WM 2006: Zinedine Zidane – Zwischen Genie und Wahnsinn



„Zidane war nicht von dieser Welt“

Zinedine Zidane ist einer der besten Fußballer aller Zeiten, dem sogar Graffitis gewidmet sind. Foto: Getty Images
Zinedine Zidane ist einer der besten Fußballer aller Zeiten, dem sogar Graffitis gewidmet sind. Foto: Getty Images

Es ist nicht die oft erwähnte „mysteriöse Stimme“, die Zinedine Zidane 2004 im Schlaf überredet, noch einmal für Frankreichs Fußball-Nationalmannschaft zu spielen. Ein Gespräch mit seinem Bruder sorgt für einen Sinneswandel beim Weltmeister von 1998. „Zizou“ kehrt zur WM 2006 zur „Equipe Tricolore“ zurück, erreicht das Finale von Berlin – und sorgt für einen skandalösen Abgang.

Das kann nur Zidane. Als der argentinische Schiedsrichter Horacio Marcelo Elizondo am 9. Juli 2006 im WM-Finale Frankreich gegen Italien in Berlin auf den Elfmeterpunkt zeigt, schnappt sich der französische Teamkapitän mit traumwandlerischer Sicherheit den Ball. Zidane jagt die Kugel an die Unterkante der Querlatte, unerreichbar für Italiens Keeper Gianluigi Buffon und von dort ins Netz – 1:0 für den Weltmeister von 1998. Perfekter kannst du einen Elfmeter nicht schießen.

Zwölf Minuten später köpft der Spieler zum 1:1 für Italien ein, der für Zidane und die „Grande Nation“ Schicksal spielen wird: Marco Materazzi. Beim 1:1 bleibt es bis zum Ende der Verlängerung. Das Elfmeterschießen, das Italien für sich entscheidet, wird Zidane nur noch in den Katakomben des Berliner Olympiastadons mitverfolgen können.

In der 110. Minute kreuzen sich die Wege von Materazzi und Zidane in der italienischen Spielhälfte. Eine folgenschwere Begegnung. Die TV-Bilder zeigen erst in der verlangsamten Wiederholung, dass der italienische Abwehrspieler von Inter Mailand zuerst klammert und dann im Vorbeilaufen irgendetwas zu Zidane sagt. Es ist keine Einladung zum WM-Bankett – und Materazzi schlägt aus der Wortwahl wenig später in Buchform (Was ich wirklich zu Zidane sagte) sogar noch Kapital. „Ich bevorzuge deine Schwester, die Hure“, soll er auf Italienisch geraunt haben. Zidane läuft vorbei, dreht sich dann aber um – und rammt Materazzi mit einem Kopfstoß um. Elizondo, von den aufgeregten Italienern eilig herbei zitiert, bleibt keine andere Wahl. Er stellt Zidane mit Rot vom Platz.

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WM 2006 - Zidane muss das Spielfeld verlassen.
WM 2006 - Zidane muss das Spielfeld verlassen. Foto: Imago Images

12 Mal Rot in seiner Karriere

Zinedine Zidane vs Marco Materazzi. Foto: Getty Images
Zinedine Zidane vs Marco Materazzi. Foto: Getty Images

Für den 34-jährigen Franzosen ist es der zwölfte Platzverweis seiner Karriere. Mit einem Kopfstoß hat er am 24. Oktober 2000 im CL-Spiel Juventus Turin gegen den Hamburger SV (1:3) auch den Deutschen Jochen Kientz weg gemacht. „Knochen-Jochen“ erleidet eine Gehirnerschütterung und einen Jochbeinbruch. Materazzi fällt zwar theatralisch, kommt aber wundersamer Weise unverletzt davon.

Es ist die Szene dieser WM. Ein Ausraster, der in Frankreich und überall sonst wohl auf ewig im Gedächtnis bleiben wird. In seinem 108. und letzten Länderspiel für Frankreich lässt sich Zidane gehen. „Ich finde, das war einer der bittersten Abgänge der Geschichte“, sagt ARD-Moderator Gerhard Delling.

Für immer eingebrannt ins französisch-italienische Fußballgedächtnis ist die Szene allemal. Aber sie wird auch zum Kunstobjekt erhoben. Im September 2012 enthüllt der Künstler Adel Bdessemed vor dem Centre Pompidou in Paris eine Bronzestatue für Zidane und Materazzi. Sie zeigt die Kopfstoß-Szene.

Seit 2013 steht das Denkmal im Arabischen Museum für moderne Kunst in ar-Rayyan in Katar, WM-Gastgeberland von 2022. Vielleicht ein Grund, mal hinzufahren…

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