Bundesliga-Geschichte – Ailton rächt sich an Schalke 04 und Heynckes flieht


Bester Stoff für Bundesliga-Junkies auf Entzug: Was geschah am 02. April in der deutschen Fußball-Eliteklasse?

Gehofft hatten sie 1966 schon lange nicht mehr, gerechnet nur noch ein bisschen. Nach dem 28. Spieltag 1965/66 haben sie absolute Gewissheit: Tasmania Berlin, die Lachnummer der Bundesligageschichte, steht nach dem gar nicht mal so schlimmen 0:4 beim 1. FC Köln als Absteiger fest. So früh wie vor und nach ihnen keine andere Mannschaft mehr. Und womit? Mit Recht. Die Bilanz sechs Spiele vor Schluss: 5-51 Punkte, 11:92 Tore. Die Kölner werden von ihren Fans ausgebuht, man hatte sich mehr erhofft. Findet auch Trainer Georg Knöpfle angesichts von 13:0 Ecken. So verbucht eben der Karlsruher SC in Meiderich die Rekordpleite des Tages – mit 2:8. Auch Mönchengladbach verliert höher, Trainer Hennes Weisweiler findet Günter Netzers Leistung beim 0:5 in Stuttgart schlicht „unmöglich“. Bahnt sich da etwa ein jahrelanger Konflikt an?

Der 1. FC Nürnberg zieht am 02. April 1984 im fast aussichtslosen Abstiegskampf Konsequenzen und stellt die Branchengesetze in Frage. Trainer Heinz Höher bekommt einen Zwei-Jahresvertrag und darf im Kader aufräumen. Er suspendiert drei Gutverdiener: Reinhold Hintermaier, Werner Heck und Ex-Nationalspieler Rüdiger Abramczik. Es sind vor allem Sparmaßnahmen. Heck wird sofort für 290.000 DM nach Mannheim verkauft, wo er zwar noch nicht spielen, aber schon mittrainieren darf. Dafür übernimmt Waldhof das halbe Gehalt. Abramcziks Monatsgehalt wird „wegen provozierender Passivität“ einbehalten, Hintermaier darf sich einen neuen Verein suchen und soll 300.000 DM Ablöse einbringen. Vorwurf an ihn: er habe die Zimmerordnung durcheinander gebracht, weil er im Hotel lieber mit Heck als mit Jürgen Täuber auf der Bude hocken wollte. Denn „der Täuber geht immer so früh ins Bett.“ Man hat schon bessere Entlassungsgründe gehört, Hintermaier nimmt sich einen Anwalt.

1991 verliert Bayern München noch Heimspiele gegen Fortuna Düsseldorf (0:1). Thomas Allofs trifft und düpiert den Rekordmeister im Titelkampf. Seitdem hat Fortuna da nie mehr gewonnen. Besonders freut sich der 1. FC Kaiserslautern über die Überraschung des 23. Spieltags, die Pfälzer festigen mit dem 4:1 in Nürnberg dank dreier Labbadia-Tore die Tabellenführung und sprechen das Undenkbare aus. „Meister? Warum eigentlich nicht?“, fragt Präsident Jürgen Friedrich rhetorisch. Aufsteiger Hertha BSC plant dagegen nach der fünften Niederlage in Folge – einem 2:4 gegen den VfL Bochum – für die 2. Liga. Die Kulisse im Olympiastadion ist längst zweitligareif: 7.052 zahlen Eintritt.

Ailton, Hamburger SV, 2006
Ailton lässt die HSV-Fans jubeln und rächt sich gleichzeitig an seinem Ex-Verein. Er trifft zum 2:0 gegen Schalke - „Mit Gas - Bumm!“ Copyright: imago/Sven Simon

02. April 1995: Jupp Heynckes flieht aus Frankfurt ...

Stefan Effenberg, FC Bayern München, 1992
Bayerns Stefan Effenberg muss von Schiedsrichter Alfons Berg beruhigt werden. „Effe“ ist durch seine verbalen Attacken bei Fans und Teamkollegen einfach nur noch unbeliebt! Copyright: imago/Claus Bergmann

Jung-Nationalspieler Stefan Effenberg hat 1992 die Sinnkrise und verkündet mitten im Abstiegskampf der Bayern seinen bevorstehenden Abschied. In allen Stadien wird er wegen seiner frechen Sprüche ausgepfiffen, auch die Mitspieler haben ihn gefressen. Geldstrafen und Suspendierungen prägen seine erste Bayern-Zeit, nun ist Schluss: „Ich habe keine Lust mehr, noch einige Jahre mit diesem Image und diesem Klischee zu leben. Deshalb gehe ich besser weg aus Deutschland“. Wenigstens sagt er 1992 nicht: für immer. Denn im Leben sieht man sich ja bekanntlich immer zweimal, schon 1998 ist er wieder Münchner.

