Neun Deutsche, zwei Österreicher und zwei Schweizer schafften es zum FC Barcelona


DIE STORY IN KURZEN VIDEOS

DIE STORY IN KURZEN ESSAYS

Schweizer, Deutsche, Österreicher – und der katalanische Charakter

Der FC Barcelona im 100. Jubiläumsjahr 1999, hier in Berlin. Von deutschen und Schweizer Idealisten gegründet, sahen die Fans im Olympiastadion rein nominell mit das beste Team im Weltfußball, hinten von links: Ruud Hesp. Patrick Kluivert, Michael Reiziger, Luis Enrique, Josep Pep Guardiola, Ronald de Boer. Vorn: Frederic Dehu, Philip Cocu, Boudewijn Zenden, Frank de Boer und Luis Figo.
Der FC Barcelona mit Patrick Kluivert (stehend, 2. v. l.) im CL-Spiel bei Hertha BSC 1999. Foto: Imago Images / Claus Bergmann

FC Barcelona – die Geschichte des schon früh als Global Player des Fußballs firmierenden Klubs aus Katalonien beginnt in der Schweiz.

Kein Zufall, wie der Autor Dietrich Schulze-Marmeling 2011 in seinem viel beachteten Buch Barca oder: Die Kunst des schönen Spiels (Verlag: DIE WERKSTATT) findet: „Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich das Land zur Drehscheibe bei der Verbreitung des modernen Fußballs in Europa entwickelt. (…) Bald gründeten auch Schweizer Bürger Fußballklubs. Nicht nur im eigenen Land, sondern auch jenseits ihrer Landesgrenzen und hier insbesondere in Norditalien, Südfrankreich und Katalonien.“

Neun Deutsche, ein Österreicher und zwei Schweizer spielten seit der Klubgründung am 29. November 1899 für den Verein, der im spanischen Bürgerkrieg vor dem „Aus“ steht. Ab 1936 und mit der Einstellung der spanischen Fußballmeisterschaft fliehen viele „Barca“-Spieler vor der Franco-Diktatur nach Mexiko und in die USA. Fußball-Touren durch Nordamerika retten den FCB vor dem finanziellen Ruin.

Die Ankunft eines Holländers leitete ab 1973 und nach einer zwölf Jahre währenden sportlichen Krise eine neue Ära ein. Johan Cruyff, Synonym für den „totalen Fußball“, wurde zum stilprägenden Spieler des FC Barcelona. Ein katalanischer Volksheld für mehr als eine Generation. Einer, dessen Ruhm auch nach seinem Tod 2016 weiter wirkt. Schwer, sich in Barcelona mit ihm zu messen! Er wird „von der katalanischen Gesellschaft mit offenen Armen empfangen“, wie der in Barcelona geborene Journalist Guillem Balagué 2012 in Pep Guardiola – Another Way of Winning (Verlag: btb) schrieb, „und wollte sich für diesen Zuspruch erkenntlich zeigen, indem er vor der europäischen Presse seine Meinung kundtat: Er habe sich für Barca und gegen Real Madrid entschieden, „weil ich nicht für einen Klub spielen könnte, der mit dem spanischen Diktator Francisco Franco verbunden ist.“ Cruyff führte den FC Barcelona in eine neue Ära und wird 1988 auch Trainer. Ab Ende der 1970er-Jahre und bis zum Abschied 1996 setzte sich die Klub-Legende vor allem für die Förderung von Nachwuchsspielern ein. In La Masia, heute mit Ciutat Esportiva Joan Gamper dem Klubgründer Hans Gamper Tribut zollend, bildet „Barca“ seitdem seine Stars von morgen aus. Allein unter Cruyff schafften 29 Nachwuchsspieler den Sprung in die Profimannschaft. Unter anderem seien Pep Guardiola, Jordi Cruyff, Guillermo Amor oder Ivan de la Penya genannt.

Das ist ein Teil der „Barca“-Philosophie. Gesucht wurden immer Spieler, die neben der Bereitschaft zum ständigen Ballbesitz eine sehr gute Technik und die Fähigkeit zur schnellen Ballkontrolle mitbringen. Dazu kam, dass Barcelona sich immer um die besten Spieler der Welt bemüht hat. Von den großen Ungarn Zoltán Czibor, Sándor Kocsis und László Kubala über Cruyff, Argentiniens Ausnahmespieler Diego Maradona, Englands Tor-Maschine Gary Lineker, den Brasilianer Ronaldo, Portugals Idol Luis Figo, die französischen Weltmeister wie Thierry Henry und Antoine Griezmann, Afrika-Weltstar Samuel Eto‘o oder die allgegenwärtige Holland-Fraktion um Frank de Boer, Ronald Koeman, Frank Rijkaard und Frenkie de Jong.

