Die Lebensgeschichte des Fußballers Ralf von Diericke


Ralf von Diericke (m.) mit Fortuna Düsseldorf im Rhein-Derby gegen den 1. FC Köln mit Gerd Strack und Dieter Prestin (r.) am 17. August 1983. Foto: Imago Images / Kicker / Liedel

Die Fußball-Bundesliga hat in mehr als 55 Jahren viele gefallene Profis erlebt.

Spieler werden kriminell, erpressen ihre Klubs, geraten auf die schiefe Bahn. Ein Profi greift sogar zum allerletzten Mittel: Er überfällt die Geschäftsstelle des eigenen Vereins.

Raf von Diericke (heute 58) gehört zu den Spielern, die im Gefängnis landen und die bis heute keine 2. Chance erhalten haben.

In einem Interview mit dem Kicker-Sportmagazin erzählt der ehemalige Stürmer von Fortuna Düsseldorf seine unglaubliche Geschichte.

Ralf von Diericke
Ralf von Diericke im Trikot des VfL Osnabrück, 1980/81. Foto: Imago Images / Rust

Wie ,,Der Baron" auf die schiefe Bahn geriet...

Ralf von Diericke Fortuna Düsseldorf
Willibert Kremer (Trainer Fortuna Düsseldorf) mit Neuzugang Ralf von Diericke (re.). Foto: Imago Images / Horstmüller

,,Nach dem Gefängnis”, erzählt von Diericke im Kicker-Sportmagazin (Donnerstag-Ausgabe), ,,der Fußball-Bundesliga und dem Quereinstieg in die Versicherungsbranche habe ich von 1998 bis 2012 erfolgreich gearbeitet. Dann traf mich die Arbeitslosigkeit unvorbereitet.”

Eines ist für von Diericke jedoch schlimmer als ohne Job zu sein. Die scheinbar endlose Nachweisbarkeit von Lebensereignissen im Internet. Motto: Das Netz vergisst nie!

Und fokussiert sich auf die negativen Seiten des Lebens.

,,Der Baron steht wieder auf”, zeigt die Zeitung Rheinische Post im April 2019 beispielsweise ein Foto des gefallenen Ex-Profis in einer kargen Behausung.

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Auch Calmund wollte von Diericke

Peter Rohrschneider Kriminelle Fußballprofis
Auch HSV-Profi Peter Rohrschneider, hier ein Foto aus dem Jahr 1967, wurde kriminell. Foto: Imago Images / Kicker/Metelmann

Ralf von Dierickes Fußballkarriere steht von Anfang an unter keinem guten Stern.

Der gebürtige Osnabrücker entwickelt sich unter Trainer Werner Biskup (†  2014) zum begehrten Sturm-Juwel. Den Vertrag, den die Osnabrücker dem damals 17-Jährigen anbieten, bezeichnet von Diericke bis heute als ,,unseriös”. Er nimmt sich aber auch selbst in die Pflicht: ,,Naiv wie ich war, unterschrieb ich einen Vertrag über 5 Jahre zu 500 Mark im Monat.”

Er wechselt zum Ex-Bundesligisten Wuppertaler SV, wo er gemeinsam mit dem Berliner Jonny Hey bester Torschütze in der Oberliga Nordrhein wird. Die Scouts der rheinischen Bundesliga-Klubs werden auf von Diericke aufmerksam. ,,Reiner Calmund bekundete Interesse”, berichtet Ralf von Diericke, ,,Bayer Uerdingen und Fortuna Düsseldorf – ich konnte es mir aussuchen.” Zum 1. Juli 1983 wechselt der Stürmer zur Fortuna, wo er mit den Flingeranern sogar an die Tabellenspitze springt. Erst die Verpflichtung des Isländers Atli Edvaldsson (†  2019) beendet den Höhenflug von Dierickes bei der Fortuna und Trainer Willibert Kremer. ,,Daraufhin”, so von Diericke im Kicker, ,,wollte ich zurück nach Wuppertal. Das hätte ich besser sein lassen.”

Die Re-Amateurisierung bringt von Diericke in Schwierigkeiten. Zum 30. Dezember 1984 bleibt das versprochene und nachzuzahlende Gehalt von 15.000 Mark aus. Als er im Februar 1985 auf der WSV-Geschäftsstelle gerade mal 50 Mark in die Hand gedrückt bekommt, wenden sich die Dinge. Am 17. Februar 1985 überfällt ein maskierter Mann die Wuppertaler Büroräume.  Er sperrt eine Angestellte auf der Toilette ein und erbeutet 11.000 Mark Ticketing-Einnahmen aus dem Spiel gegen Bad Honnef. Es stellt sich heraus, dass von Diericke der Komplize des Räubers ist. Von Diericke gesteht zudem, dass er auch eine Spielothek in Wuppertal überfallen hat und wird zu 6 Jahren Haft verurteilt. Davon verbringt er 3 Jahre und 7 Monate in der JVA, ehe er als Freigänger in der Oberliga Nordrhein für Remscheid und 1988 für Union Solingen spielt. 2006 beendet Ralf von Diericke seine Fußballerlaufbahn beim SV Straelen. Seine bittere Erkenntnis: ,,Durch das Internet wird mir die Geschichte noch nach 35 Jahren vorgehalten. Ich war jung und blauäugig und hatte keine Glaskugel, was diese Tat für Auswirkungen auf mein Leben hat.”

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