Robert Enke (1977- 2009): Der Suizid des deutschen Nationaltorhüters



Robert Enke (1977- 2009): Der Suizid des deutschen Nationaltorhüters

Robert Enke mit Tochter
Robert Enke mit Tochter. Foto: Imago Images
Kurz vor dem Rückrundenstart der Fußball-Bundesliga im Januar 2010 greift man bei Hannover 96 zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. Das 6,5 x 6,5 Meter große Riesen-Trikot von Robert Enke unter dem Dach der Westtribüne der AWD-Arena wird nach nur zwei Monaten wieder entfernt.

Es ist der Tag, an dem Robert Enke freiwillig in den Tod ging. Am Bahnübergang von Eilvese, in der Nachbarschaft seines Wohnorts Empede, wurde der Torhüter von Hannover 96 von einem Regionalzug erfasst. Robert Enke hat sich das Leben genommen – und die Bundesliga in eine bis dahin nie gekannte Schockstarre versetzt. Beim Trauer-Gottesdienst mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und bei der Trauerfeier in der AWD Arena spielen sich ergreifende Szenen ab. Gestandene Männer wie Michael Ballack oder Europameister Oliver Bierhoff müssen sich ihrer Tränen nicht schämen.

„Wir dachten, es würde der Mannschaft helfen“, sagt 96-Manager Jörg Schmadtke kleinlaut, „aber das war nicht der Fall.“ An Fußball ist bei den Roten seit dem 10. November 2009 nur schwerlich zu denken.

Enkes Witwe Teresa, die schon einen Tag nach dem Tod ihres Mannes mit bewundernswertem Mut und Offenheit über die Depressionserkrankung des achtmaligen Nationaltorhüters spricht, muss von Freunden gestützt werden. In der Arena ist es so still, dass nur das Geräusch der flatternden 96-Flaggen die gespenstische Ruhe durchbricht.

„Wir dachten, mit Liebe geht das“, dieser programmatische Satz von Teresa Enke bringt es auf den Punkt. In Hannover hatte der sensible Torhüter, 1996 von seinem Stammverein FC Carl Zeiss Jena zu Borussia Mönchengladbach in die Bundesliga gewechselt, den Kampf gegen seine Krankheit angenommen – und er schien gesiegt zu haben.

Doch die Depression ließ Robert Enke, der sich auf einem kleinen Bauernhof in Empede wohl nichts mehr gewünscht hat, als endlich zur Ruhe zu kommen, nicht mehr los. Zu schwer wog der Verlust seiner schwer kranken, erst zwei Jahre alten Tochter Lara im Jahr 2006.

Zu hart waren Robert Enkes Erlebnisse im Bundesliga-Abstiegskampf und im Ausland. In der Saison 1998/99 konnte der Keeper den ersten Abstieg des fünffachen Deutschen Meisters Borussia Mönchengladbach bei 79 Gegentoren nicht verhindern. Die Flucht ins Ausland, zu Benfica Lissabon mit dem deutschen Trainer Jupp Heynckes (199) und 2002 zum FC Barcelona mit dem niederländischen Trainer-General Louis van Gaal waren für Robert Enke nie der erhoffte Karriere-Schub – und erst recht nicht der ersehnte Befreiungsschlag.

In Barcelona absolvierte Enke nur ein einziges Ligaspiel, sein Wechsel zu Fenerbahce Istanbul geriet im Sommer 2003 zum Desaster. Die Fener-Fans wollten ihm nach einer Niederlage an den Kragen, bewarfen ihn mit Gegenständen. Enke löste seinen Vertrag mit sofortiger Wirkung auf und kehrte nach einem Leih-Geschäft bei CD Teneriffa im Sommer 2004 nach Deutschland zurück. Für Hannover 96 stand er in 164 Liga-Spielen zwischen den Pfosten.

Die hartnäckige Verletzung seines Nationalmannschaftskonkurrenten René Adler – im Oktober 2008 nach grandiosen Paraden im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Russland (1:0) noch als WM-Keeper für Südafrika gehandelt – konnte Robert Enke nicht nutzen.

Sein Traum von der WM-Teilnahme platzte, nachdem er – bedingt durch seine Depression – die Länderspiele im Herbst 2009 gegen Aserbaidschan, in Russland und gegen Finnland nicht bestreiten konnte. Der Auftritt mit dem DFB-Team am 12. August 2009 in Baku gegen Aserbaidschan (2:0) wurde zu Enkes letztem Länderspiel.

Nur wenige Insider wussten zu diesem Zeitpunkt, wie es tatsächlich um die Seele des stillen, stets professionell und höflich auftretenden Keepers bestellt war. „Sein Stil war unspektakulär und prägend, souverän und unaufgeregt“, schreibt der Autor Michael Richter 2013 im Kicker-Special 50 Jahre Bundesliga über Enke, „das alles machte ihn zu einem Vorbild vieler junger Torhüter und erklärt die Erschütterung nach seinem Tod.“ 96-Boss Martin Kind lobte vor allem Enkes „Spagat zwischen Profisport und Menschlichkeit“. Enke und seine Frau Teresa engagierten sich u. a. für die Tierschutzorganisation PETA.

Hannover 96 traf Enkes Tod hart. Nach dem Suizid des Torhüters blieb man in zwölf aufeinanderfolgenden Liga-Spielen ohne Sieg, erst ein 6:1 gegen Gladbach und ein 3:0 beim VfL Bochum am 34. Spieltag retteten das Team von Trainer Mirko Slomka vor dem Abstieg.

Das Enke-Trikot ist in der AWD-Arena nicht mehr zu sehen. Dennoch ist der verstorbene Torhüter in Hannover allgegenwärtig. Nur 14 Monate nach seinem Tod benannte die Stadt das Arthur-Menge-Ufer in Robert-Enke-Straße um.

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