Nach Nationalität getrennt und (fast) in chronologischer Reihenfolge

Trainer Hennes Weisweiler (re.) gibt Johan Cruyff (beide FC Barcelona) die Richtung vor. Leider gab es in der Umsetzung allzu oft Probleme…
Trainer Hennes Weisweiler (re.) gibt Johan Cruyff (beide FC Barcelona) die Richtung vor. Leider gab es in der Umsetzung allzu oft Probleme… Foto: Imago / Sven Simon

Der erste Deutsche stieg in der Gründerzeit bei „Barca“ ein. Ihm folgten (Stand: April 2020) acht weitere Deutsche, dazu kamen zwei Österreicher, von denen einer zündete. Dem anderen blieb nur ein Probetraining. Last but not least: Zwei Schweizer. Einer endete tragisch, der andere griff nach der WM-Krone. Mehr Fußballer aus diesen drei Ländern schaffen es nicht zu „Barca“.

Ihre Karrieren sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Einige wurden bei „Barca“ zu absoluten Stars. Andere waren zwar „Stars“ zu ihrer Zeit, gerieten aber bald in Vergessenheit. Für die meisten von ihnen war Barcelona ein Desaster. Drei Spieler sind heute noch Kult. Und ohne den Einen, einen Schweizer Kosmopoliten, gäbe es „Barca“ gar nicht.

Heute Volksheld, war das Ende der ersten überragenden Figur des Vereins mehr als tragisch und endete tödlich. Und niemand von „Barca“, das muss sich „Mes que un Club“ ankreiden, war in der schwersten Stunde da, um dem wichtigsten Mann der ersten 30 Jahre zu helfen. Ein Deutscher schoss ganz spezielle Tore gegen Real Madrid. Das ist bis heute unvergessen in Katalonien.

Ohne den zweiten Deutschen und seine Freunde gäbe es „Barca“ – wie es heute aufgestellt ist – wohl nicht. Der dritte Deutsche war an einer ganz entscheidenden Meisterschaft der „Blaugrana“ maßgeblich beteiligt. Ein anderer deutscher Profi hat die Philosophie von „Mes que un Club“ (Mehr als ein Klub“) bestens verinnerlicht: „Wir Spieler sind alle ein Teil des Klubs. Wir tun unser Bestes, um erfolgreich zu sein. Wir haben nun mal viele Persönlichkeiten, und auf diesem Niveau brauchst du auch viele Persönlichkeiten. Denn das sind auch die Spieler, die Verantwortung übernehmen. Der Fokus liegt immer auf dem Fußball, darauf müssen wir uns konzentrieren. Der FC Barcelona ist eine Riesenmarke, und der FC Barcelona weiß, dass wir den Auftrag haben, guten Fußball zu spielen. Das dürfen sie auch verlangen.“ Dürfen sie! Aber nicht jeder gute Spieler und nicht jeder Top-Trainer passt zu jedem Top-Verein. Die beiden deutschen Trainer-Ikonen kamen in Barcelona gar nicht zurecht. Zu viel deutsche Disziplin und teutonische Ordnung. Gegen die beiden damaligen Superstars, einer von ihnen ein innovativer Feingeist mit großer Hausmacht, der andere ebenfalls mit Standleitung zum Präsidium, kamen sie nicht an. Keine Chance.

Ein deutscher Superstar, der schon mit 20 ausgezogen war, die Fußballwelt zu erobern, der in seiner Heimat als begnadet galt, machte sich viele Feinde in Katalonien. Denn erst war er mega-erfolgreich und dann tat er das, was man in Barcelona nicht darf, auf keinen Fall. Jetzt gilt er als „Verräter“ – in fußballerischer Hinsicht natürlich.

