Vor 25 Jahren: Derby-Comeback FC Bayern gegen 1860 München


Werner Lorant im Münchner Bundesliga-Derby 1994/95
Werner Lorant im Münchner Bundesliga-Derby 1994/95. Foto: imago/Fred Joch

Es ist ein Spiel, das über ein Jahrzehnt zu den Highlights einer jeden Bundesliga-Saison gehört. Das Münchner Derby zwischen dem FC Bayern und 1860 elektrisiert bis zum Abstieg der ,,Löwen“ 2004 die Fans in ganz Deutschland, nicht nur in der bayerischen Metropole.

Vor 25 Jahren – es ist Oktoberfest-Zeit in München – melden sich die Blau-Weißen aus Giesing mit Trainer-Unikum Werner Lorant (70) nach 13 Jahren Abstinenz in der Bundesliga zurück. Am 21. September 1994 ist es endlich wieder soweit: ,,Derby-Taim in Minga“ – 1860 München hat gegen die ,,Großkopferten“ aus Harlaching zunächst Heimrecht.

Die beiden Trainer, die im Münchner Olympiastadion an der Seitenlinie stehen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Bayern werden seit Sommer 1994 vom italienischen Trainer-Maestro Giovanni Trapattoni gecoacht. Der ,,Mister“ hat gleich im ersten Pflichtspiel die historische Pokalpleite gegen den Amateurklub TSV Vestenbergsgreuth (später fusioniert zur SpVgg Greuther Fürth) zu verantworten.

Lorant, mit den Sechzigern und dank der freundlichen Unterstützung des Münchner Groß-Gastronomen Karl-Heinz Wildmoser († 2010) von der 3. in die 1. Liga durchmarschiert, ist einer der letzten Cowboys auf der Trainerbank. Unwirsch, unberechenbar, exzentrisch, führt er die ,,Löwen“ bis in die Champions-League-Qualifikation.

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Auch Weltmeister Thomas Häßler (l.) hatte bei 1860 München so seine Probleme mit Werner Lorant... (Photo by Sebastian Schupfner/Bongarts/Getty Images)

Das erste Münchner Derby nach dem Comeback ist ein Mittwochsspiel

Hoffnung im Münchner Derby 1994: Peter Pacult (TSV 1860 München) erzielt per Elfmeter gegen den FC Bayern München das Tor zum 1:2 Anschluss und eilt direkt nach dem Ball.
Hoffnung im Münchner Derby 1994: Peter Pacult (TSV 1860 München) erzielt per Elfmeter gegen den FC Bayern München das Tor zum 1:2 Anschluss und eilt direkt nach dem Ball. Foto: Imago.
Vor Lorant haben sie schon als Spieler Angst.

,,Seine Härte war gefürchtet“, berichtet Frankfurt-Legende Bernd Hölzenbein über seinen ehemaligen Mitspieler bei der Eintracht (u. a. UEFA-Cup-Sieger 1980), ,,wenn mich mal ein Gegenspieler nervte, drohte ich ihm mit Werner: Ich hetz‘ den Lorant auf Dich! Schon war Ruhe…“

An einem Mittwochabend im September 1994 lässt Lorant nun die ,,Löwen“ los und im ausverkauften Olympiastadion sind es die Rustikalen um Bernhard Trares, Bernhard Winkler, Peter Pacult, Ralf Strogies und Armin Störzenhofecker, die das Star-Ensemble des FC Bayern mit Oliver Kahn, Thomas Helmer, Lothar Matthäus und Christian Ziege fordert. Es geht gleich rund. Mit Manfred ,,Manni“ Schwabl von 1860 und Winkler müssen 2 ,,Löwen“ vorzeitig mit Rot vom Platz, auf Bayern-Seite kassiert Christian Nerlinger Gelb-Rot. 10 gegen 9, das reicht dem FC Bayern zum Derby-Sieg.

Das erste Derby-Tor nach 13 Jahren Pause erzielt der Rheinland-Pfälzer Markus Schupp nach 31 Minuten für den hoch favorisierten FC Bayern. Ziege (56.) legt das 0:2 aus ,,Löwen“-Sicht nach, ehe der Wiener Pacult, dem 1999 im Derby eine Hauptrolle zukommen wird, auf 1:2 verkürzt. Alexander Zickler (87. / ,,Zick-Zack-Zickler“) sorgt für den 1:3-Endstand.

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1994/95: Die ,,Löwen" sind die bösen Buben der Liga...

Schiedsrichter Hellmut Krug zeigt Christian Nerlinger (FC Bayern München) im Spiel beim TSV 1860 München die gelb rote Karte, dahinter Lothar Matthäus und Alain Sutter (beide FC Bayern München)
Schiedsrichter Hellmut Krug zeigt Christian Nerlinger (FC Bayern München) im Spiel beim TSV 1860 München die gelb rote Karte, dahinter Lothar Matthäus und Alain Sutter (beide FC Bayern München) Foto: Imago.

So wie am 21. September 1994 wird sich die Münchner Fußballwelt bis zum 27. November 1999 darstellen. Die ,,Roten“ oben, die ,,Blauen“ unten.

An diesem Samstag im Herbst 1999 gewinnen die Giesinger Löwen erstmals seit dem 12. November 1977 (3:1) wieder ein Münchner Derby. Lorant ist nach einem Tobsuchts-Anfall in einem der vorangegangenen Spiele auf die Tribüne verbannt worden. Peter Pacult coacht die ,,Löwen“ zum historischen Sieg, der vom Pfälzer Thomas Riedl mit dem 1:0 besiegelt wird. ,,Da sieht man mal, wie schnell 100 Jahre zu Ende sein können“, sagt Karl-Heinz Wildmoser nicht ohne Stolz anschließend bei RAN- SAT-1-Fußball. Bayern-Boss Uli Hoeneß hatte vor dem Spiel zu Protokoll gegeben, dass ,,1860 in 100 Jahren nicht gegen uns gewinnen wird.“ So kann man sich irren.

Zurück zur Comeback-Saison der ,,Löwen“, die inzwischen in der 3. Liga firmieren und wieder im alten Stadion an der Grünwalder Straße daheim sind. In 5 Spielen in Folge fliegt 1994/95 bei 1860 München ein Spieler vom Platz. Am 32. Spieltag erwischt gegen Köln es den ehemaligen Bayern-Profi Manni Schwabl, am 33. Spieltag gegen Lautern (1:3) darf Innenverteidiger Alexander Kutschera vorzeitig gehen.  Auch im letzten Spiel in Frankfurt ist mit Bernhard Trares ein Spieler der Blauen frühzeitig in der Kabine.

Nach der Sommerpause geht es direkt so weiter: Am 1. Spieltag fliegt Olaf Bodden gegen den FC St. Pauli vom Platz, am 2. Spieltag ist es der eiserne Berserker Jens Jeremies, der später zu den Bayern wechseln wird, der gegen den VfB Stuttgart mit Gelb-Rot gehen muss.

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