2. Liga: Hannes Wolf weg – HSV bleibt Meister der Stillosigkeit


Paderborn: War das das letzte Interview von Hannes Wolf als Trainer des Hamburger SV? (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Eine ,,Eilmeldung“, wie sie Kicker.de am Feritagmittag kurz nach 14 Uhr über seine App jagt, ist das schon lange nicht mehr. Der Hamburger SV trennt sich nach der verpassten Bundesliga-Rückkehr von Trainer Hannes Wolf (38).

Der Westfale wird im bedeutungslosen Heimspiel gegen Absteiger MSV Duisburg am Sonntag (15.30 Uhr) ein letztes Mal auf der HSV-Bank sitzen – und dann als 22. Trainer in den vergangenen 23 Jahren in Hamburg seinen Posten räumen.

Das bestätigt der HSV am Freitag gegenüber dem Hamburger Abendblatt. ,,Wir haben uns entschieden, uns am Saisonende von ihm zu trennen“, wird HSV-Sportchef Ralf Becker zitiert. Wolf ist bereits der 2. Trainer nach Christian Titz, der in dieser Saison in Hamburg scheitert.

Scheitern muss, weil das Zusammenspiel zwischen egozentrischen Klubverantwortlichen, nicht minder egoistisch wirkenden Spielern und der allmächtigen Hamburger Boulevardpresse in der Hansestadt auch nach dem Bundesliga-Abstieg unbeirrt funktioniert. Wenn sich der Boulevard auf dich eingeschossen haben und die Spieler anfangen, sich bei den Klub-Oberen oder bei den Zeitungen auszuweinen, hast du als Coach keine Chance mehr.

Bernd Hoffmann, Hannes Wolf und Ralf Becker - Die neue HSV Führung.
Bernd Hoffmann, Hannes Wolf und Ralf Becker - Von diesem HSV-Führungstrio ist nicht mehr viel übrig geblieben... (Photo by Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)

Den Trainer zu entlassen, ist in Hamburg immer der erste Reflex

Bruna Labbadia rettete den Hamburger SV 2015 vor dem sicheren Abstieg - und musste dennoch im Herbst 2016 gehen.
Nirgendwo in den Bundesliga-Metropolen, nicht in Berlin, Frankfurt, Köln, München, läuft diese Kettenreaktion so reibungslos ab wie in Hamburg. Der nächste Trainer kann einem jetzt schon leid tun.

Bruno Labbadia (53) kennt diesen Ablauf schon, der Hesse hat das ganze HSV-Theater schon 2-mal mit durchgekaspert und soll für ein 3. Engagement ebenso in der Verlosung sein wie Noch-Gladbach-Coach Dieter Hecking (54) und der wie Labbadia früher beim HSV als Spieler aktive Dimitrios Grammozis (40) von Darmstadt 98.

Wie lange der neue HSV-Coach bei anhaltender Erfolglosigkeit im Amt bleibt, kann man sich ausrechnen. Der Trainersessel als Schleudersitz und eine im Umgang mit der Trainerdiskussion immer wieder bemerkbare Stillosigkeit werden die einzigen Konstanten in Hamburg bleiben.

,,Wir wollen nicht, dass der HSV zur Wohlfühloase verkommt“, hat HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann schon nach dem Aufstiegs-Aus in Paderborn (1:4 / Ligalive.net berichtete) getönt, ,,wir holen sicher keinen Paar-Therapeuten.“ Am Montag will man dann ,,erst mit dem Trainer und nicht über ihn reden“, wobei man das Ergebnis dieses Dialoges ohnehin vorweg nehmen könnte…

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Die katastrophale Rückrunde war zu viel für den HSV und Hannes Wolf

Tschüss, Paderborn - wir bleiben unten. Die Spieler des HSV nach dem desaströsen 1:4 beim SC Paderborn am 12. Mai 2019 am 33. Spieltag der 2. Liga. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Die Entscheidung ist für mich nach dem Verlauf der letzten Wochen und mit dem Blick auf die nächste Saison nachvollziehbar. Es war mir wichtig, dass wir es mit Würde und Anstand zu Ende bringen, denn wir haben immer extrem vertrauensvoll zusammengearbeitet“, sagt Hannes Wolf am Freitag.

Es fällt zwar schwer, hinter dieser hanseatischen Seifenoper, die im Bedarfsfall auch als Schwank auch bei Ohnsorg (,,Tratsch im Treppenhaus“) aufgeführt werden kann, ,,Anstand und Würde“ zu vermuten, aber das kann ja jeder sehen, wie er will.

Fakt ist: Die katastrophale Rückrunde mit 8 sieglosen Spielen in Folge hat auch Hannes Wolf den Job gekostet.  Mit dem verlorenen Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig (1:3) sind es Wettbewerb übergreifend 4 Niederlagen in Folge. Von 23 Spielen hat Hannes Wolf nur 10 gewonnen, in der Rückrunde sind es sogar nur 4.

,,Die letzten Wochen waren nicht gut, wir haben uns das alles ganz anders vorgestellt“, sagt Wolf. Stimmt.

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