Ex-Nationaltorhüter Tim Wiese: Was hat dich bloß so ruiniert?


Der nächste Skandal um Ex-Nationaltorhüter Tim Wiese (37) ist offenbar perfekt.

Der frühere Bundesligaprofi von Lautern, Werder Bremen und 1899 Hoffenheim soll in Berlin am Tatort einer Schießerei im Milieu gesichtet worden sein.

Das ergibt die Auswertung des Video-Materials, das ein Taxifahrer per Dashcam der Polizei zur Verfügung gestellt hat, wie BILD am Montag berichtet.

Lassen wir, da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handelt, mal die Details außen vor, so bleibt die Frage: Was macht ein 6-maliger deutscher Nationaltorhüter am Tatort?

Tim Wiese versaute sich die Karriere. (Photo by Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)
Tim Wiese versaute sich die Karriere. (Photo by Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)

Tim Wiese: Seit 7 Jahren im freien Fall...

Gute Laune in der Loge von Tim Wiese (r.) in der Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim- Der geschasste 1899-Torhüter saß seine Zeit auf der Tribüne ab...
Gute Laune in der Loge von Tim Wiese (r.) in der Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim- Der geschasste 1899-Torhüter saß seine Zeit auf der Tribüne ab... (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Es ist nicht die einzige Frage rund um Tim Wiese, die offen bleibt.

Äußern will er sich zu dem Vorfall nicht. ,,Der Betroffene wurde vergeblich befragt", zitiert BILD am Montag einen Ermittler, ,,er ist für uns ein unkooperativer Zeuge einer Auseinandersetzung im Milieu." BILD schreibt weiter: ,,Tim Wiese wollte sich gestern auf Anfrage nicht zu dem Vorfall äußern." Das muss er auch nicht. Der 6-malige deutsche Nationaltorhüter folgt so oder so seit 2012 der Devise des englischen Fußball- und Vinyl-Philsophen Nick Hornby: A long way down. Auf dem Weg nach unten scheinen dem gebürtigen Rheinländer keine Limits gesetzt.

Alles beginnt mit seinem nicht verlängerten Vertrag bei Werder Bremen im Sommer 2012. Bei den Hanseaten ist Wiese schon allein durch seine Glanzleistung im DFB-Pokal-Halbfinale 2009 gegen den norddeutschen Erzrivalen Hamburger SV (4:2 n. E.) mit 3 gehaltenen Elfmetern von Jérome Boateng, Ivica Olic und Marcell Jansen zum Volksheld geworden.

In Bremen wird Wiese DFB-Pokalsieger 2009 und 2-mal deutscher Vizemeister. Er verlängert seinen zum Saisonende 2011/2012 in Bremen auslaufenden Vertrag nicht, prahlt mit einem angeblich sicheren Engagement bei Real Madrid - und wechselt dann zur TSG 1899 Hoffenheim!

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Ailton war 2004 „Fußballer des Jahres“ und war mit Werder Bremen extrem erfolgreich. Foto: Getty Images

,,Trainingsruppe 2" und Wrestling

Tim Wiese Nationalmannschaft
Ein Bild aus besseren Tagen: Tim Wiese (r., mit Lukas Podolski und Per Mertesacker) bei seiner letzten Turnier-Teilnahme mit Deutschland, bei der EURO 2012 in Polen. Foto: Imago Images / Chai v.d. Laage

Unter Trainer Markus Babbel noch gesetzt, degradiert ihn dessen Nachfolger Marco Kurz bei ,,Hoffe" zum 3. Torhüter. In der Winterpause 2012/2013 wird mit Heurelho Gomes von Tottenham Hotspur sogar ein neuer Keeper verpflichtet.

In der Vorbereitung auf die Saison 2013/14 werden Wiese und weitere nicht mehr zum Profikader gehörende Spieler in die von Vereinsseite betitelte, inzwischen nicht nur in Hoffenheim als legendär geltende „Trainingsgruppe 2“ versetzt, die unabhängig vom übrigen Profikader trainiert. Diese Spielergruppe, die am Ende noch aus Wiese, Tobias Weis, Edson Braafheid, Matthieu Delpierre und Matthias Jaissle besteht, hält sich bis Ende September 2013. Während die übrigen Spieler der „Trainingsgruppe 2“ in das Training der 2. Mannschaft des Bundesligisten aus dem Kraichgau integriert wurden, erhält Wiese auf eigenen Wunsch Einzeltraining mit dem ehemaligen Torhüter Lutz Pfannenstiel (jetzt Manager Fortuna Düsseldorf), der als Scout im Verein beschäftigt ist.

Am 21. Januar 2014 gibt die TSG 1899 Hoffenheim die Trennung von Wiese bekannt. Angeblich hat er eine Abfindung in Höhe von 6 Millionen Euro erhalten. Wenig später wird publik, dass Wiese lediglich eine Abstandszahlung erhalten hat und sein Grundgehalt reduziert worden sei. Der Vertrag von Wiese, der weiterhin vom Spiel- und Trainingsbetrieb freigestellt war, hatte noch Gültigkeit über seine ursprüngliche Laufzeit bis zum 30. Juni 2016. Ein Wahnsinn. Der Verein will sich damit die Transfer-Rechte erhalten. Doch daraus wird nichts. Im November 2014 erklärt Wiese, dass er mit dem Fußball „nichts mehr am Hut hat" - und wechselt zum Wrestling.

Mit regelmäßigen Wrestling-Auftritten und kleineren Konflikten mit der Polizei macht der Ex-Keeper in der Folgezeit Schlagzeilen. Aber nichts bringt ihn mehr ins Zwielicht als seine mutmaßliche Präsenz am Tatort in Berlin.

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