Sie hassen sich wirklich – das sind die Fan-Rivalitäten der Liga

Es gibt Gegner. Ganz normale. Und „Opfer“. Und dann gibt es Fan-Freundschaften. Vor allem aber gibt es Fan-Feindschaften und Rivalitäten. Zum Teil eindeutig und seit Jahrzehnten bekannt und gepflegt, zum Teil eher unscharf, amorph und nur bei einem Teil der Anhängerschaft wirklich kultiviert. Manchmal regional begründet durch Nähe und dadurch natürliche Derby-Rivalität, manchmal durch lange zurück liegende Ereignisse entstanden, an die sich kaum noch jemand erinnern kann. 

Und hier ist unsere Liste der besonderen Fan-Rivalitäten der Vereine der Bundesliga 2015/16 .

[sam id=“43″ codes=“true“]

    

Köln vs. Mönchengladbach

Gladbach gegen Köln, das ist kein normales Spiel, „dat is Jeföhl“. Die besondere Feindschaft zwischen dem 1. FC Köln und den Borussen vom Niederrhein begründen viele mit einer Person, die Gründungsmitglied des 1. FC Köln im Jahr 1948 war und dort in den 50er Jahren als Trainer wirkte – Hennes Weisweiler.

1964 wechselte Hennes Weisweiler, Ur-Kölner und Dozent an der Sporthochschule in Köln, dann überraschend zum Provinzverein nach Gladbach. Beide Vereine trennten damals Welten, der FC war gerade deutscher Meister geworden und die Gladbacher spielten noch nicht einmal in der Bundesliga. Das sollte sich bald ändern und der rasante Aufstieg von BMG begann – unter der Ägide von Hennes – der nicht zufällig auch noch so hieß wie das Kölner Maskottchen und der nach Siegen in den Derbys mit dem 1. FC Köln (Und meistens gewannen ja die Gladbacher) gerne grinsend wie ein Honigkuchenpferd durch die Gänge der Kölner Universität lief.

Und schnell entwickelten sich die „Buuren (Bauern) vom Niederrhein zur Nummer 1 im Westen der Republik und der 1. FC Köln musste sich mit der Nummer 2 zufrieden geben. Das änderte sich erst wieder als Hennes Weisweiler nach seinem Scheitern als Trainer des FC Barcelona den 1. FC Köln übernahm und 1978 zur bis dato letzten deutschen Meisterschaften führte. Ganz knapp – nur aufgrund des besseren Torverhältnisses vor den Borussen, denen auch der Rekordsieg gegen die anderen Borussen (12:0) – damals von Otto „Torhagel“ trainiert – am letzten Spieltag nichts half.

In den 80er und 90er Jahren sowie in den 0-er Jahren des neuen Jahrtausends waren die sportlichen Erfolge beider Vereine eher rar gesät und man traf sich auch schon mal in der 2. Bundesliga zum Derby. Doch mittlerweile hat sich das geändert. Gladbach spielt Champions-League und der 1. FC Köln hat es wieder in die Eliteklasse geschafft.

Hertha vs. Schalke 04

Hertha BSC und Schalke 04 verbindet eine alte Rivalität, von der aber nur die Berliner wissen. Sie begann vor fast 45 Jahren und hat viel mit Skandalen und Spilmanipulationen zu tun . Bei Schalke haben sie bis heute aber nichts von jener Rivalität mitbekommen. Denn durch Gelsenkirchen sollte man besser nicht mit dem Auto spazieren fahren, wenn man ein Dortmunder Kennzeichen besitzt. Aber Hertha? Achselzucken.

Bei den Berlinern sieht man das anders. Das liegt daran, dass die Erinnerungen an das Jahr 1971 nicht verblasst sind. Damals im Dezember, als der Bundesligaskandal seine Kreise zog, fühlte man sich von Schalke betrogen. Vor dem Erstrundenrückspiel im DFB-Pokal gegen S04 sollte Herthas ungarischer Stürmer Zoltan Varga wegen seiner Beteiligung am Bestechungsskandal mit einer Vorsperre belegt werden. Sein Prozess hatte nämlich noch nicht begonnen. Varga wehrte sich dagegen, erwirkte eine einstweilige Verfügung und war zwei Tage später an zwei der drei Treffer beim 3:0-Sieg gegen Schalke beteiligt. Noch am selben Abend legte S04 Einspruch ein. Ein paar Wochen später wandelte das DFB-Sportgericht Herthas Sieg in eine 0:2-Niederlage um. Schalke kam weiter und gewann am Ende auch den Pokal.

