Gestatten, Bayern-Schreck! Diese 10 Spieler bekamen die Münchner nicht in den Griff


Ulf Kirsten jubelt am 30. November 1997 über 3 Tore für Bayer 04 Leverkusen gegen den FC Bayern München (4:2). (Photo by Frank Peters/Bongarts/Getty Images)
Es ist ein exklusiver Kreis. 19 Spieler erzielen 3 oder mehr Treffer gegen den großen FC Bayern München – und werden durch ihre Tore gegen den Branchenriesen zur Legende.

Wer sind sie eigentlich, diese „Bayern-Killer“? Haben sie „nur“ einen Sahne-Tag gegen den deutschen Rekordmeister erwischt oder überrumpeln sie die Münchner schlicht mit fußballerischer Klasse und unnachahmlichem Tor-Instinkt?

Wahrscheinlich beides! Aber: Wir haben uns bewusst für die entschieden, die nicht als One-Hit-Wonder durchgehen. Eben nicht für die Spieler, die den bayerischen Bullen mit einem Hieb erlegt haben. Wie Rabah Madjer vom FC Porto oder Peter White von Aston Villa, von deren Treffer in den Europapokalfinals von 1987 und 1982 so mancher Bayern-Fan noch heute schlaflose Nächte hat.

In diese Kategorie fallen natürlich auch Ole Gunnar Solskjaer (45 / „And Solskjaer has won it“) und ein gewisser Didier Drogba vom FC Chelsea. Während Solskjaer das Siegtor für ManU im legendären UCL-Finale 1999 schoss, war Drogba durch sein Ausgleichstor im UCL-Finale 2012 in München wesentlich für die Niederlage des FC Bayern im Finale zu Hause verantwortlich.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Kalle del Haye wechselte von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern.

Gibt es das klassische „Profil“ des Bayern-Killers?

Leverkusens Trainer Klaus Toppmöller und der später zum FC Bayern gewechselte Lucio (r.) ärgerten die Bayern nicht nur in der Saison 2001/2002. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)
Nein! Der Bayern-Schreck per se muss mehrfach zugeschlagen haben und deshalb haben wir uns für die Fußballer entschieden, die mindestens 3 Tore in einem einzelnen Spiel gegen den FC Bayern München erzielt haben – in der Bundesliga oder im DFB-Pokal.

Wenn wir – natürlich augenzwinkernd – den „Profiler“ geben und uns die Karriere-Wege der Bayern-Killer anschauen, stellen wir unglaubliche Unterschiede fest. Ein echter Bayer trägt das Trikot eines Revier-Giganten, als er zum FCB-Schreck wird. Ein anderer Stürmer aus dem Bundesland Bayern netzt für einen Traditionsverein ein, den man heute vergeblich im bezahlten Fußball sucht. Tragischster Held unter Bayerns Schreckgespenstern wird ein Stürmer aus Skandinavien…

Interessant: In einem ganz berühmten Fall der letzten Jahre greifen die Bayern direkt zu und verpflichten einen 3-Tore-Schreck direkt bei sich.

Bayern-Schreck 10: Klaus Toppmöller – FCK-Stürmerlegende schickte Bayern in die Hölle!

Trainerlegende Klaus Toppmöller muss bis heute auch so manches Tor gegen den FC Bayern München schildern. (Phot: Grimm/Bongarts/Getty Images)
Klaus Toppmöller stammt aus Rivenich an der Mosel. Schon als Kind zieht es ihn mit seinem Vater zu den Spielen des 1. FC Kaiserslautern an den Betzenberg.

Sein Karriere-Weg führt den baumlangen „Toppi“ schnell von Eintracht Trier nach Lautern. Bei den Pfälzern unterschreibt der 1,88 m große Stürmer 1972 einen Profivertrag. Bis 1980 wird Toppmöller mit 108 Treffern in 204 Bundesliga-Spielen zum Rekord-Torschützen des FCK. Eine Bestmarke, die dem Wuschelkopf in den nächsten Jahren niemand streitig machen wird.

