EURO 2016: Karim Benzema und die Erpressung des Mitspielers



Karim Benzema und der Fall Valbuena

Der unfassbare Fall: Karim Benzema (l.) erpresste seinen Nationalmannschaftskollegen Mathieu Valbuena (r.). Ein Riesen-Thema in den französischen Medien.
Der unfassbare Fall: Karim Benzema (l.) erpresste seinen Nationalmannschaftskollegen Mathieu Valbuena (r.). Ein Riesen-Thema in den französischen Medien. Foto: Imago Images / PanoramiC

Der französische Nationalspieler Karim Benzema hat sich Monate vor der Heim-EM 2016 selbst ins Abseits gestellt. Seine Verstrickung in die Erpressung seines Mitspieler Mathieu Valbuena kostet ihn das Turnier – und macht ihn bei der „Equipe Tricolore“ zur Persona non Grata. Keiner von uns!

Im Oktober 2019 hat Didier Deschamps endgültig genug. Der Weltmeister-Trainer Frankreichs spricht vor dem richtungweisenden EM-Qualifikationspiel gegen die Türkei (1:1) ein Machtwort und macht die Tür zur Nationalmannschaft für Karim Benzema von Real Madrid ein für allemal zu.

Der 81-fache französische Nationalspieler, 2014 in Brasilien gegen Honduras Schütze des ersten Treffers, der bei einer WM oder EM-Endrunde mittels Torlinientechnik bestätigt wird, ist raus. Endgültig. Zuvor ist seine Personalie immer wieder von den Medien auf den Tisch gebracht worden. Benzema hat sich zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt zu einer Affäre bekannt, die an Schäbigkeit ihres gleichen sucht. Der hoch bezahlte Profi von Real Madrid, der bei den ,,Königlichen” sicher nicht in Lumpen gehen muss, hat seinen ehemaligen Nationalmannschafts-Kollegen Mathieu Valbuena erpresst. Nun kennt die „Equipe Tricolore“ auch die Skala zwischen Genie und Wahnsinn. Der unberechenbare Zinedine Zidane bei den Weltmeisterschaften 2006 und 1998, die „Spieler-Meuterei“ 2010 in Südafrika, es soll einer sagen, Frankreichs Nationalteam ist langweilig! Aber Karim Benzema liefert für die „Grande Nation“ sozusagen den „grande Scandal“.

Im Oktober 2015 wird Benzema bezüglich eines Erpressungsversuches mit einem Sex-Video gegen Mathieu Valbuena vor einen Untersuchungsrichter zitiert und am 5. November gleichen Jahres wegen „Mittäterschaft bei einem Erpressungsversuch und Mitwirken in einer kriminellen Vereinigung“ angeklagt. Ihm wird durch Gerichtsbeschluss jeglicher Kontakt zu Valbuena untersagt. Am 11. Dezember 2015 wird Benzema aufgrund dieser Sachlage vom Französischen Fußballverband (F. F. F.) bis auf weiteres aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen. Die Heim-EM 2016 findet ohne den mehrfachen Champions-League-Sieger statt.

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Karim Benzema in seinem letzten Länderspiel für Frankreich am 8. Oktober 2015 gegen Armenien. F
Karim Benzema in seinem letzten Länderspiel für Frankreich am 8. Oktober 2015 gegen Armenien. Foto: Imago Images / PanoramiC

Keiner von uns!

Da war die Welt noch in Ordnung: Am 17. November 2010 jubeln Karim Benzema (r.), Mathieu Valbuena (m.( und Eric Abidal mit Frankreich im Londoner Wembleystadion
Da war die Welt noch in Ordnung: Am 17. November 2010 jubeln Karim Benzema (r.), Mathieu Valbuena (m.( und Eric Abidal mit Frankreich im Londoner Wembleystadion. (Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Der Stürmer mit algerischen Wurzeln ist schon vorher aktenkundig geworden. Benzema wird in Frankreich bereits 2009 angeklagt, in einem Münchener Hotel Sex mit einer minderjährigen Prostituierten (dies ist strafbar nach Artikel 225-12-1 des Code pénal) gehabt zu haben. Mitangeklagt aus gleichem Grund sind auch sein Nationalmannschaftskollege Franck Ribéry vom FC Bayern sowie dessen Schwager.

