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So versank die Copa Libertadores im Chaos

Buenos Aires unter Schock! Das Rückspiel im Finale der Copa Libertadores, der Champions League Südamerikas, zwischen den beiden Hauptstadt-Rivalen River Plate und Boca Juniors ist schweren Ausschreitungen zum Opfer gefallen. Das für Samstag angesetzte Finale ist vorerst abgesetzt worden.

Ende offen im Fußball-Chaos von Argentinien! Es sind Szenen, die an einen Krieg erinnern.

Polizisten in Kampfmontur, mit Schutzschilden, aufgereiht wie römische Legionäre, prägen am Wochenende das Bild rund um das Estadio El Monumental in Buenos Aires.

Argentiniens Hauptstadt, auch die fußballerische Metropole des Landes, erlebt eine schwarze Stunde. Das Final-Rückspiel um die Copa Libertadores mit den beiden Hauptstadt-Klubs River Plate und Boca Juniors (Hinspiel: 2:2) muss 2-mal abgesagt werden – und ist nun auf unbestimmte Zeit verschoben.Wegen der Folgen der Attacke auf den Teambus der Boca Junios in Buenos Aires wird das Rückspiel beim argentinischen Stadtrivalen River Plate am Sonntag auf einen noch nicht benannten Termin verschoben. Diesem Antrag der von den Krawallen gezeichneten Boca Juniors ist am Sonntag entsprochen worden, wie Alejandro Dominguez, Präsident des südamerikanischen Dachverbands und Ausrichter CONMEBOL, mitteilt.Es ist sicher nicht zu erwarten, dass die beiden Stadtrivalen sich vor lauter Freude über das erste rein argentinische Endspiel bei der Copa Libertadores um den Hals fallen werden. Ausschreitungen und brutale Gewalt gehören zum härtesten Fußball-Derby der Welt leider dazu.

Gewaltexzesse haben in der mehr als 100 Jahre währenden Rivalität beider Teams dafür gesorgt, dass seit 2013 keine Gästefans mehr zugelassen sind. Der Versuch von Argentiniens Staatschef Mauricio Macri (59), diesen Beschluss vor dem Finale aufzuheben, scheitert.

Im Hinspiel im legendären Stadion „La Bombonera“ im Stadtteil La Boca müssen „Los Millionarios“, wie die Spieler von River Plate aufgrund ihrer traditionellen Zuordnung zum gehobenen Bürgertum in Buenos Aires genannt werden, ohne ihre Anhänger auskommen.

Das abwechslungsreiche Hinspiel wird zur Fußnote. 2-Mal holt River Plate, das Team um den ehemaligen Nürnberger Javier Pinola (35) einen Rückstand auf. Bocas Ramon Abila (34.) und der nach längerer Verletzung zurückgekehrte Stürmer Dario Benedetto (45.) erzielen vor 50.000 Zuschauern die Tore für die Juniors. River Plate gleicht durch Lucas Pratto (35.) und ein Eigentor von Carlos Izquierdoz (61.) zweimal aus.Das kann man alles vergessen. Vor dem ursprünglich für Samstag, 21 Uhr, angesetzten Rückspiel kommt es zu unglaublichen Ausschreitungen.

River Plate-Chaoten bewerfen den Mannschaftsbus des Gegners Boca Juniors mit Steinen. Bocas Kapitän Pablo Pérez muss ins Krankenhaus gebracht werden, wo eine Augenverletzung des Mittelfeldspielers festgestellt wird. Mehrere weitere Spieler, unter ihnen der früher für Manchester United und City aktive Starstürmer Carlos Tévez, werden von Pfeffer- oder Tränengas getroffen, das durch die von zerstörten Fenster in den Bus eindringt.

Damit nicht genug. Rund um das Stadion kommt es am Samstag zu weiteren Krawallen. Tausende Fans haben sich ohne Ticket auf den Weg zum El Monumental im Stadtteil Belgrano aufgemacht. Sie liefern sich wilde Schlägereien mit der Polizei, die mit 2.100 Einsatzkräften versucht, das Spiel zu schützen. 56 Menschen werden festgenommen. An Fußball ist nicht zu denken.Gegen 23.15 Uhr wird am Samstag die erste, geplante Neuansetzung zurückgenommen. Da Boca immer noch unter Schock steht, fällt auch der 2. Versuch am Sonntag flach.

Am Sonntagabend ist es etwas ruhiger in der argentinischen Hauptstadt. Die Tore des River-Stadions werden am Sonntag wenige Minuten vor der Bekanntgabe der erneuten Vertagung für die Fans geöffnet. Sie machen ihrem Frust mit Pfiffen und Buh-Rufen Luft, beim Abzug bleibt aber alles ohne Zwischenfälle. Der Sicherheitssekretär der Stadt Buenos Aires, Marcelo D'Alessandro, hat nun alle Hände voll zu tun. Er schiebt die Verantwortung für die Ausschreitungen kriminellen Fans zu, gegen die die Justiz ermittelt. D' Alessandro bezieht sich auf eine Hausdurchsuchung in der Wohnung eines berüchtigten Anführers von gewalttätigen River-Fans, bei der am Freitag 300 Tickets für das Finale und zehn Millionen Peso – umgerechnet 240.000 Euro sichergestellt werden. Der illegale Weiterverkauf von Tickets zu Schwarzmarkpreisen von bis zu 5.000 Euro hat vor dem Finale Hochkonjunktur. Ein beschämendes Bild für den Liga-Fußball im Land des zweimaligen Weltmeisters.

Der Bürgermeister von Buenos Aires Horacio Rodríguez Larreta kündigt am Sonntag Untersuchungen an, mit deren Hilfe ermittelt werden soll, wie es zu dem Angriff auf den Boca-Mannschaftsbus kommen konnte. Mehrere hundert River-Fans warten – gänzlich unbehelligt von den Ordnungskräften – an einer Ecke gut 200 Meter vom Stadion entfernt auf den Bus. Der Angriff kann von dem Polizeigeleit nicht eingehalten werden. Auch das ist haarsträubend.

Wann das Spiel nun letztendlich stattfindet, ist völlig offen. Das Finalstadion der Weltmeisterschaft 1978 liegt nämlich in einem Sperrgebiet, welches ab Donnerstag von keinem Normalbürger betreten werden darf. Dann beginnt in Buenos Aires der diesjährige G20-Gipfel.


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