Toppmöllers Sternstunde schlägt am 10. April 1976. Mit einem 4:3-Erfolg stürmen die „Roten Teufel“ das Münchner Olympiastadion. Es ist überhaupt der erst 2. Sieg des 1. FC Kaiserslautern bei den Bayern seit Bundesliga-Gründung. Beim ersten FCK-Triumph in München hat Toppmöller am 9. November 1974 beim 5:2-Kantersieg schon einmal getroffen.

Aber an diesem Apriltag ist „Toppi“ absolut Top! Er erzielt 3 Tore, eines auf Vorlage von FCK-Rekordspieler Werner Melzer, mit dem er später als Trainerduo beim 1. FC Saarbrücken agiert. Das Prädikat „Bayern-Killer“ verdient sich Klaus Toppmöller mit 12 Treffern – kein anderer Lautern-Spieler erzielt in 84 Vergleichen in der Bundesliga bis 2012 mehr Tore gegen den Branchenführer – allemal.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Bayern-Schreck 9: Ebbe Sand … und am Ende doch nur „Meister der Herzen“.

14. April 2001: Die Schalker Stürmerstars Ebbe Sand (r.) und Emile Mpenza jubeln im Münchner Olympiastadion. (Photo by Michael Kienzler/Bongarts/Getty Images)

Gelsenkirchen, 19. Mai 2001. Mit verweinten Gesichtern stehen die Spieler des FC Schalke 04 trotz ihres 5:3-Erfolgs gegen Absteiger Unterhaching auf der Ehrentribüne des Parkstadions.

Im letzten Bundesliga-Spiel der Saison 2000/2001, es ist gleichzeitig die letzte Partie in der WM-Spielstätte von 1974, hat Schalke in der Nachspielzeit die Deutsche Meisterschaft doch noch an den FC Bayern München verloren. Trotz eines unglaublichen Kraftakts gegen die Münchner Vorstädter aus Unterhaching und trotz der zwischenzeitlichen Schützenhilfe des Hamburger SV im Fernduell mit dem FCB. Ein Freistoßtor von Patrik Andersson reißt die „Knappen“ nach vierminütigem Jubelchaos aus allen Träumen – 1:1 in Hamburg, Bayern ist Meister, Schalke nur „Meister der Herzen“, wie BILD anschließend titelt.

Besonders bitter: Der FC Schalke 04 hat die Bayern in diesem Titelrennen 2-mal geschlagen: 3:2 im Parkstadion und 3:1 im April 2001 im Münchner Olympiastadion – und es bleibt doch nur der Trostpreis des DFB-Pokalsiegs, den man eine Woche nach dem Saisonfinale in Berlin abholt.

Tragischster Tor-Held bei den Schalkern ist Ebbe Sand. Der Däne, inzwischen 46, kommt in der Saison 1999/2000 in den Ruhrpott. Er wird zu einer Stürmerlegende auf Schalke. Dass ihm 2001 mit 22 Treffern gemeinsam mit dem Hamburger Sergej Barbarez die Torjägerkrone gehört, ist insgesamt ein schwacher Trost.

Sand erzielt in den beiden Spitzenduellen gegen den FC Bayern München 4 Tore. Beim turbulenten 3:2 am 11. November 2000 schießt Sand in der 71. Minute Schalke nach Vorlage seines kongenialen belgischen Sturmpartners Emile Mpenza zum Sieg. Das Rückspiel in München am 14. April wird zum „Sand-Sturm“ im Olympiastadion: 2 Tore beim 3:1-Auswärtssieg, Schalke ist am 29. Spieltag auf dem direkten Weg zum Titel. Nur einer mahnt. „Bayern wird eh‘ Meister“, pestet Schalke-Macher Rudi Assauer – und behält zum Leidwesen der Fans in Königsblau Recht…

Bayern-Schreck 8: Dodi Lukebakio – Der Mann, der Neuer tunnelte…

Dreifach-Torschütze Dodi Lukebakio und der überglückliche Fortuna-Coach Friedhelm Funkel nach dem 3:3 beim FC Bayern München am 24. November 2018. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)
Dodi Lukebakio von Fortuna Düsseldorf – Der Bayern-Schreck mit dem vielleicht Reporter freundlichsten Namen aller hier genannten Spieler, trägt sich am 24. November 2018 als bisher letzter Spieler in die Reihe der Profis ein, die 3 oder mehr Tore in einem einzigen Spiel gegen den Rekordmeister erzielen.

