Jürgen Klopp 4 Jahre beim FC Liverpool – So trauert ihm der BVB nach!


Da ist er, ,,The Normal One" - Jürgen Klopp präsentiert am 9. Oktober 2015 im Stadion von Anfield als neuer Trainer stolz das Trikot des FC Liverpool.
Da ist er, ,,The Normal One" - Jürgen Klopp präsentiert am 9. Oktober 2015 im Stadion von Anfield als neuer Trainer stolz das Trikot des FC Liverpool. Foto: Imago Images / Sportsimage

Diese Meldung geht am 8. Oktober 2015 ein bisschen unter. Deutschland hat in der Qualifikation zur EURO 2016 in Frankreich gerade mit 0:1 in Dublin gegen Irland verloren.

RTL, dem seit 2014 ausführenden Sender für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, ist die Vertragsunterzeichnung des früheren Trainers von Borussia Dortmund, Jürgen Klopp, beim FC Liverpool, dennoch nicht entgangen. Gedankenschnell wird ein Standfoto von Klopp bei der Vertragsunterschrift (bis 2018) eingeblendet. Er wird der erste deutsche Trainer in der englischen Premier League. Gut auch, dass man den stets aufgeweckten Experten und Vize-Weltmeister Jens Lehmann direkt dazu befragen kann.

Dem ehemaligen Profi von Borussia Dortmund und vom FC Arsenal fällt sofort eines auf: ,,Er sieht jünger aus als noch vor 3 oder 4 Monaten, als er aufgehört hat, er hat wahrscheinlich auch keinen Zucker mehr gegessen, scheint sich gut erholt zu haben.“ Der englische Meister von 2004 weiter: ,,Ich finde es toll, dass endlich mal ein Deutscher einen Topklub in England trainiert.“ Lehmann ist von Klopp überzeugt: ,,Die haben so katastrophale Spiele und Ergebnisse abgeliefert, dass es fast nicht mehr schlechter geht. Es kann also nur besser werden.“ Das ist reichlich übertrieben. Unter Klopps Vorgänger Brendan Rodgers (46, jetzt Leicester City) hat Liverpool 2015 nur 2 Pflichtspiele verloren…

Bei den Englischkenntnissen des Jürgen Norbert Klopp hat Herr Lehmann so seine Bedenken: ,,Es ist nochmal ein Unterschied, er bringt viel Begeisterung und Leidenschaft mit und es ist nicht so leicht, das in einer anderen Sprache zu transportieren.“

Überredete Liverpool-Legende Steven Gerrard (m.) Jürgen Klopp schon beim Freundschaftsspiel der ,,Reds" gegen Borussia Dortmund im Sommer 2014? Foto: Imago Images.

Klopp dreht den FC Liverpool komplett auf links

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Klopps dickstes Ding mit Liverpool: Triumph im Europa-League-Viertelfinale 2016 gegen den BVB. Links: Emre Can, der nun bei Juventus Turin spielt und mit Bayern München in Verbindung gebracht wird. (Photo by Clive Brunskill/Getty Images)
Da machen Sie sich mal keine Sorgen, Herr Lehmann! Jürgen Klopp wird vom Start weg in Liverpool zum Publikumsliebling.

Seine lockere, authentische Art, seine einzigartige ironisch-intelligente Brechung des mitunter knallharten Fußball-Business, das kommt auch in England an. Er versteht sich als Anti-Held, als Antagonist des ,,Special One“, José Mourinho, den er mit dem BVB schon 2013 aus der Champions League gekegelt hat: ,,I am the normal One.“ Und er kreiert seine eigenen englischen Begriffe. ,,Vollgasfußball“ übersetzt er mit ,,Full Throttle Football“ und den Namen seines österreichischen Trainerkollegen aus der Bundesliga, Ralph Hasenhüttl (Der ,,Alpen-Klopp“) übersetzt er gekonnt: ,,Hase means the Rabbit and Hüttl means nothing.“

Der Trainerjob in Liverpool bringt Klopp nicht nur Sympathien ein. Er kassiert auch kolportierte 10 Mio. Euro pro Saison und verlängert seinen Vertrag vorzeitig bis 2022. Der Wunsch von ,,Kaiser“ Franz Beckenbauer, Klopp doch bitteschön ,,als Bayern-Trainer zu sehen“, wie er im Frühjahr 2019 und vor dem ,,Aus“ des deutschen Rekordmeisters gegen die ,,Reds“ im CL-Achtelfinale (1:3 / Hinspiel: 0:0) äußert, wird sich so schnell nicht erfüllen.

