Der Star, der seinen Mitspieler erpresste, soll nie wieder für Frankreich spielen


Karim Benzema ist derzeit einer der meist umstrittenen Persönlichkeiten im Fußball. Foto: Getty Images
Karim Benzema ist derzeit einer der meist umstrittenen Persönlichkeiten im Fußball. Foto: Getty Images

Showdown im Stade de France! Am Montagabend kommt es in Paris zum wohl entscheidenden Duell in der EM-Qualifikationsgruppe H. Frankreich gegen die Türkei, beide liegen mit je 18 Zählern Kopf an Kopf.

Die Türkei steht schon vor diesem richtungweisenden Spiel unter Beobachtung der UEFA. Nach einem fragwürdigen ,,Salutieren“ im Heimspiel gegen Albanien (1:0) nach dem Tor von Ex-SGE-Stürmer Cenk Tosun wird wegen einer ,,politischen Botschaft“, die damit in die Fußball-Welt gesendet und die auch im DFB-Team für Wirbel gesorgt hat (Ligalive.net berichtete), ermittelt.

Im Zuge des nächsten Eklats um das türkische Team gaben die deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can mit ,,Likes“ für das völlig unpassende Foto kein gutes Bild ab. Dass sie hinterher zurückrudern und der DFB dies deckt, steht für sich.

Ganz anders geht Frankreichs Didier Deschamps mit einem in Ungnade gefallenen Nationalspieler um.

Dieses Salutieren der türkischen Nationalmannschaft um Cenk Tosun (No. 9) bewegt die Fußballwelt... Foto: Imago Images / Copyright: Mahmut Burak Burkuk

Karim Benzema oder: Wie erpresse ich einen Mitspieler?

Da war die Welt noch in Ordnung: Am 17. November 2010 jubeln Karim Benzema (r.), Mathieu Valbuena (m.( und Eric Abidal mit Frankreich im Londoner Wembleystadion
Da war die Welt noch in Ordnung: Am 17. November 2010 jubeln Karim Benzema (r.), Mathieu Valbuena (m.( und Eric Abidal mit Frankreich im Londoner Wembleystadion. (Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)
Frankreichs Weltmeister-Trainer hat vor dem Spiel gegen die Türkei eine Rückkehr von Karim Benzema (31) von Real Madrid zur ,,Equipe Tricolore“ ausgeschlossen.

Der 81-fache französische Nationalspieler ist von Deschamps zur ,,Persona non Grata“ erklärt worden.

Er hat sich zu einer Affäre bekannt, die an Schäbigkeit ihresgleichen sucht. Der hoch bezahlte Profi von Real Madrid, der bei den ,,Königlichen“ sicher nicht mit Naturalien bezahlt wird, hat seinen ehemaligen Nationalmannschafts-Kollegen Mathieu Valbuena erpresst.

Im Oktober 2015 wird Benzema bezüglich eines Erpressungsversuches mit einem Sex-Video gegen Mathieu Valbuena vor einen Untersuchungsrichter zitiert und am 5. November gleichen Jahres wegen „Mittäterschaft bei einem Erpressungsversuch und Mitwirken in einer kriminellen Vereinigung“ angeklagt. Ihm wird durch Gerichtsbeschluss jeglicher Kontakt zu Valbuena untersagt. Stellen Sie sich das aktuell mal in Deutschland vor…

Am 11. Dezember 2015 wird Benzema aufgrund dieser Sachlage vom Französischen Fußballverband bis auf weiteres aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen. Die Heim-EM 2016 findet ohne den inzwischen 4-maligen Champions-League-Sieger statt.

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Franck Ribéry und Karim Benzema (r) - Zwei ,,böse Buben" des französischen Fußballs? (Photo by Phil Cole/Getty Images)

Karim Benzema gilt in Frankreich als Wiederholungstäter.

Der Stürmer mit algerischen Wurzeln Benzema wird in Frankreich bereits 2009 angeklagt, in einem Münchener Hotel Sex mit einer minderjährigen Prostituierten (dies ist strafbar nach Artikel 225-12-1 des Code pénal) gehabt zu haben. Mitangeklagt aus gleichem Grund sind auch sein Nationalmannschaftskollege Franck Ribéry vom FC Bayern sowie dessen Schwager. Im Unterschied zu Ribéry bestreitet Benzema allerdings jeglichen sexuellen Kontakt zu der Betreffenden. Der Strafprozess wird nach mehrmonatiger Unterbrechung im Januar 2014 abgeschlossen. Alle 3 Männer werden freigesprochen, da keinem – so auch die Ansicht der Staatsanwaltschaft – nachzuweisen ist, dass sie sich der Minderjährigkeit der Prostituierten bewusst waren. Das rettet sie vor dem Gefängnis.

Didier Deschamps hat sich am Freitag in einer Dokumentation bei TF1 klar zu Benzema geäußert. ,,Es ist eine sportliche Entscheidung. Ich glaube einfach nicht, dass seine Nominierung gut wäre für das Nationalteam. Meine Entscheidungen fälle ich, indem ich darüber nachdenke, was das Beste im Interesse Frankreichs ist – und was es bedeutet, unser Land zu repräsentieren. Und das ist alles“, sagte der Weltmeister von 1998, der am Dienstag 51 Jahre alt wird.

Der Real-Stürmer hat nach seiner Suspendierung aus dem Nationalteam 2015 behauptet, Deschamps habe sich dem ,,Druck des rassistischen Teils von Frankreich gebeugt“. Ähnliche Töne sind auch in Deutschland nach dem Rücktritt von Mesut Özil nach der WM 2018 und der ,,Erdogan-Affäre“ zu vernehmen. Im Januar wehrt sich Deschamps dagegen vehement: ,,Das werde ich nie vergessen. In dem Moment ist eine Grenze überschritten worden. Ich wähle französische Spieler aus, alle sind Franzosen, und es ist noch nie vorgekommen, dass ich jemanden nicht nominiert habe aufgrund seiner Hautfarbe oder Religion.“ Außerdem stellt ,,der kleine General“ klar: ,,Es gibt nur eine Wahrheit im Leben. Es kann verschiedene Versionen geben, aber nur eine Wahrheit. Ich habe ein großes Problem mit denjenigen, die glauben wollen, das sei die Wahrheit.“

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