Zwei Österreicher und ein Schweizer war der Größte

Erfolgsduo bei „Barca“? Diego Armando Maradona (l.) und Bernd Schuster konnten sich selbst bei Freistoß-Ausführungen nicht einigen…
Erfolgsduo bei „Barca“? Diego Armando Maradona (l.) und Bernd Schuster konnten sich selbst bei Freistoß-Ausführungen nicht einigen… Foto: Imago Images / Kicker / Eissner / Liedel
Wir erzählen die Geschichten der Deutschen, Österreicher und Schweizer, die beim FC Barcelona „auf dem Platz waren“, nach Nationalität getrennt und (fast) in chronologischer Reihenfolge. Warum sie zu „Barca“ gingen, wie es ihnen erging, warum einige scheiterten oder gar scheitern mussten. Dazu blicken wir auf weitere Punkte ihrer Barcelona-Zeit: Welche Rekorde und Bestmarken schafften sie? Wie ging es danach für sie weiter? War das „Leben nach Barca“ besser oder schlechter für sie?

„Barca“ und die Deutschen – Das ist schon speziell. Das ist anders als die Beziehung der deutschen Fraktion bei Real Madrid. Im Deutsch der sozialen Netzwerke würde man sagen: „Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.“ Wir sehen, wie eine einzige Entscheidung die Zukunft eines Vereins auf Jahre bestimmen kann. Dabei war der Deutsche, der gehen musste, einer der Besten seiner Zeit. Aber am falschen Platz. Denn kaum ging es nach Deutschland zurück, war der Erfolg wieder da. Und zwar mit seinem eigentlichen Heimatverein. Und er setzte sich durch gegen den Verein, mit dem er die größten Erfolge bis dato gefeiert hatte.

Nach den Deutschen blicken wir auf unsere Nachbarn und wollen die Geschichte von zwei Österreichern beim FC Barcelona erzählen. Ziemlich unterschiedliche Stories. Der eine reifte bei „Barca“ zum Superstar und spielte erfolgreich, galt sogar als legitimer Nachfolger des Mannes, den sie in Barcelona bis heute den „Erlöser“ nennen. Alles ging gut, bis der Deutsche kam, der später zum „Verräter“ wurde. Der andere schaffte es dann doch nicht. Kurz geträumt, aber dann unsanft aufgewacht. Und eine eher mittelmäßige Karriere hingelegt. Doch für einige Wochen und Monate konnte er von der großen Karriere bei dem Verein, dessen bloße Aussprache schon magisch klingt – F – C – B – A – R – C – E – L – O – N – A – träumen. Klappte dann halt nicht. Aber träumt nicht jeder Fußballprofi, nicht fast jeder Jugendspieler diesen Traum?

Träumen ist erlaubt. Nach dem Werdegang der beiden Österreicher bei „Barca“ erzählen wir die Geschichte von zwei Schweizern, die den Klub geprägt haben. Nachhaltig geprägt haben, denn ohne einen von ihnen gäbe es „Barca“ gar nicht. Somit ist unser Schweizer Nummer eins bis heute immer noch ein katalanischer Volksheld. Eine der überragenden Sportpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Auch wenn sein Ende in Barcelona tragisch war – Selbstmord, zuvor verarmt, verbittert und verlassen. Aber: Dieser Mann hat Sportgeschichte geschrieben.

Und dann gibt es noch einen anderen Schweizer, der bei „Barca“ zur Ikone reifte. Als man ihn Jahre zuvor im Ruhrpott kopfschüttelnd weg schickte, hätte man sich diese Entwicklung sicher nicht träumen lassen. Im „Pott“ sah man den späteren Mega-Star, der 2018 um den größten Fußballtitel der Welt spielte, meist auf der Ersatzbank. Kurios: Auf seiner Position spielte beim Revierklub dann ein teuer verpflichteter Spanier – nicht besonders gut.

Die Deutschen 1 – 2: Zwei Torhüter – und ihre Schicksale könnten nicht unterschiedlicher sein

1. Marc-Andre ter Stegen – Der „Messi mit Handschuhen“

Marc-Andre Ter Stegen spielt beim FC Barcelona unter Weltstars wie Lionel Messi (r.) und Gérard Piqué.
Marc-Andre Ter Stegen (Mitte, FC Barcelona). Foto: Imago Images / Nick Potts
Marc-André ter Stegen ist der zweite Ex-Gladbach Goalie, der beim FC Barcelona unter Vertrag steht.

„MAtS“, so die in die Zeit passende Abkürzung für den gebürtigen Mönchengladbacher ist aber der erste Torhüter, der sich im Tor der Katalanen positioniert – und zur Nummer eins avanciert. Auch, wenn der Start etwas holprig war.

