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Dreißig Bundesliga-Negativrekorde für die Ewigkeit

Dreißig Bundesliga-Negativrekorde für die Ewigkeit. FC Bayern, Borussia Dortmund, Gladbach, Hertha, HSV, Bremen, Freiburg, St. Pauli, Fürth, Tasmania Berlin

Ein ganz besonderer Negativrekord für den BVB: 0:12 gegen Borussia Mönchengladbach im Saisonfinale 1978.

Es geht nicht um Worst-Case-Szenarien, sondern um die Schlechtesten aller Zeiten. In der Bundesliga.

Rekorde, auf die kein Spieler, kein Trainer und kein Team stolz sein dürfte, denn die meisten dieser Negativ-Werte haben sich über Jahrzehnte gehalten, sind Teil der deutschen Fußball-Folklore und der Großteil dürften sogar für die Ewigkeit sein.

Eine Aufstellung des Grauens, Zahlen und Daten dafür, wie man es in der Bundesliga am besten nicht machen sollte. Unsere Autoren haben die schrecklichsten und skurrilen Negativrekorde der Bundesliga herausgepickt und die entsprechenden Mannschaften hinzugefügt. Und die Hintergründe und die Details analysiert.

Da sind dann die üblichen Verdächtigen, die man kennt, wenn es um sportliche Peinlichkeiten und um Trainer-Rauswürfe als eine Art Teil der eigenen Folklore geht, und von denen man Negativrekorde auch hätte erwarten können. Sie sitzen im hohen Norden und natürlich in Berlin, wo man auch fußballerisch den funktionierenden Teil der Republik öfters verlässt, als es den Fans in der Bundes-Hauptstadt lieb ist. Ein Klub, der nicht mal ein richtiger Aufsteiger war, hat hier Bundesliga-Negativ-Rekorde praktisch in Stein gemeißelt.

 

Negativ-Rekorde bei Bayern und beim BVB? Und es gibt sie doch!

Aber es gibt auch ein paar Negativwerte der ganz speziellen Art. Ziemlich strange – von Spielern, die Europameister und Weltmeister wurden und von denen man diese Zahlen sicherlich nicht erwartet hätte. Das Beste: AJA (all jokes aside) für einige Negativ-Höhepunkte haben Teams gesorgt, von denen das ebenfalls so schnell niemand vermuten würde. Die Bayern aus München sind dabei, der BVB ist gleich mehrfach vertreten. Auch die erfolgreichen Gladbacher, einmal allerdings wider Willen. Natürlich haben auch viele Fahrstuhlklubs ihren Platz im Negativranking. Und das völlig zu Recht! Nach dem Motto: Schlimmer geht immer. Auch in der Bundesliga.

Die Nordklubs sind Master of Desaster – wahre „Helden“ im Aufstellen von Negativrekorden, die Masterclass des fußballerischen Desasters. Auch die rheinischen Klubs sind immer mal wieder für einen gut. Das gilt für 3 der großen Klubs vom Rhein, von denen einer im Ranking der schlechtesten Klubs in bester Gesellschaft ist – gemeinsam mit 8 anderen Teams! Die Negativ-Rekorde der Fußball-Bundesliga – wir haben 30 herausgepickt, die immer auch in Verbindung mit einem Klub standen, die sich aber nicht auf vereinsinterne, sondern Liga-weite Werte beziehen.[svc_carousel_layout car_autoplay=”yes” dexcerpt=”yes” dmeta_data=”yes” dsocial=”yes” query_loop=”size:16|order_by:date|order:DESC|post_type:post|categories:17077″ grid_thumb_size=”200X172″ svc_class=”bigger-slider” title=”MEHR LIGALIVE – DIE GEHEIMNISSE DER BUNDESLIGA-KLUBS” pbgcolor=”#eaeaea” car_navigation_color=”#045b00″]827 – In Worten: Achthundertsiebenundzwanzig. Das ist die Anzahl der Zuschauer, die sich am 15. Januar 1966 im Berliner Olympiastadion verlieren.

Tasmania Berlin empfängt den Quasi-Mitaufsteiger Borussia Mönchengladbach. Aber das will keiner mehr sehen. Längst sind die Berliner zur Lachnummer der Liga geworden. Und bis die Gladbacher im Olympiastadion für einen Zuschauer-Rekord sorgen werden, wird es bis 1976/77 dauern, also noch fast 11 Jahre.

Auf diese Berliner hat niemand mehr Bock. Sie haben bis zum Spiel gegen die rheinische Borussia 16 von 18 Partien im „Oberhaus“, in das sie vom DFB „berufen“ wurden, verloren. „Nach dem Skandal bei der Hertha (Handgeldzahlungen) wurden wir im letzten Moment, kurz vor dem Start der neuen Spielzeit, als Berliner Klub in die Bundesliga berufen“, erinnert sich Wulff-Ingo Usbeck („Ringo“), erster Torschütze für Tasmania Berlin in der Bundesliga, 2003 im Bundesliga-Lexikon der DFL, „schon damals wussten wir, dass die Vorbereitung auf die schwere Saison viel zu kurz war.“ Das ist kein Wunder, wenn die Spieler zum Teil per Radio-Reisemeldung aus dem Urlaub geholt werden müssen, um dann Bundesliga zu spielen…

Hatte Tasmania zum Start – beim 2:0-Sieg gegen den Karlsruher SC – noch 80.000 Zuschauer ins Olympiastadion gelockt, so waren es nun noch 827. Allein 7 Punkte Rückstand hat der Berliner Außenseiter vor diesem 19. Spieltag schon auf den Tabellenvorletzten Borussia Neunkirchen, 9 sind es bereits auf den KSC und Rang 16. Was passt zu so einem tristen Anlass am besten? Genau. Ein 0:0.8. Spieltag der Saison 2014/2015. Wir nehmen es vorweg: Es ist eine der jüngeren Spielzeiten ohne Meisterschaftskampf. Mit 10 Punkten Vorsprung geht der FC Bayern München vor dem VfL Wolfsburg durchs Ziel.

Die Bayern sind im Tiki-Taka-Modus von Pep Guardiola nur schwer zu schlagen und verlieren nur 5 Saisonspiele. Die Schießbude der Liga steht schon 2014/2015 im hohen Norden Deutschlands. Werder Bremen wird am Saisonende zwar 10. in der Tabelle, doch die Hanseaten müssen 65 Gegentore hinnehmen – so viele wie sonst nur der Absteiger SC Paderborn. Sie stehen mit einem Torverhältnis von minus 10 jenseits von Gut und Böse.

Wie krass die Unterschiede zwischen den einstigen Dauer-Rivalen aus Nord und Süd mittlerweile sind, zeigt sich am 18. Oktober 2014. Die Bremer geraten in der Allianz Arena mit 0:6 unter die Räder.

Schon zur Pause steht es 4:0 für den FC Bayern, bei dem sich sogar je 2-mal Philipp Lahm und Mario Götze in die Torschützenliste eintragen dürfen, neben Xabi Alonso und Thomas Müller. Das aber ist nicht das eigentlich Bemerkenswerte bzw. aus Bremer Sicht Erschreckende. Nein, anders! Erstmals seit Beginn der Datenerfassung in der Bundesliga im Jahr 1993 – seitdem wissen wir, welcher Spieler sich den linken Stutzen zuerst anzieht – bleibt eine Mannschaft in 90 Minuten ohne einen einzigen Torschuss. 19:0 lautet die Torschussbilanz zugunsten der Münchner. Vielleicht liegt es am hohen Laufpensum, das die Bremer aus der Puste bringt und sie daran hindert, auf das Tor von Manuel Neuer zu schießen. Sie spulen 6 Kilometer mehr herunter als der Gegner…„Der Club is a Depp“ – Dieses geflügelte Nürnberger Sprichwort wird seit 1969 fast im Jahres-Rhythmus angewandt – von Fans und Medien.

Die Nürnberger – bis zu ihrer Ablösung durch den FC Bayern München 1987 stolzer deutscher Rekordmeister – halten mehrere traurige Rekorde in der Fußball-Bundesliga.

