Junior Malanda (1994 – 2015): Ein Kabel, der Tod des belgischen Jungstars



Junior Malanda (1994 – 2015): Ein Kabel, der Tod des belgischen Jungstars

Die Eltern von Junior Malanda auf seiner Beerdigung.
Die Eltern von Junior Malanda auf seiner Beerdigung. Foto: Imago Images
Junior Malanda ist spät dran. Der Wolfsburger, 2013 für eine Ablöse von 1,7 Mio. Euro von Zulte Waregem zum VfL Wolfsburg gewechselt, hat die Abreise der „Wölfe“ ins Trainingslager nach Kapstadt in Südafrika verpasst, weil er unbedingt noch seine Playstation holen will. Der Versuch, auf dem Weg zum Flughafen Braunschweig die verlorene Zeit mit dem Auto wieder herauszuholen, endet für ihn tödlich. Bei Regen und starkem Wind kommt der VW von der Fahrbahn ab, Malanda, der auf der Rückbank sitzt, wird aus dem Wagen geschleudert, ist sofort tot.

Die Nachricht vom Tod des Fußballprofis verbreitet sich im beschaulichen Wolfsburg wie ein Lauffeuer. Spontan treffen sich mehr als 1.000  VfL-Fans an der Volkswagen Arena zu einem spontanen Trauermarsch. Die Bundesliga ist in der Winterpause, doch der Schock sitzt tief. Junior Malanda – er steht für die personifizierte Tragik eines Profis. So lesen sich seine Leistungsdaten, so liest sich das Protokoll seines Unfalls. Sein Bundesliga-Debüt gibt er am 8. Februar 2014 beim 3:0-Erfolg beim 1. FSV Mainz 05. In den folgenden Wochen bleibt Junior Malanda jedoch ohne Einsatz im Kader des Teams von Trainer Dieter Hecking, ehe ihn eine Kreuzbandzerrung im April 2014 fünf weitere Wochen zum Zuschauen zwingt. Die vergebene Riesen-Chance beim FC Bayern ließ Junior Malanda nicht mehr los.

Die letzten Sekunden im Leben von Bernard Malanda-Adje, genannt Junior, kann die Polizei erst neun Monate nach dem tragischen Unfalltod des belgisch-kongolesischen Fußballprofis auf der A2 bei Porta Westfalica exakt rekonstruieren. Den am 10. Januar 2015 auf dem Weg ins Trainingslager des VfL Wolfsburg tödlich verunglückten Mittelfeldspieler kostete die Tatsache, nicht angeschnallt zu sein und das Bücken nach einem in den Fußraum eines VW-Geländewagens gefallenen Handy-Ladekabels wohl das Leben.

Malandas belgischer Kollege Anthony D‘ Alberto, zu diesem Zeitpunkt Profi in Venlo in den Niederlanden, hatte den Unglückswagen, einen VW Touareg, an diesem rabenschwarzen 10. Januar 2015 gesteuert. Der mittlerweile beim SC Braga in Portugal unter Vertrag stehende Verteidiger überlebt schwer verletzt.

Im Bundesliga-Eröffnungsspiel der Saison 2014/2015 beim FC Bayern München (1:2) wird ganz Fußball-Deutschland Zeuge, wie Malanda aus weniger als einem Meter den Ball neben das leere Tor stolpert. Den beißenden Spott in den sozialen Netzwerken bekommt der Belgier umsonst. Eine weitere vergebene Großchance eine Woche später gegen Eintracht Frankfurt (2:2) lässt in das Seelenleben des Nachwuchsspielers, der alle belgischen Junioren-Nationalteams durchlief, blicken. „Junior sieht man die Enttäuschung förmlich an“, erklärt Hecking in der Pressekonferenz nach dem Spiel, „ich hätte es ihm gewünscht, dass er seinen Fehlschuss von München wieder gutmachen kann.“ Daraus wird nichts.

Junior Malanda wird sich nie wieder in die Torschützenliste des VfL Wolfsburg eintragen. Seinen letzten Einsatz für den Deutschen Meister von 2009 bestreitet er am 20. Dezember 2014, beim 2:1 gegen den 1. FC Köln. Fünf Wochen später spielt der VfL Wolfsburg wieder gegen den FC Bayern. Es ist Spiel eins nach dem tragischen Unfalltod Malandas.

Die Partie zwischen Verfolger Wolfsburg und dem souveränen Spitzenreiter aus München wird zu einer der emotionalsten Trauerfeiern in der Bundesliga-Geschichte. „Gemeinsam haben wir uns entschieden, heute nicht in Stille zu gedenken“, so die Ansage via Stadion-Mikrofon unmittelbar vor der Gedenkminute, „sondern leidenschaftlich, farbenfroh, mit der positiven Energie, die Junior eigen war.

Dieser Moment und dieser Beifall sind für Junior Malanda.“ Was folgt, ist tosender Applaus von den Rängen. Eine beeindruckende Choreographie in der Wolfsburger Fankurve („Junior Malanda – Für immer in unseren Herzen“) tut ihr Übriges, verstärkt diesen emotionalen Eindruck. Die Liga vergisst keinen.

Im DFB-Pokalfinale 2015 tritt Wolfsburg am 30. Mai 2015 mit einem grünen Herz und Malandas Trikotnummer 19 auf den Shirts an. „Wir haben alle Spiele auch für ihn gespielt. Jetzt ist er nicht nur in unseren Köpfen, sondern auch auf den Trikots“, sagt VfL-Sportdirektor Klaus Allofs. Wolfsburg setzt sich mit 3:1 gegen Borussia Dortmund durch, das seinem scheidenden Erfolgstrainer Jürgen Klopp zum Abschied den Pokal schenken will.

Aber die Wölfe, die die Saison als Vizemeister beendeten und damit die beste Bilanz seit ihrem Meisterjahr 2008/2009 einfuhren, haben an diesem Finaltag einfach die emotionalere Geschichte – und widmen ihrem verstorbenen Kollegen Malanda diesen Pokaltitel.

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