Die Privatinsolvenz, seine Sprüche und sein Leben auf dem Campingplatz


Er ist einer der härtesten Trainer in der Fußball-Bundesliga und er führt 1860 München im Jahr 2000 zum größten Erfolg der Klubgeschichte: Werner Lorant wird am Mittwoch runde 70. Seine Sprüche sind ebenso Kult wie seine Ausraster.

Werner Lorant hat den Rummel hinter sich gelassen. Der frühere Trainer von 1860 München lebt seit einigen Jahren zurückgezogen auf einem Campingplatz in Waging am See in Oberbayern.

Große TV-Auftritte wie 2011 in der PRO7-Reality-Show Die Alm oder 2009 in der Fußball-Castingshow Sportfreunde Pocher – Alle gegen die Bayern hat er nur noch selten.

Als Trainer gehört Werner Lorant, der am Mittwoch seinen 70. Geburtstag feiert, zu den härtesten Vertretern seiner Zunft und zu den polarisierenden Typen in der Geschichte der Fußball-Bundesliga.

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Immer unter Strom: Werner Lorant, der legendäre Coach. (Photo by Thomas Langer/Bongarts/Getty Images)

Aber: Werner Lorant ist auch einer von vielen Fußballprofis, die ihr Vermögen verloren. „Ich muss nicht als Millionär sterben, sondern als korrekter Mensch“, sagt er heute. 2011 geht er „beinhart“ in die Pleite.

Lorant: „Ich habe mich nie wirklich ums Geld gekümmert“

Auch dieses Bundesliga-Spiel bei Werder Bremen muss Werner Lorant im August 2001 von der Tribüne des Weserstadions aus ansehen... (Photo by Anja Heinemann/Bongarts/Getty Images)

Werner Lorants Welt verändert sich vor ziemlich exakt 7 Jahren dramatisch. Nach seinem bislang letzten Trainer-Job bei einem Profiklub, beim slowakischen DAC Dunajaska Streda, verlässt ihn seine Frau nach 30 Ehe-Jahren.

Beinahe zeitgleich wird sein Haus in Oberdorfen bei München zwangsversteigert. Die Hütte ist mit 550.000 Euro an Hypotheken belastet. Zuvor hat sich Lorant mit faulen Ost-Immobilien in Dresden verspekuliert. Dass er sich „nie wirklich ums Geld gekümmert hat“, wie er selbst sagt, ist nur ein schwacher Trost. Mittlerweile wohnt er im Fünfsterne-Campingparadies in Waging am See, wo er in einem Appartement über der Rezeption residiert. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und Hund Jackson (wie der King of Pop).

Vor der Pleite lesen sich Lorants Trainer-Stationen wie eine Fußball-Odyssee. Nach seinem Ausstieg bei 1860 München (2001) will ihm irgendwie kein erfolgreiches Engagement als Trainer mehr gelingen. Bei Fenerbahce, LR Ahlen, APOEL Nikosia, SpVgg Unterhaching oder TeBe Berlin – es sind nur die namhaftesten Klubs unter 12 Arbeitgebern in 9 Jahren – bleibt Lorant nur selten länger als eine Saison.

An die unglaubliche Saison 1999/2000 in der Fußball-Bundesliga wird er nie mehr herankommen.

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In den bunten Neunzigern wird Lorant bei 1860 München zum Kult-Coach

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Auch Weltmeister Thomas Häßler (l.) hatte bei 1860 München so seine Probleme mit Werner Lorant... (Photo by Sebastian Schupfner/Bongarts/Getty Images)

Mit 1860 München gewinnt der ehemalige Profi von Eintracht Frankfurt (u. a. UEFA-Pokal-Sieger 1980), Borussia Dortmund, Schalke 04 und vom 1. FC Saarbrücken beide Stadt-Duelle gegen die scheinbar übermächtigen Bayern.

Den historischen 1:0-Hinspielsieg Ende November 1999 muss Lorant von der Tribüne aus verfolgen, weil er sich nach einem seiner vielen Ausraster mal wieder eine Innenraumsperre eingehandelt hat. Sein Assistenztrainer Peter Pacult führt die „Löwen“ zum Erfolg gegen die Bayern. Das Rückspiel gewinnt Sechzig mit 2:1 und zieht am Ende in die Qualifikationsspiele zur Champions League ein. Hier erweist sich Leeds United (1:2 / 0:1) als zu stark für den von Lorant betreuten Tabellenvierten der Bundesliga.

Bei 1860 München wird Lorant eben aufgrund seines autoritären, impulsiven, oft abweisenden Auftretens und seiner legendären Pressekonferenzen zum Kult-Trainer der Liga. TV-Lästermaul Harald Schmidt gibt ihm in seiner Satire-Show sogar eine eigene Rubrik. Sie heißt „Werner Lorants Ausraster des Tages.“ In der Tat liefert der gebürtige Westfale kabarettistischen Mehrwert. Dass es seine Schwiegermutter mit Eintracht Frankfurt hält, lässt ihn nach einem 3:2 mit 1860 in der Saison 1998/99 kalt: „Ich konnte auf meine Schwiegermutter keine Rücksicht nehmen.“

Wohl auch auf seine Spieler nicht. „Ich wechsele nur aus, wenn sich einer das Bein bricht“, sagt Lorant einmal vollkommen von Ironie befreit. Kommunikation oder Kuschelpsychologie sind nicht seine Kern-Kompetenzen: „Was soll ich mit den Spielern reden? Ich bin doch kein Pfarrer!“ Nein, das ganz sicher nicht. Vielmehr wird ihm klar: „Die Spieler haben vielleicht ein Problem mit mir – aber ich nicht mit ihnen!“ Irgendwann in den 90ern liefert Lorant auch die Abwandlung von Berti Vogts‘ sinnfreiem EM-Motto von 1996 „Der Star ist die Mannschaft“. Bei Werner klingt das dann so: „Der Star der Mannschaft bin ich.“ Ein Spieler-Versteher ist Werner Lorant beileibe nicht. Als sein Spieler Jochen Kientz nicht zu den Glasgow Rangers wechseln darf, weil die britischen Quarantänebestimmungen das Mitnehmen seines Hundes nicht gestatten, weiß Werner Rat: „Dann erschieß den Köter doch!“

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