Kein anderer Verein musste so oft die Segel streichen wie der FCN. 9-mal stiegen die Franken seit der Liga-Gründung 1963 ab. Kurios: Damit ist die Anzahl der Bundesliga-Abstiege so hoch wie die der deutschen Meistertitel für die „Clubberer“.

Zuletzt rauschen die Nürnberger 2019 aus der Bundesliga ab. Alleiniger Rekord-Absteiger sind sie jedoch schon 2014, als sie mit dem 8. Gang in die 2. Liga Arminia Bielefeld überholen. Ein Abstieg, der mit „verdient“ noch sehr milde umschrieben ist. Mit 11 Niederlagen aus den letzten 12 Spielen (!) geht es für den „Club“ beinahe ungebremst in die 2. Liga.Eine Spieltag in der Fußball-Bundesliga wie kein anderer.

Die Heim-Mannschaften blamieren sich in Runde 6 der Saison 2019/2020, einer Spielzeit, die auch durch die Unterbrechung nach der Corona-Pandemie historisch bleibt, in geschichtsträchtigem Umfang.

In 9 Heimspielen holen die gastgebenden Teams nur einen einzigen Punkt. Borussia Dortmund rettet mit einem insgesamt für die Favre-Elf nicht befriedigenden 2:2 gegen Werder Bremen die Ehre der Heim-Schläfer. Den Vogel aber schießt der 1. FC Köln ab: Die „Geißböcke“ gehen im Sonntagsspiel mit 0:4 gegen Hertha BSC unter. Einen überraschenden Auswärtssieg landet der FC Schalke 04 beim 3:1 bei Tabellenführer RB Leipzig.

Eine Woche später steht fest: Noch nie in mehr als 55 Jahren Bundesliga hat es nach 7 Spieltagen so viele Auswärtssiege gegeben wie in der Saison 2019/2020.

 

Nie waren die Gästeteams stärker als 2019

Diesen Rekord hat die Liga nach diesem frühen Zeitpunkt schon in der Tasche. 25-mal dürfen die Gästeteams bislang jubeln, 25-mal schallt am Ende der Ruf ,,Auswärtssieg, Auswärtssieg” durch die Stadien, erstmals in fast 57 Jahren deutsche Fußball-Eliteliga gibt es mehr Auswärts- als Heimerfolge. 25 Auswärtssiege, das ist ein historischer Rekordwert, der die 24 Erfolge in gegnerischen Stadien nach 7 Spieltagen aus den Spielzeiten 2011/2012 und 2015/2016 übertrumpft.Der 1. FC Nürnberg gehört fraglos zu den „Spezialisten“ der Bundesliga. Die Fans in Franken, so muss man feststellen, fürchten sich regelrecht vor dem Erfolg!

Das ist kein Wunder. Jedes Mal, wenn seit 1968 der Name 1. FC Nürnberg in eine Trophäe eingraviert wird, gibt es im Jahr danach eine Mega-Blamage. Oder gleich einen Negativ-Rekord.

Wie 2008. Als amtierender Pokalsieger muss der 1. FC Nürnberg am Saisonende 2007/2008 in die 2. Liga. Die Mannschaft von Trainerlegende Hans Meyer („In jeder Mannschaft gibt es ein paar richtig blöde Spieler“) kommt mit der Doppelbelastung Liga und UEFA-Cup nicht zurecht – und steigt ab. Doch es geht noch schlimmer.

Im Jahr 1968 holt der 1. FCN unter Trainer Max Merkel zum ersten und einzigen Mal in der Bundesliga-Ära die deutsche Meisterschaft. Als Meisterprämie, so verrät FCN-Spieler Fritz Popp 2003, gibt es eine AEG Waschmaschine und eine Junghans-Uhr. Man gönnt sich ja sonst nichts. Ein Jahr später fallen die Geschenke mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dürftiger aus. Der „Club“ vollbringt ein historisches Kunststück. Als Meister steigt man 1968/69 ab – bei nur 18 Zählern weniger als in der Meistersaison! Von Platz 1 auf 17, das hat es zuvor und danach nie wieder in der deutschen Fußball-Eliteliga gegeben. Fritz Popp: „Dass wir ein Jahr nach dem Meisterstück absteigen mussten, ist nicht zur Nachahmung empfohlen.“

Sie sind die ewigen Pechvögel der Bundesliga. Wo sie waren, war unten, wo sie spielten, musste man in jeweils 5 Fällen am Ende der Saison absteigen.

Gemeint sind die 3 Spieler, die sich mit je 5 Abstiegen aus der Bundesliga einen Negativ-Rekord teilen. 3-mal bzw. 2-mal beteiligt sind dabei auch die Klubs Karlsruher SC und KFC Uerdingen.

Stephan Paßlack hat 4-mal für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gespielt. Aber der Außenverteidiger ist eben auch 5-mal aus der ersten Liga abgestiegen. Allein 3-mal (1991, 1993, 1996) erwischt es ihn mit Bayer 05 bzw. KFC Uerdingen, zudem ein Mal mit Borussia Mönchengladbach (1999) und 2003 mit Rekord-Absteiger 1. FC Nürnberg.

Mit dem 1. FC Nürnberg runter muss auch der Rekord-Absteiger unter den Torhütern: Jürgen Rynio. Der Keeper ist 1972, beim bis heutige einzigen Gang von Borussia Dortmund in die Zweitklassigkeit, mit dabei. Beim BVB hätten sie gewarnt sein sollen, als sie den gelernten Bergmann aus Gelsenkirchen holten: Rynio ist bereits 1968 mit dem KSC und 1969 mit Meister Nürnberg abgestiegen. Dieses Pech verfolgt ihn auch bei seinen weiteren Stationen. 1978 geht es für ihn nach einem Jahr mit dem FC St. Pauli runter, 1986 steigt das ehemals „größte Torwart-Talent des Ruhrgebiets“ mit Hannover 96 ab.

 

2-mal oder häufiger runter mit dem gleichen Klub

Andreas Keim ist mit einem Verein gleich 2-mal abgestiegen: 1989 und 1992 mit den Stuttgarter Kickers. Auch auf seinen übrigen Bundesliga-Stationen hat der gebürtige Karlsruher wenig Glück. Nur mit dem 1. FC Köln muss er nicht in die 2. Liga – mit dem FC Homburg (1988), Fortuna Düsseldorf (1987) und zuvor mit dem KSC (1985) schon.Kein Bundesliga-Absteiger war so schwach, dass er nicht mindestens ein Mal auswärts gewonnen hat. Das möchte man denken! Aber: Tasmania Berlin, der Gralshüter der Negativ-Rekorde in der Bundesliga, hält auch diesen Wert.

Die Berliner, als Tabellendritter der Stadtliga 1965 nach dem Lizenzentzug von Skandalnudel Hertha BSC in die Bundesliga gehievt, bleiben in einer beispiellosen Katastrophen-Spielzeit 1965/66 ohne Auswärtssieg.

28 von 34 Spielen verliert die Tasmania insgesamt, auch das ist natürlich ein Bundesliga-Minusrekord.

Auswärts kriegen es Horst „Schimmi“ Szymaniak, Wulf-Ingo „Ringo“ Usbeck und Co. so richtig auf die Ohren: Sie verlieren 16 von 17 Spielen, bei 1:33 Toren! In Bremen, Gladbach und Hannover gibt es jeweils ein 0:5, in Nürnberg ein 2:7.Bernard Dietz gehört zu den angesehensten Profis im deutschen Fußball. Fleißig, diszipliniert, skandalfrei, verkörpert „Ennatz“ bis heute den Malocher-Typ aus dem Ruhrgebiet. 2018 wird seine große Geschichte im Dokumentarfilm Ennatz – Eine Zebralegende erzählt.

Dietz steht ab 1970 und für insgesamt 17 Jahre für den MSV Duisburg und den FC Schalke 04 als Fußballprofi auf dem Rasen. Größter Erfolg seiner Laufbahn: UEFA-Cup-Halbfinale 1979 mit den Meiderichern und 1980 Europameister in Italien mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft – als Kapitän.