Sagen wir es anders: Der beste, weil charismatischste und emotionalste deutsche Trainer ist für die Bundesliga nicht mehr zu erreichen.

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Watzke: ,,So einen Trainer werden wir nie wieder bekommen"

Hamburg, 9. April 2011: BVB-Trainer Jürgen Klopp will Jakub Blaszczykowski nach seinem Last-Minute-Treffer zum 1:1 am liebsten gar nicht mehr loslassen... Links: Patrick Owomoyela.
Hamburg, 9. April 2011: BVB-Trainer Jürgen Klopp will Jakub Blaszczykowski nach seinem Last-Minute-Treffer zum 1:1 am liebsten gar nicht mehr loslassen...Die Mentalität war unter Klopp eine der größten Stärken der Borussia... Links: Patrick Owomoyela. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Das spürt auch sein ehemaliger Klub Borussia Dortmund. Der BVB und Klopp haben sich am Ende einer mehr als durchwachsenen Bundesliga-Saison 2014/2015, in der der Pokalfinalist zwischendurch auf einem Abstiegsplatz steht, einvernehmlich getrennt.

Wie Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim (,,Aki“) Watzke in seinem Buch Echte Liebe – ein Leben mit dem BVB skizziert, verfolgt ihn seine Entscheidung aus dem April 2015 bis heute. „Wir haben damals nicht mehr versucht, den Jürgen noch umzustimmen“, erinnert sich Watzke an den Moment, in dem er der Trennung vom damaligen BVB-Trainer Klopp zustimmt: „Aber vielleicht war das ein Fehler. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn wir die gesamte Mannschaft ausgetauscht hätten – und nicht den Trainer. Denn so einen Trainer, das war mir klar, würden wir nie wieder bekommen, gute Spieler aber schon. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer.“

Klopp hat den BVB in 7 Jahren als Trainer neu belebt. Er holt 2-mal (2011, 2012) die Deutsche Meisterschaft, 2012 mit dem DFB-Pokalsieg das erste ,,Double“ der Vereinsgeschichte und zieht mit den Schwarzgelben 2013 ins Champions-League-Finale ein. Ab 2012 steht er mit Dortmund in jedem Jahr in einem Finale, kann aber keines mehr gewinnen.

Diese Negativ-Serie holt ihn auch in Liverpool ein. Klopp verliert mit den ,,Reds“ die Finals im englischen Liga-Cup und in der Europa League 2016. Dazwischen liegt das denkwürdige Viertelfinale in der Europa League gegen den BVB (1:1 / 4:3), dass er mit den Merseysidern in einem echten Rückspiel-Thriller gewinnt. Auch 2018 kann Klopp den Final-Fluch (noch) nicht brechen: 1:3 im Champions-League-Finale gegen Real Madrid. Erst 2019 geht der Korken auf: Liverpool holt im rein englischen Finale gegen Tottenham Hotspur mit 2:0 in Madrid den Henkelpott und schrammt nur um einen Punkt an der seit 1990 ersehnten englischen Meisterschaft vorbei. Gelingt den ,,Reds“ 2020 unter Klopp – bei aktuell 8 Punkten Vorsprung auf den Rivalen Manchester City – das Meisterstück, wird es in Liverpool wohl ein Denkmal für den Schwaben geben…  Gut ist, dass das Band zwischen Klopp und der Borussia nicht gerissen ist. „Trotzdem gab es keinen Bruch, nicht intern und auch nicht im Vertrauensverhältnis“, erinnert sich Watzke, ,,das ist etwas sehr Besonderes, etwas sehr Kostbares. Wie wir dann das Ende beim BVB zusammen durchgestanden und hinter uns gebracht haben, das geht auch nur, wenn du totales Vertrauen zueinander hast.“

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