Bum-Kun Cha: Vom eigenen Vize-Präsidenten betrogen



Bum-Kun Cha: Vom eigenen Vize-Präsidenten betrogen

Jürgen Grabowski (r.) mit Eintracht-Torjäger Bum-kun Cha.
Jürgen Grabowski (r.) mit Eintracht-Torjäger Bum-kun Cha. imago/Alfred Harder.
Im Sommer 1983 hat Bum-Kun Cha, der tiefgläubige Christ aus Südkorea, endgültig genug. Der Südkoreaner, der bis dahin in 122 Bundesliga-Spielen 46 Tore für Eintracht Frankfurt erzielt hat und die „launische Diva“ vom Main 1980 zum UEFA-Cup-Sieg und 1981 zum DFB-Pokalsieg führt, setzt dem Verein die Pistole auf die Brust. Er will den Wechsel zu Bayer 04 Leverkusen – und die Übernahme seiner Schulden durch die SGE.

Bum-Kun Cha ist von seinem eigenen Klubchef übers Ohr gehauen worden. Ob es die Fußballprofis oft eigene Vertrauensseligkeit auf großartige Anlagegeschäfte ist, oder an den zu diesem Zeitpunkt, sagen wir allenfalls ausbaufähigen Deutschkenntnissen des asiatischen Stürmers liegt, wissen wir nicht. Sicher ist, dass Cha Anfang 1983 ein Schreiben mit dem Aktenzeichen M1204/83 vom Amtsgericht Seligenstadt zugestellt wird. Darin wird mitgeteilt, dass sein Gehalt gepfändet wird. Neben der mächtigen Frankfurter Boulevardpresse, die ihn wegen seiner Vollstreckerqualitäten auf dem Platz „Tscha-Bumm“ getauft hat, interessiert sich nun auch die Justiz für ihn. Cha ist erstmal sprachlos. Neben der Pfändung seiner Bezüge bei Eintracht Frankfurt in Höhe von 18.000 Euro verlangt das Gericht auch die Zahlung von 23.000 Euro an Zinsen. Da Cha bislang gar nichts gezahlt hat, wird das von einer Lübecker Bank für den Immobilien-Deal gegebene Darlehen über gut 100.000 Euro sofort fällig.

Aufgeschwatzt wird Cha die Immobilien-Masche von Eintracht-Vizepräsident Wolfgang Zenker. Der wiegelt direkt ab: „Der Cha hat nur verschlampt, seine Zinsen zu zahlen. Wir haben das gleich wieder in Ordnung gebracht.“ Das musste er wohl auch, denn sein Geschäftsgebaren hat den Eintracht-Vize – in der Fußball-Bundesliga der Achtziger haben längst die Yuppies und die smarten Managertypen von den Patriarchen die Führungsrollen in den Klubs übernommen – ins Zwielicht gebracht.

Seine Rolle ist unter den Managern und Bossen im Bundesligageschäft ohne Beispiel, geißelt ihn das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL im Mai 1983. Zenker selbst gibt gegenüber den Fans der zu diesem Zeitpunkt hoch verschuldeten Eintracht den weißen Abt: „Ich nehme den Spielern, so sie wollen und sich an mich wenden, alles ab, was sie daran hindern könnte, sich voll und ganz auf den Fußball zu konzentrieren.“ Als Verantwortlicher des Eintracht-Lizenzspielerbereiches sorgt er schon 1982 dafür, dass die üppigen Gehälter der Profis gekürzt werden. Ein Unschuldsbewusstsein beim Werben der Bundesligaspieler für seine Bauherrenmodelle kennt Zenker nicht: „Ich bin da doch nicht der Einzige“.

Wolfgang Zenker – Als Vertriebsdirektor der „Südwestdeutschen Unternehmens- und Finanzierungsberatungsgesellschaft mbH“ (Südfinanz) hat er rund 80 Fußballprofis finanziell hochriskante Bauherren-Modelle verkauft.

Zu den „üblichen Provisionen“, wie der gern im Rolls Royce fahrende Zenker betont. Das ist, wie Chas nicht minder berüchtigter Berater Holger Klemme bei Sichtung der Verträge herausfindet, mehr als geschwindelt. Zenkers Anteil liegt bei 40 Prozent der Verkaufssumme…. Als der Stürmer 1979 vom hessischen Nachbarn SV Darmstadt 98 zur Eintracht wechselt, verkauft ihm Zenker zwei Häuser im rheinischen Velbert. Für umgerechnet 450.000 Euro – Hypothekenbelastung von 300.000 Euro inklusive. Es genügt ein holpriger Satz, um den gutmütigen Eintracht-Star zu überzeugen: „Hat Grabowski gekauft, hat Pezzey gekauft, ist auch gut für Cha.“

Ist eben nicht gut für Cha. „Ein solcher Vertrag ist sittenwidrig“, echauffiert sich Holger Klemme, „Bum-Kun Cha ist ausgenommen worden wie eine Weihnachtsgans.“ Nicht nur er. Auch Eintracht-Keeper Jürgen Pahl muss durch das aufgeschwatzte Bauherrenmodell einen Verlust von mehr als 35.000 Euro hinnehmen. „Er hat mir den Lizenzspielervertrag unter der Bedingung aufgenötigt, dass ich ein solches Bauherrenmodell erwerbe“, klagt Pahl später im SPIEGEL. Holger Klemme muss im Fall seines Mandanten Cha eingestehen:

„Ihm bleibt nichts anderes übrig, als die Häuser mit erheblichem Verlust zu verkaufen. Er ist praktisch pleite“. Bum-Kun Cha erzwingt schließlich seinen Abgang nach Leverkusen, wird mit der Bayer-Elf 1988 noch einmal UEFA-Cup-Sieger, steigt später in seiner asiatischen Heimat ins Trainergeschäft ein, führt Südkoreas Nationalteam als Coach 1998 zur WM. Gerade noch mal gut gegangen.

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