Da der gelernte Linksverteidiger mit dem MSV und auch mit den Schalkern – 1983 steigt er mit den „Knappen“ nach Niederlage in der Relegation gegen Bayer Uerdingen ab – allzu oft im Abstiegskampf steht, sichert er sich auch einen traurigen Rekord. Kein anderer Bundesligaspieler verlor mehr Spiele in seiner Laufbahn als Dietz. 221-mal ging Bernard Dietz mit seinem Team als Verlierer vom Platz, bei insgesamt 495 Spielen.

Kurios: Das 1:2 gegen Borussia Mönchengladbach in seinem letzten Spiel am 8. November 1986 macht ihn zum alleinigen Rekordhalter! Mit dieser Pleite überholt Dietz nämlich unfreiwillig eine andere Bundesliga-Legende: Karl-Heinz „Charly“ Körbel. Der Frankfurter hat von seinen 602 Spielen im SGE-Trikot 220 verloren.Erfolg macht blind, heißt es. Das wissen sie bei Alemannia Aachen wohl nur allzu gut.

1963 bei der Bundesliga-Gründung nicht berücksichtigt, schaffen die Aachener es 4 Jahre später endlich in die deutsche Fußball-Eliteliga. Einstellung, Willen, Begeisterungen – diese Tugenden lebt die Mannschaft vom Tivoli.

Sie tritt als verschworene Einheit auf und stürmt 1968/69 zur Vizemeisterschaft. Besser ist nur ein gewisser FC Bayern München, der in diesem Jahr zum ersten Mal in der Bundesliga die Meisterschale schnappt. Die höchsten Siege der (kurzen) Aachener Bundesliga-Geschichte fallen in diese Spielzeit: 4:0 gegen 1860 München und gegen den MSV Duisburg.

Im Jahr danach klappt auf dem Tivoli allerdings gar nichts mehr. Der Vizemeister muss absteigen, bis heute einmalig. „Leider“, so berichtet Aachen-Legende Josef „Jupp“ Martinelli im Jahr 2003, „hat uns der Anfangserfolg mit der Vizemeisterschaft 1969 geblendet. Im 3. Jahr begann unsere Leidensgeschichte, der Abstieg folgte“ – Mit 83 Gegentoren!Es gibt bestimmt vieles, was man Gerd Müller in 14 Bundesliga-Jahren mit dem FC Bayern München zutraut, aber sicher keinen Negativ-Rekord.

Gerhard „Gerd“ Müller steht eigentlich für die positiven fußballerischen Werte, die für die Ewigkeit sind. Seine 365 Bundesliga-Tore in nur 427 Spielen sind für immer unerreichbar. Dazu kommen die meisten Tore (40) in einer Saison, 1971/72 und 23 Treffer in 16 aufeinanderfolgenden Bundesliga-Spielen zwischen dem 27. September 1969 und dem 3. März 1970. Und viele mehr.

Was nur wenige wissen: Der „Bomber der Nation“, 7-mal Torschützenkönig in der Liga, hat aber auch eine Negativ-Bestmarke in seinen Statistiken. Gerd Müller verschießt die meisten Elfmeter in der Bundesliga-Geschichte – 12-mal vergibt er bei 63 Anläufen vom ominösen Punkt.

Auf der Haben-Seite stehen aber auch 51 verwandelte Elfer, nur Hamburg-Idol Manfred „Manni“ Kaltz trifft aus 11 Metern häufiger als Müller – 53-mal, bei 60 Ausführungen. Die meisten Elfmeter vergibt Müller übrigens in seinem Rekord-Jahr 1971/72, als er gegen Braunschweigs Bernd Franke, Bochums Harry Bohrmann und den Stuttgarter Torhüter Zlatko Skoric verschießt. 2-mal hält Werder-Legende Dieter Burdenski gegen Gerd Müller.

Der SC Freiburg hat schon oft für positive Überraschungen in der Bundesliga gesorgt. 1994/95 wird die Mannschaft unter dem legendären Trainer Volker Finke sogar Dritter – und zieht erstmals in den UEFA-Pokal ein.

10 Jahre später läuft aber nicht viel zusammen. Die Freiburger lassen sich nicht nur einmal abschießen, sondern sie beendeten die Saison mit 18 Punkten – die schlechteste Bilanz seit Einführung der 3-Punkte-Regel zur Saison 1995/96 und die viertschlechteste der gesamten Bundesliga-Geschichte (Stand: 2019/2020).

Noch schlechter sind Hertha BSC 1990/91 mit 17 Punkten, der Wuppertaler SV 1974/75 (14 Punkte) und natürlich Tasmania Berlin 1965/66 mit 10 Zählern – alles auf die 3-Punkte-Regel hochgerechnet, aber eben alles noch im Zeitalter, als es für einen Sieg 2 Zähler gibt.

Freiburg 2004/2005? Finkes bunte Vögel sind vogelwild! Sie holen nur 3 Siege, davon 2 gegen den VfL Wolfsburg und haben am Ende 18 Punkte Rückstand auf den rettenden 15. Platz! Nie wirkt das Freiburger Modell mit jungen Talenten aus der Region und französischsprachigen Legionären statt teurer Stars abgenutzter als in dieser Saison.Der FC Bayern München hat sich im Frühjahr 2019 auf die Aufholjagd gegen Borussia Dortmund gemacht.

Am 15. Februar 2019 gilt es im Freitagsspiel der Fußball-Bundesliga beim Nachbarn FC Augsburg, gegen den BVB, der erst montags spielt, vorzulegen. Danach sieht es anfangs nicht aus. Ohne einzigen Ballkontakt sind die Bayern allesamt beim 1:0 nach 12 Sekunden per Eigentor von Leon Goretzka aufs Kreuz gelegt.

Goretzka lenkt den Ball ins eigene Netz und düpiert damit Manuel Neuer, den Weltmeister und besten Keeper seiner Zeit. In diesem Moment hat der große FC Bayern einen Negativ-Rekord in der Liga sicher.

Es ist das schnellste Eigentor der Bundesliga-Geschichte. Damit ist Lothar Matthäus, der 1986 nach 13 Sekunden gegen Gladbach für die Bayern ins eigene Tor trifft, als Rekordmann für diese nicht zum Angeben geeignete Bestmarke abgelöst.

 

Eigentor nach 12 Sekunden – Kann man mal so machen…

„Klar kannst Du am Dienstag in Anfield auch nach 12 Sekunden in Rückstand gehen“, unkt Europameister Matthias Sammer bei Eurosport mit Blick auf diese Szene und auf die anstehende Groß-Aufgabe im Champions-League-Achtelfinale beim FC Liverpool und Jürgen Klopp, „aber nicht so…“Auf diesen Moment hat Dennis Diekmeier lange warten müssen. Vielleicht hat er schon nicht mehr so richtig daran geglaubt.

Vielleicht hat er im Innenohr auch die Stimme von HSV-Legende Anthony Yeboah gehört: „Ich habe immer gewusst: Tor kommt!“ Tja, vielleicht aber auch nicht. Wie auch immer. Es ist wirklich schade, dass am 27. Mai 2020 keine Zuschauer in der Brita Arena in Wiesbaden sein dürfen. Die Corona-Pandemie zwingt die Fußball-Ligen zu „Geisterspielen“ in leeren Stadien. Aber die TV-Kameras sind da und sie filmen das „Wunder von Wiesbaden“.

Dennis Diekmeier erzielt ein Tor – und was für ein wichtiges! Mit dem 1:0 für den SV Sandhausen, für den der zwischenzeitlich in der Vereinslosigkeit gelandete Ex-HSV-Profi seit 2019 kickt, hilft er den Kurpfälzern im Abstiegskampf entscheidend weiter.

 

Der Tag, an dem Dennis Diekmeier einmal ein Tor erzielte

Diekmeier schreibt seine eigene Geschichte um. Der berühmteste Torlos-Spieler des deutschen Fußballs zeigt, dass er es eben doch kann. In seinem 353. Spiel als Fußball-Profi gelingt Diekmeier, zuvor für Werder Bremen II, Werder Bremen, den 1. FC Nürnberg und den Hamburger SV aktiv, erstmals ein Tor.