Der Belgier ist der überragende Mann bei einem der ungewöhnlichsten Spiele dieser Bundesliga-Vorrunde 2018/2019. Eigentlich rechnen im weiten Rund der Allianz Arena alle unter den 71.000 Zuschauern mit einem klaren Bayern-Heimerfolg.

Nach zwischenzeitlicher 2:0-Führung für die Bayern gegen den Aufsteiger aus Düsseldorf plätschert das Spiel an einem tristen Novembersamstag vor sich hin. Lukebakio, belgischer Nationalspieler, bei den „Roten Teufeln“ mit Riesen-Konkurrenten wie Eden Hazard vom FC Chelsea, stellt die Partie in der 44. Minute mit dem 2:1 wieder scharf. Auch nach dem 3:1 von Thomas Müller bringt er Düsseldorf in der 77. Minute auf 3:2 heran.

Sein 3. Treffer ist einer für den Jahresrückblick: Es läuft die 3. Minute der Nachspielzeit, Lukebakio tunnelt Weltmeister Manuel Neuer – und trifft zum kaum für möglich gehaltenen 3:3 für Fortuna Düsseldorf.

Damit ist Dodi Lukebakio, eigentlich Leihgabe vom FC Watford aus der Premier League, der 19. Spieler, dem 3 oder mehr Tore gegen die Münchner gelingen. Aber er ist der erste Profi seit 2001, seit Ebbe Sand, und erst der 6. Spieler in einer Partie in München, dem dies gelingt. Chapeau!

Bayern-Schreck 7: Klaus Fischer – Stürmerlegende aus Bayern wirbelt für Schalke

Fußballidol Klaus Fischer (r., mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach) gewann den DFB-Pokal mit Schalke und Köln. (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Stammverein: SC: Zwiesel. Das lesen die Fußballbildersammler zur WM 1982 im großen Panini-Album unter dem Foto von Klaus Fischer, dem späteren Schützen des legendären Fallrückzieher-Treffers im Halbfinale gegen Frankreich. Ach was, dem Erfinder des Fallrückziehers. Fischer hat diesen Kunstschuss kultiviert wie kein anderer Spieler in Deutschland.

Aus diesem Ort in Niederbayern, immerhin seit 1972 amtlich anerkannter Luftkurort, bricht Klaus Fischer (69) 1968 auf, um die Fußballwelt zu erobern. Seine erste Station im Profifußball ist der TSV 1860 München. Mit 19 Toren landet er 1970 auf Rang 3 der Torjägerliste. Den Abstieg des Meisters von 1966 aus der Bundesliga kann er nicht verhindern. Fischer wechselt zum FC Schalke 04, wo er zur Legende wird.

Mit 268 Toren in 535 Bundesliga-Spielen schießt sich Fischer auf Platz 2 der ewigen Bundesliga-Torjägerliste hinter Gerd Müller (FC Bayern, 365 Tore). 6-mal werden seine Treffer in der ARD-Sportschau zum „Tor des Monats“ gekürt. 182 Buden machen ihn zum Rekord-Torjäger des FC Schalke 04.

4 dieser Treffer erzielt Klaus Fischer am 9. Oktober 1976. Beim unglaublich anmutenden 7:0-Auswärtserfolg des FC Schalke 04 beim FC Bayern München. Bis heute ist es der höchste Erfolg der Schalker in einem fremden Stadion in der Bundesliga. Klaus Fischer trifft in schöner Abwechslung mit seinen nicht minder berühmten Teamkollegen Erwin Kremers und Rüdiger „Abi“ Abramczik sowie Manfred Dubski zum 0:1, 0:3, 0:5 und 0:7. „Der Jubel war hinterher ganz normal“, sagt Fischer 2013, „Trikot ausziehen und so einen Quatsch, das gab es bei uns gar nicht.“

Bayern-Schreck 6: Ulf Kirsten – Die Bayer-Legende dreht gegen die Bayern auf

Voller Einsatz gegen die Bayern: Leverkusens Ulf Kirsten (r.) grätscht gegen Stefan Effenberg dazwischen. (Photo by Danny Gohlke/Bongarts/Getty Images)
11 Tore hat Bayer Leverkusens Rekord-Torjäger Ulf Kirsten (53) in 19 Spielen gegen den FC Bayern München erzielt.