Der Stachel sitzt aus verschiedenen Gründen so richtig tief. (1) Weil es in der Saison 1964/65 in der gerade neu geschaffenen Bundesliga zu ersten Unregelmäßigkeiten kam und Schalke und der KSC wegen Verstößen gegen die damaligen Ablösebeschränkungen zuerst zu Punktabzügen verurteilt, später jedoch begnadigt wurden. Hertha jedoch wurde wegen ähnlicher Vorgänge zum Zwangsabstieg verdonnert (deswegen spielte Tasmania Berlin auch 1 Jahr in der Bundesliga), von dem wiederum ausgerechnet Schalke profitierte (die die Saison als letzter beendet hatten).Und (2) weil in der Mannschaft der Schalker im Jahr 1971 diverse Spieler standen (Rüssmann, Wittkamp, Fischer, etc.), denen später selbst die Beteiligung an Spiel-Manipulationen nachgewiesen werden konnte. Weil die Schalker dies allerdings zunächst bestritten, während Herthas Varga geständig war, ist für die Königsblauen bis heute in Berlin auch die Bezeichnung „FC Meineid“ gebräuchlich. Keinesfalls Achselzucken.

Und die Abneigung von damals hat bis in die Gegenwart Gültigkeit. Und es gibt nicht wenige, die das Scheitern von Huub Stevens bei Hertha auch damit in Verbindung bringen, dass der Trainer bei S04 Kult ist. Und es bleibt zu erwähnen, dass die Abneigung der Berliner gegen S04 sportlich auch ständig neuen Nachschub bekommt. Mehr als 50 Spiele hat es seit der Pokalpartie 1971 in der Bundesliga gegen Schalke gegeben. Meistens siegte der ungeliebte Gegner. Und zuletzt verfinsterten sich die Mienen der Berliner Fans immer weiter, wenn es gegen Schalke ging: Seit ungefähr 9 Jahren konnte Hertha nicht mehr gegen S04 gewinnen. Von den vergangenen dreizehn Partien wurden elf verloren (zwei Remis).

Dortmund vs. Schalke

Die Geschichte der „Mutter aller Fußballspiele“ im Revier beginnt mit einem 4:2. Der FC Schalke besiegt Borussia Dortmund im Mai 1925 klar und deutlich – und niemand wundert sich.

Der BVB krebst zu dieser Zeit in der „Kreisklasse Dortmund-Herne“ herum, Schalke ist der dominierende Westverein und wird neun Jahre später erstmals deutscher Meister. Auf dem Rückweg von Berlin stoppt die Reichsbahn 35 Kilometer vor Gelsenkirchen. In offenen Autos fahren die Schalker Spieler durch die Dortmunder Innenstadt, werden von einer Menschenmenge umjubelt und tragen sich als erste Fußballmannschaft ins goldene Buch der Stadt ein. „Es herrschte eine tiefe Sympathie zwischen beiden Vereinen“, sagt der ehemalige BVB-Sprecher und heutige Archivar, Gerd Kolbe.

Tiefe Sympathie? Längst ist eine tiefempfundene Feindschaft daraus geworden. Noch nicht einmal aussprechen wollen die Fans den Namen des Gegners: Die Schalker nennen den BVB „Lüdenscheid-Nord“, die Borussen kontern mit „Herne-West“.

Den Wendepunkt im Verhältnis der beiden Vereine markierten das Jahr 1943 und die 50er Jahre. Im November 1943 gab es nach bis dahin reihenweise „Packungen“ den ersten Sieg des BVB über den bislang dominierenden Rivalen – und der erste Nationalspieler des BVB namens August Lenz schoss das 1:0-Siegtor.

Nach Kriegsende entwickelte sich der BVB dann endgültig zum ernstzunehmenden Kontrahenten von Schalke 04. Bereits die erste Partie nach Kriegsende konnte Borussia Dortmund für sich entscheiden und wurde 1947 durch einen 3:2-Erfolg Westfalenmeister. Es folgte die Wachablösung in der Ära der Oberliga West und die beiden deutschen Fussballmeisterschaften 1956 und 1957. Zwar konterte Schalke 1958 und wurde nochmals deutscher Meister, doch nach einer Schwächephase in den 70er Jahren löste der BVB in der Folgezeit den Revier-Rivalen als Nummer 1 im Pott ab. Einigen Pokalsiegen des S04 stehen diverse Meisterschaften und der Gewinn der Champions-League beim BVB gegenüber.

Bayern München vs. 1860 München

Luftlinie trennen die beiden Vereine nur wenige hundert Meter. Und doch liegen zwischen ihnen Welten. Die Grünwalder Straße zieht sich wie ein Trennstrich durch den Fußball Münchens. Zur Rechten liegt, an der Säbener Straße residierend, einer der größten, reichsten und erfolgreichsten Klubs der Welt, der FC Bayern. Zur Linken dilettiert, stümpert und katastrophiert der nahezu bankrotte TSV 1860 durch Fußball-Deutschland.

Und das sind einige Gründe für die tief verwurzelte Rivalität, die sehr viel mit dem Niedergang des einen und dem Aufstieg des anderen Vereins zu tun haben. Auch eine „Watschn“ im Jahr 1958 spielt hierbei eine große Rolle.