In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit trifft Diekmeier und bestraft damit sämtliche HSV-Hater. Beim Hamburger SV bleibt man ob dieser Nachricht hingegen cool. „Das hat sich schon lange abgezeichnet“, twittern die Hanseater in ihrem offiziellen Kanal. Für uns das Schönste: Ligalive.net ist live am Schirm dabei. Wer ist nicht gern Zeuge, wenn Geschichte geschrieben wird?

In Diensten des HSV hat Dennis Diekmeier am ersten Spieltag der Saison 2017/2018 gegen den FC Augsburg (1:0) in seinem 182. Bundesliga-Spiel den Torlos-Rekord von Markus Schuler egalisiert. Eine Woche später holt er sich beim 3:1 der Hanseaten in Köln den alleinigen „Torlos-Rekord.“

„Endlich ist der Fluch vorbei“, jubelt Diekmeier nach seiner Tor-Premiere bei Sky, „endlich hat ein Trainer gemerkt, dass ich bei Ecken nach vorne gehöre, sonst muss ich ja immer hinten absichern. Deshalb konnte ich auch nie ein Tor machen.“ Daran muss es gelegen haben. Oder, um es mit HSV-Idol Richard Golz zu sagen: „Wahrscheinlich lag es am Ball!“1:0 gegen Hannover 96 am 1. Spieltag – Hertha BSC startet ordentlich in die Saison 2009/2010. Kein Wunder, in der Vorsaison hat man am 33. Spieltag noch von der Meisterschale in Berlin träumen dürfen…

Das ist es dann aber auch schon mit den Siegen in der Vorrunde. Außer 3 Unentschieden bringt die alte Dame bis zum Winter nichts mehr zustande. Trainer Lucien Favre wird geschasst und das Chaos nimmt seinen Lauf. Der Manager-Novize Michael Preetz leistet ganze Arbeit.

Ergebnis: Mit nur 6 Punkten ist dies die schlechteste Vorrundenbilanz seit Einführung der Drei-Punkte-Regel. Unter Favre-Nachfolger Friedhelm Funkel steigen die Berliner trotz einer besseren Rückrunde mit 18 Punkten und immerhin Rang 13 im Rückrunden-Tableau als Gesamt-Tabellenletzter ab. Die Hypothek aus der Vorrunde wiegt zu schwer. „Ich habe bis zuletzt auf Hertha gesetzt und so viele Wetten verloren – ich weiß gar nicht, wem ich alles ein Essen schulde“, gerät Hertha-Legende Andreas „Zecke“ Neuendorf in die Bredouille. „Der Verein konnte den Verlust von Pantelic, Simunic und Voronin nicht kompensieren“, analysiert Nationalspieler Arne Friedrich in einem KickerInterview, „ja, und unsere Heimbilanz ist für mich immer noch nicht zu erklären.“ Für die wenigsten! Sind es 2008/2009 noch 12 Siege im Olympiastadion – Hertha ist das viertbeste Heimteam – so ist es im Jahr darauf nur ein einziger Heimsieg, eben der gegen Hannover!

Aber, wie wir gelernt haben, schlimmer geht immer! Der 1. FC Köln egalisiert den Negativrekord der Berliner in der Saison 2017/2018. Im Sommer 2017 noch auf Europa-League-Wolken, legen die Kölner einen krassen Absturz hin. Nur 6 Punkte, bei ebenfalls einem einzigen Sieg. Und nein, es reicht auch bei den „Geißböcken“ nicht, um in der Rückrunde „Alles wird jut“ anzustimmen: Mit 22 Punkten und 9 Zählern weniger als der 17. und Mit-Absteiger Hamburger SV muss der Europacup-Teilnehmer wieder mal in die 2. Liga.FC St. Pauli in der Bundesliga – das ist Kult, „Paadie“, Erfolg für eine Nacht, aber auch Peinlichkeit!

Was den Berlinern und Kölnern 2009 und 2017 in der Vorrunde gelingt, schaffen die „Kiez-Kicker“ auch. Nur umgekehrt. Nach der Vorrunde der Spielzeit 1996/97 liegt der FC St. Pauli mit 21 Punkten noch im gesicherten Mittelfeld.

Dann jedoch folgt der Absturz in der Rückrunde mit nur noch einem Sieg und insgesamt 6 Punkten. Mit der schlechtesten Rückrundenbilanz seit 1990/91 – Hertha BSC mit 6 Punkten und einer Tordifferenz von minus 32 – steigen die „Paulianer“ als Letzter ab. Lediglich 7 Siege und 6 Remis stehen am Saisonende 21 Niederlagen gegenüber. 6 Zähler in einer Rückrunde legen vor Einführung der 3-Punkte-Regel im Jahr 1995 noch der Wuppertaler SV 1974/75 (Tordifferenz: Minus 25) und die bei Negativrekorden selten nicht vertretene Pechmarie Tasmania Berlin 1965/66 mit 6 Zählern (Torverhältnis: Minus 43!) hin. Nach 1997 blamiert sich der 1. FC Kaiserslautern 2011/2012 mit 7 Rückrundenzählern.

Und die „Kiez-Kicker“ so? Ihr Niedergang verläuft rasant. Schon am 19. Spieltag steht Pauli auf einem Abstiegsplatz. Die letzten 7 Spiele gehen allesamt verloren. Nach der 0:4-Klatsche in Freiburg wird Trainer Uli Maslo entlassen. Doch auch das hilft nichts: Unter Nachfolger und „Kumpel-Typ“ Klaus-Peter „Wie-war-nochmal-der-geschätzte-Name“ Nemet folgen 1:18 Tore und null Punkte aus den restlichen 6 Partien.

Kult-Torhüter Klaus Thomforde sieht klar: „Wir waren einfach zu schwach, die Substanz in der Mannschaft war aufgebraucht und wir haben es schließlich nicht mehr geschafft, uns zusammenzuraufen.“ Stimmt – das ist schließlich Bundesliga und nicht irgendein Startup-Quatsch aus der Schanze.
Ohne den 1. FC Nürnberg – und das merkt man erst, wenn er in der 2. Liga spielt – fehlt der Bundesliga was.

Der 1. FC Nürnberg ist Rekordabsteiger, das wissen viele. 2018/2019 erwischt es die Franken zum 9. Mal, damit ist der Rekord sogar ausgebaut.

Es gibt jedoch noch einen zweiten Wert, auf den in Nürnberg niemand stolz ist. In der Spielzeit 1983/84 bleibt der 1. FC Nürnberg ohne einen einzigen Auswärtspunkt – als einziges Team der Bundesliga-Geschichte!

Das ist nicht mal dem auf Pleiten abonnierten Klub Tasmania 1900 passiert! Die Berliner holen einen Ehrenpunkt und zwar ausgerechnet am berühmt-berüchtigten Betzenberg, beim 1. FC Kaiserslautern (0:0).

 

Nürnberg hat Qualität, doch auch eine Auswärts-Allergie

Damit wir uns richtig verstehen: Die Nürnberger stellen in der 21. Saison seit der Einführung der Bundesliga sicherlich nicht die nominell schlechteste Mannschaft! Torhüter Rudi Kargus, der österreichische Nationalspieler Reinhold Hintermaier, die Revier-Stürmer Rüdiger „Abi“ Abramczik und Manfred „Manni“ Burgsmüller vom BVB, die späteren Bayern-Stars Norbert Eder und Roland Grahammer, der von Eintracht Frankfurt geholte Mittelfeld-Regisseur Stefan Lottermann – „eine Menge Qualität“, wie man im modernen Fußball mittlerweile ein erfolgloses Team charakterisiert.

Doch es will auswärts einfach nichts klappen, trotz der hochkarätigen Besetzung im Sturm, die noch durch Werner Dreßel, Dieter Trunk und Werner Heck ergänzt wird. In 10 der 17 Auswärtsspiele bleiben die Nürnberger ohne Torerfolg. Beim Meister VfB Stuttgart setzt es gar ein 0:7. Saisonübergreifend kassiert der „Club“ 29 Auswärtsniederlagen in Folge – Rekord.

Noch länger muss aber eine andere Mannschaft auf einen Auswärtssieg warten.Auswärts noch schlechter als der FCN? Das geht! Und zwar beim Nürnberger Erzrivalen Eintracht Frankfurt.

