Der vergessene Nationalspieler und die Mafia-Lüge


In der deutschen Nationalmannschaft blieb Amin Younes (vorn, mit Leon Goretzka) oft nur die Bankrolle...
In der deutschen Nationalmannschaft blieb Amin Younes (vorn, mit Leon Goretzka) oft nur die Bankrolle... Foto: Imago Images

Es ist ein wenig ruhiger geworden um Amin Younes (26). Der Linksaußen vom SSC Neapel kommt nach Achillessehnenverletzung und muskulären Problemen seit Frühjahr 2019 beim Maradona-Klub nur sporadisch zum Einsatz.

In dieser Saison ist der frühere Bundesliga-Profi von Borussia Mönchengladbach nur in einem Spiel in der Serie A zu sehen.

Younes hat zuletzt am 8. Oktober 2017, also vor exakt 2 Jahren, ein Länderspiel für Deutschland bestritten. Beim 5:1-Erfolg über Aserbaidschan in der WM-Qualifikation in Kaiserslautern, wo er 2015/2016 auch als Leihprofi in der 2. Liga war, kommt der Flügelstürmer letztmalig zum Einsatz.

Der gebürtige Düsseldorfer, dessen Vater aus dem Libanon kommt, hat alle deutschen Junioren-Nationalmannschaften durchlaufen.

Der größte Erfolg für Amin Younes im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft: Confederations Cup Sieger 2017 in Russland mit (v. l.) Julian Brandt, Kerem Demirbay, Shkodran Mustafi und Julian Draxler. Foto: Imago Images

Younes: ,,Lucien Favre ist ein toller Trainer"

Lucien Favre (r.) holte Amin Younes zu den Profis von Borussia Mönchengladbach. Foto: Imago Images
Amin Younes ist 2017 mit Deutschland in Russland Sieger im Confederations-Pokal geworden.

Insgesamt kommt der Super-Dribbler, den Lucien Favre (61) 2012 für Borussia Mönchengladbach entdeckt hat, aber nur auf 5 Länderspiele (2 Tore). Damit fällt er unfreiwillig in die Rubrik ,,Vergessene Nationalspieler“, denn auf der linken Außenstürmerposition ist für Younes Stand jetzt bei Joachim Löw kein Platz mehr.

Dass sich Amin Younes für Deutschland und nicht für den Libanon, wo sein Vater gespielt hat, entschieden hat, begründet er in einem Sommer-Interview mit der Zeitschrift 11 FREUNDE so: ,,Ich habe dort nie gelebt. Für mich war immer klar, dass ich Deutscher bin.“

Über seinen Entdecker Lucien Favre, derzeit in Dortmund arg in der Kritik, sagt Younes in dem gleichen Interview: ,,Lucien Favre ist ein toller Trainer. Er will jeden Spieler jeden Tag besser machen und bei den meisten bekommt er das auch hin. Aber für mich als 17-Jähriger war es in Gladbach eine große Herausforderung, all seinen Anweisungen im Detail zu folgen.“ Stimmt. Man muss den Monsieur nicht immer verstehen, um ihn zu verstehen…

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,,Mafia-Geschichte war frei erfunden - Dennoch musste ich zur Polizeit"

Kein schöner Abgang bei Ajax Amsterdam: Amin Younes verlor nicht nur das Europa-League-Finale 2017 in Stockholm...
Kein schöner Abgang bei Ajax Amsterdam: Amin Younes verlor nicht nur das Europa-League-Finale 2017 in Stockholm... Foto: Imago Images

Nach seinem Wechsel zum SSC Neapel zum 1. Juli 2018 ereilt Younes in der fußballverrückten Stadt in Süditalien eine unschöne Geschichte.

Younes hat zuvor den Van der Vaart gegeben und sich – noch in Diensten von Ajax Amsterdam – mit Napoli-Schal ablichten lassen. Der Winter-Transfer nach Neapel kommt dann doch nicht zustande und sowas kommt bei den heißblütigen Neapolitanern gar nicht gut an. ,,Es sind dann Dinge passiert, die damals nicht in Ordnung waren“, gibt sich Younes bei 11 FREUNDE vielsagend.

Dazu gehört das böse Gerücht, die Mafia hätte ihn eingeschüchtert. Kein schönes Thema für Neapel, wirklich nicht. Nur so als Hintergrund. Als der SSC Neapel 1984 – eine fußballerische Weltsensation – den argentinischen Superstar Diego Armando Maradona vom FC Barcelona holt und ein Journalist sich ,,erdreistet“, nach der Rolle der neapolitanischen Camorra bei diesem doch mehr als merkwürdigen Transfer zu fragen, wird er direkt aus dem Presse-Raum geworben.

,,Diese Geschichte hat mich total geärgert“, sagt Amin Younes bei 11 FREUNDE, ,,weil sie frei erfunden war.“ Schuld sind wieder einmal die Holländer. ,,Soweit ich weiß, hat sie ein niederländischer Journalist in die Welt gesetzt“, erzählt Younes dem Magazin, ,,der rief mich zu der Zeit dauernd an, weil er wissen wollte, was zwischen Neapel und mir passiert ist. Aber ich habe ihm nichts erzählt. Und plötzlich stand in der Zeitung, dass mich die Mafia angesprochen hätte. Wegen dieser Lüge musste ich später sogar zur neapolitanischen Kriminalpolizei und mich befragen lassen. Die wollten wissen, was an der Geschichte dran sei – und zeigten mir dann die niederländischen Zeitungsartikel.“ Mamma mia.

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