Marc-André ter Stegen spielte seit Juli 1996 bei Borussia Mönchengladbach und durchlief dort alle Jugendmannschaften. Sein Bundesligadebüt gab er am 10. April 2011 im Spiel gegen den 1. FC Köln. Er überzeugte, hatte Glück bei einem großen Patzer und spielte auch in den restlichen sechs Bundesligaspielen der Saison 2010/2011 sowie den beiden Relegationsspielen gegen den VfL Bochum (1:0 / 1:1).

Am Saisonende hielt die rheinische Borussia die Klasse und erreichte in der darauffolgenden Bundesligasaison 2011/2012 den vierten Platz. Mit ausschlaggebend für Gladbachs Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation und für ter Stegens spätere Verpflichtung durch die Katalanen dürften wohl die 15 Spiele ohne Gegentor gewesen sein, die er in dieser Saison ablieferte. Auf bessere Werte kam ter Stegen später in Barcelona (Stand: April 2020) nur in zwei Spielzeiten, 2017/2018 und 2018/2019, jeweils in La Liga.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Erst Anlaufschwierigkeiten, dann das historische Triple

Am Ziel der Fußballträume: Marc-André ter Stegen holte mit dem FC Barcelona 2015 in Berlin die Champions League.
Am Ziel der Fußballträume: Marc-André ter Stegen holte mit dem FC Barcelona 2015 in Berlin die Champions League. Foto: Imago Images / Laci Perenyi

Zur Saison 2014/2015 wechselte ter Stegen zum FC Barcelona. Er unterschrieb im Mai 2014 einen FünfJahres-Vertrag bis zum 30. Juni 2019 und kostete Barcelona 12 Mio. Euro Ablöse; die Ausstiegsklausel lag zunächst bei kolportierten 80 Mio. Euro. Im Mai 2017 verlängerte der Ex-Gladbacher seinen Vertrag vorzeitig bis zum 30. Juni 2022. Laut „Barca“ beinhaltet der neue Kontrakt eine Ausstiegsklausel in Höhe von 180 Millionen Euro. In seiner ersten Saison bei den Katalanen war ter Stegen in der Primera Division zweiter Torhüter hinter dem neun Jahre älteren Chilenen Claudio Bravo. In der UEFA Champions League sowie in der Copa del Rey war er hingegen gesetzt und spielte durch.

Nachdem ihm zu Anfang seiner Karriere bei „Barca“ einige durchaus auch schwerwiegende Patzer unterliefen, und er im Verein und bei der spanischen Presse umstritten war, ist sein Status als Nummer eins mittlerweile unumstritten. Das dürfte ab 2016 der Fall gewesen sein. Er profitierte von der Abwerbung von Claudio Bravo durch Manchester City und seinen neuen Trainer Pep Guardiola. Seitdem machte es ter Stegen bis 2020 keine La-Liga-Saison mehr unter 35 von 38 möglichen Spielen.

Sein erstes Pflichtspiel für den FC Barcelona und gleichzeitig sein Champions-League-Debüt absolvierte er am 17. September 2014 am ersten Spieltag der Vorrunde der „Königsklasse“ beim 1:0-Sieg gegen APOEL Nikosia. Am Saisonende durfte „MAtS“ jubeln – Champions-League-Sieger 2015 mit dem FC Barcelona nach einem 3:1-Finalerfolg gegen Juventus Turin in Berlin. Er reihte sich damit in die Phalanx deutscher Spieler ein, denen mit einem ausländischen Klub der Triumph in der „Königsklasse“ gelungen war, u. a. Rudi Völler mit Olympique Marseille (1993), Bodo Illgner von Real Madrid (1998 und 2000), Dietmar Hamann mit dem FC Liverpool 2005 oder Sami Khedira (2014) mit Real Madrid. Die Zeit des Dreifach-Siegers Toni Kroos (2016 bis 2018) sollte bei den „Königlichen“ noch kommen…