Mit 3 Siegen und 3 Unentschieden ist Eintracht Frankfurt die schlechteste Auswärtsmannschaft der Saison 2015/2016. Einem Drama in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg (1:1 / 1:0) verdanken sie es, dass sie weiter in der 1. Liga spielen und zu einem ungeahnten Höhenflug ansetzen dürfen.

Aber die Hessen können es noch schlechter. Fast 2 Jahre bleibt Eintracht Frankfurt Mitte der 1980er-Jahre ohne Auswärtssieg. 34 Spiele in Serie gewinnen die Hessen kein Gastspiel. Da Frankfurt traditionell für Drama steht, gibt es zwischendurch mal ein 3:3, wie in Mönchengladbach oder in Bochum.

Und sonst? Nicht mal die abgeschlagenen Tabellenletzten, Hannover 96 und Blau-Weiß 90 Berlin können die Frankfurter auswärts bezwingen! Eine Nullnummer in Hannover und ein 2:2 im Berliner Olympiastadion – trostlos.

 

34 Auswärtsspiele ohne Sieg – und dennoch nicht abgestiegen!

Die Frankfurter Auswärtsmisere beginnt an einen Dienstagabend. Am 3. September 1985 verliert die Mannschaft von Trainer Dietrich Weise mit 1:2 beim VfL Bochum und muss danach lange auf einen Sieg in einem fremden Stadion warten. Das Kuriose dabei: Die Frankfurter steigen trotz der langen Negativserie in dieser Zeit nicht ab: 2-mal Platz 15 ist die dennoch schmale Bilanz am Ende der beiden Spielzeiten ohne Auswärtssieg.

Wer Frankfurt in diesen tristen 2 Jahren auf gegnerischen Plätzen siegen sehen will, muss Karten für die Pokalspiele haben: 1:0 nach Verlängerung beim damals noch in der Oberliga Südwest kickenden FSV Mainz 05, 3:1 bei Wattenscheid 09.

Die Erlösung gibt es erst am 25. August 1987, und zwar am 5. Spieltag der Saison 1987/88. Ein 3:1 bei Bayer Leverkusen mit 2 Toren eines gewissen Andreas Möller beendet den Frankfurter Auswärtsfluch.„Bruce Willis kommt aus Idar-Oberstein, José Mourinho war in Fürth, also Sachen gibt’s!“ (Jürgen Klopp nach dem 6:1 mit Borussia Dortmund in Fürth)

Die bislang einzige Bundesligasaison bringt der SpVgg Greuther Fürth zwar Star-Besuch, aber keinen Heimsieg!

4 Unentschieden und 13 Niederlagen verbuchen die Franken im eigenen Stadion, der Trolli Arena. Es ist das einzige Team in der Bundesliga-Geschichte, das zu Hause nie gewinnen kann.

Das zeigt Wirkung: Vom 15. Spieltag bis zum Saisonende stehen die Franken durchgehend auf dem letzten Platz. „Es ist schade, diesen Aufstieg hatten wir uns hart erarbeitet – und jetzt konnten wir den Traum leider nicht genießen“, bleibt Fürths Präsident Helmut Hack nur ein bitteres Fazit.

Hack sitzt am 13. April 2013 neben dem mit Sicherheit prominentesten Tribünengast in Fürth in dieser Saison. José Mourinho von Real Madrid taucht zum Scouting im Fränkischen auf. „Weil er kommt, herrscht in Fürth Ausnahmezustand“, heißt es dazu im Kicker-Special Die große Bilanz 2012/13, „der große José Mourinho, Star-Trainer von Real Madrid, zu Gast im kleinsten Bundesliga-Stadion.“ Er sieht ein 1:6 gegen Borussia Dortmund, dem Gegner der „Königlichen“ im Champions-League-Halbfinale und wird von bis zu 8 Bodyguards abgeschirmt. Eine bizarre Vorstellung, stößt der Bundesliga-Standort Fürth doch gerade in solchen Situationen an seine Grenzen. „Bruce Willis kommt aus Idar-Oberstein, José Mourinho war in Fürth, Sachen gibt’s“, wundert sich auch BVB-Coach Jürgen Klopp.

 

5 Pleiten in den letzten 5 Heimspielen – Die Bilanz eines Absteigers

Dass die Fürther am Ende direkt wieder absteigen müssen, liegt auch an den letzten 5 Heimspielen, die alle verloren gehen. Da nützt auch der Derbysieg beim 1. FC Nürnberg nichts, der Aufwärtstrend kommt zu spät. Nur 4 Punkte zu Hause gegen Werder Bremen (1:1), Nürnberg (0:0), den FC Augsburg (1:1) und Bayer Leverkusen (0:0) – das ist zu wenig.[svc_carousel_layout car_autoplay=”yes” dexcerpt=”yes” dmeta_data=”yes” dsocial=”yes” query_loop=”size:16|order_by:date|order:DESC|post_type:post|categories:17077″ grid_thumb_size=”200X172″ svc_class=”bigger-slider” title=”MEHR LIGALIVE – DIE GEHEIMNISSE DER BUNDESLIGA-KLUBS” pbgcolor=”#eaeaea” car_navigation_color=”#045b00″]Arminia Bielefeld ist zwar nicht das erste, aber ist das bis heute letzte Team, dem ein besonderes Malheur passiert.

Die Ost-Westfalen kassieren von November 1999 bis Februar 2000 exakt 10 Niederlagen in Serie.

Nie verliert eine Mannschaft innerhalb einer Saison häufiger hintereinander in der Bundesliga als die Arminia. Die Serie des Grauens beginnt am 21. November 1999, einem grauen Bundesliga-Sonntag. Mit 0:5 gerät Arminia Bielefeld beim HSV, der sich in dieser Saison für die Champions League qualifiziert, unter die Räder. Danach bringt die Mannschaft von Trainer Hermann Gerland kein Bein mehr auf den Boden. Bayer Leverkusen (1:2), Unterhaching (0:2), Duisburg (0:1), Bayern München (1:2), Stuttgart (1:2), Schalke (1:2), Hertha BSC (0:2), Kaiserslautern (1:2) und Wolfsburg (0:2) machen die Rekord-Negativserie perfekt.

Als Bielefeld am 3. März 2000 in Freiburg (1:1) den freien Fall bremst, ist es zu spät. Da steht der Klub aus der Stadt, die es gemäß der in dieser Zeit populären Internet-Verschwörungstheoretiker gar nicht gibt, schon auf Rang 18 und steigt schließlich als Vorletzter ab.

 

Erster Abstieg für den „Tiger“

Der später als Assistenzcoach von Jupp Heynckes bei Bayern München zu Champions-League-Ehren gekommene Hermann Gerland versteht die Fußballwelt nicht mehr. Zum ersten Mal in etlichen Jahren als Coach und als Profi ist der „Tiger“ abgestiegen. „Manchmal wache ich nachts auf“, verrät Gerland, „und denke, ich bin im falschen Film.“Für Hansa Rostock geht am Ende der Saison 2004/2005 eine Ära zu Ende. Nach 10 Jahren in Folge müssen die Hanseaten aus der Bundesliga absteigen.

Selbst wenn RB Leipzig auf Sicht diese Bestmarke eines Ost-Klubs in der höchsten deutschen Spielklasse brechen wird, so kann man beim FC Hansa stolz auf diese Bestmarke sein.

Über den Abschied aus der Bundesliga würde man an der Ostsee wohl lieber den Mantel des Schweigens legen. Anders gesagt: Hätte Rostock die Saison 2004/2005 mit einer Serie von Auswärtsspielen begonnen, wäre es wahrscheinlich wieder gut gegangen

Zu Hause läuft im schmucken Ostseestadion anfangs gar nichts. Die ersten 8 Heimspiele gehen verloren. So viele Niederlagen hintereinander auf eigenem Platz hat zuvor nur Tasmania Berlin, der Master of Desaster in der Bundesliga-Historie, kassiert. So ist der Abstieg für den letzten DDR-Meister von 1991 am Ende nicht mehr abzuwenden. Am 32. Spieltag ist Schluss – 0:3 bei Bayer Leverkusen, nachdem man zuvor mit 2:1 gegen Hertha BSC einen von nur 4 Heimsiegen einfahren kann.
Es gab eine Zeit, da war der 1. FC Köln richtig schlecht – Nur eine? In diesem Fall ist es die Abstiegs-Saison 2001/2002.

