Leicester City: Auf Fußball-Märchen folgt die Tragödie


Es ist eine der schlimmsten Stunden in der Geschichte der englischen Premier League. Leicester Citys Eigentümer Vichai Srivaddhanaprabha stirbt bei einem Hubschrauber-Absturz unweit des King Power Stadium.

Am Sonntag sieht man am King Power Stadium nur trauernde Fans von Leicester City. Rund um das nach dem Unternehmen des Klubbesitzers Vichai Srivaddhanaprabha (60) benannte Stadion legen viele Anhänger Blumen und Schals nieder. Die Trauer hat die ganze Liga erfasst. „Betet für jeden, der in den Helikopter-Vorfall von Leicester involviert ist“, schreibt der ehemalige deutsche Fußball-Nationalspieler Mesut Özil (30) vom FC Arsenal bei Twitter. Auch der weitgereiste schwedische Trainer Sven-Göran Eriksson (70), 2010/2011 Coach von Leicester City, war es traurig: „Er in meiner Zeit beim Verein jedes Spiel gesehen und hatte einen unglaublichen Einfluss auf Leicester City.“ Leicester-Idol Gary Lineker (57), Fußball-Moderator bei BBC, gibt zu: „Für mich war es sehr schwer, meine Sendung zu Ende zu führen.“

Vorangegangen ist eine der größten Tragödien im englischen Fußball. Der Hubschrauber mit Vichai Srivaddhanaprabha und 4 weiteren Personen an Bord stürzt im Anschluss an das 1:1 des englischen Meisters von 2016 unmittelbar nach dem Start in der Nähe des Stadions ab.

Dass der thailändische Gründer der Duty-Free-Shop-Gruppe King Power an Bord des Helikopters war, bestätigt Leicester City am Sonntagnachmittag. Der Tod von Vichai Srivaddhanaprabha ist das Ende eines Fußballmärchens. Dem finanziellen Engagement und der umgänglichen Art des asiatischen Geschäftsmannes verdanken Leicester City und Fußball-Europa eines der unglaublichsten Meisterstücke.

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Die Fußballwelt trauert um Vichai Srivaddhanaprabha. (Photo by Tony Marshall/Getty Images )

Die Fans von Leicester City sind am Sonntag untröstlich. Viele haben Fans Blumen in der Spielstätte des englischen Fußball-Erstligisten niedergelegt. Sie trauern. Sie stützen sich gegenseitig.

Vichai Srivaddhanaprabha: Der Tod am Stadion

28. Oktober 2018: Fans von Leicester City trauern vor dem King Power Stadium um Vichai Srivaddhanaprabha. (Photo by Stephen Pond/Getty Images)

Was ist passiert? Der Helikopter des Vereinspräsidenten Vichai Srivaddhanaprabha stürzt am Samstagabend ab, kurz nachdem er vom Spielfeld abgehoben hat. Der Hubschrauber zerschellt auf einem Parkplatz neben dem Stadion und geht in Flammen auf.

Lange können die Rettungskräfte keine Angaben über die Zahl der Opfer gemacht, doch es gibt schon am Samstagabend kaum Hoffnung, dass die Insassen des Hubschraubers überlebt haben könnten. Am Sonntag ist es traurige Gewissheit: Vichai Srivaddhanaprabha, seine 2 Begleiter und 2 Piloten sind tot. Die BBC berichtet unter Berufung auf eine Quelle, die der Familie Srivaddhanaprabha nahesteht, dass der thailändische Milliardär und Leicester-City-Besitzer an Bord gewesen sein soll.

Es gehört zu den liebenswerten Ritual von Heimspielen des Clubs, dass der Präsident per Hubschrauber ins Stadion ein- und ausgeflogen wird. Der in den blau-weißen Vereinsfarben lackierte Hubschrauber landet dafür regelmäßig am Mittelkreis. Auch Sky News berichtet unter Berufung auf eine ungenannte, dem Verein nahestehende Quelle, Srivaddhanaprabha ist an Bord der Maschine.