In der Champions League absolvierte ter Stegen auf dem Weg zum Titelgewinn alle 13 Spiele. Hinzu kamen acht Einsätze in der Copa del Rey. Am Ende der Saison gewann er mit seinem Team das Triple, bestehend aus Meisterschaft, Pokal- und Champions-League-Sieg. Nach dem 0:0-Unentschieden in der Champions League im Herbst 2017 bei Juventus wurde der deutsche Nationalkeeper mit Lob überschüttet. In der Nachspielzeit rettete er sein Team mit „magischer Hand“ („AS“) vor einer Niederlage. „Barca“-Coach Ernesto Valverde nach dem Spiel: „Zum Glück haben wir einen großartigen Torwart. Er ist immer da, um entscheidende Paraden zu machen, wie er sie heute in einem Schlüssel-Moment gezeigt hat. Er ist immer da.“ Und die Zeitung El Pais formulierte wenig bescheiden: „Mit oder ohne Messi, der Beste ist ter Stegen.“ Zum „Messi mit Handschuhen“ stilisierte ihn nach dem Spiel in Turin, das für ter Stegen zum Meilenstein in seiner „Barca“-Karriere wurde, allerdings die Sportzeitung Marca. Er habe sich „definitiv als einer der besten Spieler auf seiner Position etabliert, wenn nicht sogar als der beste“, so das Blatt. Seine Aktion, als er in der Nachspielzeit trotz Sichtbehinderung durch drei seiner Mitspieler einen Ball von Juve-Stürmer Paulo Dybala – der Argentinier hatte bereits zum Jubeln angesetzt – mit einem Blitzreflex abwehrte, festigte diesen Nimbus.

Marc-Andre ter Stegen ist Barcelonas Fels in der Brandung. Im Bild jubelt er nach einem gehalten Elfmeter von Marco Reus (l.) im Champions-League-Spiel bei Borussia Dortmund (0:0) am 17. September 2019.
Marc-Andre ter Stegen ist Barcelonas Fels in der Brandung. Im Bild jubelt er nach einem gehalten Elfmeter von Marco Reus (l.) im Champions-League-Spiel bei Borussia Dortmund (0:0) am 17. September 2019. Foto: Imago Images / Moritz Müller

2. Robert Enke – Von van Gaal ignoriert

Robert Enke bei seiner Präsentation beim FC Barcelona am 25. Juli 2002 mit Trainer Louis van Gaal (r.).
Robert Enke, Trainer Louis van Gaal. Foto: Imago Images / Cordon Press / Miguelez Sports

Seinen ersten Auslandswechsel vollzog der damals 21-jährige Torhüter Robert Enke 1999 und nach dem historisch-ersten Abstieg von Borussia Mönchengladbach aus der Bundesliga.

Enke ging nach Portugal – zu Benfica Lissabon. Unter Trainer Jupp Heynckes wurde er zum Leistungsträger und Mannschaftskapitän. Lissabons Traditionsclub erzielt allerdings in den folgenden drei Spielzeiten nur mittelmäßige Ergebnisse.

Insgesamt kam Enke in Diensten von Benfica auf 28 Einsätze. In diesen Spielen blieb er acht Mal ohne Gegentor.

2002 wechselte Enke in die Primera División zum FC Barcelona. Beim eigenwilligen niederländischen Trainer Louis van Gaal war er jedoch von Anfang an nicht gefragt. Enke wurde nur in einem Pokalspiel, in zwei Champions-League-Spielen und lediglich ein Mal in einem Ligaspiel eingesetzt. Im riesigen Estadio Camp Nou sahen die „Barca“-Fans den deutschen Torhüter nur ein einziges Mal: Im Champions-League-Heimspiel am 13. November 2002 (3:1).

Ausleihgeschäft leitete Enkes Niedergang ein

Eines der wenigen Mannschaftsfotos des FC Barcelona mit Robert Enke (stehend, ganz links).
Eines der wenigen Mannschaftsfotos des FC Barcelona mit Robert Enke (stehend, ganz links). Foto: Imago Images / Kolvenbach

Für den in Barcelona unglücklichen Keeper wurde ein Ausleihgeschäft im Sommer 2003 mit dem türkischen Verein Fenerbahçe Istanbul und seinem deutschen Trainer Christoph Daum zum absoluten Desaster. Das erste Spiel mit Enke ging verloren, worauf ihn die eigenen Fans mit Gegenständen bewarfen und ausbuhten. Daraufhin löste Enke entnervt seinen Vertrag auf und stand mit 25 Jahren in der Vereinslosigkeit.

Obwohl er formal noch bei Barcelona unter Vertrag stand, ließ er sich im Januar 2004 in die spanische Zweite Liga ausleihen. Im Sommer 2004 kehrt Enke in die Bundesliga zurück, er wechselte zu Hannover 96. Von Beginn an gehörte er zu den Eckpfeilern in der Mannschaft.

