Socrates – Der Suff, das Ende des Futebol-Arte und der Kampf gegen die Diktatur


Socrates - Der Suff, das Ende des Futebol-Arte und der Kampf um demokratische Strukturen im Fußball

Sócrates war eine Ikone des brasilianischen Fußballs. Er starb viel zu früh.
Sócrates war eine Ikone des brasilianischen Fußballs. Er starb viel zu früh. Foto: Imago Images

Sócrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira, auch bekannt als „Dr. Sócrates“ – Brasilianischer Fußballspieler. Kinderarzt – und Inbegriff des tragischen Helden im Land des Rekord-Weltmeisters.

Es ist August 2011. Sócrates ist auf dem Weg zur Endstation. Er wird mit Magenblutungen und entzündeter Leber in ein Krankenhaus eingeliefert, muss mehrere Tage auf der Intensivstation verbringen. In diesem Zusammenhang macht er seine Alkoholprobleme öffentlich. Wenige Monate später, am 4. Dezember 2011, stirbt er im Alter von 57 Jahren in São Paulo an einer durch eine Darminfektion verursachten Sepsis. Socrates debütiert in der „Selecao“ am 17. Mai 1979 gegen Paraguay und spielt insgesamt 60 Mal für die brasilianische Fußballnationalmannschaft. Dabei erzielt der Mittelfeldregisseur 22 Tore. Sócrates ist Brasiliens Kapitän bei den Fußballweltmeisterschaften 1982 in Spanien und 1986 in Mexiko.

Der Mann mit dem längsten Namen unter allen offiziell registrierten WM-Teilnehmern ist ein Leistungsträger der brasilianischen Nationalmannschaft der 1980er Jahre. Zusammen mit Zico („Der weiße Pelé“), Falcão und Toninho Cerezo bildet der 1,92 m große Hüne das „magische Mittelfeld-Quartett“ Brasiliens, das auch die „Fantastischen Vier“ genannt wird.

Dieses Team kann, obwohl besonders vor der WM 1982 in Spanien favorisiert, nie den Weltmeistertitel gewinnen. Es gilt in Brasilien zusammen mit der 1970er Weltmeistermannschaft um Fußball-Genie Pelé dennoch als die beste „Seleção“ aller Zeiten. Besonders unglücklich ist dabei das Ausscheiden bei der WM 1986. Denn dort scheitert das so ambitionierte Star-Ensemble unglücklich knapp vor dem Halbfinale. Und Sócrates, der Elfmeter immer aus dem Stand schießt, vergibt. Platini und Júlio César treffen ebenfalls nicht, aber Frankreich gewinnt das Elfmeterschießen mit 4:3. Nach der WM tritt Sócrates aus der Nationalmannschaft zurück.

„Ich möchte an einem Sonntag sterben und Corinthians (São Paulo) soll Meister werden“

Falcão und Zico folgen ebenfalls, so dass eine der großen Ären der brasilianischen Nationalelf zu Ende geht. Allerdings auch eine der erfolglosesten. Denn zu einem Weltmeistertitel reicht es eben nicht.

Socrates - Was wenige wissen

Sócrates im Trikot des AC Florenz. Für die Fiorentina spielte die tragische Figur des brasilianischen Fußballs nur eine Saison, 1984/85.
Sócrates im Trikot des AC Florenz. Für die Fiorentina spielte die tragische Figur des brasilianischen Fußballs nur eine Saison, 1984/85. Foto: Imago Images / Aflosport

Nach eigener Aussage raucht Socrates täglich 20 Zigaretten, trainiert eher wenig, feiert dafür aber umso mehr. Bei Corinthians São Paulo setzt er basisdemokratische Strukturen durch (die sogenannte Democracia Corinthiana), sodass die Spieler fortan alles bestimmen.

Von den Trainingszeiten bis hin zum Speiseplan. Sócrates, der 192 cm groß war, aber nur Schuhgröße 41 hat und berühmt für seine Absatzkicks und Steilpässe mit der Hacke ist, gilt als Enfant terrible des brasilianischen Fußballs.

Er ruft die Fans dazu auf, sich gegen die damalige Militärdiktatur und für die Demokratie zu engagieren. Zu seinen fußballerischen und politischen Mitstreitern gehören der Kommunist und linke Verteidiger Wladimir sowie der damals noch junge Walter Casagrande.

Während der zwei Meisterschafts-Spielzeiten 1982 und 1983 nutzen Casagrande und die Democracia Corintiana immer wieder den Fußballplatz zur Demonstration ihrer politischen Einstellung, um beispielsweise in Trikots aufzulaufen, die den Slogan „Demokratie jetzt“ tragen.

Sócrates ist studierter Arzt und wird daher von Fans und Median auch Dr. Sócrates genannt. Da er parallel zu seiner Laufbahn als Fußballprofi sein Studium absolviert, verpasst er die Teilnahme an der WM 1978 in Argentinien.

Im Jahr 1983 antwortet er in einem Interview auf die Frage, wie er sterben wolle mit: „Ich möchte an einem Sonntag sterben und Corinthians (São Paulo) soll Meister werden“. Und Sócrates stirbt an einem Sonntag. Und wenige Stunden danach gewann Corinthians die Meisterschaft.

Persönliche Erfolge
Südamerikas Fußballer des Jahres: 1983

Mit Botafogo-SP

Gewinn des Vicente Feola Turniers: 1976
Gewinn des Taça Cidade de São Paulo: 1977

Mit Corinthians

Gewinn der Campeonato Paulista: 1979, 1982 & 1984

Mit Flamengo

Gewinn der Campeonato Carioca: 1986
Campeonato Carioca Finalteilnehmer: 1987
Gewinn der Copa União: 1987

Mit Brasilien

Dritter der Copa América 1979
Vize-Meister der Mini-WM 1980/81[6]
Vize-Meister der Copa América 1983
FIFA Fair Play Trophy der FIFA 1982

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