Satte 1.034 Minuten hat der 1. FC Köln von Dezember 2001 bis Februar 2002 nicht ins gegnerische Tor getroffen – das sind mehr als zehn Spiele und das ist nach wie vor Bundesliga-Rekord. Nie ist eine Mannschaft länger ohne eigenen Treffer geblieben.

Am 1. Dezember 2001 beginnt die ominöse Serie für den FC – mit einem 0:2 gegen Titelanwärter Borussia Dortmund. Sie wird am Ende mit entscheidend sein für den 2. Bundesliga-Abstieg der Rheinländer nach 1998.

In den folgenden 10 Spielen können die erst von Ewald Lienen, dann von Friedhelm Funkel vercoachten Kölner die Blockade nicht lösen. In der Partie beim 1. FC Nürnberg (0:2) stellen sie am 23. Februar 2002, inzwischen auf den letzten Platz abgerutscht, einen neuen Torlos-Rekord in der Bundesliga auf.

 

Ein Elfmeter-Tor beendet die Horror-Serie

Sie übertreffen die bisherige Negativmarke des 1. FC Saarbrücken aus der Saison 1992/93 mit 964 Minuten ohne eigenen Treffer. Eine Woche später die (zu) späte Erlösung. Thomas Cichon trifft gegen Hertha BSC vom Elfmeterpunkt zum 1:1-Endstand. Wenn nichts mehr geht, muss eben der Libero her. Für „Tommi“ ist es im 101. Bundesliga-Spiel das erste Tor. Immerhin.

Das Kicker-Sportmagazin vermutet „einen Rekord für die Ewigkeit“ – und liegt richtig. Der Hamburger SV strengt sich in seiner Abstiegssaison 2017/2018 zwar an, den Trottel-Orden der Kölner zu holen, doch mehr als 5 Spiele ohne Tor sind für die Hanseaten nicht drin.Herbst 2014. Der Hamburger SV ist längst im Krisen-Modus.

Im Sommer gerade noch dank der Auswärtstor-Regel im Relegationsspiel bei der SpVgg Greuther Fürth (1:1 / Hinspiel: 0:0) dem 1. Abstieg der Vereinsgeschichte entgangen, sind die Hanseaten schon wieder angezählt. Der mächtige HSV-Investor Klaus-Michael Kühne hat „Retter“ Mirko Slomka öffentlich demontiert, wenig später wird der Mann, der von BILD einst als „der nette Herr Slomka“ ins Figurengemälde der Bundesliga eingeführt wurde, entlassen. Um den Hamburger SV (wieder mal) zu retten, müssen am Ende 4 Trainer her!

Es wird eine neue Saison des Leidens – unglaublich für jeden, der es mit der Raute hält. Ein Freistoßtor von Marcelo Diaz in der 90. Minute des Relegations-Rückspiels in Karlsruhe (2:1 n. V. / Hinspiel: 1:1) erlöst die HSV-Gemeinde an diesem 1. Juni 2015, der unter dem Motto „Tomorrow, my friend“ in die HSV-Geschichte eingeht. Das soll der Chilene Diaz HSV-Star Rafael van der Vaart zugezischt haben, als dieser den rettenden Freistoß zum 1:1 und zur Verlängerung schießen will…

Das geflügelte Wort von Diaz scheint auch die Devise der Hamburger zu sein, wenn es ums Tore schießen geht. Sie bleiben in den ersten 5 Spielen komplett ohne eigenen Treffer – 508 Minuten warten die leidgeprüften Fans auf den Torschrei. So lange hat vom Saisonstart weg noch kein anderer Klub seine Anhänger auf die Folter gespannt.

 

Erst nach 6 Spieltagen „müllert“ es auch beim HSV…

Das geht sogar so weit, dass man ein 0:0 gegen den Branchenriesen FC Bayern München am 4. Spieltag wie einen Sieg feiert. Der Spieler, der die Hamburger am 28. September 2014 beim 1:2 gegen Eintracht Frankfurt aus der Tor-Misere holt, heißt Nicolai Müller. Zum Start ins Abstiegsjahr 2017/2018 wird er sich beim 1:0 gegen den FC Augsburg beim Torjubel einen Kreuzbandriss zuziehen. Auch das passt zum HSV…In der Spielzeit 2015/2016 droht Werder Bremen lange die Blamage, in jedem Spiel mindestens ein Gegentor kassiert zu haben.

In den ersten 32 Spielen klingelt es immer im Bremer Kasten. Erst in den letzten beiden Spielen gestalten es die Norddeutschen 2 Mal zu Null und sichern die Klasse. Ein 1:0 im direkten Duell gegen Eintracht Frankfurt sorgt am 34. Spieltag dafür, dass der 4-malige Bundesliga-Meister nicht in die Relegationsspiele muss.

Am Ende der Saison haben die Bremer 65 Gegentore eingefangen, die zweitmeisten aller Bundesligisten. Nur der Tabellensiebzehnte Stuttgart ist noch schlechter.

 

Werder hat den Rekord-Torjäger, aber keine Abwehr!

Dass Werder Bremen nicht absteigen muss, verdankt man einem alten Mann. Es ist der 37-jährige Peruaner Claudio Pizarro, der sich in seinem 4. Engagement an der Weser den vereinsinternen Tor-Rekord sichert. Mit 102 Treffern löst er mit Marco Bode („Er sieht aus wie Steffi Graf“, Nelson Mandela) eine andere Werder-Ikone ab.

Pizarro kann die Tore zwar machen, aber in den seltensten Fällen verhindern. Die Bremer kriegen es zum Teil richtig derbe. 0:6 in Wolfsburg, 1:5 bei Borussia Mönchengladbach. Nur in den letzten beiden Spielen hält die Werder-Wackel-Abwehr, aus der nur einer hervorragt: Der spätere Premier-League-Profi Jannik Vestergaard, der am Saisonende nach Gladbach wechselt.Satte 28 Jahre hat die Braunschweiger Eintracht nach ihrem Abstieg 1985 auf die Rückkehr in die Bundesliga gewartet.

Dann jedoch geht alles zu Anfang schief. Mein lieber Knecht! Die Mannschaft des pfälzischen Trainers Torsten Lieberknecht schickt sich an, die Rekord-Marken von Tasmania Berlin pro-aktiv anzugehen.

Aus den ersten 7 Spielen holen die Niedersachsen nur einen Punkt, bei einer Tordifferenz von 3:18. Negativer Höhepunkt ist eine 0:4-Klatsche zu Hause gegen den VfB Stuttgart.

Und: Auch beim auf seine erste Relegation zusteuernden Hamburger SV, der sich am letzten Spieltag (2:3 in Mainz) mit den Braunschweigern ein Fernduell um die Relegation liefern wird, gibt es ein 0:4.

 

7 sieglose Spiele zum Start, 5 Niederlagen am Ende

Die Quintessenz: Nie ist eine Mannschaft in den ersten sieben Spielen schlechter in die Gänge gekommen als Eintracht Braunschweig. Die Niedersachsen steigen am Ende als Letzter ab. Warum? Weil sie nach dem Derby-Sieg gegen Hannover 96 (3:0) wieder in den Tasmania-Modus zurückschalten und die letzten 5 Spiele verlieren. Mit dem 1:3 in Sinsheim bei der TSG 1899 Hoffenheim verabschiedet sich Eintracht Braunschweig nach einjährigem Intermezzo wieder aus der Bundesliga und steigt 2018 sogar in die 3. Liga ab. Mein lieber Knecht!Der SC Paderborn startet gut in seine erste Spielzeit in der Bundesliga.

Anders als die letzten Außenseiter, die den ehrlichen Fußball in die Liga zurückbringen wollen, Alemannia Aachen 2006 oder Eintracht Braunschweig 2013 sorgen die Ost-Westfalen wirklich für Furore. Doch so richtig Mainz- oder Freiburg-mäßig wird es nie.

