WM 1934: Der Duce korrumpiert die Fußball-Weltmeisterschaft



Betrug im faschistischen Italien

Benito Mussolini greift 1934 aktiv in die WM ein und sorgt für den Sieg Italiens.
Benito Mussolini greift 1934 aktiv in die WM ein und sorgt für den Sieg Italiens. Foto: Imago Images

Dem Weltmeisterschafts-Erfolg Italiens 1934 haftet ein ewiger Makel an. Die erste WM in einem faschistischen Land, die propagandistische Nutzung und die nachweisliche Einflussnahme der italienischen Machthaber um Benito Mussolini auf die Schiedsrichter werden zum ersten Ärgernis der Turnier-Historie.

Enrique Guaita, Luis Monti und Attilo de Maria – so heißen die drei Bösewichte. Alle drei sind in Argentinien geboren. Das macht sie per se nicht verdächtig. Leider spielten die Profis vom AS Rom, Ambrosiana-Inter (heute Inter Mailand) und Juventus Turin für Italien. Damit leistet sich die „Squadra Azzurra“ schon lange vor Turnierstart den ersten Regelverstoß.

Laut FIFA-Statuten hätte das argentinische Trio ab März 1931 in Italien leben und vor allem keine Länderspiele mehr für die „Albiceleste“ bestreiten dürfen. Taten sie aber trotzdem, Guiata sogar bis zum 5. Februar 1933, also etwas mehr als ein Jahr vor der zweiten Fußball-Weltmeisterschaft. Für die italienischen Organisatoren – das OK ist durchsetzt von faschistischen Funktionären – kein Problem. Schließlich, so argumentieren sie, hätte der Rumäne Iuliu Barátky früher auch für Ungarn gespielt.

Den WM-Zuschlag erhält Italien am 14. Dezember 1932 in Zürich. Der „Duce“, Benito Mussolini, der sich 1925 zum Diktator Italiens aufgeschwungen hat, stellt das notwendige Kleingeld für die insgesamt acht Stadien zur Verfügung. In Bologna, Florenz, Genua, Mailand, Neapel, Rom, Triest und Turin rollt der Ball. Bei der WM-Premiere 1930 in Uruguay wird nur in Montevideo gespielt. Mit der Investition in die WM-Stadien gaukelt Mussolini der Welt ein wachstumsstarkes Italien vor – dabei ist die Lira längst im inflationären Sinkflug. Zudem dienen ihm die neuen Arenen als perfekte Kulisse zur Selbst-Inszenierung. Wo Mussolini während der WM auftaucht, gibt es vorbereitete Jubelstürme.

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JUbel über den Weltmeistertitel mit fadem Beigeschmack.
JUbel über den Weltmeistertitel mit fadem Beigeschmack. Foto: Imago Images

Ab dem Viertelfinale wird die Einflussnahme konkret

Mussolini (re.) war ein begeisterter Fünfkämpfer.
Mussolini (re.) war ein begeisterter Fünfkämpfer. Foto: Imago Images

Damit auch sonst nichts schief geht, hat Mussolini seinen glühenden Anhänger Giovanni Mauro an die Spitze des italienischen Fußballverbandes gestellt. Mittelsmann zwischen Verband, FIFA und Partei ist Giorgio Vaccaro, seines Zeichens General einer faschistischen Miliz.

Italien 1934 ist eine WM, die nur im K.o.-System ausgetragen wird. Den ersten, krassen Skandal gibt es im Viertelfinale gegen Spanien. Die Italiener haben den iberischen Rivalen bei der WM-Vergabe ausgebootet. Das gelingt ihnen jetzt auch auf dem Rasen in Florenz – unter skandalösen Umständen.

Nach einem 1:1 nach Verlängerung wird nur einen Tag später ein Wiederholungsspiel angesetzt. Spaniens Torwart-Hexer Ricardo Zamora († 1978) kann verletzungsbedingt nicht dabei sein. Sein Vertreter Juan José Nogués wird beim entscheidenden 1:0 für Italien gleich von mehreren Spielern behindert – Italiens legendärer Stürmer Giuseppe Meazza stützt sich gar auf den Keeper auf.

Unglaublich, dass der Schweizer Schiedsrichter René Mercet dieses Tor gibt. Und noch unverständlicher, dass er den Spaniern in der zweiten Halbzeit zwei reguläre Tore verweigert.

 

Vor dem Halbfinale geht Mussolini auf Nummer sicher

Vor dem Halbfinale gegen Österreichs „Wunderteam“ mit dem legendären Matthias Sindelar geht Mussolini ganz auf Nummer sicher. Einen Tag vor dem Spiel lädt er den schwedischen Schiedsrichter Ivan Eklind als Ehrengast zu sich ein.

Mit am Tisch sitzen auch der Schweizer Mercet und der belgische Schiedsrichter Louis Baert. Im Spiel lässt Eklind es zu, dass Meazza und drei weitere Italiener den Ball mitsamt dem österreichischen Torhüter Peter Platzer über die Linie bugsieren. Eine Flanke auf den völlig freistehenden Österreicher Karl Zischek köpft der Referee gar selbst aus der Gefahrenzone. Keine Frage, mit so einer Schiedsrichterleistung „verdient“ man sich das Finale.

Im Endspiel gegen die Tschechoslowakei verweigert Eklind den Tschechoslowaken mehrere klare Elfmeter – Italien gewinnt mit 2:1 in der Verlängerung. Die Duce-WM ist gerettet.

Eine direkte Einflussnahme des faschistischen Politikers kann der italienische Sport-Historiker Marco Impiglia 2014 nicht nachweisen. Sehr wohl aber eine Allianz zwischen schwedischen und italienischen Sportfunktionären. „Die Indizienfülle spricht für eine zu Gunsten Italiens verschobene Weltmeisterschaft“, lautet sein Fazit. Das klingt fast ein wenig milde.

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