Vor 15 Jahren: ,,The Special Job” – So verspielte Mourinho beim FC Barcelona!


Er ist vermutlich auf längere Sicht der letzte Gäste-Trainer, der bei einem Champions-League-Spiel in Deutschland vorstellig geworden ist.

José Mourinho (57) gastiert am 10. März 2020 mit den Tottenham Hotspur bei RB Leipzig. Vor bis heute letztmals voll besetzten Rängen in einem deutschen Stadion unterliegt ,,The Special One”, der auf der Pressekonferenz zuvor versucht, mit seinen Sprüchen die Stimmung ein wenig zu heben, mit 0:3. Das gelingt nicht wirklich. Nach der Partei in der Red Bull Arena gibt es in Deutschland gar kein Champions-League-Heimspiel mehr und in der Europa League spielen Eintracht Frankfurt und der VfL Wolfsburg bis zum ,,Shutdown” am Freitag, dem 13. März 2020, vor leeren Rängen.

Fast auf den Tag genau 15 Jahre zuvor hat der Portugiese einen der größten Triumphe seiner Trainerkarriere gefeiert. Der Mann mit dem grauen Mantel schlägt mit dem FC Chelsea den FC Barcelona im Champions-League-Achtelfinale mit 4:2 (Hinspiel: 1:2).

Mourinho, der sich gleich bei seiner Ankunft in London im Sommer 2004 als ,,The Special One” (Dt.: Der Besondere) einpreist, hat mit ,,Mes que un Club” seine ganz private Rechnung offen – und begleicht sie in einem unvergesslichen Champions-League-Spiel.

José Mourinho FC Chelsea - FC Barcelona 4:2
Die Triumphatoren von der Stamford Bridge: Frank Lampard (l.) und José Mourinho feiern den 4:2-Wahnsinn mit dem FC Chelsea gegen den FC Barcelona im Champions-League-Achtelfinale am 8. März 2005. Foto: Imago Images / PanoramiC

Autor: ,,Barca-Coach zu werden, war Mourinhos größter Traum"

Willkommen in London - und kennen Sie diese vier freundlichen Herren? Am 20. Juli 2004 stellt der FC Chelseas neuer Trainer José Mourinho (2. v. l.) und die Neuzugänge (v. l.) Arjen Robben, Petr Cech und Mateja Kezman im Rahmen einer Pressekonferenz vor... (Photo by Christopher Lee/Getty Images)
Mourinho und das Zerwürfnis mit dem FC Barcelona – Alles beginnt vor fast 23 Jahren. Mit der Ankunft eines ,,Feierbiests”.

Aloysius Paulus Maria „Louis“ van Gaal, auch genannt ,,Louis” van Gaal (heute 68) übernimmt ,,Barca” als Coach vom ebenso gutmütigen wie erfolgreichen Engländer Sir Bobby Robson († 2009). Zuvor hat der stets unnahbar wirkende ,,Tulpen-General” Ajax Amsterdam zu 3 niederländischen Meistertiteln, zum UEFA-Cup-Sieg 1992 und zum Gewinn der Champions League 1995 geführt. ,,LvG” gilt als Intimfeind des in Barcelona als kultisch verehrten ,,König” Johan Cruyff (1947 – 2016), der ,,Barca” zum ,,Dream Team” gemacht hat.

Dass ausgerechnet er ,,Mes que un Club” übernimmt, kommt bei vielen Fans des FC Barcelona und den gestrengen Medien in Katalanien nicht gut an. Van Gaal behält aber den bisherigen Assistenten und Übersetzer von Robson, einen gewissen José Mourinho.

Er ,,war in Barcelona eindeutig mehr als nur ein Dolmetscher, aber in dieser Funktion kannten ihn die katalanischen Medien, und Klubpräsident Nunez hielt beharrlich an dieser Bezeichnung fest”, schreibt der in Barcelona geborene Autor und Journalist Guillem Balagué 2012 in Pep Guardiola – Another Way of Winning (Dt: Pep Guardiola – Die Biografie / Verlag: btb 2014), ,,bei van Gaals Ablösung im Jahr 2000 wurde Mourinhos Vertrag nicht verlängert. Der Rest ist Geschichte. Mourinho wurde zum Erfolgstrainer und seine Titelgewinne mit Porto und Chelsea verhalfen ihm zu der Chance, in Barcelona Frank Rijkaards Nachfolger zu werden, was mit Sicherheit sein größter Traum war.”

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Gegen Barcelona zieht Mourinho alle Register...

,,Egal, was du tust, du wirst mich nicht schlagen" - Pep Guardiola inmitten seiner Intimfeinde, Zlatan Ibrahimovic (l.) und José Mourinho. Foto: Imago Images / Copyright: imago/Alterphotos

Dass man ihn nach dem ,,Aus” von van Gaal als Nachfolge-Kandidaten übersieht, nimmt Mourinho den Katalanen übel.

Und umgekehrt. ,,Mourinho – Übersetzer” oder ,,Mourinho, geh ins Theater” sind noch die freundlichsten Fan-Plakate bei der Rückkehr ins Estadio Camp Nou 2005 mit Chelsea.

Das Shakehands der beiden Trainer-Rivalen fällt – wie später auch bei Mourinho und seinem Erzrivalen Pep Guardiola – eisig aus. ,,Bei dieser ersten von zahlreichen stürmischen Begegnungen mit den Katalanen beschuldigte Mourinho seinen Kollegen Rijkaard, zur Halbzeit den Schiedsrichter Anders Frisk in seiner Kabine aufgesucht zu haben”, schreibt Balagué über den denkwürdigen 8. März 2005, ,,Mourinho beschwerte sich bei der UEFA, und nach dem darauffolgenden Wirbel gab Frisk seinen Rücktritt bekannt, nachdem er wegen dieser Sache per E-Mail Morddrohungen aus Fankreisen erhalten hatte. Der Vorsitzende der UEFA-Schiedsrichterkommission, der Deutsche Volker Roth, bezeichnete Mourinho wegen dieser Entwicklung als ,Feind des Fußballs'”.

Doch mit der Ekel-Masche hat ,,The Special One” Erfolg. Die ,,Blues” drehen gegen ,,Barca” am Schwungrad. Nach 19 Minuten (!) führen die Londoner durch Tore von Eidur Gudjohnsen, Frank ,,Lamps” Lampard und Damien Duff mit 3:0. Ronaldinho bringt Barcelona mit 2 Treffern noch vor der Pause wieder in die Spur. Ein umstrittenes Kopfballtor von John Terry (76.) besiegelt das ,,Aus” des FC Barcelona gegen den neuen High Flyer des europäischen Fußballs. Vor Terrys Treffer hat der auch noch abseits stehende Portugiese Ricardo Carvalho ,,Barca”-Keeper Victor Valdes entscheidend behindert. Mourinho ist das reichlich egal. Nach dem Abpfiff läuft er auf den Rasen, schwingt die rechte Faust und umarmt seine Spieler. Im Chelsea-Team ist auch ein junger Berliner. Es ist der Abwehrspieler Robert Huth (damals 20). Im premiere-Studio an der Stamford Bridge sagt er anschließend ganz bescheiden: ,,Für den Trainer ist das ein persönlicher Erfolg, weil er letztes Jahr schon die Champions League gewonnen hat…”

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