Nach einem 2:0 über Hannover 96 am 4. Spieltag können sich die Paderborner sogar über die Tabellenführung freuen. Und über einen Rekord. Moritz Stoppelkamp trifft aus 82,3 Metern Entfernung ins Tor von Weltmeister Ron-Robert Zieler. Es ist die größte, je in der der Bundesliga gemessene Distanz bei einem erfolgreichen Torschuss.

Das war am 20. September 2014. Da hat Paderborn auch die Gewissheit, als Tabellenführer zu dem auf Rang 4 abgestürzten FC Bayern zu reisen. Es wird das ungewöhnlichste Spitzenspiel der Liga-Geschichte – und die Bayern rücken die alten Machtverhältnisse gerade noch einmal zurecht. Noch einmal gut gegangen. Die wilde Horde aus der Bischofsstadt wird abgewimmelt, ein für allemal.

 

Ein ungebremster Absturz für den SC Paderborn

Denn von da an folgt der langsame, aber maximale Absturz. Der SCP beendet die Saison als Letzter und wird mit nur 4 Siegen schlechtestes Heimteam dieser Spielrunde.

Ein 0:5 am 18. Spieltag in Mainz läutet die Wende ein. Paderborn gewinnt in der Rückrunde nur noch 3 Spiele So eine krasse Bauchlandung nach Tabellenführung am 4. Spieltag hatte zuvor noch kein Erstligist hingelegt. Aber man kann auch eine Katastrophensaison spielen, ohne abzusteigen. „Wir gehören nicht in die 2. Liga, nicht in diesem Jahr“, verteidigt Keeper Lukas Kruse (65 Gegentore) die desaströse Gesamt-Leistung. Das wird man in Bielefeld, Dortmund und anderswo in Westfalen, wo der SCP so beliebt ist wie ein Zahnarzttermin, sicher anders sehen. Und nicht nur dort.

Nach dem Abstieg aus der 1. Bundesliga geht es 2016 ohne Netz und doppelten Boden in die 2. Liga und 2017 beinahe in die Regionalliga. Nur die fehlende Lizenz für die 3. Liga von 1860 München verhindert den Rekord-Absturz von Paderborn. Von Liga 1 in Liga 4 ist noch kein Klub durchgereicht worden. Auch, wenn sich die Paderborner wirklich alle Mühe gegeben haben! Auf dem Weg von ganz oben nach ganz unten im deutschen Profifußall haben sie 6 Trainer verschlissen, u. a. Aufstiegscoach André Breitenreiter („Es war ein tolles Erlebnis“, nach dem 0:6 zu Hause gegen die Bayern) und Stefan Effenberg. 3-mal in Folge belegen sie in 3 verschiedenen Ligen Rang 18. Das muss man erst mal so hinkriegen…
Der große Hamburger SV ergattert in der Saison 2013/2014 nur 27 Punkte. Damit stieg bis dato jedes Team ab, aber nicht der HSV.

Mainz, 10. Mai 2014. Ein ungemütlicher letzter Bundesliga-Spieltag in Rheinland-Pfalz. Zu Gast sind die Hamburger, die sich mit Eintracht Braunschweig und dem 1. FC Nürnberg eher ein Schneckenrennen als einen Abstiegskampf liefern. Ab dem 30. Spieltag hat keines der 3 abstiegsbedrohten Teams auch nur einen einzigen Punkt mehr geholt.

Das ist miserabel. Dass mit Hamburgs regierendem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) ein Glücksbringer mit nach Mainz gereist ist, können wir gleich zu den Akten legen. Reine PR. Scholz bringt kein Glück, er sitzt einfach nur auf der Ehrentribüne. Die Mainzer schlagen den HSV mit 3:2, ziehen auf Rang 7 in die Europa-League-Qualifikation ein und lassen Scholz und die Hamburger ratlos zurück.

„Wir haben nichts erreicht“, wird HSV-Abwehrchef Heiko Westermann im Sky-Interview deutlich. Es fällt den Hanseaten wirklich schwer, dieser miserablen Vorstellung in Mainz noch etwas Positives abzugewinnen. Das totale Versagen der Slomka-Elf gerät nur durch den überraschenden Rücktritt von Mainz-Trainer Thomas Tuchel in den Hintergrund.

Denn: Als die Hamburger aus der Mainzer Coface Arena schleichen, haben sie die Gewissheit, die bis dahin schlechteste Saison der Vereinsgeschichte gespielt zu haben. Platz 16 und nur 27 Punkte!

 

Eine Saison des Grauens – und dennoch nicht abgestiegen!

Die Hamburger retteten sich – wie auch 2015 – über die Relegation und bleiben drin. Damit wird noch ein 2. Negativ-Rekord amtlich. Denn noch nie zuvor hat eine Mannschaft mit nur 27 Punkten die Liga erhalten. Der HSV firmiert damit als der schlechteste Nichtabsteiger aller Zeiten. Auch 2020. Schon nach 30 Spieltagen hatten die Abstiegskandidaten Fortuna Düsseldorf (28) und Mainz 05 (31) mehr Zähler als der HSV damals.Borussia Dortmund hält gleich zwei Negativmarken. Die erste kommt hier.

Beim 0:2 gegen Bayer Leverkusen am 23. August 2014 kassiert der BVB das schnellste Gegentor aller Zeiten. Karim Bellarabi trifft schon nach 9 Sekunden zum 1:0 für Bayer.

Dortmund hat gerade seine Weltmeister um Mats Hummels geehrt und scheint in Gedanken noch in Rio zu sein, als Leverkusen, angetrieben von seinem neuen Coach Roger Schmidt, direkt loslegt. Hakan Calhanoglu bringt den Ball nach dem Anstoß gleich auf die linke Leverkusener Angriffsseite. Heung-Min Son leitet die Kugel weiter zu Sebastian Boenisch, Bellarabi ist gedankenschneller als Marcel Schmelzer und zieht das Leder vorbei an BVB-Ersatztorhüter Mitchell Langerak.

Damit überholt der von Eintracht Braunschweig nach Leihe zu Bayer 04 zurückgekehrte Bellarabi die bisherigen Rekordhalter, Leverkusens Klublegende Ulf Kirsten, Giovane Elber vom FC Bayern München und den Bochumer Paul Freier, die jeweils elf Sekunden brauchen, um zu netzen.

Es ist der Beginn einer Katastrophensaison für den BVB, an deren Ende letztlich Trainerikone Jürgen Klopp den Rücktritt bei den Dortmundern verkündet. Seitdem ist Dortmund nicht mehr Meister geworden und hat nur unter dem anschließend gefeuerten Thomas Tuchel 2017 mit dem DFB-Pokal noch einmal einen Titel gewonnen…

 

Auch Volland brauchte nur 9 Sekunden für ein Tor

Im Prinzip „teilen“ sich Dortmund und der Dauer-Rivale FC Bayern München den Negativ-Rekord für das schnellste Gegentor. Der Rekordmeister kassiert in der Saison 2015/2016 ebenfalls nach 9 Sekunden einen Treffer von Leverkusens Kevin Volland, damals noch in Reihen von der TSG Hoffenheim.Tasmania Berlin – Der einzige Klub, der nicht in die Bundesliga aufgestiegen ist, sondern „berufen“ wird. Viele sind berufen, doch nur wenige sind auserwählt – in diesem Fall, um fast alle Negativ-Marken der Bundesliga auf ewig festzusetzen.

Die Berliner, die mit dem alternden Italien-Rückkehrer Horst „Schimmi“ Szymaniak († 2009) nur einen namhaften Spieler haben, werden zum Synonym für miserable Bundesliga-Werte. Kriselt es irgendwo, wittern die Medien bis heute gleich „Tasmanische Verhältnisse“.

Doch um das zu schaffen, was Tasmania 1965/66 auf den Rasen gelegt hat, muss man schon früh aufstehen. Die wenigsten Tore (15), die wenigsten Punkte (10, nach Hochrechnung auf 3-Punkte-Wertung), nur 2 Siege, die meisten Gegentore (108), kein verwandelter Elfmeter – nur ein Auszug aus dem „Schwarzbuch“ von Tasmania Berlin.