Nie aber war „Der Schwatte“, wie der gebürtige Sachse seit DDR-Zeiten genannt wird, mehr on Fire als am 30. November 1997.

Es ist „RAN“-Zeit, das Bundesliga-Topspiel zwischen Bayer 04 mit Hoeneß-Erzfeind Christoph Daum als Coach der Leverkusener und den Bayern flimmert zur besten Sendezeit am Sonntagabend live über den Bildschirm. Nach einem zwischenzeitlichen 2:0 für die Bayern und Rot für Leverkusens Christian Wörns scheint der Sonntag gehalten.

Bayer 04 liefert aber, angetrieben von den Fans in der engen BayArena, eine unglaubliche Aufholjagd. Jan Heintze und 3-mal Ulf Kirsten, davon 2-mal ab der 90. Minute (!) drehen die Partie zugunsten der Leverkusener. Das haben selbst Manchester United und Ole Gunnar Solskjaer gute 2 Jahre später im Champions-League-Finale nicht dramatischer hingekriegt…

Bayern-Schreck 5: Roland Stegmayer – Einmal im Leben…

Roland Stegmayer im Trikot des 1. FC Saarbrücken. F
Roland Stegmayer (li.) ist mit 19 Treffern in 52 Spielen wohl auf ewig Rekord-Torjäger des 1. FC Saarbrücken in der Bundesliga. Foto: Getty Images
Dem 1. FC Saarbrücken ist es nur ein Mal gelungen, sich länger als eine Saison in der Bundesliga zu halten. Von 1976 bis 1978 sind die Saarländer über 2 Jahre lang der 2. Südwestklub neben Kaiserslautern in der deutschen Fußball-Eliteklasse. Zuletzt sieht man die Saarländer 1992/93 in der Bundesliga.

Das ist lange her. Seit 2014 firmiert der Traditionsklub in der viertklassigen Regionalliga Südwest. Selbst vom altehrwürdigen Ludwigsparkstadion sind nur noch Fragmente übrig. Mindestens bis zum Sommer 2020 wird man im benachbarten Völklingen spielen.

Die Erinnerung an das größte Spiel, das die triste Betonschüssel in der saarländischen Landeshauptstadt je gesehen hat, ist aber bis heute lebendig. Am 16. April 1977 fegen die „Molschder“, wie der FCS im saarländischen Slang genannt wird, den FC Bayern München mit 6:1 vom Platz.

Roland Stegmayer, ein gebürtiger bayerischer Schwabe, macht das Spiel seines Lebens. Er erzielt gegen den amtierenden Europapokalsieger der Landesmeister mit den Stars Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller 4 Tore. Mit dem späteren Vize-Weltmeister Bernd Förster oder Egon Schmitt hat Saarbrücken sicher namhaftere Spieler als Stegmayer in der Startelf – aber kein Spieler im Dress des FCS wird diesen Rekord vermutlich jemals brechen. „So was passiert dir nur einmal im Leben. Da hat einfach alles zusammengepasst“, blickt Stegmayer zurück, „meine Mitspieler haben gut aufgelegt, ich habe nur abgezogen und der Ball war drin.“

Bayern-Schreck 4: Marek Lesniak – Wenn ein Pole aufs Oktoberfest geht…

Marek Lesniak (l.) im Spätherbst seiner Karriere in Diensten von Preußen Münster. (Photo by Anja Heinemann/Bongarts/Getty Images)

Marek Lesniak gehört zu den polnischen Spielern, die die Bundesliga mit geprägt haben.

Der Torschützenkönig der polnischen Ekstraklasa von 1987 kommt über Bayer 04 Leverkusen in die Bundesliga, wo er in 119 Liga-Spielen insgesamt 20 Tore erzielt.

Die Bayern schockt Lesniak aber im Trikot eines der größten Bundesliga-Außenseiter aller Zeiten, in Diensten der SG Wattenscheid 09. Der von dem TextilUnternehmer Klaus Steilmann 1990 in die Eliteliga geführte Bochumer Stadtteilverein hat es schon einmal geschafft, die Münchner zu düpieren. Ein 3:2 im „großen“ Ruhrstadion am 32. Spieltag ist für den Branchenriesen der letztlich entscheidende Rückschlag im Meisterkampf mit Lautern.

