Der Torlinienskandal im WM-Spiel Deutschland vs. England 2010



Der Torlinienskandal im WM-Spiel Deutschland vs. England 2010

Good bye England - Rachegdanken deutscher Fans. Wembley 1966 ist unvergessen.
Good bye England - Rachegdanken deutscher Fans. Wembley 1966 ist unvergessen. Foto: Getty Images

Das „Tor von Bloemfontein“ im WM-Achtelfinale am 27. Juni 2010 ist ein Meilenstein in der deutsch-englischen Fußball-Rivalität. 44 Jahre nach Wembley lässt der imaginäre Fußballgott dieses Mal den Ball zugunsten der Deutschen zurückprallen.

Manuel Neuer erkennt die Situation am schnellsten. Geistesgegenwärtig schnappt sich der deutsche Nationaltorhüter den von der Querlatte zurückgeprallten Ball, nimmt ihn auf und wirft ihn nach vorn zurück. So, als ob nichts gewesen wäre. War da was? Ja, da war was.

Dass der Ball gut einen halben Meter hinter der Torlinie war und diese in den in den sozialen Netzwerken erscheinenden GIF-Bildern anschließend als Gag mit einem Knick versehen wird, hat Manuel Neuer mit Sicherheit gesehen. Nur: Er lässt sich halt nichts anmerken, bleibt cool – und rettet der deutschen Mannschaft damit vielleicht das Weiterkommen.

Der „44-Jahre-nach-Wembley-Gedächtnistreffer“ von Frank „Lamps“ Lampard aus gut 17 Metern wäre in der 38. Minute der Partie im Free-State-Stadium in der südafrikanischen Stadt Bloemfontein das 2:2 für England im WM-Achtelfinale gegen Deutschland. Weiter vorn belagern die englischen Spieler Wayne Rooney und Lampard den uruguayischen Schiedsrichter Jorge Larrionda. Sie können es nicht fassen.

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Eigentlich bedarf es keiner Torlinientechnik, um die Szene zu beurteilen.
Eigentlich bedarf es keiner Torlinientechnik, um die Szene zu beurteilen. Foto: Getty Images

"Lamps" Tor hätte die Partie nachhaltig verändern können

Der Ball ist hinter der Torlinie
Der Ball ist ganz klar hinter der Torlinie. Foto: Getty Images

Auch Franz Beckenbauer, 1966 Zeuge des legendären Wembley-Treffers im WM-Finale gegen die Engländer (2:4 n. V.), als Experte beim Pay-TV-Sender Sky im Einsatz, sieht klar: „Deutlicher kann es nicht sein. Es ist doch fast ein halber Meter, das hätte der Linienrichter sehen müssen.“

Wayne Rooney, der bullige Stürmer von Manchester United, Sohn eines Boxers aus dem Liverpooler Stadteil Croxteth, zeigt es dem Assistenten Mauricio Espinosa noch einmal bildlich und mit bedrohlichem Blick an. „Hier, sooo weit war der Ball hinter der Linie!“

Der Linienrichter steht zwar 37 Meter entfernt, er hat jedoch freie Sicht. „Wir haben das 2:2 erzielt“, ärgert sich Englands italienischer Nationalcoach Fabio Capello, „es ist unglaublich, dass in dieser Zeit mit so vielen Schiedsrichtern dieses Tor nicht gegeben wird. Das Spiel wäre dann ganz anders verlaufen.“ Möglicherweise.

Die „Three Lions“ sind in dieser Phase nach den deutschen Treffern von Miroslav Klose (20.) und Lukas Podolski (32.) am Drücker. Neuer hält erst gegen Lampard (35.), dann köpft Matthew Upson nach Flanke von Steven Gerrard zum 2:1 (37.) für England ein.

 

Revanchisten und Komödianten –  das Tor spaltet

Nur eine Minute folgt die Szene, die als „Wembley reloaded“ Geschichte macht. Nach dem Latten-Freistoß von Lampard (52.) bricht der englische Widerstand. Thomas Müller (67./81.) schießt Deutschland mit zwei blitzsauberen Konter-Toren ins Viertelfinale gegen Argentinien.

Es ist die Stunde der Komödianten – aber auch der Revanchisten. Vor allem die Boulevardzeitung BILD, England in ewiger Geringschätzung verbunden, zieht groß auf. „Thank you, Fußball-Gott“, lautet die ungelenke Titelzeile am 28. Juni 2010, die jeder zweitklassige Englischlehrer in der Luft zerreißen würde.

Das Blatt trieft fast vor Genugtuung für den „Wembley-Treffer von Geoffrey Hurst 44 Jahre zuvor, der natürlich als Schwarzweißfoto und Vergleichsbild nicht fehlen darf. „Thank you, Fußball-Gott, du hat dir viel Zeit gelassen, das Unrecht auszugleichen“, klingt es fast wie ein Gebet, „wir hatten schon nicht mehr daran geglaubt. Seit gestern ist Wembley wettgemacht.“

Man hätte das auch eine Nummer kleiner genommen. Immerhin haben die Deutschen den Engländern Wembley schon lange zuvor doppelt und dreifach zurückgegeben. 1996 haben sie die englischen Gastgeber im Elfmeter-Krimi im Halbfinale ausgeschaltet, sechs Jahre zuvor bei der WM in Italien ebenso in der Runde der letzten vier. Ebenfalls nach einem Elfer-Krimi. Dazu kommt das unvergessene 3:1 in Englands Fußballtempel auf dem Weg zur EURO 1972. Nein, Wembley ist schon lange durch. Aber, wer zählt schon immer mit?

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