Eine von vielen „innovativen“ DFB-Ideen: Die Berufung von Tasmania…

Dass die Unbedarften aus dem Berliner Bezirk Neukölln so untergehen, ist eigentlich die Schuld der Verbandsoberen in Frankfurt. Gemeinsam mit dem in Berlin ansässigen Springer-Verlag wünscht man sich unbedingt einen Berliner Klub im „Oberhaus“. Sportliche Gründe gibt es hierfür allerdings nur wenige. Hertha BSC ist 1965 der erste Klub, der wegen Lizenzverstößen zwangsabsteigen muss.

Das Problem: Der Meister der West-Berliner Stadtliga, die unter Experten generell als sehr schwach eingestuft wird, Tennis Borussia Berlin, ist bereits in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga gescheitert. Der Zweite, Spandauer SV, will sich das Abenteuer nicht antun.

Was macht man in so einem Fall? Man macht einen sportjuristischen Kunstgriff. Der DFB stockt die Liga auf 18 Vereine auf, der reguläre Absteiger FC Schalke 04 bleibt drin und Tasmania wird am 31. Juli 1965 beim DFB-Verbandstag in die Bundesliga aufgenommen. Das hätte man besser sein lassen…Borussia Dortmund hält zwei Negativmarken. Diese hier dürfte wohl ewigen Bestand haben.

Die Schwarz-Gelben kassieren die höchste Klatsche aller Zeiten: 0:12 heißt es am 29. April 1978 gegen Borussia Mönchengladbach. Im Düsseldorfer Rheinstadion geht es am 34. Spieltag noch um die deutsche Meisterschaft. Wenn auch nur rechnerisch, wie viele Fans auf den ersten Blick glauben. Titelverteidiger Borussia Mönchengladbach, einziger Klub außer Bayern München, der 3-mal in Folge Deutscher Meister wurde, müsste mindestens 10 Tore auf den Tabellenführer und Erzrivalen 1. FC Köln gut machen.

Die Mannschaft von Udo Lattek gibt alles. Sie hat sich eine Woche zuvor beim HSV mit 6:2 warm geschossen und geht bereits nach 22 Sekunden durch Torjägerlegende Jupp Heynckes in Führung. Es wird eine wilde Fahrt und ein Albtraum für alle Dortmunder Fans und den bedauernswerten BVB-Torhüter Peter Endrulat in seinem 6. und letzten Bundesliga-Spiel für die Westfalen. „Nicht nur die 38.000 werden diesen Fußballtag ihr Leben lang nicht vergessen“, sagt Kommentator Klaus Veltman in einer Sky-Dokumentation. „Es war brutal heiß und wir hofften, dass wir nur irgendwie gewinnen, um da zu sein, wenn Köln stolpert“; sagt Gladbach-Legende Horst Wohlers bei Sky, „wir hatten nicht im Traum auch nur an eine Annäherung durch die Tordifferenz gedacht.“

 

Schon zur Pause steht es 6:0 für Gladbach!

Doch so kommt es. Nach 22 Minuten haben Heynckes, Carsten Nielsen per Kopf und Karl Del‘ Haye das Ergebnis auf 4:0 hochgeschraubt, Gladbach wie im Rausch! „Es war nicht so, dass die Dortmunder sich die Bälle selbst rein gehauen haben, es waren auch wunderschöne Spielzüge dabei“, erinnert sich Gladbach-Idol Ewald Lienen. Jupp Heynckes zum 3. und Herbert Wimmer – wie Heynckes in seinem letzten Bundesliga-Spiel – erhöhen auf 6:0 und setzen zur Halbzeit Druck für den 1. FC Köln auf, der in Hamburg im Volksparkstadion bei Absteiger FC St. Pauli antritt. Manager Karl-Heinz Thielen hat das eingefädelt, damit im weitläufigen Rund im Altonaer Volkspark mehr FC-Fans mit dabei sein können als im engen Millerntor-Stadion. Die Kölner führen zur Pause nur mit 1:0 durch Weltmeister Bernd Cullmann.

BVB-Coach Otto Rehhagel bietet Torhüter Endrulat in der Pause die Auswechslung an, doch der traut sich nicht, raus zu gehen. So bricht auch in der 2. Halbzeit das Tor über ihm zusammen. Ab der 58. Minute und binnen von 7 Minuten erhöhen Heynckes per Hinterkopf, Nielsen und Del‘ Heye analog zur 1. Hälfte auf 9:0. Heynckes, der am Saisonende als Trainerassistent von Lattek auf die Gladbacher Bank wechseln wird, stellt mit seinem 5. Tor auf 10:0 (77.). Da steht es in Hamburg aber schon 3:0 für den FC, der über Radio immer über den Spielstand in Düsseldorf informiert ist und gegen den Absteiger St. Pauli nachgelegt hat. Beim 11:0 von Ewald Lienen (87.) signalisiert Lattek seinen Spielern: „Noch 3“. Es fällt aber nur noch das 12:0 von Christian Kulik (90.). Zeitgleich gewinnen Toni Schumacher & Co. mit 5:0 – und werden Meister.

Es ist das Ende der Tätigkeit von BVB-Aufstiegstrainer Otto Rehhagel, den der Boulevard „Otto Torhagel“ tauft. Einen Tag nach dem historischen Debakel wird er entlassen.Man glaubt es kaum: Aber auch Bayern München hält einen Negativrekord.

Die Bayern werden 2000/2001 mit nur 63 Punkten der schlechteste Meister seit Einführung der Drei-Punkte-Regel (1995).

In jedem anderen Jahr hat der Rekordmeister mindestens 68 Punkte. Selbst bei der erst nach viel Theaterdonner, Trainerwechsel von Erich Ribbeck zu Franz Beckenbauer, Phantom-Tor von Thomas Helmer und Wiederholungsspiel gegen den 1. FC Nürnberg (5:0) am letzten Spieltag sicher gestellten Meisterschaft 1993/94 sind es umgerechnet 71 Zähler.

Meister werden die Bayern übrigens erst durch ein 1:1-Ausgleichstor in der Nachspielzeit beim HSV. Sonst hätte Schalke den Titel geholt. Das ist für „Königsblau“ und alle Bayern-Hater doppelt bitter.

Schalke 04 ist 2000/2001 mit 40 Punkten bestes Heimteam der Liga. Dazu wird die Mannschaft des niederländischen Trainers Huub Stevens „Herbstmeister“ 2000 und gewinnt beide direkten Duelle gegen die Bayern – 3:2 im heimischen Parkstadion und 3:1 im Münchner Olympiastadion. Der FC Schalke 04 ist auch bei anderen, signifikanten Werten vor den Münchnern: Meiste Saison-Tore (65), wenigste Gegentreffer (35) und gemeinsam mit dem Tabellendritten Borussia Dortmund die wenigsten Niederlagen (8).

 

Der goldene Schuss des Patrik Andersson stürzt Schalke ins Tal der Tränen

Nur in der Abschlusstabelle, da, wo es drauf ankommt, sind sie eben nicht vorn. Warum? Weil Schiedsrichter Dr. Markus Merk (Kaiserslautern) in Hamburg 4 Minuten nachspielen lässt, HSV-Torhüter Matthias Schober eine Rückgabe von Tomas Ujfalusi mit den Händen aufnimmt und Patrik Andersson mit seinem einzigen Bundesliga-Tor im Bayern-Trikot die Dinge für die Großkopferten aus München noch zum Guten wendet. „Wir haben das Glück erzwungen“, bilanziert Stefan Effenberg, „wir wissen, dass wir immer reagieren und ein Tor schießen können.“

„Erklären kann man das alles nicht“, sagt S04-Publikumsliebling Gerald Asamoah, „die Bayern haben in den letzten 3 Spielen ihre Tore immer sehr spät geschossen – leider auch am 34. Spieltag.“ Bayern am Ende der schlechteste Meister der 3-Punkte-Ära ? Das ist für die Schalker kein Trost. Ebenso wenig wie der von BILD angehaftete Titel „Meister der Herzen“.


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