Manfred Kastl: Der zweitteuerste Bundesliga-Spieler fällt tief



Manfred Kastl: Der zweitteuerste Bundesliga-Spieler fällt tief

Manfred Kastl (l., mit Trainer-Legende Ernst Happel) kam 1986 aus Fürth nach Hamburg.
Manfred Kastl (l., mit Trainer-Legende Ernst Happel) kam 1986 aus Fürth nach Hamburg. Foto: Imago Images / Kicker / Liedel
Im Sommer 2017 blicken die Hamburger Medien nahezu geschlossen auf das 30-jährige Jubiläum des letzten HSV-Titelgewinns, den DFB-Pokal-Triumph am 20. Juni 1987 in Berlin. Die Frage, was die Pokal-Helden von damals heute machen, steht dabei über allem.

Geht man das Hamburger Teamfoto bei der Nationalhymne durch – so findet man mit Kapitän Thomas von Heesen, Europameister und Klub-Idol Manfred Kaltz oder dem späteren Vorstand Dietmar Beiersdorfer einige Spieler, die auch nach 30 Jahren noch ein hervorragendes Standing im Fußball haben. Für den neben Beiersdorfer stehenden Blondschopf namens Manfred Kastl gilt das nicht.

Manfred „Manni“ Kastl – mit seinem fränkischen Kumpel „Didi“ Beiersdorfer 1986 aus Fürth nach Hamburg gekommen, hat mit zwei Toren in fünf Spielen seinen Anteil in dieser erfolgreichen HSV-Pokalsaison. Sein Treffer zum 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach bringt die Hanseaten am 31. März 1987 in ihr bis heute letztes großes Finale.

Bayer 04 Leverkusen legt für den kopfballstarken Stürmer nach 21 Pflichtspieltoren in 46 Auftritten im Sommer 1988 umgerechnet 1,25 Mio. Euro hin. Das ist die bis dahin zweithöchste Summe im deutschen Profifußball. Sogar Chelsea lockt, wie Kastl schon zum 25-jährigen Pokal-Jubiläum dem Hamburger Abendblatt erzählt, mit einem siebenstelligen Angebot.

Nach nur einer Saison am Rhein wechselt Kastl zum VfB Stuttgart wo er am 16. Mai 1992 durch ein 2:1 bei seinem Ex-Klub Leverkusen mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft den größten Erfolg seiner Karriere verbucht.

Letztmalig im Rampenlicht sieht man Kastl im Oktober 1992 beim Pokalmatch des SSV Ulm gegen den späteren UEFA-Cup-Finalisten Borussia Dortmund (1:3). Jahre später, nahe der tschechischen Grenze, 21. September 2004. Manfred Kastl ist zu einer Golfplatz-Einweihung eingeladen. Da er bereits Alkohol zu sich genommen hat, will er sich von einem Security-Mann ins Hotel chauffieren lassen. Die Fahrt endet an einem Baum. Der Fahrer verstirbt später, Kastl erleidet schwerste Verletzungen. Beckentrümmerbruch, Rippenfrakturen und Schädelhirntrauma – der Pokalheld a. D. liegt wochenlang im Koma. Fast neun Monate ist er sogar entmündigt, weil das von ihm betriebene Pflegeheim weiter geführt werden muss.

Für Kastl („Vom Unfall weiß ich gar nichts mehr, mir fehlen vier bis sechs Jahre meines Lebens“) wird es ein unglaublich harter Kampf zurück ins Leben. Er sitzt im Rollstuhl, muss wieder sprechen lernen. Der Kampf gegen die tschechischen Versicherungen um seine Entschädigung, Behandlungs- und Anwaltskosten verschlingen fast 900.000 Euro. Aus Tschechien erhält er lediglich 160.000 Euro zurück. Die Folge: Sein Pflegeheim geht Pleite, 2008 muss Kastl Insolvenz anmelden. Dazu kommen zwei Ehescheidungen.

Besonders bitter für Kastl, der nach den Ereignissen in Nürnberg lebt und Arbeitslosenunterstützung bezieht: Bei seinen Ex-Klubs interessierte sich keiner für sein Schicksal. Nicht mal sein alter Spezl Beiersdorfer. „Ich habe wegen einer Anstellung möglicherweise als Büro-Angestellter oder Jugendbetreuer nachgefragt – ohne Erfolg“, so Kastl, „aber ich habe nie eine Antwort erhalten, nicht einmal eine Absage. Das ist sehr enttäuschend.“

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