Am 02. April 1994 herrscht dicke Luft in Frankfurt. Der in die Krise geratene Herbstmeister 1993/94 verliert sogar bei Schlusslicht VfB Leipzig und damit die Bayern langsam aus den Augen. „Wir sind offenbar wirklich zu dumm für den Titelkampf“, wettert Maurizio Gaudino. Kapitän Uli Stein hat die Schnauze voll und gibt Trainer Klaus Toppmöller noch in der Kabine die Spielführerbinde: „Hier, such Dir einen anderen!“

1995 und schon wieder dicke Luft in Frankfurt, wo nach neun Monaten die Amtszeit von Trainer Jupp Heynckes endet. Zwei Tage nach der 0:3-Heimpleite gegen Schalke 04 und dem Sturz auf den 13. Platz tritt er aus Enttäuschung zurück. Eigentlich sollten in der Saison 1994/95 „die Uhren jetzt anders“ am Main gehen, wie Heynckes zu Beginn ankündigte. Nun kapiert er: „Die Erkenntnis, dass der Verein und ich nicht zusammen passen, ist immer stärker geworden.“ Er verzichtet auf eine Abfindung. Kategorie: starker Abgang!

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02. April 2006: „Dann kommt Ailton. Mit Gas - Bumm!"

Mario Gomez und Andries Jonker, VfL Wolfsburg 2017
Ein Wolfsburger Dreamteam! Mario Gomez mit Trainer Andries Jonker nach dessen Auswechslung. Mit einem Hattrick in nur 7 Minuten brachte der Ex-Nationalspieler den VfL zurück ins Spiel. Copyright: Imago images

Sein Deutsch ist 2006 zu schlecht für feststehende Redewendungen, aber dass Rache süß schmeckt weiß Ailton trotzdem. In Schalke, wo er im Vorjahr grandios gescheitert ist, sorgt der Brasilianer im Dress des HSV mit seinem Jokertreffer zum 2:0 für die Entscheidung. Ein Tor mit Ankündigung, soweit wir ihn damals richtig verstanden haben: „Dann kommt Ailton. Mit Gas – Bumm!“ Bild titelt: „Gelungene Rache. Ailton schießt Schalke ab!“ Es ist die erste Heimpleite der Schalker in 2005/06, der HSV dagegen träumt auf Platz zwei weiter vom Titel. Echt jetzt!

Denkmalschändung am 02. April 2011  in der Allianz Arena. Weil der FC Bayern dem verschuldeten Lokalrivalen 1860 München mit acht Millionen Euro aushilft und bei den Stadionkosten entgegenkommt, protestieren die Bayern-Fans beim Spiel gegen Mönchengladbach gegen Präsident Uli Hoeneß. Den Blauen dürfe man nun wirklich nichts schenken „Wer den Blauen Millionen zuschiebt, hat unser Vertrauen nicht verdient. Uli, du Lügner!“, lautet noch eine der harmloseren Protestbekundungen. Hoeneß ist von den Ultra-Attacken schwer getroffen und verweigert jeden Kommentar. Sportdirektor Christian Nerlinger nicht, für ihn ist es „ein echtes Schockerlebnis und eine Schande für den FC Bayern.“

80 Minuten ist 2017 von Mario Gomez , dem teuersten Spieler des VfL Wolfsburg, in Leverkusen nichts zu sehen. Dann tut er mal was für sein Geld: ein Hattrick in sieben Minuten dreht die Partie auf links, aus 2:0 wird 2:3. Dumm nur, dass dem 17jährigen Joker Kai Havertz noch der Ausgleich gelingt. Was Gomez bleibt ist der fünftschnellste Hattrick der Ligageschichte und der stetig wachsende Verdacht, nur unter dem neuen Trainer Andries Jonker zu funktionieren. Alle sechs VfL-Tore in dessen ersten vier Spielen schießt Gomez. Bei Bayern, wo Jonker 2011 van Gaal ablöste, war es ähnlich (neun Tore in fünf Spielen). Es muss Liebe sein…

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