Der 18. September 1993 ist der Beginn des Münchner Oktoberfestes. Es ist Tradition, dass entweder die Bayern oder die zu diesem Zeitpunkt noch in der Bundesliga spielenden „Löwen“ von 1860 ein Heimspiel haben. In diesem Jahr sind es die Großkopferten von der Säbener Straße, die zur „Wies’n“-Zeit spielen. Sie wollen ihren Fans gegen den Underdog aus dem Revier einen Sieg schenken. Daraus wird nichts.

Eher klingt das Ganze an diesem Nachmittag in München am Ende wie der neueste Oktoberfestwitz: „Geht ein Pole auf die Wies’n… und…erzielt 3 Tore gegen die Bayern.“ Nette Idee. Aber eben kein Witz. Marek Lesniak spuckt den Bayern aber mal so richtig ins Bier: 3 Tore, das letzte in der 90. Minute zum sensationellen 3:3. Weil es ihm so gut in München gefällt, wechselt Lesniak 1995 aus Wattenscheid an die Isar. Aber zu den „Löwen“.

.

Bayern-Schreck 3: Stefan Kuntz – Polizist und Wiederholungstäter

Stefan Kuntz erlebte beim VfL Bochum Höhen und Tiefen in seiner Karriere. (Photo by Tobias Heyer/Bongarts/Getty Images)
Stefan Kuntz gehört in den 1990er-Jahren zu den besten deutschen Stürmern. Während sein kongenialer Offensivpartner Bruno Labbadia 1991 im Anschluss an die Deutsche Meisterschaft mit dem 1. FC Kaiserslautern zum Titelkonkurrenten FC Bayern München wechselt – ein Sakrileg in der Pfalz – , bleibt „de Stefan“ dem FCK bis 1995 treu. 

Nein, Kuntz und die Bayern, das will nicht und das wird nie zusammenpassen. Beim Aussteigen aus dem FCK-Mannschaftsbus zieht sich Kuntz im Olympiastadion einmal einen Kreuzbandriss zu. Im Spitzenspiel der Lauterer Meistersaison 1990/91 „zersägt“ er mit seiner typischen Jubel-Geste beim 2:1 den Rekordmeister am Betzenberg. 11 Tore erzielt Kuntz in 26 Liga-Spielen gegen die Münchner.

Die perfekte Bayern-Jagd liefert Kuntz allerdings schon Jahre zuvor, im Dress des VfL Bochum, wo er ab 1983 seine ersten Jahre im Profifußball verbringt. Der gebürtige Saarländer wechselt als Oberliga-Torschützenkönig von Borussia Neunkirchen (damals 3. Liga) für 55.000 Mark ins Ruhrgebiet – und setzt seine Ausbildung als Polizist fort. Am 11. Oktober 1985 trifft er mit dem VfL im Ruhrstadion auf die Bayern – und schießt die „graue Maus der Liga“, wie Bochum damals noch genannt wird, mit 3 Treffern zum 3:0-Erfolg.

Aus dem LigaLive Shop

Bayern-Schreck 2: Robert Lewandowski – Bewerbungsspiel in Schwarz-Gelb

Mit 3 Toren im DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern München (5:2) schoss Robert Lewandowski (r.) Borussia Dortmund 2012 zum ersten Double der Vereinsgeschichte. (Photo by Joern Pollex/Bongarts/Getty Images)

Es gehört zur Transfer-Historie des großen FC Bayern München in der Bundesliga dazu, sich stets die Besten der Konkurrenz zu angeln.

Robert Lewandowski von Borussia Dortmund ist so einer. Ein Unterschiedsspieler, ein Mittelstürmer klassischer Prägung. Schnell, wendig, schussgewaltig, mit fast klinischer Präzision im Abschluss. Und mitunter mit technischer Raffinesse.

Das entscheidende 1:0 im Titelkrimi für den BVB gegen den FC Bayern München am 11. April 2012 erzielt der Pole mit der Hacke – und bringt die Dortmunder ganz nahe an die Titelverteidigung.

