicht war Sebastian Deisler („Wenn ich spiele, gebe ich etwas von meiner Seele preis“) zu sensibel, zu feingeistig für den Profi-Zirkus. Dass die Bayern 2002 für seine Dienste nur 9 Mio. Euro an Hertha BSC zahlten, mutete für den Supertechniker beinahe lächerlich an. Die hohe Bürde der Ablöse kann es also nicht gewesen sein.

 

Deislers Depression schockte Fußball-Deutschland

In München spitzte sich die Situation schon 2003 für Deisler weiter zu. Seine Leistungen waren dürftig und zwischen dem 26. und dem 31. Spieltag der „Double“-Saison 2002/2003 stand er nicht im Kader von Trainer Ottmar Hitzfeld. Kaum ins Spieljahr 2003/2004 gestartet, bremste ihn ein Muskelfaserriss erneut aus. Pries ihn Ottmar Hitzfeld nach zwei Toren Ende Oktober 2003 gegen den 1. FC Kaiserslautern (4:1) noch als „die Entdeckung der Saison“, musste München im November tief durchatmen.

Deislers Depressionen und sein Burn-out („Ich möchte nicht mehr verdrängen, dass ich krank bin“) wurden öffentlich – und bis zum 15. Mai 2004 war er gänzlich aus der Bayern-Mannschaft verschwunden. Der Hoffnungsträger des deutschen Fußballs depressiv? Ein Desaster für den FC Bayern! So ging es stetig weiter. Immer wieder verhinderten Verletzungen, dass sich Deisler in München doch noch akklimatisieren konnte. Der zweite Knorpelschaden im Knie im März 2006 beendete alle Spekulationen über Deislers Führungsrolle bei der anstehenden Weltmeisterschaft im eigenen Land.

Nur 90 Pflichtspiele hat Sebastian Deisler in viereinhalb Jahren beim FC Bayern absolviert. Danach tauchte er ab. Zwei Mal wagte er sich nach dem Abschied vom Profifußball noch einmal in die Öffentlichkeit: 2009 bei der Präsentation seines Buches Zurück ins Leben in der RTL-Sendung Stern TV und 2013, als er eine Schadensersatzklage gegen seinen ehemaligen Berater verlor.

16. Kalle del‘Haye – Synonym für einen Bayern-Transferflop

Karl del‘Haye spielte nur selten für den FC Bayern.
Karl del‘Haye spielte nur selten für den FC Bayern. Foto: Imago Images / Ferdi Hartung
Die Bayern hatten gefühlt schon immer viel Geld auf dem Festgeldkonto. Das ist bekannt. Und das setzten sie gefühlt auch schon immer mal gezielt ein, um Konkurrenten in der Liga zu schwächen.

Das ist eine Strategie, die einen Teil der kalten Verachtung des FC Bayern durch seine Hater ausmacht. Aber wie begann das eigentlich? Angefangen hat es für viele mit Kalle del’Haye. Kalle wer? Kalle del’Haye aus Mönchengladbach am Niederrhein. Der Transfer von Karl del‘Haye war der erste Millionentransfer in der Geschichte von Bayern München. Karl Del’Haye war nur 169 Zentimeter groß, wog 56 Kilogramm und galt eine Zeit lang als bester Rechtsaußen Deutschlands.

Im Sommer 1980 war er jedenfalls kurzzeitig Nationalspieler. Und eine Ablösesumme von 1,3 Millionen D-Mark ging damals von der Isar an den Niederrhein nach Mönchengladbach – Bundesligarekord. Der Transfer von Del’Haye von Mönchengladbach nach München gilt als Mutter aller strategischen Transfers der Bayern, getätigt um einen Konkurrenten zu schwächen. Und als ein Riesen-Flop in der Bayern-Historie. Bayern-Boss Uli Hoeneß versprach del‘Haye während der Wechsel-Verhandlungen: „Wenn du bei uns nicht Stammspieler wirst, dann erschieße ich mich.“ Wie wir wissen, lebt Uli Hoeneß noch – wenn auch eine Zeit lang nicht da, wo er wohl gerne gelebt hätte. Obwohl „Kalles“ Stammplatz die Bank wurde…

Denn der Mann, an dem er schon in der Nationalmannschaft nicht vorbeikam, spielte auch schon 1980 bei den Bayern: „Sexy Knees“ – Karl-Heinz Rummenigge. Was sollte also der Transfer von del‘Haye? Strategie, gezieltes…., die Mutter aller…halt. Und man hatte mit der Masche ja auch Erfolg.

Borussia Mönchengladbach wurde geschwächt, kam bis 2019 (!) nicht mehr als Meisterschaftskonkurrent in Frage und holte bis 1995 keinen Titel mehr. Ein anderer Verein konnte del‘Haye auch nicht verpflichten. Und wenn sich der Neuankömmling eben nicht durchsetzen konnte, dann war das Pech für ihn. Die einzige Saison, in der del‘Haye mit drei Treffern und sechs Assists aus 31 Spielen ansatzweise zeigen konnte, was er im Stande war, zu leisten, war 1981/82. Dumm nur, dass del‘Haye im DFB-Pokalfinale gegen den 1. FC Nürnberg (4:2), Bayerns einzigem Titel in dieser Spielzeit, nicht im Kader stand…

Der Trainerwechsel von Pal Csernai („Das Pal-System“) zu Udo Lattek 1983 konnte del‘Hayes Situation in München nicht verbessern. Lattek setzte wie sein Vorgänger konsequent auf „Kalle“ Rummenigge. In der Meistersaison 1984/85 nominierte er del‘Haye nicht ein einziges Mal für den Bundesliga-Kader!

Nach den Bayern kam für del‘Haye nicht mehr viel. Er versuchte sein Glück wieder am Rhein, doch mit Fortuna Düsseldorf musste er 1987 aus der Bundesliga absteigen. Die Karriere war grundlegend beschädigt. Aber der Geldbeutel war voll. Der von Borussia Mönchengladbach und der von Karl del‘Haye. Ob das für den Spieler, der bis heute als Synonym für einen Bayern-Fehleinkauf gilt, ein Trost ist? Wir wissen es nicht.

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