Die Spieler von Leicester City um Stürmerstar Jamie Vardy hoffen vergeblich auf gute Nachrichten rund um die Tragödie.

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Vichai Srivaddhanaprabha machte das Leicester-Wunder möglich

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No Vardy, no Party - Leicester City rockte die Premier League!

Vichai Srivaddhanaprabha übernimmt Leicester City 2010 vom serbischen Geschäftsmann Milan Mandaric, kauft den Klub aus den East Midlands für umgerechnet 45 Mio. Euro.

Er lässt das Walkers Stadium nach seiner Shop-Kette King Power umbenennen und baut den Verein Stück für Stück um. Mit dem Aufstieg in die Premier League und dem fast wundersamen Klassenverbleib – 8 Spieltage vor Saisonende stehen die Foxes noch abgeschlagen am Tabellenende – setzt der Thailänder als Klub-Mäzen einen ersten Meilenstein.

Mit der Ankunft des italienischen Trainers Claudio Ranieri (67) erklimmt Leicester City am 13. Spieltag erstmals die Tabellenspitze in der englischen Fußball-Eliteliga. Der bis dahin in Fußball-Europa völlig unbekannte Leicester-Angreifer Jamie Vardy stellt zwischen dem 29. August und 28. November 2015 (4. bis 14. Spieltag) einen neuen Rekord in der Premier League auf.

Er trifft in 11 aufeinanderfolgenden Liga-Spielen und überflügelt damit den legendären Man.United-Star Ruud van Nistelrooy („Van, the Man“), der von März bis August 2003 in zehn Spielen in Folge eingenetzt hat. Vardy führt Leicester mit 24 Treffern in 36 Saisonspielen zur nie für möglich gehaltenen Meisterschaft der Premier-League-Geschichte. Die Wettquoten für den Außenseiter liegen anfangs auf 5.000:1. Die Fußballwelt verneigt sich vor dem Klub, der dem Fußball die Romantik zurückbringt und für den auch der frühere deutsche Nationalspieler Robert Huth spielt.

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Vom verlachten Investor zum Liebling der Fans

Robert Huth mit der Premier League Trophäe.
Das Leicester-Wunder geht 2016/2017 in der Champions League weiter. Mit dem neuen Coach Craig Shakespeare (55) stürmt die Mannschaft bis ins Viertelfinale.

Vichai Srivaddhanaprabha ist bei vielen Spielen auf der Tribüne des King Power Stadium. Sein grausamer Tod versetzt Fußball-England– wie 2003 beim Ableben des Kameruners Marc-Vivien Foé, früher Manchester City, während des Confederations Cup in Frankreich – in kollektive Schockstarre.

Auch 2004, beim Tod von Tottenhams Trainer-Legende Billy Nicholson, hält das glitzernde Fußball-Business der Premier League inne. Gestandene Fußball-veteranen wie Pat Jennings, Martin Chivers oder Paul Gascoigne können ihre Tränen nicht zurückhalten. So auch dieses Mal. Leicesters dänischer Torhüter Kasper Schmeichel (31) wird von seinen Emotionen überwältigt und bricht nach Bekanntwerden der schrecklichen Nachrichten in Tränen aus.

„Leicester Citys Eigentümer Vichai Srivaddhanaprabha war der Macher des größten Wunders in der englischen Fußballgeschichte”, schreibt Oliver Holt am Sonntag im Daily mail, „verkannt als ein weiterer, machthungriger ausländischer Vereinseigentümer aus dem Fernen Osten, der nicht viel über den Fußball weiß, machte er die Giganten der Liga lächerlich.“ David Radburn, Besitzer des Fan-Pubs The Local Hero, sagt: ,,Er hat uns in Leicester einen Traum geschenkt. Wir hätten nie auch nur daran gedacht, dass wir die Premier League gewinnen können – und wir konnten dies nur mit seiner Hilfe und der Führung seiner Familie.“

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