Die ist vor seinem größten Spiel im BVB-Dress gegen die Bayern schon unter Dach und Fach. Dortmund geht am 12. Mai 2012 als alter und neuer Deutscher Meister ins DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern in Berlin. Atemlose Spannung liegt vor dem „deutschen Clasico“ über dem Olympiastadion. Sie löst sich schon nach 3 Minuten, als der von Manchester Uniteds Trainerlegende Sir Alex Ferguson auf der Tribüne beobachtete Japaner Shinji Kagawa zum 1:0 für den BVB trifft. Kagawa ist jedoch nicht der einzige Spieler aus der Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp, der sich an diesem Tag für höhere Weihen empfiehlt.

Robert Lewandowski schießt Borussia Dortmund mit 3 Toren (45. + 1, 58., 81.) zum 5:2-Pokalerfolg gegen den großen Rivalen. Eine Demütigung für den Rekordmeister. Ein Jahr später, als die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß „Lewy“ auf der Ehrentribüne des Londoner Wembley-Stadions die Hand geben, ahnt man es schon. Die Bayern schielen auf den BVB-Topstürmer, der in 74 Liga-Spielen 131 Tore für Schwarzgelb erzielt. Im Sommer 2013 steht fest: Robert Lewandowski wird am Saisonende ablösefrei zum FC Bayern wechseln.

Oder anders: Wenn du den Killer nicht stoppen kannst, kauf ihn dir eben…

Bayern-Schreck 1: Franz Brungs – Der König der „Bayern-Killer“

Franz Brungs hält bis heute einen Weltrekord - mit 5 Toren gegen den FC Bayern.
„So schlägt man die großen Bayern“ – mit diesem Titel will die am 24. Dezember 2018 eingestellte Zeitung Fußball BILD wenige Wochen zuvor dem 1. FC Nürnberg vor dem schweren Auswärtsgang beim Rekordmeister Mut machen.

Auskunft gibt einer, der es besser weiß als jeder andere. Einer, der bis heute die Rekordzahl an Toren gegen die Münchner erzielt hat: Franz Brungs, inzwischen 82. Weltweit hat kein Spieler häufiger gegen den FC Bayern getroffen als der Deutsche Meister von 1968. Brungs‘ Erklärung zum 5er-Pack gegen die Münchner am 2. Dezember 1967, beim in Nürnberg bis heute als legendär eingestuften 7:3, klingt ähnlich simpel wie die seines bayerischen Landmannes Roland Stegmayer, dem Ex-Saarbrücker. „Es muss schon alles passen“, sagt Brungs in einem Fußball BILD-Interview vom 7. Dezember 2018, „der Trainer muss vorher die richtigen Worte finden, dir den Druck nehmen und Freude vermitteln. Max Merkel hat das damals sehr gut geschafft.“

Franz Brungs weiß: „Du darfst als Spieler keine Angst haben vor den großen Namen, vor hitzigen Duellen, vor Pfiffen. Und dann brauchst du natürlich Glück. Mir ist damals alles gelungen.“ An großen Namen mangelt es dem FC Bayern, immerhin amtierender Europapokalsieger der Pokalsieger von 1967, in Nürnberg nicht: Sepp Maier, Franz Beckenbauer, „Bulle“ Roth, Gerd Müller und Co erleben ein Debakel.

Neben dem Fünferpacker Brungs tragen sich die in Nürnbergs Meistermannschaft von 1967/68 nicht minder wichtigen Stürmer Georg „Schorsch“ Volkert (72) und Heinz Strehl († 1986) gegen den FC Bayern in die Torschützenliste ein. Während Brungs 25 Treffer zum Meisterstück beiträgt, trifft Strehl 18-mal. Volkert netzt 9-mal ein.

Franz Brungs lässt die Franken dann vor 65.000 Zuschauern mit 4 Treffern (37., 50., 57., 62.) beinahe sagenhaft auf 6:0 davon ziehen. Der Mann, der alle 34 Spiele in Nürnbergs Meistersaison absolviert, markiert auch das 7:1 (75.). Die Tore von Dieter Brenninger zum 7:2 und 7:3 kommen zu spät. „Mit Werner Olk“, erzählt der gebürtige Rheinländer Franz Brungs 2018 dem Kicker-Spezial Die Meister-Helden, „hatte ich einen zweikampfstarken Gegenspieler, aber an diesem Tag war ich ein bisschen schneller als er.“