Im Unterschied zu Ribéry bestreitet Benzema allerdings jeglichen sexuellen Kontakt zu der Betreffenden. Der Strafprozess wird nach mehrmonatiger Unterbrechung im Januar 2014 abgeschlossen. Alle 3 Männer werden freigesprochen, da keinem – so auch die Ansicht der Staatsanwaltschaft – nachzuweisen ist, dass sie sich der Minderjährigkeit der Prostituierten bewusst waren. Das rettet sie vor dem Gefängnis.

Diese und andere Pikanterien hat Didier Deschamps wohl im Hinterkopf, als er sich klar zu Benzema äußert. „Es ist eine sportliche Entscheidung. Ich glaube einfach nicht, dass seine Nominierung gut wäre für das Nationalteam. Meine Entscheidungen fälle ich, indem ich darüber nachdenke, was das Beste im Interesse Frankreichs ist – und was es bedeutet, unser Land zu repräsentieren. Und das ist alles”, sagt der Mann, der Frankeich als Spieler und als Coach 1998 und 2018 zum Weltmeistertitel führt.

Blicken wir auf die „Version“ von Karim Benzema. Der Stürmer, dem in seiner Länderspielkarriere 27 Treffer gelingen, behauptet nach seiner Suspendierung aus dem Nationalteam, Deschamps habe sich dem ,,Druck des rassistischen Teils von Frankreich gebeugt”. Im Januar 2019 wehrt sich Deschamps dagegen vehement: ,,Das werde ich nie vergessen. In dem Moment ist eine Grenze überschritten worden. Ich wähle französische Spieler aus, alle sind Franzosen, und es ist noch nie vorgekommen, dass ich jemanden nicht nominiert habe aufgrund seiner Hautfarbe oder Religion.” Außerdem stellt ,,der kleine General” klar: „Es gibt nur eine Wahrheit im Leben. Es kann verschiedene Versionen geben, aber nur eine Wahrheit. Ich habe ein großes Problem mit denjenigen, die glauben wollen, das sei die Wahrheit.“

Der französische Fußball-Nationalverband stützt im November 2019 die Entscheidung von Deschamps. Dass der nach Mitwirken bei einem Erpressungsversuch seines ehemaligen Mitspielers Mathieu Valbuena verbannte Stürmer Karim Benzema nie wieder für Frankreich auflaufen wird, bestätigt Verbandspräsident Noel Le Graët vor dem abschließenden Spiel des Weltmeisters in Gruppe H in Tirana gegen Albanien (0:2). „Karim Benzema ist ein sehr guter Spieler, ich habe seine Qualitäten nie in Frage gestellt“, erklärt Le Graët, „im Gegenteil, er zeigt bei Real Madrid, dass er einer der besten Spieler auf seiner Position ist. Aber das Abenteuer mit Frankreich ist vorbei.“

Bis zu seiner Suspendierung liegt Benzema verbandsintern unter den Top 10 der Torschützen in der französischen Nationalmannschaft. In 81 Länderspielen hat er 27-mal getroffen, letztmals am 8. Oktober 2015, in seinem letzten Länderspiel gegen Armenien (4:0). Öffentlich gezofft hat sich Benzema mit Le Graët schon vor dessen endgültigem „Non“ zur Nationalmannschafts-Rückkehr. „Noël, ich dachte, Sie mischen sich nicht in die Entscheidungen des Nationaltrainers ein! Ich möchte, dass Sie wissen, dass ich es bin und nur ich, der meine internationale Karriere beenden wird“, schreibt Benzema damals bei Twitter, „wenn Sie glauben, dass ich fertig bin, lassen Sie mich für eines der Länder spielen, für die ich berechtigt bin, und wir werden es sehen.“

Benzema könnte aufgrund seine algerischen Herkunft sowie seiner mehr als zehnjährigen Tätigkeit bei Real Madrid – „die Königlichen“ zahlen 2009 mehr als 35 Millionen Euro für seine Dienste an Olympique Lyon – sowohl für Algerien als auch für Spanien auflaufen. Das macht wenig Sinn: Benzema hat bereits für Frankreich bei den Europameisterschaften 2008 und 2012 sowie bei den Weltmeisterschafts-Endrunden 2010 und 2014 gespielt. Bon Voyage!

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