Arbeiter gegen Schickeria

Als kürzlich in der ARD der Film „Landauer“ ausgestrahlt wurde, war der Aufschrei in München groß. Zumindest links der Grünwalder Straße. In dem Film wurde der TSV als „Nazi-Verein“ bezeichnet. Die Lokalzeitungen waren am nächsten Tag voll mit Erklärungsversuchen. Im Internet schlugen die Diskussionen schnell in wüste Beschimpfungen um. Die Roten behaupteten der Vorwurf sei wahr, die Blauen argumentierten, dass es auch bei den Roten Nazis gegeben habe. Fakt ist, dass beim FC Bayern zu Beginn des Nazi-Regimes mehr Juden spielten als bei 1860. Und Fakt ist auch, dass der Jude Kurt Landauer zu jener Zeit Präsident beim FC Bayern war und nach Kriegsende die Roten wieder aufbaute.

Bis heute spielt sich die Rivalität zwischen dem FC Bayern und dem TSV 1860 auch in der Politik ab. Christian Ude, ehemaliger Oberbürgermeister Münchens, war schon seit jeher ein Blauer, obgleich er politisch ein Roter ist (SPD). Edmund Stoiber hingegen, ehemals Ministerpräsident Bayerns, war sportlich gesehen schon immer ein Roter, obgleich seine politische Einstellung schwarz ist (CSU). Weshalb aus der politischen Landschaft heraus schnell mal hergeleitet wäre, warum sich Sechzig als Arbeiterverein der einfachen Leute sieht und den FC Bayern als Schicki-Micki-Verein der High Society beschimpft.

Die Protagonisten

Einer, der eigentlich lieber zum Arbeiterverein gewechselt wäre als zu den Bayern, ist Franz Beckenbauer. Sein Werdegang erklärt, wieso Sechzig zwar nach Einführung der Bundesliga noch vor den Bayern erstmals Deutscher Meister wurde, aber wenig aus seinen Möglichkeiten machte. Als Obergiesinger hatte sich der spätere „Kaiser“ als 13-jähriger Spieler „ganz klar dem TSV 1860 zugehörig“ gefühlt. Zusammen mit fünf Freunden wollte er 1958 vom SC 1906 zum TSV 1860 München wechseln. Doch: Im letzten Spiel für den SC 1906 gegen 1860 kassierte Beckenbauer eine Watschn von seinem Sechziger-Gegenspieler. „Dann bin ich eben zum FC Bayern gegangen.“ Und führte die Roten später in neue Dimensionen, während Sechzig in der Zweitklassigkeit verschwand.

Wenn die Watschn nicht gewesen wäre!

Als der TSV 1860 im Frühling 2011 kurz vor der Pleite stand, kochte die weiß-blaue Fan-Seele. Ausgerechnet die Roten hatten den Blauen einen Kredit angeboten. Acht Millionen Euro für die Rettung. Ein Geschäft, das seinen Hintergrund in einem wirtschaftlichen Desaster hatte: der Allianz Arena. Ihre Anteile am Schlauchboot in Fröttmanning hatte man längst an den Rivalen abtreten müssen. Nun bot Uli Hoeneß dem Nachbarn Geld an. Doch nicht aus Nächstenliebe, sondern aus Eigennutz. 1860 verpflichtete sich, bis 2025 viel Geld zu zahlen, um in der Allianz Arena weiter Fußball spielen zu dürfen. Je nach Liga-Zugehörigkeit „50 Millionen Euro plus X“, wie Hoeneß bestätigte. Wäre Sechzig pleite gegangen, wäre der Vertrag hinfällig gewesen. Am Ende war es der Jordanier Hasan Ismaik, der den Klub vor dem Untergang bewahrte – und indirekt dem FC Bayern Einnahmen sicherte.

Es gehört zum Selbstverständnis der Löwen, dass dieses ein Grund war, warum einige Traditionalisten ihren Klub lieber hätten pleite gehen lassen (mit Neustart in der Bayernliga), als den Bayern weiter Geld zu geben. Noch heute sind es diese Folklore-Fans, die in Ismaik nicht den Retter der Weiß-Blauen sehen, sondern den Teufel in Menschengestalt.

Geschichten eines Derbys

Deswegen würde sich für die Löwen-Fans jedes weitere Derby in der Allianz Arena auch wie ein Auswärtsspiel anfühlen – egal, wer Heimrecht hat.

Helden würden diese Derbys wohl dennoch schreiben können. So wie Thomas Riedl, Durchschnittsspieler – der aber dank seines Siegtores für die Löwen 1999 gegen die Bayern auf Lebzeiten den Status eines Fußballgotts bei den 60-er Fans haben wird. So wie Mario Basler, der 5 Jahre zuvor im Emotions-Derby (7 Gelbe, 2 Rote und 1 Gelb-Rote Karte) wutentbrannt auf Werner Lorant losging. Oder wie Carsten Jancker, der Sechzig-Keeper Bernd Meier beim Abstoß den Ball klaute und einnetzte.
Wir hoffen, die Liste ist vollständig und korrekt. Falls nicht – Dann postet uns doch einfach ein Update auf www.facebook.com/ligalivenet.

[sam id=“29″ codes=“true“]