2006 und 2009 wurde er von den Bundesligaspielern in Umfragen des Fachmagazins Kicker zum „Torhüter des Jahres“ gewählt. Ab 2007 ist Enke Kapitän der Mannschaft von Hannover 96. Dort verlängerte er erstmals in seiner Karriere einen Profivertrag. Der Gladbach-Abstieg, die Leidenszeit bei „Barca“ und in Istanbul, Schatten auf der Seele des Menschen Robert Enke, alles das scheint überwunden zu sein.

Schwerer Stand in der Nationalmannschaft

An der EM 2008 nimmt Robert Enke (r.) als offizieller zweiter Torhüter der deutschen Nationalmannschaft teil. Das Finale in Wien endet in einer Enttäuschung – für ihn und „Die Mannschaft“ um „Capitano“ Michael Ballack (m.) und Torsten „Lutscher“ Frings (2. v. l.)
An der EM 2008 nimmt Robert Enke (r.) als offizieller zweiter Torhüter der deutschen Nationalmannschaft teil. Das Finale in Wien endet in einer Enttäuschung – für ihn und „Die Mannschaft“ um „Capitano“ Michael Ballack (m.) und Torsten „Lutscher“ Frings (2. v. l.) Foto: Imago Images / WEREK
In Diensten von Hannover 96 wurde Enke 2006 vom neuen Bundestrainer Jürgen Klinsmann in die deutsche Nationalmannschaft zurückgeholt, für die er zuvor zwar häufiger ohne Einsatz nominiert war. Für die Heim-WM berief ihn Klinsmann trotzdem nicht. Er setzte auf die Rivalen Oliver Kahn und Jens Lehmann sowie auf Timo Hildebrand als dritten Torhüter.

Nach der WM kehrte Enke zunächst wieder in den Kader der Nationalmannschaft zurück, er blieb jedoch nur Ersatztorwart. Erst im März 2007 gab er sein Länderspieldebüt in einem Freundschaftsspiel gegen Dänemark (0:1) unter Bundestrainer Joachim Löw. Sein erstes Pflichtspiel für Deutschland machte er am 6. September 2008 in der WM-Qualifikation gegen Liechtenstein. Das Qualifikationsspiel gegen die russische Fußballnationalmannschaft im Oktober 2008 musste er jedoch wegen einer Handverletzung absagen.

Erst Ende März 2009 kehrte er für das Rückspiel gegen Liechtenstein – nunmehr nach einer Verletzung seines Konkurrenten René Adler – zur Nationalmannschaft zurück. Insgesamt hütete er in fünf von elf Spielen der Nationalmannschaft in der Saison 2008/2009 das Tor. Sein letztes Länderspiel war das WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan am 12. August 2009 (2:0). Die Rückspiele gegen Aserbaidschan (9. September 2009) sowie gegen Russland und Finnland (10. und 14. Oktober 2009) sollte Enke nicht bestreiten. Sein Ausfall wurde damals mit einer bakteriellen Infektion begründet. Im Nachhinein gab Enkes Vater jedoch bekannt, dass der tatsächliche Grund Depressionen gewesen seien.

Am 10. November 2009 nahm sich Enke an einem Bahnübergang im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge-Eilvese, unweit seines Wohnorts Himmelreich, durch Schienensuizid das Leben.

 

Dennis Otto: Talent allein reicht nicht

Deutsche Torhüter bei „Barca“ – Viel unterschiedlicher geht es wirklich nicht. Neben dem erfolgreichen Marc-André ter Stegen und dem glücklosen Robert Enke versuchte auch Dennis Otto 2013 bei den Katalanen sein Keeper-Glück.

Als 15-Jähriger aus Mallorca in die Jugend von „Barca“ gewechselt, kam er dort bei den Profis allerdings nie zum Zug. Aber: Barcelona blockierte Anfragen für ihn aus der Bundesliga und so wechselte der inzwischen 17-jährige Goalie von der A-Jugend des FC Barcelona zum FC Málaga, wo er im März 2016 einen Dreijahres-Vertrag unterschrieb.

Doch auch dort kam der 1,96 Meter lange Torhüter nicht zurecht. Seit Dezember 2017 weist die Spielerdatenbank Transfermarkt.de ihn als vereinslos aus.

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