Leonhard „Lony“ Seiderer (Von Nürnberg nach Fürth) – Tabubruch in Mittelfranken



Leonhard „Lony“ Seiderer (Von Nürnberg nach Fürth) – Tabubruch in Mittelfranken

Leonhard „Lony“ Seiderer ist bis heute im Stadion am Fürther Ronhof allgegenwärtig.
Leonhard „Lony“ Seiderer ist bis heute im Stadion am Fürther Ronhof allgegenwärtig. Foto: Imago Images / MiS

Als „unerbittliche Rivalen“ schildert das zur fußballerischen Wiedervereinigung 1990 erschienene Sonderheft 100 Jahre Deutscher Fußball in Ost und West den 1. FC Nürnberg und die SpVgg Greuther Fürth.

Wie tief die Abneigung der beiden fränkischen Klubs tatsächlich ist, dokumentiert das Magazin anhand einer Episode. Zum Länderspiel gegen Holland in Amsterdam am 21. April 1924 reisen die beiden verfeindeten Fraktionen in getrennten Eisenbahnwagen. Aufpasser inklusive. Nationalmannschafts-Betreuer Gustav „Papa“ Blaschke sorgt peinlichst genau dafür, dass sich Nürnberger und Fürther im Zug auch ja nicht begegnen. Es ist wohl schon genug passiert.

Ein paar Tage zuvor, beim fränkischen Derby zu Ostern, hat es Ausschreitungen gegeben. Selbst der Schiedsrichter ist von einem aufgebrachten Fan getreten worden. Auf der Reise nach Amsterdam, wo Deutschland gegen die „Elftal“ 1:0 gewinnt, wird zwischen „Clubberern“ und „Kleeblatt“-Spielern kein Wort gesprochen. Es gibt nicht mal einen Torjubel, als der Fürther Karl Auer († 1945) auf Zuspiel des Nürnbergers Heinrich Träg († 1976) zum 1:0 trifft. Auch im Bus zum Stadion oder im Hotel ist man voneinander getrennt. „Alles andere wäre wie Fahnenflucht gewesen“, erzählt Heiner Stuhlfauth, der legendäre FCN-Torhüter, Jahre später.

„Neid und offene Feindschaft waren aus der lokalen Konkurrenz der beiden überragenden Vereine der 1920er-Jahre entstanden“, heißt es dazu in 100 Jahre deutscher Fußball in Ost und West, „die paradoxerweise eine wunderbare Kombination für die Nationalmannschaft ergaben. Mehrmals bestand das DFB-Team vollständig aus Spielern beider Klubs, eine Konzentration, die es später selbst in der Glanzzeit der Bayern und Gladbacher nicht mehr gab.“

 

Die „kleine Gazelle“ wechselt mitten im Krieg

Und in dieser überhitzten Atmosphäre soll ein Spieler die Seiten wechseln? Kaum vorstellbar, aber schon weit vor 1924 passiert! Der Stürmer Leonhard „Lony“ Seiderer (1895 – 1940) vollzieht als erster den fränkischen Tabubruch. Mitten im Ersten Weltkrieg wechselt „die kleine Gazelle“, wie der schnelle Angreifer genannt wird, von Nürnberg nach Fürth. Da die Spielvereinigung im Krieg den Verlust vieler Stammspieler zu betrauern hat, entscheidet sich Seiderer 1917, dem „Kleeblatt“ zu helfen. Gleich in seiner ersten Saison erzielt er 20 Tore in 19 Punktspielen und schießt die Fürther 1918 zum Süddeutschen Pokalsieg gegen die Stuttgarter Kickers. Bis 1928 spielt Seiderer für die SpVgg Fürth, wird 1926 Deutscher Meister.

Aus Liebe, nicht aus Nächstenliebe, vollzieht Hans Sutor 1920 den ersten umgekehrten Wechsel – von Fürth nach Nürnberg. Die „Kleeblättler“ nehmen ihm die Heirat mit einer Nürnbergerin übel. „Ein Wechsel von Fürth nach Nürnberg war eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt Sutor später, doch er macht es trotzdem. Er fühlt sich von den Grün-Weißen nicht respektiert – wechselt die Seiten und wird mit dem „Club“ 3-mal Deutscher Meister. „Als sich nach Hans Sutor, „Loni“ Weiß, Heiner Auer, „Urbl“ Krauß, Georg Kennemann, Otto Brenzke und Horst Schade auch Reinhold Gettinger anschickte, über die Stadtgrenze zu wechseln, führte das zu wahren Hass-Tiraden gegen den abtrünnigen Spieler und den 1. FCN“, beschreibt das Kicker-Spezial Die großen Derbys die Reaktionen.

„Es scheint für die Clubberer ungefährlicher, mit bloßen Händen in ein Kreuzotter-Nest zu greifen“, vermutet die Nürnberger Vereinszeitung im Juli 1960, „als sich um einen Fürther Spieler zu bemühen.“ Willkommen in der Schlangengrube!

Die Systematik der Videostory auf Ligalivenet

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Wer die Story mit vielen zusätzlichen Texten, Bildern und allen Videos lesen und schauen will, dem empfehlen wir unser Dossier “Die 30 größten “Verräter-Transfers” der Bundesliga-Geschichte. Auf zum Erzfeind – diese Spieler kannten keine No Go‘s”. Bitte hier entlang.

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DIE 30 GRÖßTEN VERRÄTER-TRANSFERS DER BUNDESLIGA - EINZELVIDEOS

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