Hennes Weisweiler – Gegen Johan Cruyff hatte er keine Chance



Hennes Weisweiler - Gegen Johan Cruyff hatte er keine Chance

Hennes Weisweiler (m.) mit seinen niederländischen Superstars Johan Cruyff (l.) und Johan Neeskens.
Hennes Weisweiler (m.) mit seinen niederländischen Superstars Johan Cruyff (l.) und Johan Neeskens. Foto: Imago Images / WEREK
Als Hennes Weisweiler 1975 den Mönchengladbacher Bökelberg verließ und nach prägenden, erfolgreichen Jahren mit der Borussia eine neue Herausforderung im Ausland suchte, konnte man sicher sein, dass die Bundesliga einen ihrer profiliertesten Trainer verloren hatte.

Wenn auch nur vorübergehend. Denn das Gastspiel des „Don“ beim FC Barcelona war nur ein Intermezzo.

Auch und trotz der Vorgabe, die sich der Gladbacher Meistertrainer der Jahre 1970, 1971 und 1975 selbst gegeben hatte. „Ich habe meinen Stil in einer Mannschaft geprägt. Nun will ich versuchen, ihn in Spanien durchzusetzen“, erklärte Weisweiler vor seinem Wechsel nach Barcelona.

 

Der „Don“ gegen den „König“ – Epischer Machtkampf in Barcelona

Daraus wurde nichts. In der katalanischen Metropole war für einen „Don“ und einen „König“, also zwei Alpha-Tiere, zu gleicher Zeit am gleichen Ort kein Platz. Denn in Barcelona „residierte“ seit 1973 der geniale niederländische Spielmacher Johan Cruyff (1947 – 2016). „El Salvador“, der Erlöser, wie die heißblütigen katalanischen Fans den Kettenraucher aus Amsterdam auch nannten, hatte den FC Barcelona im Februar 1974 zu einem epischen Triumph geführt. An vier der fünf Tore des FCB war Cruyff beteiligt. Eine 5:0-Demütigung für den Erzrivalen Real Madrid im heimischen Estadio Santiago Bernabeu. In der politisch hochbrisanten Zeit der Franco-Diktatur geriet diese Partie zu einem Politikum. Ein Spiel, das die „Cruyff-Mania“ in Barcelona auslöste und die bis heute ungebrochene Popularität des Niederländers begründete.

Der knorrige Rheinländer und der Fußball-Revoluzzer aus Holland – das konnte von Anfang an nichts werden. Cruyff war bereits damals das, was er auch noch nach seiner Trainer-Tätigkeit in Barcelona war: Ein Meinungsmacher. Sein Wort hatte bei den „Barca“-Oberen immer Gewicht und so war es keine Überraschung, dass Cruyff vom Start weg einen Kleinkrieg gegen Weisweiler führte.

„Weisweiler ist nicht der Trainer meiner Wahl“, sagte Cruyff – und damit hatte er dem deutschen Coach bereits den Federhandschuh hingeworfen. Cryuffs Befürchtung: Der eigenwillige Weisweiler wollte ihm seiner Meinung nach die spielerischen Freiheiten, die er zuvor unter seinem Landsmann und Ex-Bondscoach Rinus Michels genossen hatte, entziehen.

 

Weisweiler, der Kontrollfreak

Ob Weisweiler dies wirklich vorhatte, darüber lässt sich trefflich spekulieren. Dass Cruyff als Spieler nicht einfach zu führen war, hätte er wissen müssen. 1973 erpresste Cruyff den niederländischen Fußballverband (KNVB), in dem er offen mit seinem Karriereende drohte, würde man ihn nicht nach Spanien ziehen lassen.

Weisweilers Biograf Hermann Josef Weskamp war in einem WELT-Interview (2014) allerdings sicher: „In Mönchengladbach war er ein kleiner König, der auf alles geachtet hat, sogar auf die Anschaffung von Schnürsenkeln. Er war ein Kontroll-Freak. Und dann kommt er nach Barcelona, zu einem Unternehmen mit einem unglaublichen Netzwerk und einem Potenzial an Intrigen.“ Dies, so Weskamp über Weisweiler, habe der Erfolgstrainer aus Deutschland „völlig falsch eingeschätzt und die Konfrontation mit Johan Cruyff einfach nicht auf die Reihe bekommen.“ Ihm sei nicht klar gewesen, „welche Möglichkeiten der Cruyff hatte, um gegen Weisweiler zu intrigieren.“ Aus der erst später entwickelten, sehr erfolgreichen schwedischen Reihe „Entdecke die Möglichkeiten“ machte Cruyff in den zehn Monaten der Dauer-Fehde mit Weisweiler vor allem von seinem guten Kontakten Gebrauch. Agostin Montal, der Präsident von Barcelona stellte sich schließlich auf seine Seite – und damit war der Machtkampf entschieden.

Sportlich spätestens am 8. Februar 1976. In Sevilla hatte Cruyff ein Gegentor der Katalanen verschuldet – und kassierte die Höchststrafe. Weisweiler holte den unumstrittenen Star vom Platz. „Auswärts ist er nie über die Mittellinie gekommen“, verteidigte der deutsche Coach diese Maßnahme auch Jahre später noch. „Ich mag es nicht, wenn man mich autoritär behandelt“, giftete hingegen der gekränkte Niederländer – und lehnte sich offen gegen Weisweiler auf, der mittlerweile auch die „Barca“-Fans gegen sich hatte.

Die „Barca“-Führung setzte mit der Vertragsverlängerung von Johan Cruyff bis 1978 ein klares Zeichen in diesem Streit, der die spanischen Sportmedien in Atem hielt. Weisweiler bat wenig später um die vorzeitige Auflösung seines Zwei-Jahres-Vertrages. Der „Don“ kehrte im Sommer 1976 nach Köln zurück und konnte beim FC mit dem „Double“ 1978 und einem weiteren DFB-Pokalsieg 1977 an die Erfolge vor dem Spanien-Exil anknüpfen. Er starb am 5. Juli 1983 an den Folgen eines Herzinfarkts.

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